{"id":197,"date":"2010-04-24T02:48:59","date_gmt":"2010-04-24T02:48:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=197"},"modified":"2025-05-03T20:47:46","modified_gmt":"2025-05-03T18:47:46","slug":"frauenhandel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=197","title":{"rendered":"Frauenhandel"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"\/bild\/9783907230138_.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/bild\/9783907230138.jpg\" alt=\"beschreibung\" style=\"width:130px;height:139px\" title=\"titel\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Rahel Zschokke<\/p>\n\n\n\n<p>348 S. &#8211; 21,0 x 14,5 cm, Preis Fr. 60.-\u00a0 Eur 60.-<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1209\"><strong>Weiterlesen   <\/strong><\/a>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.424998c4-b10e-46f4-b39f-eb36d63b7f46\" width=\"1\" height=\"1\">is, Rahel Zschokke, Josef Estermann<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=8\">Bestellen<\/a><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Vorwort<\/h1>\n\n\n\n<p>von Josef Estermann<\/p>\n\n\n\n<p>Rahel Zschokke analysiert auf der Basis von erhobenem empirischen Material Wesen und Auswirkungen der aktuellen Prostitutionsmigration in erster Linie aus Osteuropa in die Schweiz. Theoretische Soziologische \u00dcberlegungen zur Migration sind die Basis zum Verst\u00e4ndnis des Prostitutionsmarktes in den reichen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die Autorin ist eine engagierte Soziologin, die es sich nicht nehmen l\u00e4sst, ihre politische Position bez\u00fcglich der Ausbeutung von jungen Frauen aus \u00e4rmeren L\u00e4ndern in die wissenschaftliche Arbeit einfliessen zu lassen und die Forderung nach gesellschaftlicher Relevanz zu bekr\u00e4ftigen.<br><br>Im ersten Kapitel er\u00f6rtert Frau Zschokke die theoretischen Grundlegungen ihrer Forschung. Sie st\u00fctzt sich wesentlich auf das Konzept zunehmender Selbstkontrolle von Norbert Elias, Walter Benjamins Gedanken zu dem Sieger der Geschichte und das, von feministischen Soziologinnen wie Christina Th\u00fcrmer-Rohr, Ute Gerhardt oder Nancy Fraser analysierte Postulat von der m\u00e4nnlichen Superiorit\u00e4t. Zschokke entzaubert damit den Mythos vom \u00e4ltesten Gewerbe der Welt. Prostitution als Ware wird psychoanalytisch begr\u00fcndet und als Sex ohne Potenz entlarvt. Der rechtliche Aspekt ist in seinem dialektischen Spannungsverh\u00e4ltnis des \u201eunsittlichen Prostitutionsvertrags\u201c und der Gewerbe- und Vertragsfreiheit dargelegt. Deutlich wird, dass eine Terminologie von Bestechung und Bestechlichkeit dem Ph\u00e4nomen bedeutend n\u00e4her kommt als diejenige von Arbeitsvertrag oder Dienstleistung.<br><br>Das zweite Kapitel ist der methodischen Grundlegung gewidmet. Zschokke st\u00fctzt sich auf die umfassenden Forschungsmethoden im Bereich der \u201eorganisierten Kriminalit\u00e4t\u201c und w\u00e4hlt eine Verbindung von qualitativen, insbesondere textanalytischen Methoden und Tiefeninterviews (Cicourel, Garfinkel, Derrida, Grounded Theory) mit quantitativen Analysen. Das verwendete empirische Material besteht aus offenen Interviews, Gerichtsentscheiden und deren vorlaufenden Akten, den Gesetzestexten und deren legislativen Grundlagen, Recherchen vor Ort (Tschechei, Russland, Albanien, Schweiz) sowie erg\u00e4nzenden Literatur und Berichterstattungsanalysen. Das quantitative Material besteht au einer Freierbefragung und aus rechts- und kriminalstatistischen Daten.<br><br>Es folgt eine umfassende Darstellung des Prostitutionsdiskurses, bestehend aus einer historischen Analyse, einer Beschreibung der politischen Agenda der internationalen Abkommen und der politischen Akteure. Einen bedeutenden Raum nimmt die Beschreibung der Migrationstheorie und der zeitgeschichtlichen Migrationsentwicklungen ein, gefolgt von der Darstellung des Diskurses um soziale Gerechtigkeit und der Einsch\u00e4tzung des heutigen Standes der Prostitutionsmigration und dessen Diskussion in den Sozialwissenschaften.<br><br>Das vierte Kapitel widmet sich der Prostitutionsmigration in der Schweiz und der Situation der potenziellen Migrantinnen und Migranten in den Herkunftsl\u00e4ndern. Im ersten Unterabschnitt wird der Prostitutionsmarkt in der Schweiz beschrieben, dann die Migrationssituation in der Schweiz in den europ\u00e4ischen Kontext gestellt. Es folgt die Beschreibung der Migrationssituation in Osteuropa mit L\u00e4nderstudien. Dann wird erstes erhobenes Datenmaterial pr\u00e4sentiert, n\u00e4mlich qualitative Interviews mit Prostitutionsmigrantinnen und eine Freierbefragung, welche f\u00fcr sich allein schon eine empirische Studie darstellt. Im sechsten Unterabschnitt wird das empirische Kernst\u00fcck vorgestellt, die Fallanalyse von Strafverfahren, gefolgt von der Analyse des quantitativen Materials der Kriminal- und Strafurteilsstatistik.<br><br>Das f\u00fcnfte Kapitel widmet sich ganz der schweizerischen Rechtsprechung im Bereich Frauenhandel mit einem Ausblick auf deren weitere Entwicklung und deren Wirksamkeit. Das letzte Kapitel fasst die Forschungsergebnisse zusammen.<br><br>Die Steuerung von Migration durch die Ziell\u00e4nder erfolgt zur Zeit haupts\u00e4chlich \u00fcber nationale Gesetzgebung und Rechtsdurchsetzung. In der Schweiz wird eine restriktive Zuwanderungspolitik betrieben, so dass sich ausl\u00e4ndische Prostituierte zum gr\u00f6ssten Teil in der Illegalit\u00e4t bewegen. Die betr\u00e4chtliche Nachfrage kombiniert mit den misslichen Lebensbedingungen der Frauen benachteiligter Schichten in den L\u00e4ndern der postsozialistischen Transformation hat Zehntausende junger Frauen in die Schweiz gebracht, ohne dass gesetzliche Restriktionen oder die T\u00e4tigkeit der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden darauf irgend einen nennenswerten Einfluss gehabt h\u00e4tten. Im Gegenteil, es sind gerade die Illegalit\u00e4t und der damit verbundene Status der Prostituierten, die die Marktbed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen (Verf\u00fcgbarkeit von immer neuen und schnell wieder abschiebbaren jungen, attraktiven Frauen), bei gleichzeitigem maximalem Profit der etablierten inl\u00e4ndischen Netzwerke. Die Strafverfolgung ist weit davon entfernt, diesen Markt einzuschr\u00e4nken, im Gegenteil. Die weit verbreitete Akzeptanz von Prostitution als sogenanntes \u201e\u00e4ltestes Gewerbe der Welt\u201c tr\u00e4gt ihr \u00fcbriges dazu bei. Die Prostitutionsmigration aus Osteuropa erf\u00fcllt die Markterfordernisse in der Schweiz so gut, dass sie in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die klassische Prostitutionsmigration aus S\u00fcdamerika, der Karibik, aus Thailand und aus Afrika in einem harten Verdr\u00e4ngungswettbewerb in den Schatten stellte und zu einem Preiszerfall auf dem Prostitutionsmarkt f\u00fchrte.<br><br>\u00c4hnliche Entwicklungen lassen sich auch in Deutschland beobachten, da die aktuelle Prostitutionsmigration wesentlich gepr\u00e4gt ist durch das \u00f6konomische Ost-West-Gef\u00e4lle und die Grenz\u00f6ffnung nach dem politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa. Insofern l\u00e4sst sie sich nicht entscheidend durch unterschiedliche Rechtssysteme oder etwa durch die Praxis der Visaerteilung beeinflussen. Das bestehende Recht und dessen Durchsetzung wirken nicht so sehr direkt auf die Zahl der Prostitutionsmigranten und -migrantinnen, wohl aber auf deren Lebensbedingungen und die Struktur des Marktes. Fiskalische Massnahmen sind allemal effizienter als straf- oder ausl\u00e4nderrechtliche.<br><br>Die Kontrolle durch die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in der Schweiz erwies sich als weitgehend kontraproduktiv, unter anderem, weil sie sich nach der Revision des Sexualstrafrechts auf den Schutz des Rechtsgutes der \u201esexuellen Selbstbestimmung\u201c beschr\u00e4nkt sah. Die mangelnde gesellschaftswissenschaftliche Kenntnis und das mangelnde Reflektionsverm\u00f6gen des Gesetzgebers bez\u00fcglich der Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse in der Prostitution f\u00fchrten dazu, dass die eigentlichen Profiteure der Prostitutionsmigration bei der Verfolgung ihrer Gesch\u00e4fte weitgehend freie Hand erhielten. Im nach wie vor \u201eunsittlichen\u201c Prostitutionsvertrag ist n\u00e4mlich gerade die \u201esexuelle Selbstbestimmung\u201c der Prostituierten der Vertragsgegenstand. Es soll l\u00e4nger als bis ins Jahr 2020 dauern, bis das schweizerische Vertragsrecht den Vertrag zwischen LeistungserbringerIn und Leistungsempf\u00e4ngerIn nicht mehr wegen Unsittlichkeit des Vertrags f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt und somit den Prostitutionslohn klagbar macht. Dass der Prostitutionslohn gerne lieber vor der Leistung eingefordert wird, mag noch lange Praxis bleiben, Vorauskasse bietet eben mehr Sicherheit f\u00fcr Leistungserbringer.<br><br>Die staatliche Intervention blieb im Wesentlichen auf die Einhaltung der Normen des Ausl\u00e4nderrechts, also des illegalen Aufenthalts oder der illegalen Erwerbst\u00e4tigkeit der Prostituierten beschr\u00e4nkt. Die Massnahmen trafen also in erster Linie die eigentlich zu sch\u00fctzenden Opfer. Im Falle der Intervention der Beh\u00f6rden wurden sie in der Regel sofort ausgewiesen, w\u00e4hrend die Prozesse gegen die Organisatoren und Profiteure der Prostitutionsmigration mangels Beweisen und mangels Anwesenheit m\u00f6glicher Zeugen im gerichtlichen Verfahren in der Regel scheiterten, was die Attraktivit\u00e4t der Investition in diesen Markt nur erh\u00f6hte. Gleichzeitig unterbindet diese Vorgehensweise das Vertrauen der ausgebeuteten Prostituierten in den Rechtsstaat und damit ihre Kooperationsbereitschaft.<br><br>Das neuerliche Abdr\u00fccken der Justiz von dem Konzept des Schutzes der \u201esexuellen Selbstbestimmung\u201c zugunsten eines Schutzes vor \u00fcberm\u00e4ssiger Ausbeutung l\u00e4sst trotz allem einige Hoffnungen aufkommen. Solange allerdings keine Zeugenschutzprogramme f\u00fcr betroffene Frauen und M\u00e4nner aufgenommen werden und in praxi die schnelle Ausweisung auf fremdenrechtlicher Grundlage Vorrang hat, l\u00e4sst sich keine konsequente Verfolgung der eigentlichen Profiteure der Prostitutionsmigration durchsetzen, welche in den seltensten F\u00e4llen die Prostituierten selbst sind.<br><br>Ein bemerkenswertes Ergebnis der Arbeit von Rahel Zschokke ist, dass Frauenhandel im Sinne eines gewaltt\u00e4tigen Verschleppens von Frauen aus benachteiligten Verh\u00e4ltnissen auf den westeurop\u00e4ischen Prostitutionsmarkt keine wesentliche Rolle spielt. \u201eFrauenhandel\u201c ist gekennzeichnet durch eine weitgehende \u201eFreiwilligkeit\u201c. Es sind \u00f6konomische Notwendigkeiten, die die Betroffenen zur Sexmigration treiben, in der Hoffnung auf ein gutes, menschenw\u00fcrdiges Einkommen und mit dem Wunsch, den schlechten \u00f6konomischen Bedingungen und lebensweltlichen Perspektiven der Herkunftsl\u00e4nder zu entkommen. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den durch moralisierende Kreise evozierten Vorstellungen einer systematischen Gewaltanwendung bei der Prostitutionsmigration. Jedenfalls kann in der Schweiz keine systematische Anwendung physischer Gewalt nachgewiesen werden, wohl im Gegensatz zu den Verh\u00e4ltnissen in einigen Herkunftsl\u00e4ndern, die nat\u00fcrlich auf die psychische Situation der Prostituierten in der Schweiz zur\u00fcckwirken.<br><br>Die Arbeit von Rahel Zschokke ist auch deshalb so wertvoll, weil sie nicht nur die Erwerbsbedingungen in den Ziell\u00e4ndern analysiert, sondern auch die gesellschaftliche Entwicklung in den Herkunftsl\u00e4ndern, die nach der postkommunistischen Transformation eine massiven Benachteiligung der Frauen zur Folge hatte. Zschokke er\u00f6ffnet den Blick f\u00fcr eine m\u00f6gliche Politik im Umgang mit Prostitution und Prostitutionsmigration, die sich nicht auf die nationale Gesetzgebung und Rechtsdurchsetzung beschr\u00e4nken darf.<br><br>Die von Rahel Zschokke vorgelegte Arbeit wurde als Dissertation am Fachbereich Politik und Sozialwissenschaften der Freien Universit\u00e4t Berlin mit Pr\u00e4dikat angenommen. Es handelt sich um eine der wenigen publizierten empirischen rechtssoziologischen Studien in der Schweiz der letzten 20 Jahre \u00fcberhaupt. M\u00f6ge sie dieser in der Schweiz darniederliegenden Disziplin Auftrieb geben und die kl\u00e4gliche Lage der Prostitutionsmigrantinnen und -migranten verbessern helfen.   <br>Hier steht die Z\u00e4hlmarke der ProLitteris, welche uns die Entsch\u00e4digung unserer AutorInnen erm\u00f6glic<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.424998c4-b10e-46f4-b39f-eb36d63b7f46\" width=\"1\" height=\"1\">ht.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h1>\n\n\n\n<p>von Rahel Zschokke<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=1209\"><strong>Mehr lesen: Einleitung von Rahel Zschokke<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rahel Zschokke 348 S. &#8211; 21,0 x 14,5 cm, Preis Fr. 60.-\u00a0 Eur 60.- Weiterlesen \u00a9 ProLitteris, Rahel Zschokke, Josef Estermann Bestellen Vorwort von Josef Estermann Rahel Zschokke analysiert auf der Basis von erhobenem empirischen Material Wesen und Auswirkungen der aktuellen Prostitutionsmigration in erster Linie aus Osteuropa in die Schweiz. Theoretische Soziologische \u00dcberlegungen zur Migration &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=197\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Frauenhandel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":25,"menu_order":4,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-197","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=197"}],"version-history":[{"count":36,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3649,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197\/revisions\/3649"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/25"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}