{"id":1249,"date":"2021-02-24T05:58:45","date_gmt":"2021-02-24T03:58:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1249"},"modified":"2022-12-12T18:26:44","modified_gmt":"2022-12-12T16:26:44","slug":"pflegevorsorge-fuer-die-aelteren-probleme-der-systemintegration","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1249","title":{"rendered":"Gesundheitsberufe Pflegevorsorge f\u00fcr die \u00c4lteren"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anton Amann, Josef Estermann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.393cff70-536e-4077-92e2-109041d9db89\" width=\"1\" height=\"1\">is<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1850\"><strong>Weiterlesen Gemperle<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abstract<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gegenstand des Beitrags ist die gesellschaftliche Entwicklung und Perspektive der Pflege von \u00e4lteren Personen. Dabei wird nicht in erster Linie berufs- oder professionssoziologisch argumentiert, sondern auf Basis einer die Sozialpolitik und die Soziale Arbeit einschlie\u00dfenden Gesamtsicht des Feldes der Pflegevor\u00adsorge, welches interprofessionell bzw. interdisziplin\u00e4r strukturiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel unseres Beitrages ist die Analyse der Entwicklung und des Status der mobilen, station\u00e4ren und teilstation\u00e4ren Betreuung und Pflege f\u00fcr \u00e4ltere Men\u00adschen. Wir ber\u00fchren die Themen der Pflege in Spit\u00e4lern sowie die Betreuung von Menschen mit Behinderungen nicht. Es geht um die Thematisierung einer theo\u00adretischen und strukturellen Unterbestimmtheit der Pflegevorsorge, die sich aus verschiedenen Bedingungen ergibt wie z. B. zu wenig reflektierten neuen Her\u00adausforderungen, entstanden aus einer enormen Ver\u00e4nderung von Bed\u00fcrfnislagen der Klientel, unterschiedlich weit fortgeschrittenen Verberuflichungs- und Pro\u00adfessionalisierungsprozessen in den verschiedenen Subfeldern der Pflege, oder aus der Entwicklung einer \u201egemischten Wohlfahrtsproduktion\u201c (Kaufmann 1997) und ihren Folgen f\u00fcr die Angebotsstrukturen. Es wird daher eine Perspektive an\u00adgelegt, die das System der Sozialpolitik im Auge hat, innerhalb dessen die Pfle\u00adgevorsorge einen bestimmten Platz einnimmt. Unter Pflegevorsorge verstehen wir die gesetzlich geregelte und institutionell organisierte Gesamtheit an Ange\u00adbotsformen f\u00fcr betreuungs- und pflegebed\u00fcrftige \u00c4ltere, die sich in den europ\u00e4i\u00adschen Wohlfahrtsstaaten herausgebildet hat und von unterschiedlichen Berufs\u00adgruppen realisiert wird. Den Begriff Pflegevorsorge verwenden wir als General\u00adbegriff, auch wenn er sonst, wie z. B. in Deutschland, eher mit Blick auf die Versicherungsstrategien innerhalb des Systems der Sozialen Sicherheit eingesetzt wird. Notwendigerweise kommen dabei verschiedene Felder in den Blick, in denen ganz verschiedene Gruppen, von pflegerischen Hilfsberufen bis zu medi\u00adzinischen Spezialprofessionen, institutionell vertreten sind.<a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> Im Anschluss an die \u00dcberlegungen zur Unterbestimmtheit der Pflegevorsorge stellen wir einen Vor\u00adschlag zur Diskussion, auf welche Weise die genannte theoretische und struktu\u00adrelle Unterbestimmtheit und der Status ungleich weit fortgeschrittener Professio\u00adnalisierung bzw. Verberuflichung ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Pflege und Betreuung unter neuen Entwicklungsbedingungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.1 Allgemeine Ausgangslage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die demokratischen politischen Systeme der europ\u00e4ischen Gesellschaften haben sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund der verschiedensten rechtlichen Rege\u00adlungen dazu entschieden und sich damit auch verpflichtet, eine menschenw\u00fcrdi\u00adge und f\u00fcr alle zug\u00e4ngliche Versorgung und Pflege mit zeitgem\u00e4\u00dfen sozia\u00adlen und medizinischen Einrichtungen auf einem ebenfalls zeitgem\u00e4\u00dfen Qualit\u00e4ts\u00adniveau zu schaffen (Amann 1998: 137). Dieser Selbstverpflichtung nachzukom\u00admen, wird als Kern einer auf Integration und sozialen Frieden bedachten Sozial\u00adpolitik angesehen. Obwohl Leistungsumfang und Leistungsniveau vieler Bereiche gek\u00fcrzt und beschnitten worden sind, d\u00fcrfte diese Selbstverpflichtung als Prinzip weiterhin G\u00fcltigkeit behalten. Obwohl \u2013 nach einem Wort C. Offes \u2013 der Wohl\u00adfahrtsstaat als die \u201ewichtigste Friedensformel fortgeschrittener kapitalistischer Demokratien\u201c gelten muss, ist dieser inzwischen selbst zum Gegenstand heftiger Kritik und fundamentalen Zweifels geworden. Dabei ist bisher der Wohl\u00adfahrtsstaat nicht als Konstruktion selbst in Frage gestellt, sondern haupts\u00e4chlich aus neoliberaler Perspektive als (zu) gro\u00dfe Belastung f\u00fcr die Wirtschaft kritisiert worden \u2013 \u00fcbrigens in v\u00f6lliger Verkennung der Tatsache, dass eine kapitalistische Wirtschaft ohne diese Staatsfunktion wahrscheinlich gar nicht funktionieren k\u00f6nnte (Polanyi 1978).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Staaten stehen vor der Notwendigkeit, wegen Knappheitsbedingungen von der versprochenen Zielerf\u00fcllung laufend abweichen zu m\u00fcssen, dies aber nur soweit tun zu k\u00f6nnen, wie die Akzeptanz des Volkes reicht. Es geht um die para\u00addoxe Situation, dass ein System, das \u201eWohlfahrt\u201c schafft oder schaffen will, zugleich um seine Legitimit\u00e4t bangen muss (Amann 1998: 138). Der in ihren Absichten durchaus gro\u00dfz\u00fcgigen wohlfahrtsstaatlichen Programmatik stehen zur Erf\u00fcllung immer mehr und immer gr\u00f6\u00dfere Hindernisse entgegen. Analysen der Versorgungssysteme lassen Defizite zutage treten, die sofort beseitigt werden sollten; sie lassen aber auch in der Zukunft erheblich wachsende Zusatzbedarfe absehen, die schrittweise immer weitere und neue Anstrengungen erfordern wer\u00adden, um mindestens das bisher erreichte Versorgungsniveau halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind nicht wenige L\u00e4nder in einer Situation, in der Mittel im Sozialbe\u00adreich gek\u00fcrzt werden, und in der sich wegen wachsender Ungleichheit erhebliche Unzufriedenheit bemerkbar macht. K\u00fcrzung von Arbeitslosengeld und Sozialhil\u00adfeleistungen, zeitliche Limitation der Notstandshilfe, Abbau der Rehabilitations\u00adleistungen und der Kurkostenerstattungen durch die Krankenversicherungen, rigidere Auslegung der Gesetze zur Beurteilung von Krankheit und Gebrechen, K\u00fcrzung der Pensionen etc. z\u00e4hlen in vielen L\u00e4ndern zu den Abbaustrategien. Solchen Entwicklungen muss, darin sind sich viele einig, gezielt gegengesteuert werden. Die Problematik liegt allerdings darin, dass alle auftauchenden Fragen geradezu magisch unter die Perspektive fiskalischer Betrachtung r\u00fccken, w\u00e4h\u00adrend sie angemessenerweise zugleich auch aus jener eines gewaltigen strukturel\u00adlen Wandels zu betrachten w\u00e4ren, der \u00fcberkommene soziale und kulturelle Struk\u00adturen auf entscheidende Weise ver\u00e4ndert und nach ganz neuen, auch au\u00dferhalb der bisherigen wohlfahrtsstaatlichen Programmatik liegenden L\u00f6sungen verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganze Regionen in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sehen sich diesen Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber, die einerseits zur Aufl\u00f6sung alter, z. T. jahrzehntelang funktionieren\u00adder sozialer Netze und andererseits zur unausweichlichen Notwendigkeit f\u00fchren, v\u00f6llig neuen, aber sinnvollen Ersatz oder passende Erg\u00e4nzungen zu schaffen. Sinkende Kinderzahlen und Alterungsprozess, R\u00fcckgang der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6l\u00adkerung, Pendlerprobleme, Zunahme der intergenerationellen Mobilit\u00e4t, Zunahme der (\u00e4lteren) Ein- und Zweipersonenhaushalte bei gleichzeitig rapidem R\u00fcckgang der Gro\u00dfhaushalte, Arbeitslosigkeit und Produktivit\u00e4tseinbr\u00fcche \u2013 diese und \u00e4hn\u00adliche Entwicklungen bedeuten, dass traditionelle Strukturen der Unterst\u00fctzung, Hilfe und sozialen Integration verschwinden bzw. in ihrer Leistungsf\u00e4higkeit abnehmen werden (Amann 1998: 139).<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re fatal, unter dem Druck der knappen Mittel sich nun verst\u00e4rkt darauf zu verlassen, dass \u201edie Familie\u201c und \u201edie Nachbarschaft\u201c weiterhin die Bed\u00fcrf\u00adnisse so abfangen k\u00f6nnen, wie sie es bisher getan haben. Es braucht vielmehr eine gezielte und energische Erg\u00e4nzung und Unterst\u00fctzung der familialen und nachbarschaftlichen Netze, wenn sie in Zukunft die Rolle weiter spielen k\u00f6nnen sollen, die ihnen aus best\u00e4tigter Gewohnheit zugedacht wird. Es bedarf auch einer Umorientierung im institutionellen Gef\u00fcge der professionellen Rekrutie\u00adrung und der ihr zugrunde liegenden Wissenskontexte, aus denen heraus Ausbil\u00addungs- und Allokationsstrategien zu entwickeln sind. Es w\u00e4re aber auch fatal, die M\u00f6glichkeiten der Bew\u00e4ltigung all der absehbaren Probleme und Belastungen nur unter fiskalischen Gesichtspunkten zu betrachten, wie es h\u00e4ufig geschieht. Neben den traditionellen S\u00e4ulen der familialen und nachbarschaftlichen Hilfe und der staatlichen Versorgung und Pflege wird es gemischter, wom\u00f6glich aber auch ganz neuer, oder zumindest ungewohnter, Formen und Wege der Bew\u00e4lti\u00adgung der Problemlagen bed\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls m\u00fcsste einmal der gesamte normative Hintergrund, gewisserma\u00dfen das System der Grunds\u00e4tze der Sozialpolitik \u00fcberdacht werden. Es w\u00e4ren dann, in Kontrast zu jetzigen Organisationsformen und Einrichtungen, erg\u00e4nzende oder \u00fcberhaupt neue Wege und M\u00f6glichkeiten zu formulieren. Die Gesundheits- und Sozialpolitik ist in den letzten Jahren zunehmend unter systemgef\u00e4hrdende Belastungen geraten. Die Finanzierbarkeit der Ma\u00dfnahmen scheint ihre Grenzen erreicht zu haben, aber es entstehen immer wieder neue Anspr\u00fcche und Proble\u00adme. Mit Einzelsparma\u00dfnahmen an Einzelposten ist das Problem nicht zu bew\u00e4lti\u00adgen. Neue und umfassende \u00c4nderungen sind notwendig. In einer Welt der Zif\u00adfern, Regeln und Programme bedarf das Humane besonderer Aufmerksamkeit (Amann 1998: 139).<\/p>\n\n\n\n<p>Es existieren aber auch Bereiche, in denen Soziale Arbeit und der \u201eVersor\u00adgungsstaat\u201c einen Zuwachs erfahren. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der stetige Anstieg der Zahl der vormundschaftlichen Ma\u00dfnahmen, welcher sich nicht ausschlie\u00dflich durch die demografischen Gegebenheiten erkl\u00e4rt. In den vergangenen zehn Jah\u00adren wurden in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz die gesetzlichen Bestim\u00admungen ge\u00e4ndert. Dabei wurden die alten, als paternalistisch und unzeitgem\u00e4\u00df wahrgenommenen Normen und Begriffe gestrichen und der Gedanke der Hilfe und Unterst\u00fctzung in den Vordergrund ger\u00fcckt (anstatt Vormundschaft: in \u00d6ster\u00adreich Sachwalterschaft, in Deutschland Rechtliche Betreuung, in der Schweiz Allgemeine Beistandschaft). Die Verrechtlichung f\u00fchrt tendenziell zu einem erh\u00f6hten Arbeitsaufwand und zu neuen Stellen f\u00fcr Sozialarbeiter und Juristinnen, allerdings nicht im Bereich der physischen Pflege und Versorgung, sondern im Bereich der Verwaltung und der Betreuung des <em>Citizen by Proxy<\/em>. Diese Bereiche sind insgesamt viel weniger von dem erw\u00e4hnten Abbau betroffen (vgl. Kreissl u.a. 2009, Pilgram 2009).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen bei unseren \u00dcberlegungen von einigen der bekannten Defizitbefun\u00adde in der Pflegevorsorge aus: Es gebe, hei\u00dft es, einen quantitativen und qualitati\u00adven Personalmangel, die Pflegearbeit sei zu stark vom medizinisch-naturwissen\u00adschaftlichen Code \u2013 krank\/nicht krank \u2013 gepr\u00e4gt, und die Soziale Arbeit habe sich bisher zu wenig f\u00fcr Alters- und Altersbetreuungsfragen ge\u00f6ffnet. Doch allein darauf sind die Problemlagen nicht beschr\u00e4nkt. Lange Zeit hat sich die Pflege im Halbschatten der Medizin bewegt (Schroeter 2006: 69), doch inzwi\u00adschen dr\u00e4ngt sie zunehmend ins Licht einer neuen Konstellation. Die fortschrei\u00adtende demografische Alterung zieht einen steigenden Bedarf an sozialen Diens\u00adten und Spezialeinrichtungen im station\u00e4ren Bereich f\u00fcr die \u00c4lteren nach sich, die steigende Langlebigkeit und die zahlenm\u00e4\u00dfige Zunahme der Hochaltrigen bedeutet auch eine Zunahme der chronischen und gerontopsychiatrischen Erkrankungen, die direkt auf das Feld der Pflegevorsorge durchschlagen. Im Zentrum stehen gegenw\u00e4rtig demenzielle Ver\u00e4nderungen (vor allem vom Typ Alzheimer), auf die hier aber nicht eigens eingegangen wird. Vor zehn Jahren schon wurde der \u201eVierte Bericht zur Lage der \u00e4lteren Generation in Deutsch\u00adland\u201c zum Schwerpunktthema der Hochaltrigkeit vorgelegt (Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002) und auch an Spezialpublikatio\u00adnen mangelt es nicht (als Beispiel: Aldebert 2006). Konnte lange und weithin da\u00advon ausgegangen werden, dass die Orientierungslinie Krankheit\/Gesundheit (bzw. Krankheit\/nicht-Krankheit) hie\u00df und die daraus abgeleitete kausale Krank\u00adheitsbeseitigung den unmittelbaren Handlungserfolg darstellte, so stellt sich heu\u00adte die Situation anders dar: Im Vordergrund steht die Restitution noch vorhande\u00adner Gesundheitsressourcen mit den entsprechenden pr\u00e4ventiven, aktivierenden und rehabilitativen Ma\u00dfnahmen (Schroeter 2006: 70) \u2013 <em>rehabilitatio ad optimum<\/em> wird also die Devise lauten m\u00fcssen. Mit einiger Sicherheit ist zu erwarten, dass sich aus diesen Gr\u00fcnden Pflege und Betreuung in Zukunft verschiedene Perspek\u00adtiven werden offen halten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.2 Verberuflichung und Professionalisierung \u2013 Pr\u00e4missen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Startmaschine f\u00fcr die ganze Betrachtung hei\u00dft Differenzierung des Feldes der Pflegevorsorge. Der Begriff aus dem Leistungssport ist angemessen, denn tats\u00e4chlich dreht es sich in den letzten Jahren um ein Rennen, in dem st\u00e4ndig neue T\u00e4tigkeitsfelder entworfen, neue Ausbildungsg\u00e4nge und Spezialqualifika\u00adtionen etabliert und Abgrenzungsstrategien zwischen Subfeldern entwickelt wer\u00adden, wobei der ganze Prozess zuweilen h\u00f6chst wirr und schillernd anmutet. In vielen F\u00e4llen ist dieses verwirrende Bild einfach der Tatsache geschuldet, dass ungeheurer Handlungsdruck besteht, aber aus Mangel an \u00fcbergreifenden Rege\u00adlungen Einzelaktivit\u00e4ten ohne gegenseitige Abstimmung gesetzt werden (m\u00fcs\u00adsen). Wenn ein T\u00e4tigkeitsfeld eine bestimmte Form der Praxis bedeutet, zu der ein Zugang nur \u00fcber Kenntnisse, F\u00e4higkeiten, Fertigkeiten und Erfahrung in spe\u00adzieller Kombination m\u00f6glich ist, und die T\u00e4tigkeit selbst auf Gelderwerb und Dauer gerichtet ist, so wird von einem Beruf gesprochen werden k\u00f6nnen (vgl. Blaschke, Stegmann 1989: 65). Berufliche Qualifikationen sind jedoch noch kei\u00adne Garantie f\u00fcr Professionalit\u00e4t. Berufe k\u00f6nnen als eine besondere Form von Arbeit verstanden werden, Professionen aber als eine besondere Form von Beru\u00adfen. Worin liegt der entscheidende Unterschied? Wir greifen hier einige Bestim\u00admungsst\u00fccke heraus, ohne auf eine \u00dcbersicht \u00fcber die unterschiedlichen theoreti\u00adschen Ans\u00e4tze einzugehen. In der Literatur zur Berufssoziologie werden mit eini\u00adger \u00dcbereinstimmung seit Jahrzehnten solche Berufsgruppen als Professionen gef\u00fchrt, denen besondere Merkmale zukommen wie Verbandsbildung, professio\u00adnelle Selbstkontrolle, Spezialwissen, ausgepr\u00e4gte Sozialorientierung etc. Die jeweiligen Zuordnungen sind aber nie einheitlich gewesen, H. A. Hesse hat das in seinem Standardwerk schon vor langer Zeit angemerkt (Hesse 1972). Gegen\u00ad\u00fcber und zus\u00e4tzlich zu \u00e4lteren Merkmalszuweisungen wie Kollektivorientierung (Parsons 1954), Wissenssystematik und Sozialorientierung (Hartmann 1972), oder Zentralwertorientierung (R\u00fcschemeyer 1972), sind in j\u00fcngerer Zeit etwas ge\u00e4nderte Kennungen in den Vordergrund getreten wie z. B. Berufsorganisation mit entsprechender Autonomie f\u00fcr die Kontrolle \u00fcber die eigene Arbeit (Daheim 1992). Ein relativ neues Argument ist, dass professionelles Handeln sowohl in der Wissenschaft als auch in der Alltagspraxis verankert sei und damit unmittel\u00adbar in die Lebenswelt der Klienten einwirke (Dewe 1992). Nicht jedes wissen\u00adschaftlich begr\u00fcndete berufliche Handeln aber ist professionelles Handeln; erst, wenn zur wissenschaftlich fundierten Kompetenz noch eine therapeutische Kom\u00adpetenz des Fallverstehens (Oevermann 1996) als eine spezifische Form des Fremdverstehens nach A. Sch\u00fctz (1974) hinzukommt, \u00fcbernehmen Professionen gewisserma\u00dfen eine Vermittlungsfunktion zwischen allgemeiner Theorie und konkreter Lebenspraxis (Schroeter 2006: 51).<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir nun diese \u00dcberlegungen auf das Feld der Pflegevorsorge direkt anwen\u00adden wollen, m\u00fcssen wir zuerst die einschl\u00e4gigen Merkmale f\u00fcr eine Pro\u00adfession benennen und dann die Entscheidung f\u00e4llen, wie weit sie empirisch zutreffen. Professionen k\u00f6nnen als eine besondere Form von Berufen definiert werden, wenn sie<\/p>\n\n\n\n<p>1. allgemeinen gesellschaftlichen Werten verpflichtet sind und diesen Wer\u00adten zentral entsprechende Leistungen erbringen,<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00fcber ein systematisches und institutionalisiertes Wissen verf\u00fcgen,<\/p>\n\n\n\n<p>3. in einer fallorientierten Deutung wissenschaftliches Expertentum mit allt\u00e4glicher Praxis verbinden und<\/p>\n\n\n\n<p>4. organisatorisch bzw. institutionell gest\u00fctzt, ihre beruflichen Leistungen selbst standardisieren, kontrollieren und beurteilen und sowohl \u00fcber Klienten- als auch Organisationsautonomie verf\u00fcgen (Schroeter 2006: 59).<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Pr\u00e4misse trifft auf das Feld der Pflegevorsorge ohne Zweifel zu; allerdings d\u00fcrfte das pflegerische Paradigma (Person-, Umwelt-, Gesundheit- und Pflegeorientierung) noch einer St\u00fctze durch eine allgemein anerkannte und verbindlich kodifizierte Pflegeethik bed\u00fcrfen (Remmers 2000). Gem\u00e4\u00df der zwei\u00adten Pr\u00e4misse hat sich pflegerisches Wissen in den letzten Jahren erheblich ausge\u00adweitet, teilweise befindet es sich in einem Prozess der Akademisierung. Die dritte Pr\u00e4misse ist wahrscheinlich weniger erf\u00fcllt. Es geht ja nicht nur um spezia\u00adlisiertes Expertentum, sondern vor allem auch darum, dass ein durch Wissen\u00adschaft und Forschung fundiertes Theorie- und Probleml\u00f6sungswissen mit einer fallverstehenden therapeutischen Kompetenz verbunden wird. Die vierte Pr\u00e4mis\u00adse d\u00fcrfte am wenigsten zutreffen, denn eine alle Betreuungs- und Pflegeberufe \u00fcbergreifende Berufsorganisation mit Klienten- und Organisationsautonomie existiert in der Pflegevorsorge in keinem europ\u00e4ischen Land. Ein Feld umfasst verschiedene Berufe. N\u00f6tig w\u00e4re also eine berufs\u00fcbergreifende Organisation in der Pflegevorsorge, sozusagen eine trans- und interdisziplin\u00e4re Organisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg zur \u201eProfession\u201c ist weit, weshalb wir, vor allem im Sinne der dritten Pr\u00e4misse, f\u00fcr eine grundlagentheoretische Reorientierung pl\u00e4dieren. Mithin stellt sich die Frage, ob \u201eProfessionalisierung\u201c im Feld der Pflegevorsorge \u00fcberhaupt eine wirklich zutreffende und zielf\u00fchrende analytische Kategorie sein kann. Eine grundlagentheoretische Reorientierung kann dann einen Prozess in der Praxis initiieren, wenn sich die Gesundheitsberufe unter Einschluss der Sozialen Arbeit als Einheit im Sinne eines Feldes verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Der Kontext der Pflegevorsorge \u2013 Einige Vorkl\u00e4rungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt, verstehen wir unter <em>Pflegevorsorge<\/em> die Gesamtheit der insti\u00adtutionalisierten Angebotsstrukturen, die sich in den europ\u00e4ischen Wohlfahrtsstaa\u00adten im Rahmen ihrer sachlichen Organisationsprogramme f\u00fcr die Betreuung und Pflege \u00e4lterer Menschen herausgebildet haben. Das g\u00e4ngige Konzept der <em>Profes\u00adsionalisierung<\/em> umfasst zunehmend auch das, es sei nochmals hervorgehoben, was meistens <em>Akademisierung<\/em> genannt wird. Damit ist auf der einen Seite die Etablierung von Ausbildung auf terti\u00e4rem Niveau gemeint, auf der anderen Seite aber auch, dass das Berufswissen akademisch wird und dass die T\u00e4tigkeit einer Profession erforschbar und wissenschaftlich erfassbar wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird es notwendig, die relevanten <em>T\u00e4tigkeitsfelder<\/em> grob zu umrei\u00dfen, die in der Pflegevorsorge einen Professionalisierungsprozess erleben (oder eventuell erleben werden). Zu ihnen z\u00e4hlen, gewisserma\u00dfen im Kernbereich, die medizi\u00adnisch-pflegerischen Berufe, dann die psycho-sozial ausgerichteten Berufe der sozialen Dienste sowie die hauswirtschaftlichen Dienste, und schlie\u00dflich, im eher noch peripheren Bereich, die Soziale Arbeit. Das strukturelle Moment liegt vor allem in den disziplininternen Autonomisierungsbestrebungen. In einer noch gro\u00adben Vor\u00fcberlegung z\u00e4hlen wir alle beruflichen T\u00e4tigkeiten in der Pflegevorsorge zur <em>Praktischen Sozialpolitik<\/em>. Mit dieser Setzung erfolgt notwendigerweise ein Perspektivenwechsel von den handelnden Personen im Feld der Pflegevorsorge zu den Gestaltungs-, Steuerungs- und Kontrollfunktionen der Sozialpolitik. Um einige Hinweise struktureller Art zu geben: Die von den Handelnden im Feld Pflegevorsorge gelieferten Problemdefinitionen und Handlungsanspr\u00fcche, die Eingang in Gesetzesmaterien finden, werden dadurch ebenso autorisiert und zu Steuerungsinstrumenten der Sozialpolitik wie die \u00fcber Gesetz und Verordnung anerkannten Ausbildungen, Zertifizierungen und Besch\u00e4ftigungsvoraussetzun\u00adgen, die ja h\u00e4ufig im Feld selbst vorher thematisiert werden. Es lie\u00dfen sich noch viele Beispiele der Verflechtung zwischen dem Feld Pflegevorsorge und der So\u00adzialpolitik nennen, wir gehen hier von der These aus, dass jede Professionalisie\u00adrungsdebatte \u00fcber die Pflegevorsorge ohne Bezug zur Sozialpolitik einseitig bleibt. Umgekehrt kann die \u201eProfessionalisierungsfrage\u201c selbstverst\u00e4ndlich nicht nur auf eine sozialpolitische Frage reduziert werden. Der analytische Ausschluss des Sozialpolitischen f\u00fchrt jedoch notwendigerweise zu einem Ausschluss der Betrachtung des Gebrauchswertes der Arbeitsleistung der Pflegevorsorge f\u00fcr die Bed\u00fcrftigen zu Gunsten einer blo\u00dfen Betrachtung des Tauschwertes dieser Ar\u00adbeit. Er f\u00fchrt zu einer wahrscheinlich fruchtlosen, von den Statusinteressen bestehender und entstehender Berufsverb\u00e4nden gepr\u00e4gten Debatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere \u00dcberlegungen werden wir anhand von vier Thesen und einer Schluss\u00addiskussion darzustellen versuchen. Der Angelpunkt ist die <em>Koppelung grund\u00adlagentheoretischer Konzepte<\/em> in den pflegenden Berufen und die \u00d6ffnung der Sozialen Arbeit f\u00fcr das Alter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Die Thesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>These 1<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine historische Analyse der Praktischen Sozialpolitik zeigt uns, dass seit mehr als einhundert Jahren Pflege und Soziale Arbeit, diese einen spezifischen Ent\u00adwicklungsweg genommen haben, auf dem sich neben anderen Formen der Verge\u00adsellschaftung der Pflege auch die \u201eProfessionalisierung\u201c als Reaktion auf <em>sozial\u00adpolitische Aufgaben<\/em> ausgebildet hat. Die konkrete Ausgestaltung ist so erfolgt, dass in Hinsicht auf die gestellten Aufgaben <em>T\u00e4tigkeitsziele<\/em> ausformuliert worden sind, zu deren Erreichung vor allem Wissen eingesetzt wird, das in praktischer Absicht die T\u00e4tigkeit anleitet, also spezifische <em>Interventionsformen<\/em> gebiert (zur detaillierten Begr\u00fcndung s. Amann 2000).<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft also: Die Praktische Sozialpolitik in ihren Segmenten der Pflege und der Sozialen Arbeit ist der gezielte Eingriff des Staates und privater Institu\u00adtionen \u00fcber die beruflich (und, wenn man will, professionell) Handelnden in die Lebenslagen bzw. Lebensverh\u00e4ltnisse von Menschen, die <em>unter erschwerten Bedingungen<\/em> leben (Amann 1983). Die Eingriffe beziehen sich auf die Produkti\u00adon und die Reproduktion in ihren materiellen, sozialen und kulturellen Dimen\u00adsionen im Falle von k\u00f6rperlichen, seelisch-geistigen und materiellen Defiziten. Sie betreffen wegen der strukturellen Fremdbestimmtheit der Eingriffe auch die Autonomie und Eigenkompetenz der Adressaten von f\u00fcrsorgerischen Ma\u00dfnah\u00admen. Die Ziele und auch Folgen der Eingriffe betreffen immer die Gestaltung der <em>Lebenslagen<\/em> von Gruppen oder einzelnen Menschen (Amann 2010: 142). Zu\u00adn\u00e4chst sind die Lebenslagen selbst einer wissenschaftlichen Betrachtung zu un\u00adterziehen, etwa mittels Versuchen, die Lebensqualit\u00e4t unter erschwerten Bedin\u00adgungen zu messen, wie dies z. B. in Studien \u00fcber die Lebensqualit\u00e4t von Bewoh\u00adnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen geschieht (Estermann\/Kneub\u00fchler 2006, 2008).<\/p>\n\n\n\n<p><em>These 2<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Kritik in der Pflegevorsorge ist explizit: Es zeige sich, so hei\u00dft es, dass im Verh\u00e4ltnis zum Betreuungsbedarf einerseits gewaltige personel\u00adle Defizite und andererseits qualitative Passungsungenauigkeiten zwischen Leis\u00adtungsanforderung und Leistungserbringung best\u00fcnden. Der so genannte Perso\u00adnalmangel \u00e4u\u00dfere sich prim\u00e4r als Mangel an praktisch pflegenden Personen, die funktionalen Defizite \u00e4u\u00dferten sich in nicht passungsgenauem Wissen. Au\u00dfer\u00addem habe sich die Soziale Arbeit gegen\u00fcber dem Thema Alter bisher nicht ent\u00adscheidend ge\u00f6ffnet. Dabei spielten vor allem die inhaltlich und berufsst\u00e4ndisch motivierten Abgrenzungen zwischen den einzelnen Berufsfeldern eine wesentli\u00adche Rolle, die im Laufe der Zeit spezifische Undurchl\u00e4ssigkeiten und Abschot\u00adtungen selbst innerhalb der Berufsfelder geschaffen h\u00e4tten. Diese Einsch\u00e4tzung teilen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eProfessionalisierungsprozess\u201c in der Pflegevorsorge der letzten Jahre hat es also nur unvollst\u00e4ndig geschafft, an den T\u00e4tigkeiten der Pflegevorsorge Inter\u00adessierte zu rekrutieren, und er hat es auch nur unvollst\u00e4ndig geschafft, die Defini\u00adtion und die Vermittlung des notwendigen beruflichen Wissens den sich \u00e4ndern\u00adden Anforderungen in den unterschiedlichen Praxisfeldern anzupassen. Dabei sind vor allem die Diversit\u00e4t der Praxisfelder und die rapiden Ver\u00e4nderungen des \u00c4lterwerdens selbst von Bedeutung. Im Bereich rechtlicher Ma\u00dfnahmen hinge\u00adgen (Beistandschaften, Sachwalterschaften, Verm\u00f6gens- und Finanzverwaltung. in der alten Begrifflichkeit die mit dem Entzug b\u00fcrgerlicher Rechte und Kompe\u00adtenzen verbundene Vormundschaft) geht die Professionalisierung inzwischen mit einer erfolgreichen Rekrutierung von Sozialer Arbeit und juristischer Fachkom\u00adpetenz einher (Fuchs, 2010).<\/p>\n\n\n\n<p><em>These 3<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben eingangs erw\u00e4hnt, dass zu den Kernberufsfeldern die medizinisch-pflegerischen und die psycho-sozialen T\u00e4tigkeiten der Sozialdienste sowie die hauswirtschaftlichen Dienste z\u00e4hlen, jene der Sozialen Arbeit sich aber an der Peripherie der Pflegevorsorge bef\u00e4nden. Die Soziale Arbeit in ihrem Professiona\u00adlisierungsprozess hat sich, obwohl sie sich auf die gesamte Lebensspanne bezieht, der Arbeit mit \u00e4lteren Menschen bisher nicht in dem Ma\u00dfe ge\u00f6ffnet, wie das f\u00fcr andere Zielgruppen der Fall gewesen ist. Vor allem ist keine systemati\u00adsche Erschlie\u00dfung des Alters \u00fcber die Zugrundelegung sozialp\u00e4dagogischer Erkenntnisinteressen und Konzepte erfolgt. Im institutionellen Bereich der Pfle\u00adgevorsorge selbst ist aber bisher auch kein Sogeffekt in Richtung Sozialer Arbeit entstanden. Dabei h\u00e4tten die verschiedenen Felder begr\u00fcndungstheoretisch viele Argumente gemeinsam, die ihnen die <em>Pflegevorsorge als gemeinsamen Gegen\u00adstand<\/em> definieren k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich haben die entsprechenden Felder in ihren wissenschaftlichen Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4ngen inhaltliche und methodische Abgrenzungslogiken gegeneinander entwickelt. Diese Entwicklung betrifft gera\u00adde die Berufe und Professionen, deren Charakteristikum ja darin besteht, dass sie sich im Prozess gegenseitig abschotten und nach Monopolisierung ihrer Zust\u00e4n\u00addigkeiten trachten. Demgegen\u00fcber bleibt die Sinnhaftigkeit einer gemeinsamen Gegenstandsdefinition in der Pflegevorsorge im Sinne der zweiten und dritten Pr\u00e4misse (Kap. 2.2) aufrecht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>These 4<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig scheint es so zu sein, dass beide Felder, die Pflegeberufe und die Soziale Arbeit, sich auf ihrem Professionalisierungsweg zu akademisieren versu\u00adchen, was neben anderen Strategien eine Chance bieten kann, sich auf die Gemeinsamkeiten in einer m\u00f6glichen Begr\u00fcndungslogik zu besinnen. Systemati\u00adsches und institutionalisiertes Wissen wird letztlich \u00fcber Wissenschaft und For\u00adschung produziert, wobei sich Forschung verl\u00e4sslich auch auf das Feld selbst richten muss, das der Akademisierung unterliegt. Wir richten unser Augenmerk auf die Frage, von welchen Bezugspunkten aus ein gemeinsamer Gegenstandsbe\u00adreich zu finden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Begr\u00fcndungszusammenhang ist das Konzept der <em>Lebensweltorientierung<\/em><em>,<\/em> abgeleitet aus der dritten Pr\u00e4misse, sowohl f\u00fcr die Soziale Arbeit als auch f\u00fcr die Pflegeberufe ein theoretisch vielfach argumentierter Ausgangspunkt. Das Kon\u00adzept der Lebensweltorientierung bietet \u00fcberzeugende Anschlussm\u00f6glichkeiten an weitere Konzepte, die ebenfalls f\u00fcr beide Felder enorme Bedeutung haben. Auf der einen Seite ist es das Konzept der <em>Lebenslage<\/em>, auf der anderen Seite das der <em>Lebensbew\u00e4ltigung<\/em>. In der Lebenslage sehen wir die M\u00f6glichkeit, den Bezug Gesellschaft\u2013Individu\u00adum von der Strukturseite her zu fassen, ohne das Individu\u00adum aus den Augen zu verlieren; in der Lebensbew\u00e4ltigung sehen wir die M\u00f6g\u00adlichkeit, den Bezug Indi\u00adviduum\u2013Gesellschaft vom Individuum her zu fassen, ohne die Strukturen aus dem Auge zu verlieren. Die <em>differentia specifica<\/em> f\u00fcr die Zielgruppen der Pflege\u00advorsorge liegt in der Kennzeichnung: <em>unter erschwerten Bedingungen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. M\u00f6gliche Hindernisse durch die \u00d6konomisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist \u00fcblich geworden, von einem Pflegemarkt zu sprechen bzw. von einem Markt der Dienste f\u00fcr \u00c4ltere. Schon Ende der 1990er Jahre konnte gesagt wer\u00adden, dass dieser Markt ein gr\u00f6\u00dferes Wachstum erzielt habe als manch klassischer Industriezweig (Schroeter und Prahl 1999: 50). Allerdings hat dieser Markt eine besondere Form. Die einzelnen Pflege- und Betreuungsdienste involvieren einen zunehmend gr\u00f6\u00dferen Anteil am Arbeitskr\u00e4ftepotenzial und am Sozialprodukt, die Verteilung erfolgt aber nicht \u00fcber den \u201efreien Markt\u201c, sondern unter der Regie von sozialpolitischen Regulierungen. Andererseits unterliegen die Dienste dem Uno-Actu-Prinzip, indem Produktion und Konsumtion zusammenfallen. Soziale Dienstleistungen k\u00f6nnen weder beliebig standardisiert, noch auf Vorrat produ\u00adziert werden (Amann, Ehgartner, Felder 2010). Trotzdem scheint uns, dass auch dieser ganze Bereich dem Einfluss einer Entwicklung unterliegt, die wir hier kurz skizzieren wollen. Damit f\u00fchren wir nicht vom Thema weg, sondern wollen eine Hintergrundproblematik benennen, die allzu oft eben nur im Hintergrund belassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die soziale Logik der leitenden Begriffe einer Epoche ist durch die gesell\u00adschaftliche Praxis bestimmt. Das gilt auch f\u00fcr Pflege und Sozialarbeit. Eine Geschichte des Helfens z. B. k\u00f6nnte zeigen, dass die soziale Motivierung und zu\u00adgleich Verankerung helfenden Handelns \u2013 idealtypisch argumentiert \u2013 sich vom einfachen Gesetz absoluter Gegenseitigkeit in weniger entwickelten Gesellschaf\u00adten, \u00fcber religi\u00f6s-ethisch begr\u00fcndete Pflichten in traditionalen Gesellschaften, bis zum rechtlich verankerten und geldwirtschaftlich administrierten Dienstleis\u00adtungssystem in modernen Gesellschaften entwickelt hat. Diese Entwicklungslinie macht zugleich anschaulich, dass die Logik des Helfens vom ethischen zum pla\u00adnologischen Prinzip gewandert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In archaischen Gesellschaften ist Hilfe existenziell verankert, sie gilt als Gabe, f\u00fcr die eine Gegengabe erwartet werden kann, und zwar aufgrund des Prinzips absoluter Gegenseitigkeit. Die Dankespflicht ist unspezifisch, sie kann jede Form und oft unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Gr\u00f6\u00dfe annehmen. Die Geschichte des persischen Feldherrn, der in st\u00fcrmischer Nacht von einem Hirten einen Mantel erhielt, und nach errungenem Sieg und gro\u00dfer Beute sich mit der Forderung des Hirten nach einer ganzen Insel als Gegengabe konfrontiert sah, ist bekannt. Hilfe und Gegen\u00adgabe aber erfolgt nach Ma\u00dfgabe des \u201e\u00dcberflusses\u201c an Mitteln, Zeit und Energie. Auch f\u00fcr das Almosenwesen sagte Thomas von Aquin, dass beim Empf\u00e4nger <em>extrema necessitas<\/em> (au\u00dferordentliche Bed\u00fcrftigkeit) und beim Geber <em>superfluum<\/em> (\u00dcberfluss) die Voraussetzungen des Helfens seien.<\/p>\n\n\n\n<p>In Hochkulturen verschwindet diese absolute Gegenseitigkeit des Helfens. An ihre Stelle tritt eine Umwegmotivation, vermittelt auf religi\u00f6ser Basis; Freigebig\u00adkeit wird zur Tugend des Gebens von oben nach unten, und schlie\u00dflich \u00fcberneh\u00admen Professionen das Helfen, das Geld wird zum universalen Hilfsmittel. Die Geschichte des Almosens birgt bereits den Gedanken des Erkaufens jenseitiger Belohnung durch diesseitiges Geben, das sich im monet\u00e4ren Transfer ersch\u00f6pft. Es entsteht eine ganz eigene Konstellation: Im extremen Fall entschwindet der Arme als berechtigtes Subjekt, als Zielpunkt des Interesses vollst\u00e4ndig. Das Motiv, der \u201eWert\u201c des Helfens liegt in der Bedeutung der Hilfe f\u00fcr den, der sie leistet. Die ungemeine Steigerung des Wertes des Gebens wird durch das (von Luther falsch \u00fcbersetzte) Bibelwort herbeigef\u00fchrt, dass eher ein Kamel durch das Nadel\u00f6hr als ein Reicher ins Himmelreich eingehe.<\/p>\n\n\n\n<p>In modernen Gesellschaften entwickeln sich spezialisierte Organisationen, Leistungssysteme, f\u00fcr h\u00f6chst unterschiedliche Risiken. Nun stellt sich die Frage, in welchem Rahmen ein solches Leistungssystem zu verankern ist. In modernen Gesellschaften ist Hilfe in nie zuvor erreichter Weise eine zuverl\u00e4ssig erwartbare Leistung, gleichsam Sicherheitshorizont des t\u00e4glichen Lebens auf unbegrenzte Zeit in den sachlichen Grenzen der materiellen, organisatorischen und rechtli\u00adchen Gegebenheiten. Zuverl\u00e4ssig erwartbare Leistungen, Sicherheit im Sozial- und Gesundheitsbereich und Organisationsprogramme (Luhmann 1973), alle unter der Perspektive des Helfens, haben in modernen Gesellschaften ihren Ort im Rahmen des Sozialstaats. Expertensysteme, die im Zusammenhang mit Hel\u00adfen interessieren, sind im Sozialstaat verankerte Systeme. Innerhalb der Exper\u00adtensysteme des Helfens ist der Bed\u00fcrftige aber nicht mehr ausschlie\u00dfliches Ziel des Handelns. Ebenso bedeutsam ist der Selbstschutz der Gesellschaft durch organisiertes professionelles Helfen, die Gesellschaft hat in der Form der helfen\u00adden Institutionen auch ein Interesse an sich selbst. Dies betrifft nicht nur die Pfle\u00adgevorsorge, sondern s\u00e4mtliche Strukturen der Sozialen Sicherung, ihre Verrecht\u00adlichung und deren Anpassung an die sich ver\u00e4ndernde Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das individuelle Handeln bleibt nun, bei aller Plastizit\u00e4t und Variationsbreite, die ja auch die interindividuellen Unterschiede bedingt, immer an die Rationali\u00adt\u00e4t der Institutionen gebunden. Im Falle der archaischen Gesellschaften ist diese Rationalit\u00e4t jene der Vergemeinschaftung in kleinen Gruppen, in der die Traditi\u00adon bestimmt, worin der Erfolg des Handelns bestehen kann bzw. muss; es gibt f\u00fcr den einzelnen keine wie immer geartete v\u00f6llige Unabh\u00e4ngigkeit vom kollek\u00adtiven Bewusstsein. In den traditionalen Gesellschaften \u2013 insbesondere vom Typus der europ\u00e4ischen feudalen \u2013 trat an die Stelle der Vergemeinschaftung durch Gegenseitigkeit ein komplexes System religi\u00f6s-ethischer und politisch-praktischer Imperative. Hier bestimmte die Philosophie im Verein mit einem reli\u00adgi\u00f6s durchdrungenen Wertesystem das \u201erichtige\u201c Handeln. In modernen Gesell\u00adschaften ist schlie\u00dflich als Steuerungsinstrument f\u00fcr das individuelle Handeln an die Stelle der Gegenseitigkeit und an die Stelle eines normativen Systems religi\u00ad\u00f6s-philosophischer Herkunft das Prinzip des universellen Tausches getreten, in dem richtiges Handeln vor allem materiell, technisch und taktisch erfolgreiches Handeln ist. Nicht umsonst bemisst sich die \u201eRichtigkeit\u201c pflegerischer Leistung an als notwendig erachteten T\u00e4tigkeiten, die in Minutenquanten definiert und monet\u00e4r abgegolten werden. Deren qualitativ bestimmter Gebrauchswert ver\u00adschwindet hinter dem quantitativ bestimmten Tauschwert (vgl. MEW 1961: 99f).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00e4nderungen in den Werten des helfenden Handelns verweisen noch auf ein Weiteres, das f\u00fcr unser Thema bedeutsam ist. Um handeln zu k\u00f6nnen, muss man, wie V. Flusser (1998) sagt, voraussetzen, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein soll, und dass man sie \u00e4ndern kann. Die Ontologie befasst sich mit der Fra\u00adge, wie die Welt ist; die Deontologie besch\u00e4ftigt sich damit, wie die Welt sein soll; die Methodologie schlie\u00dflich sucht nach Regeln, wie die Welt ver\u00e4ndert werden kann. Diese drei Weisen eines Verh\u00e4ltnisses zur Welt bezeichnen gleich\u00adzeitig so etwas wie eine geschichtliche Stufenfolge, in der sich diese Dreiteilung entfaltet hat. In der Antike und im Mittelalter betonte der Mensch das Sein-Sol\u00adlen der Welt: ethisch, religi\u00f6s, politisch; in der Neuzeit betonte er die Entdeckung des Seins der Welt: wissenschaftlich, experimentell, theoretisch; in der Gegen\u00adwart aber betont er die Methode: das Verh\u00e4ltnis zur Welt ist technisch, funktio\u00adnal, strategisch, effizient.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Entwicklung hat der Mensch das Wozu? \u2013 die Werte \u2013 vom Warum? \u2013 den Gegebenheiten \u2013 getrennt. Das Dilemma, in das er damit geraten ist, hat unwiderruflichen Charakter: Das Interesse hat sich auf die Methodologie verla\u00adgert, die Frage nach den Werten ist \u201emetaphysisch\u201c im abwertenden Sinn, in Umkehrung der Begriffsbedeutung ist nun wertvoll, was effizient ist: Je besser (effizienter) eine Methode, desto \u201ewertvoller\u201c ist sie. Ist Erfolg Selbstzweck und \u00e4u\u00dferster Wert?<\/p>\n\n\n\n<p>Ethik und sittliche Werte sind weithin beliebig geworden. Das schwierige Ver\u00adh\u00e4ltnis zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit hat die Menschen in Europa seit der fr\u00fchen Antike in Atem gehalten. Kern der Gerechtigkeitsvorstellungen war \u00fcber Jahrhunderte eine religi\u00f6s gest\u00fctzte, kollektive Moral, die absichtsvolle Benachteiligung einzelner Gruppen zugunsten anderer ausschloss. Diese kollek\u00adtive Moral kannte in allen Gesellschaften das Gebot, f\u00fcr die Bed\u00fcrftigen zu sor\u00adgen. Der Prozess der S\u00e4kularisierung und das Heraufkommen der wissenschaft\u00adlich-technischen Zivilisation haben an diesem altehrw\u00fcrdigen Konsens zu min\u00addestens zwei fundamentalen Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt. Zum einen begann eine individualistische und damit h\u00f6chst variable Moral, Oberhand \u00fcber die kollektive zu gewinnen, zum anderen wurde das \u00f6konomische Postulat des Nutzens bzw. des Profits selbst zu einer moralischen Pr\u00e4misse. Am Beispiel des menschlichen Alterns begegnen uns heute die Begleiterscheinungen dieses Wandels auf Schritt und Tritt. Die Folge ist eine endemische Konzentration der Diskurse der \u00d6ffent\u00adlichkeit auf Nutzen, Kosten und Finanzierbarkeit. Probleme der Zukunft werden aber nicht nur in monet\u00e4ren Gr\u00f6\u00dfen bestimmt werden k\u00f6nnen. Im Gesundheits- und Sozialbereich wird zunehmend das Erkennen und Anerkennen sozialer und kultureller sowie politischer Beitr\u00e4ge gesellschaftlicher Gruppen zur Entwick\u00adlung des Ganzen, auch durch die \u00c4lteren, die Arbeitslosen, die Menschen mit Behinderungen, die \u201eAusl\u00e4nder\u201c, eine humanit\u00e4re und zugleich gesellschaftlich erfolgreiche Strategie der Gestaltung der Verh\u00e4ltnisse kennzeichnen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir leben in einem Zeitalter gef\u00e4hrlicher T\u00e4uschungen. Das Diktat der \u00d6ko\u00adnomie und die Heilslehre des Profits durchziehen die gesamte Zivilisation mit der unbedingten Forderung nach messbarem Nutzen jedweder Lebenst\u00e4tigkeit. Einer gigantischen Invasion gleich hat die Forderung nach wirtschaftlicher Ver\u00adwertbarkeit aller Ent\u00e4u\u00dferungen der Menschen unser ganzes Weltbild koloniali\u00adsiert. Im Zentrum steht die Verwertung der Arbeitskraft um jeden Preis und also zu immer schlechteren Preisen. Wer nicht produziert, ist drau\u00dfen. In subtiler Weise \u00e4u\u00dfert sich das Prinzip selbst in den g\u00e4ngigen kurativen und rehabilitati\u00adven Programmen. Immer noch hat in der Finanzierungslogik die Wiederherstel\u00adlung der besch\u00e4digten Gesundheit zum Zweck der Wiedereingliederung in die Erwerbsarbeit oberste Priorit\u00e4t, w\u00e4hrend um Pr\u00e4vention und allgemeine Rehabi\u00adlitation, insbesondere die geriatrische, gek\u00e4mpft werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Gedanken, dass die \u00f6konomische Produktion einen gewissen Vorrang habe, kann leicht nachgefolgt werden. Bei ihm stehen zu bleiben, zeugt von hal\u00adbierter Vernunft. Dass Menschen arbeitsam, flei\u00dfig, p\u00fcnktlich und diszipliniert sind, dass sie konsumieren auf Teufel komm \u00b4raus und sich notorisch in die Kon\u00adkurrenz um \u00e4u\u00dferes Ansehen st\u00fcrzen, hat mit Erziehung und Kultur zu tun. Sol\u00adche Charakterz\u00fcge und Haltungen bringt die Wirtschaft nicht hervor, sie ist auf jene angewiesen. Sind sie aber vorhanden, so verst\u00e4rkt sie diese. Dass die Alten, gar die Hilfebed\u00fcrftigen, in diesem Spiel in einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schlechten Lage sind, hat seinen Grund auch in einer Sichtweise, die alles, selbst Soziales und Kultur, nur in Geldrechung aufgehen l\u00e4sst. Dass die Alten zur Weiterexistenz der Gesellschaft dauernd beitragen, selbst wenn sie in Pflegebetten liegen, ist eine fremde Vorstellung geworden. Schon Mitte der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts boten die Ambulanten Dienste in \u00d6sterreich Arbeitsm\u00f6glichkeiten im Ausma\u00df von 6.700 Vollzeitstellen. Kostenwahrheit in der Diskussion \u00fcber die finanziellen Belastungen im Gesundheitssystem, zeitgem\u00e4\u00dfe Vorstellungen \u00fcber Produktivit\u00e4t und Nutzen nicht bezahlter gesellschaftlicher Arbeit, die sich von den Leitideen der Nutzenfunktion industrieller Arbeit l\u00f6sen und den Logiken einer Dienstleistungsgesellschaft angepasst werden, aufkl\u00e4rende Ideen \u00fcber ein soziales Nationalprodukt, \u00fcber die desintegrativen Effekte einer kurzfristiger Interessenpolitik b\u00f6ten zumindest Reflexionshilfen f\u00fcr die Probleme, die ein \u00f6konomistisches Weltverst\u00e4ndnis schafft (Amann 2006).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Schlussdiskussion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir schicken voraus, dass wir unter den seit den sp\u00e4ten 1990er Jahren diskutier\u00adten konzeptuellen Str\u00e4ngen f\u00fcr die helfenden Berufe den der <em>Sozialpolitik<\/em> bevor\u00adzugen. Aus dieser Sicht z\u00e4hlen die T\u00e4tigkeitsfelder der Pflegevorsorge zur Prak\u00adtischen Sozialpolitik, das gilt dann auch f\u00fcr die Soziale Arbeit (Amann, Brand\u00adstetter, Vyslouzil 2010: 18). Heute dominieren in der Ausbildung f\u00fcr die Soziale Arbeit, vor allem als eine Folge des Bologna-Prozesses, eine \u00d6konomisierung und Psychologisierung der einst aussichtsreichen Konzeptologien (Merten 2008; F\u00fcrst 2010), was zu einer spezifischen Einschr\u00e4nkung des Erkenntnisgegenstan\u00addes f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ausbildung im Pflegebereich ist es zwar in den letzten Jahren zu einer verst\u00e4rkten Ber\u00fccksichtigung psycho-sozialer Inhalte gekommen, auch geriatri\u00adscher selbstverst\u00e4ndlich, doch weit weniger als in der Sozialen Arbeit gilt dort die Grundstrategie der Lebensweltorientierung. Die Leitstrategie ist nach wie vor naturwissenschaftlich-medizinisch orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht daher um eine Reorientierung im Konzeptediskurs. Unser Vorschlag zielt einerseits auf eine st\u00e4rkere \u00d6ffnung der Sozialen Arbeit f\u00fcr das Alter und seine Fragen, andererseits auf eine st\u00e4rkere Ann\u00e4herung zwischen Pflegeberufen und Sozialer Arbeit auf Grundlage ihrer theoretischen Grundstrategien.<\/p>\n\n\n\n<p>Systematisch macht es Sinn, den Gegenstandsbereich der Pflegevorsorge (1) \u00fcber das Konzept der <em>Lebenslage<\/em> (Amann 1983) zu bestimmen. Sie fungiert als die sozialstrukturelle Einbettung f\u00fcr die (2) <em>Lebensbew\u00e4ltigung<\/em> (Schweppe 2010: 59). Wie schon angemerkt, spielt die Bestimmung \u201eunter erschwerten Bedingun\u00adgen\u201c eine wesentliche Rolle. Sie l\u00e4sst sich \u00fcber die Pflegeanforderun\u00adgen der \u00e4lte\u00adren Menschen eingrenzen. Hier besteht der Nachholbedarf der Sozia\u00adlen Arbeit. Lebensbew\u00e4ltigung bedeutet dann die Aufrechterhaltung bzw. Wie\u00adderherstellung von Handlungsf\u00e4higkeit und sozialer Integration in den verschie\u00addenen Lebens\u00adphasen (B\u00f6nisch, Schr\u00f6er, Thiersch 2005). Mit der R\u00fcckbindung an die (3) <em>Bio\u00adgraphie<\/em> wird dadurch zugleich ein dynamisches Moment gewon\u00adnen. Sowohl in der Pflegearbeit als auch in der Sozialen Arbeit ist der biographi\u00adsche Zugang ein wichtiges Element. Als Br\u00fcckenkonzept zwischen Struktur und Individuum l\u00e4sst sich schlie\u00dflich das der (4) <em>sozialen Netzwerke<\/em> hereinholen, und zwar im Sinn des <em>Unterst\u00fctzungsnetzwerks<\/em>, das seinerseits wieder eine gewisse Attraktivit\u00e4t f\u00fcr die Pflegewissenschaft unter der Perspektive des (5) <em>public health<\/em> haben k\u00f6nnte (Otto 2010: 479).<\/p>\n\n\n\n<p>Wiewohl diese \u00dcberlegungen hier sehr knapp ausfallen m\u00fcssen, hoffen wir, dass eines klar geworden ist: Eine <em>gemeinsame<\/em> konzeptuelle Umorientierung in der Begr\u00fcndung des beruflichen Wissens, und zwar unter strikter Ber\u00fccksichti\u00adgung des Fallverstehens als Leitprinzip in der theoretischen Grundlegung, k\u00f6nnte f\u00fcr die pflegenden Berufe, die sozialen Dienste und die Soziale Arbeit eine gemeinsame strategische Perspektive er\u00f6ffnen, die allen Feldern einer gezielten Qualit\u00e4tsverbesserung zugunsten der Pflegevorsorge dienen w\u00fcrde. Dabei m\u00fcs\u00adsen auch die Auswirkungen der Verrechtlichung von Versorgung, Betreuung und Pflege einer kritischen Betrachtung unterzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gemeinsame Konzeptualisierung h\u00e4tte allerdings folgendes zu ber\u00fcck\u00adsichtigen: Weder einzelne Methodenprogramme, nicht so genannte quantitative und nicht so genannte qualitative, noch einzelne Theorieprogramme k\u00f6nnen der Beantwortung der Frage dienen, wie in wissenschaftlicher Erkenntnis gemeinsa\u00adme Programme zustande kommen. Es geht vielmehr um das Problem, wie Gegenstand, Wahrnehmung und Erkenntnis \u00fcberhaupt zusammenh\u00e4ngen. Schon (und gerade) auf dieser fundamentalen Ebene gibt es in den Sozialwissenschaf\u00adten konkurrierende, ja h\u00f6chst widerspr\u00fcchliche Auffassungen. Auch ist der Tatsa\u00adche Rechnung zu tragen, dass so manche \u201eGrundlagen\u201c aus anderen Wissen\u00adschaften bzw. aus der Philosophie stammen und in den Sozialwissenschaften Adaptierungen erfahren haben. Dass \u00fcber die Voraussetzungen f\u00fcr die M\u00f6glich\u00adkeiten des Erkennens und der Erkenntnis radikal unterschiedliche Auffassungen bestehen, ist eine der Grundeinsichten, die es zu verstehen gilt. Die erkenntnis\u00adtheoretische Bestimmung des Gegenstandsbereichs ist ein allen weiteren Schrit\u00adten vorgelagertes Programm. Neben den erkenntnistheoretischen Grundlagen ist auch den \u201emethodologischen\u201c Programmen Rechnung zu tragen, die \u201ehinter\u201c den Theorien stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist offensichtlich, dass alle Wissenschaften den Zweck verfolgen, begr\u00fcn\u00addete Aussagen \u00fcber ihren Gegenstand zu machen. Als Begr\u00fcndung gilt aber nicht jede Art und jeder Inhalt von Aussagen; so werden dogmatische, ideologische, mystische und andere nicht rationale Aussagen ausgeschlossen. Worin liegen dann die Beurteilungskriterien f\u00fcr \u201eWissenschaftlichkeit\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Vorschlag einer gemeinsamen Konzeptualisierung auf der Linie: Prakti\u00adsche Sozialpolitik, Lebensweltorientierung, Lebensbew\u00e4ltigung, Lebenslage, Biographie und Soziale Netzwerke muss auf der Ebene der Wissenschaftstheori\u00aden beginnen und Schritt f\u00fcr Schritt \u00fcber diese Felder die Methodologien und For\u00adschungsmethoden bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aldebert, Heiner (Hrsg.) (2006): Demenz ver\u00e4ndert. Hintergr\u00fcnde erfassen, Deutun\u00adgen finden, Leben gestalten. Schenefeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton (2010): Alternde Gesellschaft, Soziale Arbeit und Pflege, in: Knapp, G., Spitzer, H. (Hrsg.), Altern, Gesellschaft und Soziale Arbeit. Lebenslagen und soziale Ungleichheit von alten Menschen in \u00d6sterreich. Klagenfurt-Ljubljana, 136-157.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton (2006): Gesellschaftlicher Wandel, erfolgreiches Handeln und der Wert des Helfens, in: Sprengseis, G., Lang, G. (Hrsg.), Vom Wissen zum K\u00f6nnen. Forschung f\u00fcr NPOs im Gesundheits- und Sozialbereich. Wien, 26-37.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton (2000): Sozialpolitik und Lebenslagen \u00e4lterer Menschen, in: Backes, G., Clemens, W. (Hrsg.), Lebenslagen im Alter. Gesellschaftliche Bedingungen und Grenzen. Opladen, 53-74.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton (1998): Altwerden: \u00dcberg\u00e4nge oder Br\u00fcche? in: Clemens, W., Backes, G. (Hrsg.), Alter und Gesellschaft. Gesellschaftliche Modernisierung durch Al\u00adtersstrukturwandel. Opladen, 121-144.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton (1983): Lebenslage und Sozialarbeit. Elemente zu einer Soziologie von Hilfe und Kontrolle. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton, Brandstetter, Monika, Vyslouzil, Monika (2010): Soziale Arbeit zwi\u00adschen Wissenschaft und Praxis. Versuch einer Positionsbestimmung, in: Brandstet\u00adter, M., Vyslouzil, M. (Hrsg.), Soziale Arbeit im Wissenschaftssystem \u2013 von der F\u00fcrsorgeschule zum Lehrstuhl. Wiesbaden, 16-43.<\/p>\n\n\n\n<p>Amann, Anton., Ehgartner, G\u00fcnther, Felder, David (2010): Sozialprodukt des Alters. \u00dcber Produktivit\u00e4tswahn, Alter und Lebensqualit\u00e4t. Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Blaschke, Dieter, Stegmann, Heinz (1989): Berufssoziologie, in: Endruweit, G., Trommsdorf, G. (Hrsg.), W\u00f6rterbuch der Soziologie. Stuttgart, Bd. 1, 65-71.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6nisch, Lothar, Schr\u00f6er, Wolfgang., Thiersch, Hans (2005): Sozialp\u00e4dagogisches Denken. Wege zu einer Neubestimmung. Weinheim-M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2002): Vierter Bericht zur Lage der \u00e4lteren Generation. Bonn.<\/p>\n\n\n\n<p>Daheim, Hansj\u00fcrgen (1992): Zum Stand der Professionssoziologie. Rekonstruktion machttheoretischer Modelle der Profession, in: Dewe, B., Ferchhoff, W., Radtka, F-O. (Hrsg.), Erziehen als Profession. Zur Logik professionellen Handelns in p\u00e4d\u00adagogischen Feldern. Opladen, 21-35.<\/p>\n\n\n\n<p>Dewe, Bernd, Ferchhoff, Wilfried, Radtka, Frank-Olaf (Hrsg.) (1992): Erziehen als Profession. Zur Logik professionellen Handelns in p\u00e4dagogischen Feldern. Opla\u00adden.<\/p>\n\n\n\n<p>Estermann, Josef, Kneub\u00fchler, Hans-Ulrich (2008): Warum Lebensqualit\u00e4t im Pfle\u00adgeheim bedeutsam ist und wie sie gemessen werden kann, in: Schweizerische Zeit\u00adschrift f\u00fcr Soziologie, 34 (1): 187-210.<\/p>\n\n\n\n<p>Estermann, Josef, Kneub\u00fchler, Hans-Ulrich (2006): How to measure quality of life in nursing homes, in: European Journal of Public Health, Vol. 16: S1, 39.<\/p>\n\n\n\n<p>Flusser, Vil\u00e9m (1998): Vom Subjekt zum Projekt. Menschwerdung. Frankfurt a\/M.<\/p>\n\n\n\n<p>Fuchs, Walter (2010): Lokale Rechtskulturen im Sachwalterrecht. Eine multivariate Analyse, in: iFamZ, Interdisziplin\u00e4re Zeitschrift f\u00fcr Familienrecht, 5 (6): 318-323.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcrst, Roland (2010): Sozialarbeit \u2013 Ausbildung an den Fachhochschulen in \u00d6ster\u00adreich und Auswirkungen auf Identit\u00e4t und Berufsbild. Eine kritische Analyse zur Gegenwart und Forderungen zur Zukunft, in: Brandstetter, M., Vyslouzil, M. (Hrsg.), Soziale Arbeit im Wissenschaftssystem \u2013 von der F\u00fcrsorgeschule zum Lehrstuhl. Wiesbaden, 243-260.<\/p>\n\n\n\n<p>Hesse, Hans Albrecht (1972): Berufe im Wandel. Ein Beitrag zur Soziologie des Berufs, der Berufspolitik und des Berufsrechts. Stuttgart, 2. Aufl.<\/p>\n\n\n\n<p>Hartmann, Heinz (1972): Arbeit, Beruf, Profession, in: Luckmann, Thomas, Spron\u00addel, Walter (Hrsg.), Berufssoziologie. K\u00f6ln, 36-52.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaufmann, Franz-Xaver (1997): Herausforderungen des Sozialstaates. Frankfurt a\/M 1997.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreissl, Reinhard, Pilgram, Arno, Hanak, Gerhard, Neumann, Alexander (2009): Auswirkungen des Sachwalterrechts\u00e4nderungsgesetzes 2006 (SWR\u00c4G) unter Ber\u00fccksichtigung der neueren Alternativen zur Sachwalterschaft auf die Betroffe\u00adnen und ihr Umfeld, auf die Praxis der Gerichte und den Bedarf an Sachwalter\u00adschaft &#8211; Abschlussbericht. IRKS Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Luhmann, Niklas (1973): Formen des Helfens im Wandel gesellschaftlicher Bedin\u00adgungen, in: Otto, Hans-Uwe, Schneider, Siegfried (Hrsg.), Gesellschaftliche Per\u00adspektiven der Sozialarbeit. Zweiter Halbband. Neuwied-Berlin, 21-43.<\/p>\n\n\n\n<p>Merten, Roland (2008): Sozialarbeitswissenschaft. Vom Entschwinden eines Phan\u00adtoms, in: Bielefelder Arbeitsgruppe (Hrsg.), Soziale Arbeit in Gesellschaft. Wiesba\u00adden, 128-136.<\/p>\n\n\n\n<p>MEW (Marx Engels Werke, Bd. 23, 1961 [1890, 4.A.]), Das Kapital, Erster Band, Berlin: Dietz Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Oevermann, Ulrich (1996): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professio\u00adnalisierten Handelns, in: Combe, A., Helsper, W. (Hrsg.), P\u00e4dagogische Professio\u00adnalit\u00e4t. Untersuchungen zum Typus p\u00e4dagogischen Handelns. Frankfurt a\/M, 70-182.<\/p>\n\n\n\n<p>Offe, Carl (1984): Arbeit als soziologische Schl\u00fcsselkategorie?, in: Offe, C., Arbeits\u00adgesellschaft. Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven. Frankfurt a\/M-New York, 13-42.<\/p>\n\n\n\n<p>Otto, Ulrich (2010): Altern und lebensweltorientierte Soziale Arbeit \u2013 aktuelle Her\u00adausforderungen, in: Knapp, G., Spitzer, H. (Hrsg.), Altern, Gesellschaft und Sozia\u00adle Arbeit. Lebenslagen und soziale Ungleichheit von alten Menschen in \u00d6sterreich. Klagenfurt-Ljubljana, 476-503.<\/p>\n\n\n\n<p>Parsons, Talcott (1954): The professions and social structure, in: Parsons, Talcott, Essays in sociological theory. New York, 34-49.<\/p>\n\n\n\n<p>Pilgram, Anton (2009): Sachwalterrecht lokal \u2013 Variablen der Anregung rechtlichen Stellvertretung und gerichtlicher Entscheidung dar\u00fcber, in Kreissl, R. (Hrsg.), Citi\u00adzen by Proxy und Individualrechte. \u00dcber das Rechtssubjekt und seine Stellvertre\u00adter. Wien, 87 ff.<\/p>\n\n\n\n<p>Polanyi, Karl (1978): The Great Transformation. Politische und \u00f6konomische Ur\u00adspr\u00fcnge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Frankfurt a\/M.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcschemeyer, Dietrich (1972): \u00c4rzte und Anw\u00e4lte. Bemerkungen zur Theorie der Professionen, in: Luckmann, Thomas, Sprondel, Walter (Hrsg.), Berufssoziologie. K\u00f6ln, 169-181.<\/p>\n\n\n\n<p>Schroeter, Klaus R. (2006): Das soziale Feld der Pflege. Eine Einf\u00fchrung in Struktu\u00adren, Deutungen und Handlungen. Weinheim-M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schroeter, Klaus R., Prahl, Hans-Werner (1999): Soziologisches Grundwissen f\u00fcr Altenhilfeberufe. Weinheim-Basel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00fctz, Alfred (1974): Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt. Eine Einf\u00fchrung in die verstehende Soziologie. Frankfurt a\/M.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweppe, Cornelia (2010): Alter und Soziale Arbeit: Theoretische Perspektiven, in: Knapp, G., Spitzer, H. (Hrsg.), Altern, Gesellschaft und Soziale Arbeit. Lebensla\u00adgen und soziale Ungleichheit von alten Menschen in \u00d6sterreich. Klagenfurt-Ljubljana, 57-68.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a> Den Feldbegriff verwenden wir in der Fassung, wie sie von Schroeter (2006) f\u00fcr die Pflege \u00c4lterer entwickelt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Diese \u00dcberlegungen rechtfertigen es, dass wir in unserem theoretischen Begr\u00fcndungsver\u00adsuch weiter unten der Lebensweltorientierung zentrale Bedeutung beimessen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Hier ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.393cff70-536e-4077-92e2-109041d9db89\" width=\"1\" height=\"1\">is<br><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=602\"><strong>Mehr lesen: Datenschutz<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anton Amann, Josef Estermann \u00a9 ProLitteris Weiterlesen Gemperle Abstract Gegenstand des Beitrags ist die gesellschaftliche Entwicklung und Perspektive der Pflege von \u00e4lteren Personen. 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