{"id":2793,"date":"2024-01-03T17:41:41","date_gmt":"2024-01-03T15:41:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2793"},"modified":"2025-04-24T16:48:17","modified_gmt":"2025-04-24T14:48:17","slug":"reflexivitaet-der-perzeption-sozialwissenschaftlicher-forschungsergebnisse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2793","title":{"rendered":"Reflexivit\u00e4t der Perzeption sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse"},"content":{"rendered":"\n<p> <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2983\"><strong>Weiterlesen Gutes Leben  <\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.8469f7e9-3593-48f9-b45b-7b1c018eba48\" height=\"1\" width=\"1\" border=\"0\">is, Josef Estermann   <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"90\" height=\"125\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3601\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Reflexivit\u00e4t der Perzeption sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse in Politik und \u00d6ffentlichkeit<\/p>\n\n\n\n<p>Josef Estermann<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Abschnitt spreche ich \u00fcber die spezielle Ausformung der Reflexivit\u00e4t in der sozial-wissenschaftlichen Forschung, im zweiten will ich die Forderungen nach Objektivit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Wissenschaft kritisieren, im dritten die Entwicklung von Forschungsfeldern jenseits dieser Forderungen beschreiben und kritisieren. Anschlie\u00dfend folgen ausgew\u00e4hlte Beispiele f\u00fcr Reflexivit\u00e4t im Forschungsprozess und zum Schluss Vorschl\u00e4ge zur L\u00f6sung des Objektivit\u00e4tsparadigmas.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Objektivit\u00e4t, Unabh\u00e4ngigkeit und Reflexivit\u00e4t in der sozialwissenschaftlichen Forschung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ein gesichertes und mehrmals reproduziertes Ergebnis der Sozialforschung im Bereich Sexualbiografie und sexuelle Verhaltensweisen lautet, dass M\u00e4nner in Europa etwa doppelt so viele heterosexuelle Partner und doppelt so viele heterosexuelle Kontakte angeben wie Frauen. Dieses paradoxe Ergebnis ist kein Methodenartefakt sondern spiegelt eine soziale Realit\u00e4t, dem kein m\u00f6gliches physisches Korrelat entspricht. Das Ergebnis l\u00e4sst einige Fragen zur Objektivit\u00e4t aufkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sozialwissenschaftliche Forschung und ihre Perzeption in Politik und \u00d6ffentlichkeit ist einer besonderen Art von Reflexivit\u00e4t unterworfen, da sozialwissenschaftliche Forschung durch ihren Forschungsgegenstand selbst beherrscht wird. Sie ist gesellschaftlich bestimmt. Wenn die sozialwissenschaftliche Empirie ihren Gegenstand in Sprache fasst, ist sie nicht nur Teil ihres eigenen Gegenstandes, sie ist selbst Gesellschaft. (1) Die Sozialwissenschaftler m\u00fcssen nicht nur die innere, forschungslogische Konsistenz ihrer Ans\u00e4tze sicherstellen. Sie m\u00fcssen sich auch Gedanken machen \u00fcber die Aufnahme ihrer empirischen Ergebnisse in Politik und \u00d6ffentlichkeit. Die Frage ist nun, wie sich diese Reflexivit\u00e4t im Forschungsprozess und im Forschungsergebnis vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu Niklas Luhmann: \u201eProzesse k\u00f6nnen, wenn sie gerichtet und identifizierbar sind, ihrerseits als ein &#8217;selbst&#8216; der Referenz fungieren. Dann wollen wir von Reflexivit\u00e4t oder reflexiven Prozessen sprechen. Reflexive Prozesse richten sich auf sich selbst, bevor sie sich auf ein Objekt richten, und gewinnen dadurch Steuerungskapazit\u00e4t. Beispiele aus unserem Themenkreis sind: Denken des Denkens, Erkennen des Erkennens, Forschen \u00fcber Forschung.\u201c (2)<\/p>\n\n\n\n<p>Empirizistische Positionen fordern, dass in der empirischen Sozialforschung Methode und Vorgehensweise bei der Hypothesenpr\u00fcfung dem Popperschen Falsifikationsprinzip folgen. Der Forschungsvorgang soll bez\u00fcglich Empirie und Methode unabh\u00e4ngig von der erwarteten Perzeption der Ergebnisse in Politik und \u00d6ffentlichkeit und unabh\u00e4ngig von dem beforschten Gegenstand selbst bleiben und somit die wissenschaftliche Geschlossenheit konstituieren. Diese Forderung ist schon deshalb nicht einzul\u00f6sen, weil der soziologische Forschungsprozess Teil der sozialen Welt, also seines Gegenstandes selbst ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht einzul\u00f6sen ist diese Forderung auch deshalb, weil ethische Schranken den Missbrauch der Probanden, das \u201eHinter&#8217;s-Licht-f\u00fchren\u201c, das Verletzen ihrer berechtigten Interessen verhindern m\u00fcssen und so eine Abh\u00e4ngigkeit der Empirie vom beforschten Gegenstand konstituieren. Nicht alles Beforschbare, nicht jedes noch so w\u00fcnschbare Wissen soll dem materiellen Zugriff des Forschungsprozesses unterworfen sein. Das muss in der sozialwissenschaftlichen Forschung genauso gelten wie in der medizinischen Forschung, bei Tierversuchen ebenso wie bei der Verwendung von Embrionen in der biowissenschaftlichen Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erforschung von Erhebungsbias und Instrumentenbias zeigt, dass die sozialwissenschaftlichen Instrumente selbst einen nicht zu vernachl\u00e4ssigenden, unter Umst\u00e4nden einen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse haben. Problematischer ist jedoch, dass dieser Einfluss nicht mit gen\u00fcgender Sicherheit von und aus den Ergebnissen zu isolieren ist. Dieses Faktum wurde bereits, um nur wenige zu nennen, von Berger (3), Cicourel (4), Garfinkel (5) und letztlich schon Wittgenstein (6) eingehend diskutiert. Es entspricht in seiner Bedeutung der Heisenbergschen Unsch\u00e4rferelation in der Physik. Es ist lange Mode gewesen, auf dem Unterschied zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herumzureiten. Methodisch sind sie im Grunde nicht verschieden, beide wenden die Methode des Probleml\u00f6sens, der Vermutung und der Widerlegung an. (7)<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialwissenschaftliche Forscher sind bez\u00fcglich ihrer empirischen Ergebnisse zur\u00fcckgeworfen auf ein Konstrukt, welches das Ergebnis einer Interaktion der Methode mit der sozialen Wirklichkeit darstellt, auf ein Produkt der Reflexivit\u00e4t der Perzeption. Sie unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von Forschern, die sich mit Quantenphysik besch\u00e4ftigen. Sozialwissenschaftliche Forscher sehen ihren Forschungsgegenstand, gespiegelt in den verwendeten Instrumenten, im Ergebnis des Forschungsprozesses als Verbindung von Methode und untersuchtem Gegenstand selbst. (8)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwechslung des untersuchten Gegenstandes selbst mit den empirischen Ergebnissen des untersuchten Gegenstandes hat meines Erachtens einen nicht unbedeutenden Teil der mehr oder weniger fruchtbaren Diskussionen um sozialwissenschaftliche Forschung der vergangenen zwanzig Jahren bestimmt, n\u00e4mlich die Frage, ob qualitative oder quantitative Methoden f\u00fcr die empirische Sozialforschung besser geeignet seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Umstand, dass sich der Forschungsgegenstand nur in der Verbindung des Forschungsprozesses mit der sozialen Wirklichkeit zeigt, folgt nicht zwangsl\u00e4ufig eine nihilistische Position bez\u00fcglich der Ergebnisse klassischer sozialwissenschaftlicher Vorgehensweise, quantifizierter Interviews, Fragebogen oder hermeneutischer Verfahren. Untaugliche Thesen folgen nur dann, wenn Forscher oder Rezipienten die Instrumente in den Ergebnissen nicht explizit mitreflektieren oder das rohe Ergebnis einer Befragung tel quel als Abbild instrumentenunabh\u00e4ngiger sozialer Wirklichkeit nehmen, was allerdings &#8211; leider &#8211; in der medialenPerzeption der Thesen meistens der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn eine positivistische Position bez\u00fcglich Hypothesenpr\u00fcfung &#8211; zu Recht &#8211; abzulehnen ist und das Ergebnis des Forschungsprozesses ein synthetisches Produkt von Instrument und Gegenstand darstellt, viel mehr als die unabh\u00e4ngige Darstellung des Forschungsgegenstandes selbst, ergibt sich die G\u00fcltigkeit der Forschungsergebnisse, der sozialwissenschaftlichen Thesen, aus ihrer Bew\u00e4hrung im Popperschen Sinne. (9)<\/p>\n\n\n\n<p>Bew\u00e4hren kann sich ein sozialwissenschaftliches Forschungsergebnis nur in der Diskussion, deren Grundlage die interessierte Wahrnehmung bildet. Popper entwickelt den Begriff der Bew\u00e4hrung aus \u00dcberlegungen zur G\u00fcltigkeit von Hypothesen und Theorien. Das Forschungsergebnis bildet die empirische Grundlage, der Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Theorie.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sozialwissenschaften kann das Forschungsergebnis nicht per se Pr\u00fcfstein sein, da es sich erst selbst in seiner Perzeption, also reflexiv, bew\u00e4hren muss. Zur Explikation eine Analogie: Die physikalische Theorie \u00fcber die Existenz von Radiowellen konnte sich mit dem Experiment einer \u00dcbertragung von Information von Sender zu Empf\u00e4nger und den anschlie\u00dfenden Falsifikationsversuchen, dem Ausschluss von Drittwirkungen, bew\u00e4hren. Diese Bew\u00e4hrung ist theoretisch m\u00f6glich ohne Einbezug der sozialen Welt, herstellbar &#8211; theoretisch &#8211; durch ein einzelnes Individuum. Im sozialwissenschaftlichen Kontext hingegen ist jegliche Theorie \u00fcber Existenz und Wirkung von Radiowellen erst m\u00f6glich nach einer gesellschaftlichen Produktion von Sende- und Empf\u00e4ngeranlagen und der massenweisen Partizipation von Individuen an dem darauf beruhenden Informationsfluss. Die Bew\u00e4hrung einer Theorie \u00fcber die gesellschaftliche Bedeutung eines Ph\u00e4nomens wird erst dann m\u00f6glich, wenn ein sozialwissenschaftliches Forschungsergebnis sich durch Perzeption und Reflexion durch andere Gesellschaftsmitglieder bew\u00e4hrt hat. Bew\u00e4hrt hat sich auf dieser Stufe eine Aussage \u00fcber eine gesellschaftlich Realit\u00e4t durch konsensuale oder dissensuale Reflexion dieser Aussage in der \u00d6ffentlichkeit, der Politik und der Wissenschaft, und in der Genese von respektiven Normen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialwissenschaftliche Ergebnisse sind nur dann im Popperschen Sinne bew\u00e4hrungsf\u00e4hig, wenn sie gesellschaftlich aufgenommen werden, also politische Wirkung entfalten und \u00f6ffent lich diskutiert werden. Sie m\u00fcssen mit expliziten gesellschaftlichen Interessen korrespondieren. Von dem Blick auf ihre Verwertung losgel\u00f6ste, also unabh\u00e4ngige Forschungsanlagen sind, glaube ich, \u00fcberhaupt nicht bew\u00e4hrungsf\u00e4hig. In der \u00f6ffentlichen Diskussion werden aber<br>gerade Forschungsanlagen, die sich als unabh\u00e4ngig von Interessen und Intentionen der Beteiligten, als \u201enicht subjektiv\u2018 verstehen wollen, als \u201eobjektiv\u201c bezeichnet. Dieser Objektivit\u00e4tsbegriff entspricht jedoch keinesfalls dem Popperschen Begriff der \u201eobjektiven Erkenntnis\u201c und seiner Theorie der drei Welten. Dazu aber sp\u00e4ter. Die mit dem Positivismusvorwurf verbundene Kritik an Popper leidet an der mangelnden Rezeption seiner nach 1968 publizierten<br>Werke.<\/p>\n\n\n\n<p>Falls Forschungsergebnisse rezipiert werden, ohne dass eine bestimmte Rezeption bereits zu Beginn des Forschungsprozesses, bei der Forschungsanlage und Themendefinition antizipiert wurde, w\u00e4re dies eine Zuf\u00e4lligkeit, die dem Popperschen Falsifizierungsprinzip widerspr\u00e4che und eine Hypothesenpr\u00fcfung (mangels Hypothese) ausschl\u00f6sse. Es bliebe nur die Hoffnung, dass sp\u00e4tere Generationen die Relevanz der Forschung noch entdecken k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur der sozialwissenschaftliche Forschungsprozess ist reflexiv, sondern auch die Themenwahl, die Definition des Forschungsgegenstandes, also die operationale Definition einer sozialen Realit\u00e4t, eines Begriffs, eines Konstrukts. Hier geht es um den Kommunikationszusammenhang der Wissenschaftler, die scientific community, um die finanzierenden Institutionen und um die in Politik und \u00d6ffentlichkeit wahrgenommene, meist medial vermittelte Brisanz oder Zukunftstr\u00e4chtigkeit eines Themas, unter Umst\u00e4nden sogar um gesellschaftliche oder wissenschaftliche Machtanspr\u00fcche oder direkt tangierte Interessen au\u00dferhalb des wissenschaftlichen Forschungsprozesses.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Forschungsprozess ist in Umfang und Tiefe determiniert durch die Verf\u00fcgbarkeit von Ressourcen. Sofern Forscher nicht aus eigener Kompetenz privat oder in ihrer institutionellen Funktion \u00fcber Forschungsmittel zus\u00e4tzlich zur eigenen Arbeitskraft verf\u00fcgen, m\u00fcssen sie diese Mittel f\u00fcr den intendierten Forschungsprozess beschaffen. Die M\u00e4chtigkeit dieser Mittel bestimmt die methodischen M\u00f6glichkeiten, den Umfang der zur Verf\u00fcgung stehenden Daten, die Verf\u00fcgbarkeit und Tiefe der Instrumente.<\/p>\n\n\n\n<p>Forscher arbeiten in der Regel in Institutionen, und sind abh\u00e4ngig von externen oder internen Auftraggebern, die auf Grund ihrer finanziellen Leistungen oder aus legitimatorischen Gr\u00fcnden bestimmte Erwartungen an die Resultate haben. Kurz: Die Ergebnisse m\u00fcssen verwertbar sein. Die Erwartungen beschr\u00e4nken sich durchaus nicht darauf, dass als Ergebnis des Forschungsprozesses \u201eirgend etwas\u201c resultiert, sondern Antworten auf die Fragestellungen, die sie zur Kooperation im Forschungsprozess bewogen haben. Forscher werden also zu Beginn des Forschungsprozesses Fragen stellen, die sie f\u00fcr beantwortbar halten und die Dritte interessieren. Bei der Auftragsforschung und bei den meisten Forschungen im Bereich der Verwaltung, etwa im Gesundheits- oder Sozialwesen, sind die Erwartungshaltungen in Bezug auf Antworten ausreichend klar, zumal was Antworten angeht, die den Intentionen der Auftraggeber widersprechen. Erfolgreiche Antragssteller antizipieren implizite und explizite Erwartungen und pr\u00e4sentieren ein Forschungsdesign, welches die durch Entt\u00e4uschung dieser Erwartungen auftretenden Schwierigkeiten zu vermeiden sucht: Sie m\u00f6chten sich und anderen \u00c4rger ersparen, ihre Interessen mit denjenigen der Rezipienten zwar nicht gleichsetzen, aber doch Anklang finden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der heutigen medialisierten Welt sind Forschungsprozesse und Forschungsergebnisse, die Antworten auf gesellschaftliche Fragestellungen geben m\u00f6chten, selbst medialisierte Produkte. Ver\u00f6ffentlichungspolitik und mediale Aufbereitung werden f\u00fcr den Forschungsprozess immer wichtiger. Die Bedeutung der medialen Vermittlung von Forschungsergebnissen in der breiten \u00d6ffentlichkeit, die der Fragestellung nach der Bew\u00e4hrungsf\u00e4higkeit neue Dimensionen \u00f6ffnet, wurde bis jetzt kaum beachtet. Im \u201ePositivismusstreit\u201c beispielsweise ist keine Rede davon. Bew\u00e4hrungsf\u00e4higkeit wurde bis dahin in der scientific community, der Fach\u00f6ffentlichkeit und eventuell noch in der Ministerialb\u00fcrokratie, der Politik im engeren Sinne verortet.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Kritik der Forderung nach Objektivit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die Forderung nach Objektivit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Forschung, und die bei der Pr\u00e4sentation der Ergebnisse vorgetragene Behauptung, sie seien objektiv und unabh\u00e4ngig \u2013 ich bezeichne dies als das Objektivit\u00e4tsparadigma -, tragen legitimatorischen Charakter. Thesen und Forschungsergebnisse sind gerade dann bew\u00e4hrungsf\u00e4hig, wenn die Interessenlage und die Positionen der Forschenden und der weiteren Beteiligten m\u00f6glichst gr\u00fcndlich offen liegen und dadurch den Einfluss der Interessenlage f\u00fcr s\u00e4mtliche Rezipienten analysierbar machen. Sozialforscher sind also gut beraten, \u00fcber die zu erwartenden Wirkungen der Resultate ihrer Forschungsvorhaben intensiv nachzudenken und die Forschungsanlage entsprechend zu gestalten. Falls sie diese Intention explizit machen, setzen sie sich heute dem Vorwurf aus, \u201eSubjektiv\u201c vorzugehen und das Gebot der Objektivit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit zu verletzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Poppers Objektivit\u00e4tsbegriff ist mit dem Objektivit\u00e4tsparadigma \u00fcberhaupt nicht zu verwechseln. Er verankert das Konzept der objektiven Erkenntnis (objective knowledge) in der Welt 3, der Welt der \u201eobjektiven Gedankeninhalte\u201c, der Begriffe und Aussagen, deren wichtigste Bewohner kritische Argumente und der \u201eStand einer kritischen Auseinandersetzung\u201c sind. (10) Folgt man diesem Konzept, ist objektive Forschung immer gegeben, wenn sie sich auf die Welt 3 bezieht, also keine nur durch blo\u00dfe Gef\u00fchle und Einstellungen des Forschenden motivierte Aussagen macht, die der Welt 2 zugeh\u00f6ren, der Welt der Subjekte, der Bewusstseinszust\u00e4nde, Erfahrungen und Kenntnisse der Einzelnen. Der Gegenstand der Forschung jedoch kann durchaus auch Teil der Welt 1, der Welt der physikalischen Gegenst\u00e4nde oder physikalischen Zust\u00e4nde oder der Welt 2 sein. Die reflektierte Interessenlage des Forschenden ist der<br>Welt 3 zuzuordnen. Unterliegt auch sie der Kritik, bedarf Objektivit\u00e4t keiner weiteren Legitimation. Sie ist nur dann nicht gegeben, wenn \u201ehidden agenda\u201c vorherrschen und Interessen durch Ausblendung der Kritik entzogen sind. Nicht auszuschlie\u00dfen ist die Gefahr, dass Forscher bez\u00fcglich der Reflexion ihrer Interessenlage blind sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Poppers Ansatz der objektiven dritten Welt gr\u00fcndet wesentlich auf Platons Entdeckung der objektiven Formen und Ideen, die oft mit Denkvorg\u00e4ngen verwechselt wurden, also Bewusstseinszust\u00e4nden, die der zweiten Welt zugeh\u00f6ren. Poppers dritte Welt enth\u00e4lt nicht nur Allgemeinbegriffe, sondern auch mathematische Wahrheiten und Behauptungen, auch falsche Behauptungen und alle m\u00f6glichen nichtmathematischen Behauptungen und Theorien. Mit seiner Theorie der drei Welten l\u00f6st er Platons Dualismus auf, stellt Platon sozusagen vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe. (11)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Habermas und Adorno ist die gesellschaftliche Totalit\u00e4t das Objektive per se. Habermas setzt im Zusammenhang mit seiner Forderung nach emanzipativer Sozialforschung die Gesellschaft als Subjekt, somit die Forscher als gesellschaftliche Objekte, der Begriff der objektiven Forschung l\u00f6st sich dialektisch auf.&#8216; (12) So ist auch Adorno zu verstehen: \u201eDenn Soziologie hat Doppelcharakter: in ihr ist das Subjekt aller Erkenntnis, eben Gesellschaft, der Tr\u00e4ger logischer Allgemeinheit, zugleich das Objekt.\u201c (13) Ganz \u00e4hnlich argumentieren Berger\/Luckmann in Auseinandersetzung mit Weber und Durkheim: \u201eEs ist ja gerade der Doppelcharakter der Gesellschaft als objektive Faktizit\u00e4t und subjektiv gemeinter Sinn, der sie zur \u00abRealit\u00e4t sui generis\u00bb macht\u201c (14) Berger\/Luckmann bauen ihre ganze Wissenssoziologie auf der Differenzierung von \u201eGesellschaft als objektive Wirklichkeit\u2018 und \u201aGesellschaft als subjektive Wirklichkeit\u2018 auf. Diese dualistische Position, die Gesellschaft gleichzeitig als Subjekt und als Objekt setzt,<br>ist im Grunde allen hermeneutischen und dialektischen Ans\u00e4tzen gemeinsam. \u201eGenauso wie Wirklichkeit urspr\u00fcnglich mittels eines gesellschaftlichen Prozesses internalisiert wird, wird sie auch mittels gesellschaftlicher Prozesse im Bewusstsein festgehalten. [\u2026] Auch sie [die Prozesse der Internalisierung] spiegeln die fundamentale Tatsache, dass subjektive Wirklichkeit in Beziehung stehen muss zu einer objektiven Wirklichkeit, die gesellschaftlich bestimmt ist.\u201c (15) So gesehen w\u00e4re eigentlich auch die subjektive Wirklichkeit objektiv. Der dialektische Dreischritt der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit, auf den simplen Punkt gebracht, lautet bei Berger\/Luckmann: Ich &#8211; Die Anderen &#8211; Die Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Physik ist die Aufhebung der Trennung von Objekt und Subjekt &#8211; allerdings nicht als dialektische Aufhebung &#8211; l\u00e4ngst bew\u00e4hrte Theorie. Der Quantentheoretiker Erwin Schr\u00f6dinger schrieb: \u201eSubjekt und Objekt sind nur eines. Man kann nicht sagen, die Schranke zwischen ihnen sei unter dem Ansturm neuester physikalischer Erfahrung gefallen; denn diese Schranke gibt es gar nicht.\u201c (16) Diese Position findet sich in \u00dcbereinstimmung mit dem Neopragmatismus des Philosophen Richard Rorty, der keine M\u00f6glichkeit sieht \u201eden relativen Gehalt an Subjektivit\u00e4t und Objektivit\u00e4t in einer gegebenen \u00dcberzeugung zu vergleichen. Es gibt, wie Wittgenstein sagt, keine M\u00f6glichkeit, zwischen Sprache und ihr Objekt zu treten.\u201c (17)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben also gute Gr\u00fcnde, die Begriffe \u201eObjektivit\u00e4t\u201c und \u201eUnabh\u00e4ngigkeit\u201c als Kriterium f\u00fcr die Qualit\u00e4t sozialwissenschaftlicher Forschung aufzugeben. Folgt man hermeneutischen und dialektischen Positionen, sind Forscher und Gesellschaft immer zugleich Objekt und Subjekt. Folgt man Popper, ist jede Aussage, die sich auf Welt 3 bezieht, objektiv. Anstelle des Begriffs der Objektivit\u00e4t tritt derjenige der Kritik und des Arguments, anstelle der Unabh\u00e4ngigkeit tritt das explizierte Interesse. Folgt man der Quantenphysik, sind Subjekt und Objekt ein Ding.<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialwissenschaftliche Forscher m\u00fcssen sich, viel st\u00e4rker noch als reine Naturwissenschaftler, den Erwartungshaltungen Dritter stellen und ihre Interdependenz im Forschungsprozess reflektieren. Die Erkenntnis der Untrennbarkeit von Forschungsgegenstand und Instrument, der Untrennbarkeit von Instrument und Forschungsergebnis und der Untrennbarkeit des soziologischen Forschungsergebnisses von den Sozialwissenschaftlern als gesellschaftliche<br>Subjekte &#8211; wir k\u00f6nnen nach der Dekonstruktion des Subjektbegriffs auch sagen: als in der Gesellschaft Handelnde &#8211; steht nicht gegen das Durkheimsche Postulat, Gesellschaft wie einen naturwissenschaftlichen Gegenstand zu behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sozialwissenschaften unterscheiden sich bez\u00fcglich ihrer Reflexivit\u00e4t insofern nicht von der Philosophie, als Philosophen sich selbst sehr wohl zum Gegenstand der Erkenntnis machen, wie auch Soziologen die soziale Welt analysieren, deren Teil sie sind. Bezeichnend ist jedoch, dass die Soziologie als junge, vielleicht noch nicht gereifte Wissenschaft in einer Welt, in der sie sich ihren Platz noch nicht geschaffen hat, aus Legitimationsgr\u00fcnden sich eine unfruchtbare Diskussion leistet um den vorgeblich besser oder schlechter erf\u00fcllten Objektivit\u00e4tsanspruch qualitativer oder quantitativer Methoden. \u00dcberhaupt scheint mir die Trennung von Methode und Inhalt eine etwas zweifelhafte soziologische Spezialit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Sofern die Soziologie normative deontologische S\u00e4tze als Hypothesen aufstellt oder als L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zur Diskussion stellt, ist mit Georg Henrik von Wright gegen Kants kategorischen Imperativ zu schlie\u00dfen, dass deontologische S\u00e4tze immer auf Interessen \u201ehinter\u201c diesen S\u00e4tzen selbst gr\u00fcnden. (18) Wenn nun Politik und \u00d6ffentlichkeit involviert sind, und die Gesellschaft als Subjekt adressiert ist, ist ein sozialwissenschaftliches Forschungsergebnis ohne deontologische, normative oder perlokution\u00e4re Aussagen, seien es auch nur verdeckte Aussagen \u00fcber w\u00fcnschbare Zust\u00e4nde, \u00fcber Sein-Sollen oder Tun-Sollen, gar nicht denkbar. Die Forderung nach wissenschaftlicher Objektivit\u00e4t verliert in diesem Zusammenhang jeden Sinn und entlarvt sich als blo\u00dfe Ideologie.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Transdisziplinarit\u00e4t als \u00dcberwindung des Objektivit\u00e4tsparadigmas?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarit\u00e4t wird neuerdings die Reflexivit\u00e4t sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse programmatisch aufgenommen. Brand bezeichnet Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarit\u00e4t sogar als neuen Forschungstypus. (19) Er definiert Transdisziplinarit\u00e4t folgenderma\u00dfen: \u201eTransdisziplin\u00e4re Forschung unterscheidet sich [von disziplin\u00e4rer, multidisziplin\u00e4rer und interdisziplin\u00e4rer Forschung] dadurch, dass sie sich auf wissenschaftsexterne, gesellschaftlich diskutierte Problemstellungen bezieht, zu deren L\u00f6sung zumeist auch die Kooperation von Praxispartnern erforderlich ist. Die Bearbeitung dieser Probleme l\u00f6st sich von disziplin\u00e4ren Erkenntnisinteressen und Methodenzw\u00e4ngen. Die Qualit\u00e4t dieser Forschung bemisst sich an der doppelten F\u00e4higkeit, die lebensweltliche Problemwahmehmung sowohl in eine wissenschaftlich bearbeitbare Form [zu] \u00fcbersetzen, als auch L\u00f6sungen entwickeln zu k\u00f6nnen, die au\u00dferwissenschaftiich greifen.\u201c (20) Die J\u00fcnger der Transdisziplinarit\u00e4t haben in erster Linie zwei Forschungsgebiete im Blick, n\u00e4mlich die Umweltforschung und die Technikfolgenforschung. In dem dialogisch-partizipativen Wissenschaftsmodell wird Wissenschaft selbst reflexiv, der Verlust des \u201eObjektivit\u00e4ts-Nimbus&#8220; wird als Chance begriffen. (21)<\/p>\n\n\n\n<p>Brandneu sind diese Ans\u00e4tze zwar nicht, doch erreichen sie in ihrer direkten Bezugnahme auf politische Prozesse und durch die Bedeutung der Umweltdebatte und der Debatte um Technikfolgen seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Dichte, die Durchsetzungsf\u00e4higkeit indiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Helga Nowotny und Adalbert Evers haben diese Forschungsrichtung auf Grundlage des Begriffs der Unsicherheit vorgedacht: \u201eDie Gestaltbarkeit von Gesellschaft zum Gestaltungsprinzip zu erheben, so m\u00f6chten wir diese Aufgabe umschreiben und damit die Notwendigkeit betonen, im Rahmen einer demokratischen Gesellschaftsordnung vor allem die soziale Kompetenz des einzelnen, gemeinschaftliche und kollektive Zusammenh\u00e4nge anzuheben, um jenem Zuwachs an Komplexit\u00e4t begegnen zu k\u00f6nnen, der sich zentralistisch gedachte Steuerungsmechanismen nicht mehr gewachsen sehen.\u201c (22) Mir scheint es sich bei dieser Diskussion um eine ewige Wiederkunft der elften Feuerbach-These zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>In den siebziger Jahren hat die Gruppe um van den Daele den Einfluss der Politik auf die Forschung systematisch theoretisch und empirisch \u00fcberpr\u00fcft. (23) Sie sprechen allerdings noch von einer \u201eDichotomie von nicht steuerbarer Grundlagenforschung und steuerbarer angewandter Forschung\u201c, (24) kommen dann aber zum Ergebnis, \u201edass zwischen Politik und Wissenschaft ein Verbundsystem besteht, in dem es au\u00dferordentlich schwierig ist, Anpassungsleistungen von Steuerungsimpulsen zu trennen.\u201c (25)<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1970 f\u00fchrte Hannes Friedrich eine gro\u00df angelegte Studie \u00fcber die wissenschaftliche Beratung in der Politik durch. Seine beiden Thesen lauten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201eDie wissenschaftliche Beratung gewinnt innerhalb des politisch-administrativen Raumes selbst eine politische Funktion, die im wesentlichen von den Zielen und Interessen der Ministerialb\u00fcrokratie bestimmt wird.\u201c F\u00fcr meine Fragestellung w\u00e4re \u201eMinisterialb\u00fcrokratie\u201c zu ersetzen mit \u201ePolitik und \u00d6ffentlichkeit\u201c.<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDadurch, dass die Wissenschaften in der politischen Praxis t\u00e4tig werden, entwickeln sie eigene Interessen und bestimmen teils manifest, teils latent den Inhalt der politischen Entwicklung.\u201c (26)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Friedrich kann beide Thesen belegen, gibt der ersteren jedoch auf Grundlage der damaligen Situation das gr\u00f6\u00dfere Gewicht. In der erweiterten Perspektive der transdisziplin\u00e4ren Forschung muss die Bedeutung der zweiten These gegen\u00fcber der ersten wachsen. So fordert es auch sein wissenschaftspolitisches Programm: \u201eAngesichts der bisherigen passiven Rolle der Wissenschaft gegen\u00fcber der Politik und angesichts der sich abzeichnenden Tendenz der st\u00e4rkeren Integration der Wissenschaft in den Kontext der Regierungs- und Verwaltungsziele w\u00e4re es notwendig, dass die Wissenschaftler ein gr\u00f6\u00dferes Engagement gegen\u00fcber den Problemen der gesellschaftlichen Praxis entfalten. Dies w\u00fcrde einmal bedeuten, dass die Problemstellungen der Praxis st\u00e4rker in der Forschung ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden, um eher imstande zu sein, L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge und Konzeptionen zu entwickeln. Zum anderen k\u00f6nnte der Beitrag der Wissenschaften zur Politik darin bestehen, dass sie selbstt\u00e4tig und nicht erst auf Antrag AnaIysen und Empfehlungen zu anstehenden Problemen erarbeiten.\u201c (27) Friedrich setzt zwar bei den Ministerialbeh\u00f6rden an, doch kann sein Programm auch gegen\u00fcber Politik und \u00d6ffentlichkeit \u00fcberhaupt gelten, mit beispielsweise Industriebetrieben, Gewerkschaften, B\u00fcrgerinitiativen oder Parteien als Ansprechpartner. Friedrich geht eigentlich weiter als die neuesten Ans\u00e4tze der Nachhaltigkeitsforschung und der Transdisziplinarit\u00e4t, die folgende Selbstdefinition anbieten: \u201eDer f\u00fcr die Transdisziplinarit\u00e4t spezifische Aspekt eines wissenschafts\u00fcbergreifenden Problems ist also dann gegeben, wenn dieses Problem a) im au\u00dferwissenschaftlichen Bereich (\u00d6konomie, Politik, Lebenswelt) entstanden ist, b) dort auch seine L\u00f6sung als dringlich empfunden wird, c) es deshalb von der \u00d6ffentlichkeit als relevant eingestuft wird und d) \u00fcber<br>institutionelle Wege (Forschungsauftr\u00e4ge, Projektfinanzierung) an die Wissenschaft herangetragen wird.\u201c (28)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Themensetzung aller hier vorgestellten Autoren liegt fast ausnahmslos in den Bereichen Umwelt und Technikfolgen, Bereiche, die als gesellschaftlich \u00e4u\u00dferst relevant und reflexiv angesehen werden, wissenschaftspopul\u00e4r ausgedr\u00fcckt, die \u201eRisikogesellschaft\u201c konstituieren. Ich bin jedoch \u00fcberzeugt, dass weitere Themen folgen werden. (29) Die transdisziplin\u00e4re Forschungskonzeption liefert Ergebnisse, die bez\u00fcglich ihrer Bew\u00e4hrungsf\u00e4higkeit keine W\u00fcnsche<br>offen lassen. Sie birgt aber eine Problematik, die in den Verwertungsbedingungen der Ergebnisse gr\u00fcndet: Forscher in ihrer faktischen und erkl\u00e4rten Interdependenz pr\u00fcfen und entwickeln Hypothesen, die den Verwertungsbedingungen entsprechen, m\u00fcssen also Hypothesen ausblenden, die au\u00dferhalb der Interessenkonfiguration stehen und deshalb nicht legitimierbar sind. S\u00e4tze, die in diesem Kontext \u201enicht brauchbar\u201c sind, k\u00f6nnen und d\u00fcrfen auch nicht gepr\u00fcft werden. Da sich die Forscher im steten Austausch mit den \u201eAbnehmern\u201c ihrer Ergebnisse befinden, bedeutet dies auch im Forschungsprozess selbst eine schwer ertr\u00e4gliche Schw\u00e4chung des Falsifikationsprinzips. Dass diese Forschungskonzeption die Weberschen und Parsonschen Forderungen nach wissenschaftspolitischer Wertfreiheit verneint, scheint nicht sonderlich problematisch, hermeneutische und dialektische Forschungsrichtungen haben schon vorher auf sie verzichtet. Sind jedoch auch R\u00fcckwirkungen auf die Wahl und Anwendung der Instrumente und Methoden zu erwarten, besteht die Gefahr, dass die Forschungsergebnisse sich zwar bew\u00e4hren k\u00f6nnen, aber nicht mehr pr\u00fcfbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im schlechtesten Falle k\u00f6nnte die Wissenschaft an die direkten Verwertungsbed\u00fcrfnisse ausgeliefert werden, was der sp\u00e4te Gadamer angesichts der laufenden Transformation der Universit\u00e4ten bef\u00fcrchtete. (30)<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen eine solche Vereinnahmung durch gesellschaftliche Verwertungsinteressen wendet sich auch Staab: \u201eWenn andererseits gefordert wird, den \u2018bestehenden Dualismus zwischen Industrie und Hochschule\u2019 aufzuheben, dann halte ich dies f\u00fcr unrealistisch und nicht erstrebenswert; denn unbestreitbar haben Wissenschaft und Wirtschaft unterschiedliche Interessen. [\u2026] Die Motive unterscheiden sich: Die akademische Forschung ist auf Gewinnung neuer Einsichten gerichtet; sie ist ein Weg in unbekannte Territorien, dessen Ziel zun\u00e4chst nicht klar erkennbar ist.\u201c (31)<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ausgew\u00e4hlte Beispiele f\u00fcr die Reflexivit\u00e4t der Perzeption von Forschungsergebnissen und das Objektivit\u00e4tsparadigma<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Mein erstes Beispiel f\u00fcr Reflexivit\u00e4t sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse stammt aus der Sozialepidemiologie von AIDS. In den achtziger Jahren zeigten die Erkrankungsdaten im Zeitverlauf einen exponentiellen Anstieg. Wir korrigierten und validierten die Daten nach allen Regeln der epidemiologischen Kunst und stellten fest, dass eine logistische Wachstumsfunktion, die im Gegensatz zur exponentiellen Funktion eine S\u00e4ttigungsgrenze beziehungsweise den H\u00f6hepunkt der Epidemie absch\u00e4tzen l\u00e4sst, genauso gut angepasst werden konnte. Die Entscheidung des deutschen Gesundheitsamtes, f\u00fcr die \u00f6ffentliche Diskussion die logistische Funktion der exponentiellen vorzuziehen, war bestimmt durch das Bed\u00fcrfnis, der \u00f6ffentlichen Diskussion ihre apokalyptische Sch\u00e4rfe zu nehmen, ganz im Gegensatz zu Interessen von Moralunternehmern und Versicherungsmathematikern, die sich f\u00fcr ihre Unternehmen satte Pr\u00e4miensteigerungen versprachen. (32) In der Schweiz war die Datenlage die selbe.<br>Das Gesundheitsamt w\u00e4hlte aber die exponentielle Interpretation, da es der Ansicht war, dies w\u00fcrde seine Pr\u00e4ventionsbem\u00fchungen st\u00fctzen. Unerw\u00fcnscht war die Formulierung und vor allem die Publizierung von Hypothesen \u00fcber die zentrale Rolle der sogenannten \u201eRisikogruppen\u2018. Verwertungsinteressen intervenierten in den Forschungsprozess, da eine gepr\u00fcfte Hypothese, die der zentralen Erfordernis der Verwertbarkeit widerspricht, nicht legitimiert werden kann. (33) Sie konnte in diesem Fall nicht legitimiert werden, weil sich die Pr\u00e4ventionsbem\u00fchungen auf das Risiko der allgemeinen heterosexuellen Bev\u00f6lkerung richtete und die Gefahr weiterer Ausgrenzungen der sogenannten \u201eRisikogruppen\u201c gesehen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite Beispiel bezieht sich auf die Auseinandersetzung mit dem Rinderwahn, BSE. Schon in den achtziger Jahren bestand der Verdacht, dass diese Rinderseuche dem Menschen gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte. Die englische Gesundheitsbeh\u00f6rde stoppte 1991, nach dem Auftreten von Todesf\u00e4llen mit Verdacht auf \u00dcbertragung von Rind auf Mensch, s\u00e4mtlichen wissenschaftlichen Austausch mit ausl\u00e4ndischen Gesundheitsbeh\u00f6rden auf Druck der \u00d6konomie und des Landwirtschaftsministeriums und damit den Zugang zu entscheidungsnotwendigen Daten f\u00fcr ausl\u00e4ndische Wissenschaftler. Bald darauf zeigten Experimente die \u00dcbertragbarkeit vom Rind auf den Hamster und das Schwein. In der Schweiz wurden diese Resultate von den wissenschaftlichen Gesundheitsbeh\u00f6rden per Pressemitteilung mit dem Satz kommuniziert, es sei nicht bewiesen, dass der Erreger auf den Menschen \u00fcbertragbar sei, ein wahrer Satz angesichts der Unzul\u00e4ssigkeit, einen Menschen experimentell zu infizieren. (34)<\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte Beispiel bezieht sich auf die Ver\u00f6ffentlichung des sogenannten Bergier-Berichts in der Schweiz, der im Auftrag des Bundesrates die Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg, insbesondere das Verh\u00e4ltnis zum Deutschen Reich analysieren sollte. Der Bericht wirft ein teilweise nicht sehr g\u00fcnstiges Licht auf die Schweizer Beh\u00f6rden, nimmt aber auch die Beschreibung der Situation und des politischen Drucks mit auf, der auf der vom faschistischen Europa umschlossenen Schweiz lastete. Von konservativer Seite und von Seiten kriegsmobilisierter Veteranen wurde der Bericht heftig kritisiert, immer mit dem selben Argument: er sei nicht objektiv, weil er die Perspektiven der Beteiligten nicht ber\u00fccksichtige, sondern sich nur auf Dokumente abst\u00fctze. Objektivit\u00e4t wurde gleichgesetzt mit der Aufnahme der eigenen Perspektive. Die Kritik mangelnder Objektivit\u00e4t bedeutet nichts anderes, als dass die Perspektive der Kritiker nicht der Perspektive der Produzenten des Forschungsergebnisses entspricht. Das ist die deutlichste Ausformung des Objektivit\u00e4tsparadigmas.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Agenda Setting, Agenda Building und Interessenkritik als L\u00f6sungsvorschlag f\u00fcr das Objektivit\u00e4tsparadigma<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Der sozialwissenschaftliche Forschungsprozess und die Forschungsergebnisse m\u00fcssen, um sich bew\u00e4hren zu k\u00f6nnen, und das ist ihr Zweck, in \u00d6ffentlichkeit und Politik zu Agenda werden. Popper verortet die Bewohner seiner dritten Welt in B\u00fcchern, Bibliotheken, Datensammlungen und dergleichen. Die Bedeutung der massenmedialen Vermittlung dieser Bewohner, die Bedeutung der Medien f\u00fcr ihre Bew\u00e4hrungsf\u00e4higkeit, die Rolle der Produkte der Wissenschaftsjournalisten in Presse, Rundfunk und Fernsehen beispielsweise hat keiner der hier diskutierten Autoren erw\u00e4hnt. Die Reflexivit\u00e4t bezieht sich n\u00e4mlich nicht nur auf die Diskussion und die Wirkung der Ergebnisse in Politik und \u00d6ffentlichkeit, sondern auch auf die Art und Weise der medialen Aufarbeitung. Es ist wesentlich f\u00fcr den Forschungsprozess, das mediale Interesse zu reflektieren, da sich die heutige Zeit bez\u00fcglich der Bedeutung der massenmedial vermittelten gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit wesentlich von der nahen Vergangenheit unterscheidet. Film und Radio stehen zwar schon eine Weile neben den Zeitungen und Zeitschriften, Fernsehen und Internet haben die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit nun definitiv revolutioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfolgreich gestaltete Agenda kennzeichnen sich erstens durch eine m\u00f6glichst ambigue Definition, zweitens durch die Betonung weitreichender sozialer Konsequenzen und drittens durch die Darstellung als einfaches Problem. (35)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die wissenschaftliche T\u00e4tigkeit umformuliert, entspricht die ambigue Definition der Forschungsfragestellung als Formulierung eines bestimmten Nicht-Wissens selbst. Der zweite Punkt entspricht der wissenschaftlichen Forderung nach Relevanz des sozialwissenschaftlichen Forschungsergebnisses, das nur dann bew\u00e4hrungsf\u00e4hig ist, wenn es rezipiert wird, also soziale Konsequenz intendiert. Der dritte Punkt, die Darstellung als einfaches Problem, widerstrebt dem Selbstverst\u00e4ndnis vieler Wissenschaftler, f\u00fcr welche die Bearbeitung \u201eeinfacher Probleme\u201c eine Unterforderung und Abwertung bedeuten k\u00f6nnte. Anderseits ist jede \u201eL\u00f6sung\u201c einer Forschungsfrage einfacher als die vorausgehende Fragestellung, die Synthese einfacher als die Kontradiktion von These und Antithese. Das Bem\u00fchen um einfache Darstellung, um Datenreduktion, um Reduktion von Komplexit\u00e4t, um \u201eelegante\u201c L\u00f6sungen, um Anschaulichkeit sind dar\u00fcber hinaus zentrale Aufgaben des Forschungsprozesses und der Formulierung der Ergebnisse. Somit birgt die sozialwissenschaftliche Forschung die Bedingungen f\u00fcr die Bew\u00e4hrung ihrer Ergebnisse bereits in sich, wie auch die sozialwissenschaftliche Forschung ihren Gegenstand, n\u00e4mlich Gesellschaft, in sich birgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Konsequenz f\u00fcr die sozialwissenschaftliche Forschung ergeben sich drei Forderungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die klare Definition und Offenlegung der Interessen von Forscher und Auftraggeber, um diese kritisierbar zu machen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die eingehende Diskussion der verwendeten Instrumente und Verfahren.<\/li>\n\n\n\n<li>Die klare Ansprache der Rezipienten, was eine Themendefinition mit Blick auf gesellschaftliche Interessen bedingt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich schlage f\u00fcr eine diesen Prinzipien folgende, also handlungsorientierte Forschungsrichtung, die Motivation und Interessen s\u00e4mtlicher Beteiligten einschlie\u00dft und der Kritik aussetzt, den Begriff der intentionalen Forschung vor. Der Gefahr einer unerw\u00fcnschten Heteronomie der Wissenschaft kann und muss mit radikaler Konzentration auf das Gegenst\u00e4ndliche und mit gr\u00fcndlicher Methodenkritik begegnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt Lewin sieht das Gegenst\u00e4ndliche als das Moment der Geschlossenheit einer Wissenschaft: \u201eDas Fehlen der erkenntnistheoretischen, methodischen und logisch-formalen Einheitlichkeit innerhalb jeder einzelnen Wissenschaft lie\u00df den Schluss auf das Gegenst\u00e4ndliche als die eigentliche Quelle von Einheit und Vielfalt der Wissenschaften zu. Die Schwierigkeiten der positivistischen Auffassung betrafen [\u2026] nur das Gegenstandsmaterial, aber nicht die Gegenst\u00e4nde als Wissenschaftsobjekte, d.h. als sachlichen Gehalt von S\u00e4tzen eines Lehrgef\u00fcges. Nur in diesem ist Einheit und Vielheit der Wissenschaften zu suchen.\u201c (36)<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang muss eigentlich die Forderung nach Werturteilsfreiheit aufgegeben werden, und man kann darauf auch ohne Schaden verzichten, wenn die Kritik den Forschungsprozess selber umfasst. \u201eMax Webers Beharren auf der Werturteilsfreiheit war der Versuch, die Sozialwissenschaften aus den politischen und moralischen \u00dcberzeugungssystemen der Zeitkultur und der politischen Ordnung zu l\u00f6sen. Die best\u00e4ndige Debatte \u00fcber die<br>Werturteilsfreiheit zeigt, dass daf\u00fcr rein methodologische Argumente nicht ausreichen. Es muss die strukturelle Situation mit in Betracht gezogen werden, die Konstellationen unter denen Soziologie sich professionell ausdifferenzieren kann. Dazu geh\u00f6ren ein Verst\u00e4ndnis der komplexen Beziehungen zwischen Binnenlegitimation und Au\u00dfenlegitimation, der Schwierigkeiten, soziologische Erkenntnisobjekte aus den allgemein zug\u00e4nglichen Erfahrungszusammenh\u00e4ngen zu l\u00f6sen, und die Akzeptanz des Umstandes, dass soziologische Forschungsergebnisse immer &#8211; ob vom Forscher beabsichtigt oder nicht &#8211; einen Bezug zu den herrschenden, moralischen und politischen \u00dcberzeugungssystemen haben.\u201c (37)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Gefordert ist eine \u00d6ffnung der Wissenschaft oder mit Wolf Lepenies zu sprechen: \u201eEs geht nicht darum, Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft sauber voneinander zu trennen. Es geht darum, die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Wissenschaft zum Bestandteil des Wissenserwerbs selbst zu machen.\u201c (38)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2006_Farbcafe_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2006_Farbcafe_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3598\" srcset=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2006_Farbcafe_02.jpg 960w, https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2006_Farbcafe_02-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2006_Farbcafe_02-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Fussnoten und Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(1) Dies ist sie mangels eines au\u00dferhalb ihrer selbst liegenden Bezugspunktes in einer anderen Form als<br>beispielsweise die Mathematik als reine, axiomatisch gegr\u00fcndete Wissenschaft oder die Theologie als<br>transzendent gegr\u00fcndete Wissenschaft, welche &#8211; das ist eine tautologische Aussage &#8211; in der Gesellschaft wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Niklas Luhmann, Die Ausdifferenzierung von Erkenntnisgewinn: Zur Genese von Wissenschaft, in Son-<br>derheft 22\/1980 der K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie, Wissenssoziologie, hgg.<br>von Nico Stehr und Volker Meja, S. 104.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Hartwig Berger, Untersuchungsmethode und soziale Wirklichkeit. Eine Kritik an Interview und<br>Einstellungsmessung in der Sozialforschung, Frankfurt\/M 1980, S. 37.<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Aaron V. Cicourel, Method and Measurement in Sociology, London 1964.<\/p>\n\n\n\n<p>(5) Harold Garfinkel, Studies in Ethnomethodology, Prentice Hall 1967.<\/p>\n\n\n\n<p>(6) Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Frankfurt\/M 1967.<\/p>\n\n\n\n<p>(7) Karl R. Popper, Objektive Erkenntnis. Ein evolution\u00e4rer Entwurf, Hamburg 1973, $. 206. (Objective<br>Knowledge, Oxford 1972).<\/p>\n\n\n\n<p>(8) Sozialwissenschaftler \u201aschielen\u2018 sozusagen w\u00e4hrend der Analyse immer auch auf das m\u00f6gliche Resul-<br>tat, \u00e4hnlich wie Juristen, wenn sie subsumieren. Vgl. dazu Josef Estermann, Kriminelle Karrieren von<br>Gef\u00e4ngnisinsassen. Eine empirische Untersuchung, Diss. iur. Freiburg\/Ue, Bern u.a. 1986, Anhang 2,<br>S. 117-134.<\/p>\n\n\n\n<p>(9) Karl R. Popper, Logik der Forschung, T\u00fcbingen 1966 (2. Auflage, durchgesehen und erweitert durch die<br>Erg\u00e4nzungen der englischen Ausgabe), S. 198ff. (1. Auflage Wien 1935, The Logic of Scientific Disco-<br>very, London 1959), sp\u00e4ter expliziert in ders., Objektive Erkenntnis, Hamburg 1973, S. 30-33, S. 97, S.<br>119 ua..<\/p>\n\n\n\n<p>(10) Popper, Objektive Erkenntnis, a.a.0. S. 123f.<\/p>\n\n\n\n<p>(11) Popper, Objektive Erkenntnis, a.a.0. S. 175f.<\/p>\n\n\n\n<p>(12) J\u00fcrgen Habermas, Gegen einen positivistisch halbierten Realismus, in Adomo u.a., Der Positivismus-<br>streit in der deutschen Soziologie, Neuwied und Berlin, 1969, S. 260f, nachgedruckt in J\u00fcrgen Haber-<br>mas, Zur Logik der Sozialwissenschaften, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 1985, S. 45-76.<\/p>\n\n\n\n<p>(13) Theodor W. Adorno, Einleitung, in Adorno u.a., a.a.0., $.43.<\/p>\n\n\n\n<p>(14) Peter L. Berger und Thomas Luckmann, Die gesellschaftiche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theo-<br>rie der Wissenssoziologie, Frankfurt\/M 1980, S. 20 (The Social Construction of Reality, New York<br>196).<\/p>\n\n\n\n<p>(15) Berger\/Luckmann, a.a.0. S. 159f.<\/p>\n\n\n\n<p>(16) Erwin Schr\u00f6dinger, Geist und Materie, Braunschweig 1959, S. 38.<\/p>\n\n\n\n<p>(17) Richard Rorty, Relativismus: Entdecken und Erfinden, in: Information Philosophie, 1\/1997, S. 18.<\/p>\n\n\n\n<p>(18) Georg Henrik von Wright, Practical Reason, Ithaca 1983, S. 17, S. 130ff; ders., Handlung, Norm und<br>Intention. Untersuchungen zur deontischen Logik, Berlin und New York 1977, S. 60.<\/p>\n\n\n\n<p>(19) Karl-Werner-Brand, Nachhaltigkeitsforschung &#8211; Besonderheiten, Probleme und Erfordernisse eines<br>neuen Forschungstypus, in ders. (Hrsg.), Nachhaltige Entwicklung und Transdisziplinarit\u00e4t, Berlin 2000.<\/p>\n\n\n\n<p>(20) Karl-Werner Brand, a.a.0., S. 14f.<\/p>\n\n\n\n<p>(21) Karl-Werner Brand, a.a.0., S. 16.<\/p>\n\n\n\n<p>(22) Adalbert Evers, Helga Nowotny, \u00dcber den Umgang mit Unsicherheit. Die Entdeckung der Gestaltbarkeit<br>von Gesellschaft, Frankfurt\/M 1987, S. 86.<\/p>\n\n\n\n<p>(23) Wolfgang van den Daele, Wolfgang Krohn, Peter Weingart (Hg.), Geplante Forschung. Vergleichende<br>Studien \u00fcber den Einfluss politischer Programme auf die Wissenschaftsentwicklung, Frankfurt \/M 1979.<\/p>\n\n\n\n<p>(24) Van den Daele et al., a.a.0. S. 12.<\/p>\n\n\n\n<p>(25) Van den Daele et al., a.a.0. S. 17.<\/p>\n\n\n\n<p>(26) Hannes Friedrich, Staatliche Verwaltung und Wissenschaft. Die wissenschaftliche Beratung der Politik<br>aus Sicht der Ministerialb\u00fcrokratie, Frankfurt\/M 1970, S. 28<\/p>\n\n\n\n<p>(27) Hannes Friedrich, a.a.0, S. 455.<\/p>\n\n\n\n<p>(28) Philipp W. Balsiger, Rudolf K\u00f6tter, Transdisziplin\u00e4re Forschung &#8211; Fallbeispiel SPP \u201eUmwelt\u201c, in Karl-<br>Werner-Brand, Nachhaltigkeitsforschung &#8211; Besonderheiten, Probleme und Erfordernisse eines neuen<br>Forschungstypus, in ders. (Hrsg.), Nachhaltige Entwicklung und Transdisziplinarit\u00e4t, Berlin 2000, S.<br>188.<\/p>\n\n\n\n<p>(29) Bereits in den Startl\u00f6chern stehen die Gesundheitsforschung und sozialstaatliche Themen.<\/p>\n\n\n\n<p>(30) Hans-Georg Gadamer, Gedanken zur Wissenschaft, in G. Schettler u.a., Wissenschaft &#8211; Wirtschaft &#8211;<br>\u00d6ffentlichkeit, Berlin u.a. 1992, S. 11-17.<\/p>\n\n\n\n<p>(31) HA. Staab, Die Situation der Wissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland, in G. Schettler u.a.,<br>Wissenschaft &#8211; Wirtschaft &#8211; \u00d6ffentlichkeit. Berlin u.a.. 1992. S. 22.<\/p>\n\n\n\n<p>(32) Josef Estermann, J-M. Sulliger, H. Skarabis, Epidemiologie der HIV-Infektion in der Bundesrepublik<br>Deutschland &#8211; der Beitrag der amtlichen Erfassungssysteme, der anonymen Teststellen und des<br>Blutspenderscreenings, Das Gesundheitswesen, 1992 (54), S. 122-126.<br>Josef Estermann, Rita Bunikowski, Die Inzidenz von AIDS im Zeitverlauf \u2014 epidemiologische Entwick-<br>lung in einzelnen Gruppen mit erh\u00f6htem Risiko f\u00fcr eine HIV-Infektion, Das \u00f6ffentliche Gesundheitswe-<br>sen, 1990 (52), S. 213-220.<\/p>\n\n\n\n<p>(33) Josef Estermann, M. Gebhardt, J. Paget, Die heterosexuelle Transmission von HIV und AIDS in der<br>Schweiz, AIDS-Forschung (AIFO) 10\/1992, S. 517-522.<\/p>\n\n\n\n<p>(34) Siehe die ausf\u00fchrliche Analyse hierzu: Josef Estermann, Epidemien und Gesundheitspolitik. Staatliche<br>Institutionen des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesen gestalten ihren Gegenstand, in Maeder u.a., Gesund-<br>heit, Medizin und Gesellschaft, Z\u00fcrich 1999, $. 149-152.<\/p>\n\n\n\n<p>(35) Roger W. Cobb, Charles D. Elder, Participation in American Politics. The Dynamics of Agenda Building,<br>Baltimore, 1983; Wolfgang Eichhorn, Agenda-Stetting-Prozesse, M\u00fcnchen 1996.<\/p>\n\n\n\n<p>(36) Kurt Lewin, Werkausgabe, Band 2, Bern und Stuttgart 1983, S. 403.<\/p>\n\n\n\n<p>(37) Mario Rainer Lepsius, Interessen, Ideen und Institutionen, Opladen 1990, S. 298.<\/p>\n\n\n\n<p>(38) Wolf Lepenies, Gef\u00e4hrliche Wahlverwandtschaften. Essays zur Wissenschaftsgeschichte, Stuttgart<br>1989, S. 159.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen Gutes Leben \u00a9 ProLitteris, Josef Estermann Die Reflexivit\u00e4t der Perzeption sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse in Politik und \u00d6ffentlichkeit Josef Estermann Im ersten Abschnitt spreche ich \u00fcber die spezielle Ausformung der Reflexivit\u00e4t in der sozial-wissenschaftlichen Forschung, im zweiten will ich die Forderungen nach Objektivit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Wissenschaft kritisieren, im dritten die Entwicklung von Forschungsfeldern jenseits dieser &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2793\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Reflexivit\u00e4t der Perzeption sozialwissenschaftlicher Forschungsergebnisse<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2793","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2793","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2793"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3623,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2793\/revisions\/3623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}