{"id":1142,"date":"2021-02-23T01:19:14","date_gmt":"2021-02-22T23:19:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1142"},"modified":"2022-11-07T13:38:20","modified_gmt":"2022-11-07T11:38:20","slug":"sozialepidemiologie-des-drogenkonsums","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1142","title":{"rendered":"Sozialepidemiologie des Drogenkonsums H\u00fcgi"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1177\"><strong>Mehr lesen: Ute Herrmann und Josef Estermann: Fragestellungen, Vorgehensweisen und Begriffsbestimmungen   ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.b1704ae3-e5bf-4a7f-96d2-92126d622938\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Analyse biographischer Daten<br>von Daniela H\u00fcgi und Josef Estermann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Die meisten Studien \u00fcber Drogenkonsumierende, ob epidemiologisch orientiert oder bestimmte spezifische Untersuchungsfelder anvisierend, sind dadurch eingeschr\u00e4nkt, dass sie ihre Informationen lediglich \u00fcber verschiedene, zum Teil problemspezifisch ausgerichtete Institutionen beziehen oder \u00fcber sozialstatistische Befragungen, durch die eine gleichm\u00e4ssige Erreichbarkeit der Konsumierenden nicht gew\u00e4hrleistet ist. Die Art des Feldzugangs beeinflusst die Resultate jedoch nachhaltig und muss im Hinblick auf eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p> Um diesem Problem zu begegnen, erg\u00e4nzen hier Informationen \u00fcber schwer zug\u00e4ngliche Bereiche des Feldes die Analyse quantitativer institutionell erfasster Massendaten zu drogenkonsumierenden Personen. Als Datenbasis dienen themenzentrierte biografische Interviews mit Konsumierenden harter, illegaler Drogen, die sozial nicht auff\u00e4llig, das heisst nicht auf Grund ihres Drogenkonsums polizeilich registriert oder medizinalisiert sind. Im Vordergrund steht dabei das Interesse, subjektive Einsch\u00e4tzungen der Konsumierenden zur Wahrscheinlichkeit der institutionellen Erfassung zu erheben.<\/p>\n\n\n\n<p> Idealerweise liessen sich aus diesen Erkenntnissen numerische Sch\u00e4tzungen bisher wenig bekannter Teile der untersuchten Population herleiten. Auch wenn dies nur ansatzweise gelingt, bietet das Material die Grundlage f\u00fcr das Generieren von Hypothesen \u00fcber m\u00f6gliche oder typische protektive Faktoren, welche einen verdeckten, unauff\u00e4lligen Konsum harter, illegaler Drogen erm\u00f6glichen, sowie f\u00fcr Aussagen \u00fcber den erh\u00f6hten Immunisierungsgrad gewisser drogenkonsumierender Gruppen gegen\u00fcber repressiven oder medizinischen Institutionen. Ausserdem zeigt sich die zentrale Bedeutung der Merkmale Alter und Geschlecht. Keine Person, die fortgesetzt harte, illegale Drogen einnimmt, wird unmittelbar in eine spezifische Statistik aufgenommen und somit zur \u201eoffiziell gez\u00e4hlten\u201c Population der Drogenkonsumierenden gerechnet. Vom Zeitpunkt der Aufnahme des Konsums bis zu einer Erfassung durch die Polizei oder dem Eintritt in eine medizinische Behandlung aufgrund des Drogenkonsums verstreicht eine Weile. Die unterschiedliche Dauer dieser Zeitspanne h\u00e4ngt nicht bloss von dem Konsumierenden selbst, sondern auch von institutionellen Bedingungen wie Therapieangeboten und Repressionsintensit\u00e4t sowie von der Marktlage ab. W\u00e4re sie f\u00fcr alle Konsumierenden gleich, so w\u00fcrde sich das Problem einer Sch\u00e4tzung der Gesamtpopulation im Untersuchungsfeld lediglich auf die Frage nach dem Ausmass der j\u00e4hrlichen Inzidenz (Neueintritte in die Population) und der j\u00e4hrlichen Remission (Austritte durch dauerhafte Abstinenz) beziehungsweise Auswanderung oder Ableben reduzieren. Doch die zur Verf\u00fcgung stehenden Massendaten zeigen bereits eindeutig, dass Drogenkonsumierende \u00fcber die Zeit unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten in Bezug auf eine institutionelle Erfassung aufweisen, und es muss angenommen werden, dass einzelne Gruppen relativ immun gegen\u00fcber dem Zugriff bestimmter Institutionen sind.<\/p>\n\n\n\n<p> Um Anhaltspunkte zur Sch\u00e4tzung der Zahl derjenigen zu gewinnen, denen es gelingt, ihren Konsum harter, illegaler Drogen gesellschaftlich verdeckt zu praktizieren, sind gezielt Zug\u00e4nge in dieses Feld zu suchen und biografische Informationen zu sammeln. Dabei bestehen folgende, grundlegende Fragestellungen im Vordergrund: Auf welche Art und in welchen Lebenszusammenh\u00e4ngen werden harte, illegale Drogen (Kokain, Heroin und andere Opiate) konsumiert, ohne dass die Konsumierenden durch dieses Handeln sozial auff\u00e4llig werden und ohne dass sie vom repressiven polizeilich-judikativen Apparat entdeckt oder medizinalisiert werden? Auf welche sozialen, \u00f6konomischen oder pers\u00f6nlichen Ressourcen st\u00fctzen sich integrierte Konsumierende harter, illegaler Drogen, um trotz oder mit ihrem Drogenkonsum den funktionalen Alltagsanforderungen zu gen\u00fcgen? Welches sind die entscheidenden Unterschiede, die eine Immunisierung gegen\u00fcber den erw\u00e4hnten gesellschaftlichen Kontrollmechanismen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p> Unterschiede sind zu erwarten in bezug auf die Einstiegs-, die Unterbrechungs- und die Ausstiegsmotivation, die Dauer des Drogenkonsums, das Konsummuster (Konsumh\u00e4ufigkeit, Konsumintensit\u00e4t), das Konsumsetting (regelgeleitete Ritualisierung des Konsums, Bedeutungszuschreibung des Konsums, der Droge und des Lebensstils), die Drogenbeschaffung sowie auf zentrale sozio\u00f6konomische und demografische Merkmale.<\/p>\n\n\n\n<p> Um diesen Fragen nachzugehen, werden biographische themenzentrierte Interviews mit integrierten Drogenkonsumierenden und mit einer Kontrollgruppe von repressiv erfassten und medizinalisierten Konsumierenden analysiert. Es sollen einerseits Erkenntnisse \u00fcber verschiedene individuelle Handlungsstrategien bez\u00fcglich der Organisation des Drogenkonsums und der Alltagsbew\u00e4ltigung sowie \u00fcber die zur Verf\u00fcgung stehenden protektiven Ressourcen gewonnen werden. Andererseits werden subjektive Einsch\u00e4tzungen zu Bef\u00fcrchtungen oder Erwartungen hinsichtlich Erfassung und Repression im Laufe der Drogenkarriere sowie einer freiwilligen Inanspruchnahme von Angeboten im medizinischen Sektor generiert.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Wahl biografischer Interviews als Methode begr\u00fcndet sich in der Annahme, dass Konsumierende harter, illegaler Drogen durch die Rekonstruktion ihrer Biographie subjektive Wahrscheinlichkeitsabsch\u00e4tzungen reflektierter und somit valider abgeben k\u00f6nnen als durch unmittelbare Antworten auf direkte diesbez\u00fcgliche Fragen. Gleichzeitig liefern die biographischen Kontexte Informationen dar\u00fcber, welche Beziehungen zwischen individuellen Handlungspraktiken, sozialen Situationen und konsumierten Drogen den Lebenslauf begleiten und bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p> Karriereverl\u00e4ufe k\u00f6nnen als konkrete Auspr\u00e4gungen der Strukturen sozialen Lebens nur partiell vom Individuum selbst beeinflusst werden. Dabei ist es unbedeutend, ob die objektiv gegebenen, \u00e4usseren gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse bewusst wahrgenommen werden oder nicht. Entscheidend ist hingegen, wie der einzelne Mensch seinen Lebenslauf deutet. Er ben\u00f6tigt eine koh\u00e4rente, selbstverst\u00e4ndliche Vergangenheit, damit er in der Interaktion mit seiner sozialen Umwelt handlungsf\u00e4hig ist. Das Produkt dieses fortw\u00e4hrenden Prozesses ist sein Selbstbild, das heisst seine Ich-Identit\u00e4t sowie seine soziale Identit\u00e4t.<br>Z\u00e4hlmarke der ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.b1704ae3-e5bf-4a7f-96d2-92126d622938\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=88\"><strong>Mehr lesen: Auswirkungen der Drogenrepression<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr lesen: Ute Herrmann und Josef Estermann: Fragestellungen, Vorgehensweisen und Begriffsbestimmungen ProLitteris Analyse biographischer Datenvon Daniela H\u00fcgi und Josef Estermann Die meisten Studien \u00fcber Drogenkonsumierende, ob epidemiologisch orientiert oder bestimmte spezifische Untersuchungsfelder anvisierend, sind dadurch eingeschr\u00e4nkt, dass sie ihre Informationen lediglich \u00fcber verschiedene, zum Teil problemspezifisch ausgerichtete Institutionen beziehen oder \u00fcber sozialstatistische Befragungen, durch die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1142\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Sozialepidemiologie des Drogenkonsums H\u00fcgi<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":284,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1142","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1142"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2491,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1142\/revisions\/2491"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}