{"id":1492,"date":"2021-02-28T12:46:03","date_gmt":"2021-02-28T10:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1492"},"modified":"2025-03-19T23:06:03","modified_gmt":"2025-03-19T21:06:03","slug":"organisierte-kriminalitaet-statistische-analyse-estermann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1492","title":{"rendered":"Organisierte Kriminalit\u00e4t statistische Analyse Estermann"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.dca9ffd4-44b5-4957-86fb-f169e8e19920\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.dca9ffd4-44b5-4957-86fb-f169e8e19920\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1488\"><strong>Weiterlesen<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/OK-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"69\" height=\"95\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/OK-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3541\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4 Ergebnisse der statistischen Analyse von Verfahren im Umfeld des Art. 260ter StGB<\/h1>\n\n\n\n<p>Bereits im Methodenkapitel (2) ist ausgef\u00fchrt, dass die publizierten statistischen Quel\u00adlen zur Analyse der strafrechtlichen Verfolgung von kriminellen Organisationen im Rahmen von Art. 260ter StGB nicht gerade ergiebig sind. Bessere Aufschl\u00fcsse k\u00f6nnen aus dem Zusammenf\u00fchren von verschiedenen Quellen und durch Sonder\u00adauswertun\u00adgen gewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.1 Polizeiliche Kriminalstatistik<\/h1>\n\n\n\n<p>In der j\u00e4hrlich herausgegebenen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundes\u00adamtes f\u00fcr Polizeiwesen ist Art. 260ter StGB weder als gesonderte Kategorie ausge\u00adwiesen noch in einer Sammelkategorie enthalten. Aus anderen Publikationen des Bundes und in der kantonalen Z\u00fcrcher Kriminalstatistik finden sich hingegen einige Angaben, wobei die Erfassungskriterien und die Definitionen nicht immer ausrei\u00adchend deutlich sind.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.1.1 Daten f\u00fcr die gesamte Schweiz<\/h1>\n\n\n\n<p>In den j\u00e4hrlichen Staatsschutzberichten ver\u00f6ffentlicht das eidgen\u00f6ssische Justiz- und Polizeidepartement jeweils im 4. Kapitel wenige Daten zur organisierten Kriminali\u00adt\u00e4t, seine Lageeinsch\u00e4tzung und einige Einzelf\u00e4lle. Unter dem selben Titel sind auch Korruption und Beamtendelikte abgehandelt. Die ganze Darstellung findet auf f\u00fcnf bis acht Seiten Platz und vermittelt den Eindruck, dass die Einsch\u00e4tzung einer gro\u00ad\u00dfen Gefahr in einem Ungleichgewicht zu der Brisanz der ermittelten Einzel\u00adf\u00e4lle steht, beispielsweise der Veruntreuung von 50\u2019000.- Fr. durch einen ehemaligen Schweizer Botschafter.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> In diesen Publikationen sind kurze Zusammenfassungen der F\u00e4lle Pavel Borodin\/Mabetex\/Mercata (Bestechung im Zusammenhang mit der Re\u00adnovation des Parlamentsgeb\u00e4udes und anderer Bauarbeiten in Moskau, siehe Abschnitt 5.6), Boris Bere\u00adsowski (Veruntreuung im Umkreis der russischen Flugge\u00adsellschaft Aeroflot) und Gerardo Cuomo (Zigarettenschmuggel).<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup> Der Staatsschutz\u00adbe\u00adricht zeichnet sich insge\u00adsamt durch die Tendenz aus, auch kleinste Vorkommnisse zu berichten, so findet sich unter dem Titel \u201eTerrorismus und gewaltt\u00e4tiger Extre\u00admismus\u201c, Untertitel \u201egewaltt\u00e4tige Auseinandersetzung zwischen Links und Rechts\u201c der Hinweis auf eine Gro\u00dfdemonstration gegen Rassismus am 16.9.2000 in Luzern: \u201eAufmarsch einiger Rechtsextremer, einer durch Demonstrati\u00adonsteilnehmer ver\u00adletzt.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup> Verglichen damit nimmt sich der Abschnitt \u00fcber krimi\u00adnelle Organi\u00adsa\u00adti\u00ado\u00adnen sehr d\u00fcnn aus. Die Aufnahme des Kapitels \u201eOrganisierte Krimi\u00adnalit\u00e4t\u201c in den Staats\u00adschutz\u00adbe\u00adricht ist ein weiterer Hinweis auf das Engerr\u00fc\u00adcken von Geheim\u00addien\u00adst und Krimi\u00adnalpolizei, nicht nur bez\u00fcglich der verwendeten Ermittlungs\u00admethoden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Polizeiwesen (BAP) ver\u00f6ffentlicht in seiner Publikationsreihe \u201eSzene Schweiz\u201c regelm\u00e4\u00dfig, aber nicht systematisch Daten zu kriminellen Organi\u00adsationen. Im Lagebericht 2\/98<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup> identifiziert das BAP 36 F\u00e4lle oder Beziehungsnetze, die der organisierten Kriminalit\u00e4t zuzuordnen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Daten zu den betroffenen L\u00e4ndern, Kantonen und Aktivit\u00e4ten-Sektoren werden angegeben:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Geographische Zuordnung und Aktivit\u00e4ten der durch das BAP identifi\u00adzierten OK-F\u00e4lle (Mehrfachnennungen)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anzahl F\u00e4lle Anzahl F\u00e4lle Anzahl F\u00e4lle<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4nder Kantone Aktivit\u00e4ten-Sektor<\/p>\n\n\n\n<p>15 Italien 24 Gen\u00e8ve 30 Banken<\/p>\n\n\n\n<p>14 Russland 21 Z\u00fcrich 22 Verm\u00f6gensverwaltungen<\/p>\n\n\n\n<p>10 USA 15 Ticino 21 Treuhand<\/p>\n\n\n\n<p>6 Belgien 5 Basel-Stadt 13 Import-Export<\/p>\n\n\n\n<p>4 England 5 Vaud 13 Finanz\/administrative Verwaltung<\/p>\n\n\n\n<p>4 Kolumbien 5 Zug 11 Parabanken<\/p>\n\n\n\n<p>4 Frankreich 2 Fribourg 10 Advokaten und Notare<\/p>\n\n\n\n<p>4 Israel 2 Wallis 10 Beratungsagenturen\/Marketing<\/p>\n\n\n\n<p>4 Luxemburg 1 Neuch\u00e2tel 9 <em>Trading<\/em> und Beteiligungen<\/p>\n\n\n\n<p>4 Osteuropa (andere) 1 Schaffhausen 6 En-Gros-Verkauf<\/p>\n\n\n\n<p>3 Libanon 3 \u00c4rzte, Gesundheitswesen<\/p>\n\n\n\n<p>3 Deutschland 3 Metallurgie<\/p>\n\n\n\n<p>3 Holland 2 \u00f6ffentliche Beh\u00f6rden<\/p>\n\n\n\n<p>2 Albanien 2 \u00f6ffentliche Sicherheit<\/p>\n\n\n\n<p>2 S\u00fcdamerika 2 Ern\u00e4hrung\/Verpackung<\/p>\n\n\n\n<p>2 Zentralamerika 2 Unterhaltung<\/p>\n\n\n\n<p>weitere Einzelnennungen weitere Einzelnennungen<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze weitere Analyse bezieht sich auf organisierte Kriminalit\u00e4t russischen Ur\u00adsprungs, f\u00fcr die sogar ein eigenes K\u00fcrzel existiert: ROK. \u00dcber deren personelle Zu\u00adsammensetzung wei\u00df das BAP Bescheid: \u201e<em>Personell rekrutieren sich die Mitglie\u00adder der ROK fast durchwegs aus der ehemaligen roten Bourgeoisie der Sowjetunion und deren Kinder, jenem privilegierten B\u00fcrokratenmilieu, das mit dem Zerfall der alten Strukturen in die Lage versetzt wurde, das riesige Imperium zu privatisieren, ohne einer rechtlichen Kontrolle unterworfen zu sein.<\/em>\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup> Im Zusammenhang mit die\u00adsem Personenkreis erstellte das BAP 11 Berichte \u00fcber jeweils einzelne Beziehungs\u00adge\u00adflechte, welche insgesamt 687 Personen umfassten, von denen 90 ausdr\u00fccklich im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen stehen sollen. Davon konnte 597 Per\u00adsonen keine konkrete Tat vorgeworfen werden. Es scheint eini\u00adges an Fachwissen derjenigen Beamten eingeflossen zu sein, die vor den Reorgani\u00adsationen des BAP und dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit nachrichtendienst\u00adlichen Aufgaben betreut waren. Jedenfalls wird umfangreiches Zahlenmaterial gelie\u00adfert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tabelle: Involvierte nat\u00fcrliche Personen im Bereich \u201eROK\u201c nach Delikten<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Erw\u00e4hntes Delikt (Mehrfachnennung)<\/td><td>Lagebericht 2\/98<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup> 11 Beziehungsnetze<\/td><td>Lagebericht 1999<sup>9<\/sup><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>F\u00e4lle<\/td><td>Anteil<\/td><td>Personen<\/td><td>Anteil<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>OK-Zugeh\u00f6rigkeit und Unterst\u00fctzung<\/td><td>63<\/td><td>0,700<\/td><td>251<\/td><td>0,866<\/td><\/tr><tr><td>Betrug<\/td><td>35<\/td><td>0,389<\/td><td>73<\/td><td>0,252<\/td><\/tr><tr><td>Geldw\u00e4sche<\/td><td>23<\/td><td>0,256<\/td><td>240<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup><\/td><td>0,828<\/td><\/tr><tr><td>Erpressung<\/td><td>6<\/td><td>0,067<\/td><td>44<\/td><td>0,152<\/td><\/tr><tr><td>Korruption<\/td><td>6<\/td><td>0,067<\/td><td>89<\/td><td>0,307<\/td><\/tr><tr><td>Veruntreuung<\/td><td>4<\/td><td>0,044<\/td><td>83<\/td><td>0,286<\/td><\/tr><tr><td>Diebstahl<\/td><td>3<\/td><td>0,033<\/td><td>7<\/td><td>0,024<\/td><\/tr><tr><td>Mord\/Totschlag<\/td><td>3<\/td><td>0,033<\/td><td>42<\/td><td>0,145<\/td><\/tr><tr><td>Drogenhandel<\/td><td>2<\/td><td>0,022<\/td><td>42<\/td><td>0,145<\/td><\/tr><tr><td>Illegaler Waffen\u00adhandel<\/td><td>2<\/td><td>0,022<\/td><td>6<\/td><td>0,021<\/td><\/tr><tr><td>Entf\u00fchrung<\/td><td>2<\/td><td>0,022<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>Falschgeld<\/td><td>1<\/td><td>0,011<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>Illegaler Handel mit Uranium<\/td><td>1<\/td><td>0,011<\/td><td>1<\/td><td>0,003<\/td><\/tr><tr><td>Ungetreue Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung<\/td><td>1<\/td><td>0,011<\/td><td>29<\/td><td>0,100<\/td><\/tr><tr><td>N\u00f6tigung\/Anstiftung zur N\u00f6tigung<\/td><td>1<\/td><td>0,011<\/td><td>5<\/td><td>0,017<\/td><\/tr><tr><td>Steuerbetrug<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>4<\/td><td>0,014<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Anzahl F\u00e4lle insge\u00adsamt<\/td><td>153<\/td><td>1<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Anzahl Personen insgesamt<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>290<\/td><td>1<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Lagebericht 1999 wird bez\u00fcglich organisierter Kriminalit\u00e4t, abgesehen von einem kurzen allgemein gehaltenen Abschnitt ohne numerische Daten, nur noch \u00fcber die ROK berichtet.<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup> Die Fokussierung auf die ROK ist nicht unbedingt durch eine objekti\u00advierbare \u201eKriminalit\u00e4tslage\u201c gegeben, sondern durch eine die Entschei\u00addung \u00fcber die Ressourcenverwendung: <em>\u201eDas Kommissariat GUS-Staaten arbeitet bereits seit 1996 und hat enorme Erkenntnisse. Das Kommissariat Italien hat erst vor einem Jahr seine Arbeit aufgenommen und dementsprechend noch nicht so viele Informati\u00adonen.\u201c<\/em><sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufgliederung nach den Delikten, mit denen diese Personen in Zusammenhang gebracht werden, bringt einen \u00dcberblick \u00fcber die T\u00e4tigkeitsfelder, die der ROK zu\u00adgeschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vordergrund stehen eindeutig Geldw\u00e4sche, Betrug, Veruntreuung, Korruption und Erpressung. Der klassische OK-T\u00e4tigkeitsbereich des Drogenhandels ist beinahe unbedeutend und Gewaltdelikte stehen ebenfalls nicht im Vordergrund. Bei den hier aufgef\u00fchrten Delikten handelt es sich allerdings nicht um nachgewiesene, justiziable Delikte, sondern in der Regel um Vorermittlungsergebnisse, zum Teil um blo\u00dfe Er\u00adw\u00e4hnungen oder um Vorw\u00fcrfe aus Rechtshilfebegehren.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.1.2 Kantonale Daten<\/h1>\n\n\n\n<p>Kantonale Daten sind nicht ohne weiteres auf nationale Verh\u00e4ltnisse \u00fcbertragbar. In der notwendigen Qualit\u00e4t greifbar sind nur die Daten aus dem Kanton Z\u00fcrich. Der Kanton Z\u00fcrich tr\u00e4gt je nach Spezifikation der Untersuchungshandlungen sch\u00e4t\u00adzungsweise zwischen 15 und 30 Prozent des nationalen Aufkommens an Ermitt\u00adlungshandlungen bei. In Extremf\u00e4llen kann dieser Anteil sogar fast die H\u00e4lfte betra\u00adgen. In bezug auf den Straftatbestand \u201eBeteiligung an einer kriminellen Organisa\u00adtion\u201c kann der Kanton Z\u00fcrich f\u00fcr die Situation in der Schweiz als verl\u00e4ssliches Bei\u00adspiel gelten.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.1.2.1 Aufgenommene und gekl\u00e4rte Straftaten<\/h1>\n\n\n\n<p>Bei der Interpretation der Statistiken der aufgenommenen und gekl\u00e4rten Straftaten ist zu beachten, dass F\u00e4lle auch dann als gekl\u00e4rt gelten, wenn sich der anf\u00e4ngliche Ver\u00addacht im Zuge der Ermittlungen nicht best\u00e4tigt. Ebenso versteht sich, dass pro ge\u00adkl\u00e4rte Tat unter Umst\u00e4nden mehr als ein T\u00e4ter ermittelt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der Aufkl\u00e4rungsquote muss beachtet werden, dass die Aufnahme der F\u00e4lle und deren Kl\u00e4rung einem Zeitverzug unterliegen. Insbesondere \u00fcber den Jahres\u00adwechsel als Abschlusszeitpunkt der Statistik gelten F\u00e4lle als ungekl\u00e4rt, die erst im n\u00e4chsten Jahr gekl\u00e4rt werden. Ebenso sind im laufenden Jahr F\u00e4lle als gekl\u00e4rt ver\u00admerkt, die im Vorjahr aufgenommen wurden. Deshalb sind theoretisch in einem be\u00adstimmten Jahr auch Aufkl\u00e4rungsquoten m\u00f6glich, die gr\u00f6\u00dfer als eins sind. Bei den aufgenommenen F\u00e4llen handelt es sich um eine sogenannte Input-Statistik, bei den gekl\u00e4rten F\u00e4llen und den ermittelten T\u00e4terinnen und T\u00e4tern um eine Output-Statistik. Deshalb sind partielle Inkompatibilit\u00e4ten und Inkongruenzen nicht zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Aufgenommene und gekl\u00e4rte Straftaten im Kanton Z\u00fcrich mit Vor\u00adwurf der Verletzung von Art. 260ter StGB, 1994-1999 (KRISTA)<\/strong><sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>aufgenommen<\/td><td>gekl\u00e4rt<\/td><td>Aufkl\u00e4rungsquote<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1994<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1995<\/td><td>12<\/td><td>12<\/td><td>1,000<\/td><\/tr><tr><td>1996<\/td><td>33<\/td><td>31<\/td><td>0,939<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>4<\/td><td>4<\/td><td>1,000<\/td><\/tr><tr><td>1998<\/td><td>17<\/td><td>17<\/td><td>1,000<\/td><\/tr><tr><td>1999<\/td><td>3<\/td><td>1<\/td><td>0,333<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>insgesamt<\/td><td>69<\/td><td>65<\/td><td>0,942<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Aufkl\u00e4rungsquoten zeigen in erster Linie, wie viel Vorarbeit die Polizei geleistet hat, insbesondere im proaktiven Sinne. Wird auf Grund einer Anzeige einer Rechts\u00adgutverletzung gearbeitet, bleibt die Aufkl\u00e4rungsquote tief, besonders bei Diebstahl. Bei registrierten Diebst\u00e4hlen kann es sich beispielsweise auch um Versicherungsbe\u00adtrug handeln. Geht proaktive polizeiliche Ermittlung voraus, ist der Fall in der Regel erst gegeben, wenn der T\u00e4ter ermittelt ist. In diesen F\u00e4llen ist die Aufkl\u00e4rungsquote hoch und erreicht im Drogenbereich beinahe das Maximum von eins. \u00c4hnlich hoch ist die Aufkl\u00e4rungsquote, wenn bei der Anzeige der T\u00e4ter quasi mitgeliefert wird wie bei den meisten Sexualdelikten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die polizeilichen Daten betreffend Beteiligung an kriminellen Organisationen f\u00fcr den Kanton Z\u00fcrich zeigen mit 94 Prozent eine hohe Aufkl\u00e4rungsquote, was sich aus dem Umstand ergibt, dass Ermittlungen wegen Beteiligung an einer kriminellen Or\u00adganisation dann aufgenommen werden, wenn sich Hinweise auf bestimmte perso\u00adnenbezogene Vorkommnisse ergeben, ganz im Gegensatz etwa zu blo\u00dfen Eigen\u00adtumsdelikten, bei denen die entwendeten Gegenst\u00e4nde im Vordergrund stehen und der Personenbezug erst ermittelt werden muss. Bei Diebstahl betr\u00e4gt die Aufkl\u00e4\u00adrungsquote f\u00fcr diesen Zeitraum ca. 11 Prozent, bei Delikten gegen Leib und Leben hingegen knapp 80 Prozent. Vergleichbar ist die Aufkl\u00e4rungsquote bei Beteiligung an oder Unterst\u00fctzung einer kriminellen Organisation allerdings mit dem h\u00e4ufig in Verbindung mit organisierter Kriminalit\u00e4t erfassten Menschenhandel (97 Prozent) und bei den Bet\u00e4ubungsmitteldelikten (99,5 Prozent, 99,9 Prozent bei reinen Kon\u00adsumdelikten).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Interpretation der Statistiken ist zu beachten, dass F\u00e4lle auch dann als gekl\u00e4rt gelten, wenn sich der anf\u00e4ngliche Verdacht im Zuge der Ermittlungen nicht best\u00e4tigt. Ebenso versteht sich, dass pro gekl\u00e4rte Tat unter Umst\u00e4nden mehr als ein T\u00e4ter er\u00admittelt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kriminalstatistik des Kantons Z\u00fcrich wird auch die Information aufgenom\u00admen, ob eine Straftat nach Kenntnis der Polizei im Zusammenhang mit kriminellen Organisationen stehe oder nicht. Dieser Umstand hat jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig zur Folge, dass auch wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation nach Art. 260ter StGB ermittelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Aufgenommene Straftaten im Kt. Z\u00fcrich, die nach Polizeiangaben ei\u00adnen Bezug zu organisierter Kriminalit\u00e4t haben, 1995-1999 (KRISTA)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>insgesamt<\/td><td>davon StGB<\/td><td>davon BetmG<\/td><td>Anteil BetmG<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1995<\/td><td>105<\/td><td>76<\/td><td>29<\/td><td>0,28<\/td><\/tr><tr><td>1996<\/td><td>60<\/td><td>42<\/td><td>18<\/td><td>0,30<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>47<\/td><td>46<\/td><td>1<\/td><td>0,02<\/td><\/tr><tr><td>1998<\/td><td>75<\/td><td>62<\/td><td>13<\/td><td>0,17<\/td><\/tr><tr><td>1999<\/td><td>71<\/td><td>64<\/td><td>7<\/td><td>0,10<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1995-1999<\/td><td>358<\/td><td>290<\/td><td>68<\/td><td>0,19<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die hohe Fallzahl im Jahre 1995 l\u00e4sst sich auf einen Staueffekt nach der Einf\u00fchrung des Art. 260ter StGB im Jahre 1994 zur\u00fcckf\u00fchren. Es ist mit einer sich einpendeln\u00adden Fallzahl von siebzig bis achtzig pro Jahr zu rechnen. Auff\u00e4llig hingegen ist der abnehmende Anteil von Drogenf\u00e4llen im Zusammenhang mit organisierter Krimina\u00adlit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahl der im Jahr 1997 im Kanton Z\u00fcrich nach StGB und nach BetmG aufge\u00adnommenen Straftaten betrug 172\u2019022. Im Beobachtungszeitraum zeigen sich keine gro\u00dfen Schwankungen. Die der organisierten Kriminalit\u00e4t zugeordneten Straftaten machen also deutlich weniger als ein Promille aller Straftaten aus. Im Vordergrund stehen eindeutig die Eigentumsdelikte, und zwar nicht etwa Dieb\u00adstahl und Raub, sondern die in der Regel der Finanzkriminalit\u00e4t zuzuordnenden Be\u00adtrugsdelikte, die ein Viertel der F\u00e4lle ausmachen. Daneben spielen auch die Dro\u00adgendelikte mit einem F\u00fcnftel der F\u00e4lle und die meistens dem Dunstkreis der Prosti\u00adtution und des Men\u00adschenhandels zuzurechnenden Delikte gegen die sexuelle Integ\u00adrit\u00e4t eine nicht unbe\u00addeutende Rolle. Absolut unbedeutend erscheinen die Delikte gegen Leib und Leben. Die Assoziation der organisierten Kriminalit\u00e4t mit Gewaltde\u00adlikten spiegelt sich in der Statistik nicht. Erpressung, Totschlag oder schwere K\u00f6r\u00adperverletzung, Delikts\u00adfor\u00admen, die in der \u00d6ffentlichkeit der organisierten Kriminalit\u00e4t zugeordnet werden, sind in den Daten kaum zu finden und scheinen, mindestens was die Schweiz angeht, ein Artefakt der Thematisierung in Politik und Medien zu sein. Gegen Leib und Leben werden im Kanton Z\u00fcrich j\u00e4hrlich zwischen 2000 und 3000 Delikte aufge\u00adnom\u00admen, im Zeitraum zwischen 1995 bis 1999 wurden davon ganze drei der organi\u00adsierten Kriminalit\u00e4t zugeordnet, bei keinem konnten T\u00e4terinnen oder T\u00e4ter identifi\u00adziert wer\u00adden. Folgt man diesen Zahlen, betr\u00e4gt der Anteil der organisierten Krimina\u00adlit\u00e4t an den Verbrechen und Vergehen gegen Leib und Leben nur etwa ein F\u00fcnftel eines Tausendstels.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Zuordnung der durch die Polizei im Kanton Z\u00fcrich aufgenommenen Straftaten im Zusammenhang mit organisierter Kriminalit\u00e4t zu De\u00adliktgruppen, s\u00e4mtliche F\u00e4lle von 1995 bis 1999 (KRISTA)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Deliktgruppen<\/td><td>Anz.<\/td><td>Ant.<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>Anz.<\/td><td>Ant.<\/td><td>Aufkl.quote<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Bet\u00e4ubungsmittelgesetz<\/td><td>68<\/td><td>0,19<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1,00<\/td><\/tr><tr><td>Gegen das Verm\u00f6gen<\/td><td>169<\/td><td>0,47<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>0,75<\/td><\/tr><tr><td>&#8211; davon<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>Diebstahl<\/td><td>24<\/td><td>0,07<\/td><td>0,86<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>Raub<\/td><td>15<\/td><td>0,04<\/td><td>0,38<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>Betrug<\/td><td>94<\/td><td>0,26<\/td><td>0,20<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>Sonstige<\/td><td>36<\/td><td>0,10<\/td><td>0,94<\/td><\/tr><tr><td>Gegen die Freiheit<\/td><td>26<\/td><td>0,07<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>0,35<\/td><\/tr><tr><td>Gegen Leib und Leben<\/td><td>3<\/td><td>0,01<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>0,00<\/td><\/tr><tr><td>Rechtspflege, Geldw\u00e4., -f\u00e4lschg.<\/td><td>36<\/td><td>0,10<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>0,94<\/td><\/tr><tr><td>Gegen sexuelle Integrit\u00e4t<\/td><td>56<\/td><td>0,16<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1,00<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Insgesamt<\/td><td>358<\/td><td>1<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>0,82<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.1.2.2 Ermittelte T\u00e4terinnen und T\u00e4ter<\/h1>\n\n\n\n<p>Die vorliegenden Daten st\u00fctzen die Hypothese, dass die polizeilich erfasste organi\u00adsierte Krimi\u00adna\u00adli\u00adt\u00e4t nicht aus durchstrukturierten Organisationen besteht, sondern viel eher aus klein\u00adgewerblichen Netzwerken und verbundenen Einzelunternehmern mit ausge\u00adpr\u00e4gter Spezialisierung. Eigentumsdelikte stehen im Vordergrund, Delikte ge\u00adgen Leib und Leben spielen \u00fcberhaupt keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Durch die Polizei im Kanton Z\u00fcrich im Zusammenhang mit Verfahren nach Art. 260ter ermittelte T\u00e4terinnen und T\u00e4ter, 1995 bis 1999<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>nach Art.<\/td><td>Delikte im Zusammenhang mit organisierter Kriminalit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>260ter StGB<\/td><td>Leib und Leben<\/td><td>Dieb-stahl<\/td><td>Raub<\/td><td>Be-trug<\/td><td>Er-pres-sung<\/td><td>Sex. del.<\/td><td>gg. Frei-heit<\/td><td>BetmHan\u00addel<\/td><td>BetmEin-fuhr<\/td><td>Sum-me<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1994<\/td><td>0<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><td>&#8211;<\/td><\/tr><tr><td>1995<\/td><td>10<\/td><td>0<\/td><td>14<\/td><td>0<\/td><td>35<\/td><td>4<\/td><td>12<\/td><td>4<\/td><td>20<\/td><td>0<\/td><td>89<\/td><\/tr><tr><td>1996<\/td><td>39<\/td><td>0<\/td><td>4<\/td><td>10<\/td><td>7<\/td><td>3<\/td><td>2<\/td><td>5<\/td><td>8<\/td><td>1<\/td><td>40<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>23<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>8<\/td><td>0<\/td><td>11<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>19<\/td><\/tr><tr><td>1998<\/td><td>38<\/td><td>0<\/td><td>1<\/td><td>0<\/td><td>2<\/td><td>0<\/td><td>9<\/td><td>4<\/td><td>4<\/td><td>3<\/td><td>23<\/td><\/tr><tr><td>1999<\/td><td>5<\/td><td>0<\/td><td>2<\/td><td>0<\/td><td>6<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>8<\/td><td>4<\/td><td>3<\/td><td>23<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Summe<\/td><td>115<\/td><td>0<\/td><td>21<\/td><td>10<\/td><td>58<\/td><td>7<\/td><td>34<\/td><td>21<\/td><td>36<\/td><td>7<\/td><td>194<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Relation<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup><\/td><td>0<\/td><td>0,183<\/td><td>0,087<\/td><td>0,504<\/td><td>0,061<\/td><td>0,296<\/td><td>0,183<\/td><td>0,313<\/td><td>0,061<\/td><td>1,687<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die polizeiliche Kriminalstatistik gibt auch Auskunft \u00fcber Merkmale der T\u00e4terinnen und T\u00e4ter, allerdings nur \u00fcber deren Geschlecht und den Umstand, ob sie das Schweizer B\u00fcrgerrecht besitzen oder nicht sowie \u00fcber Altersklassen, die rechnerisch nicht mit der n\u00f6tigen Genauigkeit weiter analysiert werden k\u00f6nnen. Kriminalsozio\u00adlogisch interessante Merkmale wie Bildung oder sozio\u00f6konomischer Status fehlen. Bez\u00fcglich des Geschlechts unterscheiden sich nach Art. 260ter StGB ermittelte (12&nbsp;% Frauen) signifikant von allen ermittelten Tatverd\u00e4chtigen (19 % Frauen im Jahre 1999). Der Frauenanteil bei der polizeilich ermittelten organisierten Krimina\u00adlit\u00e4t ist sehr niedrig. Die Verteilung der Nationalit\u00e4t der ermittelten Tatverd\u00e4chtigen ist ebenfalls sehr auf\u00adf\u00e4llig. Vier F\u00fcnftel der ermittelten Tatverd\u00e4chtigen sind Ausl\u00e4n\u00adde\u00adrinnen und Aus\u00adl\u00e4nder. Bei s\u00e4mtlichen Tatverd\u00e4chtigen im Jahre 1999 im Kanton Z\u00fcrich betr\u00e4gt der Ausl\u00e4nderanteil hingegen 46 %. Die polizeilich ermittelte organi\u00adsierte Kriminalit\u00e4t ist also deutlich von M\u00e4nnern gepr\u00e4gt, die nicht die Schweizer Staatsb\u00fcrgerschaft besitzen. Dieses Faktum ent\u00adspricht der Rezeption in den Medien und der Datenlage bei den untersuchten Gerichtsentscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Ermittelte T\u00e4terinnen und T\u00e4ter mit Vorwurf der Verletzung von Art. 260ter StGB nach polizeilicher Kriminalstatistik des Kantons Z\u00fcrich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>insgesamt<\/td><td>M\u00e4nner<\/td><td>Frauen<\/td><td>Schweizerinnen und Schweizer<\/td><td>Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1994<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>1995<\/td><td>10<\/td><td>6<\/td><td>4<\/td><td>2<\/td><td>8<\/td><\/tr><tr><td>1996<\/td><td>39<\/td><td>37<\/td><td>2<\/td><td>5<\/td><td>34<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>23<\/td><td>21<\/td><td>2<\/td><td>3<\/td><td>20<\/td><\/tr><tr><td>1998<\/td><td>38<\/td><td>32<\/td><td>6<\/td><td>11<\/td><td>27<\/td><\/tr><tr><td>1999<\/td><td>5<\/td><td>5<\/td><td>0<\/td><td>2<\/td><td>3<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Summe<\/td><td>115<\/td><td>101<\/td><td>14<\/td><td>23<\/td><td>92<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Anteile<\/td><td>1,000<\/td><td>0,878<\/td><td>0,122<\/td><td>0,200<\/td><td>0,800<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.2 Verurteiltenstatistik<\/h1>\n\n\n\n<p>Verurteilungen nach Art. 260ter StGB sind au\u00dferordentlich selten. F\u00fcr solche Urteile und Beschl\u00fcsse besteht eine Meldepflicht.<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup> Im Februar 2001 waren dem BAP 61 Ur\u00adteile und Beschl\u00fcsse bekannt, davon 10 Verurteilungen, deren Rechtskraft aller\u00addings nicht in allen F\u00e4llen belegt ist. Im Rahmen dieser Untersuchung liegen 24 Ur\u00adteile und Beschl\u00fcsse im Volltext vor, in denen explizit Art. 260ter StGB ange\u00adwendet wird. Diese Urteile und Beschl\u00fcsse beziehen sich auf insgesamt 35 Personen. Wei\u00adtere Urteile und Beschl\u00fcsse, die hier untersucht wurden, beziehen sich auf the\u00admati\u00adsche Umfelder der organisierten Kriminalit\u00e4t ohne explizite Thematisierung des Art. 260ter StGB.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweizer Strafurteilsstatistik stellt sich zur Zeit (20.02.2002) die Datenlage bez\u00fcglich Verurteilungen nach Art. 260ter StGB wie folgt dar:<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Tabelle: Verurteilte nach Schweizerischer Urteilsstatistik, Verurteilte und Urteile nach BAP (Art. 260ter StGB)<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>Urteilsstatistik BFS (Verurteilte)<\/td><td>rechtskr\u00e4ftig Verurteilte (BAP)<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup><\/td><td>Urteile nach BAP rechtskr\u00e4ftig<\/td><td>h\u00e4ngig<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>1995<\/td><td>1<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>1996<\/td><td>1<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>5<\/td><td>4<\/td><td>3<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>1998<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><td>0<\/td><\/tr><tr><td>1999<\/td><td>5<\/td><td>3<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><\/tr><tr><td>2000<\/td><td>n.a.<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Insgesamt<\/td><td>12<\/td><td>8<\/td><td>5<\/td><td>2<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die 12 Verurteilten nach Urteilsstatistik sind neben Art. 260ter StGB wegen folgen\u00adder Delikte bestraft worden: Zwei Personen wegen Drogenhandels (Freiheitsstrafen von 6 und 14 Jahren), drei Personen wegen Betrugs (Freiheitsstra\u00adfen zwischen 2 und 3 Jahren), zwei Personen wegen Geldw\u00e4sche (3 und 4 Monate Freiheitsstrafe), eine Person wegen Kredikartenmissbrauch und Urkunden\u00adf\u00e4lschung (2 Jahre Freiheits\u00adstrafe), eine Person wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verf\u00fcgung (18 Monate Freiheitsstrafe auf Bew\u00e4hrung), eine Person wegen Hehlerei (2 Jahre Freiheitsstrafe). Nur zwei Personen sind wegen Art. 260ter StGB alleine verurteilt (je 2 Jahren Frei\u00adheitsstrafe, beide aus dem Fallkomplex des Jahres 1999). Zehn Personen wurden in der Ro\u00admandie abgeurteilt, zwei in der Deutsch\u00adschweiz. Alle Urteile (au\u00dfer einem eingeb\u00fcrgerten Schweizer) betrafen Ausl\u00e4nder, bei allen (au\u00dfer einem Angeklagten aus dem Fallkomplex des Jahres 1999) waren es die jeweils ersten Verurteilungen in der Schweiz. Auff\u00e4llig sind die kurzen Freiheits\u00adstrafen. Nur bei den beiden Drogen\u00addelikten kam es zu empfindlichen Freiheitsstrafen, die sich allerdings im Rahmen des \u00dcblichen bewe\u00adgen, handelte es sich doch um Gro\u00dfhandel mit Heroin. Die \u00fcbrigen F\u00e4lle sind eher Bagatellf\u00e4lle, die nichts mit irgend welchen gro\u00dfen, gef\u00e4hrlichen kriminellen Orga\u00adnisationen zu tun haben, auch nicht bei den beiden Personen, in denen Art. 260ter StGB alleiniger Verurteilungsgrund war. Von den dem Bundesamt f\u00fcr Statistik be\u00adkannten 12 Verurteilten liegen uns die Urteile gegen acht im Volltext vor. Ein Urteil betrifft Drogenhandel (siehe Ab\u00adschnitt 6.4) und ein Urteil gegen zwei Personen Betrug (siehe Abschnitt 6.8). Das Urteil aus dem Jahre 1999 teilen sich f\u00fcnf Personen wegen Kreditkartenmissbrauch, Urkundenf\u00e4l\u00adschung, Hehlerei und Ungehorsam gegen eine amtliche Verf\u00fcgung (siehe Abschnitt 6.3). Bei allen Verur\u00adteilungen fand die Hauptverhandlung oder die Appellationsverhandlung ohne die Angeklagten statt (Flucht aus der Untersuchungshaft oder Entlassung vor der Haupt\u00adverhandlung, weil zwei Drittel der beantragten Strafdauer bereits durch Unter\u00adsu\u00adchungshaft oder vor\u00adzeitigen Strafantritt verb\u00fc\u00dft waren). Zur Zeit des Appellations\u00adurteils gegen die f\u00fcnf Personen aus dem Jahr 1999 waren alle bereits entlassen, da ihre Strafe durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafantritt schon abgegolten war. Dieses Verfahren ist noch nicht abge\u00adschlossen. Der Kassationshof best\u00e4tigte die Verurteilungen nach Art. 260ter StGB. Au\u00dferdem liegen uns noch zwei erstinstanzli\u00adche Urteile eines Fallkomplexes (Drogenhandel) aus dem Jahre 2000 vor, bei dem die erste Instanz Art. 260ter StGB bejaht, das Obergericht hingegen verneint hat. Aus beiden Fallkomplexen sind Bundesgerichtsurteile zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Polizei vermerkt im Lagebericht 1999:<sup><a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/sup> \u201eIm Berichtsjahr [1998] sind uns 10 kantonale Urteile bekannt geworden, welche Verfahren betreffen, in denen die Anklage unter anderem auf Beteiligung oder Unterst\u00fctzung einer krimi\u00adnellen Vereinigung im Sinne von Art. 260ter StGB lautete. In s\u00e4mtlichen Verfahren kam es bez\u00fcglich dieser Bestimmung zu einem Freispruch.\u201c Aus diesem Faktum sei aller\u00addings nicht ohne weiteres abzuleiten, dass die organisierte Kriminalit\u00e4t in der Schweiz nicht pr\u00e4sent w\u00e4re. Es ist allerdings viel eher abzuleiten, dass dieser Arti\u00adkel eben nur bei den Ermittlungen eine Rolle spielt, die zu Tage gef\u00f6rderten Erkennt\u00adnisse aber offensichtlich f\u00fcr eine Verurteilung nicht ausreichen, oder im nachhinein festgestellt werden muss, dass eben nicht kriminelle Organisationen am Werk waren, sondern h\u00f6chstens einfache Banden oder Mitt\u00e4terschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies best\u00e4tigt sich in der ausf\u00fchrlichen Analyse der dem BAP bekannten Anklagen und Urteile im Lagebericht 2000 des BAP. Von den 63 vom BAP juristisch beur\u00adteil\u00adten F\u00e4llen (es handelt sich um eine Gesamterhebung, die aber nicht unbe\u00addingt den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben kann) bezogen sich 62 gleichzeitig auf andere Delikte. Es finde sich in der bisherigen Gerichtspraxis \u201epraktisch kein Fall, in dem Straf\u00adver\u00adfolgungsbeh\u00f6rden oder Nachrichtendienste unabh\u00e4ngig von konkreten De\u00adlik\u00adten auf kriminelle Organisationen gesto\u00dfen sind.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/sup> Noch deutlicher wird das De\u00adsas\u00adter von Strafverfolgung und Rechtsanwendung bei den Schlussfolge\u00adrungen der Analyse des BAP: \u201eBisher konnte in der Gerichtspraxis die ins Auge gefasste Ziel\u00adgrup\u00adpe mit Artikel 260ter StGB nicht getroffen werden. Prozessiert wurde in erster Linie gegen Basiskriminelle oder allenfalls Organisationsmitglieder in tieferen Char\u00adgen. Diese h\u00e4tten auch mit den bereits vorhandenen rechtlichen Mit\u00adteln verfolgt wer\u00adden k\u00f6nnen. Ein eigentlicher Vorzeigefall f\u00fcr die Schlagkraft von Artikel 260ter StGB existiert bislang noch nicht.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/sup> Wohlverstanden, nach sieben Jah\u00adren Praxis, nach aufgrund der Z\u00fcrcher Kriminalstatistik f\u00fcr die gesamte Schweiz f\u00fcr den Zeit\u00adraum 1994-2001 grob gesch\u00e4tzten 1000 bis 3000 der OK zugeordneten Straftaten und 500 bis 1000 ermittelten T\u00e4terinnen und T\u00e4ter (inklusive der durch das BAP eruierten 290 Personen, die nach Lagebericht 1999 bei der \u201eROK\u201c invol\u00adviert sein sollen). Nimmt man das BAP beim Wort, und dieses Wort deckt sich mit unseren Er\u00adgebnissen, handelte es sich bei diesen ermittelten Personen tats\u00e4chlich nicht um \u201edie ins Auge gefasste Zielgruppe\u201c, hat also die <em>ratio legis<\/em> des Art. 260ter StGB keine Entsprechung in der Praxis der Strafverfolgung. Allerdings zieht das BAP dar\u00adaus nicht etwa den Schluss, dass diese strafrechtliche Bestimmung ihren Zweck nicht er\u00adf\u00fcllt hat und daher ein eventuelles Zuviel an Regelungen und Ma\u00df\u00adnahmen nicht durch weitere Regelungen und Ma\u00dfnahmen behoben werden kann. Im Gegenteil: \u201eDurch eine spezialisierte Ermittlungsorganisation auf Bundesebene sollte es m\u00f6g\u00adlich sein, einige der aufgezeigten Probleme zu \u00fcberwinden und die mittel- und lang\u00adfristige Bilanz des OK-Artikels zu verbessern.\u201c<sup><a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/sup> Das BAP versi\u00adchert, die geringe Zahl bisheriger Verurteilungen d\u00fcrfe \u201enun aber nicht zum einfa\u00adchen Schluss f\u00fchren, die Schweiz sei durch kriminelle Organisationen nicht gef\u00e4hr\u00addet oder der OK-Artikel sei in der Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t eine stumpfe Waffe\u201c.<sup><a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a><\/sup> Tatsa\u00adche bleibt, dass nach sieben Jahren intensiver Suche irgendeine Orga\u00adnisation, welche die Schweiz gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, trotz aller Anstrengungen nicht gefun\u00adden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Stellenwert einer Deliktsgruppe im Justizsystem zu beleuchten, ist die Ver\u00adurteiltenquote n\u00fctzlich, der gesch\u00e4tzte Anteil der Verurteilten unter den er\u00admit\u00adtelten T\u00e4tern. Zuverl\u00e4ssige Daten dazu sind aber nicht nur wegen der mangelhaf\u00adten polizei\u00adli\u00adchen Kriminalstatistik auf Bundesebene schwer zu gewin\u00adnen. Wegen des langen Mel\u00addeweges und der Differenz zwischen dem Zeitpunkt der Verurteilung und dem Eintritt der Rechts\u00adkraft sind zeitliche Verz\u00f6gerungen zwangsl\u00e4ufig. F\u00fcr ein\u00adzel\u00adne F\u00e4lle ist mit Melde\u00adverz\u00f6gerungen von drei Jahren und mehr zu rechnen. Es be\u00adsteht auch keine direkte Vergleichbarkeit der F\u00e4lle bez\u00fcglich des Tatzeitpunkts, der po\u00adlizei\u00adlichen Erfassung, der Aufkl\u00e4rung und der Verurteilung. M\u00f6glich hingegen sind Absch\u00e4t\u00adzungen, die unter Vernachl\u00e4ssigung oder Konstant\u00adsetzung (Durch\u00adschnitts\u00adwerte) der zeitlichen Schwankungen und mittels Hochrech\u00adnung gewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei gesch\u00e4tzten 100-150 polizeilich ermittelten Tatverd\u00e4chtigen (gesch\u00e4tzt aus den Angaben des BAP und aus Hochrechnung der KRISTA-Daten, vgl. Abschnitt 4.1.2.2) und zwei Verurteilungen j\u00e4hrlich, l\u00e4sst sich f\u00fcr Art. 260ter StGB eine Ver\u00adurteiltenquote von ungef\u00e4hr 2 % sch\u00e4tzen, eine Zahl, die sogar unter derjenigen des Diebstahls liegt. Die Verurteiltenquote bei Art. 260ter StGB ist die niedrigste. Sie wird allerdings virtuell unterboten durch Art. 275ter StGB, rechtswidrige Vereini\u00adgung. Das BFS verzeichnet f\u00fcr diesen \u201e\u00e4lteren Bruder\u201c des Art. 260ter StGB, der in den f\u00fcnf\u00adziger Jahren als politisches Organisationsdelikt in das StGB Eingang fand, keine einzige Verurteilung.<\/p>\n\n\n\n<p>So wenig es zul\u00e4ssig ist, die Z\u00fcrcher Verh\u00e4ltnisse auf die ganze Schweiz zu \u00fcbertra\u00adgen, so aufschlussreich ist ein Blick auf die im Kanton Z\u00fcrich erfassten Straftaten (vgl. Abschnitt 4.1.2.1, beachte den Unterschied zwischen erfassten Straftaten und ermittelten Tatverd\u00e4chtigen), die je nach Sch\u00e4tzung 20 % bis 35 % der in der ganzen Schweiz bearbeiteten F\u00e4lle ausmachen d\u00fcrften. Grob gesch\u00e4tzt befassen sich in der Schweiz die Polizeibeh\u00f6rden j\u00e4hrlich mit 200 bis 400 F\u00e4llen und ermitteln 100 bis 150 Tatverd\u00e4chtige, die sie kriminellen Organisationen zurechnen. Dabei sind Dop\u00adpelz\u00e4hlungen, z.B. weil mehrere Delikte involviert sind, nicht ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das BAP ermittelte im Jahre 1999 290 Personen, die im Bereich \u201eROK\u201c involviert sei\u00aden. Darunter sind allerdings auch blo\u00dfe Kontaktpersonen, gegen die kein Tatver\u00addacht vorliegt. Verglichen mit den jeweils in den Jahren 1999 und 2000 mehr als 8000 polizeilich registrierten F\u00e4llen von Drogenhandel scheint die organisierte Kri\u00admi\u00adnali\u00adt\u00e4t auch in diesem Gebiet, numerisch jedenfalls, keine gro\u00dfe Rolle zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tabelle: Verurteilungen nach ausgew\u00e4hlten Deliktsgruppen und F\u00e4lle nach schweizerischer polizeilicher Kriminalstatistik im Jahre 1998.<sup><a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/sup> Sch\u00e4tzung der Verurteiltenquote f\u00fcr Art. 260ter StGB<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Deliktgruppen<\/td><td>Verurtei\u00adlungen<\/td><td>polizeiliche Kriminalstatistik<\/td><td>Verurteilten-quote<sup><a href=\"#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a><\/sup><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Gegen Leib und Leben<\/td><td>3\u2019030<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>&#8211; davon T\u00f6tungsdelikte<\/td><td>vors. T\u00f6tung<\/td><td>57<\/td><td>185<\/td><td>0,438<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>Mord<\/td><td>13<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>Totschlag<\/td><td>11<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>&#8211; davon schwere K\u00f6rperverletzung<\/td><td>50<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>&#8211; davon einfache K\u00f6rperverletzung<\/td><td>1\u2019215<\/td><td>4\u2019873<\/td><td>0,249<\/td><\/tr><tr><td>Raub<\/td><td>338<\/td><td>2\u2019572<\/td><td>0,131<\/td><\/tr><tr><td>Betrug<\/td><td>1\u2019496<\/td><td>8\u2019581<\/td><td>0,174<\/td><\/tr><tr><td>Diebstahl<\/td><td>7\u2019115<\/td><td>222\u2019663<\/td><td>0,032<\/td><\/tr><tr><td>Bet\u00e4ubungsmitteldelikte<\/td><td>10\u2019489<\/td><td>45\u2019726<\/td><td>0,229<\/td><\/tr><tr><td>Art. 260ter StGB gesch\u00e4tzt, j\u00e4hrlich, auf Basis 1995-99<\/td><td><br>2<\/td><td><br>100-150<\/td><td><br>0,015-0,020<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a>Eidg. Justiz- und Polizeidepartement, Staatsschutzbericht 1999, Bern, Mai 2000, S. 99.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a>Eidg. Justiz- und Polizeidepartement, Staatsschutzbericht 2000, Bern, Juni 2001, S. 113f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a>Eidg. Justiz- und Polizeidepartement, Staatsschutzbericht 2000, Bern, Juni 2001, S. 52.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a>Bundesamt f\u00fcr Polizeiwesen (BAP): Szene Schweiz. Drogen, Falschgeld, Organisierte Krimina\u00adlit\u00e4t, Menschenhandel, Lagebericht Nr. 2\/98, Bern 1998.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a>BAP: Szene Schweiz, Lagebericht 2\/98, Bern 1998, S. 47.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a>BAP: Szene Schweiz, Lagebericht 2\/98, Bern 1998, S. 52.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a>Im Bericht ist die Zahl 340 gedruckt. Es handelt sich dabei wohl um einen Druckfeh\u00adler, da laut Tabelle insgesamt nur 290 nat\u00fcrliche Personen erfasst wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a>BAP: Szene Schweiz, Lagebericht 1999, Bern, 2000, S. 61-73.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a> Interview BAP, ZSD, S. 8.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a>Kantonspolizei Z\u00fcrich: KRISTA, Kriminalstatistik des Kantons Z\u00fcrich, Jahrg\u00e4nge 1994-1999, Z\u00fcrich, 1995-2000.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a>Relation der ermittelten T\u00e4terinnen und T\u00e4ter nach Art. 260ter StGB zu den ermittelten T\u00e4ter\u00adin\u00adnen und T\u00e4\u00adtern in der entsprechenden Deliktsgruppe mit Verbindung zu organisierter Krimi\u00adna\u00adlit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>In den j\u00e4hrlichen Publikationen der KRISTA werden jeweils auch die Vorjahreszahlen zu Ver\u00adgleichszwecken angegeben. Diese Zahlen entsprechen aber nicht immer den Zahlen der Vor\u00adjahrespublikation, da im folgenden Jahr auch die nach dem Jahresende erfassten F\u00e4lle des Vorjahres ber\u00fccksichtigt werden. Hier sind in der Regel die leicht h\u00f6heren korrigierten Vor\u00adjah\u00adres\u00adzahlen aufgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a>Verordnung \u00fcber die Mitteilung kantonaler Strafentscheide (Mitteilungsverordnung) vom 28. November 1994 (Stand am 25. M\u00e4rz 1997) SR 312.3:<\/p>\n\n\n\n<p>Art. 1 Bestimmungen des Strafgesetzbuches<\/p>\n\n\n\n<p>Die kantonalen Beh\u00f6rden teilen s\u00e4mtliche Urteile, Strafbescheide der Verwaltungsbeh\u00f6rden und Einstellungsbeschl\u00fcsse mit, die nach den folgenden Bestimmungen des Strafgesetzbuches (StGB) ergangen sind:<\/p>\n\n\n\n<p>16. (1) Artikel 258\u2013260, 260ter, 261, 261bis (Schreckung der Bev\u00f6lkerung, \u00f6ffentliche Auf\u00adfor\u00adde\u00adrung zu Verbrechen oder zur Gewaltt\u00e4tigkeit, Landfriedensbruch, Kriminelle Organi\u00adsation, St\u00f6rung der Glaubens- und Kultusfreiheit, Rassendiskriminierung);<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Fassung gem\u00e4\u00df Ziff. I der V vom 29. M\u00e4rz 1995, in Kraft seit 1. Mai 1995, AS 1995 1211.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a>Nach der Einzeldarstellung der F\u00e4lle im Anhang des Lageberichts 2000, S. 88-90. Das BAP z\u00e4hlt zu den 8 rechtskr\u00e4ftig verurteilten Personen weitere 3 Personen in 2 erstinstanzlichen Verfahren Verurteilte, deren Verfahren bei der h\u00f6heren Instanz noch h\u00e4ngig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote14anc\">14<\/a> BAP, Lagebericht 1999, a.a.O. S. 63.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote15anc\">15<\/a>BAP, Lagebericht 2000, a.a.O., S. 81.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\">16<\/a>BAP, Lagebericht 2000, a.a.O., S. 87.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote17anc\">17<\/a>ebd. S. 87.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote18anc\">18<\/a>ebd. S. 87.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote19anc\">19<\/a>PKS. Polizeiliche Kriminalstatistik 19989, herausgegeben vom Bundesamt f\u00fcr Polizeiwesen, Abtei\u00adlung besondere Dienst, a.a.O.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote20anc\">20<\/a>Die errechnete Verurteiltenquote stellt ein Minimum dar, da es sich bei den Verurteilungen um verurteilte Personen handelt. Bei den Verurteilungen k\u00f6nnen mehrere Taten einflie\u00dfen und die selbe Person kann mehrmals als Straft\u00e4ter ermittelt werden. Dies f\u00fchrt vor allem bei Dieb\u00adstahl zu einer gemessen an der Realit\u00e4t zu tiefen errechneten Verurteiltenquote, w\u00e4hrend bei den T\u00f6tungsdelikten beispielsweise die Verzerrung minimal ist. Die hier errechnete Verurteil\u00adtenquote bei den T\u00f6tungsdelikten ist allerdings deshalb zu niedrig, weil die PKS auch T\u00f6\u00adtung auf Verlangen, Bei\u00adhilfe zum Selbstmord und Kindst\u00f6tung umfasst. ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.dca9ffd4-44b5-4957-86fb-f169e8e19920\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1488\"><strong>Weiterlesen<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen 4 Ergebnisse der statistischen Analyse von Verfahren im Umfeld des Art. 260ter StGB Bereits im Methodenkapitel (2) ist ausgef\u00fchrt, dass die publizierten statistischen Quel\u00adlen zur Analyse der strafrechtlichen Verfolgung von kriminellen Organisationen im Rahmen von Art. 260ter StGB nicht gerade ergiebig sind. Bessere Aufschl\u00fcsse k\u00f6nnen aus dem Zusammenf\u00fchren von verschiedenen Quellen und durch Sonder\u00adauswertun\u00adgen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1492\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Organisierte Kriminalit\u00e4t statistische Analyse Estermann<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":228,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1492","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1492"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3542,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1492\/revisions\/3542"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}