Umsetzung von Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 Schlichenmaier

Finn Schlichenmaier

Umsetzung von Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 und dahinterstehende Motive in der Zürcher Gastronomie.

Eine qualitative Studie.

ISBN 978-3-907230-28-2

Preis CHF 45.-

Bestellen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Josef Estermann 5

1 Einleitung 7

2 Gegenstand 8

2.1 Fragestellung 8

2.2 Vorbemerkungen 9

2.3 Normstruktur 10

3 Theoretische Ansätze und Hypothesen 12

3.1 Sanktionen und Externalitäten 12

3.2 Intrinsische Motivation und Identität 13

3.3 Innovation und Konformität 15

4 Methodisches Vorgehen 17

4.1 Interview 17

4.2 Befragungspersonen 19

4.3 Transkription und Inhaltsanalyse 20

4.4 Weitere Überlegungen 20

5 Analyse 21

5.1 Motive zur selbständigen Adaption 21

5.2 Motive zur Befolgung oder Nichtbefolgung der Massnahmen 23

5.3 Hypothesen 27

6 Ergebnisse 33

7 Literaturverzeichnis 36

8 Anhang: Interviewtranskripte 37

Interview 1: G2 – 04.11.20 37

Interview 2: G1 – 06.11.20 43

Interview 3: G3 – 06.11.20 50

Interview 4: G4 – 11.11.20 54

Vorwort von Josef Estermann

„Corona“ war das, was die Welt im Jahre 2020 beinahe aus den Fugen hat geraten lassen. Nichts Lebensalltägliches war mehr wie vorher. Das Seminar „Empirische Ansätze der Rechtssoziologie“ im Herbstsemester 2020 an der Universität Zürich wurde wie alle Lehrveranstaltungen nach vier oder fünf Seminarveranstaltungen mit physischer Präsenz in den Online-Status versetzt, ein Umstand, der die notwendige gemeinsame Diskussion von Theorie und Datenmaterial beträchtlich erschwerte.

Eine zentrale Fragestellung der Rechtssoziologie ist die Frage nach den Wirkmechanismen von rechtlichen Normen als Einflussfaktoren für menschliches Handeln. Im politischen Diskurs findet sich in den Argumentationen regelmässig die Annahme einer automatischen Wirkung von (staatlicher) Normsetzung auf individuelles Verhalten. Diese Annahme ist jedenfalls zu bezweifeln.

Die Hoffnungen, welche seit dem letzten Jahrhundert in die Soziologie gesetzt wurden, beruhen auf der Erkenntnis, dass wissenschaftliche Analyse von Gesellschaft zu einer (positiven) Transformation von Gesellschaft beitragen kann, ein durch und durch aufklärerischer Gedanke.

Der aufklärerische Anspruch wird am besten erfüllt, wenn Analysen zeitnah und zeitgerecht zur Verfügung gestellt und nicht nur in kleinen wissenschaftlichen Zirkeln bebrütet werden. So haben wir uns entschlossen, die einschlägigen Forschungsarbeiten aus dem Seminar zu veröffentlichen. „Corona“ hat zu einer beträchtlichen Beschleunigung von Entwicklungstendenzen geführt, welche schon vorher angelegt waren, wie etwa die Digitalisierung oder die Produktion von Gütern im Mikro- und Nanobereich. Noch nie wurden Produktion und Auslieferung einer Reihe von effizienten Impfstoffen innerhalb eines Jahres bewerkstelligt, ein Prozess, der früher bis zu zehn, zwanzig oder mehr Jahre in Anspruch genommen hat.1 Noch nie wurde ein so grosser Anteil von Arbeiten in den wissenschaftlichen Zeitschriften so schnell im Rahmen von fast tracks mit eingeschränktem peer review publiziert. Auch wir haben die Untersuchungen2 im Rahmen unseres Seminars innerhalb eines halben Jahres durchgeführt und veröffentlicht.

Finn Schlichenmaier hat die Gastronomie zum Gegenstand seiner Untersuchung gemacht, zum einen weil er in diesem Bereich über praktische Erfahrung verfügt, zum andern weil in der kleinen Grosstadt Zürich in diesem Wirtschaftsbereich ein bedeutender Teil der lokalen Wertschöpfung erwirtschaftet wird. Die Gastronomie ist sozusagen die profane Seite des Kulturbetriebs, welcher die Integration der Gesellschaft sicherstellt und die Interaktion der Mitglieder in ein Ganzes vermittelt, wie es Theater, Sport, Literatur, Konzerte, bildende Kunst zu tun in der Lage sind. Dieser gesellschaftliche Bereich wurde von der Politik, eben weil er die Kontakthäufigkeit und -intensität der Massen moderiert, aus epidemiologischen und gesundheitssystembedingten Gründen massiv eingeschränkt. Selbstverständlich ist dies nur möglich, wenn die staatlichen Strukturen die Einkommensverluste der in diesem Sektor beschäftigten Menschen kompensieren, sonst wären gewalttätige gesellschaftliche Kompensationen über kurz oder lang nicht zu vermeiden gewesen, zum grossen Schaden für die gesellschaftliche Kohäsion.

Es stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage sich Verhaltensänderungen durchgesetzt haben. Sind es normative Vorgaben der Behörden, die Gesetze? Sind es Einsichten in die Überlebensnotwendigkeiten der Handelnden selbst und ihrer Bezugspersonen? Ist es die Angst vor negativen Sanktionen? Ist es die ökonomische Positionierung, der Markt, die Erwerbsnotwendigkeiten? Oder das individuelle Verantwortlichkeitsgefühl für alle Mitmenschen, für den Schutz der Schwächsten?

1 Philipp Ball: What the lightning-fast quest for COVID vaccines means for other diseases. The speedy approach used to tackle SARS-CoV-2 could change the future of vaccine science. In: nature, Vol 589, 7 January 2021, S. 16-18.

2 Raffaela Christina de Vries: Aushandlung der Maskenpflicht im Kanton Zürich. Eine qualitative Studie, Zürich 2021. ProLitteris hier zu diesem Text

Einleitung von Finn Schlichenmaier

Hier