{"id":2782,"date":"2023-12-30T04:39:43","date_gmt":"2023-12-30T02:39:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2782"},"modified":"2023-12-30T05:22:58","modified_gmt":"2023-12-30T03:22:58","slug":"covid19-massnahmen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2782","title":{"rendered":"Covid19-Massnahmen Schlichenmaier"},"content":{"rendered":"\n<p>Umsetzung von Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19 und dahinterstehende Motive in der Z\u00fcrcher Gastronomie<\/p>\n\n\n\n<p>Eine qualitative Studie<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=664\">Weiterlesen<\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"1\" width=\"1\" border=\"0\" src=\"http:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.32f2ec27-2edb-42d7-9c7c-993d730a6bca\">is, <strong>Finn Schlichenmaier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>1 Einleitung<\/h1>\n\n\n\n<p>Verhaltensver\u00e4nderung ist gefragt in diesen Zeiten. Covid-19 hat eine Krise ausgel\u00f6st, die sich nicht \u2018nur\u2019 auf den Finanz- und Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem beschr\u00e4nkt. Vielmehr durchdringt das Virus die gesamte Gesellschaft. Die Politik ist gefragt, die Regierungen stehen auf dem Pr\u00fcfstand; aber auch die Einzelnen, die Akteure, sehen sich einer gemeinschaftlichen Verantwortung gegen\u00fcber. Wie wird man so einer Bedrohung habhaft? Wie k\u00f6nnen wir unser Verhalten kollektiv steuern? Das sind Fragen, die im Jahr 2020 neue Aktualit\u00e4t erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich trotz Covid-19 dann und wann in ein Restaurant oder eine Bar verirrt hat, der wird festgestellt haben: die Anpassung an die Ausnahmesituation und die Umsetzung der beh\u00f6rdlichen Auflagen k\u00f6nnen h\u00f6chst unterschiedlich ausfallen. Unser L\u00e4ngenmass scheint nicht mehr verbindlich: eineinhalb Meter, der geforderte Mindestabstand zwischen den Tischen, kann je nach Betrieb schrumpfen oder wachsen; wo man am einen Ort gar nicht erst etwas bestellen kann, ohne seine Kontaktdaten (mit Unterschrift) hinterlegt zu haben, hat man andernorts gar nicht erst Gelegenheit dazu; das Personal kann wahlweise schon den ganzen Sommer Masken tragen oder das Essen mit seinen Aerosolen w\u00fcrzen, indem es lauthals die Bestellnummern \u00fcber den Tellern verk\u00fcndet. Diese etwas zugespitzte Darstellung soll verdeutlichen, dass die Umsetzung von rechtlichen Normen alles andere ist als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 und damit die traditionsreiche Frage nach der Rechtswirkung stellen. Wie ist das Verh\u00e4ltnis von gesetztem Recht und gelebter Faktizit\u00e4t in der Gesellschaft? Um diese Kernfrage kreist die vorliegende Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gastronomie ist eine der Branchen, die vom <em>severe acute respiratory coronavirus type 2 <\/em>(im Folgenden SARS-CoV-2) am st\u00e4rksten getroffen werden. Mal abgesehen vom grundlegenden Bestreben, am Ende des Tages \u2013 oder Jahres \u2013 keine Verlustrechnung machen zu m\u00fcssen, gestaltet sich der Umgang mit der Krise nicht trivial. Die Massnahmen des Bundesrates und der Kantone sind als einzelne keine komplexe Angelegenheit, aber die Umsetzung dann eben schon: wie geht man mit der beschr\u00e4nkten Nutzungsm\u00f6glichkeit des Raumes um? Wie kann man Ansteckungsketten unterbinden? Wie kann man die Atmosph\u00e4re nicht verschandeln mit den Tischw\u00e4nden? Wie sieht es mit Anschaffungskosten aus? Wie kann man die Kontaktdaten effizient erfassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine qualitative Befragung soll diesen mannigfachen Eigenheiten gerecht werden und Einsicht in die Prozesse und Motive geben, die zu der Befolgung \u2013 oder gegebenenfalls Nichtbefolgung \u2013 der Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19 f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>2 Gegenstand<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>2.1 Fragestellung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Gastronomie ist ein Ort sozialer Interaktion, mit dicht gef\u00fcllten R\u00e4umen und ausgelassenen Gespr\u00e4chen. Das macht sie zu einem potentiellen Infektionsherd f\u00fcr SARS-CoV-2. Der Umgang mit dem Virus verlangt deshalb nach Verhaltens\u00e4nderungen. Es ist eine Zeit, in der unternehmerische Anpassungsf\u00e4higkeit und Kreativit\u00e4t gefragt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verhaltens\u00e4nderungen (im Folgenden \u2018Adaptionen\u2019) im Zusammenhang mit Covid-19 ersch\u00f6pfen sich dabei keineswegs im mehr oder weniger passiven Befolgen von beh\u00f6rdlich verh\u00e4ngten Massnahmen. Adaption findet auch in einem (noch) \u2018rechtsleeren\u2019 Raum statt, also dort, wo es noch gar keine Vorschriften gibt. Denn auch hierf\u00fcr gibt es triftige Motive, von denen hier zwei erw\u00e4hnt werden sollen: Selbstschutz und Rufwahrung. Ersteres ist wohl das grundlegendere, weil es sich auf die physische Gesundheit der Akteure selbst bezieht. Sein Geld in der Gastronomie zu verdienen geht mit einer bedeutenden Ansteckungsgefahr einher. Die Gefahr des Reputationsverlusts kann aber unter Umst\u00e4nden mindestens so wirkm\u00e4chtig sein: der Ruf des eigenen Betriebs und das Wohlf\u00fchlen der G\u00e4ste darin hat wirtschaftliche Konsequenzen. Das ist weder eine ersch\u00f6pfende Auflistung der Motive hinter Adaptionen, noch eine, die einen Anspruch auf empirische Validit\u00e4t erhebt; sie soll aber daf\u00fcr gen\u00fcgen, zu zeigen, dass die Reaktion auf SARS-CoV-2 aus einer breiteren Perspektive gesehen werden muss. Eine Betrachtung nur aus polizeilicher Perspektive, Verst\u00f6sse oder Befolgung ausfindig machend, ist unvollst\u00e4ndig. Die in Frage stehenden Handlungen sind also Adaptionen im Zusammenhang mit Covid-19.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem zweiten Schritt soll das Interesse den Motiven gelten, die hinter den jeweiligen Adaptionen stehen. Es soll herausgearbeitet werden, <em>ob<\/em> und <em>inwiefern<\/em> das Recht eine Rolle spielte, also zum Bestimmungsgrund der betreffenden Verhaltensweise wurde (Duenkel, 2002: 112). Es soll insbesondere auch gefragt werden, durch welche Kan\u00e4le es seinen Wirkungsweg zu den Akteuren findet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbergreifend sollen auch die situationalen Bedingungen der entsprechenden Adaptionen und Motive in die Analyse miteinbezogen werden. Gerade die wirtschaftliche Lage der Betriebe soll nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Dies f\u00fchrt zu der Fragestellung:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche Motive sind f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderungen und Anpassungen in der Z\u00fcrcher Gastronomie zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19 relevant? Welche Rolle spielen die beh\u00f6rdlichen Massnahmen dabei? Gibt es strukturelle Faktoren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>2.2 Vorbemerkungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Untersuchungszeitraum beginnt vor dem Lockdown im M\u00e4rz 2020, um etwaige Adaptionen der Betriebe, die den bundesr\u00e4tlichen Massnahmen vorgingen, zu erfassen. Das Ende ist auf Anfang November angesetzt. Dies schlicht und einfach deshalb, weil die Interviews auch irgendwann erhoben werden mussten. Eingeschlossen sind damit noch neue Massnahmen Ende Oktober.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einschl\u00e4gigen, wichtigen Massnahmen, auf deren Umsetzung diese Untersuchung fokussieren wird, sind: die Tischabstandsregel, die Maskenpflicht, sowie die Erfassung von Personendaten. Hier ist eine Erfassung der Motive und der Konsequenz der Umsetzung realistisch, weil sie alle nach konkreten Entscheidungen der Gesch\u00e4ftsleitung verlangen. Hingegen ist eine Feststellung der Umsetzung der Vier-Personen-Regel ein schwierigeres Unterfangen, weil sich dieses meist in ad-hoc ausgesprochenen Verboten seitens des Personals manifestiert, also keine betriebliche L\u00f6sung vonn\u00f6ten ist wie bei erstgenannten F\u00e4llen. Ohnehin w\u00fcrde das wahrscheinlich das \u00dcberblicksverm\u00f6gen der Befragungsperson \u00fcbersteigen. Keineswegs soll das aber heissen, dass auf potentielle Adaptionen, die sich auf andere Massnahmen beziehen, nicht eingegangen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus methodischen Gr\u00fcnden, die sp\u00e4ter noch genauer erl\u00e4utert werden sollen, wird nicht auf eine Identifizierung konkreter Normverst\u00f6sse abgezielt. Das soll aber nicht daran hindern, Aussagen \u00fcber das Verhalten der Betriebe aus einer integrierenden Perspektive zu treffen. Die Gr\u00fcndlichkeit und <em>Konsequenz<\/em> der Umsetzung der Massnahmen im zeitlichen Verlauf der Pandemie soll in den Interviews zumindest ansatzweise erforscht werden. Der Begriff der Konsequenz erscheint mir deshalb als geeignet, weil die Umsetzung der Massnahmen keine einmalige Sache ist, sondern ein l\u00e4ngerfristiges Verhalten. Die Formulare f\u00fcr die Personendaten m\u00fcssen jedes Mal aufs Neue an den Tisch gebracht werden, der f\u00fcnfte Gast immer wieder abgewiesen, die G\u00e4ste jeden Abend um elf Uhr nach Hause geschickt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird immer wieder vom \u2018Verhalten der Betriebe\u2019 oder \u00c4hnlichem die Rede sein. Dies ist insofern irref\u00fchrend, als dass von einer Betrachtung des Betriebes als Entit\u00e4t, als eigenem Akteur, nicht ausgegangen werden kann, da dies weder realit\u00e4tsnah noch sinnvoll f\u00fcr die Fragestellung dieser Arbeit ist. Es sind die Entscheidungstr\u00e4ger und deren Motive, die das \u2018Verhalten der Betriebe\u2019 steuern, letztlich die Umsetzung der Massnahmen bestimmen \u2013 also in der Regel die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, vielleicht sogar die Inhaber. Es sind dann aber die Mitarbeitenden, die sie vollziehen, deshalb werde ich auf den Gebrauch dieser Redensart nicht verzichten, jedoch nur in dem umschriebenen Sinne.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>2.3 Normstruktur<\/h2>\n\n\n\n<p>Die juristischen Regelwerke, die im Zusammenhang mit Covid-19 erlassen wurden, haben schon einen betr\u00e4chtlichen Umfang erreicht. Sie in der gesamten F\u00fclle hier abzubilden, w\u00fcrde einerseits den Rahmen der Arbeit \u00fcbersteigen, andrerseits aber auch vom Wesentlichen f\u00fcr die vorliegende Fragestellung ablenken. Dass sich die vorliegende Arbeit nur mit den f\u00fcr die Gastronomie wesentlichen Normen besch\u00e4ftigt, bedarf keiner weiteren Erl\u00e4uterung. Massgeblich f\u00fcr die Fragestellung sind die Verordnungen 2 und 3 \u00fcber Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Coronavirus (Covid-19-Verordnung 2 und Covid-19-Verordnung 3) sowie die Verordnung \u00fcber Massnahmen in der besonderen Lage zur Bek\u00e4mpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage). Daneben sind insbesondere die Schutzkonzepte des Bundesamtes f\u00fcr Gesundheit (BAG) und des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (SECO) verbindlich, die dann in die branchenspezifischen Schutzkonzepte der Gastrosuisse \u00fcbersetzt wurden. Diese wurden auch laufend erneuert, mittlerweile z\u00e4hlt man hier die zehnte Version (Stand: Mitte November). Kantonale Bestimmungen gab es im sp\u00e4teren Verlauf auch, massgeblich ist hier die Verordnung \u00fcber Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Covid-19-Epidemie (V Covid-19).<\/p>\n\n\n\n<p>Sinn und Zweck der Erlasse liegen zwar eigentlich auf der Hand, sollten aber dennoch an dieser Stelle nicht fehlen. Die Massnahmen dienen dazu, die Verbreitung von SARS-CoV-2 einzud\u00e4mmen, die H\u00e4ufigkeiten der \u00dcbertragungen zu reduzieren, besonders gef\u00e4hrdete Personen zu sch\u00fctzen und die Kapazit\u00e4ten der Schweiz zur Bew\u00e4ltigung der Epidemie sicherzustellen (Covid-19-Verordnung 2, Art. 1 Abs. 2). Weiter ausformuliert, zielen die ersten zwei Punkte auf die tats\u00e4chliche und wirksame Verhaltensteuerung im Alltag. Es kann geradezu vom Gegenteil einer symbolischen Gesetzgebung gesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. M\u00e4rz verk\u00fcndet der Bundesrat den Lockdown und erl\u00e4sst die Covid-19-Verordnung 2. Restaurants, Barbetriebe und Nachtclubs bleiben vorerst noch offen mit einer Beschr\u00e4nkung auf 50 Personen, werden dann aber am 17. M\u00e4rz mit der dritten Version der Covid-19-Verordnung 2 ebenfalls geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als zehn Anpassungen danach brauchen uns nicht zu interessieren. Mit der Version vom 11. Mai \u00f6ffnet der Bund die Restaurationsbetriebe dann wieder unter Vorbehalt der Einhaltung der Schutzkonzepte. Das heisst: Einhaltung des Tischabstandes von 2 Metern, maximal vier Personen am Tisch (Familien sind ausgenommen), sowie Bereitstellung von Desinfizierungsmaterial f\u00fcr G\u00e4ste und Personal.<\/p>\n\n\n\n<p>Am sechsten Juni erscheint die vierte Version des Schutzkonzeptes. Ab jetzt d\u00fcrfen wieder Gruppen gr\u00f6sser als vier Personen zusammen am Tisch sein. Daf\u00fcr m\u00fcssen Kontaktdaten von einer Person f\u00fcr solche Gruppen erhoben werden. G\u00e4ste d\u00fcrfen dann auch nicht im Stehen konsumieren, um die Regel zu \u2018umgehen\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Neuerungen gibt es dann auch wieder am 20. Juni: der Bund erl\u00e4sst die Covid-19-Verordnung besondere Lage. Am 22. Juni folgt die Covid-19-Verordnung 3. Zwei f\u00fcr die Fragestellung relevante \u00c4nderungen ergeben sich: Kontaktdaten m\u00fcssen jetzt von jeder Gastgruppe angegeben werden. Weiterhin gen\u00fcgen aber die Daten einer Person. Der geforderte Tischabstand betr\u00e4gt nun nicht mehr zwei, sondern eineinhalb Meter. Die Covid-19-Verordnung 2 wird aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 24. August erl\u00e4sst der Kanton Z\u00fcrich die V Covid-19. Er konkretisiert darin die Erhebung der Kontaktdaten, spezifiziert die zu erfassenden Informationen: Postleitzahl, Telefonnummer, E-Mail und der Name m\u00fcssen angegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtige Neuerungen gibt es dann wieder am 19. Oktober (Schutzkonzept Version 8): Maskenpflicht f\u00fcr alle, einschliesslich des Personals. G\u00e4ste m\u00fcssen beim Gehen, also auch beim Aufsuchen der Toilette, die Maske anziehen. Am 29. Oktober dann, Schutzkonzept Version 9, gilt wieder die Beschr\u00e4nkung der maximalen Anzahl an G\u00e4sten auf vier Personen pro Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Verst\u00f6sse gegen die beh\u00f6rdlichen Auflagen konnten strafbar sein, die Gewerbepolizei zielte aber nicht auf die Kriminalisierung der Verantwortlichen. Die Absicht belief sich vielmehr auf die Wiederherstellung des rechtsgen\u00fcgenden Zustandes. Nach erster Bem\u00e4ngelung wurden Nachkontrollen durchgef\u00fchrt, die dann eine Verzeigung bei erneutem Verstoss zur Folge hatten.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>3 Theoretische Ans\u00e4tze und Hypothesen<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a> 3.1 Sanktionen und Externalit\u00e4ten<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man danach fragt, wieso eine rechtliche Norm befolgt wird, dann lautet die g\u00e4ngige Antwort: wegen der Strafe! Das ist sicher nicht falsch, aber auch sicher nicht die ganze Geschichte. Denn: <em>\u00abStudien weisen darauf hin, dass mit der juristischen Sanktion der Strafe allgemein nur eine Wirkungswahrscheinlichkeit von 50%-60% verbunden ist, die Strafe also nur die H\u00e4lfte aller F\u00e4lle Menschen von normwidrigem Verhalten abbringt.\u00bb<\/em> (Baer, 2015: 253). Und es ist auch nicht einfach so, dass man bei zu geringer Normbefolgung das Problem mit einer erh\u00f6hten Sanktionsgeltung l\u00f6sen k\u00f6nnte, also durch eine Erh\u00f6hung z.B. der Verfolgungsquote (Duenkel, 2002: 113). Wird n\u00e4mlich zu oft verfolgt und bestraft, sinkt die pr\u00e4ventive Kraft des Rechts, weil erstens das normwidrige Verhalten in seiner Ausbreitung erkennbar wird und zweitens die Strafe ihre diskriminierende Wirkung verliert (ebenda). Eine Sanktion hat eben auch Signalwirkung. Es definiert Verhalten als abweichend vom rechtlich Gesollten (Baer, 2015: 252).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sanktion, die die Gewerbepolizei in Z\u00fcrich verh\u00e4ngt, besteht bei einmaligem Verstoss in einer kurzen Schliessung des betreffenden Betriebes. Das bedeutet zum einen wirtschaftliche Einbussen. Andererseits ist die Reputation in Gefahr \u2013 das kann Folgewirkungen haben. Mediale Publizit\u00e4t eines Verstosses ist hier der bedeutendere Fall (Kohler 2002: 65), ist aber nicht notwendig, um solch einen Reputationsschaden auszul\u00f6sen. \u2018Mund-zu-Mund-Propaganda\u2019 spielt f\u00fcr die Gastronomie eine mindestens genauso bedeutende Rolle, weil die Betriebe in der Regel eine Kundschaft haben, die eine gewisse Homogenit\u00e4t und soziale N\u00e4he aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei signifikante, negative Externalit\u00e4ten umgeben also die Sanktion der Schliessung: die des wirtschaftlichen Schadens, sowie die des Reputationsschadens, der weitere wirtschaftliche Einbussen mit sich zieht. Dass Schliessungen von Restaurants aufgrund eines Verstosses gegen die Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19 in den Medien aufbereitet werden, ist eher unwahrscheinlich, es sei denn, eine Form eines Spreader-Events geh\u00f6rt zu der Geschichte. Der zu bef\u00fcrchtende Reputationsschaden erfolgt also vor allem durch den Kanal der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung. Dabei kann keineswegs nur eine Schliessung des Betriebes auf diesem Wege Schaden anrichten, sondern auch sonst ein Eindruck der \u2018Nachl\u00e4ssigkeit\u2019 oder \u00c4hnlichem.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00f6ssere Betriebe mit gr\u00f6sserem Publikum sind dieser Gefahr ungleich st\u00e4rker exponiert als kleinere Betriebe, da hier eine Verbreitung \u00fcber soziale Netzwerke deutlich wahrscheinlicher ist. Zum einen sind sie dem Blick einer gr\u00f6sseren Anzahl von Augen ausgesetzt, gleichzeitig steigt die Kontaktwahrscheinlichkeit dieser untereinander. Des Weiteren ist der drohende wirtschaftliche Schaden bei einer Schliessung f\u00fcr gr\u00f6ssere Betriebe auch (in absoluten Zahlen bemessen) h\u00f6her, ebenso die Anzahl der f\u00fcr diese Zeit arbeitslosen Mitarbeiter. Folgende Hypothese sei aus diesen \u00dcberlegungen gezogen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>1<\/strong><\/sub>: Gr\u00f6ssere Betriebe wollen eher Vertrauensw\u00fcrdigkeit erwecken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a> 3.2 Intrinsische Motivation und Identit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Will man \u00fcber intrinsische Motive sprechen, so wird man fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf Norbert Elias\u2019 \u2013 keineswegs unumstrittene \u2013 Zivilisationsthese stossen. Er beschreibt die Genese des Begriffs <em>civilit\u00e9<\/em> in der franz\u00f6sischen und deutschen Oberschicht (Elias, 1997: 157 ff.) und entwirft im Folgeschritt die Konzeption des Wandels vom Fremdzwang zum Selbstzwang im Sinne eines Modernisierungsprozesses. L\u00e4ngere und komplexere Aktionsketten und ein rigideres Zeitregime zw\u00e4ngen den Einzelnen, sein Training zur Langsicht ernster zu nehmen als seine Vorfahren: \u00ab<em>sie gew\u00f6hnt an eine Unterordnung der augenblicklichen Neigungen unter die Notwendigkeiten der weitreichenden Interdependenz; sie trainiert zu einer Ausschaltung aller Schwankungen im Verhalten und zu einem best\u00e4ndigen Selbstzwang<\/em>.\u00bb (Elias, 1997b: 348 f.). Das Bild eines Modernisierungsprozesses im Sinne des Wandels von barbarischen Verhaltensweisen zu, eben, zivilisierten, ist sicherlich ein g\u00e4ngiges Narrativ in der westlichen Diskurssph\u00e4re. Oder war es zumindest: eine Analyse von Gesundheitsdiskursen der ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts zeigt, dass die \u2018energetische Willensspannung\u2019 und deren F\u00e4higkeit, die eigenen \u2018Leibesverh\u00e4ltnisse\u2019 zu unterwerfen eine zentrale Rolle spielten (Keupp 1993). Triftige Argumente sprechen aber daf\u00fcr, dass von einem epochalen Prozess der Selbstdisziplinierung nicht wirklich die Rede sein kann (Duerr, 1993: 21 ff.): Urbanisierungsprozesse waren oft Quelle der Unzucht. Mitglieder von primitiven Gesellschaften waren und sind mithin einer viel totalit\u00e4reren sozialen Kontrolle unterworfen, die den dichteren und \u00fcberschaubareren sozialen Netzwerken geschuldet sind. Die Gegen\u00fcberstellung des triebgesteuerten Wilden und des vornehmen St\u00e4dters ist in dieser Reduktion schlicht unzutreffend.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Norbert Elias aber durchaus treffend zu beschreiben wusste, ist, dass die Idee der Normbefolgung und der Selbstregulierung eng verwandt ist mit der Idee der Vornehmheit, um nicht zu sagen einer gewissen sozialen \u00dcberlegenheit. So schreibt er: <em>\u00ab\u2026mag auch ein Teil der Selbstzw\u00e4nge und Tabus, die bei diesen [unteren Schichten] aus dem Drang, sich zu \u2018unterscheiden\u2019 stammen, aus dem Verlangen nach einem bestimmten, h\u00f6heren Prestige, bei jenen vorerst fehlen\u2026\u00bb<\/em> (Elias, 1997b: 355). Daf\u00fcr, dass die Idee der <em>civilit\u00e9<\/em> oft dazu missbraucht wird, um eine \u00fcbergeordnete soziale Position zu legitimieren, liefert Elias sodann auch gleich selbst den Beweis. Denn er glaubte, dass der Okzident die restliche Welt unterwerfen konnte, weil er die Triebstruktur besser modellierte, also h\u00f6here Zivilisation besass (Duerr, 1993: 12). Um sich nicht l\u00e4nger mit diesen Kontroversen aufhalten zu m\u00fcssen, kann man die f\u00fcr die vorliegende Arbeit zentrale Einsicht nochmals mit Elias sagen: \u00ab<em>\u2026das gesellschaftliche Prestige ist einer der st\u00e4rksten Motoren zur Umwandlung von Fremdzw\u00e4ngen in Selbstzw\u00e4nge\u00bb <\/em>(Elias, 1997b: 377). Normbefolgung im Sinne von intrinsischer Motivation, also Selbstzwang ist nicht etwas, das Individuen mit sich selbst ausmachen. Wer sich selbst kontrolliert, der weiss auch, in was f\u00fcr einem sozialen Raum er das tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man einmal beim sozialen Vergleich ist, dann ist die Identit\u00e4t nicht mehr weit. Ich kann mir einen Einschub einer pers\u00f6nlichen Erfahrung als Mitarbeiter in einem Restaurant nicht verkneifen \u2013 als ich mit meiner Chefin \u00fcber die Massnahmen und den Ernst der Situation sprach, meinte sie: <em>\u00abAlle sagen, wir seien die <\/em><em>\u2039<\/em><em>Szenis<\/em><em>\u203a<\/em><em>, die es nicht ernst nehmen. Aber wir nehmen es ernst.\u00bb<\/em> Heiner Keupp stellt sogar die These auf, dass soziale Kontrolle mithin auch auf der Ebene der Identit\u00e4t ausge\u00fcbt wird (Keupp, 1993: 194). Diese \u00dcberlegungen sollen in der These m\u00fcnden, dass die Befolgung der beh\u00f6rdlichen Massnahmen im Ganzen immer auch ein Akt der sozialen Positionierung ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>2<\/strong><\/sub><strong>:<\/strong> Die Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen hat einen motivischen Bezug zur Identit\u00e4t des Betriebs.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>3.3 Innovation und Konformit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p>Abweichendes Verhalten hat mitunter auch strukturelle Ursachen. Robert K. Merton hat eine Typologie abweichenden Verhaltens vorgelegt, die sich auf kulturell und sozial strukturierte Ziele und Mittel bezieht (Merton 1968). Die Typologie als solche ist aus Gr\u00fcnden, die ich im Folgenden aufzeigen werde, nicht auf den Gegenstand der vorliegenden Arbeit anwendbar, jedoch bleibt der grundlegende Mechanismus und die Fragestellung relevant. Es geht n\u00e4mlich darum, situationale Bedingungen zu identifizieren, die abweichendes (oder normverletzendes) Verhalten erwartbar, mithin als \u2018normale\u2019 Reaktion verst\u00e4ndlich machen (Merton 1968: 186).<\/p>\n\n\n\n<p>Grundannahme ist, dass es gemeinhin anerkannte und allgemein g\u00fcltige kulturelle Ziele gibt, sowie vorgezeichnete Wege, diese Ziele zu erreichen. Eine Gesellschaft legt also auch fest, welche Mittel zu gebrauchen legitim sind. Wenn eine Diskrepanz zwischen diesen Zielen und Mitteln im konkreten Fall besteht, dann ist eine Abweichung wahrscheinlich. Mertons Typologie beinhaltet vier Kategorien, die durch die oben genannten zwei Elemente differenziert werden. Konformit\u00e4t umschliesst gesellschaftlich akzeptierte Ziele und Mittel, Innovation hingegen bedient sich neuer Wege, um die gleichen Ziele zu erreichen, Ritualismus beschreibt den Fall der Negation der Ziele, aber des Festhaltens an den vorgeschriebenen Mitteln. \u2018Retreatism\u2019 oder Apathie ist die beidseitige Lossagung.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Begriffen l\u00e4sst sich intuitiv ablesen, wieso diese Typologie nicht auf die vorliegende Fragestellung zugeschnitten ist: wie oben dargelegt, ist rechtskonformes Verhalten der Betriebe auch gleichzeitig Innovation. Das Befolgen der gesellschaftlich akzeptierten Mittel beinhaltet notwendigerweise Innovation, weil neue Verhaltensstandards etabliert werden. Wer an den bew\u00e4hrten Mitteln festh\u00e4lt, mithin ritualistisch handelt, der ist in unserem Fall derjenige, der die gesellschaftlichen Normen bez\u00fcglich der Mittel missachtet. Die Kategorien vermischen sich auf eigent\u00fcmliche Weise. Denn: es geht nicht um die Abweichung von bereits institutionalisiertem Verhalten, sondern von noch zu institutionalisierendem oder auch vor\u00fcbergehendem Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4sst aber die Grundannahmen unber\u00fchrt. Von allgemein verbreiteten Zielen in der Gastronomie kann nat\u00fcrlich die Rede sein. Gastgewerbliche Betriebe sind Organisationen, die zumindest auf eine gr\u00fcne Rechnung zielen, um das Wort Profit zu vermeiden<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>. Es geht also immer auch um den Umsatz, der am Ende des Tages in der Kasse liegt. Dieses Ziel ist in Zeiten der Deprivation umso pr\u00e4senter. Die Mittel, diesen Umsatz zu erreichen, werden durch die beh\u00f6rdlichen Massnahmen beschnitten: die Tischabstandsregel beschneidet die m\u00f6gliche Anzahl an Pl\u00e4tzen. Ebenso die maximale Anzahl von Personen am Tisch. Gleichzeitig gibt es auch Mittelerweiterungen, so z.B. die Bewilligung zum Bestuhlen weiterer Aussenbereiche. Liegt eine Diskrepanz zwischen dem Umsatzziel und den Mitteln vor, ist ein Normverstoss wahrscheinlicher. Davon ist auszugehen, wenn:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Der Betrieb nicht einen weiteren Raum bestuhlen konnte,<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; der Betrieb eine kleine Anzahl an Innenpl\u00e4tzen hat,<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; der Betrieb ohnehin wirtschaftliche Schwierigkeiten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Fall folgt aus den Effizienzeinbussen, mit denen ein Wirt bei sehr kleinen Platzzahlen zu rechnen hat. Es ist zu erwarten, dass kleine Betriebe von den Massnahmen besonders getroffen werden. Wirtschaftliche Prekarit\u00e4t greift die Geltung der Normen an. Hier ist anzuf\u00fcgen, dass nicht alle Massnahmen per se in gleichem Masse Geltungskraft verlieren. Als erster Kandidat f\u00fcr eine Abweichung ist die bereits oben erw\u00e4hnte Tischabstandsregel zu nennen, auch die Vier-Personenregel ist ein Konsuminhibitor. Maskenpflicht und die Erfassung der Kontaktdaten d\u00fcrften aber weitgehend unber\u00fchrt von dieser Wirkung sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>3<\/strong><\/sub>: Werden die Mittel stark durch die Massnahmen angegriffen, ist die Umsetzung der Massnahmen weniger konsequent.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>4 Methodisches Vorgehen<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>4.1 Interview<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Fragestellung verlangt danach, dass einige Punkte im Interview sicher abgefragt werden. So ist eine Erfassung z.B. davon, ob die Befragungsperson bereits fr\u00fch jemanden kannte, der an Coivd-19 erkrankt ist, von Interesse. Es sollte auch die Haltung gegen\u00fcber dem beh\u00f6rdlichen Vorgehen erfasst werden, sowie die soziale Verortung des eigenen Betriebs. Und das Herzst\u00fcck nat\u00fcrlich: die Erfassung der Adaptionen und deren Motive. Um eine diffuse und zeitlich verschwommene Unterhaltung \u00fcber das Geschehene zu vermeiden, habe ich mich dazu entschieden, den bisherigen Verlauf der Epidemie in vier Phasen einzuteilen:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die Phase der ersten Welle, vor und w\u00e4hrend dem Lockdown,<\/p>\n\n\n\n<p>2. die Phase der Wiederer\u00f6ffnung,<\/p>\n\n\n\n<p>3. die Phase des Sommers,<\/p>\n\n\n\n<p>4. die Phase der zweiten Welle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederer\u00f6ffnung ist deshalb ein wichtiger Punkt, weil hier die Massnahmen erstmals umgesetzt wurden. Die Sommerphase als eigene Phase zu begreifen erachte ich deshalb als angemessen, weil in diesem Zeitraum die Ansteckungszahlen sehr tief blieben<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>, sich die Lage allgemein sp\u00fcrbar entspannte, und gleichzeitig die M\u00f6glichkeit der Aussenbestuhlung und damit auch der Ausweitung der Pl\u00e4tze gegeben war. Diese Ausgelassenheit wird dann durch den Herbst abgel\u00f6st, genauer vom Oktober, als die Zahlen wieder schnell \u00fcber die Tausendergrenze kletterten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview sind die Phasen je mit einem narrativen Stimulus gekennzeichnet. Dieser soll ein freies Sprechen \u00fcber die allgemeine Erfahrung zu diesem Zeitpunkt motivieren, insbesondere durch die Frage <em>\u00abWie war das f\u00fcr euch?\u00bb<\/em>. Die Befragung innerhalb der Phasen soll dann vom Allgemeinen zum Speziellen voranschreiten. Eine allgemeine Abfrage danach, was sich ge\u00e4ndert hat, soll das Erz\u00e4hlen der Umsetzung der Massnahmen motivieren, jedoch ohne den Befragten die jeweiligen Auflagen in den Mund zu legen. Erst im \u2018Notfall\u2019, n\u00e4mlich wenn die Befragungspersonen nicht von selbst auf eine Massnahme und deren Umsetzung zu sprechen kommen, sollen sie darauf angesprochen werden, weil ihnen sonst die Auflage in den Mund gelegt wird, sie also auf die Rechtsvorschrift eingespurt werden \u2013 auf was sie ja eigentlich selbst kommen sollten, wenn es denn Motiv f\u00fcr die betreffende Adaption war. Sprechen sie aber von Adaptionen, dann ist der n\u00e4chste Schritt die Frage nach dem Grund, dem Motiv der Handlung eben, einfach operationalisiert in <em>\u00abWieso habt ihr das gemacht?\u00bb<\/em>. Zu beachten ist hier, dass die Motive f\u00fcr die jeweiligen Adaptionen einzeln erfasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit kann man die gew\u00e4hlte Interviewform nicht eindeutig den \u00fcblichen Kategorien zurechnen. Es ist aber eine deutliche N\u00e4he zum narrativen Interview erkennbar (Diekmann, 2004: 540). Nur gibt es eben mehrere narrative Stimuli, und ein Nachhaken w\u00e4hrend des Erz\u00e4hlens scheint sinnvoller.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Teil des Interviews sollen, wie erw\u00e4hnt, die Deutungen und Meinungen der Befragten bez\u00fcglich des beh\u00f6rdlichen Vorgehens erfasst werden, wenn dies nicht schon geschehen ist. Die Bewertung und Verortung des eigenen Verhaltens bilden den Abschluss des Interviews.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil Normwidrigkeit gerade jetzt, wo sich die Akteure einer gemeinschaftlichen Verantwortung gegen\u00fcbergestellt sehen, ein heikles Thema ist, werden <em>Social-Desirability<\/em>-Probleme auftreten (Diekmann 2018: 447 f.). Es ist kaum zu erwarten, dass eine Befragungsperson von selbst beschreibt, wie ihr Betrieb die Massnahmen nicht befolgt hat \u2013 schon gar nicht detailliert. Auch wenn die Befragungspersonen aufgrund eines zugesicherten Schutzes der Informationen keine Folgen des Interviews zu f\u00fcrchten haben, stellt die Zugabe eines Normverstosses w\u00e4hrend des Interviews dann eben schon selbst eine konflikthafte Aufgabe dar. \u00dcberhaupt stellen sich hier <em>Recall<\/em>-Probleme, denn um einen Verstoss zu identifizieren, m\u00fcssten die Befragungspersonen den genauen Einf\u00fchrungsmoment gewisser Massnahmen wiedergeben k\u00f6nnen, was eine unrealistische Annahme ist. Wenn sie eine Massnahme \u00fcberhaupt nie befolgt haben, ist der Fall nat\u00fcrlich ein Anderer, nur ist eben auch damit nicht zu rechnen. Ein Nachhaken im Sinne von: <em>\u00abWann habt ihr das genau eingef\u00fchrt?\u00bb <\/em>und <em>\u00abWas f\u00fcr Masse haben die Tischw\u00e4nde?\u00bb<\/em> w\u00e4re zwar denkbar, w\u00fcrde die Befragungspersonen aber unweigerlich in die Defensive dr\u00e4ngen und damit die Gespr\u00e4chsqualit\u00e4t insgesamt beeintr\u00e4chtigen. Aus diesen Gr\u00fcnden soll auf eine solche \u2018Polizeiarbeit\u2019 verzichtet werden. Einem dezidierten Suchen nach Indizien f\u00fcr die Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen steht aber nichts im Wege.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>4.2 Befragungspersonen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie bereits im ersten Kapitel erw\u00e4hnt, sind es in der Regel die Entscheidungstr\u00e4ger der Betriebe, die die konkrete Umsetzung der Massnahmen kontrollieren. Es sind also auch sie, die die entsprechenden Motive \u00fcberhaupt wiedergeben k\u00f6nnen. In Frage kommen also nur Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, eventuell auch Inhaber. Letztere sind aber \u00fcblicherweise nicht wirklich in den gesch\u00e4ftlichen Alltag involviert, so dass die Zielgruppe Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Betriebe wurden so ausgew\u00e4hlt, dass eine gewisse Varianz der Konzepte und auch der Gr\u00f6sse vorliegt. Es sollten nicht ausschliesslich Speiserestaurants befragt werden, sondern auch ein Caf\u00e9\/Bistro-Modell usw. Die theoretischen \u00dcberlegungen legen dann auch die Erhebung der Adaptionen und Motive in unterschiedlicher Betriebsgr\u00f6sse nahe. Ein letztes, aber nicht zu vernachl\u00e4ssigendes Kriterium war die \u2018Gestandenheit\u2019 der Betriebe \u2013 also einer Bew\u00e4hrung \u00fcber Zeit. Das stellt zum einen genuin gastronomische Perspektiven sicher, andererseits auch die Existenz einer Reputation und eines sozialen Ortes. Ein Betrieb, der erst seit einem Jahr \u201ewirtet\u201c und dessen Gesch\u00e4ftsleitung noch nicht auf solide Erfahrung in der Branche zur\u00fcckblicken kann, wird wahrscheinlich noch Anfangsschwierigkeiten haben, die sich mit den Auswirkungen der Coronakrise mischen und damit eine Unsch\u00e4rfe in der Untersuchung bewirken. Folgende Betriebe bzw. Personen wurden interviewt:<\/p>\n\n\n\n<p>G1, Bar, Z\u00fcrich, Gesch\u00e4ftsleitung<\/p>\n\n\n\n<p>G2, Caf\u00e9\/Bistro, Z\u00fcrich, stellvertretende Gesch\u00e4ftsleitung<\/p>\n\n\n\n<p>G3, Restaurant, Z\u00fcrich, Gesch\u00e4ftsleitung<\/p>\n\n\n\n<p>G4, Restaurant, Z\u00fcrich, Gesch\u00e4ftsleitung<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>4.3 Transkription und Inhaltsanalyse<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Schweizer Dialekt legt eine w\u00f6rtliche Transkription nahe. Eine Umschrift ins Deutsche w\u00fcrde zwangsl\u00e4ufig Aussagen in ihrem Sinngehalt verzerren. Um keine Information zu verlieren, sollen auch Seufzer, Lacher etc. transkribiert werden. Damit ist man bei der kommentierten Transkription (Gl\u00e4ser-Zikuda 2011: 111). Gewisse Stellen der Interviews wurden aufgrund fehlender Relevanz gar nicht transkribiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse richtet sich nach den Techniken der Qualitativen Inhaltsanalyse (Gl\u00e4ser-Zikuda 2011: 113). Insbesondere die Zusammenfassung und die Explikation sind hier zentral. In erster Linie sollen die relevanten Motive herausgearbeitet und expliziert werden. Hier erschien die Unterscheidung von Motiven, die hinter der Befolgung oder Nichtbefolgung der Massnahmen stehen und jenen, die zu eigenen Adaptionen f\u00fchrten, sinnvoll. Letztere bilden n\u00e4mlich die ohnehin schon vorhandene gesellschaftliche Bereitschaft zur Adaption ab. Auf dieses Fundament \u2018treffen\u2019 die Top-Down Regelungen von den Beh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem zweiten Schritt sollen die Hypothesen einer Pr\u00fcfung unterzogen werden. Die Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen soll zusammentragend ermittelt werden, da sie f\u00fcr zwei der drei Hypothesen eine zentrale Rolle spielt. Diese Analyse strukturiert sich nach den in Kapitel 3 gewonnenen Hypothesen. Selbstverst\u00e4ndlich soll auch diese Eingrenzung nicht daran hindern, Beobachtungen zu machen, die von den Hypothesen nicht erfasst sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fragestellung und der Querschnittscharakter der erhobenen Interviews haben zur Folge, dass die zugrundeliegenden Prozesse, deren Untersuchung sich im Rahmen qualitativer Forschung anbieten w\u00fcrde, eine hintergr\u00fcndige Rolle in der Analyse einnehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>4.4 Weitere \u00dcberlegungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Einige \u00dcberlegungen verbleiben zum methodischen Vorgehen. Erstens \u2013 das ist bis jetzt noch nicht ausdr\u00fccklich festgehalten, nur angedeutet worden \u2013 arbeite ich seit mehreren Jahren selbst in einem Restaurant. Das bedeutet zweierlei: einerseits verf\u00fcge ich \u00fcber Vorwissen, andererseits besteht dadurch die Gefahr der Betriebsblindheit. Eine Methode, diesem Tatbestand zu begegnen, habe ich nicht gefunden, daher soll hier der Verweis darauf gen\u00fcgen, dass mir dieser Sachverhalt bewusst und ich auf eine m\u00f6glichst verst\u00e4ndliche Deutung und gr\u00fcndliche Explikation abziele. Das Problem ist aber meines Erachtens auch nicht so akut, weil die Gastronomie wohl nicht das Paradebeispiel f\u00fcr eine Expertenwirtschaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interviewsituation erscheint aber unter diesem Aspekt in neuem Licht. Nutzt man die M\u00f6glichkeit zur \u2018Verbr\u00fcderung\u2019, zur Kameradschaftlichkeit, um eine gel\u00f6stere Stimmung zu erzeugen? Ich habe mich dagegen entschieden, weil hier auch andere Gef\u00fchle mobilisiert werden k\u00f6nnten. Ein ohnehin nicht wirklich f\u00fcr die Befragungspersonen greifbares Interview \u00fcber die Massnahmen und die Umsetzung davon in ihrem Betrieb, gef\u00fchrt von einem Mitarbeiter der Konkurrenz \u2013 da liegt schnell auch mal ein Spionageverdacht in der Luft. Der w\u00e4re nat\u00fcrlich \u00e4usserst sch\u00e4dlich. Deshalb werde ich meine eigene Anstellung verschweigen. Um Interviewereffekte zu umgehen, habe ich mich f\u00fcr m\u00f6glichst \u2018normale\u2019 Kleidung entschieden: Jeans, schwarzer Pullover, Parka. Zu guter Letzt wurden die Befragungspersonen darauf hingewiesen, dass ihre Aussagen nur in einem wissenschaftlichen Sinne gebraucht werde, sie also keine Folgen der Interviews zu f\u00fcrchten haben.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>5 Analyse<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>5.1 Motive zur selbst\u00e4ndigen Adaption<\/h2>\n\n\n\n<p>Betrieb G1 hatte schon am Abend vor dem Lockdown zugemacht. Auf die Frage, ob das wegen den G\u00e4sten war, antwortet P:<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: D G\u00e4st, ja. Ich bi so recht psycht gsi weg de villne L\u00fct und s isch recht en sch\u00f6ne Sunntig gsi am Tag, und Sie hend da e mega Party duss gha, aso s sind eifach mega vill L\u00fct da gsi. Und ich ha au chli es schlechts Gw\u00fcsse gha weg de Mitarbeiter und f\u00fcr mich und L\u00fct. Bin denn eigentlich froh gsi wos zuegmacht hend. (Interview 2, Abs. 8)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein dicht gef\u00fcllter Platz, ein erh\u00f6htes Risiko. Zwei Komponenten lassen sich hier extrahieren: zum einen war die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin besorgt, zum anderen ging es ihr auch um den Schutz der Mitarbeiterinnen. Das l\u00e4sst sich vor dem Hintergrund der damaligen Situation besser verstehen: der Bundesrat hat zwei Tage zuvor den Lockdown ausgerufen, die ganze Welt brannte vor Aufregung. Ihr ging es um den Schutz ihrer eigenen physischen Integrit\u00e4t und der ihrer Mitarbeitenden. Auch folgender Auszug l\u00e4sst sich so verstehen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: Hey halt Abst\u00e4nd, meh. Mier hend zum Gl\u00fcck\/es isch so sch\u00f6n Wetter gsi und ah mier hend dine mal zue gha vorerst. Will mer gfunde hend d L\u00fct ch\u00f6nnd dusse hocke, da m\u00fcmmer n\u00f6d no es paar ade Bar ha womer denn ja n\u00f6d weiss\u2026 und denn hemmer dinne zuegha und dusse hemmer d\u00f6ffe me stuehle, mier hend en mega grosse Platz. (Interview 2, Abs. 30)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier muss angemerkt werden, dass diese \u2018eigenst\u00e4ndige\u2019 oder \u2013 besser gesagt \u2013 weitergehende Massnahme nicht unabh\u00e4ngig von der wirtschaftlichen Situation des Betriebs war. Eine Pandemieversicherung entlastete den Betrieb G1 erheblich; zus\u00e4tzlich bekam der Betrieb von der Stadt einen gr\u00f6sseren Platz draussen zugesprochen. Ein gr\u00f6sserer wirtschaftlicher Druck h\u00e4tte das auch anders aussehen lassen k\u00f6nnen. Das gab dann auch die Luft, die n\u00f6tig war, um sich mit den Arbeitsbedingungen auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: [\u2026] \u2026 me het auno Mitarbeiter wo sich w\u00e4nnd wohl f\u00fchle bim schaffe\u2026 [\u2026] (Interview 2, Abs. 80)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Betrieb G4 hat das Personal fr\u00fcher damit angefangen, Masken zu tragen, als es eigentlich verlangt war. Auf die Frage, wieso das so war, antwortet S:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: [\u2026] und ebe, s isch au will me gw\u00fcsst het wenn s ganze Team mit Maske schaffet und es isch nacher irgenden Fall denn m\u00fcnd n\u00f6d all in Quarant\u00e4ne. (Interview 4, Abs. 54)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt man sich furchtlos. Von Schutz der physischen Integrit\u00e4t ist keineswegs die Rede, es geht um wirtschaftliche \u00dcberlegungen. Spezifischer: um die Unterbindung von \u00dcbertragungsketten im Restaurant, und, weitergehend, um eine Umgehung der Quarant\u00e4nepflicht f\u00fcrs ganze Team und damit der Stilllegung des Betriebs. \u00c4hnliche \u00dcberlegungen fanden auch im Betrieb G3 statt, allerdings mit lascherem Ergebnis:<\/p>\n\n\n\n<p><em>C: [\u2026]&nbsp;de Monti, kennsch de? De het denn mal m\u00fcsse go teste, dr\u00fc T\u00e4g n\u00f6d ch\u00f6nne go schaffe, will er warted und so, isch denn aber alles guet gsi\u2026aber jetzt ischer wieder in Quarant\u00e4ne, will sini Kollege sind anschinend positiv. [\u2026] Mier hend ja es grosses Team, oder. Aber: was isch denn, wenn ich oder de Choch positiv sind, richtig, das weissi au n\u00f6d, es wird denn immer verr\u00fcckter. Ich ha allne denn au gseit, sie s\u00f6lled underenand e chli Abstand halte. (Interview 3, Abs. 37)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das antwortet C auf meine Frage, ob der rasante Anstieg im Oktober etwas im Betrieb ver\u00e4ndert habe. Ein Indiz daf\u00fcr, dass die soziale N\u00e4he des SARS-CoV-2 durchaus verhaltenssteuernde Kraft hat. Dazu auch S vom G4:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Hender det scho \u00f6pper kennt oder im Umfeld gha wo Corona gha hett?<br><br>S: Nei, gar n\u00f6d. Aber mir hend denn so Sitzige gha und hend viel dr\u00fcber gredet, dasses euis wie zwiit weg isch da Ganze, dassd wie niemert kennsch wo erchrankt isch. Oder du kennsch au niemert wo \u00f6pper kennt wo erchrankt isch, also dass es wie\u2026 das alles n\u00f6d so richtig griifbar gsi isch. Und vo dem her d Massnahme scho sehr h\u00e4rt gsi sind, f\u00fcr das dasses dich selber eigentlich n\u00f6d betroffe het. (Interview 4, Abs. 12)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die soziale Distanz des SARS-CoV-2 ist <em>e contrario<\/em> ein Umstand, der die perzipierte H\u00e4rte der Massnahmen versch\u00e4rft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>5.2 Motive zur Befolgung oder Nichtbefolgung der Massnahmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Normbezug alleine kann auch Motiv genug sein f\u00fcr eine Handlung. Oder zumindest der Normverweis, wenn man danach fragt, wieso man etwas gemacht habe:<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: He\u2026 it\u2019s the law! (schmunzelt) (Interview 2, Abs. 60),<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>sagt P vom Betrieb G1, als ich sie frage, wieso sie die Personendaten erhoben haben. Und auch die Gesch\u00e4ftsleitung des G3, die sonst eigentlich ausschweifende Antworten gibt, erwidert knapp, als ich sie frage, wieso sie die Tischabst\u00e4nde eingef\u00fchrt haben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>C: Ja das isch Vorschrift! (Interview 3, Abs. 23)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Hinweis auf die selbsterf\u00fcllende Kraft von Normen. Allerdings kann sich in diesen kleinen Aussagen auch der Verweis darauf verstecken, dass mit einem Normbruch eine Sanktion einhergeht, und dass deshalb die Massnahmen umgesetzt werden. C jedoch scheint nicht wirklich eine Patrouille und potentielle Sanktionen zu bef\u00fcrchten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Und isch denn da mal \u00f6pper cho?<br><br>C: Neei. Es isch niemert cho. Wieso weissi aun\u00f6d. Aber ich glaube \u00fcberhaupt nirgends isch \u00f6pper cho. (Interview 3, Abs. 23)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gar keine Rolle spielen tut die Polizei dann aber auch nicht. Im G2 heisst es, man habe widerwillige G\u00e4ste dazu gezwungen, ihre Kontaktdaten anzugeben, weil:<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: Ja nei scho weg de Gwerbepolizei. Aso ich mein wenns ch\u00f6med und mier Buess \u00fcberch\u00f6med\u2026 und schlussendlich hockemer all im gliiche Boot, aso weisch wenn ich jetzt gahne irgendwo go esse mussis ja au mache oder. Aso come on, bisch ja eh \u00fcberwacht scho vo \u00fcberall mitem Pass, biometrische Pass und Schissdr\u00e4ck blabla. (Interview 1, Abs. 83)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zur Furcht vor der Busse gesellt sich aber gleich noch der Gedanke an die kollektive, alle angehende Betroffenheit: der Appell an die Solidarit\u00e4t. Hier ist interessant zu sehen, dass eine Sanktion bef\u00fcrchtet wird, die ja eigentlich gar nicht im Raum steht. Unklarheit \u00fcber die Geltung und beh\u00f6rdliche Umsetzung von Rechtsnormen kann also auch \u2013 entgegen der \u00fcblichen Auffassung, die davon ausgeht, dass Unklarheit die Verhaltensgeltung beeintr\u00e4chtigt \u2013 dazu f\u00fchren, dass die Rechtsnorm besser umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sorge um das Wohl der G\u00e4ste und der Mitarbeiter war im G1 bei hohen Besuchszahlen auch relevant. Der Grund, wieso P einen Einlassstopp veranlasst hat, war:<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: He will halt u vill G\u00e4st \u2013 aso s isch halt e Fuessballbar und ich ha denn wies Gf\u00fchl gha vode G\u00e4st die findeds au n\u00f6d easy wenn hinder dier \u00f6pper so n\u00f6ch isch, musch irgendwie trotzdem chli uf Abstand luege\u2026 und mier hend doch \u2013 aso s Personal die w\u00e4nd da ja durrelaufe irwie in Rueh und n\u00f6d st\u00e4ndig m\u00fcesse acho a allne\u2026 Ja, deswege. (Interview 2, Abs. 48)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt auch Motive, die einen Bezug zum Auftreten gegen\u00fcber den G\u00e4sten haben. Wie in der ersten Hypothese bereits angedeutet, ist das Erwecken von Vertrauensw\u00fcrdigkeit ein durchaus relevanter Motivator:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: \u00c4hm\u2026 mier hend im Allgemeine eifach welle zeige, dass mir das Thema ernst nehmed \/dass mier n\u00f6d liechtsinnig mit dere Situation umg\u00f6nd\u2026 zum g\u00e4g use symbolisiere dass mier euisi Verantwortig wahrnemed. (Inerview. 4, Abs. 30)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich ist auch die m\u00f6gliche Publizit\u00e4t eines Spreader-Events ein Grund f\u00fcr die Befolgung von Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: Ja\u2026 he ich ha eifach au n\u00f6d welle dass ide Medie staht \u00abbim Fuessball luege hend sich alli agschroue und agsteckt\u00bb und so. (Interview 2, Abs. 90)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch technische, wissensbezogene Motive sind relevant:<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: Warum? (\u00dcberlegt) Ja will ich gh\u00f6rt han dass de Virus nach zwei Meter an Bode gheit (lacht) und nacher n\u00fcmm chan d L\u00fct astecke. (Interview 1, Abs. 65)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Gesetzgeber tritt hier nicht als demokratisch legitimierter Herrschaftsapparat auf, sondern als Hort der Expertise. Seine Entscheidungen sind mehr Funktion seines Wissens als Resultat politischer Auseinandersetzungen. Hierin k\u00f6nnte man einen Hinweis auf eine latente Funktion der Regelwerke sehen, \u00fcberhaupt akzeptierte, normierte Wissensbest\u00e4nde zu etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Richtung dieser Aussage wird pr\u00e4gnanter, wenn man sich die Aussagen der Gesch\u00e4ftsleitung von C vom G3 zur Rolle der Regierung vor Augen h\u00e4lt. Es ist kein Zufall, dass das alte Eisen die Auseinandersetzung um die Massnahmen anders versteht als die j\u00fcngeren Generationen<a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>. Er sieht das Politikum, das Polemisieren der Parteien:<\/p>\n\n\n\n<p><em>C: Aber de Verbandschef, das isch au en SVPler, het Druck druf gmacht, \u00abjetzt muess wieder ufgah\u00bb, \u00abd L\u00fct m\u00fcnd Selbstverantwortig \u00fcberneh\u00bb\u2026 und das isch sones Schlagwort, wo absolute Scheiss isch. Und immer ch\u00f6med die Liberale mit dem Schlagwort, sie hends Gf\u00fchl, das seg passend f\u00fcr alles. (Interview 3, Abs. 9)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sieht auch C die Beh\u00f6rden ausgestattet mit Expertenwissen, also besserem oder umfangreicherem Wissen, und will sich deswegen nicht zu einer Beurteilung der Massnahmen hinreissen lassen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Jetz e chli e allgmeineri Frag: Wie bewertisch du s Vorgah vode Beh\u00f6rde, die Massnahme zur Bek\u00e4mpfig vom Virus?<br><br>C: Ich bi da chli fatalistisch und akzeptier das. Aso will ichs n\u00f6d besser weiss, darum. Ich cha mier ja n\u00f6d amasse, \u00f6ppis zsege. (Interview 3, Abs. 41)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Motiv wirkt der Umsetzung entgegen. Auf meine Frage, wieso man keine Tischw\u00e4nde habe, antwortet man mir im Betrieb G2:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Das heisst es gaht um d Aschaffigschoste.<br><br>M: Ja. Und au wegem Ussehe, wegem Charme. (Interview 1, Abs. 116)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Adaptionen kosten nat\u00fcrlich, und wer nicht investierfreudig ist, der wird die Massnahmen weniger gut umsetzen. Das Motiv der \u00c4sthetik findet sich auch im G3:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Und mit de Optik, was meinsch da?<br><br>C: Ja mier hend dusse sone Art T\u00fcecher gmacht. Das isch immerno so chli sch\u00f6ner gsi als das mitem Plexiglas. Das findi unm\u00f6glich. (Interview 3, Z. 17)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso im Betrieb G4:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: Aso bi euis isch halt\u2026 aso s [G4] lebt mega fest vom de Atmosph\u00e4re, vode Iirichtig dinne. Und drum\/aso euis isch vo Afang a klar gsi dass mer n\u00f6d die Nullachtf\u00fcfz\u00e4-Plexiglasschibe und alles w\u00e4nnd inetue wie alli andere h\u00e4nd\u2026 (Interview 4, Abs. 26)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Plexiglas scheint das grosse Schreckensgespenst zu sein. Gut m\u00f6glich, dass diese Kongruenz auch der sozialen N\u00e4he der Betriebe geschuldet ist. Jedenfalls ist festzuhalten, dass Massnahmen, die stark in das Erscheinungsbild eines gastronomischen Betriebs eingreifen, weniger Chancen auf eine gute Verwirklichung haben. Die Aussage klingt gar nach kultureller Distinktion: \u00abnicht wie alle anderen\u00bb ist ein Motiv, das bei der Umsetzung dieser Massnahme eine Rolle spielt und deutet in die Richtung der Hypothese zwei.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>5.3 Hypothesen<\/h2>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst sollen die Transkriptionen auf Indizien zur Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen untersucht werden. Sp\u00e4ter werden die Ergebnisse dieser Analyse bei den jeweiligen Hypothesen wieder aufgegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrieb G1 hat eigenst\u00e4ndige (teure) Massnahmen ergriffen. Die Einhaltung der Vier-Personen-Regel hat sich als derart schwierig erwiesen, dass der Betrieb eine zus\u00e4tzliche Arbeitskraft installierte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Das sich wahrschinnli au no schwierig gsi das umzsetze\u2026<br><br>P: Ja\u2026 Ja. Mier hend denn \u00f6pper gha wo uf das ufpasst het. (Interview 2, Abs. 40)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hat nat\u00fcrlich auch mit der Gr\u00f6sse des Betriebes zu tun, der im Sommer im Aussenbereich 120 Pl\u00e4tze z\u00e4hlen kann. Trotzdem l\u00e4sst sich eine klare Differenz zum benachbarten G2 erkennen, der seinerseits auch \u00fcber 100 Pl\u00e4tze verf\u00fcgt. In ihrem Fall hat die Regel dazu gef\u00fchrt, dass die G\u00e4ste stehend konsumierten, was eigentlich ein Normverstoss ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: Ja voll, ja. Und ebe die Vier-Persone-Regle \u2013 das het denn dezue gf\u00fchrt dassd L\u00fct eifach gstande sind (Interview 1, Abs. 108)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrieb G4 hatte mit dem gleichen Problem zu k\u00e4mpfen \u2013 und l\u00f6ste es auf die gleiche Art wie G1:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: \u2026 und ja, mer het denn eifach m\u00fcsse merke dass mer ei Person bruched bl\u00f6d gseit wo am Fritig alles am durezehle isch und am mache\u2026 will es isch chli chaotisch worde, me het denn n\u00f6d so en guete \u00dcberblick. (Interview 4, Abs. 18)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist der Betrieb G3 durchaus reflektiert bez\u00fcglich einer m\u00f6glichen Inkonsequenz:<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: Wie mirs umsetzed? Ja ich glaube mir sind da eher chli zlocker oder lockerer als die Andere\u2026 Ich meine mir hend mega lang ohni Maske gschaffet, ohni Schutzw\u00e4ndli, woni a andere Ort \u00fcberall gse han. (Interview 1, Abs. 122)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich im Betrieb G1 bei der Reflexion \u00fcber das eigene Verhalten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Was hetteder besser ch\u00f6nne mache?<br><br>P: (\u00fcberlegt) \u00c4hm, ich glaube irgendw\u00e4nn simmer so chli zstreng gsi, so mit \u00abihr d\u00f6ffed n\u00f6d inecho\u00bb. (Interview 2, Abs. 82)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich dem G3 l\u00e4sst sich festhalten, dass das Speiserestaurant mit ganz anderen Besucherzahlen konfrontiert war, sich also eine spezielle betriebsinterne Massnahme gar nicht aufdr\u00e4ngte. Der Ton, den C anschlug, als ich ihn \u00fcber die \u00c4nderungen im Betrieb befragte, verr\u00e4t dann aber doch einiges \u00fcber die Gr\u00fcndlichkeit der Umsetzung der Massnahmen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>C: Jaa, das mit de Abst\u00e4nd hemmer versuecht izhalte, und mier hend versuecht optisch au zmache, dass das gaht. Und es isch verusse gsi.<br><br>F: Du hesch den also nur dusse serviert?<br><br>C: Ja dine w\u00e4r au kein Mensch choo.<br><br>F: Und mit de Optik, was meinsch da?<br><br>C: Ja mier hend dusse sone Art T\u00fcecher gmacht. Das isch immerno so chli sch\u00f6ner gsi als das mitem Plexiglas. Das findi unm\u00f6glich.<br><br>F: Und die Tischabst\u00e4nd hesch versuecht zmache seisch, het das klappet?<br><br>C: Ja-a. Da ja eh weniger L\u00fct cho sind. Mummer also au sege. [\u2026] (Interview 3, Abs. 19)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Er sagt nicht: wir haben es eingehalten, sondern: wir haben es <em>versucht<\/em>. Und die T\u00fccher, die installiert wurden, gen\u00fcgten den Materialvorgaben einerseits und den L\u00e4ngenmassen andererseits nicht. Die Erfassung der Personendaten im G3 erfolgte sodann \u00e4hnlich lasch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Und d Personedate, die hender erfasst?<br><br>C: Ja, da hemmer sones Buech det vorne und das isch erstuunlich guet lauft das. Aso ich ha denkt es git vill L\u00fct wo sich sperred degege. (Interview 3, Abs. 35)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stellt man dem die Antwort von S vom G4 gegen\u00fcber, die erz\u00e4hlt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: \u2026 und jetzt sit zwei M\u00f6net hemmer en QR-Code, wo sichd L\u00fct ch\u00f6nnd registriere. Am Afang het mer d G\u00e4st w\u00fckki m\u00fcsse druf ufmerksam mache und nahkontrolliere und jetzt isch das en Selbstl\u00e4ufer eigentlich. (Interview 4, Abs. 28),<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>dann sticht der Unterschied doch ins Auge. Ein Nachkontrollieren und Aufmerksammachen ist etwas anderes als ein Buch auf den Tresen zu legen. Nach bisher Gesagtem erscheint es gerechtfertigt, die Betriebe in ihrer Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen grob zu unterteilen:<\/p>\n\n\n\n<p>G1 &amp; G4: <em>h\u00f6here <\/em>Konsequenz<\/p>\n\n\n\n<p>G2 &amp; G3: <em>tiefere <\/em>Konsequenz<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist das eine Vereinfachung und vernachl\u00e4ssigt Nuancen. F\u00fcr die Zwecke dieser Arbeit soll die Kategorisierung aber gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>1<\/strong><\/sub>: Gr\u00f6ssere Betriebe wollen eher Vertrauensw\u00fcrdigkeit erwecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben oben schon gesehen, dass die Reputation \u2013 zumindest medial \u2013 f\u00fcr den Betrieb G1 eine Rolle spielte. Auch S vom G4 stimmt einen \u00e4hnlichen Ton an, als ich sie frage, wieso sie die Personendaten so erhoben haben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: \u00c4hm\u2026 mier hend im Allgemeine eifach welle zeige, dass mir das Thema ernst nehmed \/ dass mier n\u00f6d liechtsinnig mit dere Situation umg\u00f6nd\u2026 zum g\u00e4g use symbolisiere dass mier euisi Verantwortig wahrnemed. (Int. 4, Abs. 30)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Man tr\u00e4gt nach aussen, dass man die Situation ernst nimmt \u2013 und dass sich der Gast nicht davor f\u00fcrchten muss, sich an einen Tisch mit einer Kolonie Viren drauf zu setzen. Solche Aussagen sind in den Transkriptionen vom G3 und dem G2 nicht zu finden. Klassifiziert man beide als kleinere Betriebe, was angemessen ist \u2013 der Betrieb G2 z\u00e4hlt etwa f\u00fcnfzig Innenpl\u00e4tze, G3 noch weniger \u2013 so kann an der ersten Hypothese festgehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>2<\/strong><\/sub><strong>:<\/strong> Die Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen hat einen motivischen Bezug zur Identit\u00e4t des Betriebs.<\/p>\n\n\n\n<p>Im G1 hat man die Massnahmen vergleichsweise konsequent umgesetzt. Das findet auch P. Und liefert am Schluss ein W\u00f6rtchen, um das zu kennzeichnen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: Ich find euise Betrieb hets sehr guet gmacht. (Interview 2, Abs. 78)<br><br>P: (lacht laut) Streberbar! (Interview 2, Abs. 96)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses W\u00f6rtchen bezieht sich sehr wahrscheinlich nicht auf die Klientel \u2013 es ist eine Sportbar \u2013, sondern auf das eigene Verhalten in der Krise. Fast \u00fcberfl\u00fcssig zu sagen, dass sich als Streber zu sehen einen Inhalt der Identit\u00e4t darstellt. Wobei vielleicht angemerkt werden muss, dass der Streber ein positiv devianter Akteur ist \u2013 nicht unbedingt der, der h\u00f6heres gesellschaftliches Prestige beansprucht. Es passt jedenfalls gut zu der Selbstbeschreibung, die eigene teils zu strenge Umsetzung der Massnahmen betreffend, die oben schon herausgearbeitet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrieb G2 habe mehr alternative G\u00e4ste, sagt M:<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: [\u2026] Ich find mier hend da no vill so chli alternativi L\u00fct wo nacher so findet \u00abNei mini Date\u00bb und blablabla\u2026 [\u2026] (Interview 1, Abs. 79)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ergibt dann ein stimmiges Bild, wenn man diese Aussage dazunimmt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Und was meinsch, a was isch das glege, dass ihr das lockerer gmacht hend?<br><br>M: Pfuh, ich weisses aun\u00f6d. Ich glaub s liit so a euisem ganze Team e chli, es sind alli so chli easy druff (Interview 1, Abs. 124)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Verweis auf eine gewisse F\u00e4rbung des Klientels ist kein direkter Bezug zur Identit\u00e4t des Betriebs. Gleichwohl beinhaltet es eine Selbstbetrachtung von aussen, eine Identifikation einer Eigenschaft, die heraussticht und auszeichnend ist. Dass M die konkrete Umsetzung der Massnahmen im Betrieb mit der Lockerheit des Teams erkl\u00e4rt, ist bezeichnend f\u00fcr den motivischen Bezug zur Identit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>S vom Betrieb G4 beschreibt die Kundschaft ihres Betriebs als unerschrocken.<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: Mier merked s eigentlich meh wieder sits mit de neue Massnahme isch. Aso bi euis w\u00fcrded d L\u00fct ebe scho cho w\u00e4nns d\u00f6rfded cho. Aso weisch wieni meine, es isch wie\u2026 (Interview 4, Abs. 48)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und gibt sich selbst auch betont furchtlos: vom Schutz der Mitarbeitenden ist nur im wirtschaftlichen Sinne die Rede, und eigentlich w\u00fcrde sie am liebsten 30 Personen im Laden haben, die bis morgens um zwei Uhr Party machen (Interview 4, Abs. 60). Diese unaufgeregte Haltung schwingt dann auch mit, wenn sie das Verhalten ihres Betriebes sozial verortet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>S: [\u2026] w\u00fcri sege sind mier im guete Mittelfeld irgendwie\u2026aso mier halted euis ad Regle aber es isch n\u00f6d so dass alles nur nach Corona schreit da ine, mier probiered de Betrieb m\u00f6glichst normal halte und die Massnahme umzsetze. (Interview 4, Abs. 64)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wobei man hier auch ablesen kann, dass man dazu neigt, sich im Mittelfeld \u2013 also zwischen den unverst\u00e4ndlichen Extremen \u2013 einzuordnen. Nicht zu lasch, nicht \u00fcberstreng: so klingt es dann auch bei P.<\/p>\n\n\n\n<p><em>P: Ich find mier hend e gueti Mischig zw\u00fcsched mier nehmeds ernst aber mier gheied n\u00f6d voll \u00fcbere. Und es isch immer so chli e Gratwanderig gsi zw\u00fcsched me muess halt chli Geld mache aber me het auno Mitarbeiter wo sich w\u00e4nnd wohl f\u00fchle bim schaffe\u2026 Das isch mier denn amigs no wichtig gsi\u2026ja und mer muess no chli Geld mache. (Interview 2, Abs. 80)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>C vergleicht sich, als ich ihn frage, nur im Hinblick auf die Rentabilit\u00e4t mit anderen Betrieben. \u00dcber dem Gespr\u00e4ch mit ihm h\u00e4ngt ohnehin die dr\u00fcckende Last der wirtschaftlichen Prekarit\u00e4t, in der er sich befindet. Sie ist so vordergr\u00fcndig, dass sie andere Aspekte verdr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen also sagen, dass Identit\u00e4t einen Zusammenhang mit der Konsequenz der Umsetzung der Massnahmen haben kann, aber nicht muss. In ihrem starken Wortlaut, n\u00e4mlich, dass dieser motivische Bezug zur Identit\u00e4t immer existiert, muss sie als falsifiziert betrachtet werden. Gleichwohl konnten Bez\u00fcge gefunden werden \u2013 und die Verweise auf das Klientel des jeweiligen Betriebs deckten sich auf bemerkenswerte Weise mit der Sicht auf die eigene Umsetzung der Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong><sub><strong>3<\/strong><\/sub>: Werden die Mittel stark durch die Massnahmen angegriffen, ist die Umsetzung der Massnahmen weniger konsequent.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Betrieb G3 ist die finanzielle Krise omnipr\u00e4sent:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Chasch du dich churz vorstelle?<br><br>C: Ich heisse [C] und bin sit f\u00fcfzg Jahr im Gastgwerb\u2026 und bin eigentlich scho pensioniert. Aber erstens hani kei Geld [\u2026] \u2026 aso wenn jetzt mini Frau n\u00f6d w\u00fcr schaffe und <\/em>(seufzt)<em> ja, e chli besser gstellt isch als ich, denn hetti e riise Krise. (Interview 3, Abs. 2)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ohnehin schon kleine Restaurant musste seine Platzzahl w\u00e4hrend der Krise zur\u00fcckschrauben. Damit wurden die Mittel angegriffen, einen rentablen Umsatz zu erzielen. Wir haben oben gesehen, dass der Betrieb G3 die Massnahmen weniger konsequent umgesetzt hat. Allerdings haben wir auch bemerkt, dass eine h\u00f6here Anzahl an G\u00e4sten zu einer besseren Umsetzung f\u00fchren kann. Da im G3 nur wenige G\u00e4ste verkehrten, k\u00f6nnte die Laschheit hier auch einfach den knappen Besucherzahlen geschuldet sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im G2 sind die Innenpl\u00e4tze auch stark dezimiert worden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>M: Im Moment? 24, 25\u2026<br><br>F: Und vorher?<br><br>M: Ja, pfuh, meh als dopplet so vill. (Interview 1, Abs. 89)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings erst mit Wirkung jetzt im Winter. Im Sommer n\u00e4mlich war das Gegenteil der Fall. Mehr Pl\u00e4tze haben zu Rekordums\u00e4tzen gef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>F: Das heisst de Summer isch au guet gloffe?<br><br>M: So guet wie no nie. (Interview 1, Abs. 53)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Mittel wurden nicht beschr\u00e4nkt, sie wurden in eklatanter Weise erweitert. Die Umsetzung der Massnahmen war aber, das haben wir bereits gesehen, eher inkonsequent. Hier w\u00e4re eine weitere Untersuchung bez\u00fcglich der Umsetzung der Massnahmen im G2 im Winter aufschlussreich gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil der Betrieb G3 eben nicht viele G\u00e4ste hatte, waren die beschnittenen Mittel (die tiefere Anzahl an Pl\u00e4tzen) m\u00f6glicherweise gar nie ein relevanter Faktor. F\u00fcr die dritte Hypothese konnte kein Zusammenhang gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>6 Ergebnisse<\/h1>\n\n\n\n<p>Was sind die relevanten Motive? Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass ein breites Spektrum an Motivatoren (und Inhibitoren) aufzufinden ist. Die vorliegende Untersuchung hat einen \u2013 keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erhebend \u2013 Einblick in die Wirklichkeit des Gastgewerbes gegeben. Folgende Motive konnten gefunden werden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Schutz der eigenen physischen und psychischen Integrit\u00e4t und jene der Mitarbeiter,<\/li>\n\n\n\n<li>das Wohl der G\u00e4ste,<\/li>\n\n\n\n<li>das Erwecken von Vertrauensw\u00fcrdigkeit,<\/li>\n\n\n\n<li>Unterbindung von betriebsinternen \u00dcbertragungsketten und damit der Stilllegung des Betriebs,<\/li>\n\n\n\n<li>die Sanktion (&amp; die putative Sanktion),<\/li>\n\n\n\n<li>die Rechtsnorm,<\/li>\n\n\n\n<li>das bessere Wissen der Beh\u00f6rden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Wobei man sagen kann, dass 1) und 2) direkt vom Schutz des Lebens abgeleitet sind; 3) und 4) wirtschaftlichen Hintergrund haben und 5) bis 7) einen klaren Bezug zu den beh\u00f6rdlichen Massnahmen haben, wobei sich bei der Sanktion auch wirtschaftliche Aspekte beimischen. Ein eindeutiger Inhibitor konnte ebenfalls ausfindig gemacht werden: die \u00e4sthetische Ad\u00e4quatheit der Umsetzung der Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Hypothese wurde nicht falsifiziert. Die \u2018grossen\u2019 Betriebe haben die Massnahmen deutlich besser umgesetzt und waren eher darauf bedacht, ein gutes Bild abzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die zweite Hypothese gibt es klare Hinweise. Die Bez\u00fcge zur Identit\u00e4t waren in drei von vier F\u00e4llen augenscheinlich. Dar\u00fcber hinaus war auch die Umsetzung der Tischw\u00e4nde eine Distinguierungsm\u00f6glichkeit, die auch vom Betrieb G3 (der Betrieb, in dem kein motivischer Bezug zur Identit\u00e4t gefunden werden konnte) als solche wahrgenommen wurde. Insgesamt kann man sagen, dass das Gesamtpaket der Umsetzung der Massnahmen auch ein Akt der sozialen Positionierung war. Sowohl das \u2018gute\u2019, \u2018strenge\u2019 Befolgen wie auch das \u2018l\u00e4ssige\u2019, \u2018entspannte\u2019 Befolgen waren Inhalte, die die Befragten zur Selbstbeschreibung anf\u00fchrten. Mit anderen Worten: tiefere Konsequenz in der Umsetzung der Massnahmen kann durchaus auch attraktiv sein, weil es einen auszeichnen kann (angenommen, die physische Integrit\u00e4t ist hintergr\u00fcndig und alle anderen befolgen die Massnahmen brav). Es erscheint damit geradezu als notwendig, dass die Umsetzung der Massnahmen an verschiedenen Orten unterschiedlich ausf\u00e4llt. Versteht man die zweite Hypothese probabilistisch \u2013 was meines Erachtens angemessen ist \u2013, kann an ihr festgehalten werden. Es ergeben sich aber Probleme: die genaue Beziehung zwischen Identit\u00e4t und der Umsetzung der Massnahmen ist unklar. Es ist gut denkbar, dass sich der Bezug zur Identit\u00e4t im Nachhinein herstellt, in reflektierender Manier also, und dass sie beim eigentlichen Handeln gar keine Rolle spielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Hypothese, die Beschneidung der Mittel betreffend, muss verworfen werden. Es konnte kein Zusammenhang gefunden werden. Allerdings ist hier zu sagen, dass die Vermutung, dass die wirtschaftliche Situation einen Zusammenhang hat mit der Umsetzung der Massnahmen, durchaus nahe liegt. Wirtschaftliche Prekarit\u00e4t eines Betriebs scheint die Bedeutung einer guten, vorbildlichen Umsetzung zu verdr\u00e4ngen. Gleichzeitig bef\u00e4higt die wirtschaftliche Sorglosigkeit zur Sorge um das, was dem Menschen nach g\u00e4ngiger Auffassung am wichtigsten ist: den Schutz der Gesundheit. Auf subtile Weise stellen die Ergebnisse damit die Hierarchie der menschlichen Bed\u00fcrfnisse in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gilt es anzumerken, dass der hypothesenpr\u00fcfenden Leistung in dieser Arbeit vor allem eine explorative Rolle zuzuschreiben ist. Die erste und die zweite Hypothese w\u00fcrden sich f\u00fcr eine Untersuchung mit breiter Datengrundlage gut eignen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr interessant ist die Rolle der staatlichen Gewalt als Wissensmacht. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass der Bundesrat (und die kantonalen Regierungen) auf eine Situation traf, in der nach neuen institutionalisierbaren Verhaltensweisen gesucht werden musste. Es war nicht der Fall, dass es im Alltagsleben schon etablierte Vorstellungen dar\u00fcber gab, was zu tun war, und die beh\u00f6rdlichen Massnahmen dann aus diesen \u2018herauswuchsen\u2019. Die Massnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 haben einen Top-Down-Charakter. Es stellt sich damit die Frage nach der Legitimation der Herrschaft; wir haben gesehen, dass diese unter anderem auch auf dem Kanal des besseren Wissens erfolgt. \u00dcberhaupt werden die Massnahmen nicht als Ergebnis eines gesellschaftlichen Verst\u00e4ndigungsprozesses interpretiert, sondern als bestm\u00f6gliche L\u00f6sung aufgrund des bestehenden Wissensvorrats. Hierin kann man durchaus die Foucaultsche (Foucault 2006) Biopolitik best\u00e4tigt sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Befund, dass der Verweis auf eine Rechtsnorm gen\u00fcgt, um eine Handlung motivisch zu erkl\u00e4ren, ist denn schon auch bemerkenswert. Kaum einer w\u00fcrde im allt\u00e4glichen Leben eine solche Erkl\u00e4rung einfach hinnehmen; dazu m\u00fcsste man zum Beispiel noch sagen: \u00abIch wollte nicht ausscheren\u00bb. Hier kann man aber auch die Besonderheit der Lage erkennen: es waren dringend neue, verbindliche Massst\u00e4be f\u00fcr ad\u00e4quates Verhalten notwendig. Wir haben auch gesehen, dass es eine grundlegende Adaptionsbereitschaft abseits juristischer Normen gab; dass man also handeln wollte \u2013 die beh\u00f6rdlichen Massnahmen waren dann willkommener Anker f\u00fcr das eigene Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist festzuhalten, dass die soziale N\u00e4he des SARS-CoV-2 eindeutig ein verhaltenssteuernder Faktor sein kann, und zwar auch im umgekehrten Sinne: ist SARS-CoV-2 sozial weit entfernt, wirken die Massnahmen drakonischer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende Untersuchung hat sich in einem relativ homogenen Umfeld bewegt, davon aber auch profitiert, weil davon ausgegangen werden kann, dass die hier herausgearbeiteten Unterschiede nicht einem unterschiedlichen sozialen Kontext geschuldet sind. F\u00fcr weitere Untersuchungen w\u00e4re allerdings ein Fokus auf Betriebe in einem grunds\u00e4tzlich anderen Milieu aufschlussreich.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a> Literaturverzeichnis<\/h1>\n\n\n\n<p>Baer, Susanne. 2017. <em>Rechtssoziologie: Eine Einf\u00fchrung in die interdisziplin\u00e4re Rechtsforschung<\/em>. 3. Aufl. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft mbH &amp; Co. KG.<\/p>\n\n\n\n<p>Diekmann, Andreas. 2007. <em>Empirische Sozialforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen<\/em>. Orig.-Ausg., 12. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Duerr, Hans Peter. 1993. <em>Der Mythos vom Zivilisationsproze\u00df \/ 3 Obsz\u00f6nit\u00e4t und Gewalt<\/em>. 1. Aufl. Frankfurt a.M: Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p>Elias, Norbert. 1997a. <em>\u00dcber den Proze\u00df der Zivilisation \/ 1 Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes<\/em>. 1. Aufl. Frankfurt a.M: Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p>Elias, Norbert. 1997b. <em>\u00dcber den Proze\u00df der Zivilisation \/ 2 Wandlungen der Gesellschaft, Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation<\/em>. 1. Aufl. Frankfurt a.M: Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p>Foucault, Michel. 2006. <em>Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalit\u00e4t II<\/em>. herausgegeben von M. Senellart. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00e4ser-Zikuda, Michaela. 2011. \u00abQualitative Auswertungsverfahren\u00bb. S. 109-19 in <em>Empirische Bildungsforschung: Strukturen und Methoden<\/em>, herausgegeben von H. Reinders, H. Ditton, C. Gr\u00e4sel, und B. Gniewosz. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Keupp, Heiner. 1993. \u00abVon der Fremd- zur Selbstvergesellschaftung \u2014 Gesundheitsdiskurse als Identit\u00e4tspolitik\u00bb. S. 194-208 in <em>Strafrecht, soziale Kontrolle, soziale Disziplinierung<\/em>, <em>Jahrbuch f\u00fcr Rechtssoziologie und Rechtstheorie<\/em>, herausgegeben von D. Frehsee, G. L\u00f6schper, und K. F. Schumann. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Kohler, J\u00fcrgen. 2002. \u00abVerhaltenssteuerung durch Umwelthaftung\u00bb. in <em>Recht und Wirkung<\/em>. Bd. 11, <em>Greifswalder Rechtswissenschafltliche Reihe<\/em>, herausgegeben von M. Rodi. K\u00f6ln; Berlin; Bonn; M\u00fcnchen: Heymanns.<\/p>\n\n\n\n<p>Merton, Robert King. 1968. <em>Social Theory and Social Structure<\/em>. New York: NY: Free Press.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Anhang: Interviewtranskripte<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Interview 1: G2 \u2013 04.11.20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>F: Wer bisch du?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ich bi de [M]<a href=\"#sdfootnote4sym\" id=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>. Ich bi de stellvertretendi Gsch\u00e4ftsleiter vom [G2]. \u00c4hmm, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Chasch du eue Betrieb vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja also mir sind am [W], sind es Cafi\/Restaurant\/Bar. So chli alles. Am morge Kafi, \u2013 hoi [G] \u2013 am Mittag Zmittagservice, Namitag Cafi und am Abig Restaurant, eigentlich, Esse. Denn au Drinks, also Bar.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Sind ihr eher es Summer- oder es Winterlokal?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja scho eher Summer.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ihr h\u00e4nd Ussebereich, das isch relativ gross. Wie viel Pl\u00e4tz h\u00e4nder da?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Dusse? Das isch e gueti Frag. <em>(\u00dcberlegt.) <\/em>Ja sicher normal w\u00fcri sege 60, aber jetzt dur de Corona-Dings hemmer dusse me d\u00f6fe stuehle, aso vill me Platz bruche ufem Platz, und jetzt sinds wahrschinnli, ja, 100 w\u00fcri mal so sege.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Mir blendet zrugg: Am 13. Mai r\u00fceft de Bundesrat de Lockdown us. Hender da offe gha?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und wie isch das f\u00fcr eu gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja aso ganz agfange hets ja mit Take-Away. D\u00f6ffsch n\u00fcm offe ha aber eifach Take-Away mache. Uuund denn hend mier das gmacht, zersch. [&#8230;]<\/li>\n\n\n\n<li>M: Und denn hend mier da eifach Take-Away Sache useghe, so.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ab w\u00e4nn isch das genau gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Pfuh, gueti Frag. April. Ich glaub im April, Ja. Und es isch so meega sch\u00f6n Wetter gsi. Und denn <em>(schnaubend)<\/em> hend mier da Take-Away Bier usegla und Esse und so und denn het sich de Platz eifach meh und meh gf\u00fcllt, und denn isch d Polizei glich cho und het euis de Lade zuegmacht, wills gheisse het mir sind sozsege Schuld will mier da de Platz belebed.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Het sich w\u00e4hrendem Lockdown \u00f6ppis ta bi eu? Hender \u00f6ppis umgmechet oder\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja mier hend eifach renoviert, vo euis us. Aso gstriche hemmer, Sache entsorgt, mal alles usgmistet. So, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und das mit de Churzarbet het funktioniert f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Mhmm (Ja).<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hesch du det scho \u00f6pper kennt oder het so \u00f6pper geh im Umfeld vo eui wo Corona gha het?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja aso lustigerwiis da n\u00f6d, aber mini Schw\u00f6ster hets gha. Sie schafft die [O] Bar \u2013 het sie gschaffet.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch scho zimmli am Afang gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja, im April.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Am 11. Mai isch das langsam wieder ufgange, s Restaurantverbot isch ufghobe worde \u2013 hender gad det wieder ufgmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaja, eh.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was het sich ver\u00e4nderet, woner wieder ufgmacht hend?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Aso mit de Beschr\u00e4nkige meinsch jetzt?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ganz allgemein, was het sich ver\u00e4nderet? Was hender anders gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Was mer <em>andersch<\/em> gmacht hend? <em>(Z\u00f6gert)<\/em> Eigentlich nix. Aso mier hend eifach andersch gstuehlet, halt mit denen Abstandsregle. <em>(nimmt Telefon ab.)<\/em><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ja eifach d Stuehlig, andersch. Aber such eigentlich n\u00f6d. Halt die Tafle ufgstellt, wo vode Gastrosuisse usecho sind. Was mer muess iihalte und so wiiter.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"30\">\n<li>F: Mhm, und det isch aber scho gnueg warm gsi dasser hend ch\u00f6nne usestuehle?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und hender so Tischw\u00e4nd gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: N\u00e4-\u00e4. Eifach Abstand. <em>(R\u00e4uspert sich.)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: Personedate hender erfasst?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ersch wo das usecho isch dass mer das mues erfasse. Susch n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender irgend\u00f6ppis gmacht zum d Mitarbeiter sch\u00fctze?<\/li>\n\n\n\n<li>M. Eifach Desinfektionsmittel ufgstellt. Aber n\u00f6d Maske oder so.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Am Afang hets denn ja no die Beschr\u00e4nkig geh vode Vier-Persone-Regle. Das isch ja n\u00f6d so eifach, wie hender das gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja eifach de L\u00fct gseit sie m\u00fcnd usenandersitze. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hets irgendwelchi Unklarheite geh? Oder hender immer gw\u00fcsst was ztue isch?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaja, ja. Bide Gastrosuisse chasch ja go luege.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hend ihr Ustusch gha mit andere Betrieb?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Aso ich pers\u00f6nlich n\u00f6d w\u00fckki, n\u00e4-\u00e4. \u2026Aso usser mini Schw\u00f6ster wo ide [O] Bar schafft und die isch halt immer puumpe volle. Und da hets denn ja au gheisse 50 l\u00fct und die hend das wahrschinnlich au ch\u00f6nne kontrolliere, und denn isch aber d Polizei igfahre und het gseit no eimal und denn schl\u00fcssemer<\/li>\n\n\n\n<li>F: Sind die denn mal gschlosse worde?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Nei. Nur Verwarnig.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Aber eui hends zuegmacht am Afang.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Aso ja, er het eifach gseit f\u00fcr de Abig isch fertig. Wills isch w\u00fckki die H\u00f6lle los gsi ufem Platz.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch d Gwerbepolizei gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja genau.<\/li>\n\n\n\n<li>F: D Zahle sind t\u00fc\u00fcf blibe im Summer, da hender eigentlich wieder de normal Betrieb ufgno<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das heisst de Summer isch au guet gloffe?<\/li>\n\n\n\n<li>M: So guet wie no nie.<\/li>\n\n\n\n<li>F: So guet wie no nie?!<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja. <em>(Pause)<\/em> Aso die paar M\u00f6net womer offe gha hend im Summer ischs w\u00fckkich explodiert.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und was meinsch wieso? Eifach willer me Platz gha hend?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja nei n\u00f6d nur bi euis. Aso bi villne Betrieb so Rekordums\u00e4tz i dem Summer.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Aso hesch glich gh\u00f6rt vo\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja h\u00fct isch gad eine da gsi vome andere Cafi und de het gseit\u2026Es isch scho au dra glege dass mer me Platz gha hend, aber d L\u00fct sind au gierig gsi.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender i dere Ziit mal en Fall gha?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jetzt im Fr\u00fcehlig n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: D\u00e4nn am 22. Juli het mer wieder ch\u00f6nne uf 1.5 Meter stuehle. H\u00e4nder da no me Pl\u00e4tz gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Nei dusse hemmers gla. Aber dinne hemmer eis zwei Tisch me ineta.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und jetzt mit dene Tischabst\u00e4nd \u2013 wieso genau hender das gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Warum? <em>(\u00dcberlegt)<\/em> Ja will ich gh\u00f6rt han dass de Virus nach zwei Meter an Bode gheit <em>(lacht)<\/em> und nacher n\u00fcmm chan d L\u00fct astecke.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Guet zersch isch 2 Meter gsi, denn einehalb\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja stimmt, villicht ischer schw\u00e4cher worde <em>(lacht laut)<\/em>\u2026 Nei ich weiss au n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Aso aber das heisst ihr hend das eifach nach Vorgab gmacht.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaja. Aso d Gwerbepolizei isch mal da gsi mitem Massstab.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch w\u00e4nn gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Das isch am Afang gsi, im Fr\u00fcehlig. Gad wod Regle usecho isch zwei Meter. Am Vorabig ischer da gsi und het mer de Lade zue gmacht \u2013 oder ei Wuche druf isch denn de Beschluss cho \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: da isch eine cho w\u00e4hrend em Service?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Mier hend eifach Take-Away gmacht. Nacher hemmer e Sitzig gha, weissi no, denn simmer dusse gstande, s ganze Team. Denn sinds wieder zlaufe cho, in zivil, ich ha sie erchennt\u2026und denn ischer cho und het abgmesse. Denn het er gseit das seged n\u00f6d zwei Meter\u2026 und ich so mol es sind zwei Meter, er so: \u00abnei es muss vo Stuehl zu Stuehl sii\u00bb und denn ich so: \u00abnei vo Tisch zu Tisch, Tischkante zu Tischkante staht bide Gastrosuisse im Reglement\u00bb. Und denn het er gseit<em> (verstellt seine Stimme, h\u00f6her)<\/em>: <em>\u00ab<\/em> ja oke, seg scho oke so\u00bb \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay, also de hets selber n\u00f6d genau gw\u00fcsst \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja, er het denn gseit, <em>(verstellt seine Stimme, h\u00f6her)<\/em> \u00abJa w\u00fcssed Sie, f\u00fcr euis isch das au neu, mier w\u00fcsseds au n\u00f6d genau\u2026\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ich ha das jetzt ja aunomal genau agluegt mit dene Schutzkonzept, da gits ja mittlerwiile 12 Versione. Und es isch h\u00f6chst undurchsichtig, was jetzt genau gilt\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja, das weiss ich au n\u00f6d so gnau ehrlich gseit.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie sind d Reaktione vode G\u00e4st gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Mega unterschiedlich. Die einte hend gseit Scheiss druf, glaub n\u00f6d a das, die andere hend gseit chum mer n\u00f6d zn\u00f6ch. Vor allem mit dem Iitr\u00e4ge ischs amigs chli es Theater gsi. Ich find mier hend da no vill so chli alternativi L\u00fct wo nacher so findet \u00abNei mini Date\u00bb und blablabla\u2026und denn so ja lug, machs oder blib dihei!<\/li>\n\n\n\n<li>F: Da bisch igfahre.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaeh, sicher.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Vor allem weg de Gwerbepolizei oder will du das als richtig empfunde hesch?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja nei scho weg de Gwerbepolizei. Aso ich mein wenns ch\u00f6med und mier Buess \u00fcberch\u00f6med\u2026und schlussendlich hockemer all im gliiche Boot, aso weisch wenn ich jetzt gahne irgendwo go esse mussis ja au mache oder. Aso come on, bisch ja eh \u00fcberwacht scho vo \u00fcberall mitem Pass, biometrische Pass und Schissdr\u00e4ck blabla.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ab Oktober sind Zahle wieder starch gstige, wie hend ihr das gmerkt?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Es sind weniger G\u00e4st cho. Me merkts au vill bi Stammg\u00e4st, die hend w\u00fckki Angst zum bi euis inesitze wills halt w\u00fckki eng isch, sisch en chline Ruum\u2026 aso s git vill woni n\u00fcmme gseh hand sitem Summer, wo susch jede Tag ch\u00f6med. Vill wennd eifach n\u00f6d inisitze.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Im Winter hender nur dine Platz, wie vill hender da?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Im Moment? 24, 25\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und vorher?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja, pfuh, meh als dopplet so vill.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie gaht me mit dem um? Da mummer sich ja apasse irgendwie, hender agfange Stunde\/Schichte ch\u00fcrze? [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und wie gsehsch du die n\u00f6chsti Ziit?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja\u2026<em>(seufzt)<\/em>. Schwierig zum sege. Ich glaub mier w\u00fcred scho \u00fcberlebe, segi jetz mal so. Aber es isch h\u00e4rt. Musch halt immer alleige schaffe, bisch eich nur eine wo im Service isch, und wenns denn mal stressig wird denn liidet de Service. Ja musch halt bim Personal huere spare. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wo denn die Zahle d Tuusigergrenze \u00fcberschritte hend, het sich da \u00f6ppis gwandlet bi eu? So im Team?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja scho bizzli, doch. Aso ebe erstens ischs halt immer n\u00f6cher cho, ich ha vo immer me gh\u00f6rt wos h\u00e4nd oder in Quarant\u00e4ne sind jetzt so i mim Umchreis\u2026Vorher im Fr\u00fcehlig ischs wie so chli wiiter weg gsi das Ganze, aso ich ha nur mini Schw\u00f6ster kennt und suscht niemert\u2026und jetzt gh\u00f6rt me vo allne Ecke\u2026Ja und ebe au vom Personal, so \u00abHey ich bi gester mit eim zemme gsi, de isch positiv jetz mussi 10 Tag in Quarant\u00e4ne\u00bb und so\u2026 das scho. Ciao [I]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie w\u00fcrsch allgemein s beh\u00f6rdliche Vorgah bewerte? Oder wie stahsch du zu de Massnahme?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Aso ich bezwifles, dass das vill bracht het. Will ich meine wennd gluegt hesch die Restaurant und so sind die Abstandregle gsi aber dusse uf de Schuelhuspl\u00e4tz: alli zemme. Z f\u00fcfzigste am Basketball spille. Also \u00f6bs das bracht het die Restaurant weissi n\u00f6d, ich bezwifles.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ischd Polizei nomal cho?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Nei, ich glaube n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender gh\u00f6rt vo andere Betrieb wo gschlosse worde sind?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ich ha jetzt n\u00fct gh\u00f6rt\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie w\u00fcrsch sege isch eues eigene Verhalte gsi i dem Ganze?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Euises? Was meinsch, verantwortigslos oder n\u00f6d verantwortigslos? <em>(lacht)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja zum Bispil\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: \u00c4hm\u2026 das isch e gueti Frag \u2013 ja ich find mier hends scho guet gmacht aber ebe wenn ich luege wies im Summer, wies da abgange isch \u2013 aso mier hend ja me d\u00f6ffe stuehle dusse und s het eifach vill me L\u00fct gha als susch dusse \u2013 vo dem her ischs eigentlich kontraproduktiv gsi was mier gmacht hend.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das het sich gw\u00fcssermasse als Gegeteil entpuppt\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja, eigentlich scho ja. Aber de Abstand het scho gulte, es sind eifach alli igfahre.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch denn aber nie beastandet worde, nur bim Take-Away.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja voll, ja. Und ebe die Vier-Persone-Regle \u2013 das het denn dezue gf\u00fchrt dassd L\u00fct eifach gstande sind.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was hender guet gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Was hemmer guet gmacht\u2026. also so coronatechnisch\u2026 <em>(\u00fcberlegt)<\/em> Umsatz! <em>(lacht lauthals)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: Was hetteder besser mache ch\u00f6nne?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jetzt in Bezug uf Corona? Ja die Trennw\u00e4nd montiere.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und wieso macheder kei Trennw\u00e4nd? Denn hender ja me Pl\u00e4tz.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Jaa weg de Ch\u00f6ste. Will das me chostet. Aso das muss jetzt privat bliibe aber euise Chef isch recht en giizige.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das heisst es gaht um d Aschaffigschoste.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja. Und au wegem Ussehe, wegem Charme.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was meinsch so im Verglich zu andere Betrieb, wie hets eu verw\u00fctscht? Ihr hend ja zimmli abgruumt im Summer.<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja uf jede Fall, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und jetzt im Winter?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja jetzt im Winter wird\u2019s knallh\u00e4rt. Mier hend nur halb so vill Pl\u00e4tz.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und jetzt so in Bezug uf Massnahme umsetze und so, wie st\u00f6nder da im Verglich zu andere Betrieb?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Wie mirs umsetzed? Ja ich glaube mir sind da eher chli zlocker oder lockerer als die Andere\u2026 Ich meine mir hend mega lang ohni Maske gschaffet, ohni Schutzw\u00e4ndli, woni a andere Ort \u00fcberall gse han.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und was meinsch, a was isch das glege, dass ihr das lockerer gmacht hend?<\/li>\n\n\n\n<li>M: Pfuh, ich weisses aun\u00f6d. Ich glaub s liit so a euisem ganze Team e chli, es sind alli so chli easy druff\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Bide [K] hends scho fr\u00fceh Maske gha\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>M: Ja en Fr\u00fcnd vo mier, dem au es paar L\u00e4de gh\u00f6red, het gseit dass wennd Maskene a hesch n\u00f6d andere im Team in Quarant\u00e4ne m\u00fcend\u2026<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Interview 2: G1 \u2013 06.11.20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>F: Chasch du dich schnell vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Miin Name isch [P]<a href=\"#sdfootnote5sym\" id=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>, ich mach da d Gsch\u00e4ftsf\u00fcehrig und bi Teilinhaberin.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. Chasch du de Betrieb churz vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Mir sind e Bar. Und mier zeiged vill Sport, sehr vill Fuessball. Und wenns sch\u00f6n Wetter isch hemmer da usse e recht grossi Terasse.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wenn mer schnell zruggblendet und du dich zruggerinnerisch an 13. M\u00e4rz, de Bundesrat r\u00fceft de Lockdown us \u2013 wie isch das gsi f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich bi sehr froh hends das gmacht, ich ha scho en Tag vorher zuegmacht, wills d L\u00fct n\u00f6d so guet gmacht hend mitem Abstand \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: Aso d G\u00e4st?<\/li>\n\n\n\n<li>P: D G\u00e4st, ja. Ich bi so recht psycht gsi weg de villni L\u00fct und s isch recht en sch\u00f6ne Sunntig gsi am Tag, und Sie hend da e mega Party duss gha, aso s sind eifach mega vill L\u00fct da gsi. Und ich ha au chli es schlechts Gw\u00fcsse gha weg de Mitarbeiter und f\u00fcr mich und L\u00fct. Bin denn eigentlich froh gsi wos zuegmacht hend.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. Hesch du denn \u00f6pper gha im Umfeld oder so wo das gha het?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Nei.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch fern gsi eich\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Das isch fern gsi. Ich ha niemert kennt.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender \u00f6ppis gmacht w\u00e4hrend em Lockdown?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Aso ich ha da ine recht vill \u2013 aso renoviert \u2013 gstriche und putzt hemmer\u2026ja, ufgruumt.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ihr hend eh kei Esse, Take-Away hender n\u00f6d gmacht\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Mir hend kei Take-Away gmacht, ich muss aber sege mir hend e Versicherig gha. Drum isch mier de Lockdown au recht cho.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ihr hend e Pandemieversicherig?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich ha Pandemeversicherig. Mier hend wie scho gw\u00fcsst dass wenn sie euis zuemachet dass denn d Versicherig muess zahle\u2026 irgend\u00f6ppis\u2026 ich weiss bis jetzt n\u00f6d genau was aber\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das heisst au d Mieti isch zum Bispill nie es Thema gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Mieti m\u00fcnd sie denn, aso das isch h\u00f6chstens es Problem vode Versicherig gsi wo denn gern gha hetti mer m\u00fcssti d Mieti n\u00f6d zahle. Aber bi euis w\u00fcrdi das \u00fcberno werde, aber ebe, mier hend nonig vill Geld gseh\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay, die str\u00e4ubed sich da so chli?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Nei sie ch\u00f6nnd gar n\u00f6d \u2013 Es het es paar Versicherige ghe wo sich denn so chli gstr\u00e4ubt hend\u2026 aber es isch det recht klar dass me zahlt.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hend ihr so chli Uustusch gha mit andere Betrieb, was passiert isch bi dene?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich ha en guete Kolleg, de f\u00fcehrt au e Bar\/Restaurant, aber dem ischs au so chli gliich wie euis ergange, de het au so \u2013 ich kenn mega vill wo die glich Versicherig gha hend. Und die sind denn all so chli: \u00abJa okay\u2026\u00bb <em>(lacht) <\/em>Es isch mega schlimm <em>(lacht laut).<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay und denn wenns wieder ufggange isch am 11. Mai\u2026 Hender denn gad wieder ufgmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja. Jaa mier hend sofort wieder offe gha.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und im Verglich zu vor Corona, was hender andersch gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>P: \u00c4hmm\u2026.wie meinsch \u2018andersch gmacht\u2019?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Generell.<\/li>\n\n\n\n<li>P: Hey halt Abst\u00e4nd, meh. Mier hend zum Gl\u00fcck\/es isch so sch\u00f6n Wetter gsi und ah mier hend dine mal zue gha vorerst. Will mer gfunde hend d L\u00fct ch\u00f6nnd dusse hocke, da m\u00fcmmer n\u00f6d no es paar ade Bar ha womer denn ja n\u00f6d weiss\u2026und denn hemmer dinne zuegha und dusse hemmer d\u00f6ffe me stuehle, mier hend en mega grosse Platz\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie vill Pl\u00e4tz hender denn da usse?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Hundert\u2026. zw\u00e4nzg?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja. richtig vill.<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja. Und denn ischs wie okay gsi will mer eifach nacher glich vill Pl\u00e4tz gha hend\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das hender vode Stadt becho?<\/li>\n\n\n\n<li>P: D Stadt het gseit mer ch\u00f6nni efiach vergr\u00f6ssere\u2026 aso da hemmer n\u00fct m\u00fcsse igeh.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie hender die Tischabst\u00e4nde umgsetzt? Hender Markierige gmacht am Bode oder\u2026?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Wo mer wieder ufgmacht hend ischs no recht astrengend gsi will nume 4 L\u00fc\u00fct am Tisch hend d\u00f6ffe hocke und n\u00f6d d\u00f6ffe rund ume stah\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das sich wahrschinnli au no schwierig gsi das umzsetze\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja\u2026Ja. Mier hend denn \u00f6pper gha wo uf das ufpasst het.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Extra f\u00fcr das?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Extra f\u00fcr das. Wo de L\u00fct gseit het \u00abihr d\u00f6ffed n\u00f6d am Tisch stah\u00bb und \u00abihr d\u00f6ffed n\u00f6d im staa trinke\u00bb <em>(lacht), <\/em>\u00abnei ihr d\u00f6ffed da n\u00f6d z foifte anehocke\u00bb und \u00abnei de tisch d\u00f6ffeder n\u00f6t verschiebe\u00bb\u2026eifach so Sache. Das isch chli astrengend gsi am Afang.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hets irgendwelchi Unklarheite geh \u2013 oder hend ihr immer gw\u00fcsst was Sache isch, was gilt?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich find es het immer wieder Unklarheite geh. Irgendwie han ich immer das Z\u00fcg glese und ha gfunde ja ich weiss jetzt eigentlich\u2026 m\u00e4ngisch gar n\u00f6d so recht wasi d\u00f6ff oder was n\u00f6d\u2026 gad mit so dinne und so mit hocke und stah und wie vill d\u00f6ffed anenand sii\u2026 irgendwenn womer mal me ufgmacht hend han ich gar n\u00f6d gw\u00fcsst wie vill L\u00fc\u00fct jetzt ined\u00f6fed wills gheisse het hundert d\u00f6rfed ine und ich ha gfunde hundert isch da no vill, villicht m\u00fcsst mer da uf Quadratmeter luege oder so\u2026 da hani n\u00f6d recht gw\u00fcsst wie vill ich d\u00f6rf inela. Und da hemmer eifach chli \u00f6ppis gmacht \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender den amigs gseit, \u00abjetzt d\u00f6ffeder n\u00fcme ine\u00bb?<\/li>\n\n\n\n<li>P: He s isch denn wie gar n\u00f6d so passiert\u2026 Ja nei, zum Fuessball hends denn paar Mal n\u00fcme ined\u00f6rfe, da hani gfunde sind jetzt gnueg dinne. Aber das isch e Gf\u00fchlssach gsi\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und wieso hesch du das gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>P: He will halt u vill G\u00e4st \u2013 aso s isch halt e Fuessballbar und ich ha denn wies Gf\u00fchl gha vode G\u00e4st die findeds au n\u00f6d easy wenn hinder dier \u00f6pper so n\u00f6ch isch, musch irgendwie trotzdem chli uf Abstand luege\u2026 und mier hend doch \u2013 aso s Personal die w\u00e4nd da ja durrelaufe irwie in Rueh und n\u00f6d st\u00e4ndig m\u00fcesse acho a allne\u2026 Ja, deswege.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Isch da \u00f6pper mal cho go kontrolliere?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Nei.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hesch du gh\u00f6rt vo andere Betrieb wo gschlosse worde sind?<\/li>\n\n\n\n<li>P: N\u00f6. N\u00e4-\u00e4. Nur dasses kontrolliert worde sind. Aber mega kulant. N\u00f6d arschig sind cho go luege, dass eich wenns gmerkt hend dass mer \u00f6ppis macht dasses denn glich gsi isch\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. Und denn im Summer sind d Zahle ja relativ lang t\u00fcf blibe, es het sich sehr entspannt, au vode G\u00e4st her wie ich das wahrgno han\u2026 wie isch das gsi f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>P: He mer het so chli wie vergesse\u2026 es isch da denn au n\u00f6d so wichtig ebe gsi will d L\u00fct sind dusse gsi, sind gar nie inecho\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender denn au no eine gha wo glueget het?<\/li>\n\n\n\n<li>P: N\u00e4-\u00e4, Nei, nachme Monet zwei het de wie n\u00fcmme m\u00fcsse cho will sich das Ganze so uflgockeret het, me isch denn n\u00fcmme so streng gsi, het denn wieder d\u00f6ffe im staa trinke, het wieder me L\u00fc\u00fct ch\u00f6nne am Tisch ha.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender denn aber no die Personedate erhobe?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Das hemmer immer gmacht, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieso hender das macht?<\/li>\n\n\n\n<li>P: He\u2026 it\u2019s the law! <em>(schmunzelt)<\/em> Aso dusse ischs ja freiwillig gsi\u2026 und denn hemmer das au so gmacht\u2026 und denn muess ja \u00f6pper dusse. Und das hend d L\u00fc\u00fct okay gmacht, jaja\u2026 und dinne simmer recht streng jetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ebe, jetzt ischs ja wieder starch agstige, sit Oktober sind d Zahle ja schnell wieder \u00fcber de Tuusiger, hender da \u00f6ppis gsp\u00fcrt?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie, vode G\u00e4st? Oder\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Aso vor zwei Woche ischs w\u00fckki ibroche, d Ums\u00e4tz. Au will mer n\u00fcmm cha dusse hocke, es isch mega chalt, \u00e4hm, s chunnt fasch niemert me ine. Ussert so einzelni T\u00e4g.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und \u00e4h, w\u00e4nder uf das reagiere?<\/li>\n\n\n\n<li>P: He mier hend euis \u00fcberleit zuezmache\u2026 aber das gaht ja scho au n\u00f6d will dennd churzarbet n\u00f6d zahlt, w\u00e4nnd n\u00f6d muesch zuemache. Aso euis w\u00e4ri jetzt en Lockdown lieber, will denn m\u00fcsst Versicherig nomal zahle. Aso und was mer halt reagiert hend isch viel weniger Mitarbeiter. Aber mit dem hemmer scho grechnet im Summer, dass das passiere wird. Mier hend denn au scho chli ch\u00f6nne luege vorher mit de Mitarbeiter\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Dass das n\u00f6d usem N\u00fct chunnt.<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja und dass sie sich villicht no \u00f6ppis anders \u00fcberlege ch\u00f6nnd. Da bin ich jetzt no froh hani dass e so gmacht will es isch genau e so usecho.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hend ihr en Fall gha im Betrieb?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Nei, n\u00e4-\u00e4.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Au n\u00f6d im Umfeld?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Nei imfall niemert! Aso scho \u00f6pper wo da schaffet wo mitere Kollegin\u2026 und sie sich denn au\/ het m\u00fcesse teste la aber\u2026 es isch sehr ruhig gsi bi euis <em>(lacht)<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Jetzt Stichwort Beh\u00f6rde und die Massnahme und so wiiter, wie bewertisch du das Vorgah allgemein?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich wechsle mini Meinig sehr oft <em>(lacht)<\/em>. Denn hani amigs a Gf\u00fchl sie mached das eigentlich no guet\u2026und denn hani amigs s Gf\u00fchl sie mached gar n\u00fct\u2026 und jetzt gad find ichs n\u00f6d schlecht wie de Bundesrat vorgaht\u2026 ich find das eifach mit dem Kant\u00f6nli\u2026 jede Kanton macht irgend\u00f6ppis findi chli astrengend. Will denn aud L\u00fc\u00fct wo ch\u00f6med, die sind denn au verwirrt, und me selber isch chli verwirrt, und niemert weiss eigentlich was mer muess mache und ich find denn immer wenn de Bundesrat, aso wenns vom Bund greglet wird denn weiss mer wieder was mache. Au wenns denn strenger isch, aber es isch denn wie so\u2026 me weisses wie n\u00f6d\u2026. aber ja, ich bi immer wieder froh dass ich das n\u00f6d muess entscheide <em>(lacht laut)<\/em>. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>P: Es nervt mi dassd Beh\u00f6rde kein Lockdown wennd mache wege halt, wahrschinnli, Geld und so, und glichziitig segeds de L\u00fct sie s\u00f6lled deheime bliibe. Und mier m\u00fcnd denn irgendwie go schaffe ide Bar und s chunnt niemert. Und wenn sie wenigstens en Lockdown mache w\u00fcred bech\u00e4mtemer d Churzarbet, denn w\u00e4rs wahrschinnli so chli f\u00fcr euis besser. <em>(\u00fcberlegt)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja, und denn Thema Contacttracing: Hend doch \u00f6ppe zwei G\u00e4st da gha womer verzellt hend dass sie positiv tested worde sind \u2013 aber ich ha vom Kantonsarzt nie \u00f6ppis gh\u00f6rt, ha nie irgendwelchi Date ischicke\u2026obwohl ich super parat gsi w\u00e4r, mit allen couvert, z\u00e4tteli\u2026 <em>(lacht laut)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay und \u00e4h\u2026 wie bewertisch du eues Handle die Krise?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich find euise Betrieb hets sehr guet gmacht.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieso henders guet gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ich find mier hend e gueti Mischig zw\u00fcsched mier nehmeds ernst aber mier gheied n\u00f6d voll \u00fcbere. Und es isch immer so chli e Gratwanderig gsi zw\u00fcsched me muess halt chli Geld mache aber me het auno Mitarbeiter wo sich w\u00e4nnd wohl f\u00fchle bim schaffe\u2026 Das isch mier denn amigs no wichtig gsi\u2026 ja und mer muess no chli Geld mache.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was hetteder besser ch\u00f6nne mache?<\/li>\n\n\n\n<li>P: <em>(\u00fcberlegt) <\/em>\u00c4hm, ich glaube irgendw\u00e4nn simmer so chli zstreng gsi, so mit \u00abihr d\u00f6ffed n\u00f6d inecho\u00bb.<\/li>\n\n\n\n<li>F: W\u00e4nn isch das gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>P: So im Summer. Und jetzt im Herbst\/Winter sind L\u00fct immer no chli verwirrt und hend s Gf\u00fchl sie d\u00f6rfed n\u00f6d ine\u2026 ich ha mengisch s Gf\u00fchl sie ch\u00f6mmed drum n\u00f6d. Villicht het me fr\u00fcener s\u00f6lle e Maskepflicht mache f\u00fcr d Mitarbeiter.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Us Selbstschutz oder\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Aber sie hend das nat\u00fcrlich immer d\u00f6fe mache aber das macht me denn ja n\u00f6d\u2026 wenn denn nume d Helfti eini ahet. Aber ich weiss ja bis jetzt n\u00f6d \u00f6b das \u00f6ppis bringt mit dene Maske.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was meinsch, wie st\u00f6nder im Verglich zu andere Betrieb da so im Krisemanagement?<\/li>\n\n\n\n<li>P: <em>(\u00fcberlegt)<\/em> Ja das isch no schwierig zsege will mier hend e mega gueti Position weg dere Versicherig\u2026 und mit da usse\u2026 aso ich has Gf\u00fchl mir sind inere mega vorteilhafte Position gsi bis jetzt, au das s Wetter guet gsi isch\u2026 und jetzt chunnt so chli druf ah was im Winter passiert\u2026 und ja ich has Gf\u00fchl mir st\u00f6nd n\u00f6d so schlecht da\u2026 hemmer irgendwie no guet gmacht.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ihr hends ernst gno\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Ja\u2026. he ich ha eifach au n\u00f6d welle dass ide Medie staht \u00abbim Fuessball luege hend sich alli agschroue und agsteckt\u00bb und so.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie hend d G\u00e4st druf reagiert?<\/li>\n\n\n\n<li>P: Guet\u2026 mier hend recht vill G\u00e4st wo immer ch\u00f6med. Mier hend recht vill Stammg\u00e4st und vill hend gseit sie ch\u00e4med gern da hi will sie s Gf\u00fchl hend s werdi guet umgsetzt, also sie f\u00fchled sich no wohl\u2026 und ebe sie sind froh gsi isch dine n\u00f6d so vollgstopft gsi\u2026 ich glaub es ch\u00f6med jetzt au vill n\u00fcme will sie Angst hend s het kei Platz me\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Guet, danke\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>P: Denn langet das?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja. S isch sehr guet gsi, danke!<\/li>\n\n\n\n<li>P: <em>(lacht laut)<\/em> Streberbar!<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Interview 3: G3 \u2013 06.11.20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>F: Chasch du dich churz vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ich heisse [C]<a href=\"#sdfootnote6sym\" id=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> und bin sit f\u00fcfzg Jahr im Gastgwerb\u2026 und bin eigentlich scho pensioniert. Aber erstens hani kei Geld und zweitens, pensioniere isch e chli \u00f6ppis abstrakts f\u00fcr mich. Es het sich jetzt mit dere Pandemie gad e chli ergeh dass mer ja eh n\u00f6d cha reise, oder, und deheime hocke isch eh kei option, usser me mues eifach. \u2026 Ja, ich bin Familievater, drum isch s Geld eich dopplet so wichtig, oder\u2026aso wenn jetzt mini Frau n\u00f6d w\u00fcr schaffe und <em>(seufzt)<\/em> ja, e chli besser gstellt isch als ich, denn hetti e riise Krise. Und so, \u00e4h, bini eifach e Nullnummere im Moment quasi finanziell.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Chasch du din Betrieb churz vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Es isch es Spiisrestaurant, wo mal denkt gsi isch als Quartierrestaurant, aber h\u00fct gits das sozsege n\u00fcmme die Stadt Z\u00fcrich, sondern mini G\u00e4st ch\u00f6med vo \u00fcberall da ane. Und zwar bewusst, vor allem die \u00c4ltere, will sie mich halt au scho quasi die ganz Ziit begleitet h\u00e4nd. Du h\u00e4sch en Stil bim Spiisrestaurant, wo eigentlich immer me oder weniger e chli \u00e4hnlich isch. Du duschs zwar apasse und lehrsch au dezue, aber s isch denn de Stil het e gw\u00fcssni Kundschaft. Und drum werded die Chunde nat\u00fcrli au immer \u00e4lter, wie n ich, uund sie konsumiered n\u00fcme so vill. Will die Junge, die t\u00fcnd no eher \u00fcber Grenze gah.<\/li>\n\n\n\n<li>F: \u2026 m\u00f6geds au no chli besser verliede\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>C: Jaja, genau. <em>(lacht)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>F: W\u00e4mmer zruggblendet zum 13. M\u00e4rz, wo de Bundesrat de Lockdown verk\u00fcndet het. Wie isch das gsi f\u00fcr dich?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja, s isch zersch au so e Spannig gsi\u2026 und denn ja, endlich het \u00f6pper en Entscheid troffe. Das, \u00e4h, find ich eigentlich n\u00f6d schlecht. Das isch ja jetzt eigentlich wieder die gliich Situation, ide Politik\u2026 de Bundesrat\u2026 aso s isch wahnsinnig, sie redet immer vo Bevormundig, aber es lauft besser, wenn zentral entschiede wird, das isch eid\u00fctig. Aber sie w\u00e4nd das n\u00f6d wahr ha\u2026 das sind nat\u00fcrlich immer die Rechte, wo so redet. Und mier h\u00e4nd euis d\u00e4nn nat\u00fcrli au gad ufd Churzarbeit gst\u00fcrzt, d\u00e4nn h\u00e4t mer versuecht mitem Vermieter \u00f6ppis zmache. De isch zersch schwerst beleidigt gsi, dass mier \u00fcberhaupt sone Idee hend, dass mier n\u00f6d arschleckend cho sind\u2026 aso isch villicht chli min Fehler gsi: ich han en Musterbrief gschickt, ha denkt \u00abja guet, wenn de Gastroverband das so usegit denn wird das scho guet sii\u00bb, das heten extrem beleidigt\u2026 tuet denn halt so. S beleidigt sii, ja, das isch ebe au amigs sone Strategie\u2026 er isch denn aber uf das zruggcho\u2026 het den zweimal, gaaanz vo obe abe, de Zins erlah, aber i dem Mietvertrag hets no e Wohnig, wo denn nat\u00fcrlich nachtr\u00e4glich gseit worde isch das die n\u00f6d debi seg, aber es wohnt niemert dinn will im Vertrag staht B\u00fcro und Garderobe. Isch nat\u00fcrli en Witz. \u2026 Und da striitemer immer no. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>C: Aso ich pers\u00f6nlich hets jetzt besser gfunde, wenns chli l\u00e4nger zue gsi w\u00e4r, dass d L\u00fct sich chli beruhigt hetted. Aber de Verbandschef, das isch au en SVPler, het Druck druf gmacht, \u00abjetzt muess wieder ufgah\u00bb, \u00abd L\u00fct m\u00fcnd Selbstverantwortig \u00fcberneh\u00bb\u2026 und das isch sones Schlagwort, wo absolute Scheiss isch. Und immer ch\u00f6med die Liberale mit dem Schlagwort, sie hends Gf\u00fchl, das seg passend f\u00fcr alles. Ich han gad en Artikel glese vode FDP, wo sie seged, ide Verchehrsf\u00fcehrig, me d\u00f6ff sich n\u00f6d bevormunde la, d L\u00fct m\u00fcnd Selbstverantwortig ha, wie de Verchehr \u00fcberhaupt no w\u00fcr funktioniere, wenn jede ch\u00f6nnt mache waser wett, oder! Nat\u00fcrli ischs amig nervig, aber es isch de best Weg\u2026 Jaa, drum het ichs besser gfunde w\u00e4rs no chli zue gsi, denn aber im Summer hets sichs denn wieder agloffe uund isch jetzt wiedr zemmebroche.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Bliibemer mal no bide Wiederer\u00f6ffnig, am 11. Mai het mer wieder ch\u00f6nne ufmache, hesch denn grad wieder ufgmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Jaja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und hesch det irgend\u00f6ppis andersch gmacht als vorher?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Jaa, das mit de Abst\u00e4nd hemmer versuecht izhalte, und mier hend versuecht optisch au zmache, dass das gaht. Und es isch verusse gsi.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Du hesch den also nur dusse serviert?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja dine w\u00e4r au kein Mensch choo.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und mit de Optik, was meinsch da?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja mier hend dusse sone Art T\u00fcecher gmacht. Das isch immerno so chli sch\u00f6ner gsi als das mitem Plexiglas. Das findi unm\u00f6glich.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und die Tischabst\u00e4nd hesch versuecht zmache seisch, het das klappet?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja-a. Da ja eh weniger L\u00fct cho sind. Mummer also au sege. Aber da mier ja eh es chlises Restaurant sind isch nat\u00fcrli denn langsam zwenig Pl\u00e4tz. Es isch ja so dass wenn du Churzarbet machsch und du hesch nur no halb so vill L\u00fct wo schaffet, de Umsatz gaht ja denn meh zrugg. Segemer jetzt am letschte Samstig, sind zwei L\u00fct da gsi am Schaffe, und zwei wo konsumiert hend. Also eine die Chuchi, eini im Service, und die hend denn nat\u00fcrli scho m\u00f6glichst schnell zuegmacht, und die G\u00e4st hend das irgendwie gmerkt, die sind n\u00f6d ghockt bis am elfi, aso s isch denn immer so Verlust. Plus Zinse, all die Festch\u00f6ste, die hesch ja gliich. \u00d6b du jetzt zweihundert L\u00fct bediensch oder n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie plansch du das denn jetzt im Winter azgah? Oder wie w\u00f6ttsch reagiere uf die Platzknappheit?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja du hesch gar n\u00f6d so vill L\u00fct. Das isch also gar n\u00f6d so es Thema. Du hesch so wenig L\u00fct, Zistig, Mittwuch, zum Bispil, Sunntig M\u00e4ntig hemmer sowieso zue \u2013 jetzt hemmer no Zistig Mittwuch zue. S isch eigentlich n\u00f6d so denkt.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Chasch mer villicht no \u00f6ppis zum Motiv, zum Beweggrund f\u00fcr die Tischabst\u00e4nd zsege?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja das isch Vorschrift!<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und isch denn da mal \u00f6pper cho?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Neei. Es isch niemert cho. Wieso weissi aun\u00f6d. Aber ich glaube \u00fcberhaupt nirgends isch \u00f6pper cho.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay, \u00e4hm\u2026 Im Summer sind die Zahle ja denn relativ t\u00fcf bliibe, es het sich entspannt, d L\u00fct sind wieder me use\u2026isch das denn besser gsi als am Afang?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Aso wie meinsch jetzt?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Het sich die Lag bessered vo wenig L\u00fct ha etc.\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja, es isch scho chli me wieder cho, aber nat\u00fcrli nie wie vorher. Und de Summer isch eh n\u00f6d euisi Saison. Du weisch ja wie das isch, vom See bis uf Schliere abe chasch du Party mache, vom Namittag bis am Morge, oder? Und uf jedem Dach obe chasch Party mache, uf jedem Strasseplatz und so\u2026denn sind mier mit euisem G\u00e4rtli\u2026 ja, es isch besser als gar n\u00fct. Eigentlich zelled mier uf de Winter. Da het mer all die Wiehnachtsesse, wo me sich chli Fett asetzt\u2026und denn Januar Februar mached mier euisi bekannti Bio-Metzgete\u2026 [\u2026] \u2026 und sit ich die mache isch die eigentlich en Renner. Aber das Jahr, han ichs Gf\u00fchl, isch wie n\u00f6d d Ziit, will Metzgete, da s\u00f6tt eigentlich alles dampfe, au de Gast, und de Tisch s\u00f6tt dampfe, ussert me isch Veganer, aber die mached ja eigentlich ehner en Boge drum \u2026 das, das weissi aun\u00f6d wie mer das wennd mache, da muemmer denn au wieder umdenke.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender wiiter usegstuehlt als normal?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Bi euis ch\u00f6med gar n\u00f6d so vill L\u00fct. Und denn het mer das gar n\u00f6d m\u00fcesse mache. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie isch gsi, hender amigs \u00f6ppis gmacht, hender Maske treit?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ersch womer het m\u00fcsse.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und d Personedate, die hender erfasst?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja, da hemmer sones Buech det vorne und das isch\/ erstuunlich guet lauft das. Aso ich ha denkt es git vill L\u00fct wo sich sperred degege. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Guet, denn het sich d Lag ja wieder starch versch\u00e4rft, d Zahle sind im Oktober starch agstiige wieder. Wie isch das gsi f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Jaa\u2026 <em>(\u00fcberlegt)<\/em> bis jetzt gahts no guet. Aso es isch im eigene Umfeld immer so, dass mer verunsicheret isch\u2026 de Monti, kennsch de? De het denn mal m\u00fcsse go teste, dr\u00fc T\u00e4g n\u00f6d ch\u00f6nne go schaffe, will er warted und so, isch denn aber alles guet gsi\u2026 aber jetzt ischer wieder in Quarant\u00e4ne, will sini Kollege sind anschinend positiv. Es isch jetzt f\u00fcr euis au n\u00f6d so wichtig will das isch jetz mal \u00f6pper. Mier hend ja es grosses Team, oder. Aber: was isch denn, wenn ich oder de Choch positiv sind, richtig, das weissi au n\u00f6d, es wird denn immer verr\u00fcckter. Ich ha allne denn au gseit, sie s\u00f6lled underenand e chli Abstand halte.<\/li>\n\n\n\n<li>F: W\u00e4nn isch das gsi, w\u00e4nn h\u00e4sch das gseit?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja vorere Wuche wos gheisse het segs wieder so ufe. Dass Ihne au n\u00f6d ganz bewusst isch dass mer au under Fr\u00fcnde chli mues Abstand ha. Aber s isch so. Ich mach das diheime au, es sind ja mini Jugendliche wo in Usgang g\u00f6nd, und denn dihei sind n\u00f6ch bi mier, und denn villicht z luut redet, miner Meinig na. Und min Sohn isch sich go teste la, und mini Frau. Aber ich glaub au, jetzt g\u00f6nd alli go teste [\u2026] Und anschinend isch de Virus n\u00f6d so gf\u00f6hrlich, n\u00f6d glich gf\u00f6hrlich f\u00fcr alli. [\u2026]<\/li>\n\n\n\n<li>F: Jetz e chli e allgmeineri Frag: Wie bewertisch du s Vorgah vode Beh\u00f6rde, die Massnahme zur Bek\u00e4mpfig vom Virus?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ich bi da chli fatalistisch und akzeptier das. Aso will ichs n\u00f6d besser weiss, darum. Ich cha mier ja n\u00f6d amasse, \u00f6ppis zsege.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie w\u00fcrsch du dis eigene Handle, dis betriebliche Handle bewerte?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Aso wien ich de Betrieb f\u00fcehre i dere Situation, meinsch? Ja, ich weiss es n\u00f6d besser, also mach ichs e so. Aso ich bechume scho Tipps, \u00abmach doch Take-Away\u00bb und so, aber ich glaube n\u00f6d a das, wenn all Take-Away mached brusch du au wieder e Infrastruktur, \u00f6b die n\u00f6d me chostet. Ich hoffe eigentlich eher immer, dass mer e medizinischi L\u00f6sig findet. Das isch mini Hoffnig. Aber anschinend au n\u00f6d.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was w\u00fcrsch sege hesch guet gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ja\u2026N\u00f6d resigniert. S chunnt villicht vo dem, dass ich scho immer chli knapp dure bin i mim Lebe. Eigentlich no nie Geld gha, oder <em>(lacht)<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was hetsch besser mache ch\u00f6nne?<\/li>\n\n\n\n<li>C: Ich ha nat\u00fcrli Idee jetzt ohni Pandemie. Aber das het n\u00fct mit dem ztue. Euises Konzept isch halt e chli, es Spiisrestauratn uf die Art, isch n\u00f6d rentabel, das isch scho en Fehler. Und e Bar sueche, ich ha das zersch welle, det vorne drin ine <em>(zeigt richtung Tresen)<\/em>, aber kei Sau het det anewelle oder.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wie meinsch, wie staht din Betrieb da im Verglich zu andere?<\/li>\n\n\n\n<li>C: \u00c4hm, ich glaube, de Spiisrestaurant gahts au n\u00f6d besser. Aber d Bare, de Alkohol isch nat\u00fcrlich es Sucht-Dings, die laufed immer wiiter. [\u2026] Mich w\u00fcr no interessiere, wie vill vo dene Infizierte liiget denn \u00fcberhaupt im Bett? Das wird gar n\u00f6d so thematisiert. Sie seged nur immer, sie m\u00fcssed ufpasse dass mer gnueg Bette hend. Aber gh\u00f6r kei L\u00fct wo chrank sind.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Interview 4: G4 \u2013 11.11.20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>F: Chasch du dich schnell vorstelle?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ich bi d [S]<a href=\"#sdfootnote7sym\" id=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>, bi Gsch\u00e4ftsf\u00fcehrerin da im [G4] \u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja, und was isch s [G4]?<\/li>\n\n\n\n<li>S: S [G4] isch es Restaurant mit integriertem Shop wos jetzt sit zweiezw\u00e4nzg Jahr git die Stadt Z\u00fcri, Chreis foif, eis vode erste gsi da die Umgebig und isch jetzt w\u00fckk im Verlauf vo dene 22 Jahr zum Klassiker worde und bekannt\/stadtbekannt f\u00fcr sini wunderbare feine Muschle.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja, das chame sege. Ihr sind ja es grosses Restaurant, wie vill Pl\u00e4tz h\u00e4nder?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Vorher, vor Corona hemmer dine 130 Pl\u00e4tz gha und dusse \u00f6ppe nomal \u2013 aso mier hend zwei Terassene \u2013 nomal \u00f6ppe hundert Pl\u00e4tz. Und jetzt momentan dinne \u00f6ppe 75 Pl\u00e4tz.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wemmer nomal schnell zruggblendet zum Lockdown, am 13. Mai r\u00fceft de Bundesrat de Lockdown uus, wie isch das gsi f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja mer hets ja wie scho bizzli gahnt, dass s \u00f6ppis chunnt. Aber glich, s isch huere hert gsi. Also so vom einte Tag uf de ander. Aso zersch isch ja mit dene f\u00fcfzg Pl\u00e4tz gsi \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wart schnell, g\u00f6mmer nomal zrugg zum Lockdown. Jetzt isch alles zue. Wie isch das gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso ja ebe, mier hends scho bizzli erwartet i dem Sinn\u2026 aber es isch nat\u00fcrlich hert als Betrieb, wennd weisch jetzt w\u00fcrsch gern wirtschafte und mache und chasch eifach n\u00fcmme.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender det scho \u00f6pper kennt oder im Umfeld gha wo Corona gha hett?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Nei, gar n\u00f6d. Aber mir hend denn so Sitzige gha und hend viel dr\u00fcber gredet, dasses euis wie zwiit weg isch da Ganze, dassd wie niemert kennsch wo erchrankt isch. Oder du kennsch au niemert wo \u00f6pper kennt wo erchrankt isch, also dass es wie\u2026 das alles n\u00f6d so richtig griifbar gsi isch. Und vo dem her d Massnahme scho sehr h\u00e4rt gsi sind, f\u00fcr das dasses dich selber eigentlich n\u00f6d betroffe het.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und hender w\u00e4hrendem Lockdown \u00f6ppis gmacht, \u00f6ppis ver\u00e4nderet?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso mier hend scho so chli Lager uufgrumt und gmacht, aber mier hend nat\u00fcrlich scho glueget dass mer m\u00f6glichst wennig schaffet \u2013 churzarbeittechnisch \u2013 mier hend n\u00f6d soo verruckt vill gmacht. Was mier halt hend halt ebe mit integriertem Shop, also de Shop het halt offe gha, und dass mer det eifach chli s Take-Away Agebot verg\u00f6sseret hend. Das isch scho immer so dasses im Shop \u00fcber de Mittag ch\u00f6mmed go Pizza holle und so\u2026 das isch au vorher gsi, das isch jetzt no so\u2026 und eifach w\u00e4hrend em Lockdown hemmers gmacht dasses au Pasta und Suppe git, also zwei dr\u00fc Gricht me vode Chuchi, aber halt so dass mer n\u00f6d nomal en Mitarbeiter hend m\u00fcsse organisiere.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay\u2026 jetzt ch\u00f6mmemer zude Wiederer\u00f6ffnig. \u00c4hm, 11.Mai ischs wieder ufgange, zersch nur f\u00fcr f\u00fcfzg Persone \u2013 hender det scho offe gha?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja, mier hend immer offe gha\/also abem Moment womer wieder het ch\u00f6nne.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und denn het mer ja zersch nur f\u00fcfzg Persone inela, wie hender das gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>S: \u00c4hmm, mier hend Tisch ufd Siite gschobe und hend gluegt dasses nume f\u00fcfzg St\u00fcehl het wo sitzparat sind\u2026 aso mier hend n\u00fct usegno, nur uf d Siite gschobe, dasses no chli volle usgseht\u2026 suscht \u2013 de grossi Ruum \u2013 gsehts denn chli bl\u00f6d us\u2026 und ja, mer het denn eifach m\u00fcsse merke dass mer villicht eifach ei Person bruched bl\u00f6d gseit wo am Fritig alles am durezehle isch und am mache\u2026 will es isch chli chaotisch worde, me het denn n\u00f6d so en guete \u00dcberblick.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay\u2026 und susch, het sich susch \u00f6ppris ver\u00e4nderet im Verglich zu vor Corona?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso jetzt sind halt eifach d Personalch\u00f6ste andauernd es Thema\u2026 dass mer w\u00fckklich luegt dass mer\u2026 dass n\u00fcme d L\u00fct ume sind wos brucht, im Moment, effektiv. Und suscht\u2026 ja, nei, mier probiered wiiterzmache wie vorher, mier nehmeds wies chunnt. Ebe und vom Konzept her oder so hemmer n\u00fct g\u00e4nderet\u2026 jetzt m\u00fcmmer halt luege\u2026 ja, dass mer glich no ufen gr\u00fcene Zwiig ch\u00f6mmed.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Die Tischabstandregle, wie hender die umgsetzt?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso agfange hemmer eifach, ebe mier hend jetzt weniger Pl\u00e4tz, mier hend eis zwei Tisch usegno\u2026 \u00e4hm- und eifach, ja, d Tisch einehalb Meter Abstand gha und jetzt simmer immer wie me dra, aso jetzt hemmer ganz vill Trennw\u00e4nd gmacht\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: W\u00e4nn hender die gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso\u2026ich weiss n\u00f6d, im Summer hemmer agfange mit de erschte mit so alte Fenster. Hemmer es paar so recht vereinzelt ufgh\u00e4nkt, eifach so chli wegem Style\u2026 und au bide Bar wod G\u00e4st ch\u00f6mmed go bstelle und so. Und jetzt hemmer w\u00fckkli bi jedem\/aso sit de neue Reglig dass mer nur 4 Persone am Tisch d\u00f6ff sii isch jetz w\u00fckklich bi allne gr\u00f6ssere Tisch hets es Fenster oder e Plexiglasschiibe dezw\u00fcsched\u2026 da simmer au jetzt no dra, aso de Flurim macht grad h\u00fct no chli me\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja. Du seisch wegem Style, wieso genau hender agfange mit de Tischw\u00e4nd?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso bi euis isch halt\u2026 aso s [G4] lebt mega fest vom de Atmosph\u00e4re, vode Iirichtig dinne. Und drum\/aso euis isch vo Afang a klar gsi dass mer n\u00f6d die Nullachtf\u00fcfz\u00e4-Plexiglasschibe und alles w\u00e4nnd inetue wie alli andere h\u00e4nd\u2026 Drum hemmer auno es bizzli gwarted und w\u00fckkli nur mit de Abst\u00e4nd und so gha und d\u00e4nn irgendwenn\u2026 ich cha der s gnaue Datum n\u00fcmme sege\u2026 aber im Summer hemmer denn die Alti-Fenster-Idee gha und denn hemmer agfange das Z\u00fcg ufh\u00e4nke und mache. Du chasch das best\u00e4tige, n\u00f6d wahr, es gseht sehr geil us jetzt mit dene alte Fenster.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Das isch eso. Personedate hender erhobe?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja. Aso am Afang wos no uf freiwilliger Basis gsi isch hemmer eifach Z\u00e4ttel bide Ig\u00e4ng gha\u2026 aso mier hend vier Ig\u00e4ng, det hemmer Z\u00e4ttel gha\u2026 e Liste wo mer sich het ch\u00f6nne itr\u00e4ge, hend sich sehr sehr wenig iitreit. Und nacher wos Pflicht worde isch hemmer au zersch mitem Zetteli verteile und isammle wieder\u2026 und jetzt sit zwei M\u00f6net hemmer en QR-Code, wo sichd L\u00fct ch\u00f6nnd registriere. Am Afang het mer d G\u00e4st w\u00fckki m\u00fcsse druff ufmerksam mache und nahkontrolliere und jetzt isch das en Selbstl\u00e4ufer eigentlich.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieso hender das gmacht?<\/li>\n\n\n\n<li>S: \u00c4hm\u2026 mier hend im Allgemeine eifach welle zeige, dass mir das Thema ernst nehmed \/dass mier n\u00f6d liechtsinnig mit dere Situation umg\u00f6nd\u2026 zum g\u00e4g use symbolisiere dass mier euisi Verantwortig wahrnemed.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Nacher w\u00e4hrendem Summer sind d Zahle ja relativ t\u00fcf bliibe. Wie isch das gsi f\u00fcr eu?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja, bi euis\u2026 aso mier sind en Winterbetrieb eigentlich, Wintersaison lauft massiv viel besser als de Summer vode Umsatzzahle her und bi euis isch halt wie guet gsi will d L\u00fct n\u00f6d id Ferie gange sind isch de Summer n\u00f6d schlecht gsi\u2026 du hesch scho gmerkt dass d L\u00fct\u2026 \u00e4hm\u2026 aso sie ch\u00f6mmed n\u00f6d zzw\u00e4nzigste oder so\u2026 sind n\u00f6d cho go Party mache sondern eifach ufes K\u00e4feli oder es Bierli trinke\u2026 aber de Summer isch eigentlich n\u00f6d schlecht gsi f\u00fcr euis\u2026 aso ebe, es het sich alles wieder so chli beruhigt. Bi euis isch einew\u00e4g amis n\u00f6d bumsvolle, vo dem her isch das eigentlich en normale Summer gsi f\u00fcr euis.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Und h\u00e4nder d\u00f6ffe wiiter usestuehle?<\/li>\n\n\n\n<li>S: [\u2026] Au jetzte, mier sind eich jede Tag e chli am Tisch umeschiebe und am mache und am tue\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieso sinder jede Tag am mache und am tue?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Will halt je nachdem, was f\u00fcr Reservatione inech\u00f6med. Ebe muesch luege dass dich a alli Regle haltisch und muesch luege dassd L\u00fct zfriede sind und d Nachbare zfriede sind und so\u2026 ja, s isch halt wie\u2026 es wird viel umegschobe bi euis.<\/li>\n\n\n\n<li>F: H\u00e4tts i dere Ziit irgendw\u00e4nn Mal Unklarheite geh vo was ztue isch, was gilt?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja s isch ja immer wieder wenn neui Massnahme cho sind het mer am Afang\u2026 scho m\u00fcehsam gsi zu dene Informatione z cho. Aso die neusti jetzt mit de vier Persone isch zimmli klar gsi aber am Afang het mer n\u00f6d gw\u00fcsst, aso wos ganz neui gsi isch mit dene anderthalb Meter, isch das jetzt vo Tischkante zu Tischkante oder m\u00fcnd d L\u00fct \u2013 also muess me vo Rugge zu Rugge und so\u2026 aso dass me dete zude Information cho isch und me hets scho so irgendwie m\u00fcsse umsetze aber s Schutzkonzept isch nonig dusse\u2026 aso es isch wie\u2026 d Informatione, die offiziele vom Bund isch amigs e chli m\u00fcehsam gsi und f\u00fcr euis intern sind denn au sehr viel Frage vode Mitarbeiter cho. Und me hets selber gar n\u00f6d so genau gw\u00fcsst, vo dem her isch au intern schwierig gsi.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Isch mal \u00f6pper cho vode Gwerbepolizei?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Bi euis isch eifach weg de Arbeitssicherheit verbicho go pr\u00fcefe und het eifach glichziitig auno d Abst\u00e4nd gmesse und so, aso die Massnahme agluegt\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: W\u00e4nn isch das gsi?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Das isch im Juli gsi\u2026 Juli oder August.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Ja, also no zimmli im Summer.<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja. Und ebe, er isch eich me weg de Arbeitssicherheit cho und het denn extra auno gluegt \u00f6b mer Kontaktdate, \u00f6b mer irgend\u00f6ppis h\u00e4nd f\u00fcrd G\u00e4st, ob d Tisch richtig st\u00f6nd und so\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: De het denn alles f\u00fcr guet befunde\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja. D Kontaktdate sind det aber au no freiwillig gsi\u2026 es isch wie\u2026 es isch um die anderthalb Meter gsi\u2026 und das het funktioniert, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. D\u00e4nn\u2026 ab Oktober sind die Zahle ja wieder starch gstige, schnell wieder \u00fcber d Tuusigergrenze\u2026 Wie isch das gsi f\u00fcr eu, hend ihr da \u00f6ppis gsp\u00fcrt?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Mier merked s eigentlich meh wieder sits mit de neue Massnahme isch. Aso bi euis w\u00fcrded d L\u00fct ebe scho cho w\u00e4nns d\u00f6rfded cho. Aso weisch wieni meine, es isch wie\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Weg de Chundschaft meinsch?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja. Aso ich ha z Gf\u00fchl, weisch, euises Klientel isch irgendwie n\u00f6d so verruckt \u00e4ngstlich und w\u00fcrd glich no cho, me cha jetz eifach n\u00fcmme glich vill\u2026 aso s isch ebe im Oktober, wo mer het d\u00f6rfe stehend konsumiere und mache und tue, denn hemmer d H\u00fctte scho volle gha\u2026 denn ischs guet gsi. Und jetzt, sit de neuie Massnahme merke mer w\u00fckkich au wieder, aso wos au wieder extreem me gsi isch mit de Zahle\u2026 ja, bringemer d H\u00fctte n\u00fcmme volle.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Hender det irgendw\u00e4nn mal en Fall gha im Umfeld oder im Team sogar?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Im Team nie. S sind sich scho paar go teste la, aber isch immer alles negativ gsi. Mier hend auscho bevors Pflicht gsi isch afange mit Maske schaffe, m\u00f6chemer auscho sitem August \u2013<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieso?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Das isch eifach will mer \u00e4hm\u2026 will de Chef, de Inhaber isch au no die Eventszene unterwegs und det isch ja sowieso scho vill fr\u00fcener mit Maskepflicht gsi und so\u2026 und ebe, s isch au will me gw\u00fcsst het wenn s ganze Team mit Maske schaffet und es isch nacher irgenden Fall denn m\u00fcnd n\u00f6d all in Quarant\u00e4ne. Und wenn all in Quarant\u00e4ne m\u00fcend denn m\u00fcmmer schl\u00fcsse und das hemmer uf jede Fall welle vermiede\u2026 Aso scho sitem August sind mier mit Maske am schaffe\u2026 und \u00e4hm Ja, aso Endi Summer\/Afang Herbst hets denn scho agfange dass L\u00fct kennnsch wo betroffe sind.<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. Mier leged jetzt de Fokus wieder ufd Beh\u00f6rde und d Massnahme, vor allem de Bundesrat, wie w\u00fcrsch das im Allgemeine bewerte\u2026 s Vorgah?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Ja mier sind alli sehr viel dr\u00fcber am Rede gsi und ebe und ich has sehr m\u00fcehsam gfunde weills eifach schnell gange isch und will me het eifach mal \u00f6ppis gseit aber s isch n\u00f6d klar definiert gsi und so. Das isch vo mier\/aso vom Betrieb us gseh sehr m\u00fcehsam gsi aber ganz ehrlich, aso, ich hett nie gfunde mer muess das jetzt so und so mache, enn bessere Vorschlag oder so. Es isch ja wie e schwierigi Situation, f\u00fcr alli, isch ja au f\u00fcr de Bund irgendwie s erscht Mal gsi wos e so hend m\u00fcesse handle und mache\u2026 und vo dem her ja, aso ich has zw\u00fcscheddure sehr m\u00fcehsam, privat wie au vom Gsch\u00e4ft us, gfunde\u2026 s isch glaub zimmli allne so gange und ich w\u00fcsst n\u00f6d wie mers besser s\u00f6tt mache\u2026 ebe und da de Lockdown, de kompletti, isch minere Meinig na bizzli \u00fcbertribe gsi \u2013 aber me hets i dem Moment au n\u00f6d besser gw\u00fcsst, ja\u2026<\/li>\n\n\n\n<li>F: Okay. Wie w\u00fcrsch eues Handling ide Krise und vor allem d Umsetzig vode Massnahme bewerte?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso euis Schwizer?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Neinei, eue Betrieb.<\/li>\n\n\n\n<li>S: Jaa guet! Mier hend euis ad Regle, ad Massnahme ghalte, hend die immer sehr schnell umgsetzt und das Z\u00fcg ernst gno. \u00c4hm, f\u00fcr euis isch schwieriger wenn d L\u00fct wennd Party mache da und du musch Polizist spille und sege \u00abnei sitzed jetzt ane\u00bb oder jetzt mitem Elfi zue \u00abnei du d\u00f6rfsch jetzt keis me trinke du muesch jetzt wegga\u00bb isch chli komisch will eigentlich w\u00fcrdsch du ja sehr gern bis am Morge am zwei Party mache und du w\u00fcrdsch gern 30 L\u00fct da ine ha wo Party mached, und du musch halt probiere im Name vom Bund musch du rede und sege \u00abdas gaht jetzt n\u00f6d\u00bb und \u00abnei du musch jetzt hei\u00bb und \u00abnei ihr d\u00f6rfed n\u00f6d z 10te cho\u00bb\u2026 aber ebe, das sind halt d Regle gsi, mier halted euis dra und ja, mier bliebed stets positiv\u2026 aso de ehemalig Inhaber het h\u00fct gad gseit es seg wahnsinnig wie mir da immerno positiv iigstellt sind und s Team h\u00e4ts l\u00e4ssig\u2026 ja es isch a anderi Situation, e agspannti Situation allgemein aber ich w\u00fcr behaupte mier handlet das recht guet, mached s beste us de Situation!<\/li>\n\n\n\n<li>F: Was meinsch wie st\u00f6nder da im Verglich zu andere Betrieb, also ebe au in Bezug ufd Umsetzig vode Massnahme?<\/li>\n\n\n\n<li>S: Aso wie meinsch, wies euis so gaht? Oder wie mers umsetzed?<\/li>\n\n\n\n<li>F: Wieners umsetzed, ja.<\/li>\n\n\n\n<li>S: Wenn ich privat i irgendwelchen andere Restaurant bin gits ja w\u00fckklich vo allem, also vo \u00abdu chunnsch n\u00f6d ine wenn du dini Ahgabe n\u00f6d gmacht hesch\u00bb oder \u00abdu chasch n\u00f6d bstelle wenn dini Kontaktdate n\u00f6d geh hesch\u00bb zu s intressiert kei Sau, s intressiert niemert, und d\u00e4nn w\u00fcri sege sind mier im guete Mittelfeld irgendwie\u2026 aso mier halted euis ad Regle aber es isch n\u00f6d so dass alles nur nach Corona schreit da ine, mier probiered de Betrieb m\u00f6glichst normal halte und die Massnahme umzsetze.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Ich unterstelle mal, dass die befragten Betriebe nicht heimlich Geldw\u00e4scherei betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Zwischen Mai und September 2020 bewegten sich die t\u00e4glichen Fallzahlen in der Regel unter der Hunderterschwelle. (Quelle: www.covid19.admin.ch\/de\/epidemiologic\/case?detTime=total&amp;detRel=abs)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\" id=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Genaue Angaben zum Alter der Befragungspersonen fehlen. Hier soll der Verweis darauf gen\u00fcgen, dass C schon 50 Jahre im Gastgewerbe t\u00e4tig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\" id=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Die Befragungsperson ist m\u00e4nnlich.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\" id=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Die Befragungsperson ist weiblich.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\" id=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>Die Befragungsperson ist m\u00e4nnlich.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\" id=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>Die Befragungsperson ist weiblich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umsetzung von Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Covid-19 und dahinterstehende Motive in der Z\u00fcrcher Gastronomie Eine qualitative Studie Weiterlesen\u00a9 ProLitteris, Finn Schlichenmaier 1 Einleitung Verhaltensver\u00e4nderung ist gefragt in diesen Zeiten. Covid-19 hat eine Krise ausgel\u00f6st, die sich nicht \u2018nur\u2019 auf den Finanz- und Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem beschr\u00e4nkt. 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