covid19-massnahmen

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Einleitung von Finn Schlichenmaier

Verhaltensveränderung ist gefragt in diesen Zeiten. Covid-19 hat eine Krise ausgelöst, die sich nicht ‘nur’ auf den Finanz- und Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem beschränkt. Vielmehr durchdringt das Virus die gesamte Gesellschaft. Die Politik ist gefragt, die Regierungen stehen auf dem Prüfstand; aber auch die Einzelnen, die Akteure, sehen sich einer gemeinschaftlichen Verantwortung gegenüber. Wie wird man so einer Bedrohung habhaft? Wie können wir unser Verhalten kollektiv steuern? Das sind Fragen, die im Jahr 2020 neue Aktualität erleben.

Wer sich trotz Covid-19 dann und wann in ein Restaurant oder eine Bar verirrt hat, der wird festgestellt haben: die Anpassung an die Ausnahmesituation und die Umsetzung der behördlichen Auflagen können höchst unterschiedlich ausfallen. Unser Längenmass scheint nicht mehr verbindlich: eineinhalb Meter, der geforderte Mindestabstand zwischen den Tischen, kann je nach Betrieb schrumpfen oder wachsen; wo man am einen Ort gar nicht erst etwas bestellen kann, ohne seine Kontaktdaten (mit Unterschrift) hinterlegt zu haben, hat man andernorts gar nicht erst Gelegenheit dazu; das Personal kann wahlweise schon den ganzen Sommer Masken tragen oder das Essen mit seinen Aerosolen würzen, indem es lauthals die Bestellnummern über den Tellern verkündet. Diese etwas zugespitzte Darstellung soll verdeutlichen, dass die Umsetzung von rechtlichen Normen alles andere ist als eine Selbstverständlichkeit – und damit die traditionsreiche Frage nach der Rechtswirkung stellen. Wie ist das Verhältnis von gesetztem Recht und gelebter Faktizität in der Gesellschaft? Um diese Kernfrage kreist die vorliegende Arbeit.

Die Gastronomie ist eine der Branchen, die vom severe acute respiratory coronavirus type 2 (im Folgenden SARS-CoV-2) am stärksten getroffen werden. Mal abgesehen vom grundlegenden Bestreben, am Ende des Tages – oder Jahres – keine Verlustrechnung machen zu müssen, gestaltet sich der Umgang mit der Krise nicht trivial. Die Massnahmen des Bundesrates und der Kantone sind als einzelne keine komplexe Angelegenheit, aber die Umsetzung dann eben schon: wie geht man mit der beschränkten Nutzungsmöglichkeit des Raumes um? Wie kann man Ansteckungsketten unterbinden? Wie kann man die Atmosphäre nicht verschandeln mit den Tischwänden? Wie sieht es mit Anschaffungskosten aus? Wie kann man die Kontaktdaten effizient erfassen?

Eine qualitative Befragung soll diesen mannigfachen Eigenheiten gerecht werden und Einsicht in die Prozesse und Motive geben, die zu der Befolgung – oder gegebenenfalls Nichtbefolgung – der Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 führen.
ProLitteris

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