{"id":1177,"date":"2021-02-23T03:16:10","date_gmt":"2021-02-23T01:16:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1177"},"modified":"2022-11-07T13:55:07","modified_gmt":"2022-11-07T11:55:07","slug":"sozialepidemiologie-herrmann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1177","title":{"rendered":"Sozialepidemiologie des Drogenkonsums &#8211; Fragestellung Herrmann"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=284\"><strong>Mehr lesen: Zur\u00fcck zur Sozialepidemiologie des Drogenkonsums<\/strong><br>ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.66908d37-ba19-45df-84ff-7a6e1d9b46f4\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fragestellung, Vorgehensweise und Begriffsbestimmung<br>von Ute Herrmann und Josef Estermann<\/strong><br><br>Im Massnahmenpaket zur Bek\u00e4mpfung des Drogenkonsums hat sich die Schweizer Regierung 1991 zum Ziel gesetzt, durch geeignete Vorkehrungen die Zahl der Konsumierenden von illegalen Drogen in einem ersten Schritt zu stabilisieren und in einem zweiten deutlich zu senken. Erfolg oder Misserfolg dieser Drogenpolitik l\u00e4sst sich sowohl an der Ver\u00e4nderung der Lebensqualit\u00e4t wie auch an der Zu- oder Abnahme des betroffenen Personenkreises ablesen. Die zentralen Parameter sind die Zahl der neuen Drogenkonsumierenden pro Zeiteinheit (Inzidenz) und die Zahl von Personen, die aus dem Kreis der Betroffenen pro Zeiteinheit ausscheiden (Remission oder Tod). Die Grundlage zur Beurteilung gesellschaftspolitischer Massnahmen auf dem Gebiet harter, illegaler Drogen besteht daher in de Gruppengr\u00f6ssensch\u00e4tzung zu verschiedenen Zeitpunkten. Heroin und Kokain werden allgemein aufgrund ihres hohen Suchtpotential als \u201eharte\u201c Drogen bezeichnet. Ihre Illegalit\u00e4t unterscheidet sie von den ebenfalls in hohem Masse suchtbildenden Drogen Nikotin und Alkohol. Es gab zu Beginn der neunziger Jahre keine pr\u00e4zisen Vorstellungen oder valide wissenschaftliche Erkenntnisse \u00fcber die Zahl der Konsumierenden, also \u00fcber die Gruppengr\u00f6sse. Solche Vorstellungen sind mittels einer Beschreibung der verschiedenen Kompartimente der Drogenkonsumierenden und einer Parametrisierung der \u00dcberlappungen zu gewinnen. In diesem Zusammenhang l\u00e4sst sich dann ihre Zahl erst n\u00e4her beleuchten. Allerdings bleibt zu ber\u00fccksichtigen, dass weder eine Verdr\u00e4ngung der Drogenkonsumierenden aus dem \u201e\u00f6ffentliche Blickfeld\u201c noch eine Ver\u00e4nderung der Drogentoten oder der Verurteilungen aufgrund von Drogendelikten, f\u00fcr sich alleine genommen g\u00fcltige Indikatoren f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der Zahl der Konsumierenden darstellen. Die vorliegende Untersuchung kombiniert daher unterschiedliche Informationsquellen, so dass ein m\u00f6glichst differenzierte, pr\u00e4zises Bild der Pr\u00e4valenz drogenkonsumierender Personen in der Schweiz entsteht.<br><br>Dazu geh\u00f6rt insbesondere auch Material \u00fcber diejenigen Heroin und Kokain konsumierenden Personen, die ihren Konsum sozial unauff\u00e4llig gestalten. Anhand von biografischen Daten wird beschrieben, welche Faktoren diese von den repressiv Erfassten unterscheiden. Dadurch soll der Einfluss von soziodemografischen, sozialen und individuellen Bedingungen auf den Karriereverlauf gezeigt werden. Bislang haben sich alle Versuche der Gruppengr\u00f6ssensch\u00e4tzung von Drogenkonsumierenden auf sozial auff\u00e4llige Populationen beschr\u00e4nkt. Diese Studie unternimmt den Versuch, die Gruppe sozial integrierter Drogenkonsumierender soweit als m\u00f6glich in die Sch\u00e4tzungen einzubeziehen.<br><br>Auf der Basis der Verbindung von Massendaten mit qualitativen Materialien soll hier eine m\u00f6glichst zuverl\u00e4ssige Sch\u00e4tzung der Gruppengr\u00f6sse Heroin und Kokain konsumierender Personen in der Schweiz innerhalb enger Vertrauensbereiche als sozialepidemiologische Grundinformation gewonnen werden. Die Situation Heroin und Kokain Konsumierender \u00e4hnelt sich insofern, dass zwar Heroin und Kokain nicht im gleichen Masse eine k\u00f6rperliche Toleranzentwicklung hervorrufen &#8211; diese liegt in erster Linie beim Konsum von Heroin vor &#8211; dass jedoch beide Drogen ein hohes Suchtpotential eigen ist, das unter den Bedingungen von Prohibition und Repression h\u00e4ufig zu physischer und psychischer Deprivation und sozialer Auff\u00e4lligkeit f\u00fchrt. Beide Drogen werden h\u00e4ufig intraven\u00f6s injiziert, eine Applikationsform, die f\u00fcr die \u00dcbertragung von HIV und Hepatitisviren relevant ist. Die Konsumierenden von Cannabisprodukten allein sind hier nicht ber\u00fccksichtigt, sofern sie nicht gleichzeitig andere Substanzen intraven\u00f6s konsumieren. Zwar ist etwa Haschisch ebenfalls eine illegale Droge, ihr Genuss wirkt jedoch kaum so suchtbildend. Dar\u00fcber hinaus sind in den letzten Jahren in der Schweiz beachtliche Schritte in Richtung der Legalisierung des Gebrauchs von Cannabisprodukten gemacht worden. Die Droge Nikotin hingegen verursacht in hohem Masse k\u00f6rperliche Abh\u00e4ngigkeit und ist \u00fcberdies sehr gesundheitssch\u00e4digend. Dies gilt auch f\u00fcr Alkohol, dessen Konsum dar\u00fcber hinaus oft markantes soziales Fehlverhalten nach sich zieht. Durch die gesellschaftliche Integration dieser Drogen f\u00fchrt der Konsum seltener zu Verelendung und sozialer Auff\u00e4lligkeit.<br><br>Im Zentrum stehen Erkenntnisse \u00fcber die Ver\u00e4nderung der Gruppengr\u00f6ssen im Zeitverlauf, die Sch\u00e4tzung von Pr\u00e4valenz, Inzidenz, Remission und Mortalit\u00e4t, die Dauer und Art der Karrieren Konsumierender und den Einfluss von Geschlecht, Alter und sozialer Einbindung. Der qualitative Ansatz st\u00fctzt sich auf biografische Interviews und fokussiert protektive Faktoren, die einen Abstieg in soziale Marginalisierung und sozialmedizinische Bed\u00fcrftigkeit verhindern oder erschweren. Die Sch\u00e4tzung von Pr\u00e4valenz, Inzidenz, Remission und Mortalit\u00e4t bietet die M\u00f6glichkeit, unterschiedliche Drogenpolitiken in ihrer Wirkung zu beschreiben und wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfbar zu machen. Pr\u00e4valenz bezeichnet hier den bev\u00f6lkerungsrelativen Anteil von Heroin- oder Kokain konsumierenden Personen in einer bestimmten Zeiteinheit oder zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie wird hier errechnet durch Division der ermittelten Anzahl Konsumierender durch die Gesamtbev\u00f6lkerung oder durch bestimmte Teile der Bev\u00f6lkerung, z.b. f\u00fcr Geschlecht und Altersgruppen. Inzidenz bezeichnet das Auftreten von neuen Personen, Remission das Ausscheiden von Personen mit bestimmten Merkmalen in einer bestimmten Zeiteinheit. Inzidenz und Remission werden in asoluten Zahlen oder bev\u00f6lkerungsrelativ ausgedr\u00fcckt. Die Mortalit\u00e4t einer Population wird dargestellt durch die absolute Anzahl der Verstorbenen oder durch den Anteil der Verstorbenen in dieser Population. Die Begriffe Pr\u00e4valenz, Inzidenz, Remission und Mortalit\u00e4t stammen aus der medizinischen Epidemiologie und werden hier in diesem Sinne verwendet.<br><br>Die Gruppengr\u00f6ssensch\u00e4tzungen und die qualitativen Ergebnisse k\u00f6nnen die Basis f\u00fcr die Abw\u00e4gung von Kosten und Nutzen im Repressionsbereich und im sozialtherapeutischen Sektor bilden, wobei insbesondere die Frage des Grenznutzens drogenpolitischer Massnahmen von Bedeutung ist. Sie k\u00f6nnen in Beziehung gesetzt werden zu Daten der Epidemiologie von Hepatitis und AIDS. Schon seit l\u00e4ngerer Zeit sind die Hepatitisviren HAV, HBV und HCV in der Population Heroin und Kokain konsumierenden Personen weit verbreitet. In den Jahren 1983 bis 1987 drang HIV massiv in die Gruppe injizierender Drogenbenutzer ein. Die Gruppengr\u00f6ssensch\u00e4tzungen, gekoppelt mit Erkenntnissen zu Pr\u00e4valenz und zu Infektionswegen dieser Viruserkrankungen in der Population Drogenkonsumierender, bilden die Grundlage f\u00fcr die Beurteilung der Entwicklung dieser Epidemien.<br><br>Hier steht die Z\u00e4hlmarke der ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.66908d37-ba19-45df-84ff-7a6e1d9b46f4\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=284\"><strong>Mehr lesen: Zur\u00fcck zur Sozialepidemiologie des Drogenkonsums<\/strong><\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr lesen: Zur\u00fcck zur Sozialepidemiologie des DrogenkonsumsProLitteris Fragestellung, Vorgehensweise und Begriffsbestimmungvon Ute Herrmann und Josef Estermann Im Massnahmenpaket zur Bek\u00e4mpfung des Drogenkonsums hat sich die Schweizer Regierung 1991 zum Ziel gesetzt, durch geeignete Vorkehrungen die Zahl der Konsumierenden von illegalen Drogen in einem ersten Schritt zu stabilisieren und in einem zweiten deutlich zu senken. 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