{"id":1699,"date":"2021-03-09T15:51:27","date_gmt":"2021-03-09T13:51:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1699"},"modified":"2025-03-19T00:22:24","modified_gmt":"2025-03-18T22:22:24","slug":"sozialepidemiologie-des-drogenkonsums-kapitel-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1699","title":{"rendered":"Sozialepidemiologie des Drogenkonsums Kap. 3"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1716\"><strong>Weiterlesen: Kapitel 4.1   <\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.f1ff4aa7-1fef-4cef-a00f-0f36111cd61e\">is, Josef Estermann<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"\/bild\/sozep_vs_gross.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/bild\/sozep.jpg\" alt=\"beschreibung\" title=\"titel\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_Estermann_(Soziologe)\" data-type=\"URL\">Zum Autor auf Wikipedia<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3 Analyse biographischer Daten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.1 Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Studien \u00fcber Drogenkonsumierende, ob epidemiologisch orientiert oder bestimmte spezifische Untersuchungsfelder anvisierend, sind dadurch einge\u00adschr\u00e4nkt, da\u00df sie ihre Informationen lediglich \u00fcber verschiedene, zum Teil pro\u00adblemspezifisch ausgerichtete Institutionen beziehen oder \u00fcber sozialstatistische Befragungen, durch die eine gleichm\u00e4\u00dfige Erreichbarkeit der Konsumierenden nicht gew\u00e4hrleistet ist.<sup><a href=\"#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/sup> Die Art des Feldzugangs beeinflu\u00dft die Resultate jedoch nachhaltig und mu\u00df im Hinblick auf eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesem Problem zu begegnen, erg\u00e4nzen hier Informationen \u00fcber schwer zug\u00e4ng\u00adliche Bereiche des Feldes die Analyse quantitativer, institutionell erfa\u00dfter Massenda\u00adten zu drogenkonsumierenden Personen. Als Datenbasis dienen themen\u00adzentrierte biographische Interviews<sup><a href=\"#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/sup> mit Konsumierenden harter, illegaler Drogen, die sozial nicht auff\u00e4llig, das hei\u00dft nicht aufgrund ihres Drogenkonsums polizei\u00adlich registriert oder medizinalisiert sind. Im Vordergrund steht dabei das Interesse, subjektive Ein\u00adsch\u00e4tzungen der Konsumierenden zur Wahrscheinlich\u00adkeit der institutionellen Erfas\u00adsung zu erheben. Idealerweise lie\u00dfen sich aus diesen Erkenntnissen numerische Sch\u00e4tzungen bisher wenig bekannter Teile der unter\u00adsuchten Population herleiten. Auch wenn dies nur ansatzweise gelingt, bietet das Material die Grundlage f\u00fcr das Generieren von Hypothesen \u00fcber m\u00f6gliche oder typische protektive Faktoren, wel\u00adche einen verdeckten unauff\u00e4lligen Konsum harter, illegaler Drogen erm\u00f6glichen, sowie f\u00fcr Aussagen \u00fcber den erh\u00f6hten Immunisierungsgrad gewisser drogenkonsu\u00admierender Gruppen gegen\u00fcber repres\u00adsiven oder medizinischen Institutionen. Au\u00dfer\u00addem zeigt sich die zentrale Bedeu\u00adtung der Merkmale Alter und Geschlecht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.2 Methodologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Keine Person, die fortgesetzt harte, illegale Drogen einnimmt, wird unmittelbar in eine spezifische Statistik aufgenommen und somit zur \u00aboffiziell gez\u00e4hlten\u00bb Popu\u00adlation der Drogenkonsumierenden gerechnet. Vom Zeitpunkt der Aufnahme des Konsums bis zu einer Erfassung durch die Polizei oder dem Eintritt in eine medi\u00adzini\u00adsche Behandlung aufgrund des Drogenkonsums verstreicht eine Weile. Die unter\u00adschiedliche Dauer dieser Zeitspanne h\u00e4ngt nicht blo\u00df von den Konsumieren\u00adden selbst, sondern auch von institutionellen Bedingungen wie Therapieangeboten und Repressionsintensit\u00e4t sowie von der Marktlage ab. W\u00e4re sie f\u00fcr alle Konsu\u00admieren\u00adden gleich, so w\u00fcrde sich das Problem einer Sch\u00e4tzung der Gesamtpopula\u00adtion im Untersuchungsfeld lediglich auf die Frage nach dem Ausma\u00df der j\u00e4hrli\u00adchen Inzidenz (Neueintritte in die Population) und der j\u00e4hrlichen Remission (Austritte durch dauer\u00adhafte Abstinenz) beziehungsweise Auswanderung oder Ableben reduzieren. Doch die zur Verf\u00fcgung stehenden Massendaten zeigen bereits eindeutig, da\u00df Drogenkon\u00adsumierende \u00fcber die Zeit unterschiedliche Wahr\u00adscheinlichkeiten in bezug auf eine institutionelle Erfassung aufweisen, und es mu\u00df angenommen werden, da\u00df einzelne Gruppen relativ immun gegen\u00fcber dem Zugriff bestimmter Institutionen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Anhaltspunkte zur Sch\u00e4tzung der Zahl derjenigen zu gewinnen, denen es gelingt, ihren Konsum harter, illegaler Drogen gesellschaftlich verdeckt zu prakti\u00adzieren, sind gezielt Zug\u00e4nge in dieses Feld zu suchen und biographische Informa\u00adtionen zu sam\u00admeln. Dabei stehen folgende, grundlegende Fragestellungen im Vor\u00addergrund: Auf welche Art und in welchen Lebenszusammenh\u00e4ngen werden harte, illegale Drogen (Kokain, Heroin und andere Opiate) konsumiert, ohne da\u00df die Konsumierenden durch dieses Handeln sozial auff\u00e4llig werden und ohne da\u00df sie vom repressiven poli\u00adzeilich-judikativen Apparat entdeckt oder medizinalisiert werden? Auf welche sozia\u00adlen, \u00f6konomischen oder pers\u00f6nlichen Ressourcen st\u00fct\u00adzen sich integrierte Konsumie\u00adrende harter, illegaler Drogen, um trotz oder mit ihrem Drogenkonsum den funktio\u00adnalen Alltagsanforderungen zu gen\u00fcgen? Welches sind die entscheidenden Unter\u00adschiede, die eine Immunisierung gegen\u00fcber den erw\u00e4hn\u00adten gesellschaftlichen Kon\u00adtrollmechanismen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Unterschiede sind zu erwarten in bezug auf die Einstiegs&nbsp;, die Unterbrechungs&nbsp; und die Ausstiegsmotivation, die Dauer des Drogenkonsums, das Konsummuster (Konsumh\u00e4ufigkeit, Konsumintensit\u00e4t), das Konsumsetting (regelgeleitete Rituali\u00adsierung des Konsums, Bedeutungszuschreibung des Konsums, der Droge und des Lebensstils), die Drogenbeschaffung sowie auf zentrale sozio\u00f6konomische und de\u00admographische Merkmale.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesen Fragen nachzugehen, werden biographische themenzentrierte Inter\u00adviews mit integrierten Drogenkonsumierenden und mit einer Kontrollgruppe von repressiv erfa\u00dften und medizinalisierten Konsumierenden analysiert. Es sollen einerseits Er\u00adkenntnisse \u00fcber verschiedene individuelle Handlungsstrategien bez\u00fcg\u00adlich der Orga\u00adnisation des Drogenkonsums und der Alltagsbew\u00e4ltigung sowie \u00fcber die zur Verf\u00fc\u00adgung stehenden protektiven Ressourcen gewonnen werden. Anderer\u00adseits werden subjektive Einsch\u00e4tzungen zu Bef\u00fcrchtungen oder Erwar\u00adtungen hin\u00adsichtlich Erfas\u00adsung und Repression im Laufe der Drogenkarriere sowie einer freiwilligen Inan\u00adspruchnahme von Angeboten im medizinischen Sektor generiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahl biographischer Interviews als Methode begr\u00fcndet sich in der Annahme, da\u00df Konsumierende harter, illegaler Drogen durch die Rekonstruktion ihrer Bio\u00adgra\u00adphie subjektive Wahrscheinlichkeitssch\u00e4tzungen reflektierter und somit valider ab\u00adgeben k\u00f6nnen als durch unmittelbare Antworten auf direkte diesbez\u00fcgliche Fra\u00adgen. Gleichzeitig liefern die biographischen Kontexte Informationen dar\u00fcber, wel\u00adche Be\u00adziehungen zwischen individuellen Handlungspraktiken, sozialen Situationen und konsumierten Drogen den Lebenslauf begleiten und bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Gestaltung von Biographierekonstruktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Karriereverl\u00e4ufe k\u00f6nnen als konkrete Auspr\u00e4gung der Strukturen sozialen Lebens nur partiell vom Individuum selbst beeinflu\u00dft werden. Dabei ist es unbedeutend, ob die objektiv gegebenen, \u00e4u\u00dferen gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse bewu\u00dft wahrge\u00adnom\u00admen werden oder nicht. Entscheidend ist hingegen, wie der einzelne Mensch seinen Lebenslauf deutet. Er ben\u00f6tigt eine koh\u00e4rente, selbstverst\u00e4ndliche Vergan\u00adgenheit, damit er in der Interaktion mit seiner sozialen Umwelt handlungsf\u00e4hig ist. Das Pro\u00addukt dieses fortw\u00e4hrenden Prozesses ist sein Selbstbild, das hei\u00dft seine Ich-Identit\u00e4t sowie seine soziale Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen neigen dazu, eine m\u00f6glichst apologetische Selbstdarstellung ihres Lebens\u00adlaufs zu konstruieren.<sup><a href=\"#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/sup> Wird ein Individuum aufgefordert, seine Lebens\u00adge\u00adschichte oder auch nur Ausschnitte davon zu erz\u00e4hlen, besteht der Zwang des W\u00e4hlens und Abstrahierens. Der Gestaltungsraum des Rekonstruktionsprozesses ist dabei nicht v\u00f6llig offen, sondern in eine bestimmte Richtung gelenkt und durch eine bestimmte Grenze eingeschr\u00e4nkt. Soll eine m\u00f6glichst vorteilhafte Geschichte entstehen, k\u00f6nnen zentrale Werte relevanter Gruppen oder der Gesellschaft und \u00f6ffentlich bekannte Gegebenheiten nicht ignoriert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Methodische Probleme der qualitativen Erhebung durch Biographierekonstruktionen entstehen insbesondere durch Verzerrung, Umdeutung und selektive Wahrnehmung der geschilderten Ereignisse durch die Befragten. Dabei spielen das aktuelle Selbstbild und die Situation, in der sich die Befragten befinden, aber auch der Wunsch, den Erwartungen des Gespr\u00e4chspartners zu entsprechen, eine entschei\u00addende Rolle. Biographie als Thematisierung des eigenen Lebenslaufes, welcher als \u00abInsgesamt von Ereignissen, Erfahrungen, Empfindungen usw. mit unendlicher Zahl von Elementen\u00bb<sup><a href=\"#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a><\/sup> verstanden wird, ist also nicht blo\u00dfe Spiegelung vorhandener Ablaufmuster. Biographische Selbstthematisierungen geben Realit\u00e4tsmodelle wieder, die sich als \u00abhypothetische Vergegenw\u00e4rtigungen des Vergangenen\u00bb auf\u00adfassen las\u00adsen.<sup><a href=\"#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/sup> Wer seinen Lebenslauf rekonstruiert, verf\u00fcgt einerseits \u00fcber ein beschr\u00e4nk\u00adtes Ma\u00df an Gestaltungsfreiheit, andererseits aber auch \u00fcber einen gro\u00dfen Interpretati\u00adonsspiel\u00adraum. Jede realit\u00e4tsbezogene Interpretation mu\u00df jedoch in ihrer Subjektivi\u00adt\u00e4t als \u00abwahr\u00bb akzeptiert werden<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Erhebung haben beispielsweise Interviewende, welche die Interviewten gut kannten oder kennengelernt haben, im Verlaufe der Biographierekonstruktionen aufgrund des gemeinsamen Hintergrundwissens Widerspr\u00fcchlichkeiten in der Kau\u00adsalit\u00e4t oder in der Chronologie der Fakten bemerkt. In der Folge haben sie die Be\u00adfragten w\u00e4hrend des Interviews diesbez\u00fcglich ange\u00adsprochen, was zu einer Reinter\u00adpretation der Vergangenheit gef\u00fchrt hat, oder aber die Interviewenden haben an\u00adschlie\u00dfend an die Interviews zus\u00e4tzliche Informationen \u00fcber die Inter\u00adviewten proto\u00adkolliert. Illu\u00adstrativ dazu das Protokoll einer Interviewerin: <em>\u00abEindr\u00fccklich scheint mir die Tatsa\u00adche, da\u00df die Schwierigkeiten, sowohl den fakti\u00adschen Ablauf als auch die eigene da\u00admalige Befindlichkeit zu rekonstruieren, nicht auf den ersten Blick sichtbar zu wer\u00adden brauchen. Die vier Interviewten, die ich pers\u00f6nlich kenne, be\u00adkundeten alle M\u00fche mit ihrer Biographierekonstruktion. Die einzige Person, die mir eine zusam\u00admenh\u00e4ngende, in sich stimmige Geschichte ihres Drogenkonsums lieferte, war aus\u00adgerechnet jene, die ich bis zum Interview nicht gekannt habe. Ich gehe daher davon aus, da\u00df deren Geschichte, so wie sie sie mir erz\u00e4hlt hat, eine zurechtgelegte, den Fakten aber nicht mehr oder weniger entsprechende Ge\u00adschichte ist, wie diejenigen der anderen vier auch.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Interview<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Interviews sollten inhaltlich offen verlaufen, so da\u00df die Befragten selbst auf die ihnen wichtig erscheinenden Ereignisse zu sprechen kommen konnten, die w\u00e4h\u00adrend ihrer f\u00fcr ihren Drogenkonsum relevanten Biographie stattgefunden hat\u00adten. Die Interviews folgten insofern einem Leitfaden, als haupts\u00e4chlich Phasen beschrieben wurden, in denen sich Br\u00fcche im Lebenslauf ereignet hatten und die allt\u00e4gliche Handlungspraxis sich nicht wie gewohnt reproduzieren lie\u00df. Als Br\u00fc\u00adche k\u00f6nnen etwa der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung bezeichnet werden, das Ver\u00adfehlen eines sich selbst gesetzten Ziels, die Aufl\u00f6sung einer sozialen Beziehung, eine Krankheit, aber auch positiv besetzte Ereignisse wie Heirat oder die Geburt eines Kindes.<sup><a href=\"#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/sup> Solche Ereignisse sind deshalb von zentralem Inter\u00adesse, weil anhand die\u00adser Beispiele der Zugriff auf vorhandene materielle, soziale und pers\u00f6nliche Res\u00adsourcen zu analysieren ist. Das objektive Verhalten in Kri\u00adsensituationen l\u00e4\u00dft sich in der Datenanalyse zur Validierung der subjektiven Ein\u00adsch\u00e4tzungen zu Erfassungs\u00adwahrscheinlichkeiten und einer Inanspruch\u00adnahme der Angebote des medizinischen Systems heranziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Zielpopulation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach folgenden Kriterien wurde eine Person als integrierte Drogenkonsumentin oder integrierter Drogenkonsument definiert:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; mindestens zwanzigmaliger Konsum harter, illegaler Drogen (Kokain, Heroin, an\u00addere Opiate)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; mindestens ein Konsum im letzten Jahr<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; keine Erfassung durch polizeilich-judikative Institutionen infolge des Konsums<\/p>\n\n\n\n<p>Auf das Kriterium einer Erfassung durch medizinisch-therapeutische Institutionen wurde verzichtet, da nicht ausreichend gekl\u00e4rt ist, welche Art einer medizinischen Registrierung als Indikator f\u00fcr soziale Desintegration dienen kann. Grunds\u00e4tzlich ist davon auszugehen, da\u00df diese gegeben ist, wenn staatliche Programme oder thera\u00adpeutische Ma\u00dfnahmen in Anspruch genommen wurden, die eine offizielle Regi\u00adstrie\u00adrung als Drogenkonsumierende mit sich bringen. Ob jedoch bei einer freiwil\u00adligen Konsultation von \u00c4rzten oder Krankenh\u00e4usern soziale Desintegration vorliegt, h\u00e4ngt unter anderem von der Selbstdefinition der Individuen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kriterium \u00abmindestens zwanzigmaliger Konsum harter, illegaler Drogen (Kokain, Heroin, aber auch andere Opiate)\u00bb dient dazu, Personen, die in verschie\u00addenen Studien blo\u00df als \u00abProbierer\u00bb definiert werden, auszuschlie\u00dfen. Zudem kann davon ausgegangen werden, da\u00df die Frage nach der Wahrscheinlichkeit, polizei\u00adlich erfa\u00dft oder medizinisch betreut zu werden, bei weniger als 20 Konsumereig\u00adnissen kaum relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kriterium \u00abmindestenseinKonsumereignisimletztenJahr\u00bb dient dem Aus\u00adschlu\u00df von Personen, die den Konsum zumindest vor\u00fcbergehend aufgegeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Kriterium, die institutionelle Erfassung, trennt die Kontrollgruppe von den integrierten Konsumierenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Interviewenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter hatten die Aufgabe, Zugang zu einem sehr sensiblen Feld zu finden. Sie sollten \u00fcber mindestens einen privaten Kontakt zu integrierten Drogenkonsumierenden, der \u00fcber maximal eine Zwischenbeziehung vermittelt war und \u00fcber Erfahrungen im Durchf\u00fchren nichtstandardisierter Inter\u00adviews verf\u00fcgen. Dar\u00fcber hinaus mu\u00dften sie in der Lage sein, vertrauensbildende Beziehun\u00adgen zu den potentiellen Interviewpartnern aufzubauen und gleichzeitig ein Gleich\u00adgewicht zwischen Identifikation und Distanz zu wahren. Die Errichtung einer Ver\u00adtrauensbasis war die Voraussetzung f\u00fcr gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Validit\u00e4t der Daten und auch f\u00fcr die Erlaubnis zur Aufnahme der Interviews auf Tonband.<sup><a href=\"#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Drei Frauen und f\u00fcnf M\u00e4nner haben Interviews durchgef\u00fchrt. Alle Interviewenden hatten bereits Erfahrungen in der Durchf\u00fchrung offener, nicht-standardisierter Inter\u00adviews. Schwerpunkt einer zus\u00e4tzlichen Schulung war die Sensibilisierung f\u00fcr die Schilderung biographisch relevanter Ereignisse und einer damit verbundenen Ge\u00adf\u00e4hrdung des gewohnten, selbstverst\u00e4ndlichen Handelns. Die Interviewenden sollten in der Lage sein, diese Situationen zu erkennen und gegebenenfalls explizit zu erfra\u00adgen, ohne der Gefahr einer Suggestion zu erliegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Feldphase<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vom Sp\u00e4tsommer 1993 bis Herbst 1995 sind insgesamt 25 Interviews durch\u00adgef\u00fchrt worden. Davon liegen 19 in kompletter Abschrift (Transkription), vier in schriftli\u00adcher Kurzversion und zwei lediglich auf Tonband vor. Zudem haben die Interview\u00adenden typische fehlgeschlagene Zug\u00e4nge protokolliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit integrierten Drogenkonsumierenden sind 17 Interviews (vier mit Frauen und 13 mit M\u00e4nnern) und mit Personen in einer therapeutischen Institu\u00adtion acht Interviews realisiert worden (drei mit Frauen, f\u00fcnf mit M\u00e4nnern). Bis auf einen Mann gaben alle auch Erfahrungen mit repressiven Institutionen an. Die institutio\u00adnell erfa\u00dften Drogenkonsumieren\u00adden dienten als Kontrastgruppe, um Aussagen \u00fcber Differenzen und Gemeinsam\u00adkeiten zweier unterschiedlich charakterisierter Populationen zu er\u00adm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beginn der Feldphase erwies sich als schwierig. Diverse Versuche der Inter\u00adviewenden, pers\u00f6nlich oder durch Bekannte vermittelte Personen f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zu gewinnen, mu\u00dften relativ fr\u00fch oder aber im Verlaufe der Kontaktsuche und &nbsp;aufnahme abgebrochen werden. Dazu die Schilderung zweier typischer fehlge\u00adschla\u00adgener Zug\u00e4nge:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Ein an der Untersuchung interessierter 28j\u00e4hriger Mann hat schlie\u00dflich seine vor\u00aderst bekundete Teilnahmebereitschaft mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckgezogen, da\u00df er zwar seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz lebe und hier auch seine Ausbil\u00addung absolviert habe, da\u00df er aber eben Ausl\u00e4nder sei. Zudem sei er in guter beruf\u00adlicher Stellung mit klaren Karrierevorstellungen und -chancen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Einer Interviewerin erz\u00e4hlte eine Freundin, sie habe mit einer Frau ein vertrauli\u00adches Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt, worin ihr diese mitgeteilt habe, da\u00df sie seit l\u00e4ngerer Zeit Opiate konsumiere und inzwischen eine Abh\u00e4ngigkeit perzipiere, mit der sie schwer umgehen k\u00f6nne. Die Frau stehe vor dem Problem, ohne Bekanntgabe ihres Opiatkonsums sich und die Situation in den Griff zu bekommen bezie\u00adhungsweise von der wahrgenommenen Abh\u00e4ngigkeit wegzukommen. Als nun die Interviewe\u00adrin ihre Freundin darauf ansprach, diese Frau um eine Teil\u00adnahme am Projekt anzu\u00adfragen, verweigerte jene nach langem Abw\u00e4gen diese Bitte mit der Begr\u00fcn\u00addung, durch eine solche Anfrage das Vertrauen der Kon\u00adsumentin zu verletzen, zumal diese von ihr das Versprechen strengster Dis\u00adkretion einge\u00adfordert habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gescheiterten Zug\u00e4nge zeigen deutlich die Angst der Angefragten vor dem Ver\u00adlust ihrer Anonymit\u00e4t und der Gef\u00e4hrdung ihrer Identit\u00e4t als integrierte, unauf\u00adf\u00e4llige Konsumierende. Diese sind eine direkte Folge der Kriminalisierung des Heroin- und Kokainkonsums.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat sich gezeigt, da\u00df bei Erfolg eines ersten Feldzugangs die Aufwendungen f\u00fcr ein weiteres Gespr\u00e4ch mit einer dem oder der Interviewten bekannten Person (nach dem Schneeball-Prinzip) merklich geringer wurden. Das Konzept war jedoch von Beginn an darauf ausgerichtet, die beschr\u00e4nkten Ressourcen eher breit gestreut ein\u00adzusetzen. Es sollten prim\u00e4r mehrere verschiedene, also unabh\u00e4ngige Zug\u00e4nge reali\u00adsiert werden, statt einen einmal erreichten Zugang zu einem Netzwerk m\u00f6g\u00adlichst auszusch\u00f6pfen, da vermutet wurde, da\u00df sich die Erfassungswahrscheinlichkeiten innerhalb eines relativ homogenen Netzwerkes nicht nennenswert unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Darlegung des Forschungsvorhabens und dessen Ziel trug in der Regel zur Mo\u00adtivation der zu Untersuchenden bei, ihre pers\u00f6nliche Geschichte zu erz\u00e4hlen. Gegen\u00ad\u00fcber den potentiellen Interviewpartnern wurde das Forschungsinteresse an der Frage, wie es m\u00f6glich sei, auch mit dem Konsum harter, illegaler Drogen den gesellschaft\u00adlichen und pers\u00f6nlichen Anforderungen des Alltags gerecht zu werden, in den Vor\u00addergrund gestellt. Wir erwarteten, da\u00df dies ihren eigenen Interessen eher entspr\u00e4che als das Ziel der Gruppengr\u00f6\u00dfensch\u00e4tzung. Tats\u00e4chlich hielt die Erw\u00e4h\u00adnung der Gruppengr\u00f6\u00dfensch\u00e4tzung sogar einen Teil der Kontaktierten von der Teilnahme ab. Vorgebrachte Bedenken gegen\u00fcber einer Beteiligung an den Inter\u00adviews wurden je\u00addoch h\u00e4ufig durch die Erkl\u00e4rung zerstreut, da\u00df die Unter\u00adsuchung auch Informationen \u00fcber die zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen liefern k\u00f6nnte, die es erlaubten, den Drogenkonsum in funktionale Alltagsanforderungen zu inte\u00adgrieren, ohne pers\u00f6nlich und gesellschaftlich belastende Folgeerscheinun\u00adgen nach sich zu ziehen. Damit k\u00f6nnten nicht zuletzt die g\u00e4ngigen und auch medi\u00adal vermit\u00adtelten Vorurteile \u00fcber Drogenkonsumierende relativiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Bitte, die Interviews auf Tonband festhalten zu d\u00fcrfen, weckte anfangs \u00f6f\u00adters Mi\u00dftrauen. Die Zusicherung von Anonymit\u00e4t<sup><a href=\"#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/sup> und Hinweise auf methodi\u00adsche Notwendigkeiten konnten jedoch einen Teil der Bef\u00fcrchtungen zerstreuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Interviews wurden in einer f\u00fcr die Interviewten vertrauten Umgebung reali\u00adsiert. Der Gro\u00dfteil wurde zu Hause bei den Befragten durchgef\u00fchrt, die \u00fcbrigen in der Wohnung der Interviewenden, wobei es sich f\u00fcr die Interviewten nie um einen erst\u00admali\u00adgen Besuch dieser R\u00e4umlichkeiten handelte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.3 Ergebnisse der Erhebungen von Erfassungswahrscheinlichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Aufnahme ihrer Biographien sind die Interviewten, meist im Anschlu\u00df an das eigentliche Gespr\u00e4ch, gebeten worden, Einsch\u00e4tzungen der Eintreffens\u00adwahr\u00adscheinlichkeiten bestimmter Ereignisse abzugeben, die eine Status\u00e4nderung in dem hier definierten Sinne mit sich gebracht h\u00e4tten. Dazu wurde eine Darstellung ver\u00adwendet (vgl. Abbildung 3.3), die unterschiedliche Zust\u00e4nde repressiver Registrie\u00adrung auflistet. Die Interviewten sollten in drei Spalten numerische Werte zu den Wahr\u00adscheinlichkeiten angeben, durch das Repressionssystem erfa\u00dft zu werden. Zuerst wurde in der Spalte <strong>Selbst<\/strong> zu jedem Ereignis mittels einer dichotomen Variablen erhoben, ob dieses eingetroffen ist oder nicht. Danach sollten die Inter\u00adviewten beur\u00adteilen (Spalte <strong>Perzeption<\/strong>), wie erwartbar das Eintreffen oder Nicht\u00adeintreffen durch\u00adschnittlich in bezug auf ihr Verhalten und ihre Lebenspraxis w\u00e4hrend des gesamten Konsumzeitraums war. Zuletzt sollten sie die Wahrschein\u00adlichkeiten einsch\u00e4tzen, mit denen die Mitglieder ihres damaligen Netzwerkes, das hei\u00dft diejenigen Personen, mit denen sie regelm\u00e4\u00dfig oder \u00fcblicherweise konsu\u00admierten, in die jeweiligen Zu\u00adst\u00e4nde institutioneller Registrierung eingetreten sind oder h\u00e4tten eintreten k\u00f6nnen (Spalte <strong>Peers<\/strong>).<\/p>\n\n\n\n<p>Abbildung 3.3: Instrument zur Einsch\u00e4tzung subjektiver Erfassungswahrschein\u00adlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Status<\/strong><\/td><td><strong>Selbst<\/strong><\/td><td><strong>Perzeption<\/strong><\/td><td><strong>Peers<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Polizeiliche Verhaftung \/Anzeige<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Gef\u00e4ngnis<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Arzt oder Spital<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Entzug (institutionell gest\u00fctzt)<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Drogenberatung \/ Sozial-Psychiatri\u00adsche Dienste<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Legende:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Selbst (dichotome Variable):<\/p>\n\n\n\n<p>Angabe, ob der entsprechende Status erreicht wurde oder das Angebot in An\u00adspruch genommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Perzeption (Wahrscheinlichkeitsangabe zwischen 0 und 1):<\/p>\n\n\n\n<p>Angabe der Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des jeweiligen Ereignisses f\u00fcr den befragten Konsumierenden durchschnittlich f\u00fcr den ganzen Zeitraum des Kon\u00adsums.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Peers (Wahrscheinlichkeitsangabe zwischen 0 und 1):<\/p>\n\n\n\n<p>Angabe der durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit f\u00fcr den Kreis der Konsumie\u00adrenden, mit dem der oder die Befragte regelm\u00e4\u00dfig in Beziehung steht, den jeweili\u00adgen Status zu erreichen oder das betreffende Angebot in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gesch\u00e4tzten Erfassungswahrscheinlichkeiten im repressiven Bereich werden in Kapitel 4 in Bezug gesetzt zu den Ergebnissen der Gruppengr\u00f6\u00dfensch\u00e4tzung anhand der Repressionsdaten (vgl. Kap. 4.2.3). Dadurch wird ansatzweise auch die Gruppe der repressionsimmunen Konsumierenden in die Sch\u00e4tzungen einbezogen. Au\u00dfer\u00addem geben die generierten Werte Aufschlu\u00df dar\u00fcber, wie die integrierten Konsumie\u00adrenden ihre Situation selbst definieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nicht erfa\u00dften Konsumierenden wurden dar\u00fcber hinaus nach einer freiwilli\u00adgen, nicht mit einer amtlichen Registrierung verbundenen Inanspruchnahme des medizini\u00adschen Systems gefragt, um einen \u00dcberblick dar\u00fcber zu erhalten, wie weit diese An\u00adgebote zur Unterst\u00fctzung eines integrierten Konsums genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>T3.3A: Numerische Resultate der Angabe der Wahrscheinlichkeit der integrierten Konsumierenden, repressiv erfa\u00dft zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Status<\/strong><\/td><td><strong>Selbst<\/strong> Anzahl Wert<\/td><td><strong>Perzeption<\/strong> Anzahl Wert<\/td><td><strong>Peers<\/strong> Anzahl Wert<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Polizeilich verhaftet\/angezeigt \/angezeigt<\/td><td>14<\/td><td>0<\/td><td>2<\/td><td>.00<\/td><td>1<\/td><td>.03<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>0<\/td><td>1<\/td><td>7<\/td><td>.01<\/td><td>3<\/td><td>.05<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.10<\/td><td>2<\/td><td>.15<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.15<\/td><td>2<\/td><td>.20<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.25<\/td><td>2<\/td><td>.50<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.40<\/td><td>1<\/td><td>.60<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.50<\/td><td>1<\/td><td>.70<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Mittelwert<\/td><td>14<\/td><td>.00<\/td><td>14<\/td><td>.11<\/td><td>12<\/td><td>.27<\/td><\/tr><tr><td>n, Median<\/td><td>14<\/td><td>.00<\/td><td>14<\/td><td>.01<\/td><td>12<\/td><td>.18<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Gef\u00e4ngnis<\/td><td>16<\/td><td>0<\/td><td>15<\/td><td>.00<\/td><td>5<\/td><td>.00<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>0<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><td>.20<\/td><td>1<\/td><td>.01<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.03<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.05<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>2<\/td><td>.10<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.20<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.50<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.60<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.90<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Mittelwert<\/td><td>16<\/td><td>.00<\/td><td>16<\/td><td>.01<\/td><td>14<\/td><td>.18<\/td><\/tr><tr><td>n, Median<\/td><td>16<\/td><td>.00<\/td><td>16<\/td><td>.00<\/td><td>14<\/td><td>.04<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die integrierten Konsumierenden sch\u00e4tzen die Wahrscheinlichkeit, selbst repressiv erfa\u00dft zu werden, als sehr gering ein. Insbesondere die M\u00f6glichkeit eines Gef\u00e4ng\u00adnisaufenthaltes schlie\u00dfen sie fast v\u00f6llig aus. Von 16 dazu befragten Personen sch\u00e4t\u00adzen 15 dieses Risiko als nicht existent ein. Dies gilt jedoch nicht f\u00fcr die Mitglieder der Bezugsgruppe. Die Werte f\u00fcr die Peers bez\u00fcglich eines Gef\u00e4ng\u00adnisaufenthaltes streuen breit, wenngleich der Median mit 0.04 ebenfalls eher im unte\u00adren Bereich an\u00adgesiedelt ist. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, da\u00df sich zumin\u00addest einige der inte\u00adgrierten Personen in Netzwerken bewegen, denen auch tendenziell suszeptible Kon\u00adsumierende angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>T3.3B: Numerische Resultate der Angabe der Wahrscheinlichkeit der integrierten Konsumierenden, Angebote im medizinischen Sektor in Anspruch zu neh\u00admen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Status<\/strong><\/td><td><strong>Selbst<\/strong> Anzahl Wert<\/td><td><strong>Perzeption<\/strong> Anzahl Wert<\/td><td><strong>Peers<\/strong> Anzahl Wert<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Arzt oder Spital<\/td><td>12<\/td><td>0<\/td><td>7<\/td><td>.00<\/td><td>1<\/td><td>.00<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>5<\/td><td>1<\/td><td>2<\/td><td>.01<\/td><td>1<\/td><td>.01<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>2<\/td><td>.10<\/td><td>2<\/td><td>.10<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.30<\/td><td>2<\/td><td>.30<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.50<\/td><td>1<\/td><td>.40<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.70<\/td><td>1<\/td><td>.50<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.80<\/td><td>1<\/td><td>.80<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.90<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>1.00<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Mittelwert<\/td><td>17<\/td><td>.29<\/td><td>17<\/td><td>.26<\/td><td>9<\/td><td>.28<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Median<\/td><td>17<\/td><td>.00<\/td><td>17<\/td><td>.01<\/td><td>9<\/td><td>.30<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Entzug (institutionell gest\u00fctzt)<\/td><td>15<\/td><td>0<\/td><td>11<\/td><td>.00<\/td><td>1<\/td><td>.00<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><td>.01<\/td><td>3<\/td><td>.10<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.05<\/td><td>1<\/td><td>.20<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.10<\/td><td>2<\/td><td>.30<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.30<\/td><td>1<\/td><td>.40<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.40<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Mittelwert<\/td><td>16<\/td><td>.06<\/td><td>16<\/td><td>.05<\/td><td>8<\/td><td>.19<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Median<\/td><td>16<\/td><td>.00<\/td><td>16<\/td><td>.00<\/td><td>8<\/td><td>.15<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>Drogenberatung<\/td><td>11<\/td><td>0<\/td><td>8<\/td><td>.00<\/td><td>2<\/td><td>.00<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td>6<\/td><td>1<\/td><td>1<\/td><td>.01<\/td><td>2<\/td><td>.10<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.05<\/td><td>2<\/td><td>.20<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>3<\/td><td>.10<\/td><td>1<\/td><td>.30<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.50<\/td><td>2<\/td><td>.40<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.60<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.80<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td>1<\/td><td>.90<\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Mittelwert<\/td><td>17<\/td><td>.35<\/td><td>17<\/td><td>.19<\/td><td>9<\/td><td>.19<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td>n, Median<\/td><td>17<\/td><td>.00<\/td><td>17<\/td><td>.01<\/td><td>9<\/td><td>.20<\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein relativ gro\u00dfer Teil der Integrierten greift durchaus auf Angebote im medizini\u00adschen Sektor zur\u00fcck, um die eigene soziale Integration zu st\u00fctzen. So haben f\u00fcnf von 17 Personen bereits im Zusammenhang mit ihrem Drogenkonsum einen Arzt oder ein Spital besucht. Eine Drogenberatung wurde von sechs Konsumierenden in An\u00adspruch genommen. F\u00fcr diese Angebote liegt der Mittelwert f\u00fcr die Selbstper\u00adzeption relativ hoch, allerdings schlie\u00dfen jeweils die H\u00e4lfte der Befragten die M\u00f6glichkeit ihrer Inanspruchnahme nahezu v\u00f6llig aus. Einen institutionell gest\u00fctz\u00adten Entzug, der die Abh\u00e4ngigkeit von einer Substanz voraussetzt und das Risiko eines Anonymit\u00e4ts\u00adverlustes birgt, halten zwei Drittel f\u00fcr g\u00e4nzlich unwahrschein\u00adlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahrscheinlichkeit einer freiwilligen Inanspruchnahme von \u00c4rzten, Spit\u00e4lern und Drogenberatungsstellen sch\u00e4tzen die integrierten Konsumierenden f\u00fcr ihre Be\u00adzugsgruppen im Durchschnitt zwar \u00e4hnlich ein wie f\u00fcr sich selbst, die Werte in bei\u00adden F\u00e4llen ergeben jedoch f\u00fcr die Peers erheblich h\u00f6here Mediane als f\u00fcr die Selbst\u00adperzeption. Anscheinend werden die Konsummuster der Mitglieder der Bezugs\u00adgruppe h\u00e4ufiger als riskanter eingesch\u00e4tzt als die eigenen. Dies wird auch von den Ergebnissen bez\u00fcglich eines institutionell gest\u00fctzten Entzugs best\u00e4tigt. In diesem Fall liegt der Mittelwert ebenso wie der Median f\u00fcr die Peers um einiges h\u00f6her als f\u00fcr die Selbstperzeption.<\/p>\n\n\n\n<p>Die befragten integrierten Drogenkonsumentinnen und -konsumenten zeichnen sich durch Heterogenit\u00e4t aus, was sich im Ausma\u00df der Streuung der Angaben wider\u00adspiegelt.<sup><a href=\"#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/sup> Neben der im folgenden Kapitel beschriebenen Problematik, subjektive Wahrscheinlichkeitseinsch\u00e4tzungen abzugeben, mag auch die von unseren Inter\u00adviewerinnen und Interviewern oft ge\u00e4u\u00dferte Vermutung zutreffen, da\u00df in die Anga\u00adben immer auch Vorsicht oder Risikofreude der Interviewten einflie\u00dfen. Jemand, der glaubt, immer alles im Griff zu haben, schlie\u00dft die M\u00f6glichkeit ein\u00adfach aus, verhaftet zu werden. Ein anderer, der sich schon immer vor gerichtlichen Folgen gef\u00fcrchtet hat, gibt an, da\u00df immer mit einer Verhaftung zu rechnen sei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.4 Zur subjektiven Einsch\u00e4tzung von Erfassungswahrscheinlichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die integrierten Konsumierenden harter, illegaler Drogen taten sich allgemein schwer, subjektive Einsch\u00e4tzungen der Wahrscheinlichkeiten abzugeben, in repres\u00adsiv erfa\u00dfte Subpopulationen einzutreten oder Angebote im medizinischen Sektor in Anspruch zu nehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich dabei um ein nicht erwartetes oder nicht eingetretenes Ereignis handelte. Zu viele Faktoren spie\u00adlen aus der Sicht der Befragten eine Rolle, vor allem in bezug auf eine polizeiliche Erfas\u00adsung. Auch wenn eine Mehrheit der befragten Personen sich ganz klar als immun gegen Registrierungen im repressiven Sektor im Zusammenhang mit Dro\u00adgenkonsum und Drogenbeschaffung sieht, schlie\u00dft dennoch kaum jemand aus, da\u00df sich ein sol\u00adches Ereignis h\u00e4tte einstellen k\u00f6nnen. Die Interviewten haben teilweise die Erfah\u00adrung gemacht, da\u00df Mitglieder der ebenfalls konsumierenden Bezugs\u00adgruppe schein\u00adbar zuf\u00e4llig, also unabh\u00e4ngig von einem ersichtlichen Zusammen\u00adhang zwischen Konsumverhalten, Konsumkontrolle und Risiko\u00adverhalten durch das Repressionssy\u00adstem erfa\u00dft wurden. Auch ergaben sich Pro\u00adbleme im Zusam\u00admen\u00adhang mit Wahr\u00adscheinlichkeitssch\u00e4tzungen \u00fcber die Zeit. Einen Zeitraum von zehn Jahren oder mehr im Hinblick auf den pers\u00f6nlichen Drogenkonsum zu rekonstruie\u00adren, erwies sich als sehr schwierig. Die Interviewten hatten M\u00fche, ein\u00adzelne Phasen, an die sie sich noch erinnerten, in eine Chrono\u00adlogie zu bringen. Sie wiesen darauf hin, da\u00df sie sich au\u00dferstande f\u00fchlten, sich an damalige Befind\u00adlichkeiten oder ihr Risikoverhalten zu erinnern. Ebenfalls als schwierig erachteten sie das Schildern von Phasen, die sich stark von derjenigen unterschie\u00adden, in der sich die Interviewten zum Zeitpunkt des Interviews gerade befanden. So konnten sich Kon\u00adsumierende angesichts der typi\u00adschen Population offener Sze\u00adnen gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als sie sich selbst \u00fcber einen gewissen Zeitraum darin bewegten. Dazu ein Zitat aus einem In\u00adterview: <em>\u00abWenn ich das heute mir so \u00fcberlege und das erz\u00e4hle, wei\u00dft du, und wenn ich heute auf die Gasse gehe, schauen gehe und die Leute so sehe, &#8230; dann mu\u00df ich sagen, dann staune ich, ob ich \u00fcberhaupt auch einmal so gewesen bin. Also wei\u00dft du, das f\u00e4hrt mir dann sehr ein und ich habe das gar nicht so in Erinnerung\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>15, 10\/5-10).<\/em><sup><a href=\"#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die erw\u00e4hnten Probleme haben teilweise dazu gef\u00fchrt, da\u00df die Interviewten Zusam\u00admenh\u00e4nge zwischen biographischen Phasen und Erfassungswahrschein\u00adlichkeiten als unbegr\u00fcndbar betrachteten. Dies erkl\u00e4rt sich daraus, da\u00df die erw\u00e4hn\u00adten Zufallsfakto\u00adren vorwiegend im sozialen oder drogenpolitischen Kon\u00adtext loka\u00adlisiert werden, was aus der Perspektive der Konsumierenden denn auch den Hauptteil potentiell fehlen\u00adder Kontrollierbarkeit der eigenen Drogenkarriere aus\u00admacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die methodische Vorgehensweise hat sich gezeigt, wie hochgradig komplex und dynamisch Drogenbiographien verlaufen, denn biographischer Wandel sowie sozialpolitische Entwicklungen sind sich fortlaufend ver\u00e4ndernde Gr\u00f6\u00dfen. Dies schl\u00e4gt sich nicht nur in den Problemen bei der Selbst&nbsp;Rekonstruktion von Lebens\u00adl\u00e4ufen nieder, sondern auch dementsprechend in den methodischen Schwierigkei\u00adten, Ver\u00e4nderungen von Erfassungs- und Medizinalisierungswahrscheinlichkeiten im Zeitverlauf zu erfassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.5 Die Dynamik des Drogengebrauchs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00f6ffentlichen, zum Teil aber auch im wissenschaftlichen Diskurs herrscht nach wie vor die Meinung, Drogenkarrieren seien durch einen fatalistischen Determi\u00adnismus<sup><a href=\"#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/sup> gepr\u00e4gt, der sich in einem quasi-automatischen, unilinearen Verlaufsmo\u00addell be\u00adschreiben lie\u00dfe. Die unterstellten Analogien zu \u00ababw\u00e4rtsgerichteten\u00bb Ent\u00adwicklungs\u00adverl\u00e4ufen physisch oder psychisch degenerativer Krankheitsbilder schla\u00adgen sich denn auch in den Deszendenz- oder Verelendungstheorien nieder, in denen ein Bild der Unaufhebbarkeit von Drogenabh\u00e4ngigkeit gezeichnet wird, zumindest bez\u00fcglich Prognosen zu selbstinduzierten Ausstiegsversuchen oder erfolg\u00adreichen Ausstiegen aus Drogenkonsumkarrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die im Rahmen dieser Untersuchung erfa\u00dften Biographien hingegen zeigen sowohl gro\u00dfe Variationen \u00fcber das gesamte Sample der interviewten Personen wie auch eine beachtliche Dynamik innerhalb der einzelnen Konsumverl\u00e4ufe. Zur Illu\u00adstration sind hier sechs Konsumverlaufskurven graphisch dargestellt. Die F\u00e4lle 1 und 2 be\u00adschreiben die Konsumkarrieren institutionell erfa\u00dfter Drogenkonsumie\u00adrender. Die F\u00e4lle 3 und 4 beschreiben die Konsumverl\u00e4ufe solcher Personen, die sich lediglich an den Hausarzt gewandt haben, um Unterst\u00fctzung zu erhalten, bei\u00adspielsweise in Form von Substitution mit verschriebenen Opiaten. Es handelt sich also gem\u00e4\u00df unse\u00adrer Definition nicht um institutionell erfa\u00dfte Drogenkonsumie\u00adrende. Die F\u00e4lle 5 und 6 schlie\u00dflich sind Konsumverlaufskurven von Personen, die sich \u00fcber die gesamte bisherige Drogenbiographie h\u00f6chstens auf die Unter\u00adst\u00fctzung privater, nicht profes\u00adsionalisierter Sozialkontakte bezogen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konsumverl\u00e4ufe integrierter Drogenkonsumierender weisen zum Teil ebenso kompulsive Phasen auf wie diejenigen institutionell erfa\u00dfter Konsumieren\u00adder, vor allem was die Konsumintensit\u00e4t anbelangt, aber auch bez\u00fcglich der zeitli\u00adchen Dauer solcher Phasen. Umgekehrt haben auch institutionell erfa\u00dfte Drogenkonsu\u00admierende mehr oder weniger lange Phasen durchlebt, in denen sie kontrol\u00adliert kon\u00adsumierten oder in denen sie praktisch abstinent lebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Konsumverl\u00e4ufe institutionell erfa\u00dfter Konsumierender, Fall 1 und Fall 2<\/p>\n\n\n\n<p>Konsumverl\u00e4ufe integrierter, aber medizinalisierter Konsumierender,<br>Fall 3 und Fall 4<\/p>\n\n\n\n<p>Konsumverl\u00e4ufe integrierter Konsumierender, Fall 5 und Fall 6<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann nicht als gesichert betrachtet werden, da\u00df Konsumh\u00e4ufigkeiten und phy\u00adsi\u00adsche oder psychische Verfassung miteinander korrelieren. G\u00e4ngige Therapie- und Pr\u00e4ventionstheorien setzen diesen Zusammenhang in der Regel zumindest impli\u00adzit voraus. Aus der vorliegenden Untersuchung ergibt sich jedoch, da\u00df Drogen\u00adkonsum und soziale oder gesundheitliche Verelendung nicht zusammenfallen m\u00fcs\u00adsen. Dies weist darauf hin, da\u00df die bis heute in der Drogenforschung dominieren\u00adden drogen\u00adspezifischen Modelle \u00fcber Suchtverl\u00e4ufe dem eigentlichen Problem, gef\u00e4hrdende und protektive Faktoren im Proze\u00df des Umgangs mit Drogen zu bestim\u00admen, nicht gerecht werden, da sie kaum erkl\u00e4renden Charakter aufweisen. Der Nutzen solcher Modelle ist bestenfalls klassifikatorisch. Zur Erkl\u00e4rung von Suchtverl\u00e4ufen und zur Beantwortung der Frage nach den Ressourcen, die sozial unauff\u00e4llige Suchtverl\u00e4ufe erm\u00f6glichen, sind sie ungeeignet. Hierzu m\u00fcssen die wechselseitigen Beziehungen von sozialem Kontext, individuellen Pers\u00f6nlich\u00adkeitsmerkmalen und Eigenschaften der Droge gleichwertig ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Drogenkonsumverl\u00e4ufe sowohl von zum Teil seit Jahren integrierten als auch von institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden dynamisch und in ihrer Ent\u00adwicklung komplex und grunds\u00e4tzlich offen sind, stellen sich folgende Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Weshalb kann eine drogenkonsumierende Person ihren Drogenkonsum komple\u00adment\u00e4r zu den gesellschaftlich geforderten Alltagshandlungen auf\u00adrechterhalten, w\u00e4hrend eine andere dies nicht mehr leisten will oder kann?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Welches sind die soziologisch erkl\u00e4rbaren Gegebenheiten, die die Repro\u00adduktions- oder Transformationsprozesse innerhalb eines Konsumverlaufs beglei\u00adten und be\u00adeinflussen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Welche subjektiv wahrgenommenen und objektiv gegebenen sozialen, ideel\u00adlen und materiellen Ressourcen und Problemlagen liegen jeweils im Verlaufe einer Lebensgeschichte vor? Auf welche Ressourcen wird bei einer Verlaufs\u00ad\u00e4nderung zur\u00fcckgegriffen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 Welche subjektiven Bedeutungen messen Individuen ihrem Drogenkonsum bei, und wie schl\u00e4gt sich dies in den Umst\u00e4nden ihres Konsums, in ihrem Risi\u00adko\u00adbe\u00adwu\u00dftsein, in dem praktizierten, drogenorientierten Lebensstil und in drogen\u00adspezifi\u00adschen Identit\u00e4tsarrangements nieder?<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Beantwortung dieser Fragen sind die zentralen soziodemographischen Merk\u00admale (Alter, Geschlecht, Konsumdauer, Alter bei Konsumbeginn) beschrieben. Sodann sind einzelne Phasen (Einstiegs-, Unterbrechungs-, Ausstiegs- und Absti\u00adnenzphasen) der qualitativ analysierten Konsumkarrieren kommentiert. Danach wird auf der Grundlage theoretischer \u00dcberlegungen zum Begriff der Karriere der Handlungs- und Kontrollspielraum drogenkonsumierender Individuen diskutiert. Die deskriptiv-inter\u00adpretative Analyse des qualitativen Datenmaterials zeigt potenti\u00adell protektive Fakto\u00adren, die f\u00fcr ein Aufrechterhalten der Immunit\u00e4t gegen\u00fcber Sanktions- und Kon\u00adtrollinstitutionen von entscheidender Bedeutung sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6 Beschreibung der mittels qualitativer Methoden untersuchten Population<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse des Datenmaterials dient dazu, Thesen zu entwickeln, die zur Erkl\u00e4\u00adrung von Differenzen zwischen typischen Lebensl\u00e4ufen institutionell erfa\u00dfter bezie\u00adhungsweise integrierter Drogenkonsumierender herangezogen werden k\u00f6nnen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf jenen Faktoren und Zusam\u00admenh\u00e4ngen, die f\u00fcr einzelne Drogenkonsumierende protektive Wirkungen gegen\u00ad\u00fcber dem Zugriff ge\u00adsell\u00adschaftlicher Institutionen im repressiven und medizini\u00adschen Bereich haben und damit Indikatoren f\u00fcr einen gesellschaftlich integrier\u00adten Gebrauch harter, illegaler Drogen darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.1 Soziodemographische Merkmale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Alter aller interviewten Personen, der 17 integrierten und der acht institutionell er\u00adfa\u00dften Drogenkonsumierenden, lag zum Interviewzeitpunkt zwischen 21 und 42 Jah\u00adren bei einem Durchschnittsalter von 30,5 Jahren. Die integrierten Drogenkon\u00adsumierenden sind durchschnittlich 31 Jahre alt. Die institutionell erfa\u00dften Drogen\u00adkonsumierenden sind zwischen 22 und 31 Jahre alt, durchschnittlich 28,5. Das Durch\u00adschnittsalter aller interviewten Personen ist h\u00f6her als dasjenige der zwischen 1990 und 1994 angezeigten und dasjenige der an den Folgen des Drogenkonsums verstor\u00adbenen Personen.<sup><a href=\"#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a><\/sup> Die Interviewenden, die zwischen 25 und 40 Jahre alt wa\u00adren, ha\u00adben wohl eher Zugang zu gleichaltrigen Konsumierenden harter, illegaler Drogen gefunden als zu j\u00fcngeren Konsumentinnen und Konsumenten. Die Varianz des Al\u00adters in immunen Netzwerken ist relativ klein, was uns auch Befragte best\u00e4\u00adtigten, so da\u00df durch den Kontakt zu einer Person in der Regel keine weiteren gefun\u00adden wer\u00adden konnten, die wesentlich \u00e4lter oder j\u00fcnger sind. Bei der Auswahl der insti\u00adtutionell erfa\u00dften Konsumierenden wurde darauf geach\u00adtet, da\u00df die Alters\u00adzu\u00adsammensetzung innerhalb der Gruppe derjenigen der inte\u00adgrierten Drogen\u00adkonsumie\u00adrenden entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den insgesamt 17 Interviews mit integrierten Konsumierenden wurden vier mit Frauen gef\u00fchrt und 13 mit M\u00e4nnern. Die Gruppe der institutionell Erfa\u00dften setzt sich aus drei Frauen und f\u00fcnf M\u00e4nnern zusammen.Die Schichtzugeh\u00f6rigkeit variiert von der Unterschicht bis zur Oberschicht, alle herk\u00f6mmlichen Klassen sind vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.2 Konsum- und karrierespezifische Merkmale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einstiegsalter und Dauer des Drogenkonsums<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppe der integrierten Drogenkonsumierenden weist eine mittlere Dauer des Drogenkonsums von 10 Jahren auf, gemessen vom Erstkonsum harter, illegaler Dro\u00adgen bis zum Interviewzeitpunkt. Dies entsprich den in anderen Datenbest\u00e4nden ge\u00adfundenen Werten, die in Kapitel 4.3.6 vorgestellt werden. Der k\u00fcrzeste Konsum\u00adzeit\u00adraum ist 3 Jahre, der l\u00e4ngste 17 Jahre. F\u00fcr die institutionell erfa\u00dften Personen betra\u00adgen die entsprechenden Werte 7 Jahre, 3 Jahre und 15 Jahre. Die mittlere Dauer des bisherigen Konsums h\u00e4ngt in erster Linie vom Alter der befragten Personen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den integrierten Drogenkonsumierenden liegt das Alter zu Konsumbeginn zwi\u00adschen 15 und 36 Jahren<sup><a href=\"#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a><\/sup> bei einem Durchschnittsalter von 21 Jahren. Das Ein\u00adstiegsalter der institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden liegt mit 15 bis 24 Jah\u00adren mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren etwas niedriger.<sup><a href=\"#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wegen der regelm\u00e4\u00dfig auftretenden Zeiten der Abstinenz zwischen den Konsum\u00adphasen ist nicht nur der Abschlu\u00df einer Drogenkarriere schwer zu definieren, son\u00addern auch die Konsumdauer. Retrospektiv werden in der Regel auch Abstinenz\u00adpha\u00adsen zur gesamten Konsumdauer gerechnet. Dies ist ein zentrales Problem bei der Bestimmung der Inzidenz und der Remission, das hei\u00dft der Einstiegs- und Ausstiegs\u00adraten, wie sie in Kapitel 4.4.2 dargestellt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstkonsum und Einstiegsphasen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die in den Rekonstruktionen der Drogenbiographien geschilderten Einstiegspha\u00adsen weisen sowohl auf Gemeinsamkeiten als auch auf markante Unterschiede zwi\u00adschen den untersuchten Gruppen hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl die integrierten als auch die institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden nennen Neugierde und Interesse als die entscheidenden Motive zum erstmaligen Konsum harter, illegaler Drogen. Auch da\u00df der erste Konsum harter, illegaler Dro\u00adgen gemeinsam mit einer oder mit mehreren nahestehenden Personen stattfand, un\u00adterscheidet die Gruppen nicht.<sup><a href=\"#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Tendenzielle Unterschiede zeigen sich jedoch in den rekonstruktiv geschilderten Einstiegsphasen bez\u00fcglich der psychosozialen Kontexte und der Instrumentalisie\u00adrung des Drogenkonsums sowie in den subjektiven Theorien \u00fcber den Drogenge\u00adbrauch. Die in Institutionen interviewten Drogenkonsumierenden stellen den situa\u00adti\u00adven Kon\u00adtext, in den der Erstkonsum harter, illegaler Drogen eingebettet war, als eine pro\u00adblembeladene Zeit dar. Sie thematisieren \u00fcberwiegend Adoleszenzpro\u00adbleme, aber auch Konflikte im Zusammenhang mit beruflicher Ausbildung, mit be\u00adruflicher Identi\u00adt\u00e4t, mit sozialen und emotionalen Beziehungen und Bindungen, aber auch generelle Fragestellungen der Sinnfindung. Sie ziehen Neugierde und Interesse in diesem Kontext als Rechtfertigungsmotiv heran, um den Drogen\u00adkon\u00adsum als subjektive Pro\u00adbleml\u00f6sungs- oder Verdr\u00e4ngungsstrategie zu erkl\u00e4ren. Dies zeigt sich klar in den Interviewsequenzen, in denen der Konsumeinstieg begr\u00fcndet wird. Hier richtet sich der Fokus auf die Beschreibung einer konflikt\u00adbeladenen Lebenssitua\u00adtion: der pr\u00fc\u00adgelnde, alkoholkranke Vater <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>F)<\/em> oder die Mutter, die dem Lehrling keine abendli\u00adchen Ausg\u00e4nge erlaubt <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>G)<\/em>. Ein emotio\u00adnal belastendes Zusammen\u00adtreffen mit der Mutter benennt eine Konsumen\u00adtin ganz direkt als Anla\u00df f\u00fcr den er\u00adsten Drogenkon\u00adsum: <em>\u00abDie Polizei hat mich dann in diesem Caf\u00e9 aufge\u00adgriffen, und meine Mutter hat drau\u00dfen gewartet. Ich weinte: ich will nach Hause, ich will nach Hause, nur nach Hause. Aber meine Mutter sagte: Das kommt nicht in Frage, zu\u00adr\u00fcck dorthin! <\/em>[ins Lehrlingsheim]. <em>(&#8230;) Also ich fand, nicht einmal eine Nacht nimmt sie mich heim. Dann habe ich den <\/em>[Bekannten]<em> eben getroffen und er sagte zu mir: Willst du es jetzt mal? Ich hatte den ein paar Monate nicht mehr gesehen und ich sagte: ja, warte mal. Das war f\u00fcr mich das erste Mal\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>C, 3\/24-31). <\/em>Da\u00df institu\u00adtionell er\u00adfa\u00dfte Drogenkonsumentinnen und -konsumenten ihren Erstkonsum als in eine pro\u00adblembeladene Phase eingebettet darstellen, kann auch als Folge von Thera\u00adpieerfah\u00adrungen gesehen werden, die diese Personen in der Re\u00adgel gemacht haben. Nicht inte\u00adgrierte Drogenkonsumierende berichten \u00fcber f\u00fcr sie negative Erfahrungen, wenn die Therapeuten, anstatt praktische Lebenshilfe zu vermitteln, pers\u00f6nliche Grundkon\u00adflikte auszuloten versuchen, die ihrer Ansicht nach die Ursache des Dro\u00adgenkonsums darstellen.<sup><a href=\"#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Integrierte Drogenkonsumierende weisen demgegen\u00fcber darauf hin, da\u00df der Beginn ihrer Drogenkarriere im Zusammenhang mit tendenziell hedonistischen, aktiv-frei\u00adzeitlichen Kontexten gestanden habe: <em>\u00abDas allererste Mal? Hm. Ja, Moti\u00advation? Eben, es ist angeboten worden, wir sind in einem Freundeskreis gesessen, haben irgend so ein Spielchen gemacht, und es hat gerade so gut dazugepa\u00dft, um so ein bi\u00dfchen aus sich heraus zu kommen\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>8, 1\/41-45)<\/em>. Der Einstieg wird auch als be\u00adwu\u00dft gew\u00e4hlte M\u00f6glichkeit betrachtet, bereits mit anderen Substanzen gemach\u00adte Er\u00adfahrungen zu erweitern: <em>\u00abAls wir angefangen haben, Drogen zu neh\u00admen, waren Be\u00adwu\u00dftseinserweiterung und so wichtige W\u00f6rter. (&#8230;) Statt zusammen eins zu rauchen, haben wir halt eins gesnifft oder gedr\u00fcckt. Gesellschaftlich war das eine entspannte Sache\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>3, 1\/27-33)<\/em>. In den Begr\u00fcndungen erh\u00e4lt die Beschrei\u00adbung der Erwartun\u00adgen vor dem Erstkonsum einen zentralen Stellenwert: <em>\u00abIch bin mir sehr gut bewu\u00dft gewesen, was es ist, oder was du zu erwarten hast. (&#8230;) Und das hat mich schlicht\u00adweg interessiert\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>11, 2\/8-11)<\/em>. Sie betonen den Reiz des Neuen, Unbekannten, Verbotenen, das Abenteuerliche des ver\u00e4nderten Zustandes. Der Drogenkonsum sei in Aktivit\u00e4ten integriert, denen man sich auch vor der Konsumaufnahme bereits lust\u00adgewinnend gewidmet hatte: <em>\u00abAuf Koks bist du &#8230; du f\u00fchlst dich sehr klar und sehr wach, und du bist auch sehr sozial auf\u00adgelegt und kannst es viel mehr sozial genie\u00ad\u00dfen\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>4, 2\/52-54)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Weg zum Erstkonsum harter, illegaler Drogen besteht darin, all\u00adgemein bekannte Drogenumschlagpl\u00e4tze erfolglos aufzusuchen, um andere Dro\u00adgen, zum Beispiel Haschisch, zu kaufen: <em>\u00abKeiner hat einen Bollen gehabt, und alle haben dir irgendwie Sugar oder Cola anbieten wollen und irgendwie &#8230; ja, wir sind ein\u00adfach spitz gewesen auf irgend etwas zu nehmen und &#8230; und dann ist es eigentlich das erste Mal passiert, da\u00df ich &#8230; das Pulver genommen habe, weil es einfach kein Hasch gehabt hat\u00bb (#14, 3\/6-10).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Erstkonsum kann aber auch in Phasen stattfinden, die sich durch r\u00e4umliche oder kulturelle Distanz zur gewohnten Umgebung auszeichnen. Ausgedehnte Rei\u00adsen nach S\u00fcdamerika oder Asien beispielsweise sind Lebenszusammenh\u00e4nge, in denen zum Teil sehr kompulsiv harte Drogen konsumiert werden. Die kulturelle Einbettung die\u00adser Drogen, verbunden mit der notwendig gewordenen Neudefini\u00adtion von Raum und Zeit, bauen bisher aufrechterhaltene Urteile und Vorurteile ge\u00adgen\u00fcber diesen Drogen und die dazugeh\u00f6renden konsumhemmenden \u00c4ngste ab.<sup><a href=\"#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Informiertheit und Kontroll\u00fcberzeugung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle interviewten Drogenkonsumierenden weisen darauf hin, da\u00df sie zumindest \u00abvom H\u00f6rensagen\u00bb eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung \u00fcber die Drogen und deren Wirkung hatten, bevor sie diese zum ersten Mal konsumierten. Die inte\u00adgrierten Konsumierenden sind jedoch \u00fcberzeugt, da\u00df es m\u00f6glich sei, harte Drogen zu nehmen und dabei die Kontrolle \u00fcber den Konsum zu behalten, und zwar sowohl bez\u00fcglich Kokain als auch Heroin. Mehr als die H\u00e4lfte der institutionell erfa\u00dften Konsumierenden hingegen berichtet explizit von einem Angstgef\u00fchl vor dem Erst\u00adkonsum von Heroin:<sup><a href=\"#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a><\/sup> <em>\u00abIch habe eigentlich genau gewu\u00dft, wenn ich mich jetzt ent\u00adscheide, dann ist es eine Entscheidung, die bleibt. (&#8230;) Ich habe so eine panische Angst vor dem gehabt, grauenhafte Angst, oder. (&#8230;) Weil ich eben genau gewu\u00dft habe, da\u00df ich mich f\u00fcr den Untergang entscheide, irgendwie\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>C, 3\/32-33, 42-43, 46-47)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die internale Kontroll\u00fcberzeugung einer Person hat einen erheblichen Einflu\u00df auf die Einsch\u00e4tzung einer Situation und deren Bew\u00e4ltigung.<sup><a href=\"#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/sup> Zwar lassen sich keine grunds\u00e4tzlichen Aussagen hinsichtlich der Pers\u00f6nlichkeitsdisposition erfa\u00dfter Kon\u00adsumierender machen, ihre Schilderungen der Einstiegsphase weisen aber zumin\u00addest auf eine geringe internale Kontroll\u00fcberzeugung im Zusammenspiel mit objektiven Faktoren externaler Kontrolle hin. Im Gegensatz dazu vermitteln die Berichte der integrierten Konsumierenden den Eindruck hoher internaler Kontroll\u00ad\u00fcberzeugung, die es ihnen immer wieder erm\u00f6glicht, selbst\u00e4ndig Strategien zur Bew\u00e4ltigung kriti\u00adscher Situationen zu entwickeln. Ein integrierter Kokainkonsu\u00adment stellt sich, sollte ihm sein Konsum einmal entgleiten, seine Reaktion folgen\u00adderma\u00dfen vor: <em>\u00abAlso ich habe das Gef\u00fchl, das mu\u00df irgendwie &#8230; ja &#8230; der Selbst\u00adschutz dann irgendwie spie\u00adlen oder &#8230; also ich denke, du kannst dich nicht darauf verlassen, da\u00df wenn du es nicht mehr im Griff hast, da\u00df dann jemand kommt und sagt, du hast es nicht mehr im Griff. Ich denke, da\u00df &#8230; du mu\u00dft so wach sein, da\u00df du selber sp\u00fcrst &#8230; ich meine, sonst k\u00f6nnte es dann pl\u00f6tzlich zu sp\u00e4t sein\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>13, 20\/44-49).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konsummuster, Konsumkontrolle, Konsumh\u00e4ufigkeit und -intensit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits die Betrachtungen der Einstiegsphasen und -motivationen integrierter Drogenkonsumierender gezeigt haben, spielt f\u00fcr die Mitglieder dieser Population das Konsumieren von Drogen in der Gemeinschaft mit Freunden und in der Frei\u00adzeit eine zentrale Rolle. Sie halten dieses Konsummuster tendenziell auch im wei\u00adteren Verlauf der Konsumkarriere aufrecht: <em>\u00abAlleine habe ich noch nie konsumiert, h\u00f6chstens, wenn ich genau gewu\u00dft habe, da\u00df ich innerhalb der n\u00e4chsten halben Stunde zu Kollegen gehe, mit denen ich es fortsetzen werde\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>8, 2\/19-22). \u00abAlso, was mir vor allem gef\u00e4llt, ist die Entspannung, das Abschalten k\u00f6nnen. Also jetzt, wo ich wei\u00df, was es bedeutet, sch\u00e4tze ich vor allem diesen Aspekt, die Sorgen ver\u00adgessen zu k\u00f6n\u00adnen. Mich um nichts mehr k\u00fcmmern zu m\u00fcssen\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>3, 3\/2-5).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden wird der Drogen\u00adkonsum oder die Versorgung mit Drogen, zumindest in der letzten Phase vor dem selbst- oder fremd\u00adinitiierten Schritt in die Institution beziehungsweise in die Therapie, zur lebens\u00addo\u00adminierenden Handlungspraxis: <em>\u00abKaum habe ich jeweils das Haus verlas\u00adsen, bin ich sofort abgest\u00fcrzt\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>F, 4\/12-13)<\/em>. Die Strukturierung des Alltags folgt den mit dem Drogenkonsum verbundenen Erfordernissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Integrierte Drogenkonsumierende hingegen scheinen \u00fcber fast alle Phasen ihrer Dro\u00adgenkarriere keine prim\u00e4r an den Konsum gebundene Alltagsorientierung auf\u00adzuwei\u00adsen. Beziehungen zu nicht drogenkonsumierenden Bezugspersonen und lega\u00adle Er\u00adwerbsquellen, in der Regel Lohnarbeit, halten sie \u00fcber die ganze Zeit aufrecht, was nicht hei\u00dfen soll, da\u00df sie gelegentlich nicht auch zus\u00e4tzlich illegale Ein\u00adk\u00fcnfte, etwa durch den Handel mit Haschisch, erzielen. Der Drogenkonsum beein\u00adflu\u00dft die All\u00adtagsstrukturierung nicht oder nur geringf\u00fcgig. Nicht erfa\u00dfte Konsu\u00admierende integrie\u00adren den Konsum in die bestehenden Strukturen und prak\u00adtizieren ihn unter deren Auf\u00adrechterhaltung und Ber\u00fccksichtigung: <em>\u00abIch schaffe mir Frei\u00adr\u00e4ume. Das kollidiert dann auch nicht mit meiner Arbeit. (&#8230;) Und das ist f\u00fcr mich etwas Grunds\u00e4tzliches, das man eben trennt: hier die Arbeit und da in dem Sinne eine andere Arbeit: Be\u00adwu\u00dftseinserweiterung, Erholung oder &#8218;Flashen&#8216;. Ich halte das auseinander, weil &#8230; das ist f\u00fcr mich wichtig\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>7, 2\/22-27).<\/em> In einigen F\u00e4llen instrumentalisieren sie die Einnahme harter, illegaler Drogen jedoch gerade f\u00fcr die Arbeit. Kokain und Heroin dienen dazu, Unlust zu bek\u00e4mpfen. Ein inte\u00adgrierter Konsument berichtet, da\u00df er morgens fr\u00fcher zur Baustelle gekommen sei, um ge\u00admeinsam mit einem Kollegen Heroin von der Folie zu rauchen (<sup>#<\/sup>10, 14\/28). Ein anderer, der im Gastgewerbe t\u00e4tig ist, beschreibt seinen Umgang mit Kokain, besonders in Zeiten der \u00dcberforderung, mit folgenden Worten:<em> \u00ab&#8230; also es nervt nicht, ich bin einfach etwas distanzierter, es nervt mich dann nicht mehr. Weil mehr als drei mal<\/em> [Tage hintereinander]<em> arbeiten im Gastgewerbe, dann f\u00e4ngt es an zu nerven. Und dann bist du m\u00fcde und gereizt und hast das Gef\u00fchl gehabt, eine Linie rauf und dann &#8218;ptt&#8216; geht&#8217;s einfacher\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>13, 9\/39-42)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Relativ einheitlich sind auch die Handlungsstrategien integrierter Konsumierender, den fortgesetzten Konsum harter illegaler Drogen derart unter Kontrolle zu halten, da\u00df die Immunit\u00e4t gegen\u00fcber der Polizei m\u00f6glichst gew\u00e4hrleistet bleibt und auch die Inanspruchnahme professioneller, \u00f6ffentlich-institutioneller Hilfe vermieden werden kann. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Ber\u00fccksichtigung \u00f6ko\u00adnomischer Aspekte, verbunden mit der Ablehnung illegaler Mittelbeschaffung, zu erw\u00e4hnen. Integrierte Drogenkonsumierende unterwerfen Konsummenge und &nbsp;muster relativ streng der jeweiligen Budgetrestriktion. Der Droge schreiben sie dabei meist die Bedeutung eines Luxusgutes, also eines superioren Gutes im neo\u00adklassischen Sinne, zu: <em>\u00abErstens ist es viel zu teuer und zweitens h\u00e4tte ich wohl viel zuviel Zeit darauf verwendet, mich einfach nur noch zuzuputzen und dem nachzu\u00adrennen\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>5, 2\/17-19). <\/em>Oder:<em> \u00abUnd was ich nie gemacht habe, was viele machen: so zwischendurch einfach zwei, drei oder gar vier Tage nonstop; das ist bei mir schon rein vom Geld her nicht m\u00f6glich\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>7, 2\/5-7)<\/em>. Im Gegensatz dazu berichten die Mitglieder der Kontrollgruppe allesamt von Konsumverhalten, das eine Bud\u00adget\u00aderweiterung n\u00f6tig machte, die sie oft durch illegale Eink\u00fcnfte deckten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interviewten der Kontrollgruppe begr\u00fcnden den Wechsel von Rauchen oder Sniffen zu intraven\u00f6sem Konsum fast alle \u00f6konomisch im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Einer der befragten Konsumenten kommentiert seinen Wechsel zu intraven\u00f6ser Applikation mit folgenden Worten:<em> \u00ab&#8230; habe ich ziemlich bald mal gefunden, ja, du wei\u00dft ja eigentlich, wie du dir die Pumpe setzen kannst und das kommt viel billiger\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>6, 4\/27-28)<\/em>. Ein integrierter Konsument, \u00fcber den \u00f6konomi\u00adschen Nutzen des intraven\u00f6sen Heroinkonsums reflektierend, kommt zum entge\u00adgen\u00adgesetzten Schlu\u00df: <em>\u00abAm Anfang ist es billiger, ja. Nein, aber auch dort (&#8230;) dann rei\u00adchen vielleicht am Tag drei Sch\u00fcsse und das wird sich einfach summieren bis &#8230; bis \u00e4h pro Stunde ein Schu\u00df\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>10, 24\/35-37). <\/em>Integrierte Konsumierende geben im Falle einer Aufnahme intraven\u00f6sen Gebrauchs denn auch keine \u00f6kono\u00admischen, son\u00addern durch Interesse oder Neugierde geleitete Motive an. Der oft anzu\u00adtreffende Verzicht auf intraven\u00f6sen Konsum unter den integrierten Drogen\u00adkonsumierenden wird am h\u00e4ufigsten durch die Angst vor Spritzen erkl\u00e4rt, dem Vergewaltigen und Verletzen des K\u00f6rpers oder durch die Angst, mit dem intrave\u00adn\u00f6sen Konsum eine Abh\u00e4ngigkeit heraufzubeschw\u00f6ren, also die Kontrolle \u00fcber die Droge zu verlieren. Wenn sie die Drogen spritzen, stellen die integrierten Konsu\u00admierenden ihr Kon\u00adsum\u00adverhalten auf das von ihnen erwartete erh\u00f6hte Abh\u00e4ngig\u00adkeitspotential ein: <em>\u00abIch habe in einem guten Rhythmus gespritzt, am Anfang sehr selten. Ich habe mir Zeit gelas\u00adsen, manchmal ein bi\u00dfchen mehr, manchmal ein bi\u00dfchen weniger, nie mit einer gro\u00dfen Regelm\u00e4\u00dfigkeit. Manchmal vielleicht schon drei mal die Woche, aber dann wieder einen Monat nicht mehr\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>3, 1\/14-17)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Momente subjektiv wahrgenommener Abh\u00e4ngigkeit und Kontrollverlust k\u00f6nnen sich aber auch einstellen, wenn die Konsumierenden die Drogen nicht intraven\u00f6s appli\u00adzieren. Die Sorge um die k\u00f6rperliche Verfassung, die Feststellung, am Arbeits\u00adplatz nicht mehr dieselbe konzentrierte Leistung erbringen zu k\u00f6nnen, oder ganz einfach die Einsicht, die letzten paar Wochenenden immer unter Einflu\u00df von Drogen ver\u00adbracht zu haben, deuten sie als warnende Signale. Typische Reaktionen auf solche Erfahrungen sind das Vorbereiten und disziplinierte Durchf\u00fchren von selbstinitiierten Phasen des \u00abRunterdosierens\u00bb oder gar von Unterbruchsphasen, die beim Heroin\u00adkonsum mit k\u00f6rperlichem Entzug einhergehen k\u00f6nnen. Die damit verbundenen Ver\u00ad\u00e4nderungen betreffen nicht blo\u00df den Konsumbereich. Die Ein\u00adsch\u00e4tzung, die Kon\u00adtrolle \u00fcber den Drogenkonsum zu verlieren, kann dann als m\u00f6glicher Ausdruck der gesamten Lebensf\u00fchrung erscheinen. Die Konsumieren\u00adden hinterfragen den Alltag kritisch und unternehmen gezielt Anstrengungen, sich von diesem zu distanzieren. Sie schalten Pausen ein, verreisen in die Ferien, f\u00fchren Ersatzhandlungen oder &nbsp;programme ein, suchen bestimmte Personen oder R\u00e4um\u00adlichkeiten \u00fcber eine gewisse Zeit nicht mehr auf und versuchen, belastende Lebens\u00adumst\u00e4nde zu ver\u00e4ndern. Wel\u00adche Strategie sie auch immer w\u00e4hlen, wichtig ist, die Situation wieder so unter Kon\u00adtrolle zu bringen, da\u00df \u00fcberzeugende Ver\u00e4nde\u00adrungen erfahrbar werden. Einige Inter\u00adviewte haben diesbez\u00fcglich einen richtig\u00adgehend ritua\u00adlisierten Umgang gefunden, so da\u00df von einer Kontrolle \u00fcber Kon\u00adtrollverluste gesprochen werden kann. Auf die Frage, was entscheidend sei, damit sich keine Abh\u00e4ngigkeit einstelle, kommt bei\u00adspielsweise die Antwort: <em>\u00abJa, wahr\u00adscheinlich vor allem aus einer Eitelkeit heraus, weil ich mich selber angekotzt habe, wenn ich gesehen habe, da\u00df es &#8217;nitzi&#8216; geht mit mir (&#8230;) Da sage ich zu mir: so, jetzt mag ich nicht mehr, bis ich wieder &#8218;zw\u00e4g&#8216; bin\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>9, 1\/28-38)<\/em>. Deshalb ist es auch nicht erstaun\u00adlich, da\u00df die Strategien nicht auf eine dauerhafte Abstinenz hin ausgerich\u00adtet sind, sondern da\u00df sie es erm\u00f6glichen sollen, den Konsum harter Drogen und funktionale Alltagsanforderungen immer wieder miteinander in Ein\u00adklang zu bringen und die Lust am Konsum beizubehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr Versuche, dem drohenden oder eingetretenen Kontroll\u00adverlust entgegenzuwirken, hat auch das jeweilige soziale Netz. Integrierte Drogen\u00adkonsumierende vertrauen Probleme, die sie als Folgen des Drogenkonsums wahr\u00adnehmen, den Mitgliedern ihrer Bezugsgruppe an, gerade auch ebenfalls konsumie\u00adrenden Personen, und bekommen von diesen Verst\u00e4ndnis und Unterst\u00fctzung: <em>\u00abIrgend einmal ist es mir zuviel geworden. Irgendwie habe ich ja trotz allem Schei\u00df, der gewesen ist<\/em> [K\u00fcndigung, Arbeitslosigkeit],<em> immer noch Freude am Le\u00adben gehabt. Und zwei Kollegen haben mir dann recht geholfen, da\u00df ich wieder &#8218;obenabe&#8216; komme &#8230; wirklich zu mir geschaut, haben mich auch recht zusammenge\u00adschissen, wenn ich wieder drauf gewesen bin. (&#8230;) Ja, und wir haben dann einfach sehr lange Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und &#8230; ja es ist mir bewu\u00dft geworden, entweder h\u00f6rst du auf oder st\u00fcrzt irgendwie voll hinein\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>14, 9\/19-23, 35-36).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drogenbeschaffung und Drogenhandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bestimmte Arten der Drogenbeschaffung bieten eher einen Schutz gegen den Zugriff der Polizei als andere. Von den 17 integrierten Drogenkonsumierenden beziehen zehn <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>1, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>2, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>4, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>5, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>7, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>8, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>12, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>13, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17)<\/em> ihre Drogen ausschlie\u00df\u00adlich und seit jeher \u00fcber private Kontakte, wobei drei Personen ihren Kon\u00adsum regelm\u00e4\u00dfig via aus\u00adl\u00e4ndische Kontakte decken. Ein Mann <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>15)<\/em> verfolgt diese Strategie seit rund f\u00fcnf Jahren. Er beschaffte sich vor einer knapp zweij\u00e4hri\u00adgen Abstinenzphase die Drogen w\u00e4hrend rund f\u00fcnf Jahren haupts\u00e4chlich in den dama\u00adligen, halb-offenen Szenen. Zwei Personen <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>10, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>14)<\/em> verhielten sich gerade umgekehrt. W\u00e4hrend zwei <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>10, Kokain)<\/em> beziehungsweise f\u00fcnf Jahren <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>14, Heroin)<\/em> bezogen sie die Drogen regel\u00adm\u00e4\u00dfig \u00fcber private Kontakte. Nach einer siebenj\u00e4hrigen <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>10)<\/em> beziehungsweise vierj\u00e4hrigen Abstinenzphase <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>14)<\/em> began\u00adnen sie mit dem Konsum von Heroin, wobei sie sich beide seit rund drei Jah\u00adren die Droge haupts\u00e4chlich in der offenen Szene beschaffen. Lediglich zwei Per\u00adso\u00adnen <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>9, <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>11)<\/em> decken sich seit acht Jahren unregel\u00adm\u00e4\u00dfig von privater Seite oder in der offenen Szene f\u00fcr ihren Drogenkonsum ein <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>9, Kokain und Heroin; <\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>11, Kokain)<\/em>. Nur ein Mann <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>6)<\/em> hat sich w\u00e4hrend drei Jahren seine Drogen, haupt\u00ads\u00e4chlich Heroin, aber auch Kokain, immer in der offenen Szene besorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erh\u00f6hte Kriminalisierungsrisiko, das durch die Drogenbeschaffung in der offe\u00adnen Szene gegeben ist, bildet einen wichtigen Grund f\u00fcr integrierte Konsumie\u00adrende, dieser fern zu bleiben. Ein gewisses Distinktionsmoment spielt dabei eben\u00adfalls eine gro\u00dfe Rolle. Integrierte Drogenkonsumierende betonen oft, da\u00df sie sich mit Perso\u00adnen, die sich vorwiegend in den offenen Drogenszenen bewegen, nicht identifizieren k\u00f6nnen oder wollen. Sie legen Wert darauf, sich von diesen abzu\u00adgrenzen. Sie mei\u00adden die offene Szene oder empfinden sie gar als absto\u00dfend. Sie erkl\u00e4ren sogar, da\u00df sie nicht w\u00fc\u00dften, wo welche Drogen zu beschaffen seien. Hin\u00adgegen berichtet zumin\u00addest einer der befragten integrierten Konsumieren\u00adden explizit, da\u00df die Szene auf der Stra\u00dfe ihn von Anfang an fasziniert habe und der Wunsch \u00abdazuzugeh\u00f6ren\u00bb sein Konsumverhalten durchaus gef\u00f6rdert habe: <em>\u00abAlso das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl ist wahrscheinlich schon wichtig. Wenn du die Drogens\u00adzene von weitem betrachtest, dann braucht es halt schon einen gewissen Eintritts\u00adpreis, eben vielleicht da\u00df du selber auch drauf bist, da\u00df du dich zu diesen Leuten gesellen kannst. Und wenn es deine Freunde sind, und wenn du die Leute kennst, ist es eben schon ansteckend. Eine Drogenszene ist attraktiv. F\u00fcr Leute, die es sonst in der Stadt langweilig fin\u00adden, doch, es ist attraktiv, es l\u00e4uft viel, viele Leute\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>3, 3\/40-47).<\/em> \u00c4hnliches wird auch von nicht integrierten Konsumierenden berich\u00adtet. Die Szene als soziales Um\u00adfeld wird von ihnen durchaus positiv bewertet: <em>\u00abEtwas sp\u00e4ter ging ich ja dann auch auf die Gasse mit denen, also Platzspitz, und dort war&#8217;s so, da\u00df du irgendwie ge\u00adrade zu jedem gehen konntest und irgendwas quatschen &#8230; es war eine sehr freie Sache dort von dem her. Es haben dich auch viele Leute gleich angequatscht oder irgendwie sonst &#8230;\u00bb (#B, 1\/51-54).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Von den 17 integrierten Drogenkonsumierenden treten bis auf drei Personen alle le\u00addiglich als K\u00e4uferinnen oder K\u00e4ufer von harten, illegalen Drogen auf dem Schwarz\u00admarkt auf. Als solche k\u00f6nnen sie auch dann noch bezeichnet werden, wenn sie gele\u00adgentlich oder regelm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfere Mengen einkaufen, um diese anschlie\u00dfend inner\u00adhalb ihres Netzwerkes weiterzuverkaufen. Dabei kann aber nicht von einem eigentli\u00adchen Handel gesprochen werden. Die Bezeichnung \u00abkollektive Nach- oder Vorfi\u00adnanzierung\u00bb ist hier eher angebracht. Ein Konsument umschreibt dies folgender\u00adma\u00dfen: <em>\u00abDie Quelle, die ich habe, das ist ein Kollege, und der hat das von einem Kollegen, der das ab und zu holen geht (&#8230;). Das bleibt einfach untereinander, zum Einkaufspreis verteilt. Da haut niemand noch einen F\u00fcnfziger drauf oder gibt noch einen L\u00f6ffel Mehl hinzu. Es ist auch von der Quali\u00adt\u00e4t her immer gute Ware\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>13, 16\/20-27).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden hingegen haben sich alle, mit Ausnahme einer Frau,<sup><a href=\"#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a><\/sup> zumindest im letzten Jahr vor der Befragung, regelm\u00e4\u00dfig auf der Gasse, also in der offenen Szene eingedeckt. W\u00e4hrend dieser Phase waren alle, vorwiegend aus finanziellen Gr\u00fcnden, auch als Dealer in der offenen Dro\u00adgenszene t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frauenspezifische Merkmale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Typischerweise verbinden Frauen die Muster ihres Drogengebrauchs eng mit ihren Beziehungen und dem Konsumverhalten des Partners. Eine integrierte Konsumen\u00adtin schildert ihren Karriereverlauf als einen st\u00e4ndigen Wechsel zwischen zwei M\u00e4nnern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, der schwer abh\u00e4ngig ist, konsumiert sie kompulsiv Heroin. Zwischendurch lebt sie immer wieder \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bei ihrem Freund, der mit Drogen nichts zu tun hat und versucht, ihre Abh\u00e4ngigkeit unter seinem Ein\u00adflu\u00df in den Griff zu bekommen. Wenn diese Versuche scheitern, kehrt sie zu ihrem Mann zur\u00fcck. Eine andere berichtet explizit, da\u00df sie sich ent\u00adsprechend ihrem Wunsch, Kokain zu konsumieren, den \u00abpassenden\u00bb Mann gesucht habe: <em>\u00ab&#8230; ich hatte halt in meinem Ausgehtrip das Gef\u00fchl, eigentlich k\u00f6nnte jetzt mal Koks kom\u00admen und habe mir einen Mann dazu gesucht\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 2\/30-31)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine nicht integrierte Frau ist ihre Beziehung zu einem nichtkonsumierenden Mann der Grund f\u00fcr eine achtj\u00e4hrige Phase der Abstinenz. Als der Mann beginnt, Drogen zu konsumieren, wird auch sie wieder abh\u00e4ngig: <em>\u00abEr l\u00e4utete bei mir an der T\u00fcr, und ich bin fast zusammengebrochen, weil er, der mich quasi von allem acht Jahre bewahrt hatte in dem Sinne, kommt pl\u00f6tzlich selber auf Heroin (&#8230;) und irgend\u00adwann habe ich gefunden: Wei\u00dft du was, jetzt will ich es auch wieder mal wis\u00adsen &#8230; Ja, und das war dann der Anfang von meinem zweiten Absturz, nach acht Jahren sauber\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>C, 6\/43-45, 7\/4-6)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere in den Beziehungen der integrierten drogenkonsumierenden Frauen obliegt den M\u00e4nnern h\u00e4ufig die Beschaffung der Substanzen: <em>\u00abAlso wie gesagt, ich mu\u00dfte mir die <\/em>[Drogen]<em> nie besorgen, die waren im Prinzip immer da. Mein Mann hat sich darum gek\u00fcmmert. Der hat dann dadurch, da\u00df er damit gedealt hat, unse\u00adren Konsum finanziert. Und ich mu\u00dfte da nie irgendwas machen. Es war einfach immer da\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 14\/15-18)<\/em>. Eine andere integrierte Frau antwortet auf die Frage, ob sie jemals selbst Heroin gekauft hat: <em>\u00abNein, niemals. (&#8230;) Es w\u00e4re ziem\u00adlich unm\u00f6g\u00adlich (&#8230;) ich habe die Leute der H-Szene nicht gekannt\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>2, 3\/35-44, 4\/1-2)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine integrierte Frau, die auch selbst mit Kokain gehandelt hat, schildert diese T\u00e4tig\u00adkeit als ein Gesch\u00e4ft, das sie gemeinsam mit ihrem Partner betrieb: <em>\u00abIch hatte halt meine Connection und der Mann hatte auch seine Leute, an die er das weiterrei\u00adchen konnte und ich hatte meine Leute, und wir haben dann irgendwie das beide gemacht\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 3\/18-20)<\/em>. Angefangen hat sie damit, um ihn zu beein\u00addrucken: <em>\u00ab&#8230; ich wu\u00dfte ja, wo&#8217;s nun zu kriegen war (&#8230;) hab&#8216; dann &#8230; da\u00df ich dann ein Gramm mit\u00adgebracht habe, auch um ihm zu imponieren und er auch tierisch darauf abgefahren ist, weil&#8217;s ne sehr gute Qualit\u00e4t war &#8230;\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 2\/36-38)<\/em>. Die Beziehung wird von der Frau als eine Phase exzessiven Konsums erlebt. Als die Zeit des kompulsiven Koka\u00adingebrauchs zu Ende geht, bedeutet dies auch das Ende der Partnerschaft und der gesch\u00e4ftlichen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine nicht integrierte Frau berichtet hingegen, auch unabh\u00e4ngig von einem Mann an Drogengesch\u00e4ften beteiligt gewesen zu sein: <em>\u00abIch war dann den ganzen Tag auf der Gasse, zum Vermitteln. (&#8230;) Und das hat gehei\u00dfen, von morgens bis abends f\u00fcr den Deal Kundschaft zu suchen. Oder f\u00fcr den Kunden einen Dealer zu suchen. Und dann kriegst du ein bi\u00dfchen etwas davon ab, oder so\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>C, 4\/17-23)<\/em>. Doch auch sie erh\u00e4lt die Drogen sp\u00e4ter f\u00fcr eine gewisse Zeit durch ihren Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Integrierte Frauen beschreiben, da\u00df Applikationsformen, die besondere Kenntnis\u00adse in der Aufbereitung und Durchf\u00fchrung voraussetzen, vom Partner ausgef\u00fchrt wer\u00adden. Wenn die Frauen intraven\u00f6s konsumieren, setzen ihnen h\u00e4ufig die M\u00e4nner die Spritzen, oft auch noch nach Jahren des Konsums: <em>\u00ab&#8230; das Fixen war nicht schlecht, aber ich hab&#8216; das nicht selber gemacht, und das hat immer mein Mann gemacht bei mir &#8230;\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 5\/29-30)<\/em>. Von den erfa\u00dften Frauen hingegen fixen alle selbst, au\u00dfer in der Einstiegsphase.<\/p>\n\n\n\n<p>An neue Applikationsformen werden die integrierten Frauen ebenfalls durch ihre Partner herangef\u00fchrt: <em>\u00abAlso er kam dann an mit dem Zeug und halt Spritzen, und das war irgendwie so ein Punkt, denn ich hatte gedacht, da\u00df wir \u2018Lines\u2019 ziehen, und irgendwie hatte ich schon das Gef\u00fchl, da\u00df es etwas gef\u00e4hrlicher ist und auch unan\u00adgenehm\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 4\/11-14)<\/em>. Trotz ihres Unbehagens siegt ihre Neugier. Wie selbstver\u00adst\u00e4ndlich konsumiert sie in dieser Situation ebenfalls intraven\u00f6s, da die Spritzen und der Partner als Vertrauensperson mit dem notwendigen Fachwissen nun einmal da sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Partner der integrierten Frauen dienen diesen als Mittler zur Droge, erleichtern ihnen in unterschiedlicher Weise den Konsum oder erm\u00f6glichen diesen sogar erst. Eine Frau berichtet dar\u00fcber hinaus, da\u00df sie ein St\u00fcck weit die Verantwortung f\u00fcr die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t ihres Konsums an ihren Partner abgibt: <em>\u00abAlso wir haben eine Vereinbarung, da\u00df ich nicht alleine Heroin nehme. Das hei\u00dft, er hat die Kon\u00adtrolle \u00fcber meinen Konsum mit. Er hat n\u00e4mlich auch ein gro\u00dfes Interesse daran, da\u00df ich nicht abh\u00e4ngig werde und (&#8230;) da\u00df er dann was sagt, wenn er das Gef\u00fchl hat, das k\u00f6nnte ausufern\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 7\/14-18)<\/em>. \u00dcber Phasen, in denen diese Frau kon\u00adsumierte, ohne in einer festen Beziehung zu leben, berichtet sie jedoch auch, da\u00df sie den Konsum sehr gut h\u00e4tte allein kontrollieren k\u00f6nnen: <em>\u00abAlso ich hatte auch das Gef\u00fchl, so wie ich es da genommen habe, sowohl Speed als auch Aitsch <\/em>[Heroin]<em>,<\/em> <em>da\u00df ich das durchaus auch mit allem anderen vereinbaren konnte\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>17, 5\/7-9)<\/em>. W\u00e4hrend dieser Zeit hat sie studiert und nebenher gearbeitet und unternahm auch l\u00e4ngere Urlaubsreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Darstellungen der integrierten Frauen sind ihre Partner \u00abs\u00fcchtiger\u00bb als sie selbst. Sie schildern nicht nur deren kompulsivere Gebrauchsmuster, sondern auch, da\u00df diese Applikationsformen verwenden, die die Wirkung der Drogen inten\u00adsivieren und die die Frauen selbst eher ablehnen. Eine Frau berichtet, wie sie mehrmals nach einer kurzen Zeit des intraven\u00f6sen Konsums wieder auf \u00absniffen\u00bb umgestiegen ist: <em>\u00abDas habe ich immer problemlos geschafft. Ich war auch im Gegen\u00adsatz zu meinem Mann nicht so schussgeil, da\u00df ich unbedingt die Nadel brauchte\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 6\/5-6)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Frauen obliegt innerhalb der Beziehung h\u00e4ufig die Verantwortung f\u00fcr die Auf\u00adrechterhaltung der sozialen Bedingungen, die als Voraussetzung f\u00fcr einen inte\u00adgrier\u00adten Konsum angesehen werden k\u00f6nnen. H\u00e4ufig sind sie diejenigen, die konse\u00adquent ihre legale Erwerbst\u00e4tigkeit aufrechterhalten und damit die finanziellen Grundlagen, wie Miete, Rechnungen und Lebenshaltung, abdecken: <em>\u00abAlso das war so gewesen bei uns, also ich hab&#8216;, also mein Gehalt war dazu da, die Miete, das Auto, die Ver\u00adsicherung und das ganze abzudecken. Und mein Freund hat sich halt um das Dope gek\u00fcmmert\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 3\/24-26)<\/em>. Dieses Verhalten in Kombination mit ihren weniger kompulsiven Gebrauchsmustern erh\u00e4lt die protektiven Bedingungen f\u00fcr beide Part\u00adner und schafft ein Umfeld, in dem Kontrollverluste und unpro\u00adtektives Verhalten des Mannes zu einem hohen Grad aufgefangen werden k\u00f6nnen, ohne zu einem Immuni\u00adt\u00e4tsverlust zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Tritt dieser Fall jedoch ein und der Mann wird verhaftet, werden die Frauen vor dem Zugriff durch die Organe des Repressionsystems gesch\u00fctzt: <em>\u00abUnd wenn halt irgend\u00adwas war, dann ist auch immer gesagt worden, da\u00df ich davon nichts wei\u00df und wu\u00dfte und nichts damit zu tun habe\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 6\/17-19)<\/em>. Die Rolle der Frau ist es, dem Mann im Fall der Verhaftung oder w\u00e4hrend des Gef\u00e4ngnisaufenthaltes unter\u00adst\u00fctzend zur Seite zu stehen: <em>\u00ab&#8230; da\u00df ich den Kontakt zu meinem Mann nie abge\u00adbrochen habe. Ich habe ihn auch immer besucht, regelm\u00e4\u00dfig besucht\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>16, 9\/17-19)<\/em>. Entspre\u00adchend der gesellschaftlichen Definition der Geschlechter bietet die Frau F\u00fcrsorge als Gegenleistung f\u00fcr den Schutz durch den Mann vor dem Zugriff der Instanzen re\u00adpressiver Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausstiegsmotivation und Zukunftsorientierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kriterium f\u00fcr die Aufnahme in die Untersuchung war, da\u00df mindestens ein Kon\u00adsumereignis innerhalb des letzten Jahres stattgefunden hat. Geht man von der Defi\u00adnition aus, da\u00df von einem Ausstieg aus dem Drogenkonsum nicht gesprochen wer\u00adden kann, wenn der letzte Konsum weniger als ein Jahr zur\u00fcckliegt, wurden keine Aussteiger oder Aussteigerinnen interviewt. Im Datencorpus finden sich jedoch bio\u00adgraphische Interviews mit Drogenkonsumierenden, deren letzte Kon\u00adsumphase einen deutlichen R\u00fcckgang der Konsumintensit\u00e4t aufweist. Anhand der Schilderungen die\u00adser Entwicklung lie\u00dfen sich verschiedene Muster und Typisie\u00adrungen unterscheiden, die zum Teil den in der wissenschaftlichen Literatur be\u00adschriebenen entsprechen.<sup><a href=\"#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Gesellschaftliche Anforderungen, die im Verlauf eines Lebens auftreten, die \u00dcber\u00adnahme von Verantwortung f\u00fcr neue Aufgaben, pers\u00f6nliche Entwicklung oder eine Ver\u00e4nderung des sozialen oder r\u00e4umlichen Umfeldes k\u00f6nnen mit dem gewohnten Lebensstil konkurrieren oder in Widerspruch geraten. Wenn diese Ver\u00e4nderungen, meistens in Form einer Wechselwirkung vieler Faktoren, eine Verminderung oder die Einstellung des Drogenkonsums zur Folge haben, so wird von einem Proze\u00df des Herauswachsens (maturing out) gesprochen. <em>\u00abWenn du halt einmal weniger kannst, weil du noch eine Familie hast und so weiter, dann kannst du auch einmal weniger in den Wald und pl\u00f6tzlich hast du auch keine Lust mehr, morgens um f\u00fcnf irgendwo auf die Sonne zu warten\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>11, 9\/6-9).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch neu gekn\u00fcpfte Beziehungen zu Personen au\u00dferhalb der Bezugsgruppe der Konsumierenden k\u00f6nnen neue Bed\u00fcrfnis- und Interessenlagen mit sich bringen, die eine Reduzierung des Drogenkonsums bewirken. Da\u00df pers\u00f6nliche Beziehun\u00adgen und der Konsum harter, illegaler Drogen eng miteinander verbunden sind, zeigt sich auch dort, wo nach Verlust oder Auseinandergehen enger Kontakte, die den Rahmen f\u00fcr den Konsum bildeten, der Drogengebrauch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit pro\u00adblemlos eingestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Anla\u00df f\u00fcr die Verminderung oder Einstellung des Konsums illegaler Substanzen ist oft auch eine ver\u00e4nderte Wahrnehmung der Wirkung der Drogen. Die positive Ein\u00adsch\u00e4tzung der wahrgenommenen Wirkung bedingt jedoch die Fortsetzung des Kon\u00adsums.<sup><a href=\"#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><\/sup> Andernfalls wird der Konsum nicht mehr als lustvoll erlebt: <em>\u00abMir macht es heute keinen Spa\u00df mehr. Also ich habe es gerade erst k\u00fcrzlich wieder mal getestet und ich habe gefunden, b\u00e4hh, das ist jetzt wirklich das Letzte, einfach nicht meine Droge. Nichts mehr, was mir entspricht\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>9, 2\/44-47).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine positive Einsch\u00e4tzung der Wirkung steht oft auch im Zusammenhang mit dem Konsumsetting oder den Wirkungsdeutungen der Mitglieder der Bezugsgruppe, die in die eigenen subjektiven Theorien zum Drogenkonsum mit einflie\u00dfen. Ver\u00e4n\u00adderte soziale Beziehungen k\u00f6nnen auf diese Entwicklung also ebenso Einflu\u00df nehmen, wie die individuelle Ver\u00e4nderung zu einem Herauswachsen aus diesem Umfeld f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfahrungen der beschriebenen Art k\u00f6nnen f\u00fcr das Erlernen eines kontrollierten Konsumverhaltens oder f\u00fcr einen Ausstieg aus dem Drogenkonsum von gro\u00dfem Wert sein. <em>\u00abErstens mu\u00dfte ich arbeiten, und zweitens will ich nicht etwas, das Macht \u00fcber mich hat, obwohl ich manchmal schon Lust hatte\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>2, 3\/29-30).<\/em> Auch \u00abR\u00fcckf\u00e4lle\u00bb erscheinen vor diesem Hintergrund in einem anderen Licht und k\u00f6n\u00adnen eher als Stationen auf dem Weg zu einem ver\u00e4nderten Konsummuster oder einem Ausstieg aus dem Konsum verstanden werden, denn als Versagen oder Wiederauf\u00adnahme \u00fcberlebter Gewohnheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reduktion oder Einstellung des Drogenkonsums kann auch aufgrund kogniti\u00adver Reflektion erfolgen. Anla\u00df f\u00fcr eine Neuorientierung kann eine einmalige Erfah\u00adrung oder auch ein l\u00e4ngerer kognitiver Proze\u00df sein, der zu einer allm\u00e4hli\u00adchen Umwertung des Risikos f\u00fchrt: <em>\u00abIch wollte einfach nicht mehr nehmen, weil ich gesp\u00fcrt habe, wie gef\u00e4hrlich es ist. (&#8230;) Ich wollte mich einfach nicht verlieren (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>2, 3\/8-12).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Integrierte Drogenkonsumierende beschreiben ihre ausstiegsorientierten Zukunfts\u00advorstellungen beziehungsweise die Reduktion des Konsums als Folge des Zusam\u00admenspiels zweier Faktoren. Einerseits schildern sie eine zunehmende Isolierung, da immer mehr Bezugsgruppenmitglieder den Drogenkonsum eingestellt haben, andererseits kostet die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Drogen\u00adkon\u00adsum und dem Erf\u00fcllen gesellschaftlicher Anforderungen mehr Energie, als sie auf\u00adbringen k\u00f6nnen: <em>\u00bbAlso, im Moment habe ich das Gef\u00fchl, wenn ich es nehme, st\u00fcrze ich gleich schneller ab. Also, fr\u00fcher konnte ich es besser ertragen, die Woche oder zwei danach. Von dem her glaube ich, es w\u00e4re Zeit aufzuh\u00f6ren. Es braucht immer mehr Kraft (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>3, 2\/16-21).<\/em> Dieser Proze\u00df (burning out) l\u00e4\u00dft sich vor allem bei langj\u00e4hrigen Konsumierenden beobachten. Der hier Zitierte konsu\u00admiert seit 17 Jahren Heroin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.3 Dominante protektive Faktoren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Datenanalyse gibt Hinweise auf protektive Faktoren, die den kontrollierten Kon\u00adsum harter, illegaler Drogen erm\u00f6glichen und einen gewissen Schutz vor einer Erfas\u00adsung durch den Repressionsapparat oder das medizinische Hilfssystem bieten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Arbeitsorientierung und soziale Netzwerke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine gesellschaftlich akzeptierte Arbeit und Berufst\u00e4tigkeit und damit ein geregel\u00adtes Einkommen ist von entscheidender Bedeutung f\u00fcr einen sozial unauff\u00e4lligen Dro\u00adgenkonsum. Arbeit und Berufst\u00e4tigkeit werden von integrierten Konsumieren\u00adden positiv beurteilt und sind in ihrer pers\u00f6nlichen Wertehierarchie verankert. Dem\u00adent\u00adsprechend nehmen sie eine Beeintr\u00e4chtigung dieses Lebensraumes durch den Dro\u00adgenkonsum als negativ wahr. F\u00fcr integrierte Drogenkonsumierende ist es typisch, da\u00df sie ihren Konsum dann als kontrolliert bezeichnen, wenn sie ihn nach dem Motto \u00abZuerst die Arbeit, dann das Vergn\u00fcgen\u00bb handhaben k\u00f6nnen. Die Wir\u00adkung eingenommener Drogen wird nur dann als positiv gedeutet, wenn der Kon\u00adsum in Freir\u00e4umen stattfindet. Der Verlust der Arbeitsstelle und damit des sozialen Status insgesamt, in der Regel ein markanter Bruch in \u00abtypischen\u00bb Karrierever\u00adl\u00e4ufen, wird so vermieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit im Zusammenhang stehen die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen, die nichts mit dem Drogenkonsum zu tun haben, und die Akzeptanz \u00f6konomischer Re\u00adstriktionen. Solange im pers\u00f6nlichen und beruflichen Bereich Kontakte zu nicht kon\u00adsumierenden Personen bestehen, ist ein Gleichgewicht zwischen den verschie\u00addenen Lebenswelten gew\u00e4hrleistet, welches einen Kontrollverlust \u00fcber den Konsum ver\u00adhindern oder auffangen kann. Im Gegensatz zu Personen, die sich aus\u00adschlie\u00dflich in einem drogenorientierten Umfeld mit ausschlie\u00dflich drogenkon\u00adsumierenden Bezugs\u00adpersonen bewegen, bleibt f\u00fcr die integrierten Konsumierenden die Existenz anderer Wertesysteme und Handlungspr\u00e4ferenzen immer relevant. Doch auch Netzwerke, die nur aus integrierten Konsumierenden bestehen, haben eine st\u00fctzende Funktion in bezug auf die Integration des Konsums in die All\u00adtagsstrukturen. Gegenseitige soziale Kontrolle ist \u00fcblich. Eine Abgrenzung zur offe\u00adnen Szene erfolgt deshalb nicht nur aus Angst vor einem erh\u00f6hten Erfassungs\u00adrisiko, sondern auch, weil die Konsumie\u00adrenden dadurch weiteren und h\u00e4ufigen Kontakt zu Personen vermeiden, die ihren Konsum nicht unter Kontrolle haben und damit eine Gefahr f\u00fcr die eigene Stabilit\u00e4t bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ber\u00fccksichtigung und Akzeptanz \u00f6konomischer Restriktionen bietet einen dop\u00adpelten Schutz. Ein Ausufern des Konsums und damit ein drohender Kontroll\u00adverlust wird automatisch verhindert, und illegale Mittelbeschaffung ist nicht not\u00adwendig. Typisch f\u00fcr integrierte Konsumierende ist es, da\u00df sie den Drogenkonsum als Frei\u00adzeitvergn\u00fcgen ansehen, das sich, wie andere Hobbys auch, nach den finan\u00adziellen M\u00f6glichkeiten richten soll. Illegale Mittelbeschaffung, insbesondere der professio\u00adnelle Drogenhandel, wird tendenziell abgelehnt, vor allem wegen der damit verbun\u00addenen Gefahr einer repressiven Erfassung und der M\u00f6glichkeit, da\u00df es zu Konflikten mit anderen wichtigen Lebensbereichen kommen kann. Die mei\u00adsten integrierten Drogenkonsumierenden lehnen bereits den Weiterverkauf harter, illegaler Drogen au\u00dferhalb des eigenen Kreises ab. Weshalb eine h\u00f6chstens als selbstgef\u00e4hrdend ein\u00adzustufende Handlung wie der Drogenkonsum strafbar sein soll, ist f\u00fcr sie jedoch nicht einsichtig und wird als eine Einmischung in den Um\u00adgang mit sich selbst empfunden. Da\u00df der Konsum von Heroin und Kokain illegal ist, ist nat\u00fcrlich allen Drogenkonsumierenden bewu\u00dft. Trotzdem lehnen integrierte Konsumierende \u00abillegales\u00bb Verhalten grunds\u00e4tzlich ab. Der scheinbare Wider\u00adspruch l\u00f6st sich auf der subjektiven Deutungsebene auf. Zwischen dem Konsum illegaler Drogen und dem Handel gibt es eine \u00fcberzeugende qualitative Grenze. Dabei spielen jedoch die dro\u00adhenden Sanktionen eine st\u00e4rkere Rolle als eine perzi\u00adpierte Unmoral. Deutlich zum Ausdruck kommt diese Haltung bei einem integrier\u00adten Konsumenten, als ihm auf einer Asienreise eine gr\u00f6\u00dfere, offensichtlich zum Weiterverkauf bestimmte Menge Heroin angeboten wurde. <em>\u00abDann haben wir am Abend immer unsere Opiumpfeife geraucht und irgendwann einmal ist der Besitzer am Abend ins Zimmer reinge\u00adkommen da mit einem zwei Kilo Glas voll Sugar und hat gemeint, ob ich das kaufen wolle &#8230; habe ich gesagt nein jesses Gott, hat er gesagt, ich soll aber probieren, und so haben wir dann dort das Zeug gesnifft und geraucht\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>13, 4\/21-26).<\/em> Ille\u00adgale Mittelbeschaffung wie Betrug, Diebstahl oder Raub sind demgegen\u00fcber Handlungen, die die Drogenkonsumierenden nicht so sehr wegen der Bestrafung, sondern aus in\u00adnerer \u00dcberzeugung ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Typisch f\u00fcr integrierte Konsumierende harter Drogen ist eine akzeptierende Hal\u00adtung gegen\u00fcber den zentralen Werten der Industriegesellschaft und die Verinner\u00adlichung einer b\u00fcrgerlichen Arbeitsmoral. Da\u00df der mehr oder weniger kontrollierte Konsum von Drogen aller Art dazu keinen Widerspruch bildet, zeigt sich am Beispiel der ge\u00adsellschaftlichen Inte\u00adgration von Al\u00adkohol, Tabak und Psychopharmaka. Die gesell\u00adschaftliche Akzeptanz und Integration scheint sich zunehmend auch auf Cannabis auszuweiten, obwohl es sich dabei immer noch um eine illegale Droge handelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6rper- und Gesundheitsbewusstsein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anstelle der gesellschaftlich definierten Begrenzung des Drogenkonsums durch die Gesetzgebung tritt f\u00fcr integrierte Konsumierende die individuelle Grenze des k\u00f6r\u00adperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Drogenkonsum soll ein Ver\u00adgn\u00fcgen sein, soll Spa\u00df machen. Dieser Anspruch wird jedoch dann bedroht, wenn das Wohlbefinden darunter zu leiden beginnt. Wie und wann dies geschieht, ent\u00adscheidet die betroffene Person selbst. Die Beeinflussung des Wohlbefindens wie auch dessen Definition ist eine der subjektivsten Gr\u00f6\u00dfen menschlichen Daseins. So haben die Befragten denn auch ihr Bewu\u00dftsein von Wohlbefinden sehr unterschied\u00adlich beschrieben und entsprechende Kriterien f\u00fcr den Umgang mit har\u00adten, illegalen Drogen genannt. Die Vorstellung k\u00f6rperlicher Unversehrtheit kann demnach die Art der Applikation beeinflussen, so da\u00df Drogen nicht gespritzt wer\u00adden, weil dadurch die \u00abintakte K\u00f6rperh\u00fclle\u00bb verletzt wird. Einige definieren f\u00fcr die Intensit\u00e4t und H\u00e4u\u00adfigkeit der Drogeneinnahme ein bestimmtes Moment, von dem an sie den K\u00f6rper als \u00abzu vergiftet\u00bb wahrnehmen. Integrierte Konsumierende schildern ihr psychisches Wohlbefinden als bedroht, wenn sie anderen als drogen\u00adgebundenen Interessen und Bed\u00fcrfnissen nicht mehr gen\u00fcgend nachgehen k\u00f6nnen. Soziales Wohlbefinden schlie\u00dflich kann bereits durch das Gef\u00fchl ins Wanken gera\u00adten, andere k\u00f6nnten sie als ungepflegten, \u00abverpennten\u00bb Menschen wahrneh\u00admen. Ein sporadischer Heroin\u00adkonsument erz\u00e4hlt denn auch, er sei nicht abh\u00e4ngig geworden, weil: <em>\u00abvor allem aus einer Eitelkeit heraus, weil ich mich selber ange\u00adkotzt habe, wenn ich gesehen habe, da\u00df es &#8217;nitzi&#8216; geht mit mir, oder wenn ich gemerkt habe, da\u00df man mir ansieht, da\u00df ich aussehe, wie wenn ich schlecht gepennt h\u00e4tte. Ich konnte es einfach nicht ha\u00adben, wenn ich gemerkt habe, da\u00df ich vergiftet bin, deshalb sind die Abst\u00e4nde auch relativ gro\u00df gewesen, zwischen\u00addurch habe ich mir wieder einen Ruck gegeben\u00bb<\/em> <em>(<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>9, 1\/29-36)<\/em>. In der Lebenspraxis integrierter Konsumierender haben die Kriterien subjektiven Wohlbefindens also eine bedeutende regulative Funktion f\u00fcr den Um\u00adgang mit dem Konsum harter, illegaler Drogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autonomie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ein weiterer, den anderen \u00fcbergeordneter protektiver Faktor kann das Bestre\u00adben angesehen werden, den Konsum harter Drogen autonom zu kontrollieren. Da\u00df dies nicht immer \u00fcber die ganze Konsumkarriere hinweg gelingt, relativiert die grund\u00ads\u00e4tzliche Bedeutung dieser Einstellung nicht. Auch in Phasen, in denen den Konsu\u00admierenden die Kontrolle \u00fcber den Drogenkonsum zu entgleiten droht oder sie diese als bereits verloren einstufen, sind Autonomiebestrebungen entscheidend, wenn die Unterst\u00fctzung durch professionelle Institutionen vermieden werden soll. Durch jede erfolgreiche Umsetzung eigener Strategien w\u00e4chst dabei die internale Kontroll\u00ad\u00fcber\u00adzeugung bez\u00fcglich des Umgangs mit harten Drogen und der eigenen Lebenssituation im allgemeinen. Auch wenn das soziale Umfeld Kontroll- oder Entzugsbestrebungen unterst\u00fctzt, so wird schlie\u00dflich doch der Erfolg als Beweis der eigenen selbst\u00e4ndigen F\u00e4higkeit gedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein integrierter Heroin- und Kokainkonsument mit sehr kompulsiven Konsumphasen begr\u00fcndet seinen letzten Entzug damit, da\u00df er wieder frei \u00fcber sein Leben verf\u00fcgen wollte: <em>\u00abDer Grund ist meine Verliebtheit gewesen, und ich habe die Frau gern gehabt und irgendwie, habe ich wieder unabh\u00e4ngig sein wollen. Weil &#8230; durch die Sucht vom Heroin ist man nat\u00fcrlich schon sehr gebunden, auch ortsge\u00adbunden, weil man hat seine Beziehungen, man hat seine Leute und &#8230; ich habe eigent\u00adlich wieder frei sein wollen und meiner Liebe Lauf lassen wollen (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>15, 13\/36-41).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die zentrale Stellung autonomen Handelns verweist auf die Bedeutung individuel\u00adler und sozialer Kompetenzen der Konsumierenden, die als deren Beitrag zur Erhal\u00adtung ihres sozialen Status und f\u00fcr ihr Selbstwertgef\u00fchl und Selbstbild von entscheidender Wichtigkeit sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschlecht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich werden Frauen von der Repression erheblich weniger fokussiert als M\u00e4nner. Dies gilt auch f\u00fcr den Drogenbereich (vgl. Kap. 4.2.2, 4.3 und 4.4) und ist das Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen gesellschaftlich definierten Geschlech\u00adterrollen, entsprechender weiblicher Sozialisation und daraus resultie\u00adrender Verhal\u00adtensweisen. Gem\u00e4\u00df den gesellschaftlichen Rollenbildern sind Frauen weniger krimi\u00adnell und gewaltbereit als M\u00e4nner. Dementsprechend nehmen einer\u00adseits die vorwie\u00adgend m\u00e4nnlichen Beamten, die im Drogenbereich eingesetzt wer\u00adden, Frauen weniger als gleichwertige Gegner, m\u00f6glicherweise sogar eher als schutzbed\u00fcrftig wahr, was ein weniger rigides Vorgehen gegen sie zur Folge hat. Andererseits tendieren Frauen auf Grund ihrer Sozialisation tats\u00e4chlich zu anderen, weniger gewaltgepr\u00e4gten Arten der Kriminalit\u00e4t als M\u00e4nner. Dies gilt auch f\u00fcr die suszeptible Population der offenen Drogenszenen, innerhalb derer Beschaffungs\u00adkriminalit\u00e4t und Handel mit Drogen weit verbreitet sind. Delikte wie Raub und Hehlerei sind dort eine Dom\u00e4ne der M\u00e4nner. Typisch f\u00fcr Frauen hingegen ist Kriminalit\u00e4t in anderen Bereichen, bei\u00adspielsweise Rezeptf\u00e4lschungen, Waren\u00adhausdiebstahl, Betr\u00fcgereien oder Gelddieb\u00adstahl am Arbeitsplatz. Eine erfa\u00dfte Kon\u00adsumentin berichtet: <em>\u00abIch arbeitete dann im Service, in einem Restaurant und machte 400-600 Trinkgeld pro Tag, also ich hin\u00adterschlug und unterschlug das. Das hei\u00dft, ich konnte das einfach abzweigen\u00bb (<\/em><sup><em>#<\/em><\/sup><em>C, 4\/10-12)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb der H\u00e4ndlerhierarchie dieser Szenen nehmen Frauen &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; eher die unteren R\u00e4nge ein. H\u00e4ufig sind sie lediglich als Vermittlerinnen zwischen Kunde und Dealer t\u00e4tig, ohne selbst \u00fcber Handelsware zu verf\u00fcgen (vgl. Kap. 3.6.2). Das kriminalisierungsbedingte Zur\u00fccktreten des staatlichen Gewaltmono\u00adpols, das zumindest auf der Ebene der k\u00f6rperlichen Gewalt einen gewissen Schutz des Schw\u00e4cheren gegen\u00fcber dem St\u00e4rkeren gew\u00e4hrleisten sollte, macht k\u00f6rperliche \u00dcberlegenheit in diesem rechtsfreien Raum zu einem Regulierungs- und Entschei\u00addungsfaktor. Frauen haben daher, auch auf Grund ihrer sozialisationsbedingten ge\u00adringeren Aggressionsbereitschaft, wesentlich schlechtere Voraussetzungen, sich in diesem Umfeld gesch\u00e4ftlich zu behaupten.<sup><a href=\"#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a><\/sup> Sie weichen auf Rollen aus, die ihrer Konditionierung eher entsprechen. Viele Frauen finanzieren ihren Konsum daher le\u00adgal durch Prostitution. Auch wenn sie repressiv erfa\u00dft werden, sind die sie betref\u00adfenden Ma\u00dfnahmen in der Regel weniger schwerwiegend als bei M\u00e4nnern.<sup><a href=\"#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die integrierten Frauen des Samples treffen ebenso wie f\u00fcr die M\u00e4nner die be\u00adreits genannten Faktoren wie Arbeitsorientierung, Gesundheitsbewu\u00dftsein und auto\u00adnome Kontrollbestrebungen zu. Dar\u00fcber hinaus findet ihr Konsum h\u00e4ufig inner\u00adhalb von Beziehungen statt, in denen ihre Partner die Verantwortung \u00fcber\u00adnehmen f\u00fcr den Umgang mit den Drogen (vgl. Kap. 3.6.2). Diese tragen insbe\u00adsondere das Risiko einer repressiven Erfassung, weil sie vorrangig die Handlungen ausf\u00fchren, die dieses Risiko bergen (Handel und Beschaffung), und weil sie die Frauen im Falle eines Zu\u00adgriffs durch die Polizei sch\u00fctzen. In Kombination mit der Einstellung der Organe des Repressionssystems, die das kriminelle Potential von Frauen geringer einsch\u00e4tzen als dasjenige der M\u00e4nner, verringert sich das Erfassungsrisiko f\u00fcr Frauen im repressiven Bereich durch dieses Rollenverhalten erheblich.<sup><a href=\"#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a><\/sup> Entsprechend geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, als Folge einer repressiven Erfassung medizinalisiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch weil die M\u00e4nner h\u00e4ufiger f\u00fcr Beschaffung, Aufbereitung und Applikation der Drogen zust\u00e4ndig sind, behalten die Frauen ihre Hemmschwellen bez\u00fcglich des Um\u00adgangs mit den Substanzen. Der Konsum oder bestimmte Applikationsfor\u00admen sind an die Pr\u00e4senz des Partners gebunden. Dies beugt kompulsiven Gebrauchs\u00admustern zwar nicht zwingend, aber doch tendenziell vor. Die frei\u00adwillige Inanspruchnahme der An\u00adgebote im medizinischen Sektor ist jedoch in der Regel die Folge kompulsiven, pro\u00adblematischen Konsums.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fortgeschrittenes Alter wirkt vor allem im repressiven Bereich protektiv gegen\u00fcber Interventionen und ist somit f\u00fcr einen integrierten Gebrauch von Heroin und Kokain g\u00fcnstig. Anscheinend sind Personen im Alter bis zu 30 Jahren besonders pr\u00e4desti\u00adniert f\u00fcr eine Erfassung durch die Organe der Repression, M\u00e4nner noch st\u00e4rker als Frauen. Dies gilt ebenso f\u00fcr eine Registrierung auf Grund von Drogen\u00addelikten (vgl. Kap. 4.3.4) wie f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe in anderen Bereichen des Strafrechts.<sup><a href=\"#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren integrieren sich normalerweise zu\u00adnehmend in die Gesellschaft. Weisen sie jedoch offensichtlich nichtkonforme Ver\u00adhaltensweisen und Kleidungsstile auf, die bei j\u00fcngeren Jugendlichen noch als Aus\u00addruck pubert\u00e4rer Entwicklung interpretiert werden, geraten sie dadurch auto\u00admatisch in das Visier interventionistischer Organe. Verpflichtungen wie famili\u00e4re Einbin\u00addung, die Notwendigkeit zu arbeiten oder auch nur die Resignation auf Grund eines st\u00e4ndigen gesellschaftlichen Drucks f\u00fchren dazu, da\u00df abweichende Verhaltenswei\u00adsen mit zunehmendem Alter seltener werden. Parallel dazu wird \u00e4lteren Personen gesellschaftliche Integration und Normtreue zugeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leben der Drogenkonsumierenden in offenen Szenen ist eine m\u00f6gliche Form der Devianz und kann als Ausdruck einer mit sp\u00e4ten Adoleszenzproblemen ver\u00adbundenen Suche nach alternativen Lebensstilen gesehen werden.<sup><a href=\"#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a><\/sup> Auch diese sus\u00adzeptible Po\u00adpulation zeichnet sich dadurch aus, da\u00df in der Altersgruppe der \u00fcber 30j\u00e4hrigen ver\u00adst\u00e4rkt Remissionen stattfinden. Drogenkonsumierende in offenen Szenen sterben h\u00e4ufig fr\u00fcher (vgl. Kap. 4.2.2), sie stellen den Konsum ein,<sup><a href=\"#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a><\/sup> oder sie entwachsen diesem Umfeld, weil sie sich, ohne unbedingt den Konsum aufzu\u00adgeben, in gesell\u00adschaftskonformen Strukturen etablieren, die sich mit dem Lebens\u00adstil der offenen Szenen schlecht vereinbaren lassen. Dadurch wird bei den Organen repres\u00adsiver Kontrolle das Bild eines jugendlichen Drogenkonsumierenden gepr\u00e4gt, das dazu beitr\u00e4gt, bei \u00e4lteren Personen, wenn sie nicht gerade erhebliche Auff\u00e4lligkei\u00adten auf\u00adweisen, keinen Drogenkonsum zu vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diejenigen, die \u00fcber Jahre harte Drogen konsumiert haben, ohne erfa\u00dft worden zu sein oder die erst sp\u00e4t mit dem Konsum begonnen haben, sinkt damit das Risiko einer repressiven Erfassung erheblich. Dadurch steigt wiederum die Medizinalisie\u00adrungsimmunit\u00e4t dieser Personen. Zwangstherapeutische Ma\u00dfnahmen in Folge einer Registrierung durch Institutio\u00adnen der Repression werden unwahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Da auch bei den integrierten Konsumierenden unserer Stichprobe das Einstiegsal\u00adter im Durchschnitt bei 21 Jahren liegt, haben diese, wenn sie dreissig sind, in der Regel eine mehrj\u00e4hrige Erfahrung im Umgang mit harten, illegalen Drogen. Es ist davon auszugehen, da\u00df Personen, die ihren Konsum \u00fcber lange Zeit autonom gere\u00adgelt ha\u00adben, sich diesbez\u00fcglich auf sich selbst und auf ihre soziale Infrastruktur verlassen k\u00f6nnen und auch weiterhin auf eine freiwillige Medizinalisierung ver\u00adzichten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4teinsteiger haben gegen\u00fcber Fr\u00fcheinsteigern einen betr\u00e4chtlichen Vorteil: Einige der protektiven Bedingungen, die Repressions- und Medizinalisierungsim\u00admunit\u00e4t gew\u00e4hren, sind bei ihnen zum Einstiegszeitpunkt in der Regel bereits vorhanden: Sie haben ihre Ausbildungszeit hinter sich, sind berufst\u00e4tig und befinden sich in etablier\u00adten Beziehungsnetzen. Ihre gr\u00f6\u00dfere Lebenserfahrung kann ihnen als Res\u00adsource auch im Umgang mit Drogen dienen. Personen, die sehr fr\u00fch mit dem Kon\u00adsum harter Drogen beginnen, befinden sich hingegen in der Situation, diese Bedin\u00adgungen nicht blo\u00df aufrechterhalten, sondern erst herstellen zu m\u00fcssen. Diesen Proze\u00df erst mit dem oder trotz des Drogenkonsums zu vollziehen, erfordert nicht nur einen h\u00f6heren Energieaufwand als dessen nachtr\u00e4gliche Integration in bestehende Strukturen, son\u00addern f\u00fchrt bei Konsumbeginn und in der ersten Zeit der Karriere zu einer h\u00f6heren Wahrscheinlichkeit, sozial auff\u00e4llig zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7 Karriere als Proze\u00df von Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne Goffmans weisen Karrieren einen doppelseitigen Charakter auf. Gesell\u00adschaftliche Strukturen und individuell gestaltetes Alltagshandeln beeinflussen sich gegenseitig. Karrieren von Drogenkonsumierenden in unserer Gesellschaft sind von der Illegalit\u00e4t des Drogenkonsums gepr\u00e4gt. Jede Person, die illegale Drogen konsu\u00admiert, ist eine potentiell diskreditierbare Person.<sup><a href=\"#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a><\/sup> F\u00fcr den Verlauf einer Drogenkar\u00adriere kann es entscheidend sein, ob und wann gesellschaftliche Sank\u00adtionen zur An\u00adwendung kommen. Da die Drogenkonsumierenden diese Sanktionen und ihre Folgen als negativ beurteilen, entwickeln sie verschiedene individuell gestaltete Verhal\u00adtensmuster im Alltag, die dazu dienen, diesen zu entgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung zeigen, welche Handlungsstrate\u00adgien integrierte Drogenkonsumierende bisher erfolgreich angewandt haben, um nicht dis\u00adkreditiert und stigmatisiert zu werden. Daraus konnten Hypothesen \u00fcber protektive Faktoren abgeleitet werden. Offenbar ist ein autonomer Umgang mit harten Drogen m\u00f6glich, ohne zwangsl\u00e4ufig soziale Auff\u00e4lligkeit und institutionelle Erfassung nach sich zu ziehen. Zwischen \u00abDrogenkarrieren\u00bb als \u00abKonsumkarrieren\u00bb und als \u00abErfassungskarrieren\u00bb mu\u00df deutlich unterschieden wer\u00adden. Die Einbettung in ein funktionierendes soziales Umfeld, eine gesicherte berufliche und \u00f6konomische Si\u00adtuation und eine hohe inter\u00adnale Kontroll\u00fcberzeu\u00adgung wirken dabei beg\u00fcnstigend. Sollten die eigenen Kon\u00adtrollressourcen nicht ausreichen, kann auf das soziale Netz zur\u00fcckgegriffen wer\u00adden. Dadurch er\u00fcbrigt sich h\u00e4ufig eine professionelle medizini\u00adsche oder therapeu\u00adtische Betreuung, die als Medizinalisierung bezeichnet werden kann. Auch ist die Erfassung durch das Repressionssystem eher unwahrscheinlich, solange der Kon\u00adsum sich in einem gesellschaftlich unauff\u00e4lligen Rahmen bewegt und die sozialen und \u00f6konomischen M\u00f6glichkeiten nicht sprengt. Jedoch l\u00e4\u00dft sich in die\u00adsem Zusam\u00admenhang ein Zufallselement nicht ausschlie\u00dfen. Absolute Immunit\u00e4t ist nicht erreichbar. Eine relative Immunit\u00e4t ist gegeben, wenn sich die Erfassungs\u00adwahr\u00adscheinlichkeit im Bereich von wenigen Prozenten bewegt. In diesem Zusam\u00admenhang kommt der Repressionsintensit\u00e4t eine wichtige Bedeutung zu. W\u00e4chst sie gegen\u00fcber sozial integrierten Personen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, da\u00df diese ihre Immunit\u00e4t bei\u00adbehalten und damit ihre soziale Integration aufrechterhalten k\u00f6nnen. Insofern f\u00f6r\u00addert sie die Desintegration der Konsumierenden und schafft sich so selber die Klien\u00adtel, mittels derer sich weitere Ma\u00dfnahmen legitimieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob institutionell erfa\u00dfte Konsumierende \u00fcber die beschriebenen Ressourcen grund\u00ads\u00e4tzlich nicht verf\u00fcgen oder verf\u00fcgten, mu\u00df offen bleiben, denn auch die beschriebe\u00adnen protektiven Faktoren bieten nicht zwangsl\u00e4ufig Schutz gegen die Erfassung durch den Repressionsapparat oder eine Medizinalisierung.<sup><a href=\"#sdfootnote30sym\"><sup>30<\/sup><\/a><\/sup> Unter Umst\u00e4nden wer\u00adden durch institutionelle Interventionen diese Ressourcen, falls sie in ausreichendem Ma\u00dfe vorhanden sind, gef\u00e4hrdet. Ohne protektive Faktoren ist ein verantwortungs\u00adbewu\u00dfter, sozial integrierter Umgang mit harten Drogen erschwert, wenn nicht gar unm\u00f6glich. Sozialer Abstieg und Desintegration ist dann unter Umst\u00e4nden unaus\u00adweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die biographischen Materialien zeigen, da\u00df die Dif\u00adferenzen zwischen Drogenkon\u00adsumierenden und der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung so drama\u00adtisch nicht sind: Die \u00abnormalen\u00bb gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse spiegeln sich in der Drogenszene wider. In dem oft angesprochenen \u00abrechtsfreien Raum\u00bb sind die Rollen der Frauen und M\u00e4nner nicht anders verteilt als in der \u00abnormalen\u00bb Gesellschaft. Die Rolle des Alterns als Weg zur zunehmenden Integration ist bei den Drogenkonsu\u00admierenden genauso gegeben wie in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Die Vorstellung der \u00abGegenwelt\u00bb des Drogenkonsums ist eine Chim\u00e4re der neueren Zeit, die nur durch Mechanismen der Ausgrenzung und der Intervention aufrecht erhalten werden kann. Da\u00df auch Konsumierende dieser Vorstellung aufsitzen und in ihr Selbstbild integrie\u00adren, wundert \u00fcberhaupt nicht. Ein Abbau dieser Mechanismen w\u00fcrde wohl den gr\u00f6\u00dften Teil des \u00abDrogenproblems\u00bb ohne allzuviel Aufwand l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\">1<\/a><sup>19<\/sup> Erreichbarkeitsprobleme haben zum Beispiel auf Haushaltsbefragungen basierende Mikrozen\u00adsen oder auch sogenannte Szenenbefragungen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\">2<\/a> Vgl. Hopf, C.: Qualitative Interviews in der Sozialforschung, 1991, S. 177-185.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\">3<\/a> Goffman, E.: Asyle, 1972, S. 149.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\">4<\/a> Hahn, A.: Biographie und Lebenslauf, 1988, S. 93.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\">5<\/a> Soeffner, H.G.: Auslegung des Alltags &#8211; Der Alltag der Auslegung, 1989, S. 139.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\">6<\/a> Auch ein positiv gedeuteter Bruch in der Biographie ist mit der Notwendigkeit und damit dem Stre\u00df der Reorganisation eigener Verhaltensmuster oder der sozialen Umwelt oder beidem verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\">7<\/a> Vgl. dazu auch Kreuzer, A. et al.: Beschaffungskriminalit\u00e4t Drogenabh\u00e4ngiger, 1991, S. 119ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\">8<\/a> Den Interviewten wurde jeweils angeboten, nach der Interviewsitzung das Gespr\u00e4ch gemein\u00adsam mit den Interviewenden abzuh\u00f6ren und so auf Inhalte, die eine Identifikation erm\u00f6glichen k\u00f6nnten (Namen, Adressen u.\u00e4.) aufmerksam zu werden und diese nachtr\u00e4glich in Anwesen\u00adheit der Interviewten zu l\u00f6schen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\">9<\/a> Das Einsetzen der Werte w<sub>q<\/sub> in das Sch\u00e4tzmodell kann somit nur heuristische Funktion haben, vgl. Kap. 4.1.1 und 4.2.3.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote10anc\">10<\/a> Die Interviews mit integrierten Drogenkonsumierenden sind mit den Zahlen 1 bis 17 gekenn\u00adzeichnet, diejenigen mit institutionell erfa\u00dften Drogenkonsumierenden mit den Buchstaben A bis H. Die Angaben zu den Interviewsequenzen sind wie folgt zu lesen: <sup>#<\/sup>Interviewte Person, Transkriptseite\/Zeilen des Transkripts.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote11anc\">11<\/a> Keupp, H.: Psychosoziale Praxis im gesellschaftlichen Umbruch. 1987, S. 97.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote12anc\">12<\/a> Vgl. dazu Kap. 4.2.1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote13anc\">13<\/a> 36 Jahre bildet eine auff\u00e4llige Ausnahme, liegt doch das zweith\u00f6chste Einstiegsalter bei 28 Jahren. Das durchschnittliche Alter bei Konsumbeginn reduziert sich auf 20 Jahre, wenn man den Fall des 36j\u00e4hrigen nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote14anc\">14<\/a> Skarabis und Patzak nennen 1979 in ihrer Studie \u00fcber die Berliner Heroinszene ein durch\u00adschnittliches Einstiegsalter von 20 Jahren. Vgl. Skarabis, H.; Patzak, M.: Die Berliner Heroin\u00adscene. 1981, S. 125. In der Untersuchung von Gr\u00fcnbeck, Markert und Tiemann aus dem Jahr 1992 wird das mittlere Einstiegsalter mit 19 Jahren angegeben. Vgl. Gr\u00fcnbeck, P. et al.: Pr\u00e4va\u00adlenz des Konsums harter Drogen, 1994, S. 54.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote15anc\">15<\/a> Die zentrale Bedeutung von Neugier und peergroup-Einfl\u00fcssen f\u00fcr den Erstkonsum illegaler Drogen ist z.B. auch bei Kreuzer erw\u00e4hnt, der damit die Aussagekraft patho\u00adlogischer Erkl\u00e4\u00adrungsans\u00e4tze zwar nicht g\u00e4nzlich verwirft, so doch zumindest stark relativiert. Vgl. Kreuzer, A. et al.: Beschaffungskriminalit\u00e4t Drogenabh\u00e4ngiger, 1991, S. 119ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote16anc\">16<\/a> Vgl. Kreuzer, A. et al.: Beschaffungskriminalit\u00e4t Drogenab\u00adh\u00e4ngiger, 1991, S.119ff. Siehe zur Bedeutung dieser These auch Kap. 3.2.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote17anc\">17<\/a> Die Relevanz r\u00e4umlicher und kultureller Distanz f\u00fcr die Ver\u00e4nderung von Einstellungen ge\u00adgen\u00fcber Drogen wird auch dadurch unterstrichen, da\u00df alle drei Personen (<sup>#<\/sup>5, <sup>#<\/sup>12, <sup>#<\/sup>13) nach ihrer R\u00fcckkehr in die Schweiz sofort (<sup>#<\/sup>5, <sup>#<\/sup>13) oder nach ein paar Wochen (<sup>#<\/sup>12) ihren Konsum drastisch reduziert oder f\u00fcr eine gewisse Zeit ganz eingestellt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote18anc\">18<\/a> Auch einige nicht integrierte Konsumierende berichten, da\u00df sie urspr\u00fcnglich der Ansicht waren, den Konsum kontrollieren zu k\u00f6nnen. Bei der Interpretation der Aussagen erfa\u00dfter Konsumierender mu\u00df deren Therapieerfahrung ber\u00fccksichtigt werden, die durchaus zu Um\u00addeutungen und Verzerrungen im nachhinein f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote19anc\">19<\/a> Vgl. Filipp, S.: Kritische Lebensereignisse, 1990, S. 16f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote20anc\">20<\/a> Diese Frau hat sich indirekt auch via offene Szene eingedeckt. Ihr Mann, der gelegentlich auch als Dealer agierte, hat ihr die Drogen beschafft.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote21anc\">21<\/a> Vgl. dazu Weber, G.; Schneider, W.: Herauswachsen aus der Sucht illegaler Drogen, 1992, S. 65ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote22anc\">22<\/a> Becker, H.S.: Au\u00dfenseiter, 1981. Becker weist jedoch darauf hin, da\u00df er seine Aussagen nur auf den Konsum von Marihuana als gesichert erachtet.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote23anc\">23<\/a> Theoretisch w\u00e4re es durchaus denkbar, da\u00df Frauen sich im Bereich des Drogenhandels soli\u00addarisieren, Kartelle bilden und sich so gegen m\u00e4nnliche Konkurrenz behaupten k\u00f6nnten. Ein solcher Fall ist jedoch nicht bekannt. Frauen tendieren eher dazu, sich dem Schutz eines Part\u00adners anzuvertrauen, was h\u00e4ufig zu einer Instrumentalisierung der Beziehung f\u00fchrt und ein N\u00e4hrboden f\u00fcr Abh\u00e4ngigkeits- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse ist. Andere drogenkonsumierende Frauen hingegen werden als Rivalinnen wahrgenommen. Vgl.: Ernst, M.-L. et al.: Frauen, Sucht, Perspektiven, 1995, S. 59.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote24anc\">24<\/a> Vgl. Weber, G.; Schneider, W.: Herauswachsen aus der Sucht illegaler Drogen, 1992, S. 520ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote25anc\">25<\/a> Sollten sie von ihrer vorgegebenen Rolle abweichen, w\u00fcrde sich auch das Risiko von Frauen dementsprechend erh\u00f6hen. Auch haben sie dann im Falle einer Erfassung mit besonders harten Sanktionen zu rechnen. Vgl. Estermann, J.: Strafgefangene, 1984, S. 54.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote26anc\">26<\/a> Vgl. Estermann, J.: Kriminelle Karrieren von Gef\u00e4ngnisinsassen, 1986, S. 18ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote27anc\">27<\/a> Vgl. Scheerer, S.: Die Heroinszene, 1989, S. 285f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote28anc\">28<\/a> Die Einstellung des Konsums erfolgt entweder mit einer freiwillig in Anspruch genommenen Unterst\u00fctzung durch das Medizinalisierungssystem oder ist bisweilen auch das Ergebnis zwangstherapeutischer Ma\u00dfnahmen als Folge repressiver Erfassung. Meistens jedoch wird der Konsum ohne die Inanspruchnahme institutioneller Angebote einfach aufgegeben. Vgl. Weber, G.; Schneider, W.: Herauswachsen aus der Sucht illegaler Drogen, 1992, S. 65ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote29anc\">29<\/a> Goffman, E.: Stigma, 1980, S. 56.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote30anc\">30<\/a> Bei zwei Befragungen von Besuchern des Z\u00fcrcher Platzspitzes, einer h\u00f6chst suszeptiblen Popu\u00adlation, in den Jahren 1990 und 1991 befanden sich 68% beziehungsweise 49% der willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten Personen in einer geregelten Wohnsituation und gingen gleichzeitig einer regel\u00adm\u00e4\u00dfigen Arbeit nach oder besuchten eine Schule. Siehe: K\u00fcnzler, H: Analyse der offenen Dro\u00adgen\u00adszene \u00abPlatzspitz\u00bb in Z\u00fcrich. 1990. M\u00fcller, T.; Grob, P.J: Medizinische und soziale Aspekte der offenen Drogenszene Platzspitz in Z\u00fcrich 1991, 1992. ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.f1ff4aa7-1fef-4cef-a00f-0f36111cd61e\" width=\"1\" height=\"1\">is<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen: Kapitel 4.1 \u00a9 ProLitteris, Josef Estermann Zum Autor auf Wikipedia 3 Analyse biographischer Daten 3.1 Einleitung Die meisten Studien \u00fcber Drogenkonsumierende, ob epidemiologisch orientiert oder bestimmte spezifische Untersuchungsfelder anvisierend, sind dadurch einge\u00adschr\u00e4nkt, da\u00df sie ihre Informationen lediglich \u00fcber verschiedene, zum Teil pro\u00adblemspezifisch ausgerichtete Institutionen beziehen oder \u00fcber sozialstatistische Befragungen, durch die eine gleichm\u00e4\u00dfige Erreichbarkeit &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1699\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Sozialepidemiologie des Drogenkonsums Kap. 3<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":284,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1699","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1699"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3482,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1699\/revisions\/3482"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}