{"id":2372,"date":"2022-10-10T00:03:51","date_gmt":"2022-10-09T22:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2372"},"modified":"2023-08-05T10:53:39","modified_gmt":"2023-08-05T08:53:39","slug":"anarchie-herrschaft-staat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2372","title":{"rendered":"Anarchie, Herrschaft, Staat"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2713\"><strong>Weiterlesen: Geldw\u00e4sche Steuern<\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.156bf1fc-ef6c-4e9f-a815-f1101a363a82\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\">is, Josef Estermann<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anarchie, Herrschaft, Staat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Auslegeordnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Josef Estermann<\/p>\n\n\n\n<p>Anarchie oder Anarchismus ist ein Begriff, welcher ideologisch belastet und von verschiedenen Seiten als negativ konnotierter Kampfbegriff verwendet wird. Insofern bedarf es einer inhaltlichen Kl\u00e4rung des Anarchismus in Bezug auf die dahinterliegenden Begriffe von Macht, Gewalt, Herrschaft und Staat und einer analytischen Trennung der Herrschaftssp\u00e4re von der Produktionssph\u00e4re. Hier steht der Versuch, aus klassischer anarcho-sozialistisch-syndikalistischer, aus marxistischer und aus moderner demokratisch-f\u00f6deralistischer Perspektive eine Auslegeordnung auszubreiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>a)  Die Frage nach der M\u00f6glichkeit von Gesellschaft ohne Macht, Herrschaft und Staat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die zur Tagung gestellte Frage zu dem anarchistischen Konzept von Gesellschaft ohne Herrschaft l\u00e4sst sich nur dann ad\u00e4quat bearbeiten, wenn wir eine Kl\u00e4rung der alltagssprachlichen und politisch ideologisierenden Verwendung der Begriffe \u201eAnarchismus\u201c, \u201eHerrschaft\u201c, \u201eMacht\u201c und \u201eGewalt\u201c analysieren und (Vor)Urteile \u00fcber \u201eanarchistische\u201c Positionen versuchen. Dabei fokussiere ich nicht die anarchistischen Positionen des 19. Jahrhunderts, sondern die, sagen wir \u201emoderneren\u201c, n\u00e4mlich die von Erich M\u00fchsam in Auseinandersetzung mit den bolschewistischen und faschistischen Str\u00f6mungen sowie die von Murray Bookchin in Auseinandersetzung mit dem sogenannten \u201esp\u00e4tkapitalistischen\u201c Gesellschaftssystem der b\u00fcrgerlichen Demokratie vertretenen. Bookchin dient als Quelle f\u00fcr eine aktuelle politische anarchistische bzw. syndikalistische Position, da er sich im Gegensatz zu individualanarchistischen Ans\u00e4tzen der Frage der Organisation von gesamtgesellschaftlicher Produktion und Ordnung stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon im 19. Jahrhundert waren Marx und Engels auf der sozialrevolution\u00e4ren Seite die Gegenspieler der \u201eAnarchisten\u201c wie Kropotkin, Bakunin oder Proudhon. Die Textquellen, in denen Marx Bezug auf \u201eAnarchie\u201c nimmt, erfolgen allerdings immer in Bezug auf die kapitalistische Produktionsform, welche durch Handlungen von anarchischen Individualkapitalisten vermittelt als anarchisches Wirtschaftssystem mit charakteristisch krisenhafter Entwicklungsform erscheint. Dies hat wenig mit dem Verst\u00e4ndnis von Anarchie als herrschaftsfreie Gesellschaftsorganisation zu tun. Herrschaftsfreiheit ist aber nicht gleichbedeutend mit der Abwesenheit von Macht.<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Genau so wenig bedeutet sie die Abwesenheit von Gewalt, welche schon im Sinne einer Verteidigung zur Abwehr von fremder Gewalt notwendig erscheint. Betrachten wir die Webersche Definition von Herrschaft f\u00e4llt auf, dass sich die Bestimmungsform in erster Linie auf individuelles Handeln, viel weniger auf die Verfasstheit des Gesellschaftsganzen und die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse bezieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Staat ist, ebenso wie die ihm geschichtlich vorausgehenden politischen Verb\u00e4nde, ein auf das Mittel des legitimen (das heisst als legitim angesehenen) Gewaltsamkeit gest\u00fctztes <em>Herrschafts<\/em>verh\u00e4ltnis von Menschen \u00fcber Menschen. Damit er bestehe, m\u00fcssen sich also die beherrschten Menschen der beanspruchten Autorit\u00e4t der jeweils herrschenden <em>f\u00fcgen<\/em>. Wann und warum tun sie das? Auf welche inneren Rechtfertigungsgr\u00fcnde und auf welche \u00e4usseren Mittel st\u00fctzt sich diese Herrschaft? (Weber, 1919: 566)<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Herrschaftsbetrieb, welcher kontinuierliche Verwaltung erheischt, braucht einerseits die Einstellung menschlichen Handelns auf den Gehorsam gegen\u00fcber jenen Herren, welche Tr\u00e4ger der legitimen Gewalt zu sein beanspruchen, und andererseits, vermittels dieses Gehorsams, die Verf\u00fcgung \u00fcber diejenigen Sachg\u00fcter, welche gegebenenfalls zur Durchf\u00fchrung der physischen Gewaltanwendung erforderlich sind \u2026 (Weber, 1919: 568)<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Staat und dem gewaltunterlegten Herrschaftsbetrieb Webers setzt M\u00fchsam die Freiheit gegen\u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<p>Anarchismus ist die Lehre von der Freiheit als Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Anarchie, zu deutsch: ohne Herrschaft, ohne Obrigkeit, ohne Staat, bezeichnet somit den von den Anarchisten erstrebten Zustand der gesellschaftlichen Ordnung, n\u00e4mlich die Freiheit jedes einzelnen durch die allgemeine Freiheit. (M\u00fchsam, 1933: 255)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b)  M\u00fchsam und die Organisationsfrage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Begriff des \u201eHerrschaftsbetriebs\u201c kommen wir zum Kern der Problemlage: Macht und Gewalt. Die Quellen bei M\u00fchsam lassen &#8211; f\u00fcr den im allgemeinen Diskurs verwendeten Bedeutungsinhalt von \u201eAnarchie\u201c reichlich \u00fcberraschend &#8211; nichts an Deutlichkeit \u00fcber die Frage von Gewalt vermissen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Anarchisten verabscheuen eine F\u00fchrerschaft mit Befehlsgewalt und auf Dauer gesicherter Wirksamkeit, also jede Staatsregierung, Beamtenschaft und Parteizentrale, jede Diktatur und jede Kl\u00fcngelherrschaft. Aber wir leugnen weder die N\u00fctzlichkeit des Spielleiters im Theater noch des Vorsitzenden einer Versammlung oder des Kapit\u00e4ns auf einem Schiff. Hier teilen pers\u00f6nliche Eigenschaften dem Geeigneten bestimmte Aufgaben in bestimmten F\u00e4llen zu. Im politischen Kampf und ebenso beim Aufruhr oder in der Abwehr bewaffneter Angriffe gilt dasselbe. Wie eine wandernde Herde dem Leittier folgt, das nicht gew\u00e4hlt ist, sondern voran geht, weil es sich die beste Witterung zutraut, aber erm\u00fcdet sogleich von jedem anderen Tier abgel\u00f6st werden kann, so verh\u00e4lt es sich bei den Menschen auch. Es gibt Wortf\u00fchrer, es gibt R\u00e4delsf\u00fchrer, das sind Personen, denen gefolgt wird, weil sie am klarsten den Willen aller zum Ausdruck bringen oder am entschlossensten ans Werk des Handelns gehen. F\u00fchrer ist, wer vormacht, nicht wer Gesetze gibt oder eine Gefolgschaft am Halfter hinter sich herzieht. (M\u00fchsam, 1933: 279)<\/p>\n\n\n\n<p>Stellt man sich die Befehlsgewalt, die Macht des Kapit\u00e4ns auf seinem Schiff auf hoher See vor, muss hier die angebliche Ablehnung von Macht durch den sogenannten Anarchismus und seine unbestrittene Ablehnung von Herrschaft gekl\u00e4rt werden. Zwei Elemente f\u00fchren zur Kl\u00e4rung: Die zeitliche Dauer der zugestandenen Machtaus\u00fcbung und ihre Bindung an die praktische Qualifikation. Die Machtaus\u00fcbenden sollen ihre Macht nicht auf Dauer halten k\u00f6nnen, die Macht ist gebunden an die andauernde Akzeptanz und sie ist bei fehlender Qualifikation, mitunter wohl auch bei ausbleibendem Erfolg, also etwa bei der Nichterreichung des Gemeinzweckes widerrufbar und sie darf nicht zur Erhaltung ihrer selbst eingesetzt werden, sie ist verliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weber und M\u00fchsam scheinen sich einig zu sein, kontrovers ist einzig die Art und Weise der Institutionalisierung von Gewalt:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn nur soziale Gebilde best\u00e4nden, denen die Gewaltsamkeit als Mittel unbekannt w\u00e4re, <em>dann<\/em> w\u00fcrde der Begriff \u201eStaat\u201c fortgefallen sein, <em>dann<\/em> w\u00e4re eingetreten, was man in diesem besonderen Sinne des Wortes als \u201eAnarchie\u201c bezeichnen w\u00fcrde. (Weber, 1919: 565)<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht das Fehlen der Gewaltsamkeit l\u00e4sst den Staat sich aufl\u00f6sen, sondern deren Bindung an die \u201eauf Dauer gesicherte Wirksamkeit\u201c und an den \u201eKl\u00fcngel\u201c, so M\u00fchsam gegen Weber.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchsam definiert als tragendes Moment den \u201evon aussen\u201c wirkenden Zwang. Damit wird das Bestehen von normativen Ordnungen jeglicher Art nicht negiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Freiheit der Pers\u00f6nlichkeit zur Forderung aller Menschengemeinschaft erhebt, und wer umgekehrt die Freiheit der Gesellschaft gleichsetzt mit der Freiheit aller in ihr zur Gemeinschaft verbundenen Menschen, hat das Recht, sich Anarchist zu nennen. Wer dagegen glaubt, die Menschen um der gesellschaftlichen Ordnung willen oder die Gesellschaft um der vermeintlichen Freiheit der Menschen willen unter von au\u00dfen wirkenden Zwang stellen zu d\u00fcrfen, hat keinen Anspruch, als Anarchist anerkannt zu werden. (M\u00fchsam, 1933: 255)<\/p>\n\n\n\n<p>Abgelehnt wird Herrschaft als etwas auf Dauer Ausgerichtetes, durch die Beherrschten nicht ohne weiteres Modifizierbares. Ob die Herrschaft <em>deo gratia<\/em> verliehen ist oder ob <em>senatus populusque<\/em> oder irgend eine auf Dauer der Herrschaft ausgerichtete Wahl die Grundlage f\u00fcr die Legitimit\u00e4t der Herrschaft bildet, oder ob sie den abstrakten Willen einer herrschenden oder auch nur zur Herrschaft strebenden Klasse in der Form eines Direktoriums oder eines Zentralkomitees oder Generalsekretariats ausdr\u00fcckt, oder ob sie im Hobbesschen Sinne durch einen auf Dauer durch \u00dcbereinkunft der sich der Gewalt unterwerfenden Individuen gesetzten Leviathan ausge\u00fcbt wird, oder ob sie auf einem Rousseauschen \u201econtract social\u201c beruht, ist f\u00fcr deren Genese und Bestand nicht entscheidend. Entscheidend ist deren Widerrufbarkeit. Zum zweiten geht es nicht um Macht und Gewalt an sich, sondern wie gesagt um \u201evon aussen\u201c wirkenden Zwang. \u201eAussen\u201c und \u201eInnen\u201c f\u00fchrt M\u00fchsam an der Stelle nicht aus, doch l\u00e4sst sich mit Fug \u201eAussen\u201c als die herrschende Klasse gegen\u00fcber der Masse der Beherrschten und die fremde (imperiale) Herrschaft gegen\u00fcber eigener \u201ekommunaler\u201c, \u201esyndikaler\u201c Organisationsform begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sind zwei zentrale Fragestellungen angesprochen, n\u00e4mlich die der Organisation und die der \u00d6konomie.<\/p>\n\n\n\n<p>Organisation bedeutet Strukturierung von Entscheidungsprozessen. Diese werden durch Verfahren legitimiert. Die Entscheidungen der einfachen Mehrheit sind m\u00e4ngelbehaftet, weil sie immer eine unbefriedigte Minderheit hinterlassen. Bei knappen Ergebnissen herrscht der Zufall und bei deutlichen Ergebnissen stellt sich die Frage nach dem Minderheitenschutz. Anarchistische Positionen lehnen Mehrheitsentscheide ab und fordern das Ausdiskutieren bis zum Einvernehmen. Hauptproblem ist die Verfahrens\u00f6konomie. Anarchistische Positionen lehnen auch das in der b\u00fcrgerlichen parlamentarischen Demokratie gesetzte freie Mandat ab, welches den Mandatstragenden sich sozusagen nur seinem Gewissen (mitunter seiner Interessenlage) folgenden Verpflichtung, notfalls dem Fraktionszwang unterstellt. Demgegen\u00fcber soll das Mandat imperativ, also sowohl inhaltlich wie zeitlich dem Willen der Mandatierenden unterstellt sein. Das imperative Verhandlungsmandat, wie es sich auch in der Diplomatie immer handlungsleitend findet, ist inhaltlich genau definiert, eine Ausweitung oder Ab\u00e4nderung muss immer mit einer errneuerten Mandatierung legitimiert werden. Auch hier ist die Verfahrens\u00f6konomie das Hauptproblem. Die Kosten dieser Ineffizienz sind der Preis f\u00fcr den Aufbau der Gemeinschaft von Unten und die Sicherstellung der Kongruenz von Gemeinwohl und Wohl aller Einzelner:<\/p>\n\n\n\n<p>Solche auf nat\u00fcrlichen Zusammenschlu\u00df der Teile zum Ganzen und auf die Kraft des Ganzen als Lebensquelle der Teile gest\u00fctzte Vereinigung stellt die <strong>Organisationsform des F\u00f6deralismus<\/strong> dar im Gegensatz zum Zentralismus, der die k\u00fcnstliche Organisationsform der Macht und des Staates ist, wie sie der Kapitalismus bis zur restlosen Vernichtung der Pers\u00f6nlichkeit, der Gleichheit, der Selbstbestimmung, der Selbstverantwortung und der Gegenseitigkeitsbeziehung emporgez\u00fcchtet hat. F\u00f6deralismus verh\u00e4lt sich zu Zentralismus wie Organismus zu Mechanismus, das hei\u00dft wie Gewachsenes, Naturgewordenes, Wesenhaftes zu Geknetetem, Zusammengebasteltem, Nachgemachtem. F\u00f6deralismus ist Gemeinschaft der lebendigen Teile zum Gef\u00fcge eines lebendigen Ganzen, Zentralismus ist Aneinanderkettung der Teile zur willenlosen Lenkung durch ein unbeseeltes Triebwerk. Im F\u00f6deralismus wirkt die \u00dcbereinkunft der Individuen, ihren unterschiedlos auf den eigenen wie auf den Gesamtvorteil gerichteten Willen zur vern\u00fcnftigen Herstellung des Bedarfs, zu seiner vern\u00fcnftigen Verteilung und Verwendung und zur gerechten Gestaltung aller \u00fcbrigen Lebensbeziehungen zu verbinden; im Zentralismus wirkt das von au\u00dfen gegebene Gesetz der jeweiligen Macht, welche die Vorrichtungen zur Niederhaltung des Gemeinschaftswillens in den H\u00e4nden h\u00e4lt. <strong>Der F\u00f6deralismus baut den Gemeinschaftsk\u00f6rper von unten auf, indem er die schaffenden Kr\u00e4fte selber in unmittelbarer Verst\u00e4ndigung die Ma\u00dfnahmen treffen l\u00e4\u00dft, von denen das Wohl der Einzelnen und das Gemeinwohl abh\u00e4ngt und die die B\u00fcrgschaft gew\u00e4hren, da\u00df das Gemeinwohl das Wohl des Einzelnen in sich schlie\u00dft.<\/strong> (M\u00fchsam, 1933: 262, Hervorhebung JE)<\/p>\n\n\n\n<p>Der nicht-f\u00f6derale Staat ist an Gruppen- und andere Partialinteressen gebunden, welche die \u201eHerrschaft\u201c als Mittel zur Durchsetzung des Eigeninteresses einsetzen. Der von anarchistischen Positionen abgelehnte Staat ist der Staat der Herrschenden, nicht die uns heute staatsf\u00f6rmig entgegentretenden Bereiche wie etwa die Sozialversicherungen oder die Regelung des Strassenverkehrs.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Klassenstaat reden, hei\u00dft von h\u00f6lzernem Holz reden. Staat ist nichts anderes, kann nichts anderes sein als zentralisierter Ausf\u00fchrungsdienst einer vom Volk gel\u00f6sten Klasse zur Beherrschung des entrechteten und zur beherrschten Klasse erniedrigten Volkes. Das staatliche Verwaltungsverfahren teilt also die menschliche Gesellschaft in Gesellschaftsklassen, indem es Grund und Boden nebst den von Menschen geschaffenen Produktionsmitteln als Eigentum der bevorzugten Klasse sch\u00fctzt, die Zulassung zur Benutzung des Eigentums durch die fast die Gesamtheit umfassende Klasse der Besitzlosen nach den Grunds\u00e4tzen der Unantastbarkeit des Eigentumvorrechts und der Wahrung des Charakters der Arbeitsleistung als Verdingung der Arbeitskraft regelt. Ausschlie\u00dflich zu diesem Zweck ist der Staat geschaffen, niemals hat er einem andern Zweck gedient, niemals k\u00f6nnte er anderen Zwecken nutzbar werden. Nur wo Herrenrecht gegen Sklavenrecht steht, hat der Staat Sinn, findet er Aufgaben der Bet\u00e4tigung. Erst mit dem Entstehen pers\u00f6nlichen Eigentums zur Ausbeutung von Menschen konnte der Staat werden, ist er geworden. Mit der Entfaltung des Kapitalismus, der die materiellen Ausbeutungsgrunds\u00e4tze der Eigent\u00fcmer zum Mittelpunkt des gesamten Lebens der Menschen machte, vergr\u00f6\u00dferte und vergr\u00f6berte der Staat best\u00e4ndig das Netz von Gesetzen, Aufsichts- und Zwangsma\u00dfregeln, durch welche das Proletariat in der H\u00f6rigkeit der bevorrechtigten Klasse gehalten werden soll. Wieder aber sind es die marxistischen Sozialisten, welche nebst der materialistischen Weltbetrachtung auch die zentralistische Organisationsform, dieses eigentliche Wesensmerkmal des kapitalistischen Staates, als Grundri\u00df f\u00fcr den Aufbau der vom Kapitalismus befreiten Gesellschaft \u00fcbernehmen wollen. (M\u00fchsam, 1933: 262f)<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um den Staat als Agenten der die \u00d6konomie beherrschenden Gruppe, also als Agenten von Partialinteressen. Dem Staat wird abgesprochen, Agent von Gemeininteressen zu sein und dem Gemeinwohl zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6konomie bedeutet zum einen die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, also den Stand und den Fortschritt der Modi der G\u00fcterproduktion, welche seit Jahren als industrialisierte und kybernetisierte globale Weltwirtschaft erscheint, mit eingesprengten, marginalisierten primitiveren Produktionsweisen. Zum andern unterliegt sie der Entscheidung \u00fcber die Eigentumsverh\u00e4ltnisse an den Produktionsmitteln und \u00fcber die Ausgestaltung, das Mass der mit diesem Eigentum verbundenen Entscheidungsfreiheit \u00fcber dessen Verwendung und Einsatz. Sofern sich die (industriellen) Produktionsmittel in Eigentum und Verf\u00fcgungsgewalt von privaten Individuen befinden, welche einer breiten Masse von Individuen ohne Eigentum an und Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber Produktionsmitteln gegen\u00fcber stehen, spricht man von einer Klassengesellschaft. M\u00fchsam ist sich mit Marx, Engels, Lenin, Mao und anderen einig dar\u00fcber, dass politische Gleichheit bei \u00f6konomischer Ungleichheit bez\u00fcglich der Produktionsmittel nicht m\u00f6glich ist. Allen gemeinsam ist das Ziel der \u00dcberwindung des Kapitalismus, also der Vergesellschaftung der Produktionsmittel:<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die Anarchisten \u00fcbergeben ihre durchdachten und sorgf\u00e4ltig errechneten Vorschl\u00e4ge nicht irgendwelchen Regierungsstellen, sondern der selbstverantwortlichen Arbeiterklasse insgesamt, die selber alles pr\u00fcfen, selber verbessern, selber die Ausf\u00fchrung \u00fcberwachen mu\u00df durch diejenigen Organe, welche sie selbst ausschlie\u00dflich f\u00fcr diesen Zweck bestimmt, ohne sie deswegen auch nur zeitweilig aus der t\u00e4tigen Gemeinschaft aller zu entlassen. Diese Organe werden die soziale Triebkraft der Revolution bedeuten, sie werden von der Stunde des Sieges an Wirtschaft und Verwaltung des Gemeinwesens in den H\u00e4nden f\u00fchren, sie werden in der Zeit des \u00dcberganges und w\u00e4hrend der ganzen Entwicklung der sozialistischen Arbeits- und Gesellschaftsformen die Ordnung der Freiheit betreuen und verb\u00fcrgen, sie werden die kommunistische Anarchie schaffen und in der anarchistischen Gemeinschaft die Tr\u00e4ger der F\u00f6deration der Arbeits- und Menschheitsb\u00fcnde bleiben. Diese Organe sind die freien R\u00e4te der Arbeiter und Bauern. (M\u00fchsam, 1933: 290)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6konomie und Organisation verschr\u00e4nken sich in der Forderung nach der Nicht-Entlassung der Organe aus der t\u00e4tigen Gemeinschaft aller: n\u00f6tig ist ein Milizsystem in Exekutive und Legislative, wie es in der Schweiz selbst auf Bundesebene h\u00e4ufig zu finden ist. Weiter sollte dieses Milizsystem auch auf den gesellschaftlichen Bereich ausgedehnt werden, welchen Weber als \u201eHerrschaftsapparat\u201c oder \u201eStab\u201c bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c)  Marx und Engels \u2013 die Frage nach dem Eigentum an den Produktionsmitteln und die Anarchie der kapitalistischen Produktionsweise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Marx ist die kapitalistische Produktionsweise \u00fcberhaupt anarchisch, und deren herrschende Protagonisten, die individuellen Kapitalisten, sind genuine Anarchisten, allerdings nur was ihre profitorientierten wirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten, niemals aber, was ihr Wille zur Macht angeht. Die Macht, welche das Eigentum an Produktionsmitteln mit sich bringt, werden sie nicht freiwillig abgeben m\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Punkt bei Marxens Qualifikation der kapitalistischen Produktionsweise bezieht sich auf die gesellschaftliche Arbeitsteilung, die im Gegensatz zur despotischen betrieblichen Arbeitsteilung anarchisch sei. Mit anarchischer gesellschaftlicher Arbeitsteilung ist sowohl die im Hinblick auf die Masse der Gebrauchsg\u00fcter ungeplante, weil in erster Linie profitorientierte Produktionsweise, welche nur auf die Verkaufbarkeit der G\u00fcter fokussiert, als auch die ungeplante Allokation von unterschiedlichen Kompetenzen und von Macht gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Anarchie der gesellschaftlichen und die Despotie der fakturm\u00e4ssigen Arbeitsteilung einander in der Gesellschaft der kapitalistischen Produktionsweise bedingen, bieten dagegen fr\u00fchere Gesellschaftsformen \u2026 (MEW 23: 377)<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Punkt bezieht sich auf die Intensivierung der Arbeit und den Lohndruck, verursacht durch die zunehmende Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, welche einer normativ-gesellschaftlichen Kontrolle nicht unterliegen, also anarchisch sind. Sie sind eine Ursache der periodischen und zwangsl\u00e4ufigen Wirtschaftskrisen bei Vorherrschen der kapitalistischen Produktionsweise.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sie [die Herrschaft des Kapitals] in den individuellen Werkst\u00e4tten Gleichf\u00f6rmigkeit, Regelm\u00e4ssigkeit, Ordnung und \u00d6konomie erzwingt, vermehrt sie durch den ungeheuren Sporn, den Schranke und Regel des Arbeitstags der Technik aufdr\u00fccken, die Anarchie und Katastrophen der kapitalistischen Produktion im grossen und ganzen, die Intensit\u00e4t der Arbeit und die Konkurrenz der Maschinerie mit dem Arbeiter. (MEW 23: 526)<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Punkt bezieht sich auf die Konkurrenz der Produzierenden. Bieten sie gleichwertige G\u00fcter an, ist deren Verwertung gegen\u00fcber der Konkurrenz nicht eine Frage der Produktion von Gebrauchswerten, sondern eine Frage des Marketings. Investitionen in die Vermarktung eines Produkts haben keinen Einfluss auf dessen Gebrauchswert, es sei denn es handle sich etwa um eine Erh\u00f6hung des Genusses in Form von kulturell-theatralischen Werbedarbietungen, welche von den Konsumierenden gesch\u00e4tzt werden, oder beispielsweise eine Erh\u00f6hung des Selbstwertgef\u00fchls beim Konsum von bestimmten beworbenen Markenprodukten, eine kulturelle Differenz im bourdieuschen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die kapitalistische Produktionsweise in jedem individuellen Gesch\u00e4ft \u00d6konomie erzwingt, erzeugt ihr anarchisches System der Konkurrenz die massloseste Verschwendung der gesellschaftlichen Produktionsmittel und Arbeitskr\u00e4fte, nebst einer Unzahl jetzt unentbehrlicher, aber an und f\u00fcr sich \u00fcberfl\u00fcssiger Funktionen. (MEW 23: 552)<\/p>\n\n\n\n<p>Der vierte Punkt bezieht sich auf die Bedeutung der \u00dcberproduktion in der kapitalistischen Produktionsweise. W\u00e4hrend \u00dcberproduktion unter allen anderen gesellschaftlichen Bedingungen etwas Erfreuliches w\u00e4re, f\u00fchrt sie im Kapitalismus zu Krisen, weil die (\u00fcber-)produzierten G\u00fcter h\u00e4ufig nicht mehr profitable Preise erzielen k\u00f6nnen und weil eine Verteilung der \u00dcberproduktion an die arbeitende Bev\u00f6lkerung der Bereitschaft zu einer intensiven, einen langen Arbeitstag fordernden Lohnarbeit abtr\u00e4glich w\u00e4re, also den Preis der Arbeitskraft erh\u00f6hte. Beides f\u00fchrt zur Verminderung der Profitrate und schliesslich zur Krise, welche sich in Betriebsschliessungen und Arbeitslosigkeit \u00e4ussert. Dies bezeichnet Marx als ein anarchisches Element der kapitalistischen Produktionsweise.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; \u00dcberproduktion ist gleich mit Kontrolle der Gesellschaft \u00fcber die gegenst\u00e4ndlichen Mittel ihrer eignen Reproduktion. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aber ist sie ein anarchisches Element. (MEW 24: 465)<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht also insgesamt um das Fehlen von rationaler Planung der gesellschaftlichen Produktion in einer nur durch Profit getriebenen Produktionsweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald der Anarchismus in seiner politischen Dimension sich der Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise und der Planung der materiellen Produktion jenseits der Notwendigkeit von Profit widmet, gibt es keine notwendigen marxistischen Gegenpositionen gegen den Anarchismus mehr. Ganz abgesehen davon, dass Marxens eschatologisch inspirierte klassenlose Gesellschaft sich kaum von den Vorstellungen eines anarcho-syndikalistisch-kommunitaristischen Gemeinwesens unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und daraus folgt dann eine abergl\u00e4ubische Verehrung des Staates und alles dessen, was mit dem Staat zusammenh\u00e4ngt, und die sich um so leichter einstellt, als man sich von Kindesbeinen daran gew\u00f6hnt hat, sich einzubilden,die der ganzen Gesellschaft gemeinsamen Gesch\u00e4fte und Interessen k\u00f6nnen nicht anders besorgt werden, als wie sie vorher besorgt worden sind, n\u00e4mlich durch den Staat und seine wohlbestallten Beh\u00f6rden. Und man glaubt schon einen ganz gewaltig k\u00fchnen Schritt getan zu haben, wenn man sich frei gemacht vom Glauben an die erbliche Monarchie und auf die demokratische Republik schw\u00f6rt. In Wirklichkeit aber ist der Staat nichts als eine Maschine zur Unterdr\u00fcckung einer Klasse durch die andere, und zwar in der demokratischen Republik nicht minder als in der Monarchie; und im besten Fall ein \u00dcbel, das dem im Kampf um die Klassenherrschaft siegreichen Proletariat vererbt wir und dessen schlimmste Seiten es (\u2026) m\u00f6glichst zu beschneiden, bis ein (\u2026) Geschlecht imstande sein wird, den ganzen Staatsplunder von sich abzutun. (Engels, 1971: 78f)<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist die Staatsfrage, weniger die Machtfrage, welche die Anarchistin von der Bolschewistin oder Leninistin einerseits und von der b\u00fcrgerlichen Demokratin oder Republikanerin andererseits trennt. W\u00e4hrend der Bolschewismus oder der Marxismus\/Leninismus oder auch trotzkistische Positionen der vierten Internationalen der \u00dcbernahme der Staatsstruktur zur \u00dcberwindung des Kapitalismus das Wort reden und den Staat fr\u00fchestens nach der Einf\u00fchrung der klassenlosen Gesellschaft abzuschaffen gedenken, sehen b\u00fcrgerliche Positionen den Staat in erster Linie als Garanten f\u00fcr die Aufrechterhaltung der herrschenden, nach Marx profitgetriebenen und damit anarchischen Produktionsweise und \u00fcberlassen diesen eben deshalb keinesfalls einer bolschewistischen Position, welche den Staat als Instrument zur \u00dcberwindung der kapitalistischen Produktionsweise einsetzen will. Noch eher w\u00fcrde eine neoliberale Position der von anarchistischen Positionen erw\u00fcnschten Zerschlagung des Staates zustimmen. Tats\u00e4chlich optieren zur Zeit rechtsb\u00fcrgerliche und nationalistische Parteien (z.B. SVP in der Schweiz, AfD in Deutschland, <em>Front National<\/em> in Frankreich) f\u00fcr die Schw\u00e4chung des Staates, sozialdemokratische Positionen hingegen f\u00fcr dessen St\u00e4rkung. Die historisch belegte Option des B\u00fcrgertums zu Gunsten einer faschistischen Usurpation des Staates zur Bew\u00e4ltigung von Klassenauseinandersetzungen mit der dem Faschismus eigenen korporativistisch inspirierter Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsweise erscheint allerdings als Option mit h\u00f6herer Eintrittswahrscheinlichkeit \u2013 historisch und zukunftsbezogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>d)  Auf dem Weg von der Pariser <em>Commune<\/em> nach Rojava. Die historische Dimension und ihre rechtssoziologische Relevanz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwar sind die theoretischen Grundlagen des Anarchismus im 19. Jahrhundert entwickelt worden, was aber die realen Auspr\u00e4gungen einer m\u00f6glichen gr\u00f6sserr\u00e4umigen Gesellschaftsorganisation anarchistischer (Mit-)Pr\u00e4gung angeht, sind solche erst seit dem 20. Jahrhundert zu beobachten<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>. Zu nennen sind die M\u00fcnchner R\u00e4terepublik<a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, die Spanische Republik der dreissiger Jahre oder aktuell Rojava (Nordsyrien)<a href=\"#sdfootnote4sym\" id=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>. Sofern der Anarchismus eine gr\u00f6sserr\u00e4umige Gesellschaftsorganisation anstrebt und jemand dem Anarchismus nicht nur in der Privatwohnung, der Wohngemeinschaft oder dem einschl\u00e4gigen Strassenzug fr\u00f6hnen m\u00f6chte, bedarf es der Organisation von weitreichenden gesellschaftlichen Entscheidungen. Weitreichend in zeitlicher, r\u00e4umlicher und inhaltlicher Dimension, inhaltlich in normativer, produktiver oder reproduktiver Hinsicht. Neoliberale antietatistische Vorstellungen w\u00fcrden diesen Organisationsbedarf zur Erledigung neben dem wo auch immer verorteten Marktplatz, den Handelskammern und der B\u00f6rsenaufsicht zuweisen. Marxens Feststellung der Anarchie der gesamtgesellschaftlichen kapitalistischen Produktionsweise verweist mit einiger Berechtigung auf eine gewisse Verwandtschaft von Anarchismus und Liberalismus. Dies betrifft nicht nur individualanarchistische Positionen, welche in der hier vorgestellten Auslegeordnung sowieso unbeachtet bleiben, da diese sich den Herausforderungen der seit vielen Jahren herrschenden komplexen industriellen Produktionsweise nicht stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen bei der Betrachtung des Anarchismus und seines scheinbaren Widerspruchs zu marxistischen Positionen eine klare analytische Trennung von Produktionssph\u00e4re und Herrschaftssph\u00e4re vornehmen. W\u00e4hrend die Produktionssph\u00e4re durchaus strukturiert und entlang der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte und des Beitrags jedes einzelnen zum Gesamtwohl einer Hierarchie, einem Prinzip, einer \u201eArchae\u201c unterworfen ist, soll die Herrschaftssph\u00e4re befristet, eingeschr\u00e4nkt, widerrufbar, unstrukturiert, variabel, diskursunterworfen, ohne Beginn und Prinzip sein, also \u201eAn-Archae\u201c. Hier steckt der Widerspruch zu den \u201eHerrschaftssystemen\u201c: kein Zentralkomittee, kein Generalsekret\u00e4r, kein festangestellter und schwer k\u00fcndbarer Geheimdienstchef.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anarchismus schl\u00e4gt einen bottom-up Kommunalismus vor, mit a) Subsidiarit\u00e4t insofen, dass keine h\u00f6her aggregierte Organisationsform Entscheidungen treffen soll, die eine basisn\u00e4here Organisationsform ohne gr\u00f6sseren Gemeinschaden treffen kann und will. Die Standardisierung von Schraubengr\u00f6ssen und Gewinden mag gerne an h\u00f6her aggregierte Organisationsformen delegiert werden, der Entscheid \u00fcber und der Bau von Entw\u00e4sserungsanlagen geschieht besser auf kommunaler oder interkommunaler Ebene. Erst wenn beispielsweise die Entscheidung \u00fcber die Entw\u00e4sserung bei tiefer im Tal gelegenen Kommunen zu Problemen f\u00fchrt oder f\u00fchren kann, sind diese einzubeziehen. Weiterhin soll der Kommunalismus b) die Delegation von Entscheidungsstrukturen in der Form des imperativen Mandats vornehmen. Das heisst, dass die Delegierten an den Auftrag der Delegierenden gebunden sind und jede \u00fcber den Auftrag hinausgehende Entscheidung oder Verpflichtung durch die Delegierenden best\u00e4tigen lassen m\u00fcssen. Aktuell entspricht a) durchaus dem Staats- und Rechtsverst\u00e4ndnis in der schweizerischen Eidgenossenschaft und b) exakt den Gepflogenheiten des diplomatischen Dienstes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kommunalistisch-anarchistisch-kommunistisch-sozialistischen Positionen unterscheiden sich von bolschewistischen und sozialdemokratischen besonders in ihrer Einsch\u00e4tzung von parlamentarischen Prozessen, welche von Mehrheitsentscheiden bestimmt sind und welche in der b\u00fcrgerlichen parlamentarischen Demokratie kein imperatives Mandat kennen: die Delegierten sind nur ihrem Gewissen verpflichtet, h\u00f6chstens unterliegen sie dem Fraktionszwang, also einer Mehrheitsposition in der eigenen Delegiertengruppierung. Das imperative Mandat hingegen unterliegt einem Konsensentscheid der die Delegierten Delegierenden.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchsam \u00e4ussert sich zum imperativen Mandat dezidiert:<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Auftr\u00e4ge bleiben an den Willen derer gebunden, die ihn erteilen; wer ihn erh\u00e4lt, ist nichts als ausf\u00fchrendes Organ der K\u00f6rperschaft, die ihm die Teilarbeit \u00fcbertr\u00e4gt, f\u00fcr die sie ihn geeignet h\u00e4lt; er ist Willensvollstrecker einer bestimmten Gemeinschaft, der er selbst angeh\u00f6rt, und zwar Willensvollstrecker f\u00fcr die bestimmte einmalige Aufgabe, die ihm \u00fcbertragen ist. Die ungeheure Vielgestaltigkeit des gesellschaftlichen Lebens erfordert unz\u00e4hlige gesellschaftliche Dienstleistungen im kleinsten wie im gr\u00f6\u00dften, so da\u00df die Aufteilung der gesellschaftlichen Pflichten in fortw\u00e4hrendem Wechsel alle Kr\u00e4fte in Anspruch nimmt, alle unter st\u00e4ndiger Aufsicht aller stehen, jeder selbstverantwortlich und gesamtverantwortlich die Einheit von Gesellschaft und Pers\u00f6nlichkeit gew\u00e4hrleistet, wodurch die Gleichberechtigung aller und die gegenseitige Unterst\u00fctzung in allen gemeinsamen Angelegenheiten gesichert wird. Jede Entsendung eines Beauftragten erfolgt unter dem Vorbehalt der Abberufung zu jedem Zeitpunkt der Dienstleistung, jede \u00dcbernahme eines Dienstes ist freiwillig und erfolgt unter dem Vorbehalt des Verzichts, falls sich der Beauftragte der Aufgabe nicht gewachsen f\u00fchlt oder einen anderen f\u00fcr die Wahrnehmung des gemeinsamen Wohles geeigneter h\u00e4lt. (M\u00fchsam, 1933: 291)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem beim imperativen Mandat und bei der Fokussierung auf Konsensentscheidungen, also der Ablehnung der Verbindlichkeit von Mehrheitsentscheidungen liegt in der Effizienz der Entscheidungsfindung, mitunter der Blockierung von unter Umst\u00e4nden notwendigen Entscheidungen. Bei fehlendem Konsens beispielsweise \u00fcber die Ausrichtung von Forschung und Produktion, m\u00fcssten Sezessionsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen, deren Realisierung aber zum Beispiel an r\u00e4umlichen und materiellen Restriktionen scheitern k\u00f6nnte. Es bedarf also ausgekl\u00fcgelter Konfliktl\u00f6sungs- und Interesseausgleichsmechanismen. Diese Mechanismen k\u00f6nnen nicht auf interindividueller Gewaltaus\u00fcbung beruhen, genau zu derer Verhinderung wurde der Leviathan erfunden beziehungsweise erschaffen, der aber in einem anarchistischen Gemeinwesen per definitionem nicht zur Verf\u00fcgung steht. Die Rolle des Leviathans wird einem Rat zugewiesen, der auf konsensuale und partizipative Entscheidungsfindung ausgerichtet ist. Macht und Gewalt gegen Innen und gegen Aussen ist dem Rat nicht fremd, n\u00e4mlich zur Verteidigung der Herrschaftslosigkeit gegen Angriffe von Aussen (Unterwerfung unter eine Fremdherrschaft) und von Innen (Errichtung bzw. Wiedererrichtung einer diktatorisch oder repr\u00e4sentativ-b\u00fcrgerlich oder feudal ausge\u00fcbte Herrschaft).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Renaissance erlebt das Gedankengut des Anarchismus zurzeit im kriegsversehrten Nordsyrien \u2013 wenn auch nicht unter diesem Namen. Der F\u00fchrer und Chefideologe der PKK,<a href=\"#sdfootnote5sym\" id=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> Abdullah \u00d6calan \u00e4nderte seine urspr\u00fcnglich stark bolschewistisch gepr\u00e4gte Position unter Einfluss des anarchistisch inspirierten amerikanischen Autors Murray Bookchin zu einer revolution\u00e4ren Strategie, welche nicht den Staat in der Form der Parteiherrschaft \u00fcbernehmen will:<\/p>\n\n\n\n<p>Democracy is governance that is not state; it is the power of communities to govern themselves whithout the state (\u00d6calan, 2017: 1).<\/p>\n\n\n\n<p>Die intendierte Gesellschaftsform wird als \u201eDemocratic Confederalism\u201c bezeichnet, demokratischer F\u00f6deralismus<a href=\"#sdfootnote6sym\" id=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>. Auch das politische System der Schweiz k\u00f6nnte unter den Begriff \u201edemokratischer F\u00f6deralismus\u201c fallen, und nicht ganz ohne Grund heissen die regionalen Einheiten in Rojava Kantone. Der wesentliche Unterschied zu dem politischen System der Schweiz besteht darin, dass ideologische Prinzipien vor Wahlen in freier Mandatierung und die Herrschafts\u00fcbertragung an die Regierungen der lokalen, regionalen und \u00fcberregionalen Einheiten stehen. Ziel des <em>democratric confederalism<\/em> ist die Maximierung der direkten Demokratie bei gleichzeitiger Minimierung der Marginalisierung von Minderheiten. Demokratischer F\u00f6deralismus ist die intendierte Gesellschafts- bzw. Verfassungsform in Rojava (Nordsyrien) \u2013 von einer \u201eStaatsform\u201c kann aus begrifflichen Gr\u00fcnden nicht gesprochen werden. Aber sowohl die Organisationsnormen, welche die Legitimation durch Verfahren sichern, wie auch die grundlegenden materiellen Normen sind in die Form des Rechts gegossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind mindestens f\u00fcnf zentrale ideologische Prinzipien zu identifizieren. Erstens: <em>Gender Equality<\/em>. Das (soziale oder biologische) Geschlecht als Hauptdichotomie muss auf rechtlicher und faktischer Ebene im Sinne einer Gleichstellung erfasst werden. Das \u00e4ussert sich in der Vorgabe, dass die Spitzenpositionen der Exekutive als \u201eDoppelspitze\u201c immer durch eine Frau und einen Mann zu besetzen sind. Zweitens: <em>Gruppenrepr\u00e4sentanz<\/em>. Jede sich identifizierende und identifizierte Bev\u00f6lkerungskategorie (i.e. Volksgruppe, Religionsgemeinschaft, Talschaft etc.) muss im Rat oder in der Legislative vertreten sein. Drittens: <em>Minderheitenschutz<\/em>. Entscheidungsprozeduren und Entscheidungen m\u00fcssen marginale Interessen ber\u00fccksichtigen. Das bolschewistische Konzept der Diktatur des Proletariats durch die Partei wird explizit negiert. Viertens: <em>\u00d6kologie<\/em>. Die Umwelt als Basis der menschlichen Reproduktion ist vor \u00fcberm\u00e4ssiger, ressourcenzerst\u00f6render Nutzung zu sch\u00fctzen. F\u00fcnftens: <em>\u00d6konomie<\/em>. Die Gemeinschaft ist f\u00fcr die notwendige Ausstattung der Einzelnen verantwortlich (i.e. Nahrung, Unterkunft, Bildung, gesundheitliche Versorgung etc.). Auch hier gilt das Prinzip der Subsidiarit\u00e4t: Kommune vor Region vor \u00fcberregionaler Organisationseinheit.<a href=\"#sdfootnote7sym\" id=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> Nicht abschliessend gekl\u00e4rt ist die Frage nach dem Privateigentum an Produktionsmitteln (mithin nach der Existenz von Kapitalismus und Profit), doch scheint die Abschaffung der Bourgeoisie nicht oberste Priorit\u00e4t, sondern ein Korrektiv \u00fcber R\u00e4te und Korporationen unter dem ideologischen Prinzip der Sozialpflichtigkeit des Eigentums angedacht zu sein, welches der vollkommenen Investitions- und Profitaneignungsfreiheit des Kapitalisten entgegensteht.<a href=\"#sdfootnote8sym\" id=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der demokratische F\u00f6deralismus ist in den vom sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c (ISIS, DAESH) befreiten nordsyrischen und den haupts\u00e4chlich von Yesiden bewohnten nordwestirakischen Gebieten, aus denen sich der Zentralstaat schon vorher zum R\u00fcckzug gezwungen wurde, gemeinschaftsleitende Ideologie. \u201eRojava\u201c ist zur Zeit tats\u00e4chlich ein geschlossenes Gebiet mit einer Bev\u00f6lkerung von mehreren Millionen, welches der Einflussnahme eines Zentralstaates seit Jahren beinahe v\u00f6llig entzogen ist. Es verhandelt selbstst\u00e4ndig mit internationalen M\u00e4chten wie den USA, Russland oder europ\u00e4ischen Staaten, es verf\u00fcgt \u00fcber eine der schlagkr\u00e4ftigsten Armeen in der Region. Und: es befindet sich seit Jahren im Krieg. Auch die Kommandostrukturen der Armee unterliegen der gemeinschaftsleitenden Ideologie. Im Krieg herrscht immer Ausnahmezustand<a href=\"#sdfootnote9sym\" id=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>, erst die dem Friedensschluss folgende Normalit\u00e4t wird die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des anarchistischen demokratischen F\u00f6deralismus zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Arendt, Hannah: Macht und Gewalt, M\u00fcnchen und Z\u00fcrich, 14. A., 2000.<\/p>\n\n\n\n<p>Biehl, Janet: http:\/\/theanarchistlibrary.org\/library\/janet-biehl-bookchin-breaks-with-anarchism, Zugriff am 03.04.2017.<\/p>\n\n\n\n<p>Biehl, Janet: http:\/\/new-compass.net\/articles\/bookchin-%c3%b6calan-and-dialectics-democracy, Zugriff am 03.04.2017.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bookchin<\/em>, Murray: The Next Revolution: Popular Assemblies and the Promise of Direct Democracy, Debbie Bookchin, Blair Taylor (eds.) London (UK), Brooklyn (NY): Verso, 2015.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Botan<\/em>, Nergis: https:\/\/cooperativeeconomy.info\/the-social-economy-in-rojava-will-snowball\/, Zugriff am 03.04.2017.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Engels<\/em>, Friedrich: Einleitung zu \u201eDer B\u00fcrgerkrieg in Frankreich\u201c von Karl Marx, London, am 20. Jahrestag der Pariser Kommune, 18. M\u00e4rz 1891, zitiert nach: Karl Marx. Der B\u00fcrgerkrieg in Frankreich, Offizin Andersen Nex\u00f6, Leipzig, 1971.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Estermann<\/em>, Josef: Krieg und Recht: Zerfall der elementaren Ordnungsbestimmungen? in: Christoph Maeder, Ueli M\u00e4der; Sarah Schilliger (Hg.): Krieg! Kongressband zum SGS-Kongress Basel 2007, Seismo-Verlag, Z\u00fcrich 2009, S. 65-80.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Flach<\/em>, Anja \/ <em>Aybo<\/em><em>\u011fa<\/em>, Ercan \/ <em>Knapp<\/em>, Michael: Revolution in Rojava. Frauenbewegung und Kommunalismus zwischen Krieg und Embargo, 2.A., 2015, vsa-Verlag, Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Harp<\/em>, Seth: On the front lines of Syria with the young American radicals fighting ISIS http:\/\/www.rollingstone.com\/politics\/features\/american-anarchists-ypg-kurdish-militia-syria-isis-islamic-state-w466069, 18.02.2017.<\/p>\n\n\n\n<p>Marx-Engels Werke (MEW), B\u00e4nde 23, 24 und 25, Das Kapital, Dietz, Berlin:Kapital Bd. 2, MEW 24:465.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hobbes<\/em>, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und b\u00fcrgerlichen Staates. Teil I und II, R\u00fcckblick und Schlu\u00df. Herausgegeben von Lothar R. Waas. Suhrkamp, Berlin 2011 (\u00fcbersetzt von Walter Euchner).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Karl<\/em>, Michaela: Die M\u00fcnchner R\u00e4terepublik. Portr\u00e4ts einer Revolution, 2008, Patmos, D\u00fcsseldorf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>M\u00fchsam<\/em>, Erich: Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus? Fanal Sonderheft, Berlin 1933, Seitenzahlen nach Erich M\u00fchsam: Prosaschriften II. Hg. G\u00fcnther Emig. Verlag europ\u00e4ische ideen Berlin 1978, S. 251-298.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> <em>M\u00fchsam<\/em>, Erich: Prosaschriften II. Hg. G\u00fcnther Emig. Verlag europ\u00e4ische ideen Berlin 1978, S. 251-298, Scans auf https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:M\u00fchsam_Befreiung Zugriff am 01.03.2017.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00d6calan<\/em>, Abdullah: The Political Thought of Abdullah \u00d6calan. Kurdistan, Woman&#8217;s Revolution and Democratic Confederalism, London: Pluto Press, 2017<\/p>\n\n\n\n<p><em>Rousseau,<\/em> Jean-Jacques: Du contrat social ou Principes du droit politique. Vom Gesellschaftsvertrag oder Grunds\u00e4tze des Staatsrechts. Franz\u00f6sisch\/Deutsch. Reclams Universal-Bibliothek, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Verfassung<\/em> vom 29. Januar 2014, Zugriff am 1. Mai 2017 https:\/\/en.wikisource.org\/wiki\/Constitution_of_the_Rojava_Cantons.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weber<\/em>, Max: Politik als Beruf, in: Geistige Arbeit als Beruf. Vier Vortr\u00e4ge vor dem Freistudentischen Bund. 1919. M\u00fcnchen und Leipzig, zitiert nach Paginierung der Ausgabe bei Zweitausendeins 2006.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Umso mehr, wenn wir mit Hannah Arendt den Begriff der Macht von dem Begriff der Gewalt trennen, Macht als gewaltloses gemeinsames Handeln, vergleiche den Beitrag von Maike Wei\u00dfpflug in diesem Band.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Als Ausnahme muss die Pariser Commune gesehen werden mit ihrer proudhonistischen und blanquistischen Pr\u00e4gung (vgl. Engels, 1971: 59ff).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\" id=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Karl, Manuela, 2008.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\" id=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Flach \/ Aybo\u011fa \/ Knapp, 2015.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\" id=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Die PKK wurde erstmals im Jahre 1978 gegr\u00fcndet, sp\u00e4ter umfirmiert und wiedergegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\" id=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>Andere Bezeichnungen sind \u201elibertarian municipalism\u201c, \u201ecommunalism\u201c, \u201elibertarian socialism\u201c. Eine Differenz zu M\u00fchsam ist nur schwer zu erkennen: \u201eEine R\u00e4tegesellschaft, eine R\u00e4terepublik \u2013 das Wort Republik bezeichnet keineswegs ohne weiteres eine Staatsform, sondern jede Selbstverwaltung eines Gemeinwesens durch das Volk \u2013 eine R\u00e4tewirtschaft ist nur als f\u00f6deratives Gebilde zu denken und kann niemals ein Staat sein oder in einem Staatsganzen Platz finden. Die R\u00e4terepublik baut sich von unten nach oben auf. Ihr eigentlicher Drehpunkt sind die st\u00e4dtischen und d\u00f6rflichen Ortsr\u00e4te.\u201c (M\u00fchsam, 1933: 292)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\" id=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>Vgl. Botan, 2017.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\" id=\"sdfootnote8sym\">8<\/a>Die Verfassung vom 29. Januar 2014 sichert einerseits die Eigentumsfreiheit, setzt andererseits Geb\u00e4ude und Grund in \u00f6ffentliches Eigentum und etabliert das Arbeitsrecht:<\/p>\n\n\n\n<p>Article 39. Natural resources, located both above and below ground, are the public wealth of society. Extractive processes, management, licensing and other contractual agreements related to such resources shall be regulated by law.<\/p>\n\n\n\n<p>Article 40. All buildings and land in the Autonomous Regions are owned by the Transitional Administration are public property. The use and distribution shall be determined by law.<\/p>\n\n\n\n<p>Article 41. Everyone has the right to the use and enjoyment of his private property. No one shall be deprived of his property except upon payment of just compensation, for reasons of public utility or social interest, and in the cases and according to the forms established by law.<\/p>\n\n\n\n<p>Article 42. The economic system in the provinces shall be directed at providing general welfare and in particular granting funding to science and technology. It shall be aimed at guaranteeing the daily needs of people and to ensure a dignified life. Monopoly is prohibited by law. Labor rights and sustainable development are guaranteed.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote9anc\" id=\"sdfootnote9sym\">9<\/a>Estermann, 2009: 68.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen: Geldw\u00e4sche Steuern\u00a9 ProLitteris, Josef Estermann Anarchie, Herrschaft, Staat Eine Auslegeordnung Josef Estermann Anarchie oder Anarchismus ist ein Begriff, welcher ideologisch belastet und von verschiedenen Seiten als negativ konnotierter Kampfbegriff verwendet wird. 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