{"id":2816,"date":"2024-01-07T00:05:33","date_gmt":"2024-01-06T22:05:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2816"},"modified":"2025-03-19T22:55:31","modified_gmt":"2025-03-19T20:55:31","slug":"frauenhandel-3-6-3-7-zeitgeist-prostitution","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2816","title":{"rendered":"Frauenhandel 3.6 &#8211; 3.7 Zeitgeist &#8211; Prostitution"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2828\">Weiterlesen: Frauenhandel<\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.97006b29-aad0-45e1-9550-5a8442b459f9\">is, Rahel Zschokke<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/9783907230138-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"69\" height=\"94\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/9783907230138-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3514\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>3.6 Einsch\u00e4tzung <\/strong><strong>von<\/strong> <strong>Prostitution<\/strong> <strong>und <\/strong><strong>Frauenhandel <\/strong><strong>heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Sie sagte sich: Mit ihm schlafen, <\/em><em>ja <\/em>&#8211; <em>aber nu<\/em><em>r <\/em><em>keine Intimit\u00e4t.&#8220;<\/em> Karl Kraus<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.1 Selbstbewusste <\/strong><strong>\u201eSex-Arbeiterinnen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der neuen Frauenbefreiungsbewegungen ab Anfang 70er Jahre begannen sich auch die Prostituierten zu emanzipieren; sie forderten zivile Rechte und Aufnahme ins Arbeitsrecht und verschafften sich \u00f6ffentlich Geh\u00f6r. Ausgehend von den USA Mitte der 70er Jahre, wo die Prostitution bis heute strafbar ist, wehrten sich die selbstbewusster gewordenen \u201eSex-Arbeiterinnen&#8220; gegen soziale und strafrechtliche Diskriminierungen, traditionelle Vorstellungen und Bilder \u00fcber Prostituierte, \u00dcbergriffe der Polizei, medizinische Zwangsuntersuchungen und gegen das Diktat ihrer Arbeitsverh\u00e4ltnisse durch staatliche Kontrolle und Zuh\u00e4lter. Von feministischen Anliegen bewegte Wissenschaftlerinnen, Anw\u00e4ltinnen, \u00c4rztinnen, Journalistinnen, K\u00fcnstlerinnen etc. befassten sich mit den Prostituierten, ihren Forderungen und ihrem neuen Selbstverst\u00e4ndnis; dies geschah auf der Grundlage der Rechte f\u00fcr Frauen auf frei w\u00e4hlbare Arbeit, Selbstbestimmung \u00fcber den eigenen K\u00f6rper, freiem Ausdruck und Repr\u00e4sentation, gegen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen. Aus diesen Allianzen bildete sich die erste Organisation f\u00fcr die Rechte der Prostituierten in San Francisco,<sup>220<\/sup> die sich im Laufe der Zeit unter verschiedenen Namen und Dachorganisationen \u00fcber amerikanische und west-europ\u00e4ische St\u00e4dte ausbreitete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.2 Organisierte<\/strong><strong> Prostitution als moderner Sklavenhandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der aufkommende feministische Diskurs, der sich als Feministische Wissenschaft, <em>Women Studies <\/em>und heute <em>Gender Studies <\/em>auch an westeurop\u00e4ischen Universit\u00e4ten etablierte,<sup>221<\/sup> machte sich daran, die Termini der Debatte zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext wird Prostitution als eine vom Patriarchat begr\u00fcndete Institution zum Zwecke der Kontrolle, des Missbrauchs und der Fremdbestimmung von Frauen, Frauenk\u00f6rpern und weiblicher Sexualit\u00e4t analysiert, die es zu bek\u00e4mpfen gilt. So beschreibt Kathleen Barry in ihrem ber\u00fchmt gewordenen Buch <em>Sexual <\/em><em>Slavery <\/em>(1979) Frauen aus der Dritten Welt, die verschleppt, f\u00fcr sexuelle Zwecke verkauft und in die USA, Westeuropa, Saudi-Arabien und andere L\u00e4nder transportiert wurden.<sup>2<\/sup><sup>22<\/sup> 1983 gr\u00fcndete sie mit Geldern der holl\u00e4ndischen Regierung das \u201eInternationale Feministische Netzwerk gegen weibliche sexuelle Sklaverei&#8220; in Rotterdam, eine Dachorganisation f\u00fcr Frauenorganisationen, die in 24 L\u00e4ndern mit ausl\u00e4ndischen Prostituierten-Organisationen arbeiten. Nach <em>COYOTE <\/em>wurde in der Folge <em>WHISPER<\/em><sup><em>22<\/em><\/sup><sup><em>3<\/em><\/sup> mit Hauptquartier in New York gegr\u00fcndet, eine Organisation von Feministinnen, mittlerweile auch in Westeuropa pr\u00e4sent, die den Aspekt der sexuellen Ausbeutung von Prostituierten formuliert und, auf dieser Erkenntnis fu\u00dfend, Frauenhandel zu bek\u00e4mpfen sucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.3 Feministische Debatte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die feministische Debatte wird heute schismatisch gef\u00fchrt: Die einen deuten Prostitution als befreiende Wahl f\u00fcr einige Frauen und als eine legitime Form von Arbeit, die anderen sehen die Prostitution als Form von Ausbeutung und sexueller Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Thematik der Prostitution ist eingebettet in den europ\u00e4isch-nordamerikanischen Diskurs um K\u00f6rper, Geschlecht, Weiblichkeit, weibliche Sexualit\u00e4t, sexuelle Befreiung, gesellschaftlicher Emanzipation von m\u00e4nnlicher Bestimmung \u00fcber Frauenk\u00f6rper und sexuelle Selbstbestimmung, die in den 70er Jahren ihren H\u00f6hepunkt hatte und die heute etablierte <em>Genderforschung <\/em>begr\u00fcndete. Strukturierende Themen waren Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von M\u00e4dchen durch m\u00e4nnliche Familienangeh\u00f6rige, patriarchale Strukturen und Werthaltungen und die Auseinandersetzung mit Vertretern von Justiz und Medizin, zum Beispiel in Fragen der Abtreibung (Recht auf den eigenen K\u00f6rper) und der Rechtssprechung in Vergewaltigungsprozessen (Gentleman&#8217;s Delikt) und der Gesetzgebung (Gewalt in der Ehe).<\/p>\n\n\n\n<p>Judith Butler artikuliert in ihrem Buch <em>Gender Trouble, <\/em>was einigen Feministinnen schon l\u00e4nger aufgefallen war.<sup>224<\/sup> Das \u201eWir-Frauen-Gef\u00fchl&#8220; der ersten Stunde des neuen Feminismus der 70er Jahre hatte tiefe Risse bekommen; angesichts der unterschiedlichen Positionen von Feministinnen sowie der unterschiedlichen Praxis von Frauen, aber auch im Verh\u00e4ltnis zu gesellschaftskritischen m\u00e4nnlichen Theoretikern und Praktikern, wurde die politisch\/soziale Kategorie <em>Frau <\/em>in Frage gestellt. Was einerseits als feministischer Generationenkonflikt und andererseits als Entpolitisierung und Fragmentierung der Frauenbewegung rezipiert wurde, m\u00fcndete in jenen heute aktuellen Auseinandersetzungen um die Definitionsmacht dar\u00fcber, was denn Gegenstand der Geschlechterforschung und wer f\u00fcr die wissenschaftliche Arbeit in diesem spezifischen Feld zust\u00e4ndig sei. Das belebende Moment der <em>Gender<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Differe<\/em><em>nz<\/em>-Debatte ist f\u00fcr die heutige gesellschaftskritische Praxis und Theorie sicher ein Gewinn, bewahrt sie doch davor, ,,blinde Flecken&#8220; der Partikularit\u00e4t als feministische Postulate zu verteidigen und die Sicht auf die eigene (partikul\u00e4re) Schicht- und Gesellschaftszugeh\u00f6rigkeit auszublenden. Die wissenschaftliche und praktische Herausforderung, Gesellschaftskritik ohne a priori festgelegtes \u201eWir-Gef\u00fchl&#8220; zu artikulieren, erm\u00f6glicht die Weiterf\u00fchrung des Diskurses um Herrschaft im Sinne Foucaults, der Kritik an Herrschaftsstrukturen als wesentliches Moment begreift.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es keine zu datierende spezifische Arbeit \u00fcber die Beziehung zwischen kritischer feministischer Theorie, Praxis und Prostitution gibt, haben Theoretikerinnen das Thema Prostitution angesprochen: \u00fcber Frauen und Kriminalit\u00e4t (Smart 1978, 1989, 1992) oder Frauen, Sexualit\u00e4t, soziale Organisation und Kontrolle (Mclntosh 1978, 1992; McLeod 1982; Jarvinen 1993; Brewis and Linstead 2000; O&#8217;Connell-Davidson 1998; West 2000). Historische Analysen haben vor allem Frauen, die als Prostituierte arbeiten, im Blick, aber auch den Staat als Kontrollinstanz, soziale Schichten und Gemeinschaften sowie die Regulierung des K\u00f6rpers (Walkowitz 1980; Finnegan 1979; Bullough and Bullough 1987; Corbin 1987). Neuere Texte untersuchen den Sextourismus in Lateinamerika und Asien (Truong 1990; O&#8217;Connell-Davidson 1998).<\/p>\n\n\n\n<p>In den Anfangsstadien der Analyse der Prostitution in der zeitgen\u00f6ssischen Gesellschaft galt ein reduktionistischer Ansatz, der Prostitution als abweichendes Verhalten behandelte. Feministische Arbeiten richteten den Blick vor allem auf Gewalt gegen Frauen, Sexualit\u00e4t, sexuelle Ausbeutung und\/oder die Pornographie-Debatte (Barry 1988; Hoigard and Finstad 1992; Segal and Mclntosh 1992). Sp\u00e4ter wurde Prostitution als verst\u00e4ndliche und vern\u00fcnftige Strategie zur \u00dcberwindung von sozio-\u00f6konomischer Not innerhalb des Kontextes einer Konsum-Kultur und innerhalb eines sozialen Rahmens, der m\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t privilegiert, gesehen (Pheterson 1986; O&#8217;Connell-Davidson 1998; McLeod 1982; McLintock 1995; Hoigard and Finstad 1992; Mclntosh 1978, 1992; West 2000). Jo Brewis und Stephen Linstead (2000) legen eine Untersuchung \u00fcber die tempor\u00e4re Organisation der Sexarbeit in Bezug auf den Arbeitsprozess vor und Jackie West (2000) untersuchte die Politik der Regulierung der \u201eSex-Arbeit&#8220; im Vergleich zwischen Australien, Neuseeland, den Niederlanden und Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n\n\n\n<p>Liberale Feministinnen fordern eine Gleichstellung von M\u00e4nnern und Frauen und kritisieren die doppelte Moral, die Frauen kriminalisiert und M\u00e4nner entehrt, aber das Gesch\u00e4ft mit der Prostitution aufrechterhalten will. Weg vom pathologischen Bild von Prostituierten argumentieren sie, dass Prostitution f\u00fcr Frauen ohne Alternativen eine Arbeitsgelegenheit ist, da der Arbeitsmarkt segmentiert und Frauen mit bestimmten Biographiemustern der Zugang zu regul\u00e4ren Arbeitspl\u00e4tzen oft erschwert oder verwehrt ist. Prostitution gilt darum als Lebensstrategie, um ein von Ehemann und Sozialhilfe unabh\u00e4ngiges Einkommen zu erzielen, und als positive und rationale Wahl <em>(rational choice)<\/em><em>, <\/em>solange eine Frau dies f\u00fcr sich selber entscheidet. Liberale Feministinnen versuchen, das Thema aus der Perspektive der Prostituierten zu formulieren. Sie st\u00fctzen sich bez\u00fcglich der Einsch\u00e4tzung der patriarchalen Ausbeutung auf deren Selbstdarstellung und -definition. Etwas abseits der Debatte finden sich auch Positionen, die sich auf den Stigma-Ansatz von Goffmann<sup> 225<\/sup> berufen (Pheterson 1986).<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialistische Feministinnen wie Carole Pateman <sup>226<\/sup> argumentieren, dass Prostitution keine \u201eArbeit wie jede andere auch&#8220; sei, denn die Prostituierte biete ihre k\u00f6rperliche Verf\u00fcgbarkeit und damit ihre Identit\u00e4t als Frau feil. Ihr Ansatz befasst sich mit der Frage, warum M\u00e4nner als Freier auftreten und formuliert damit eine Position, dieProstituierte als Frauen sch\u00fctzt, aber der Prostitution als Institution und deren Organisation und Kontinuit\u00e4t kritisch und ablehnend gegen\u00fcber steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Radikale Feministinnen wie Kathleen Barry sehen die Beziehung zwischen Klient und Prostituierter als Beispiel von m\u00e4nnlicher Dominanz. Sie fordern deshalb ein Ende der Prostitution als Form sexueller Sklaverei und ein Ende von patriarchal hegemonialen Geschlechtsbeziehungen. Sie argumentieren, dass Frauen grunds\u00e4tzlich in die Prostitution gezwungen sind und die Prostitution als Gesch\u00e4ft vor allem dem finanziellen Vorteil Dritter und nicht den Prostituierten selber diene.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kalifornische Soziologieprofessorin, ehemalige \u201eSex-Arbeiterin&#8220; und Konsumentin der Sexindustrie Jill Nagle (1997) <sup>227<\/sup> profiliert sich als kontroverse Figur. Sie will eine Plattform schaffen f\u00fcr Frauen, die in der Sexindustrie arbeiten und keinen Zugang zur feministischen (akademischen) Debatte haben. Sie meint, dass die feministische Debatte die Prostituierten verfehlt habe. Sie pl\u00e4diert f\u00fcr bessere Bedingungen der Sexarbeit, unterscheidet aber zwischen frei gew\u00e4hlter und mit Gewalt erzwungener Prostitution. Als Homosexuelle wendet sie sich gegen jede Form von Strafe von <em>consensual adult sexual activity <\/em>und will eine Br\u00fccke schlagen zwischen <em>good girls and bad girls <\/em>und macht keinen Unterschied zwischen Sex und kommerziellem Sex <em>(erotic labour).<\/em> Sie unterteilt Feministinnen in drei Kategorien:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Pro<\/em><em>&#8211;<\/em><em>positive <\/em><em>Sex-Feministinnen:<\/em> Sie sehen Prostitution und Pornographie als korrupte Praktiken, die positiven Sex oder Eros, der auf Liebe aufbaut, unterminieren. Der Ausdruck von Sex ist Liebe und ist in der Objektivierung vergewaltigend (Kathleen Barry, Carole Pateman u.a.). Diese Autorinnen wollen Frauen von der Objektivierung des Sex durch M\u00e4nner befreien.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anti-Sex-Feministinnen<\/em><em>:<\/em> Frauen haben auf dem Terrain \u201eSex&#8220; nichts verloren, da dieses von M\u00e4nnern dominiert ist. Prostitution ist niemals Arbeit, da sie Frauen als Sex-Objekt konstituiert, was die von M\u00e4nnern phantasierte Definition von Frauen als \u201eHuren&#8220; best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Radikale Feministinnen: <\/em>Sie sehen alle Formen des Sex als subversive M\u00f6glichkeit, die kulturelle Ordnung von innen heraus durcheinander zu bringen. Sex kann m\u00e4nnliche Macht destabilisieren, aber auch verst\u00e4rken. Diese Haltung entspricht einer radikalen, libert\u00e4ren Ethik und Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Wendy Chapkis (1997) \u00e4u\u00dfert der \u201efreien Wahl&#8220; gegen\u00fcber kritisch, dass sehr wenige Frauen (dies gilt allerdings auch f\u00fcr M\u00e4nner) in der Lage sind, aus unvorteilhaften Positionen in hierarchischen Strukturen von Geschlecht, Rasse und Schichtzugeh\u00f6rigkeit ihre Lebensgrundlage frei zu w\u00e4hlen. Sie geht davon aus, dass Frauen, die in der Prostitution arbeiten, eine <em>rational choice <\/em>zugrunde legen, da eine \u201efreie Wahl&#8220; der Lebensgrundlage praktisch nur einigen wenigen Privilegierten vorbehalten ist. Sie pl\u00e4diert f\u00fcr vermehrte Kontrolle der Arbeitsbedingungen, aber auch f\u00fcr die Selbstbestimmung der Betroffenen und die Unterst\u00fctzung der Bewegung f\u00fcr Prostituiertenrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Debatte zeigt, dass sich die Position der Prostituierten nicht auf eine passive Objekthaftigkeit reduzieren l\u00e4sst, sondern <em>\u201ecan be understood as a place of agency where the sex worker makes use of the existing social order&#8220;.<\/em><sup><em>22<\/em><\/sup><sup><em>8<\/em><\/sup> Wenn die Autorin Prostituierte als Symbol von Frauenautorit\u00e4t und Bedrohung des Patriarchats anspricht und soziale Ungerechtigkeiten ins Feld f\u00fchrt, die mittels Prostitution und der Bewegung f\u00fcr Prostituiertenrechte subversiv-kreativ unterwandert werden k\u00f6nnen, fehlt ihrem Ansatz der Bezug zur Struktur der Ungerechtigkeiten. Ebenso schleierhaft bleibt der Bezug zur Gesamtgesellschaft. Von ihrem Ansatz bleibt eigentlich<sup> <\/sup>nur das \u201eHuren-Stigma&#8220; \u00fcbrig, gegen das sie sich wendet. Damit rennt sie reihum offene T\u00fcren ein, da dieser Ansatz in westlichen Gesellschaften schon l\u00e4nger als veraltet gilt, weil damit keine den Menschenhandel oder die (Migrations)Prostitution betreffende Probleme erkl\u00e4rt bzw. gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Engl\u00e4nderin Maggie O&#8217;Neill<sup>229<\/sup> nimmt die Anregung von Nagle und Chapkis auf und betont die wachsende Bedeutung der Europ\u00e4ischen Bewegung f\u00fcr Prostituiertenrechte als neue soziale Bewegung. Teil des sozialen Kontextes ist der Kampf um die Anerkennung der Prostitution als Arbeit und die internationale Aufnahme der Prostitution in die Arbeitsgesetze. Nach O&#8217;Neill postulieren feministisch beeinflusste Prostituierte f\u00fcr sich dieselben Rechte und Freiheiten wie andere Arbeiterinnen auch, weil die Realit\u00e4t von Frauenleben nicht unbedingt die M\u00f6glichkeit biete, \u00fcber Frauenunterdr\u00fcckung und Unterst\u00fctzung des Patriarchats zu debattieren. Aber viele Prostituierte seien sich der Widerspr\u00fcche bewusst und f\u00fchlten sich ausgebeutet. Selbsthilfegruppen, die Strategien des Widerstands diskutieren, wo Prostituierte einander unterst\u00fctzen und ermutigen, sind manchenorts aktiv. Das sind in England POW! und WHIP,<sup>230<\/sup> in Schottland Scotpep, Apramp in Madrid, Hydra in Berlin, HWG in Frankfurt, Cal-Pep und COYOTE in den USA, EMPOWER in Thailand, ProKoRe in der Schweiz<sup>23<\/sup><sup>1<\/sup> und weitere Projekte der weltweiten Bewegungen f\u00fcr Prostituiertenrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr O&#8217;Neill (2001) besteht ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, Prostitution aus einer feministischen Perspektive mit einer frauenzentrierten Position zu untersuchen, die die Erfahrungen von Prostituierten im Kontext von sexueller und sozialer Ungleichheit beinhalten. Die Verbindung von feministischer Theorie, Frauenerfahrungen und politikorientierter Praxis k\u00f6nne gleichzeitig eine kollektive Antwort auf die Ideologie des Individualismus und auf feministischen Kritikerinnen (Nagle 1997 und Chapkis 1997) geben. F\u00fcr O&#8217;Neill ist aber klar, dass Prostitution und Sexindustrie globale Institutionen sind, tief eingebettet in sozialen, politischen, \u00f6konomischen und kulturellen Strukturen, verwurzelt im Kapitalismus, der Warenwelt und der Struktur sexueller Beziehungen zwischen M\u00e4nnern und Frauen. Sie betrachtet es als gro\u00dfe Aufgabe f\u00fcr Feministinnen, ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese komplexe Thematik zu entwickeln und hebt die Wichtigkeit von kritischen feministischen Ans\u00e4tzen hervor, die in die materielle und pers\u00f6nliche Erfahrung von als Prostituierte arbeitenden Frauen eingebunden sind. Mit dem Schwerpunkt auf pers\u00f6nliche Erfahrungsaspekte entwickelt sie ein interpretatives Verst\u00e4ndnis von Prostitution in der heutigen Gesellschaft. Dies f\u00fchrt zu einem neuen Blick auf die Geschlechterbeziehungen, auf M\u00e4nnlichkeit, m\u00e4nnliche Gewalt und auf die soziale Organisation von Begehren und Zerst\u00f6rung zwischen Zuh\u00e4lter, Kunde und Prostituierter.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihrem Ansatz der \u201ePolitik der Gef\u00fchle&#8220; tritt sie einerseits gegen eine Romantisierung und Idealisierung von marginalisierten Personen an, versucht aber einem \u201ePostemotionalismus&#8220; zu widerstehen, der unsere sozialen Welten durch \u201esynthetische Emotionen&#8220; und verloren gegangene Lust an der Leidenschaft pr\u00e4gt.<sup>232<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite argumentiert unter anderen Kathleen Barry <em>\u201ewe cannot turn a blind eye to the horror of international trafficking in women and children when exploring possibilities, <\/em><em>both, practical and ideological, for sanctioning the use value for <\/em><em>exchange value of women<\/em><em>&#8217;s bodies, or prostitution as work<\/em><em>.<\/em><em>&#8222;<\/em><sup><em>233<\/em><\/sup> Oder wie Carol Pateman (1988) argumentiert: <em>&#8220;Neither <\/em><em>contempt<\/em> <em>for <\/em><em>women nor <\/em><em>their <\/em><em>ancient <\/em><em>profession underlies feminist arguments; rather, they are sad and angry about what the demand for <\/em><em>prostitution reveals of <\/em><em>the <\/em><em>general character of <\/em><em>(private <\/em><em>and<\/em> <em>public) <\/em><em>relations <\/em><em>between the <\/em><em>sexes<\/em>.<em> The<\/em> <em>claim <\/em><em>what <\/em><em>is <\/em><em>really <\/em><em>wrong <\/em><em>with <\/em><em>prostitution is <\/em><em>hypocrisy and outdated attitudes to sex is the tribute that liberal permissiveness pays to political mystification.&#8220; <\/em>(Pateman: 565). Die Prostitution muss innerhalb des sozialen Kontextes der Struktur von sexuellen Beziehungen zwischen M\u00e4nnern und Frauen platziert werden (Pateman: 563).<\/p>\n\n\n\n<p>Laurie Shrage (1994) n\u00e4hert sich dem Thema Prostitution und Feminismus von der Seite der feministischen Philosophie und zeichnet ein klares Bild der schwierigen Debatte von Feministinnen. Einerseits wollen Feministinnen nat\u00fcrlich den Widerstand gegen Verbote und Diskriminierungen gegen Frauen unterst\u00fctzen, die meist die Freier und Zuh\u00e4lter verschonen und die Prostituierten diskriminieren. Andererseits k\u00f6nnen Feministinnen Prostitution und die Sexindustrie nicht unterst\u00fctzen, da sie moralisch und politisch fragw\u00fcrdig sind. Die Sexindustrie ist strukturiert \u00fcber Werte und Attit\u00fcden, die frauenfeindlich sind, denn Prostitution h\u00e4ngt von der Naturalisierung gewisser Prinzipien ab, die Frauen sozial und politisch marginalisieren (Shrage 1989: 349). Diese Prinzipien sind letztlich in einen kulturellen Rahmen eingebettet, der Annahmen, Verhalten und Meinungen impliziert, die die Unterordnung der Frauen legitimieren. Sexindustrie und Prostitution perpetuieren eine patriarchale Ideologie und die Hegemonie der Heterosexualit\u00e4t. Dazu kommt, dass Prostitution eine Konsequenz der patriarchalen Hegemonie ist, die die Grundlage von allen sozialen Institutionen und Praktiken westlicher Gesellschaften bildet.<\/p>\n\n\n\n<p>Shrage m\u00f6chte die Voraussetzungen herausfordern, die Prostitution erm\u00f6glichen. Dazu braucht es keine speziellen Heilmittel. Prostitution heilt sich selbst, insofern als Feministinnen \u00c4nderungen in Glaubensmustern und Praktiken vorantreiben, die Frauen in allen Aspekten ihres Lebens unterdr\u00fccken. Obwohl eine feministische Position kompatibel mit der Entkriminalisierung von Prostitution ist, haben Feministinnen jeden Grund, Prostitution politisch zu bek\u00e4mpfen, weil sie eine Praxis repr\u00e4sentiert, die Geschlechter-Asymmetrie<sup>234<\/sup> unterst\u00fctzt, was wiederum Frauen unterdr\u00fcckt (Shrage: 361).<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Irigaray (1993) die Beziehung zwischen Prostitution, Sexualit\u00e4t und der sozialen Organisation des Begehrens untersucht, stellt sie fest, dass die \u201ezwischen-M\u00e4nnern-Kultur&#8220; die dominanten Diskurse konstituiert. Eine kritische feministische Praxis ist also eingebettet in eine kulturelle Politik der Differenz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.4 Von <\/strong><strong>Sex <\/strong><strong>als <\/strong><strong>S\u00fcnde<\/strong> <strong>zu  Sex<\/strong> <strong>als <\/strong><strong>Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die amerikanische Soziologin und langj\u00e4hrige politische Aktivistin Kamala Kempadoo konstatiert, dass die Prostituierten-Bewegungen sich nicht mehr auf die USA und Westeuropa beschr\u00e4nken, sondern mittlerweile die \u201eDritte Welt&#8220; erfasst haben.<sup>235<\/sup> Identit\u00e4t, Rechte, Arbeitsbedingungen, Entkriminalisierung und Legitimit\u00e4t waren Themen, die lange Zeit kollektiv von Prostituierten und ihren solidarisch Verb\u00fcndeten angesprochen und nun weiter getragen werden. Wenn auch Begriffe wie \u201eHure&#8220; teilweise in den Selbstdefinitionen weiterhin gebraucht werden, scheint man sich international doch in Begriffen wie Prostituierte, Prostitutionsmigrantin oder eben <em>Sex Worker <\/em>(,,Sex-Arbeiter&#8220; und \u201eSex-Arbeiterin&#8220;) gefunden zu haben. Diese Begrifflichkeiten betonen, dass Prostitution weder als Identit\u00e4t noch als soziale oder psychische Eigenschaft von Personen verstanden wird, sondern dass damit prim\u00e4r eine Aktivit\u00e4t von Frauen und M\u00e4nnern benannt wird, die Einkommen generiert. Der Begriff \u201eSex-Arbeit&#8220; bezeichnet den sozialen Ort jener Personen, die in der Sex-Industrie als Arbeitende t\u00e4tig sind. F\u00fcr Kempadoo ist die Idee der \u201eSex-Arbeiterin&#8220; verbunden mit dem Kampf um Anerkennung von Frauenarbeit, um Menschenrechte und um akzeptable Arbeitsbedingungen. Diese Definition betont sowohl die Flexibilit\u00e4t und den Variantenreichtum der \u201eSex-Arbeit&#8220; wie auch die \u00c4hnlichkeiten mit anderen Dimensionen von Leben der arbeitenden Bev\u00f6lkerung. Nach Kempadoo illustrieren die Erfahrungen von <em>sex<\/em><em>workers <\/em>in Dritt-Welt-L\u00e4ndern, dass diese T\u00e4tigkeit zwar von vielen Frauen und M\u00e4nnern auf der ganzen Welt ausge\u00fcbt und damit Geld verdient wird, dies aber nicht notwendigerweise die einzige Identit\u00e4t und Selbstbewusstsein stiftende Aktivit\u00e4t in den betreffenden Menschenleben darstellt. Vielmehr geht sie davon aus, dass kommerzielle \u201eSex-Arbeit&#8220; gleichzeitig mit anderen Formen der Erwerbsarbeit wie zum Beispiel Hausarbeit, informelle Handels- oder Marktstand-Gesch\u00e4fte, B\u00fcro- und Putzarbeit etc. kombiniert ist und deshalb vor allem nach Gelegenheit oder saisonal und tempor\u00e4r auftritt. Es mag zutreffen, wenn die Autorin erkl\u00e4rt, dass \u201eSex-Arbeit&#8220; f\u00fcr die meisten eine von vielen Aktivit\u00e4ten ist, um Geld zu verdienen; weniger, um pers\u00f6nlichen Reichtum zu erwirtschaften, sondern vor allem, um ihre Familien zu ern\u00e4hren, ihre Kinder zu kleiden und zu erziehen oder mangels Familieneinkommen die eigene Existenz zu sichern. Deshalb, so die Autorin, verbleiben nur wenige ihr ganzes Leben lang als Professionelle in der Prostitution. Maggie O&#8217;Neill best\u00e4tigt in ihrer Untersuchung \u00fcber weibliche \u201eSex-Arbeit&#8220; in England den Gelegenheits- und tempor\u00e4ren Charakter von Prostitution, vor allem von sehr jungen Frauen und Hausfrauen mit Kindern, die ihre eigene Existenz oder die ihrer Familie durch Einkommen aus der Prostitution sichern. (236) F\u00fcr die Schweiz liegen keine entsprechenden systematischen oder Langzeituntersuchungen zu Gelegenheits-, tempor\u00e4rer und saisonaler Prostitution von Einheimischen vor, so dass nur auf Grund sich h\u00e4ufender Medienberichte vermutet werden kann, dass auch hierzulande existentielle Not, Abbau von Familienschulden, ,,Sex f\u00fcr Drogen&#8220; oder der Konsumdruck unter Gleichaltrigen in solche Muster der Prostitution f\u00fchren.<sup>237<\/sup> Armut ist kein Privileg der Dritt-Welt-L\u00e4nder; westliche Gesellschaften sind damit ebenso konfrontiert, wobei auch hier Frauen mit Kindern am meisten davon betroffen sind.<sup>238<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite bemerkt Kempadoo, dass \u201eSex-Arbeit&#8220; f\u00fcr viele mit Drogengebrauch, Verschuldung und Abh\u00e4ngigkeit, aber auch mit Migration weg aus den famili\u00e4ren Vernetzungen, dem Dorf und dem Heimatland verbunden ist. Erfahrungen, die &#8211; wie aus anderen Zusammenh\u00e4ngen bekannt<sup>239,<\/sup> schwerlich als saisonal oder tempor\u00e4r sozial reintegriert und kaum durch individuelle Anstrengung kontrolliert werden k\u00f6nnen. Wenn Migrationsmuster von Saisonalit\u00e4t und Temporalit\u00e4t vor allem zutreffen m\u00f6gen auf m\u00e4nnliche, aber auch auf weibliche Prostitution aus kulturell und geographisch \u201enahen&#8220; Gesellschaften;<sup>240<\/sup> und wenn m\u00e4nnliche Gelegenheitsprostitution auch aus kulturell und geografisch \u201efernen&#8220; Gesellschaften in Westeuropa eine gewisse Verbreitung hat, so w\u00e4re dies f\u00fcr weibliche kommerzielle Prostitutionsmigration zumindest kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen. Denn, wie Susanne Kappeler bemerkt, verdeckt der Handels- und Arbeitsdiskurs und der Versuch, ,,den Dienst am Mann&#8220; als Sex-,,Arbeit&#8220; aufzuwerten, die Koppelung der Existenzgrundlage von Frauen \u00fcber Aufenthalts-, Ehe- und Arbeitsrecht an den Mann.<sup>241<\/sup> Dieser Diskurs zielt in die gleiche Richtung wie die Bem\u00fchungen feministischer \u00d6konominnen, unbezahlte Haus- und Ehefrauenarbeit als Arbeit zu beziffern und in die wirtschaftliche Gleichung einzubringen. Kappeler fragt: <em>&#8222;Ist <\/em><em>Prostitution oder \u201eSex-Arbeit&#8220; Teilzeit-Ehefrauenarbeit mit befristetem Vertrag? Und ist Ehefrauenarbeit Arbeit im Sinne unserer <\/em><em>Gesellschaft und <\/em><em>des <\/em><em>kapitalistischen <\/em><em>Leistungsprinzips, <\/em><em>obwohl sie <\/em><em>unbezahlt ist? Oder ist Lohnarbeit gleich Prostitution, weil der Mensch ja gleicherma\u00dfen <\/em><em>Arbeit sucht, um die lebensnotwendige Bezahlung zu bekommen?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jill Jesson<sup>242<\/sup> macht eine Literaturanalyse und nennt drei Hauptstr\u00f6mungen von Ans\u00e4tzen zu Prostitution und Prostituierten: einen strukturalistischen, einen feministischen und die Perspektive der Prostituierten. In einem funktionalistischen Ansatz werden Prostituierte als mental, sozial und sexuell abweichend gesehen. Prostitution hingegen wird als funktional im Sinne der Sicherheit f\u00fcr die Gesellschaft und universell verstanden. Dieser Ansatz (Kinsey et al. 1948, Benjamin and Masters 1965) gilt heute als \u00fcberholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nagle (1997) und Chapkis (1997) vertreten die Perspektive der Prostituierten, indem sie die Anerkennung von Prostitution als Arbeit oder emotionalen Beruf, der durch spezielle Fertigkeiten und F\u00e4higkeiten <em>(skills)<\/em> gekennzeichnet ist <em>(erotic labour),<\/em>fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Feministische Ans\u00e4tze (Finnegan 1979, Walkowitz 1980, Hoigard and Finstad 1992, McLeod 1982) wurzeln im Feminismus der Jahrhundertwende und thematisieren Ungleichheit, Geschlechterbeziehungen, sozio-\u00f6konomische Macht der M\u00e4nner und die Art, wie die Prostitution die patriarchale Sichtweise der Sexualit\u00e4t reflektiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als interaktionistisch\/konstruktivistisch bezeichnet Jarvinen<sup>243<\/sup> ihren eigenen Ansatz. Prostitution ist demnach ein durch Zeit und Gesellschaft sozial konstruiertes, relatives Konzept. Eine Karriere in der Prostitution h\u00e4ngt von den Beziehungen zwischen den Prostituierten und deren Milieus ab. Der Fokus liegt in dieser Konzeption zwischen den Prostituierten (Objekte) und den Autorit\u00e4ten (Subjekt der Kontrolle).<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich erw\u00e4hnt sie subkulturelle Ans\u00e4tze, die Prostituierte in einer Subkultur der Zuh\u00e4lter (Alkohol, Drogen, Prostituierte, Lebensstil), oder in einer \u201eZweiwelt&#8220;-Subkultur (Frauen kombinieren Prostitution mit Familienleben, Studium, konventionellen Jobs) oder in einer kriminellen Subkultur (Diebstahl, Drogenhandel) auf Grund ihrer sozialen Beziehungen zu Zuh\u00e4ltern, anderen M\u00e4nnern und Prostituierten den M\u00e4nnern unterordnen. Nagle (1997) und Chapkis (1997) sprechen allerdings von Frauen-Subkulturen, die auf Frauensolidarit\u00e4t aufbauen, von Frauen definiert und von Frauen dominiert sind.<sup>244<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.5 Politik der <\/strong><strong>Prostitution<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wests Analyse unersucht die komplexen \u00dcberschneidungen zwischen lokalen Politiken, Sexarbeiter-Kollektiven und regulierenden Kontexten, die gekennzeichnet sind durch eine zunehmende Differenzierung innerhalb der Prostitution und durch ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Legalisierung und Entkriminalisierung. Sie konstatiert auch, dass Investitionen in die Freizeit-Industrie sowie die Lockerung der staatlichen Regulierung von Prostitution einen prostitutionsf\u00f6rdernden Einfluss haben. Diesen Einfluss bezeichnet sie als untertheoretisiert, obwohl die Wichtigkeit dieses Aspekts unbestritten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Boutellier (1991) entwickelt die Legalisierungs- und Entkriminalisierungsdebatte in den Niederlanden aus der Perspektive von Prostituierten, Strafrecht und Moral in Verbindung mit dem Engagement von f\u00fchrenden Feministinnen. Eine Koalition zwischen Feministinnen und b\u00fcrokratischen Kr\u00e4ften habe die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber Prostitution ge\u00e4ndert. Die holl\u00e4ndische Regierung \u00e4nderte 1985 das Gesetz \u00fcber die Betreibung von Bordellen (1911 unter dem <em>public morality act <\/em>verboten). Ein Bordell zu betreiben, ist nicht l\u00e4nger verboten. Die Revision der Gesetze erleichtert es, Prostitution als Arbeit zu verstehen; es gibt jedoch Bedenken in der Beziehung von Prostitution als Arbeit und Frauenhandel. Die holl\u00e4ndischen Feministinnen machen klar, dass Prostituierte nicht als Schuldige angesprochen werden sollten. Im Gegenteil: M\u00e4nner, die Prostitution organisieren und konsumieren, sollten verantwortlich gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden. Strafverfolgungsbeh\u00f6rden sollten Bordellbetreiber kontrollieren und nicht Prostituierte. Ein weiteres Anliegen der holl\u00e4ndischen Feministinnen ist die St\u00e4rkung des sozio-legalen Status von Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.6 Die<\/strong><strong>gesetzliche <\/strong><strong>Regulierung <\/strong><strong>der <\/strong><strong>Prostitution<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Forschung \u00fcber Prostitution bezieht sich auch auf den Kontext des geltenden Rechts. Um das Gesetz innerhalb europ\u00e4ischer und internationaler Instrumente zu homogenisieren und auszubalancieren, ist es n\u00f6tig, Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten, Widerspr\u00fcche und Schlupfl\u00f6cher zu finden und zu benennen. Die unterschiedliche ideologische Konstruktion von Prostitution Effekte wirkt auf die Gesetzgebung und die Gesetzespraxis. Das aktuelle Schisma (Prostitution als Sex und Privatangelegenheit oder Prostitution als Ausbeutung und Menschenhandel) beeinflusst das Klima der aktuellen Debatte um die Rekonstruktion der legalen Prostitution in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesetzeswerke, die die Prostitution im letzten Jahrhundert in Europa regelten, wurden in weiten Teilen im 19. Jahrhundert formuliert. Sie orientieren sich an Leitlinien wie \u201e\u00f6ffentliche Ordnung&#8220;, ,,Ruhest\u00f6rung&#8220;, ,,Sittlichkeit&#8220;, Kontrolle des \u201ewei\u00dfen Sklavenhandels&#8220; und Gesundheitspolitik. Dieser gesetzliche Rahmen blieb mehr oder weniger bis zum sogenannten Wolfenden Report 1957 intakt.<sup>245<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>In den westlichen L\u00e4ndern gilt der Wolfenden Report als Versuch, die gesetzlichen Regelungen der Prostitution zu liberalisieren. Das Gesetz soll Prostitution grunds\u00e4tzlich aus seinem Aufgabenbereich ausschlie\u00dfen und nur dann zur Anwendung kommen, wenn Prostitution offensiv und Prostituierte gef\u00e4hrdend organisiert und ausge\u00fcbt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Report galt als Vorbild, wie der moderne Staat mit Ph\u00e4nomenen dieser Art umgehen sollte;. Zusammen mit dem <em>Street <\/em><em>Offences <\/em><em>Act<\/em>(1959) beruht er auf der Perspektive der Aktivit\u00e4ten weiblicher Prostituierten. Obwohl Wolfenden als liberal galt, wies eine Kritikergruppe auf die vielen Inkonsistenzen und Spannungen hin und engagierte sich in der Debatte um den effizientesten Weg, wie Prostitution zu regulieren sei. Die Debatte beinhaltete vier grundlegende Punkte: Legalisierung, De-Kriminalisierung, Prohibition und Regulierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Legalisierung: Kontrolle durch den Staat und Lizenzierung von Bordellen. Ziel ist hier, Prostitution durch Formen der Institutionalisierung zu organisieren und zu kontrollieren. Dies erleichtert die \u00dcberwachung und die medizinische Kontrolle der Prostituierten. So will man die Prostituierten weg von der Stra\u00dfe holen und sie vor Zuh\u00e4ltern und Freiern sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>De-Kriminalisierung: Aufhebung von Gesetzen, die spezifisch auf Prostitution ausgerichtet sind. Damit soll die Stigmatisierung aufgehoben und die Spannungen durch Gesetze vermindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Prohibition: Kriminalisierung der Prostitution selbst. Diese Option wurde von verschiedenen US-Staaten angenommen. Hier sollten Widerspr\u00fcche im Gesetz entsch\u00e4rft werden, das Prostitution zwar als legal, aber die verschiedenen Formen der Praxis als illegal bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Regulationismus: Diese Politik war z.B. in Gro\u00dfbritannien und in der Schweiz in den letzten 100 Jahren vorherrschend. Ziel ist hier, einige unerw\u00fcnschte Effekte zu limitieren und ein niedriges Niveau von Kriminalisierung beizubehalten. Das Ziel ist nicht, Prostitution zu illegalisieren, sondern gewisse Aspekte des Gewerbes zu kontrollieren. Der Einstieg in die Prostitution soll erschwert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regulierungen sind aber weder fix noch gleich bleibend, sondern nehmen je nach den sozialen Bedingungen und der Mobilisierung von politischen Bewegungen in verschiedenen L\u00e4ndern eine Kombination unterschiedlicher Formen an. Die Entwicklung von Organisationen, die weibliche Prostitution repr\u00e4sentieren, spielt dabei eine gro\u00dfe, doch wenig anerkannte Rolle bei der Einflussnahme auf die Art der Regulierung.<\/p>\n\n\n\n<p>In letzter Zeit haben sich vor allem in England und Kanada B\u00fcrgerinitiativen entwickelt, die sich um Prostitution auf der Stra\u00dfe organisiert haben. Als Konsequenz von agierenden Nachbarschaftsgruppen haben sich eine Reihe von <em>multi<\/em><em>&#8211;<\/em><em>agen<\/em><em>c<\/em><em>y<\/em><em>&#8211;<\/em><em>lnitiati<\/em><em>ven<\/em> etabliert, die auf Politik und Umgebungsthemen und damit auf das Design der Prostitution abzielen. Solche Gruppen k\u00f6nnen sehr effizient sein, beispielsweise um die Visibilit\u00e4t des Ph\u00e4nomens in einem Rotlichtmilieu zu reduzieren. Wie John Lowman<sup>246<\/sup> aus Kanada berichtet, f\u00fchrte ein <em>multi<\/em><em>&#8211;<\/em><em>agency<\/em><em>&#8211;<\/em><em>Ansatz <\/em>mit dem Ziel, Stra\u00dfenprostitution in Vancouver unter Kontrolle zu halten, dazu, dass sich die Szene in einen anderen Stadtteil verzog. Die Stadtautorit\u00e4ten sollten bestimmen, wo Prostitution erlaubt sei. Roger Matthews widerspricht mit Beispielen aus Gro\u00dfbritannien, und weist auf die Unvereinbarkeit der verschiedenen Formen von Prostitution hin. Stra\u00dfenprostituierte seien wenig daran interessiert, in Lokalen zu arbeiten, und umgekehrt h\u00e4tten Bar-, Escort- oder Wellnessprostituierte ihre spezifischen Gr\u00fcnde, warum gerade dieses Umfeld das g\u00fcnstigste f\u00fcr sie sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorliegende Untersuchung best\u00e4tigt diese Sichtweise. Escort Organisationen, Prostitution in Privath\u00e4usern von Wohnquartieren oder Wellnessprostitution kommen aufgrund der \u201eUnsichtbarkeit&#8220; den Bed\u00fcrfnissen von Prostituierten ohne erforderliche Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen besonders entgegen, w\u00e4hrend Stra\u00dfenprostitution oder das Rotlichtmilieu den polizeilichen Kontrollen eher zug\u00e4nglich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt Unterdr\u00fcckung und Regulierung von Prostitution kam in den letzten Jahren ein eher wohlfahrtsorientierter Ansatz auf, der die Bed\u00fcrfnisse der Frauen anspricht, und teilweise einen Ausstieg unterst\u00fctzt. Nat\u00fcrlich ist Wohlfahrt auch eine Art, Regulierungen durchzusetzen, aber die Perspektive ist eine andere. Nach anf\u00e4nglichen Erfolgen eines Aussteigerprogramms in Malm\u00f6 hatte dies in Norwegen und anderen L\u00e4ndern wenig Erfolg. Vermutlich w\u00e4ren Aussteigerprogramme auf freiwilliger Basis besonders f\u00fcr Prostitutionsmigrantinnen auch in der Schweiz wenig erfolgreich, angesichts der Attraktivit\u00e4t, in drei Monaten soviel Geld zu verdienen wie eine Reinigungskraft ohne entsprechende Bewilligung, die daf\u00fcr ein ganzes Jahr hart arbeiten muss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.7 Prostitution <\/strong><strong>als<\/strong> <strong>medizinisches <\/strong><strong>Problem<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Aids verst\u00e4rkte sich die Regulierung weiter. Prostituierte wurden als Risikogruppe identifiziert. Forschungsgelder im Bereich Prostitution und Freier wurden bereitgestellt. Die Untersuchungen zeigten, dass Aids unter Prostituierten vor allem aufgrund intraven\u00f6s gespritzter Drogen auftauchte und bei Prostituierten nicht h\u00e4ufiger vorkam als bei sich nicht prostituierenden Frauen. Es sind vor allem Abtreibungen und mit der Schwangerschaftskontrolle verbundene Probleme sowie aufsteigende Unterleibsinfektionen, die weibliche Prostituierte gesundheitlich bedrohen.<sup>247<\/sup> Auch Alkoholismus, Tablettensucht und in einigen F\u00e4llen Drogenabh\u00e4ngigkeit treten vor allem bei T\u00e4nzerinnen und Prostitutionsmigrantinnen als gesundheitssch\u00e4digende Begleiterscheinungen auf.<sup>248<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Unterschiedliche Arten von Regulierung sind historisch auf unterschiedliche Formen der Prostitution angewendet worden. Gesetze und Rechtspraxis sind dabei nicht einfach als Antwort auf wahrgenommene Probleme der Prostitution zu verstehen. Vielmehr erf\u00fcllen sie eine formende und definierende Funktion in Debatte und Problemwahrnehmung von Prostitution und Menschenhandel und nicht zuletzt bez\u00fcglich deren gesellschaftlichen Legitimation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.8 Der Begriff der \u201eSexuellen Selbstbestimmung\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Angeregt durch den jahrelangen feministischen Diskurs zu Gewalt und sexueller Ausn\u00fctzung von Frauen in der Ehe, fokussiert die Schweizerische Gesetzgebung im Rahmen der Revision des Schweizerischen Sexualstrafrechts 1992 die <em>sexuelle Selbstbestimmung, <\/em>formuliert das Gesetz \u00fcber Prostitution neu und nimmt Abstand von der moralischen \u201eBek\u00e4mpfung der Prostitution&#8220;. Die Revision steht im Zeichen der Liberalisierung und streicht den Straftatbestand der Zuh\u00e4lterei ersatzlos. Die Prostitution soll als \u201eGesch\u00e4ft wie jedes andere auch&#8220; gelten.<sup>249<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Strafbarkeit des Zuf\u00fchrens von Minderj\u00e4hrigen herrscht in Lehre und Rechtsprechung Einigkeit, die anderen Tatbest\u00e4nde geben zu unterschiedlicher bis kontroverser Auslegung Anlass.<sup>250<\/sup> So wird zum Beispiel unter \u201eAusn\u00fctzung von Abh\u00e4ngigkeit&#8220; die \u201eUnbeholfenheit mittelloser Ausl\u00e4nderinnen, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Schweiz gelockt wurden&#8220; ins Feld gef\u00fchrt,<sup>251<\/sup> was die Begriffe ,,Freiwilligkeit&#8220; und ,,Informiertheit&#8220; in der Rechtsprechung stark gewichtet. Der Art. 195 StGB wird aber vor allem auf Personen angewendet, die gegen dieses Gesetz im Zusammenhang mit ANAG versto\u00dfen, also auf Personen, die Prostitution ohne die erforderlichen Bewilligungen in der Schweiz aus\u00fcben bzw. auf deren Zuh\u00e4lter, Vermittler, Club- und Bordellbesitzer als \u201eArbeitgeber&#8220;. Dies hat zur Folge, dass \u201eIllegalit\u00e4t&#8220; auf die Prostitutionsmigrantinnen selbst zutrifft und sie als T\u00e4terinnen in ihre Herkunftsl\u00e4nder zur\u00fcckgeschafft werden k\u00f6nnen, und den Gerichten nur in den wenigsten F\u00e4llen als Zeuginnen f\u00fcr \u201eFreiwilligkeit&#8220; und \u201eInformiertheit&#8220; zur Verf\u00fcgung stehen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Tatbestand der \u201e\u00dcberwachung&#8220; und dem \u201eBestimmen von Ort, Zeit, Ausma\u00df oder anderer Umst\u00e4nde der Prostitution&#8220;, dessen Anwendbarkeit <em>in casu <\/em>von Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und Gerichtsinstanzen unterschiedlich interpretiert, h\u00f6chstrichterliche Entscheide herausfordert, ebenfalls ohne entsprechende Zeuginnen. Auch das F\u00fchren von Bordellen mit ausl\u00e4ndischen Prostituierten ohne entsprechende Bewilligung wird &#8211; entgegen der Ansicht des Gesetzgebers<sup>252<\/sup> &#8211; von Lehre und Rechtsprechung nicht generell als Ausn\u00fctzen der Abh\u00e4ngigkeit der darin T\u00e4tigen angesehen,<sup>253<\/sup> sondern es wird nach der Freiwilligkeit oder physischen und psychischen Zwangsbedingungen gefragt. Diese Beispiele zeigen, dass sich in der Schweiz Formen der Prostitution entwickeln, die sich einerseits der Kontrolle der Polizei entziehen und die andererseits als Probeballons die Grenzen der staatlichen Rechts- und Polizeiinstrumente ausreizen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Begriff der <em>sexuellen Selbstbestimmung <\/em>kommt in diesem Kontext eine Schl\u00fcsselstellung zu. Protestbewegungen, die im Feminismus der 70er Jahre ihren H\u00f6hepunkt erreichten, richteten sich vor allem gegen das Selbstverst\u00e4ndnis der Definitionsmacht von M\u00e4nnern \u00fcber Frauen, allen voran gegen Ehem\u00e4nner, die die rechtm\u00e4\u00dfige Funktion von Ehefrauen bestimmten. Dadurch sicherten sie sich einen ungehinderten Zugang zum Frauenk\u00f6rper und verf\u00fcgten \u00fcber weibliche Sexualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Widerstand gegen unerw\u00fcnschte sexuelle Anspr\u00fcche von Ehem\u00e4nnern gegen\u00fcber ihren Ehefrauen \u00e4u\u00dferte sich in der Forderung nach der allgemeinen, rechtlichen und sozialen Selbstbestimmung, aber auch nach der speziellen k\u00f6rperlichen und sexuellen Selbstbestimmung. Nicht l\u00e4nger durften Vergewaltigung in der Ehe oder die Durchsetzung sexueller Interessen des Ehemannes gegen den Willen der Ehefrau als Privatsache zwischen den Eheleuten verstanden und strafgesetzlich ignoriert werden. Obwohl in der Schweiz mittlerweile h\u00e4usliche Gewalt als eines der schwerwiegendsten Sicherheitsprobleme erkannt ist, sollte es noch 30 Jahre dauern, bis die Gesetze entsprechend ge\u00e4ndert waren; dabei steht die Rechtspraxis erst am Anfang dieses neuen Selbstverst\u00e4ndnisses von (ehe)fraulicher Selbstbestimmung und es ist noch ungewiss, was das neue Instrument zur Entsch\u00e4rfung h\u00e4uslicher Gewalt beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich der Begriff Selbstbestimmung immer auf die emanzipativen Bestrebungen von Frauen bezieht, die ihre b\u00fcrgerlichen, \u00f6konomischen und sozialen Rechte einfordern, ist die an diesen Kontext angelehnte Begriffsbildung der <em>sexuellen Selbstbestimmung <\/em>im allgemeing\u00fcltigen Kontext des positiv formulierten Gesetzeswerks zumindest kritisierbar. Denn als Grundlage von geschlechtlichen Beziehungen gen\u00fcgt die Selbstbestimmung wohl kaum, um die doch in den meisten F\u00e4llen paarweise auftretenden sexuellen Austausch zu begr\u00fcnden und zu regeln. Als ein Produkt der <em>poli<\/em><em>tical correctness <\/em>verweist der Begriff <em>sexuelle Selbstbestimmung <\/em>auf die Legitimit\u00e4t von Ehefrauen, auf sexuelle Anspr\u00fcche ihrer Ehem\u00e4nner nicht einzutreten. Denn bislang galten sexuelle Anspr\u00fcche von Eheleuten unter sich als legitim. Davon wird stillschweigend wohl heute noch ausgegangen <em>(debitum carnale), <\/em>da im Schweizerischen Gesetzbuch eine diesbez\u00fcgliche \u00c4nderung fehlt. Der positiv formulierte Anspruch der <em>sexuellen Selbstbestimmung<\/em>etwa einer Ehefrau mit Kinderwunsch, den sich entsprechend verweigernden Ehemann vor den Richter zu zitieren, bleibt abzuwarten oder f\u00fchrt den Begriff <em>ad <\/em><em>absurdum. <\/em>Im Weiteren gilt der Begriff der sexuellen Bel\u00e4stigung, dem in Westeuropa allerdings eine ausgedehnte Gerichtspraxis fehlt, und die Vergewaltigung, die zwar schon l\u00e4nger p\u00f6nalisiert, aber als Straftat erst seit k\u00fcrzerem &#8211; auch f\u00fcr Verheiratete &#8211; angemessen geahndet wird. In den meisten F\u00e4llen ist dabei von Aggressoren m\u00e4nnlichen Geschlechts die Rede. Ob in oder au\u00dferhalb der Ehe &#8211; es muss vielmehr von einem reziproken Vertrauensverh\u00e4ltnis ausgegangen werden, das sexuelle Anspr\u00fcche legitimiert, oder gegebenenfalls von Zwang, Gewalt, oder N\u00f6tigung, und weniger von einer aus dem Kontext gel\u00f6sten <em>sexuellen Selbstbe<\/em><em>stimmung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wird nun die <em>sexuellen Selbstbestimmung<\/em>von Gesetz und Rechtspraxis auf die Prostitution oder in der Schweiz vielmehr auf die organisierte Prostitutionsmigration angewendet, liegt die Vermutung nahe, dass der Begriff der Legitimierung und Rechtfertigung von Prostitution und von international organisierten Prostitutionsgesch\u00e4ften dient. Denn die <em>sexuelle Selbstbestimmung <\/em>ist gerade das, was bei der Prostitution zum Kauf angeboten ist. Hier wird das Vertrauensverh\u00e4ltnis durch eine kommerzielle Gesch\u00e4ftsbeziehung ersetzt, die gerade die Legitimit\u00e4t des Anspruchs zum Vertragsgegenstand hat. Die.Kurzformel f\u00fcr Prostitution heute hei\u00dft: Legitimit\u00e4t f\u00fcr sexuelle Anspr\u00fcche gegen Geld. F\u00fcr das Repertoire der Prostitution ist der Begriff der <em>sexuellen <\/em><em>Selbstbestimmung <\/em>\u00fcberfl\u00fcssig, verwirrend und inad\u00e4quat.<sup>254<\/sup> Nicht die sexuellen Pr\u00e4ferenzen der Prostituierten sind f\u00fcr eine Ablehnung eines Kunden ma\u00dfgebend, sondern etwa die vermutete Gewaltbereitschaft oder die bezweifelte Zahlungsmoral.<sup>255<\/sup> Die Vielfalt des Angebots gr\u00fcndet nur in Ausnahmef\u00e4llen auf den sexuellen Pr\u00e4ferenzen der Prostituierten. Die zunehmende Diversifizierung ist vielmehr die Folge einer marktwirtschaftlichen Anpassung an den zeitgen\u00f6ssischen <em>life-<\/em><em>style <\/em>und die segmentierten W\u00fcnsche der Kunden sowie der rechtlichen, sozialen, zeitlichen und finanziellen M\u00f6glichkeiten der Prostituierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzige fragliche Variable, die bei der Rechtfertigung von (organisierter Migrations-)Prostitution durch den Begriff der <em>sexuellen Selbstbestimmung <\/em>rechtlich argumentative Probleme bereitet, ist die \u201eFreiwilligkeit&#8220;. Im neusten Leitentscheid des Bundesgerichts (BGE 128 IV 117) wird diese denn auch dahingehend modifiziert, als von einer wirksamen Einwilligung <em>(effettivamente<\/em> <em>libero da <\/em><em>costrizioni) <\/em>die Rede ist, die mit fast schon bevormundenden Verfahren gerichtlich festgestellt werden soll. Ob sich diesbez\u00fcglich erweiternde gerichtliche Verfahren durchsetzen k\u00f6nnen, bleibt fraglich, denn bislang griff man auf die wenig aufwendige, bew\u00e4hrte Methode der Rechtspraxis zur\u00fcck, die Freiwilligkeit operational definiert oder\/und stillschweigend voraussetzt, wenn sie nicht von Betroffenen selbst eingeklagt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sieht sich die Schweizer Rechtspraxis den internationalen Standards zur Bek\u00e4mpfung von Menschenhandel verpflichtet und gibt den internationalen Abkommen bei Widerspr\u00fcchen mit der eigenen Rechtspraxis den Vorzug (BGE 128 IV 117).<\/p>\n\n\n\n<p>Die schweizerische Rechtspraxis formt und definiert die Bedingungen von organisierter Prostitutionsmigration mit: Sie wendet Begriffe der <em>sexuellen Selbstbestimmung <\/em>und der vom Richter definierten Freiwilligkeit auf ausl\u00e4ndische Frauen an, die in der organisierten Sexindustrie ohne entsprechende Bewilligung t\u00e4tig sind. Damit erm\u00f6glicht sie Gesch\u00e4fte mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen, die aus materieller Not in die Prostitution einwilligen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.9 Menschenhandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Ausweg aus dieser juristisch und politisch herausfordernden Situation bietet der Artikel des Strafgesetzbuches zu Menschenhandel.<sup>256<\/sup> Die etwas altert\u00fcmliche Formulierung weist auf das internationale \u00dcbereinkommen zur Bek\u00e4mpfung des M\u00e4dchenhandels aus dem Jahre 1910 und dasjenige \u00fcber die Unterdr\u00fcckung des Handels mit vollj\u00e4hrigen Frauen aus dem Jahre 1933. <sup>257<\/sup> Damals bestand eine Kontroverse, ob vollj\u00e4hrige Frauen in gleicher Weise zu sch\u00fctzen seien wie die Minderj\u00e4hrigen, oder nur bei T\u00e4uschung, Drohung, oder Gewalt.<sup>258<\/sup> Der Schweizer Gesetzgeber beschloss die Strafbarkeit des Handels auch bei Zustimmung von vollj\u00e4hrigen Frauen und trat dem heute noch g\u00fcltigen Abkommen von 1933 bei.<sup>259<\/sup> Laut Begr\u00fcndung in einem Gerichtsurteil wurden diese internationalen Abkommen <em>\u201eim Bestreben abgeschlossen, den<\/em><em>international t\u00e4tigen Menschenh\u00e4ndlern<\/em><em>das Handwerk zu<\/em><em>legen, <\/em><em>welche <\/em><em>insbesondere <\/em><em>die Bordelle <\/em><em>in <\/em><em>aller Welt mit immer neuer Ware versorgten oder aber auch Lebem\u00e4nnern Frauen \u00fcberlieferten.&#8220;<\/em><sup><em>260<\/em><\/sup>Gest\u00fctzt auf diese Sachlage wird deshalb in der Botschaft zur Gesetzesrevision ausgef\u00fchrt, dass durch Art. 196 StGB auch erfasst werde, wer Prostituierte anwerbe, die voll einverstanden seien, z.B. das Etablissement zu wechseln.<sup>261<\/sup> Diese Regelung galt bereits vor Inkrafttreten des revidierten Strafrechts, und aus der Botschaft l\u00e4sst sich folgern, dass der Gesetzgeber daran nichts \u00e4ndern wollte. Ohne Diskussion stimmten beide R\u00e4te der vom Bundesrat vorgeschlagenen Fassung zu.<sup>262<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ansicht, ,die Strafbarkeit selbst bei Einwilligung zu bejahen, stie\u00df jedoch in der Lehre auf Kritik. Mit Hinweis auf den Grundgedanken der Revision des Sexualstrafrechts, <em>,,wo die Bek\u00e4mpfung der Prostitution schlechthin, ein Kampf gegen Windm\u00fchlen, kein Ziel des revidierten Strafrechts <\/em>ist&#8230;&#8220;,<sup>26<\/sup><sup>3<\/sup> f\u00fchrt die Literatur aus, dass die <em>sexuelle<\/em><em>Selbstbestimmung,<\/em>das gesch\u00fctzte Rechtsgut, in solchen F\u00e4llen nicht tangiert sei.<sup>264<\/sup> Laut Bundesgericht war n\u00e4mlich die <em>,,Leitidee <\/em><em>der Revision des Sexualstrafrechts die Freiheit und die freie Selbstbestimmung <\/em><em>jedes Menschen in <\/em><em>sexuellen Dingen [&#8230;} und nicht, Moralvorstellungen durchzusetzen.<\/em>&#8222;<sup>265<\/sup> Der damalige Bundespr\u00e4sident wird zitiert,<sup>266<\/sup> der die <em>\u201eunbeeinflusste <\/em><em>Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung&#8220; <\/em>als Schutzbereich in den Vordergrund stellte und f\u00fcr keinen Tatbestand, auch nicht denjenigen des Menschenhandels, eine Ausnahmeregelung vorsah.<\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Entscheid erkennt das Bundesgericht in \u00dcbereinstimmung mit der herrschenden Lehre nur dann auf Menschenhandel, wenn das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt wird. Es weist aber auch auf Diskriminierung, Doppelmoral und vielf\u00e4ltige Abh\u00e4ngigkeiten hin, denen Prostituierte, insbesondere solche ohne erforderliche Bewilligungsdokumente, ausgesetzt sind. Es empfiehlt, anhand der konkreten Umst\u00e4nde zu pr\u00fcfen, ob die Betroffenen im Einzelfall selbstbestimmt gehandelt haben und ob die Willens\u00e4usserung dem tats\u00e4chlichen Willen entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend von meinen Ausf\u00fchrungen zur <em>sexuellen Selbstbestimmung<\/em>zeigt sich, dass die juristische Debatte \u00fcber Prostitution und Menschenhandel &#8211; von Ausnahmef\u00e4llen abgesehen &#8211; auf die bisherige Auslegung des Begriffs verzichten kann, da Prostitution nicht auf einer <em>sexuellen Selbstbestimmung <\/em>der Prostituierten beruht. Vielmehr wird mit der Einwilligung zum Akt der Prostitution auf die M\u00f6glichkeit von <em>sexueller Selbstbestimmung <\/em>explizit verzichtet, was dahingehend interpretiert werden kann, dass die Prostitution selbst die <em>sexuelle Selbstbestimmung <\/em>der Aus\u00fcbenden verletzt. Weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass eine Prostituierte einem Dritten gegen\u00fcber verpflichtbar ist, jederzeit als solche ansprechbar zu sein, muss Prostitution grunds\u00e4tzlich als Einzelakt verstanden werden, in dem die M\u00f6glichkeit der <em>sexuellen Selbstbestimmung<\/em>seitens der Prostituierten zugunsten eines Vertrags zwischen Prostituierter\/m und Kunden aufgegeben wird. Ohne eine wie auch immer geartete \u00f6ffentliche Moral oder Unsittlichkeit bem\u00fchen zu m\u00fcssen, folgt, dass Prostitution nur dann kein geltendes Recht verletzt, wenn sie\/er als Selbst\u00e4ndige\/r arbeitet. Jegliche anderen Verpflichtungen gegen\u00fcber Dritten, seien dies finanzielle, zeitliche oder organisatorische, verletzen demnach geltendes Recht, auch wenn die sich prostituierende Person damit einverstanden ist. Im \u00fcbrigen bietet das allgemeine b\u00fcrgerliche Vertragsrecht au\u00dferhalb des Arbeitsrechts (OR, z.B. die Normen \u00fcber den Auftrag etc.) gen\u00fcgend Schutznormen f\u00fcr die Vertragschlie\u00dfenden, um Interessen von Prostituierten durchsetzbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgt man dieser Interpretation, ist auch die leidige juristische Debatte um \u201eFreiwilligkeit&#8220; bei ausl\u00e4ndischen Prostituierten ohne entsprechende Bewilligungen vom Tisch, da jegliche Einmischung Dritter die \u201eFreiwilligkeit&#8220;, (auf das Recht der Selbstbestimmung zu verzichten) beeintr\u00e4chtigt. Selbst\u00e4ndige Prostituierte ohne entsprechende Bewilligungen k\u00f6nnen aus fiskalischen und aufenthaltsrechtlichen Gr\u00fcnden zur Rechenschaft gezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.10 Prostitution <\/strong><strong>als <\/strong><em><strong>Doing <\/strong><\/em><em><strong>Gender<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die Vorstellung, dass die geschlechtsspezifische Rollenteilung Ergebnis einer in der biologischen Grundlage verankerten \u201eNatur&#8220; der Frau sei, hat sich die Frauenforschung mit der aus der amerikanischen Forschung entlehnten Unterscheidung von <em>sex <\/em>und <em>gender <\/em>gestellt. W\u00e4hrend in der Diskussion um die Bedeutung von Geschlecht als Analysekategorie <em>sex <\/em>biologisch konnotiert wurde, war <em>gender <\/em>der Bedeutungstr\u00e4ger der sozialen und kulturellen Komponenten, der die Diskriminierung von Frauen als Ergebnis historischer Entwicklung und politischer Entscheidungen und nicht als Konsequenz \u201enat\u00fcrlicher&#8220; Differenzen zwischen M\u00e4nnern und Frauen erscheinen lie\u00df. <em>Gender <\/em>kann als soziale Konstruktion von Geschlecht verstanden werden, und der Begriff <em>doing gender <\/em>beschreibt den Prozess, der sozio-kulturelles Geschlecht herstellt. M\u00e4nnlichkeit (oder auch Fraulichkeit) wird mithilfe dieser Begriffe also nicht als \u201enat\u00fcrlich&#8220;, sondern als sozial hergestellt dekonstruierbar und kritisierbar. Die zentrale These von West und Zimmermann (1991) lautet, dass sowohl <em>sex<\/em>als auch <em>gender <\/em>in einem kontinuierlichen Interaktionsprozess hergestellt werden. Als <em>doing gender <\/em>hat dieser Interaktionsprozess auf der individuellen Ebene Eingang in die englischsprachige Theorie gefunden. Allt\u00e4gliches Handeln dient zur Herstellung von <em>gender. <\/em>Dieser Prozess der Geschlechterdifferenzierung bleibt aber im Alltagshandeln unbemerkt und verschwindet. Als naturalisiert wird Geschlecht dann bezeichnet, wenn der Prozess seiner sozio-kulturellen Herstellung zum Verschwinden gebracht worden ist. So kann dann zum Beispiel das Freierwesen als \u201enat\u00fcrliche&#8220; M\u00e4nnlichkeit legitimiert werden, ohne dass dieses Verhalten als Ausdruck von <em>doing gender <\/em>hinterfrast und kritisiert werden m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p>Prostitution kann so als soziales Konstrukt, als Funktion des <em>scripted doing gender <\/em>gelesen werden, wobei sich in den <em>scripts <\/em>die sexuellen Fantasien von Freiern \u00fcber etablierte soziale, \u00f6konomische und <em>Gender-Beziehungen <\/em>abbilden. M\u00e4nner k\u00f6nnen so den Gebrauch von Prostitution auf verschiedene Arten erotisieren, wie z.B. als Feindseligkeit und dem Wunsch nach Entw\u00fcrdigung des anderen oder dem Verlangen nach einer Domina. Im Zentrum des Kontakts zwischen Klient und Prostituierter\/m stehen demnach allt\u00e4gliche Widerspr\u00fcche und Spannungen in den Geschlechterbeziehungen, wie z.B. F\u00fcrsorge und Feindseligkeit, Beherrschung und Subordination, Anziehung und Absto\u00dfung. Ebenso folgen Prostituierte einem <em>script, <\/em>indem sie ihre Fraulichkeit als sexuelle Attraktivit\u00e4t f\u00fcr M\u00e4nner herstellen, was sie lebenserfahrungsbedingt mit einer Mehrheit von autonomen, sich nicht prostituierenden Frauen gemeinsam haben, im Unterschied zu diesen dann aber diese Passage aus einer Vielfalt von m\u00f6glichen Kontinuit\u00e4ten isolieren, instrumentalisieren und kommerzialisieren. Die Bezeichnung dieses Prozesses als \u201enat\u00fcrliche Weiblichkeit&#8220;, \u201eewig gleich bleibende Prostitution&#8220; oder \u201eselbstbestimmte Sex-Arbeit&#8220; l\u00e4sst den Prozess des <em>doing gender <\/em>verschwinden und naturalisiert damit Prostitution.<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Debatte befasst sich mit den logischen Schw\u00e4chen der Unterscheidung von <em>gender <\/em>und <em>sex,<\/em>da das bin\u00e4re Begriffspaar doch eine biologische Grundlage zum Ausgangspunkt von Geschlecht zu implizieren scheint und eine stillschweigende Parallelisierung von biologischem und kulturellem Geschlecht stehen l\u00e4sst. Denn es m\u00fcsste zumindest denkbar sein, dass das soziale Konstrukt Mann nicht nur in einem m\u00e4nnlichen K\u00f6rper und das soziale Konstrukt Frau nicht nur in einem weiblichen K\u00f6rper vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskrepanz in der neuen Struktur des Sexmarktes manifestiert sich in zahlreichen Aspekten, vor allem in der Internationalisierung der Prostitution, wo die Prostituierten, h\u00e4ufig auch die Zuh\u00e4lter und Betreiber, aus Dritt-Welt-L\u00e4ndern oder neuerdings aus den postkommunistischen L\u00e4ndern mit vordemokratischen Strukturen kommen. F\u00fcr eine Auffassung des sozio-kulturellen Anachronismus der importierten Prostitution spricht, dass Prostitutionsmigrantinnen und zum Teil auch ihre Lobby <em>doing gender <\/em>als \u201enat\u00fcrliches&#8220; Faktum verteidigen. Sie ignorieren die lange Tradition der \u201eGleiche-Rechte-Bewegungen&#8220;, den begleitenden gesellschaftskritischen Diskurs und das liberale Rechtssystem westlicher Gesellschaften. Sie verteidigen die staatlich legitimierte Abschiebung der feminisierten Armut in die \u201eArbeit&#8220; der Prostitution.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.11 Prostitution <\/strong><strong>als<\/strong> <strong>\u201eSex-Arbeit&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine wachsende Anzahl von Publikationen &#8211; meistens von Feministinnen, die in der Sexindustrie arbeiten oder deren Unterst\u00fctzerinnen &#8211; insistieren, dass Prostitution von vielen Frauen als Dienstleistung verstanden wird, die sie als Erwerbsm\u00f6glichkeit frei gew\u00e4hlt haben, und fordern zivile Rechte ein. Diese Literatur wird unter Menschenrecht und zivile Freiheiten eingeordnet &#8211; und, so k\u00f6nnte man argumentieren, innerhalb einer postmodernen Gesellschaft unter einer Soziologie der Arbeit, die auf dem Leistungsprinzip und in der Ideologie des Individualismus wurzelt (Delacoste and Alexander 1988; Roberts 1992; O&#8217;Neill 1996; Jarrett 1997; Nagle 1997; Chapkis 1997; Bell 1987).<\/p>\n\n\n\n<p>Kempadoo und Doezema (1999: 8) kommen in ihrem Reader mit Essays, Interviews und Einsch\u00e4tzungen zum Schluss, dass Prostitution am Ende des letzten Jahrtausends kapitalisiert und sorgf\u00e4ltig globalisiert wurde. Sie definieren <em>sexual <\/em><em>labour <\/em>als Quelle von Profit und Wohlstand und als <em>\u201econstituent part <\/em><em>of <\/em><em>national <\/em><em>economies <\/em><em>and <\/em><em>trans<\/em><em>national <\/em><em>industries <\/em><em>within <\/em><em>the <\/em><em>global <\/em><em>capitalist <\/em><em>industry&#8220; <\/em><em>. <\/em>\u00c4hnlich wie Chapkis definieren sie <em>sexual labour <\/em>als verwandt mit Gef\u00fchlsarbeit. Sie lehnen die Opferperspektive ab, auch wenn es sich um Kinder, Schuldenbeziehungen oder Prostitutionsmigration handelt. Sie versuchen, die komplexen Strukturen zwischen <em>personal agency <\/em>und Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung im Kontext von strukturellen Zw\u00e4ngen und dominanten Machtbeziehungen in der globalen Sexindustrie aufzudecken. <em>Agency,<\/em>so sagen die Autorinnen, ist ein integraler Teil von Feminismus, ebenso <em>selfhood.<\/em> Prostitution ist also nicht isoliert von \u00f6konomischen, politischen und sozialen Faktoren zu behandeln. Dasselbe gilt f\u00fcr Migration. <em>,,Migration <\/em><em>is <\/em><em>another <\/em><em>impact <\/em><em>of <\/em><em>globalization <\/em><em>that <\/em><em>is <\/em><em>explored <\/em><em>alongside the<\/em> <em>feminization <\/em><em>of <\/em><em>inter<\/em><em>national labour <\/em><em>migration.&#8220; <\/em>In diesem Kontext fordern sie legale Anerkennung vor allem f\u00fcr die \u201eSex-Arbeiter und Arbeiterinnen&#8220; der nicht-westlichen L\u00e4nder, die zu oft in den Debatten der internationalen Arena fehlen. Die Autorinnen gehen von der Globalisierung der Sex-Industrie aus und finden es wichtig, Instrumente zu entwickeln, die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ansprechen, und redefinieren Prostitution als Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.12 Das<\/strong><strong>Konzept<\/strong><strong>der<\/strong><strong>\u201eSex-<\/strong><strong>Arbeiterin&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept der \u201eSex-Arbeiterin&#8220; tauchte in den Prostituierten-Rechte-Bewegungen der 70er Jahre in den USA und Europa auf und wurde in vielen Publikationen diskutiert.<sup>267<\/sup> Der Begriff \u201eSex-Arbeiterin&#8220; <em>(sex<\/em><em>worker)<\/em>wird vor allem in Abgrenzung zum Begriff \u201eHure&#8220; <em>(whore) <\/em>eingef\u00fchrt, der im Sprachgebrauch auf eine soziale oder psychische Eigenschaft von Frauen verweist und mit Stigmatisierung verbunden ist. ,,Sex-Arbeiterin&#8220;, auch \u201eProstituierte&#8220;, konnotieren hingegen nicht eine Identit\u00e4t, sondern weist auf eine Form von Einkommenserwerb oder Arbeit <em>(labour)<\/em>f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner hin. <em>,,The <\/em><em>definition stresses the <\/em><em>social <\/em><em>location of those <\/em><em>engaged <\/em><em>in sex industries as <\/em><em>working <\/em><em>people&#8220; <\/em>(Kempadoo\/Doezema: 3). Die Autorinnen beziehen sich vor allem auf Zeugnisse von Migrantinnen, Migranten und mittellosen Personen aus \u201eDritt-Welt-L\u00e4ndern&#8220;, wenn sie argumentieren, dass Prostituierte in den wenigs\u00ad ten F\u00e4llen ihr ganzes Erwerbsleben lang und ausschlie\u00dflich von dieser T\u00e4tigkeit ihr Einkommen beziehen. In den meisten F\u00e4llen, so fassen sie zusammen, erg\u00e4nzt die Sex-Arbeit Einkommen aus anderen Erwerbszweigen wie etwa Kleinh\u00e4ndler auf lokalen M\u00e4rkten, aus informellem Handel oder Hausarbeit. Auch saisonale Rhythmen sowie wechselnde Phasen im Lebensalter oder in der sozialen Situation sind h\u00e4ufig. Sex-Arbeit ist demzufolge integraler Bestandteil einer Vielzahl von Einkommensm\u00f6glichkeiten, aufgeteilt auf eine Erwerbslebensspanne, die dem Unterhalt von Familien und Einzelpersonen dient. In den meisten F\u00e4llen, so die Autorinnen, dient das Einkommen aus der \u201eSex Arbeit&#8220; nicht dem individuellen Reichtum, sondern der Familie oder dem eigenen \u00dcberleben. F\u00fcr viele bedeutet \u201eSex-Arbeit&#8220; Migration, weg vom Heimatdorf, der Stadt oder dem Land. Auff\u00e4llig bei dieser Argumentation ist allerdings, dass die Frage nach den R\u00fcckkehrerinnen oder der weiteren Biographie der im \u201efremden&#8220; Land Verbliebenen nicht gestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl im Kontext von Dritt-Welt-Prostitution vor allem Frauen, aber auch Kinder und junge M\u00e4nner, als Sex-Anbieter eine m\u00e4nnliche Kundschaft ansprechen, gibt es Zeugnisse von weiblichen Klienten, vor allem in \u201eDritt-Welt-Feriendestinationen&#8220;.<sup>268<\/sup> Than-Dam Truong arbeitete eine der ersten theoretischen Ans\u00e4tze zu \u201eSex-Arbeit&#8220; aus.<sup>269<\/sup> Sie geht von menschlicher Aktivit\u00e4t oder Arbeit aus, die darin besteht, Grundbed\u00fcrfnisse zu befriedigen und menschliches Leben zu produzieren und zu reproduzieren. Sie argumentiert, dass Aktivit\u00e4ten sexueller Natur, die k\u00f6rperliche Sexualit\u00e4t und sexuelle Energie umfassen, zu den vitalen menschlichen Grundbed\u00fcrfnissen hinzuzuz\u00e4hlen seien, n\u00e4mlich sowohl zwecks Fortpflanzung als auch zwecks k\u00f6rperlichen Vergn\u00fcgens. Sie f\u00fchrt das Konzept der \u201eSex-Arbeit&#8220; als Gebrauch von k\u00f6rperlichen, sexuellen Elementen ein und versteht sie als produktive Lebenskraft, die von M\u00e4nnern und Frauen eingesetzt wird. Sie schl\u00e4gt vor, dass \u201eSex-Arbeit&#8220; als eine \u00e4hnliche Form der Arbeit aufgefasst wird, die die Menschheit ausf\u00fchrt, um sich zu erhalten; wie zum Beispiel geistige oder manuelle Arbeit, die bestimmte Teile des K\u00f6rpers und bestimmte Typen von Energien und Fertigkeiten verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Konzept von \u201eProstitution als Beruf&#8216; liegt die kommerzielle Verwertung von Geschlechtlichkeit zu Grunde. Das Konzept st\u00fctzt den Versuch, die Sozialit\u00e4t stiftende Differenz von \u201eGeschlecht&#8220; und \u201eGeschlechtsbeziehungen&#8220; in Abrede zu stellen und damit den Geschlechterbeziehungen das liberale Postulat der Gleichheit unter Gleichen aufzuzwingen. Resultat ist das neutrale <em>Gender <\/em>nach dem Muster des unabh\u00e4ngigen Eigent\u00fcmers, der auf einem Markt von Gleichen nach vorteilhaften Gesch\u00e4ften Ausschau h\u00e4lt. Gesellschaft auf der Grundlage von Differenz ist abgeschafft, und damit wird alles, was Gleichheit in Frage stellt, verdr\u00e4ngt, ignoriert, marginalisiert, bek\u00e4mpft, unterdr\u00fcckt. Denn dass es \u201eden Anderen&#8220; in seiner Differenz braucht, um Gesellschaft herzustellen, dass gerade die Erkenntnis \u201edes Anderen&#8220; und dessen Differenz Handeln erst motiviert, zeigt sich wohl nirgends deutlicher als in der Geschlechtlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.13 \u201eSex-Arbeit&#8220;<\/strong> <strong>und <\/strong><strong>Partner-<\/strong><strong>Sex<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eileen McLeod<sup>2<\/sup><sup>7<\/sup><sup>0<\/sup> betrachtet \u201eSex-Arbeit&#8220; in den westlichen Gesellschaften als Akt der Resistenz gegen relative Armut. Mag der \u201eJob&#8220; auch interessant sein, so ist er doch sozial unsicher und individuell unvorhersehbar. ,,Sex-Arbeit&#8220; ist abh\u00e4ngig von der Organisierung der Prostitution, von willk\u00fcrlichen Zuh\u00e4ltern und Bordellbesitzern, von gesetzlichen Rahmenbedingungen und deren Umsetzung in einer lokal unterschiedlichen Polizeipraxis, und vom unsteten Kaufverhalten und der schwankenden Kaufkraft von individuellen Freiern. McLeod fasst Prostitution als Strategie auf, Haushalt und Kinderh\u00fcten zu kombinieren und sich aus Armut und den sozialen Folgen davon zu befreien. In der \u201eSex-Arbeit&#8220; trifft der Geldmangel von Frauen auf m\u00e4nnliche sexuelle Bed\u00fcrfnisse. Prostituierte sch\u00fctzen sich aber meist durch zeitliche Beschr\u00e4nkung und Ablehnung gewisser Praktiken vor emotionalem und k\u00f6rperlichem Engagement. Von \u201eemotionaler Arbeit&#8220; kann auch deswegen keine Rede sein, da Prostituierte mit ihren Partnern eine \u201enormale&#8220;, d.h. eine von der kommerziellen Form differente Sexualit\u00e4t pflegen k\u00f6nnen. Trotzdem machen sie den \u201eJob&#8220; nicht ungern, da sie M\u00e4nner als Mittelpunkt f\u00fcr ihr emotionales Leben auffassen und so aus einer Position der St\u00e4rke verhandeln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Chapkis (1997) argumentiert, dass in der heutigen Gesellschaft Prostitution f\u00fcr viele Frauen eine frei gew\u00e4hlte T\u00e4tigkeit, eine Form von Arbeit ist. Frauen, die in der Sex-Industrie-arbeiten, wollen gleiche Rechte und Freiheiten wie andere Arbeiterinnen, einschlie\u00dflich Angstfreiheit, Absenz von Gewalt und Ausbeutung. Dazu kommt, dass ,,Sex-Arbeit&#8220;, oder \u201eErotic Labour\u201c, ein Terrain der Befreiung f\u00fcr Frauen sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren machte sich eine feministische Richtung stark, die aus der Perspektive der \u201ePro-Sex-Feministinnen&#8220; Prostitution als <em>Performing Erotic Labour <\/em>verstehen (Chapkis 1997; Nagle 1997). Diese Arbeit baut auf den Arbeiten der \u201eSex-Arbeiterinnen&#8220; der 80er Jahre auf, die Priscilla Alexander zusammengestellt hat (Alexander and Delacoste 1988). Beide Texte m\u00f6chten einen Beitrag zur Aufl\u00f6sung des Schismas, das sich innerhalb des Feminismus um kommerziellen Sex entwickelt hat, leisten (Chapkis 1997). Die Erfolgschancen dieser Absichten werden allerdings von verschiedenen Autorinnen in Frage gestellt (O&#8217;Neill 2001).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.14 Prostituierte: <\/strong><strong>Ja<\/strong> <strong>&#8211; <\/strong><strong>Prostitution: <\/strong><strong>Nein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die letzten zwei Dekaden hat sich das politische Terrain rund um die Prostitution entscheidend ver\u00e4ndert. Unter den offensichtlichsten \u00c4nderungen ist das selbstbewusste Auftreten von Prostituierten-Gruppen zu verzeichnen wie auch die kontroverse Debatte zwischen Feministinnen \u00fcber Prostitution und Prostituierte. Diese Kontroverse gipfelt im Slogan: Prostituierte: Ja, Prostitution: Nein. Unterst\u00fctzt von NRO haben Prostituierten-Organisationen teilweise gro\u00dfen Einfluss in der westlichen Welt, vor allem indem sie die Termini der Debatte von S\u00fcnde, Sex und Verbrechen auf Arbeit, Selbstbestimmung und zivile Rechte umformulierten. Der Einfluss dieser Gruppen wird allerdings relativiert durch die Erfolglosigkeit als soziale Bewegung (etwa im Kontrast zu der \u201eSchwulenbewegung&#8220; oder Abtreibungsbewegung), vor allem aufgrund der fehlenden Massenbasis und der Absenz von unterst\u00fctzenden Wissenschaftlerinnen. Die Bewegung war allerdings insofern erfolgreich, als dass sie einige Rechtstreitigkeiten f\u00fcr sich entscheiden und das \u00f6ffentliche und mediale Intresse auf Prostitution lenken konnte.<sup>271<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite wurde das \u00f6ffentliche Interesse auch geweckt durch die Formierung von Quartiervereinigungen, die sich gegen die \u00f6ffentliche Ruhest\u00f6rung und die dreiste Sichtbarkeit der Prostitution wehren. So verlangen Gruppen vor allem in den USA, Kanada und in Gro\u00dfbritannien \u00c4nderungen im Management der Prostitution in Wohnquartieren, und f\u00fchren Sicherheitsprobleme, Verbindung mit anderem kriminellen Verhalten, L\u00e4rm durch Freierverkehr und Bel\u00e4stigung von Frauen und Kindern an. Diese Opposition gegen Prostitution gr\u00fcndet weniger auf moralischen Werteeinstellungen, sondern auf den als St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung empfun\u00ad denen Begleiterscheinungen von Prostitution wie L\u00e4rmimmissionen oder sonstigen Bel\u00e4stigungen, aber auch auf der damit verbundenen Abwertung von Wohn- und Gesch\u00e4ftsquartieren durch Entmischung, F\u00f6rderung von tageszeitabh\u00e4ngigen Monokulturen und \u00fcberh\u00f6hten Mietzinsen f\u00fcr Gesch\u00e4fts- und Wohnr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachbarschafts- oder Quartiergruppen entstanden nicht so sehr auf Grund einer Zunahme von Prostituierten (O&#8217;Neill 2001, Matthews 1993), sondern sie sind als Anspr\u00fcche der Bewohner und Gesch\u00e4ftsleute eines Quartiers an die Lebensqualit\u00e4t zu interpretieren. Die gesellschaftliche Toleranz gegen\u00fcber Marktteilnehmern von kontrovers diskutierten Wirtschaftszweigen, die in einem immer neu zu verhandelnden Verh\u00e4ltnis von \u00d6ffentlich und Privat Rechte beanspruchen, nimmt ab.<sup>272<\/sup> Gerade das Bed\u00fcrfnis von Frauen, sich frei auf den Stra\u00dfen bewegen zu k\u00f6nnen, ohne von Freiern sexuell bel\u00e4stigt zu werden, oder auch der Anspruch von M\u00e4nnern, im \u00f6ffentlichen Raum frei von Bel\u00e4stigung durch teils handfeste Werbemethoden von Prostituierten zu sein, weist auf das antagonistische Potenzial einer juristisch\/richterlich abgesicherten Berufsgruppe \u201eProstituierte&#8220; und den damit verbundenen \u00f6ffentlichen, aber anfechtbaren, da gesellschaftlich nicht legitimierten, Privilegien hin. Nachbarschafts- und Quartiervereinigungen mobilisieren beispielsweise in Gro\u00dfbritannien und den Niederlanden erfolgreich Polizei, Richter, Medien und die \u00d6ffentlichkeit gegen die Stra\u00dfen-, Bar- und Schaufensterprostitution.<sup>273<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.15 Zur<\/strong><strong>Soziologie der<\/strong><strong>Prostitution<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des 19. Jahrhunderts taten sich vor allem die \u00c4rzte der gro\u00dfen europ\u00e4ischen St\u00e4dte hervor und wiesen auf den drohenden Sittenzerfall und auf die gesundheitlichen Folgen hin. Dies weniger aus Sorge um die Prostituierten als vielmehr aus Pr\u00e4ventionsgr\u00fcnden gegen Epidemien wie Syphilis, die vor allem durch promiskuitive M\u00e4nner \u00fcbertragen wurde und das ganze Volk bedrohten. Interessanterweise suchte man nicht das m\u00e4nnliche Verhalten zu kontrollieren, sondern war bestrebt, die Prostitution zu regeln und die Prostituierten zu registrieren. Dazu geh\u00f6rte auch die regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle durch den Arzt. Prostitution wurde in Begriffen wie Sittlichkeit, Verderbtheit, Laster, Krankheit, Gesundheit diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesem medizinisch-sittlichen Diskurs etablierte sich parallel dazu die administrative Reglementierung und als Folge davon, bzw. als Folge von deren Verletzung, die strafrechtliche Einbettung der Prostitution.<sup>27<\/sup><sup>4<\/sup> Wenn es hier vor allem um die Durchsetzung sittenpolizeilicher Regelungen und Bestrafung bei Nichteinhaltung ging, wurden nebst dem Zuh\u00e4lter bald auch der M\u00e4dchenh\u00e4ndler und seine Gesch\u00e4fte Ziel der strafrechtlichen Verfolgung. Denn mit den gro\u00dfen Migrationswellen &#8211; zum einen von Europa nach Amerika und zum andern vom Land in die Stadt &#8211; versprach die Zuf\u00fchrung junger Frauen in die aufbl\u00fchenden Sexm\u00e4rkte dieser Zeit lukrative Gesch\u00e4fte.<sup>27<\/sup><sup>5<\/sup> Frauen begriffen ihre Migration auch als Strategie, der materiellen Not zu entkommen und ein eigenes Einkommen zu erzielen. Der Ausdruck \u201eHandel mit wei\u00dfen Frauen&#8220; schafft den Bezug zu dem in den K\u00f6pfen offenbar noch gegenw\u00e4rtigen Sklavenhandel mit afrikanischen Frauen und M\u00e4nnern auf den amerikanischen Kontinent, wobei von den weiblichen Sklaven offenbar erwartet wurde, dass sie nebst Feldarbeit und Haushalt dem Hausherr auch sexuell zu Diensten waren.<sup>2<\/sup><sup>76<\/sup> Entf\u00fchrung und Zwang zur Prostitution riefen in Europa verschiedene Organisationen zum Schutze gef\u00e4hrdeter Personen auf den Plan. Es gab europ\u00e4ische Vereinigungen, z.B. die \u201eFreundinnen junger M\u00e4dchen&#8220;, die auf Bahnh\u00f6fen aktiv waren, Zusammenschl\u00fcsse von Polizeiorganisationen und internationale Konferenzen von Sozialpolitikern und Wissenschaftlern zur Bek\u00e4mpfung des Frauenhandels. Bei dieser Gelegenheit wurden auch wieder moralische Stimmen laut, die Prostitution ganz verbieten wollten, um so das \u201eKrebsgeschw\u00fcr&#8220;, die \u201eGei\u00dfel der Menschheit&#8220;, aus der Welt zu schaffen. Sozialwissenschaftlich \u00e4u\u00dferte man sich in Begriffen wie soziale Schichten, Elend der Prostituierten, Abolitionismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Historisch ist die Soziologie der Prostitution mit abweichendem Verhalten verkn\u00fcpft, was als soziologische Betrachtungsweise von Kriminalit\u00e4t auf Durkheim (1895) zur\u00fcckgeht.<sup>2<\/sup><sup>77<\/sup> Er f\u00fchrte den Begriff Anomie (Regel- oder Normlosigkeit) ein. Grunds\u00e4tzlich entsteht Anomie durch \u00fcberstarke Individualisierung der Gesellschaftsmitglieder und durch die Diskrepanz zwischen dem Niveau ihrer Anspr\u00fcche und den begrenzt zu deren Befriedigung zur Verf\u00fcgung stehenden G\u00fctern. Anomie \u00e4u\u00dfert sich im Fehlen von gemeinsamen Verbindlichkeiten und Regulierungen und f\u00fchrt letztlich zu abweichendem Verhalten. Sein Anspruch besteht darin, Kriminalit\u00e4t als soziale Tatsache nur durch Soziales zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Merton (1945)<sup>278<\/sup> entsteht Anomie aus der Diskrepanz zwischen kulturell vorgegebenen Zielen und institutionalisierten (legitimen) Mitteln zur Zielerreichung. Das Auseinanderfallen von kultureller und sozialer Struktur, dem einzelne Gesellschaftsmitglieder ausgesetzt sind, muss durch (individuelle) Anpassungsstrategien bew\u00e4ltigt werden. Neben der Konformit\u00e4t einer Anpassung gibt es unterschiedliche Formen der Abweichung, die Merton als Typen der Anpassung an die Situation entwickelt. Der Prototyp des Kriminellen akzeptiert die vorgegebenen kulturellen Ziele (hoher sozialer Status), setzt aber zu deren Zielerreichung infolge Fehlens legitimer Mittel illegitime Mittel ein. Soziologisch theoretische Erkl\u00e4rungsversuche abweichenden Verhaltens bilden zwar kein einheitliches Konzept, obwohl ihnen gemeinsam ist, dass sie die Gr\u00fcnde f\u00fcr Devianz bzw. strafrechtlich relevante Delinquenz eher in gesellschaftlichen Bedingungen sehen, als dass individuelle, pers\u00f6nlichkeitsspezifische Pathologien daf\u00fcr urs\u00e4chlich w\u00e4ren. W\u00e4hrend soziologische Theorien mehrheitlich \u00e4tiologisch orientiert sind und versuchen, Ursachen f\u00fcr abweichendes Verhalten zu benennen, verlagert sich das Interesse mit dem Labeling Ansatz auf die Instanzen sozialer Kontrolle als \u201eProduzenten&#8220; von Kriminalit\u00e4t durch Kriminalisierung.<sup>2<\/sup><sup>7<\/sup><sup>9<\/sup> Diese neue Perspektive ist letztlich ein zentraler Ausgangspunkt f\u00fcr die wissenschaftliche und gesellschaftliche Zuwendung zum Konzept sozialer Kontrolle. Die Theorie des differentiellen Lernens von Edwin Sutherland (1939, 1955 zit. nach Lamnek) und die Subkulturtheorie der Chicagoer Schule gehen von einer inhomogenen Gesellschaft aus, in der konforme (oder abweichende) Verhaltensweisen und Werthaltungen erlernt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn <em>Gender-orientierte <\/em>Kriminologen wie Carol Smart (1978) die Unsichtbarkeit der Frauen in der klassischen Kriminologie kritisiert, stellt sie in einem \u201eneuen Realismus&#8220; die Wahrnehmung von Frauen zwischen den Polen Romantisierung und Dramatisierung fest, wobei das Interesse an Frauen vor allem an deren Viktimisierung festgemacht ist. Die Kriminalstatistiken bieten keine reine Fakten, sondern sind selbst Ergebnis zeitgebundener Wahrnehmungs- und Auswahlprozesse; so m\u00fcssen die jeweiligen Zugangschancen und -restriktionen ebenso thematisiert werden wie die institutionellen Selektionsbestimmungen und vielf\u00e4ltigen Filter, die weibliches Verhalten als relevanten Bruch des geltenden Rechts sichtbar bzw. unsichtbar machen. G\u00e4ngige Geschlechterstereotypen steuern die Normenproduktion und die Selektion von kriminellem Verhalten (Wunder 1988). So zeichnet sich im 18. Jahrhundert auf Grund intensiver Debatten \u00fcber Hexerei, Kindsmorde und Prostitution ein grundlegender Wandel des Frauenstereotyps von den durch den S\u00fcndenfall biologisch zum Verbrechen pr\u00e4destinierten T\u00e4terinnen zu reinen Opfern gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse ab, die durch die Rechtssprechung in besonderem Ma\u00dfe in Schutz genommen werden sollten. Angesichts der allgemeinen geringen Sichtbarkeit von Frauen in der vormodernen \u00dcberlieferung ger\u00e4t das als deviant kenntlich gemachte Handeln von Frauen zu weiblichem Verhalten schlechthin und pr\u00e4sentiert sich im Vergleich zu m\u00e4nnlicher Devianz als defizit\u00e4r und ohnm\u00e4chtig. Mit der Entkriminalisierungstendenz entsteht der Eindruck, dass Frauen per Geschlecht zu Opfern bzw. zu Verfolgten pr\u00e4destiniert seien (Heike Wunder, 1988, Gerichtsaktenforschung). Dabei ist Prostitution &#8211; im kriminologischen Diskurs des 19. Jahrhunderts das Frauendelikt <em>par excellence <\/em>&#8211; keineswegs durchg\u00e4ngig als gesetzeswidriges Verhalten zu betrachten. Trotz einer Sprache, die Asymmetrie und Machtgef\u00e4lle zwischen den Geschlechtern ausdr\u00fcckt, ,,verf\u00fchren&#8220; Frauen die M\u00e4nner, die dies als Rechtfertigung f\u00fcr ihr eigenes (Freier)Verhalten vorbringen. Auch den Frauen selber erschien ihr K\u00f6rper als \u00f6konomische Ressource, die in Zeiten der Not gezielt in Kapital umgesetzt werden konnte, ohne dass sich jemand zur Rechenschaft verpflichtet sah. Nicht die \u201eb\u00fcrgerliche Sexualmoral&#8220;, sondern die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Tauschlogik \u201eK\u00f6rper gegen Geld&#8220; stellt den Rahmen dar, in den die Betroffenen ihr Verhalten einordneten. Gelegenheitsprostitution war f\u00fcr Frauen aus der Unterschicht kein abweichendes Verhalten, sondern angesichts der fehlenden Alternativen zur Einkommenssicherung legitim.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klassische Schule der Kriminologie, die sich am T\u00e4ter orientiert, legt sich programmatisch auf die Devianzperspektive fest und verengt den Blick auf die Prostitution als ein \u201eT\u00e4ter-Opfer-Verhalten&#8220;. Gisela Bock (1988) spricht in diesem Zusammenhang von einer androzentrischen Sichtweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen den beiden Weltkriegen forscht eine sich gerade herausbildende Sexualwissenschaft \u00fcber Prostitution, die erst allm\u00e4hlich beginnt, sich von den beobachtungsleitenden Fixierungen auf Devianz und Pathologie zu emanzipieren. Sie markiert den Beginn der Soziologie der Prostitution als eigenst\u00e4ndiges Forschungsfeld (Simmel 1908, Kingsley Davis 1937). Nach dem Zweiten Weltkrieg geht die Forschung punktuell vor: Sie reduziert den Gegenstand auf die Person der Prostituierten, setzt Prostitution weiterhin in den Bezugsrahmen abweichenden Verhaltens, fasst Prostitution unter sozialstaatlichen Pr\u00e4missen als Problem und r\u00fcckt das Ph\u00e4nomen der Zuh\u00e4lterei ins Blickfeld. Mit der Ver\u00e4nderung der sexuellen Normen und des sexuellen Verhaltens wird es wichtig, sich der Differenz zwischen Prostitution und Promiskuit\u00e4t zu versichern und neuen Formen der Prostitution nachzugehen. Die Selbsthilfeorganisation Hydra (1991) nimmt die Thematik der Freier auf und stellt fest, dass diese der eigentlich tabuisierte Teil des Prostitutionsgesch\u00e4fts verk\u00f6rpert. Sie versuchen, das Ph\u00e4nomen erkl\u00e4rbar zu machen, zu entmythologisieren und Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interesse der Aids-Pr\u00e4vention r\u00fcckten die Prostitutionskunden und die Intimkommunikation ebenso ins Blickfeld (Kleiber und Velten 1994; Ahlemeyer 1996; Aids-Hilfe Schweiz, 1999 und 2002) wie die rechtliche und soziale Situation von Prostituierten. Denn nicht nur Aids bewegte die Gem\u00fcter in den 90er Jahren, sondern auch die zunehmende Wahrnehmung von ausl\u00e4ndischen Prostituierten auf westeurop\u00e4ischen Sexm\u00e4rkten. Die Rechtlosigkeit dieser Personen veranlasst juristische Wissenschaftler, sich mit rechtlichen Aspekten von Prostitution auseinander zu setzen, wobei sie feststellen, dass die Qualifikation von Prostitution als sittenwidrig die Anerkennung von Prostituierten als Berufst\u00e4tige, was einen vertraglichen Rechtsschutz begr\u00fcnden k\u00f6nnte, erschwert (Ulrich 1998; Heller 1999; H\u00fcrlimann 2004). Das Dilemma der Rechtssprechung, einerseits den internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen Menschenhandel (was ausl\u00e4ndische Personen auf dem einheimischen Sexmarkt betrifft) und andererseits den st\u00e4ndischen Forderungen nach gleichberechtigter Anerkennung als Beruf nachzukommen, kann damit allerdings nicht gel\u00f6st werden. Einen etwas anderen Ansatz vertritt die Juristin Susanne Bertschi (2003), indem sie die Migrationspolitik der Schweiz als Zulassungspolitik kritisiert, die selektiv gewisse Arbeitsmigration f\u00f6rdert und Frauenmigration vor allem \u00fcber die zivilstandsabh\u00e4ngige Zugeh\u00f6rigkeit zu M\u00e4nnern reguliert und segmentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine kontinuierliche Erforschung prostitutiver Sexualit\u00e4t hat bisher nicht stattgefunden. Dies mag damit zusammenh\u00e4ngen, dass Prostitution in der Forschung als soziales Ph\u00e4nomen und nicht als die Sexualit\u00e4t betreffend verstanden wird. Die soziale Konstruktion von Sexualit\u00e4t wird in der Forschung eben erst entdeckt. Obwohl Lautmann (2001) von einer starken sozialen Determiniertheit von Sexualit\u00e4t ausgeht, schlie\u00dft er Prostitution als Untersuchungsgegenstand ausdr\u00fccklich davon aus, indem er der Prostitution das Sozialit\u00e4t generierende Moment sexuellen Handelns abspricht.<sup>280<\/sup> Er beruft sich auf Georg Simmel, der 1910 formuliert: <em>,,Das Liebesverh\u00e4ltnis enth\u00e4lt in sich das deutliche Zusammen der beiden Elemente, die auch die Form des Abenteuers vereinigt: die erobernde Kraft und die unerzwingbare Gew\u00e4hrung, den Gewinn aus eigenem K\u00f6nnen und das Angewiesensein auf das Gl\u00fcck, mit dem ein Unberechenbares au\u00dferhalb unser uns begnadet.&#8220;<\/em><sup><em>281<\/em><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eUnerzwingbare&#8220; und das \u201eUnberechenbare&#8220; deutet auf den psychoanalytischen Ansatz, der heute eher von Verwertbarkeit (Weissberg 2004, pers\u00f6nliche Mitteilung) und Ersatz (Strassberg 2004) spricht, wenn die spielerische \u201eModulierbarkeit&#8220; (Giddens 1993; Lichtblau 1997: <em>plastic sexuality) <\/em>und das \u201eAufsitzen auf den Trieb&#8220; (Strassberg 2004) angesprochen werden. Auch wenn \u201ebeziehungslose Sexualit\u00e4t&#8220; (Lautmann 2001) oder \u201eErlebnis-Sexualit\u00e4t&#8220; (Gerhards 1990) den Untersuchungsgegenstand auf neuzeitliche Formen wie Swinger-Clubs, Singles etc. ausweiten, ist damit nicht die Prostitution angesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Auffassung widersprechen \u201ePro-Sex orientierte Feministinnen&#8220; wie Chapkis (1997) und Nagle (1997), die auf <em>Erotic Labour <\/em>als Ausdruck ihrer Sexualit\u00e4t insistieren und Gegner dieser Sichtweise als \u201emoralisch&#8220; und \u201eAnti-Sex-orientiert&#8220; vehement kritisieren. Angesichts der Realit\u00e4t von Tausenden von Frauen und Kindern, die sich zurzeit in Osteuropa, Asien, Afrika, Lateinamerika und auch in Westeuropa der Not gehorchend sexuell ausbeuten lassen m\u00fcssen,<sup>282<\/sup> erscheint dieser Zugang zu Prostitution als <em>Erotic Labour <\/em>nicht nur partikul\u00e4r oder allenfalls einer Subkultur verpflichtet, sondern geradezu frauen- und kinderverachtend sowie realit\u00e4tsfern. Aus diesem Grund sind ihre Argumente wenig geeignet, ,,Prostitution als Beruf&#8216; zu begr\u00fcnden und damit gravierendes Unrecht und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse zugunsten von partikul\u00e4ren Interessen zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage nach den sexuellen Bed\u00fcrfnissen der Frau bleibt ausgeklammert. Diese Frage nimmt Mary Mclntosh (1978)<sup>283<\/sup> auf und fragt, wer denn f\u00fcr die sexuellen Bed\u00fcrfnisse der Frauen sorge und warum M\u00e4nner auf der Nachfrageseite und Frauen auf der Angebotsseite st\u00fcnden. F\u00fcr Mclntosh ist klar, dass Muster und Motivationen von menschlichem sexuellem Verhalten zwar auf biologischen Strukturen und genetischen Vorlagen basieren, aber weder als gleiches auszumachen noch von ihnen determiniert sind. Biologische Faktoren sind wohl kaum in der Lage, einen kommerziellen Sexmarkt mit einer fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlichen Nachfrage- und einer gemischten Angebotsseite zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechende Versuche, in Z\u00fcrich ein Bordell f\u00fcr weibliche Kundschaft zu betreiben, sind aus mangelndem Interesse abgebrochen oder, wie in einem Fall, f\u00fcr homosexuelle M\u00e4nner umfunktioniert worden.<sup>284<\/sup> Dass dies aber nicht an mangelnder Potenz oder mangelndem sexuellen Interesse der Frauen liegt, begr\u00fcndet die Z\u00fcrcher Frauen\u00e4rztin aus der weiblichen Anatomie.<sup>2<\/sup><sup>8<\/sup><sup>5<\/sup> Offenbar treffen sich die Gesch\u00e4ftspraktiken f\u00fcr kommerzialisierten Sex f\u00fcr Frauen nicht mit ihren Bed\u00fcrfnissen, denn: ,,<em>Die maskuline Vorstellung von weiblicher Sexualit\u00e4t beruht auf der patriarchalischen Denktradition<\/em><em>. <\/em><em>Wird Sexualit\u00e4t in dieser Tradition definiert<\/em><em>, <\/em><em>obliegt m\u00e4nnliche und <\/em><em>weibliche <\/em><em>Sexualit\u00e4t <\/em><em>einer <\/em><em>maskulinen Voreingenommenheit <\/em><em>.<\/em><em>Denn <\/em><em>die m\u00e4nnliche Voreingenommenheit l\u00e4sst au\u00dfer Acht, dass Sexualit\u00e4t f\u00fcr Frauen einen wichtigen Aspekt der se<\/em><em>x<\/em><em>uellen Selbstbestimmung enth\u00e4lt.<\/em>&#8222;<sup>2<\/sup><sup>8<\/sup><sup>6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6.16 Zusammenfassung: <\/strong><strong>Prostitution <\/strong><strong>und<\/strong> <strong>Frauenhandel<\/strong> <strong>heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Prostituierten solidarische Gruppierungen beeinflussen die \u00f6ffentliche Wahrnehmung und die institutionelle Praxis von Prostitution. F\u00fcr Europa gilt dies vor allem f\u00fcr Aspekte des Frauenhandels, Sextourismus und den internationalen Heiratsmarkt. In westlich orientierten L\u00e4ndern wie Kanada, Holland, England oder der Schweiz formieren sich Nachbarschaftsinitiativen, die sich gegen die Privilegierung von \u201eSex-Arbeiterinnen&#8220; mittels Unterst\u00fctzung durch \u00f6ffentliche Gelder oder gegen Inanspruchnahme \u00f6ffentlichen Raumes zulasten der Lebensqualit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung oder der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit anderer Branchen zur Wehr. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass Investitionen in die Freizeitindustrie sowie Lockerungen der staatlichen Regulierung einen prostitutionsf\u00f6rdernden Einfluss haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Neu bilden sich Selbsthilfegruppen und Solidarbewegungen um Prostituierte und Prostitutionsmigrantinnen (und -migranten) in L\u00e4ndern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, wo Identit\u00e4t, Begrifflichkeiten, Rechte, Arbeitsbedingungen, Entkriminalisierung und Legitimit\u00e4t thematisiert werden. Aus den Erfahrungen dieser Gruppen geht hervor, dass sich viele Frauen und M\u00e4nner auf der ganzen Welt prostituieren, um damit Geld verdienen, dies aber nicht notwendigerweise als einzige identit\u00e4tsstiftende und existenzsichernde T\u00e4tigkeit f\u00fcr ein ganzes Menschenleben konzipiert ist. Vielmehr kombinieren sie \u201eSex-Arbeit&#8220; mit anderen Formen der Erwerbsarbeit oder \u00fcben sie nur in bestimmten Lebensphasen aus. Eine englische Untersuchung best\u00e4tigt den Gelegenheits- und tempor\u00e4ren Charakter heutiger Prostitution. ,,Sex-Arbeit&#8220; ist aber f\u00fcr viele auch verbunden mit Drogengebrauch, Verschuldung, Abh\u00e4ngigkeit und Aufl\u00f6sung sozialer Beziehungen, beispielsweise durch Migration. Implikationen, die schwerlich saisonal oder temporal reintegriert und kaum durch individuelle Anstrengungen kontrolliert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Soziologie ist Prostitution historisch mit abweichendem Verhalten verkn\u00fcpft und wird h\u00f6chstens am Rande als Form m\u00e4nnlicher Sexualit\u00e4t abgehandelt. Die klassische Kriminologie orientiert sich \u00fcber die Opfer-T\u00e4ter-Logik am T\u00e4ter und verengt den Blick auf eine androzentrische Perspektive. Die Soziologie fasst Prostitution als soziales Ph\u00e4nomen auf und macht sie mit \u00e4tiologischen Ans\u00e4tzen an der Prostituierten fest. Die soziale Konstruktion von Sexualit\u00e4t wird in der Soziologie eben erst entdeckt: Wenn also neue Begriffe wie <em>plastic sexuality <\/em>oder beziehungslose Sexualit\u00e4t, Erlebnissexualit\u00e4t etc. auftauchen, ist damit nicht die Prostitution gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Der feministische Diskurs um Prostitution ist kontrovers und bewegt sich vornehmlich um die Auffassungen von \u201eProstitution als Sexarbeit&#8220;, Selbstbestimmung und somit als Privatsache und Prostitution als sexuelle Ausbeutung, Frauen- und M\u00e4dchenhandel, Prostitutionsmigration und somit als von \u00f6ffentlichem, politischem Interesse. Die Kontroverse gipfelt im Motto: Prostituierte: Ja &#8211; Prostitution: Nein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum des Interesses stehen akzeptable Bedingungen f\u00fcr Sexarbeit sowie die Anerkennung von Prostitution als Beruf. Auf der andern Seite bestimmen polit\u00f6konomische \u00dcberlegungen zur Struktur von Armut und Migration als Folge der Globalisierung und der Reformation des Sozialstaats nach westlich\/amerikanischem Muster sowie das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter die Debatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bem\u00fchung, der Perspektive der Prostituierten Geh\u00f6r zu verschaffen, gr\u00fcndet auf dem Verlangen, die Opfer-T\u00e4ter-Perspektive zu \u00fcberwinden, fokussiert Prostitution aber von neuem als Problem von Prostituierten. Damit ist Prostitution als individuelle Anpassungsstrategie an das Leistungs- und Marktprinzip legitimiert. Mit Referenz auf die Selbstbestimmungsdebatte der 70er Jahre wird der Begriff <em>sexuelle Selbstbestimmung <\/em>ins Feld gef\u00fchrt, wobei <em>doing gender <\/em>von Prostituierten und Freiern stillschweigend vorausgesetzt und damit als naturalisiert best\u00e4tigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7 Zeitgeist<\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong>Prostitution<\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong>Frauenhandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Herrschaftswissen <\/em><em>k\u00fcmmert <\/em><em>sich <\/em><em>nicht <\/em><em>um  <\/em><em>die <\/em><em>Zust\u00e4nde, die tats\u00e4chlich sind. <\/em>Claudia von Werlhof<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.1 Netzwerkkultur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der aktuelle politische Diskurs zeichnet sich dadurch aus, dass die im Zuge der Globalisierung international ausgerichteten Strategien von Wirtschaft und Politik von ebenfalls international agierenden Hilfswerken, internationalen Organen, Organisationen und Netzwerken begleitet sind. Teils direkt der politischen Administration unterstellt, teils von den einzelnen Regierungsprogrammen unterst\u00fctzt oder mehrheitlich mit privaten Spenden finanziert, bildet diese Parallelstruktur die Grundlage f\u00fcr die weltweit aktive NRO- oder Netzwerk-Kultur. Verstanden als Gegenbewegung zu global wirksamen Deregulierungsma\u00dfnahmen zugunsten eines neoliberalen \u201efreien&#8220; (Welt-)Marktes von G\u00fctern, Dienstleistungen und Arbeitskr\u00e4ften, ger\u00e4t die politische Vertretung dieser \u00f6konomischen Gangart angesichts der teilweise verheerenden und humanit\u00e4r untragbaren Folgen unter Druck. So beansprucht diese Netzwerk-Kultur als Re-Regulierungs-Option einen zunehmend wichtigen Platz im Prozess der Deregulierung und Globalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Wirkungsweise von Deregulierung und Re-Regulierung verwundert es nicht, dass \u201eFrauen&#8220; an prominenter Stelle der Netzwerk-Agenda stehen. Obwohl Frauen keine Interessengruppe darstellen, finden sie bezeichnenderweise explizite Erw\u00e4hnung z.B. in der <em>\u201eUN-Convention<\/em><em>on <\/em><em>the <\/em><em>Elimination of<\/em> <em>All <\/em><em>Forms <\/em><em>of <\/em><em>Discrimination against Women&#8220; <\/em>von 1979.<sup>287<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Konvention wird von den Netzwerken als wichtiges Instrument im Kampf gegen Frauenhandel angesehen. Der Artikel 6 lautet: <em>,,Die Staaten <\/em><em>sollen gesetzliche und sonstige Ma\u00dfnahmen ergreifen, um alle Formen des Frauenhandels und der Ausbeutung <\/em><em>der Prostitution <\/em><em>von <\/em><em>Frauen <\/em><em>zu unterbinden.&#8220; <\/em>Dazu folgte 1992 eine Empfehlung (Nr. 19): <em>,,Poverty <\/em><em>and unemployment increase opportunities for trafficking in women<\/em><em>. <\/em><em>In <\/em><em>addition <\/em><em>to <\/em><em>established forms of <\/em><em>trafficking there are <\/em><em>new <\/em><em>forms of <\/em><em>sexual exploitation, such as <\/em><em>sex<\/em><em>tourism, the recruitement of<\/em> <em>domestic labour from developing countries <\/em><em>to <\/em><em>work in developed countries, and organized marriages between women from developing countries and foreign <\/em><em>nationals. <\/em><em>These practices are incompatible with <\/em><em>the <\/em><em>equal <\/em><em>enjoyment <\/em><em>of <\/em><em>rights <\/em><em>by women and with respect for their rights and dignity&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.2 Feminisierung <\/strong><strong>der<\/strong><strong>Armut<\/strong><strong>&#8211;<\/strong><strong>Polarisierung<\/strong><strong>der <\/strong><strong>Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eigentlich erstaunlich, wie sich die These von der <\/em><em>Selbstregulierung <\/em><em>des Marktes <\/em><em>h\u00e4lt. <\/em>Jill Rubery<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Gender-Forschung <\/em>besch\u00e4ftigt sich seit den 90er Jahren in Europa, den USA und Kanada mit Deregulierungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Frauen auf dem Arbeitsmarkt, im Erwerbsleben und im Familienbereich, um die Auswirkungen von neoliberalen Instrumenten auf Frauen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese Auswirkungen sehr widerspr\u00fcchlich und komplex sind, und es daher schwierig ist, die Frage der Deregulierung auf den Arbeitsm\u00e4rkten von Fragen der Sozial- und Familienpolitik zu trennen. Mascha Mad\u00f6rin<sup>288<\/sup> kommt in ihrer Studie zum Schluss, dass eine Feminisierung von Armut stattfindet und sich eine soziale Polarisierung in der Gesellschaft generell, aber auch zwischen Frauen auswirkt, was England, Kanada und die USA betrifft. Auch in den EU-L\u00e4ndern wirkt sich zunehmend die Ausrichtung des Steuer-, Sozial- und Arbeitsmarktsystems auf das herk\u00f6mmliche Em\u00e4hrermodell f\u00fcr eine Mehrheit von Frauen negativ aus. Dieser Idealtypus entspricht den realen Familienkonstellationen l\u00e4ngst nicht mehr, weil er nur f\u00fcr eine Minderheit Geltung hat, aber in den K\u00f6pfen von Politikerinnen, Sozialversicherungs- und Arbeitsmarktstrategen festsitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Claudia von Werlhof kritisiert das Em\u00e4hrermodell, weil dieses den weltweiten \u00f6konomischen Beitrag von unbezahlter Haus- bzw. Subsistenzarbeit von Frauen ignoriert bzw. nicht in Rechnung stellt.<sup>289<\/sup> Unabh\u00e4ngig von politischen Intentionen gewinnen mit der fortschreitenden, globalisierten Transformation von Subsistenz-Arbeitszusammenh\u00e4ngen in Lohnarbeitssysteme die L\u00f6hne von Frauen an Bedeutung. <em>,,Die Erwerbsl\u00f6hne von Frauen werden immer wichtiger f\u00fcr einen zunehmenden Teil von Haushalten. <\/em><em>Ohne <\/em><em>Erwerbsarbeit <\/em><em>von <\/em><em>Frauen <\/em><em>w\u00e4re <\/em><em>die <\/em><em>Zahl <\/em><em>verarmter <\/em><em>Haushalte <\/em><em>wesentlich gr\u00f6\u00df<\/em><em>e<\/em><em>r. <\/em><em>Die <\/em><em>Frage, we<\/em><em>r <\/em><em>Kinder und <\/em><em>pfl<\/em><em>e<\/em><em>g<\/em><em>e<\/em><em>bed\u00fcrftige <\/em><em>Personen b<\/em><em>e<\/em><em>t<\/em><em>re<\/em><em>ut<\/em><em>und f\u00fcr sie be<\/em><em>z<\/em><em>ahlt<\/em><em>, <\/em><em>wird <\/em><em>z<\/em><em>u <\/em><em>e<\/em><em>inem wirtschaftspolitisch brisanten Thema<\/em><em>&#8220; <\/em>(Mad\u00f6rin: 12). Diese Aussage trifft nicht nur auf westliche Gesellschaften zu, sondern \u00fcberall dort, wo \u00f6konomisch-politische Instrumente der Globalisierung zum Tragen kommen. Frauen sind \u00fcberall auf der Welt \u00fcberproportional stark in informellen oder atypischen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen (Nicht-Vollerwerbsarbeit) anzutreffen. Die besondere Bedeutung, die eine gezielte Gleichstellungspolitik und die Bestrebungen nach der Regelung dieser Arbeitsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr Frauen rechtfertigt, (z.B. Minimall\u00f6hne und Sozialversicherungen) beruht demnach nicht etwa auf einer besonderen Schw\u00e4che der Frauen, sondern auf der gesellschaftlich notwendigen Haus- bzw. Subsistenzarbeit. Bei fortschreitender Arbeitsteilung wird diese mehrheitlich von Frauen erbracht, was den Zugang zu \u201eregul\u00e4rer&#8220; Lohnarbeit erschwert. Wenn vielleicht das Ern\u00e4hrermodell f\u00fcr eine bestimmte gesellschaftliche Schicht, in einer historisch und \u00f6konomisch bestimmten \u00c4ra und unter bestimmten sozialen und kulturellen Voraussetzungen eine eingeschr\u00e4nkte gesellschaftliche Entsprechung findet, so trifft dies bei der sich drastisch verknappenden Ressource der regul\u00e4ren Lohnarbeit und unter Ber\u00fccksichtigung des Gleichheitspostulats weder global noch lokal zu. Der Zugang zu regul\u00e4ren Arbeitspl\u00e4tzen in Wohlfahrtsstaaten westlichen Zuschnitts ist f\u00fcr Migrantinnen ohne besondere Qualifikation bzw. f\u00fcr Frauen mit ausl\u00e4ndischem Pass besonders eingeschr\u00e4nkt, da f\u00fcr diese Personen andere Segregationsmuster und &#8211; mechanismen gelten als f\u00fcr \u201eMehrheitsfrauen&#8220; oder f\u00fcr Frauen mit inl\u00e4ndischem Pass. Auf dem informellen internationalen Arbeitsmarkt hingegen erweist sich die Nachfrage nach dieser Kategorie von Arbeitskr\u00e4ften als besonders hoch.<sup>290<\/sup> Darunter f\u00e4llt nicht nur die Nachfrage nach Hausarbeit wie Haushalt, Putzen, Kinderbetreuen und Pflege von Betagten und Kranken, sondern auch der \u201eDienst am Mann&#8220; als Ehe(haus)frau und Prostituierte. Die Umbenennung dieser T\u00e4tigkeiten zum Beruf ver\u00e4ndert zwar nichts an den Mechanismen und Strukturen, die sich weltweit besonders existenzbedrohend auf Frauen der Unterschicht auswirken; die Begriffsbildung erlaubt aber, den Schein zu wahren und prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse zu verdecken, zu ,,naturalisieren&#8220; und damit zu legitimieren. Dieser Zusammenhang weist auf Widerspr\u00fcche und auf die Schattenseite des neoliberalen Instrumentariums hin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.3 <\/strong><em><strong>Gender<\/strong> <\/em><em><strong>Mainstreaming<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fachfrauen diskutieren zunehmend den Zusammenhang zwischen Gleichstellungspolitik, generellen Arbeitsmarktregelungen, Sozial-, Finanz- und Budgetpolitik des Staates. Die Frage stellt sich, wie denn Gleichstellungspolitik in einer Situation sehr gro\u00dfer kultureller und sozialer Heterogenit\u00e4t von Erwerbssituationen und Lebensstilen von Frauen zu realisieren sei. Die Diskriminierung manifestiert sich noch immer in allen Bereichen des Erwerbslebens, wobei <em>\u201e<\/em><em>die Ma\u00dfnahmen<\/em> <em>und die Eb<\/em><em>e<\/em><em>nen<\/em><em>, <\/em><em>wo Gleichstellungspolitik sinnvoller<\/em><em>weise anset<\/em><em>ze<\/em><em>n m\u00fcsste, sehr <\/em><em>verschieden<\/em> <em>sein d\u00fcrften&#8220;<\/em>(Mad\u00f6rin: 8). Mit Instrumenten des <em>Gender-mainstreaming <\/em>und des <em>G<\/em><em>e<\/em><em>nder Budgets <\/em>sehen auch andere Autorinnen M\u00f6glichkeiten, die Schattenseiten der Neoliberalisierung zu erhellen.<sup>291<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1992 forscht das <em>European <\/em><em>N<\/em><em>etwork on the<\/em> <em>Situation <\/em><em>of  Women <\/em><em>in the Labour Market <\/em>im Rahmen des <em>Equal<\/em> <em>Opportunities <\/em><em>Unit <\/em>der Europ\u00e4ischen Kommission. Jill Rubery, wissenschaftliche Koordinatorin und Co-Autorin verschiedener Jahresberichte, (292)<sup> <\/sup>unterscheidet die verschiedenen analytischen Herangehensweisen.<sup>293<\/sup> Ausgangspunkt ist die neoklassische \u00d6konomie, die von generellen und universellen Verhaltensmodellen ausgeht, die f\u00fcr verschiedene L\u00e4nder und Zeiten gelten. Von hier aus werden Abweichungen von hypothetischen Normen eines Marktmodells untersucht und Schl\u00fcsse gezogen, was an den Rahmenbedingungen ge\u00e4ndert werden muss, um eine gew\u00fcnschte Entwicklung zu erreichen.<sup>294<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite gibt es die gesamtgesellschaftliche Herangehensweise, die von verschiedenen Typen sozialer Koh\u00e4renz ausgeht. Dieses Denkmodell untersucht das System von wirtschaftlicher und sozialer Organisation: Wie verbindet sich Frauenerwerbsarbeit, das System von Arbeitsmarkt, sozialstaatliche Einrichtungen und Familienorganisation? Welches ist die Rolle von politischen und sozialen Werten in der Gesellschaft, die diese Verh\u00e4ltnisse unterst\u00fctzen? Wie Rubery (1988) kritisch anmerkt, stellt sich bei diesem Ansatz die Frage nach den Grenzen einer Gesellschaft in einer Zeit der Internationalisierung von M\u00e4rkten und der Internationalisierung von politischen und sozialen Ideen und Werten. Sie betont, dass es viele Studien gibt, die zeigen, wie unperfekt Arbeitsm\u00e4rkte funktionieren, und dass es eigentlich erstaunlich sei, wie stark \u00d6konomlnnen immer noch an der These der Selbstregulierung des Arbeitsmarktes h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden Ans\u00e4tze unterscheiden sich in Bezug auf die Struktur der Gesellschaft, die Funktion von \u00d6konomie, Politik, Kultur und ihre Interdependenzen wesentlich. Es gibt auch differierende Sichtweisen bez\u00fcglich Familienpolitik und deren Zusammenhang mit der Frauenerwerbsarbeit. Susanne Schunter-Kleemann<sup>295<\/sup> unterscheidet drei verschiedene Trends in familienpolitischen Konzepten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>1. Die eher sozialdemokratische Position geht von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus, wobei dieser Ansatz das Management, die beiden Bereiche kompatibel zu gestalten, den Frauen als ihr eigenes Problem zuschreibt. In der Familie engagierte Frauen sollen aber durch Kinderkrippen, Tagesheime und sich beteiligende V\u00e4ter Unterst\u00fctzung erhalten.<\/li>\n\n\n\n<li>2. Konservative Familienpolitik nimmt Frauen vor allem als M\u00fctter wahr, f\u00fcr welche der Staat Aufgaben im Bereich von Mutterschutz und Gesundheitsvorsorge \u00fcbernehmen soll. Sie lehnt die Individualisierung, d.h. die Losl\u00f6sung vom Familienprinzip der Sozialversicherung ab, um die weitere Erosion des traditionellen Familiensystems zu verhindern.<\/li>\n\n\n\n<li>3. Die neoliberale Position geht von einer im juristischen Sinn strikten Gleichbehandlung von Mann und Frau aus. Wenn Frauen den Anspr\u00fcchen, die an m\u00e4nnliche Arbeitskr\u00e4fte gestellt werden, nicht gen\u00fcgen, stellt sich die Frage, wie sie gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Zentral f\u00fcr diese Auffassung ist, dass anstelle von Staatsregelungen die individuelle Freiheit gest\u00e4rkt werden muss.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die Erwerbsarbeit von Frauen hat, unabh\u00e4ngig von der Familienpolitik, in allen westeurop\u00e4ischen und nordamerikanischen L\u00e4ndern stark zugenommen. Die Fragen nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und nach einer Gleichstellungspolitik sind hochaktuell und politisch und analytisch nach wie vor hei\u00df umstritten. Teilzeitarbeit und die damit verbundene \u00fcberproportionale Besetzung von atypischen Arbeitspl\u00e4tzen durch Frauen sind umstrittene Ausgangspunkte f\u00fcr k\u00fcnftige Strategie-Entwicklungen.<sup>296<\/sup> Im Rahmen der gegenw\u00e4rtigen Sozialstaatsreform kritisieren Autorinnen auch die neoliberale Position, die Frauen, welche infolge ihrer Arbeitsleistung in Familie und Haushalt den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt nur bedingt gen\u00fcgen k\u00f6nnen, aus einer Defizitperspektive betrachtet.<sup>297<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Ilona Ostner konstatiert, dass \u201eder Vergleich von Wohlfahrtsstaaten unter dem Aspekt weiblicher Lebenschancen noch in den Kinderschuhen steckt&#8220; und stellt Konzepte, Variablen und Kriterien f\u00fcr die Beurteilung von \u201eFrauenfeindlichkeit&#8220; vor.<sup>298<\/sup> Sie ordnet einzelne Wohlfahrtsstaaten der Europ\u00e4ischen Union nach ihrem jeweiligen Individualisierungspotential, wobei die \u201eSt\u00e4rke&#8220; oder \u201eSchw\u00e4che&#8220; der Norm des Ern\u00e4hrermodells \u201erasch Auskunft \u00fcber die Besonderheiten der Erwerbsbeteiligung von Frauen und \u00fcber die Art ihres Einschlusses in das System der sozialen Sicherheit&#8220; gibt. Ostner unterscheidet zwischen Individualisierung \u201eals Freiheit, den Lebensunterhalt eigenst\u00e4ndig zu sichern&#8220; und \u201eals Freiheit in der Sorgeverpflichtung gegen\u00fcber der eigenen Familie&#8220;. Sie kommt zum Schluss, dass in keinem der verglichenen L\u00e4nder die Mehrheit der Frauen vom Zwang befreit ist, ihr Einkommen durch ein zweites, n\u00e4mlich das des Partners, zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.4 Dualismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der westlichen Kultur unterstellt den Begriff \u201eFrau&#8220; dem Begriff ,,Mann&#8220; in der geschlechtlichen Statushierarchie, wobei gerade die europ\u00e4ische Tradition &#8211; im Unterschied etwa zu den USA &#8211; die mit Privatbesitz verbundene Herrschaft von Frauen in Kl\u00f6stern und Adelsh\u00e4usern kennt. W\u00e4hrend die Bedeutung der Kl\u00f6ster mit der S\u00e4kularisierung abnahm, erhielt sich der europ\u00e4ische, besitzende Hochadel seine Macht und sein Eigentum bis heute, trotz franz\u00f6sischer und kommunistischer Revolution. Das Geschlecht der Herrscher scheint bedeutungslos, solange der Privatbesitz gro\u00df genug ist und ausreichend Nachkommen f\u00fcr die Erbfolge zur Verf\u00fcgung stehen. Auf der anderen Seite erlaubt die zunehmende Chancen- und Rechtsgleichheit westlicher Gesellschaften auch \u201eb\u00fcrgerlichen&#8220; Frauen die Partizipation an vormals den b\u00fcrgerlichen M\u00e4nnern vorbehaltenen Privilegien wie Privatbesitz, Generierung eines eigenen Einkommens durch berufliche T\u00e4tigkeit oder politische Machtaus\u00fcbung. Die sozial wohl weitreichendste Herausforderung solcher Ans\u00e4tze rechtlicher und gesellschaftlicher Gleichstellung der Geschlechter liegt aber in der M\u00f6glichkeit, ein von m\u00e4nnlichem Einkommen, Besitz und somit von m\u00e4nnlichen Herrschaftsanspr\u00fcchen unabh\u00e4ngiges Frauenleben zu begr\u00fcnden. Denn an den Widerspr\u00fcchen und den individuellen Unvereinbarkeiten zwischen den nun auch f\u00fcr Frauen geltenden gesellschaftlichen Anspr\u00fcchen, Pflichten und Leistungsanforderungen, verbunden mit den traditionellen, auf den \u201eMann&#8220; bezogenen, ,,privaten&#8220; Pflichten von Frauen wird der historisch neue, b\u00fcrgerliche Versuch sichtbar, Herrschaft auf Geschlechterpolarit\u00e4t zu gr\u00fcnden. Freud postulierte anfangs des letzten Jahrhunderts, dass das Gesetz der Autorit\u00e4t dem Krieg aller gegen alle vorzuziehen und Herrschaft auf Grund der menschlichen Destruktivit\u00e4t unvermeidlich sei.<sup>299<\/sup> Jessica Benjamin<sup>300<\/sup> stellt fest, dass die verschiedenen Versuche von Freudianern, Herrschaft neu zu formulieren, ausschlie\u00dflich in einer M\u00e4nnerwelt stattfinden. <em>,,Der Machtkampf entbrennt zwische<\/em><em>n <\/em><em>Vater und Sohn<\/em><em>, <\/em><em>die Frau spielt darin keine Rolle, au\u00dfer als Siegespreis, als Verf\u00fchrerin zur Regression oder als dritter Punkt eines Dreiecks. In<\/em> <em>dieser Geschichte gibt <\/em><em>es <\/em><em>keine Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau; tats\u00e4chlich wird die Unterordnung der Frau unter den Mann stillschweigend vorausgesetzt<\/em><em>. <\/em><em>Sogar die radikalsten unter den linken Freudianern hatten eine son\u00adderbare <\/em><em>Scheu, <\/em><em>jenes <\/em><em>grundlegende <\/em><em>und <\/em><em>v\u00f6llig <\/em><em>ungepr\u00fcfte Postulat <\/em><em>der <\/em><em>Psychoanalyse \u00fcber die Herrschaft anzutasten: die Unterordnung der Frauen unter die M\u00e4nner<\/em><em>. <\/em><em>Dieses Postulat leistet mehr, als allen alten <\/em>&#8211; <em>bewussten oder unbewussten <\/em>&#8211; <em>Ideen \u00fcber M\u00e4nner und Frauen ein Refugium zu bieten; es bietet auch<\/em><em>, <\/em><em>wie sich zeigen <\/em><em>wird, die ultimative Rechtfertigung f\u00fcr das Akzeptieren jeglicher Autorit\u00e4t&#8220; <\/em>(Benjamin: 10). Sie analysiert die (b\u00fcrgerliche) Geschlechter-Herrschaft als eine Komplement\u00e4rbeziehung zwischen ihm (Subjekt) und ihr (sein Objekt), was eine neue Perspektive auf den alles beherrschenden Dualismus der westlichen Kultur er\u00f6ffnet. <em>,Jhr zufolge liegt die Polarit\u00e4t der Geschlechter dem vertrauten Dualismus von Autonomie und Abh\u00e4ngigkeit zugrunde und legt mithin auch die Koordinaten von Herr und Knecht fest&#8220; <\/em>(Benjamin: 11). Sie fragt, warum diese Positionen bis heute die Beziehungen zwischen den Geschlechtern pr\u00e4gen, obwohl die westliche Gesellschaft sich doch formal zur Gleichheit bekennt, und erkl\u00e4rt mithilfe des psychoanalytischen Modells den Entfaltungsprozess dieser Struktur als Grundlage von (b\u00fcrgerlicher) Herrschaft. Sie warnt vor der Versuchung, das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter einfach umzukehren und <em>\u201eaufzuwerten, was <\/em><em>abgewertet wurde und<\/em><em>herab zu setzen, <\/em><em>was <\/em><em>\u00fcberbewertet wurde&#8220;; <\/em>anders gesagt, die Unterdr\u00fcckten (Frauen) zu idealisieren und Herrschaft auf eine simple Beziehung zwischen T\u00e4ter und Opfer zu reduzieren, was hie\u00dfe, die Analyse durch moralische Emp\u00f6rung zu ersetzen. <em>,,G\u00e4be es denn einen Grund, der Macht zu gehorchen, wenn sie nur immer unterdr\u00fcckend w\u00e4re, wenn sie nur immer <\/em><em>nein <\/em><em>sagte?&#8220; <\/em>fragt sie mit Foucault<sup>301<\/sup> und versucht die Geschichte der (b\u00fcrgerlichen) Herrschaft so zu erz\u00e4hlen, dass deren Komplexit\u00e4t und Mehrdeutigkeit erhalten bleibt. <em>,,Was die Macht dauerhaft macht und bewirkt <\/em><em>,<\/em><em>dass sie akzeptiert wird, ist einfach die Tatsache, dass sie nicht nur auf uns lastet wie die Kraft, die Nein sagt, sondern dass sie sich lateral ausbreitet und Dinge hervorbringt, dass sie Freude schafft, Wissen formt und Diskurs produziert&#8220; <\/em>(Benjamin: 8). Machtsysteme produzieren nach Foucault wesentlich die Revolte gegen diese selbst. <em>,,Um den Gegensatz der<\/em><em>Geschlechter, der <\/em><em>unser <\/em><em>psychisches, soziales und<\/em> <em>kulturelles Leben durchdringt, in Frage zu stellen, ist <\/em><em>es notwendig, nicht nur die <\/em><em>Idealisierung der M\u00e4nnlichkeit zu kritisieren,<\/em> <em>sondern <\/em><em>auch <\/em><em>die reaktive <\/em><em>Aufwertung <\/em><em>der <\/em><em>Weiblichkeit&#8220;, <\/em>fordert Benjamin und betont angesichts der starken Str\u00f6mung im heutigen feministischen Diskurs, Herrschaft als Drama zu verstehen, bei dem weibliche Verletzlichkeit der m\u00e4nnlichen Aggression zum Opfer f\u00e4llt. Die Modalit\u00e4ten der Unterwerfung \u201eder Frau&#8220; seien zu analysieren und weibliche Beteiligung an der Herrschaftsbeziehung anzusprechen, um damit die dualistische Struktur selbst in den Blick zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.5 Von <\/strong><strong>der<\/strong> <strong>asexuellen<\/strong> <strong>Mutter zur<\/strong><em><strong> <\/strong><\/em><em><strong>Sexy<\/strong> <\/em><em><strong>Women<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit sich Sexualit\u00e4t und Fortpflanzung in den westlichen Gesellschaften voneinander gel\u00f6st haben und das Frausein nicht mehr mit Muttersein gleichgesetzt werden kann, hat sich das Bild der \u201eFrau&#8220; gewandelt: von der f\u00fcrsorglichen aber asexuellen Mutter zur heutigen <em>se<\/em><em>x<\/em><em>y women<\/em><em>, <\/em>die sich uns t\u00e4glich von Plakatw\u00e4nden, Illustrierten und <em>Soaps <\/em>aufdr\u00e4ngt. Die \u201eMadonnas&#8220; unserer Zeit genie\u00dfen zwar ihre etwas kurzlebige F\u00e4higkeit, das Begehren (der M\u00e4nner) zu wecken und verstehen es h\u00e4ufig auch, dieses Begehren f\u00fcr klingende M\u00fcnze, Ruhm, beruflichen Aufstieg, finanzielle Sicherheit als Partnerin oder Ehefrau oder f\u00fcr sonstige Privilegien auszuwerten; aber am f\u00fcr b\u00fcrgerliche Gesellschaften grundlegenden hierarchischen Dualismus von (m\u00e4nnlichem) Subjekt und (weiblichen) Objekt \u00e4ndert sich dadurch nichts. Im Gegenteil: Die Kluft, durch die Illusion der Selbstbestimmung verschleiert, wird vertieft und gefestigt. Denn die <em>sexy warnen <\/em>dr\u00fcckt weniger ihr eigenes Begehren, ihre eigene Leidenschaft aus, als vielmehr die Lust, begehrt zu werden. ,,<em>Weder die Macht der Mutter noch <\/em><em>die<\/em> <em>Macht <\/em><em>der ,sexy <\/em><em>women&#8216; ist <\/em><em>die Macht<\/em> <em>eines<\/em> <em>sexuellen Subjekts, <\/em><em>wie <\/em><em>im <\/em><em>Falle des Vaters&#8220; <\/em>(Benjamin: 88). Dem hierarchischen Geschlechter-Dualismus von Subjekt und Objekt liegt die Vorstellung zugrunde, dass \u201edie Frau&#8220; kein eigenes Begehren hat und deshalb auf das Begehren des Mannes zur\u00fcckgreifen muss. Sowohl Freud in seiner Theorie des \u00d6dipus wie auch die soziale Praxis vieler Frauen, ihr Begehren in selbstgew\u00e4hlter Unterordnung durch Anerkennung und Bejahung des Subjekts als m\u00e4nnlich und durch Bejahung der eigenen Objekthaftigkeit auszudr\u00fccken, hat viel zur selbstverst\u00e4ndlichen \u00dcberzeugung beigetragen, dieses Geschlechterverh\u00e4ltnis sei ,,naturgegeben&#8220;. Wenn heute viele Frauen eine Beziehung zu einem Mann eingehen, um etwas zu bekommen, was sie nicht selbst haben, oder wenn Frauen ihre Autonomie durch Verzicht sch\u00fctzen, wenn das Begehren sie zu Selbstverleugnung und Unterwerfung n\u00f6tigt, ist eine solche Situation vielleicht traurig, aber nicht unvermeidlich. <em>,,Sie ist entstanden durch Kr\u00e4fte, die verstehbar sind und denen wir entgegenwirken <\/em><em>wollen. Es braucht gar nicht geleugnet zu<\/em><em>werden, dass auch <\/em><em>,<\/em><em>Natur&#8216; und<\/em> <em>,Anatomie<\/em><em>&#8218; <\/em><em>ihr Teil zur <\/em>,<em>condition feminine<\/em><em>&#8218; <\/em><em>beitragen, sondern es muss lediglich festgehalten werden<\/em><em>, <\/em><em>dass die psychologische Int<\/em><em>e<\/em><em>gration biologischer Realit\u00e4t vor allem ein Werk der Kultur ist, eine Folge sozialer B<\/em><em>edingungen, die sich ver\u00e4ndern oder doch kontrollieren<\/em> <em>lassen<\/em><em>&#8220; <\/em>(Benjamin: 89).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.7.6. Patriarchale <\/strong><strong>Frauenmoral<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Christina Th\u00fcrmer-Rohr begreift das Werk der Kultur als Struktur der patriarchalen Frauenmoral, indem die Frau &#8211; mit einer h\u00f6heren Moral ausgestattet als der Mann &#8211; aufgefordert ist, ihn unter jeder Bedingung zu lieben.<sup>302<\/sup> <em>,,Die ,h\u00f6here Moral der <\/em><em>Frau<\/em>&#8218;, <em>von M\u00e4nnern attestiert, hat ihren Grund darin, dass Frauen das andere Geschlecht verg\u00f6ttern oder aber, wenn dieses sich <\/em><em>allzu offensichtlich <\/em><em>als wenig g\u00f6ttergleich <\/em><em>erweist, <\/em><em>alles <\/em><em>zu<\/em> <em>tun, <\/em><em>es <\/em><em>diesem<\/em> <em>Bilde<\/em> <em>\u00e4hnlicher <\/em><em>zu <\/em><em>machen<\/em><em>: <\/em><em>Die <\/em><em>Frau<\/em> <em>ist <\/em><em>dazu<\/em> <em>erschaffen, so fand<\/em> <em>man,<\/em> <em>die <\/em><em>Fehler des <\/em><em>Mannes <\/em><em>auszugleichen <\/em><em>und<\/em> <em>ihn<\/em> <em>damit<\/em> <em>zu einem vollkommeneren Menschen zu machen, als er <\/em><em>es <\/em><em>sonst w\u00e4re. <\/em><em>[.<\/em><em>..] <\/em><em>Gem\u00e4\u00df <\/em><em>diesem <\/em><em>Auftrag war <\/em><em>die Frau seit <\/em><em>der <\/em><em>fr\u00fchkapitalistischen <\/em><em>Gesellschaft und<\/em> <em>der <\/em><em>b\u00fcrgerlichen Familie moralisches Modell&#8220; <\/em>(Th\u00fcrmer-Rohr: 170). Von allen Frauen aller Schichten und Klassen wurde erwartet, dass sie ihre M\u00e4nner nicht nur mit Nahrung und einem gem\u00fctlichen Heim versorgen, sondern sie tagt\u00e4glich moralisch unterst\u00fctzen und aufr\u00fcsten. Mit dieser \u201eFrauenmoral als M\u00e4nnerbejahung&#8220; traten Frauen den Beweis f\u00fcr die Richtigkeit der m\u00e4nnlichen Geschlechterideologie der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft an, nach der Frauen \u201evon Natur aus&#8220; so ganz anders seien als die M\u00e4nner. Die \u201eTugenden der Frau&#8220; wie Hilfsbereitschaft, Selbstbeherrschung, Selbstverleugnung, Friedlichkeit, die ihnen \u201evon Natur aus&#8220; gegeben sind (die M\u00e4nnern nicht zur Verf\u00fcgung stehen und die sie deswegen auch nicht erwerben m\u00fcssen), <em>,,sind <\/em><em>keine Ergebnisse der Willens- und Gef\u00fchlsanstrengung <\/em><em>der Frau, kein Ergebnis der Arbeit an <\/em><em>ihr<\/em><em>er e<\/em><em>igenen <\/em><em>Person, kein Ausdruck der Unterwerfung unter Unvermeidliches, kein Ausdruck von Angst, kein Ausdruck des rationalen Kalk\u00fcls, sondern vielmehr Ausdruck ihres sch\u00f6nen weiblichen Wesens&#8220; <\/em>(Th\u00fcrmer-Rohr: 171). Ebenso ein Werk der Kultur und der sozialen Bedingungen ist die Aneignung und Verteidigung dieser Frauenmoral als M\u00e4nnerbejahung von Frauen selbst. Denn die Privilegien, die mit der aktiven Bejahung dieser gesellschaftlich tief verankerten Frauenmoral verbunden sind, erm\u00f6glicht vielen Frauen einen Grad an sozialer Partizipation, den zu erreichen sie kraft eigener, autonomer Ressourcen nicht in der Lage sind oder nur auf m\u00fchsamem, einsamem und beschwerlichem Weg. Die Angst von M\u00e4nnern, dass Frauen die ihnen von der Gesellschaft abverlangte Perspektive der Frauenmoral verlassen und eine Position der Nicht-Bejahung einnehmen k\u00f6nnten, gilt wohl als die gef\u00e4hrlichste Bedrohung von pers\u00f6nlicher und gesellschaftlicher Existenz. Aber f\u00fcr Th\u00fcrmer-Rohr und andere Wissenschaftlerinnen besteht die gesellschaftliche Notwendigkeit, an den hierarchisch dualistischen Grundfesten, auf die sich westliche b\u00fcrgerliche Gesellschaften st\u00fctzen, zu r\u00fctteln, und zwar aus Sorge um die ganze Gesellschaft. <em>,,Die normale Gewalt in den M\u00e4nnergesellschaften hat seit <\/em><em>der <\/em><em>zweiten H\u00e4lfte <\/em><em>dieses <\/em>(des letzten) <em>Jahrhunderts eine neue Form angenommen. Sexuelle Gewalt, Frauenmiss<\/em><em>handlung, <\/em><em>Vergewaltigung sind <\/em><em>historisch <\/em><em>alte, in immer neuen Gew\u00e4ndern auftretende<\/em>, <em>Umgangsformen&#8216; mit Frauen<\/em><em>. <\/em><em>Dar\u00fcber hinaus <\/em><em>aber <\/em><em>ist Gewalt nicht <\/em><em>nur <\/em><em>eine, die der einzelne Mann der <\/em><em>einzelnen Frau<\/em> <em>antut <\/em><em>[.<\/em><em>.<\/em><em>.}. <\/em><em>M\u00e4nnergewalt <\/em><em>hat eine genera<\/em><em>lisierte <\/em><em>Formgebung gefunden, die sie unabh\u00e4ngig von dem einzelnen gewaltt\u00e4tigen oder friedlichen Individuum Mann hat werden <\/em><em>lassen&#8220; <\/em>(Th\u00fcrmer-Rohr: 174). Sie bezieht sich hier auf die Atomtechnologie und Tschernobyl, was sie als Folge eines Denkens kennzeichnet, dass alles, was machbar, auch vertretbar sei. Das Vertrauen in den gesellschaftlich gemachten abendl\u00e4ndischen Typus Mensch der diese Gesellschaften und ihre Denkgewohnheiten repr\u00e4sentiert, ist besch\u00e4digt. <sup>303<\/sup> Aber lassen sich die Repr\u00e4sentanten und potenziellen Vernichter des Wohnorts Erde wirklich an der sozialen Kategorie \u201eM\u00e4nner&#8220; festmachen? Sind es wirklich nur Frauen, die eines \u201eemotionalen Akrobatikaktes, der nur unter massivster Realit\u00e4tsverkennung zu leisten ist&#8220; bed\u00fcrfen, um diese \u201eM\u00e4nnerwelt&#8220; zu bejahen? Entspricht nicht die Angst der M\u00e4nner vor der Autonomie der Frauen der Angst von Frauen, ohne Frauenmoral den Boden unter den F\u00fcssen zu verlieren? Angst wehrt ab, verdr\u00e4ngt und kaschiert, Angst ist ein alterprobtes Herrschaftsinstrument und beschr\u00e4nkt sich wohl kaum auf das \u201eDilemma der Mittelklasse&#8220;.<sup>3<\/sup><sup>04<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Th\u00fcrmer-Rohr postuliert, <em>,,dass <\/em><em>die Frau <\/em><em>sich endlich <\/em><em>von <\/em><em>der <\/em><em>patriarchalen Frauenmoral <\/em><em>und <\/em><em>ihrem <\/em><em>Kern<\/em><em>, <\/em><em>der <\/em><em>grunds\u00e4tzlichen, <\/em><em>der nicht mehr hinterfragbaren, der wahnhaften <\/em><em>M\u00e4nnerbejahung <\/em><em>verabschieden <\/em><em>soll&#8220;<\/em><em>, <\/em>kommt sie zu sp\u00e4t: L\u00e4ngst sind Frauen als Repr\u00e4sentantinnen des abendl\u00e4ndischen Denkens und Handelns aktiv, l\u00e4ngst bejahen sie mit der Frauenmoral auch ihre eigenen Privilegien, l\u00e4ngst ist auch der \u201eOrt beim Mann&#8220; ihre eigene Heimat. Was aber nicht hei\u00dfen soll, dass die Analyse der \u201eFrauenmoral&#8220; nichtig w\u00e4re und die \u201eScheinheimat&#8220; in der dualistisch hierarchischen Gesellschaft f\u00fcr viele keine Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwierigkeit, heutigen Widerstand und Anpassung theoretisch zu fassen, ohne dabei die traditionellen, dualistischen Kategorien von Herrschaft und Geschlecht fallen zu lassen, erfordert eine Aktualisierung der Debatte. Einig ist man sich \u00fcber eine gesellschaftliche Stratifizierung entlang einer vertikalen (Schicht, Klasse) und einer horizontalen (Geschlecht, Rasse) Dimension, wobei sich Frauen ebenso wie M\u00e4nner dem Leistungs- und Marktprinzip sowie den Konsumanspr\u00fcchen anpassen oder sich zu widersetzen suchen. Das vormals exklusiv \u201eM\u00e4nnliche&#8220; hat sich zum Ma\u00dfstab von Macht- und Partizipationsanspr\u00fcchen verallgemeinert und formt das individuelle Selbstverst\u00e4ndnis westlicher Pr\u00e4gung. Christina Th\u00fcrmer-Rohr versteht das \u201eM\u00e4nnliche&#8220; als patriarchale Sozialstruktur, in der die Frau seit der fr\u00fchkapitalistischen Gesellschaft als moralisches Modell fungiert. Dieser Ansatz l\u00e4sst sich m\u00f6glicherweise auf die globalisierte Gesellschaft unter Einbezug der Machtpartizipation von Frauen, also der horizontalen Stratifizierung, modifiziert anwenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>220 COYOTE, 1973: Call OffYour Old Tired Ethics.<\/p>\n\n\n\n<p>221 Institut f\u00fcr Sozialforschung, Frankfurt (1994) (Hg.): Geschlechterverh\u00e4ltnisse und Politik. Gender Studies. Frankfurt\/M: Suhrkamp; Frauenlehrstuhl Frankfurt, Dokumentation (1986).<\/p>\n\n\n\n<p>222 Barry, Kathleen (1988) (New York 1981): Female Sexual Slavery: The Problems, Policies and Cause for Feminist Action, in: Boneparth, E. and Stoper, E. (eds): Women, Power and Policy towards the Year 2000.<\/p>\n\n\n\n<p>223 WHISPER: Acronym f\u00fcr Women Hurt in Systems of Prostitution Engaged in Revolt.<\/p>\n\n\n\n<p>224 Butler, Judith (l 991): Das Unbehagen der Geschlechter.<\/p>\n\n\n\n<p>225 Goffmann, Erving (1964): Stigma.<\/p>\n\n\n\n<p>226 Pateman, Carole (1988): The Sexual Contract.<\/p>\n\n\n\n<p>227 Nagle, Jill (ed) (1997): Whores and other Feminists.<\/p>\n\n\n\n<p>228 Chapkis, W. (1997): Live Sex Acts: Women Performing Erotic Labour.<\/p>\n\n\n\n<p>229 O&#8217;Neill, Maggie (2001): Prostitution and Feminism. Towards a Politics of Feeling.<\/p>\n\n\n\n<p>230 POW! Prostitute Outreach Workers (Nottingham) und WHIP, Women&#8217;s Health in Prostitution Project (Leicester), wurden im Zusammenhang mit Gesundheitsprojekten der Aids-Pr\u00e4vention gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>231 PROstitution KOllektiv REflektion gegr\u00fcndet im Jahr 2000, versteht sich als \u201eSchweizerisches Netzwerk zur Verteidigung der Rechte von Personen, die in den Berufen des Sexgewerbes arbeiten&#8220;. Seine Mitglieder treten f\u00fcr die in ihrer Charta entwickelten Prinzipien ein. Die Mitglieder sind aktive Vereinigungen aus dem Kreis der weiblichen und m\u00e4nnlichen Prostitution und Personen die im Sexgewerbe arbeiten, Pressemappe vom 17. Oktober 2000, Bern: ProKoRe.<\/p>\n\n\n\n<p>232 Nach Mestrovic hat sich unser kulturelles Leben zu einer immerw\u00e4hrenden Unterhaltungs\u00ad runde gewandelt. Wir nehmen Bilder von Medien in einer relativen Unaufmerksamkeit wahr. Postemotionalismus verweist auf eine heutige \u201eich-dominierte&#8220; und medienges\u00e4ttigte Gesell\u00ad schaft, w\u00e4hrend R\u00e4ume, wo kritisch gedacht und gef\u00fchlt werden kann, am Verschwinden sind. Damit ist auch ein Grad von Pessimismus und L\u00e4hmung in unserem Angesprochensein f\u00fcr die Notlage anderer verbunden. Diese L\u00e4hmung ist ein Markstein von Postemotionalismus. Wir bl\u00e4ttern um, schalten ab &#8211; und sind unbewegt. Aber O&#8217;Neill bestreitet, dass dieser Zustand der Abgestumpftheit so weit verbreitet ist, wie Mestrovic postuliert, denn noch sind wir f\u00e4hig, dieser Tendenz in der Politik des Alltags zu widerstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>233 Europarat 1991, zit. nach O&#8217;Neill, 2001, S. 30.<\/p>\n\n\n\n<p>234 Vielleicht eindeutiger zu sagen: Die Redimensionierung asymmetrischer Gegebenheiten auf symmetrische Praktiken beinhaltet gleichzeitig eine Verleugnung von \u201eUngleichem&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>235 Dazu etwa: Amalia Lucia Cabezas: Discourses on Prostitution: The Case ofCuba; Group Sisterhood: Prostitution, Stigma and the Law in Japan: A feminist Roundtable Discussion; John K. Anarfi: Ghanaian Women and Prostitution in C\u00f6te d&#8217;Ivoire; Satoko Watenabi: From Thailand to Japan: Migrant Sex Workers as Autonomous Subjects; Kamala Kempadoo: The Migrant Tightrope: Experiences from the Caribbean; Shane A. Petzer and Gordon M. Issacs: SWEAT: The Development and Implementation of a Sex Worker Advocacy and Intervention Program in Post-Apartheid South Africa; Khartini Slamah: Transgenders and Sex Work in Malaysia; Oumar Tandia: Prostitution in Senegal; Paulo Henrique Longo: The Pegac,;ao Pro\u00ad gram: Information, prevention and Empowerment of Young Male Sex Workers in Rio de Janeiro etc. Alle Autoren in Kempadoo, K. und Doezema, J. (eds) (1998): Global Sex Work\u00ad ers. Rights, Resistance, and Redefinition.<\/p>\n\n\n\n<p>236 O&#8217;Neill, Maggie (2001): Prostitution and Feminism. Toward a Politics of Feeling. Cambridge: Polity Press; Matthews, Roger and Maggie O&#8217;Neill, Maggie (2002): Prostitution.<\/p>\n\n\n\n<p>237 Sexgesch\u00e4fte, in: NZZ Folio, Die Zeitschrift der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung, Januar 1999.<\/p>\n\n\n\n<p>238 Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) (1997): Nationale Armutsstudie, Gesamtbericht; Streuli, Elisa und Bauer, Tobias (2002): Working poor in der Schweiz, BFS: Neuch\u00e4tel.<\/p>\n\n\n\n<p>239 Dazu etwa Heidi Sch\u00e4r Sall (1999): \u00dcberlebenskunst in \u00dcbergangswelten, in: Sch\u00e4r, Heidi et al. (1999): \u00dcberlebenskunst in \u00dcbergangswelten. Ethnopsychologische Betreuung von Asylsuchenden, S. 77-106; Leopold, Beate und Steffan, Elfriede (1997): Special needs of children of drug misusers. Consultant&#8217;s final report, Strasbourg, Council ofEurope Publishing.<\/p>\n\n\n\n<p>240 Vgl. Fallbesprechung in vorliegender Arbeit. Die m\u00e4nnlichen Prostitutionsmigranten kamen ausschliesslich via Prag nach Z\u00fcrich, wo sie einige Monate lang als \u201eStricher&#8220; Geld verdienten. Sie waren zwischen 16 und 22 Jahre alt. Meinen Informationen zufolge ist m\u00e4nnliche Prostitution, die m\u00e4nnliche Freier anspricht, nur bis zum Erwachsenenalter kommerziell verwertbar.<\/p>\n\n\n\n<p>241 Kappeler, Susanne (2003): Frauenhandel und Freier-Markt, in: Widerspruch Nr. 44, Z\u00fcrich, S. 109-119.<\/p>\n\n\n\n<p>242 Jill Jesson (1993): Understanding adolescent fernale Prostitution: a literature review.<\/p>\n\n\n\n<p>2434 Jarvinen, Margaretha (1993): OfVice and Warnen: Shades of Prostitution.<\/p>\n\n\n\n<p><em>244 Nagle,<\/em><em>Jill<\/em><em>(ed.) (1997): Whores and other Ferninists; Chapkis, Wendy (1997): Live<\/em><em>Sex Acts: Warnen Performing Erotic Labour.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>245 <\/em>Report ofthe Committee on Homosexual Offences and Prostitution (1957), Wolfenden.<\/p>\n\n\n\n<p>246 Zit. nach Matthews und O&#8217;Neill (eds) (2003).<\/p>\n\n\n\n<p>247 Dr. med. Zemp, Basel, pers\u00f6nliche Mitteilung, 2000.<\/p>\n\n\n\n<p>248 Aids-Hilfe Schweiz, Barf\u00fcsser-Projekt, Interviews mit Fachstellenleiterinnen. Interview mit Frau Noi-Togni, Kantonsr\u00e4tin, Kt. Graub\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>249 Der Schweizer Gesetzgeber formuliert im Abschnitt \u201eStrafbare Handlungen gegen die Sittlichkeit&#8220; im Kapitel \u201eAusn\u00fctzung sexueller Handlungen&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p>Art. 195 StGB F\u00f6rderung der Prostitution<\/p>\n\n\n\n<p>Wer eine unm\u00fcndige Person der Prostitution zuf\u00fchrt,<\/p>\n\n\n\n<p>wer eine Person unter Ausn\u00fctzung ihrer Abh\u00e4ngigkeit oder eines Verm\u00f6gensvorteils wegen der Prostitution zuf\u00fchrt,<\/p>\n\n\n\n<p>wer die Handlungsfreiheit einer Person, die Prostitution betreibt, dadurch beeintr\u00e4chtigt, dass er sie bei dieser T\u00e4tigkeit \u00fcberwacht, oder Ort, Zeit, Ausma\u00df oder andere Umst\u00e4nde der Prostitution bestimmt,<\/p>\n\n\n\n<p>wer eine Person in der Prostitution festh\u00e4lt,<\/p>\n\n\n\n<p>wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder mit Gef\u00e4ngnis bestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>250 Vgl. dazu Trechsel, Stefan (1997): Schweizerisches Strafgesetzbuch. Kurzkommentar, Z\u00fcrich: Schulthess.<\/p>\n\n\n\n<p>251 Jenny, Guido: Art. 195 N 8, Stratenwerth, G\u00fcnther: Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil IBT I \u00a7 9 N 9, 19, 21.<\/p>\n\n\n\n<p>252 Botschaft, S. 1084.<\/p>\n\n\n\n<p>253 Trechsel, Stefan (1997), S. 731.<\/p>\n\n\n\n<p>254 Eine Ausnahme bilden hier vielleicht die Selbstdeklarationen einer Minderheit von Prostitu\u00ad ierten, die Prostitution als ihren pers\u00f6nlichen Ausdruck ihrer eigenen Sexualit\u00e4t verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>255 Nach Auskunft von NRO-Vertreterinnen (Aids-Hilfe Schweiz) existieren \u201eSchwarze Listen&#8220; \u00fcber gewaltt\u00e4tige und zahlungsunwillige Freier.<\/p>\n\n\n\n<p>256 Art. 196 StGB Menschenhandel<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mit Menschen Handel treibt, um der Unzucht eines andern Vorschub zu leisten, wird mit Zuchthaus oder mit Gef\u00e4ngnis nicht unter sechs Monaten bestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Anstalten zu Menschenhandel trifft, wird mit Zuchthaus bis zu f\u00fcnf Jahren oder mit Gef\u00e4ngnis bestraft.<\/p>\n\n\n\n<p>In jedem Fall ist auch auf Bu\u00dfe zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>257 SR 0.311.32 und SR 0.311.34.<\/p>\n\n\n\n<p>258 vgl. Franz St\u00e4mpfli, ZStrR 39, 1926.<\/p>\n\n\n\n<p>259 Ernst Hafter, ZStrR 46, 1932.<\/p>\n\n\n\n<p>260 4. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern, Protokoll vom 19.11.1999.<\/p>\n\n\n\n<p>261 Botschaft zur Revision 1992 (BBI 1985, S. 1086).<\/p>\n\n\n\n<p>262 AB 1987 S 401 und AB 1990 N 2329.<\/p>\n\n\n\n<p>263Trechsel, a.a.O. S. 732.<\/p>\n\n\n\n<p>264 Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, BT I, 5. Auflage Bern 1995 \u00a7 9 N 18; Jenny, Kommentar zum Schweizerischen Strafrecht, 4. Band: Delikte gegen die sexuelle Integrit\u00e4t und gegen die Familie, Art. 196 N 4 und Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Auflage Z\u00fcrich 1997, Art. 196 N 1. Ablehnend hingegen Rehberg, Strafrecht III, 7. Auflage 1997, S. 413.<\/p>\n\n\n\n<p>265 BGE 6S.356 \/ 2000 \/ bue.<\/p>\n\n\n\n<p>266 Bundespr\u00e4sident Arnold Koller, AB 1990 N 226lff.<\/p>\n\n\n\n<p>267 U.a. Alexander, Priscilla and Delacoste, Frederique (1987): Sex Work: Writings by Women in the Sex Industry; Bell, Laurie (ed.) (1987): Good Girls: Feminist and Sex Trade Workers Face to Face; Roberts, Nickie (1992): Whores in History: Prostitution in Western Society.<\/p>\n\n\n\n<p>268 Pruit, Deborah, LaFont, Suzanne (1995): For Love and Money: Romance Tourism in Jamaica, S. 422-440.<\/p>\n\n\n\n<p>269 Truong, Than-Dam (1990): Sex, Money and Morality: The Political Economy of Prostitution and Tourism in South East Asia.<\/p>\n\n\n\n<p>270 McLeod, Eileen (1982): Women working: Prostitution Now.<\/p>\n\n\n\n<p>271 Obwohl in Deutschland seit 2002 Prostitution als Arbeit gilt, ist Zuh\u00e4lterei immer noch straf\u00ad bar. Im Gegensatz dazu gilt in der Schweiz Zuh\u00e4lterei als \u201eArbeitsvermittlung&#8220;, falls sie nicht der Rechtssprechung nach Strafgesetz Art. 195 StGB, ,,F\u00f6rderung der Prostitution&#8220; oder Art. 196 StGB \u201eFrauenhandel&#8220; zuwider l\u00e4uft. Obwohl selbstbestimmte Prostitution als Gewerbe l\u00e4ngst anerkannt und besteuert wird, hindert die Auffassung von Prostitution als \u201eunsittlicher Vertrag&#8220; vor der rechtlichen Anerkennung als \u201eArbeit&#8220;. Vgl. dazu \u201ef\u00fcr die Anerkennung als Arbeit&#8220; die beiden juristischen Beitr\u00e4ge von Heller (1998) und H\u00fcrlimann (2004).<\/p>\n\n\n\n<p>272 Die Rassismus-Debatte sieht sich bez\u00fcglich Toleranz gegen\u00fcber Drogenh\u00e4ndlern schwarzer Hautfarbe bzw. mit Herkunftsland Balkan mit \u00e4hnlichen Problemen konfrontiert. Dazu Eser Davolio, Miryam (2000): Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>273 So in Z\u00fcrich zu beobachten: Quartierverein Langstrasse, st\u00e4dtisches Projekt zur Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t und Aufwertung des Quartiers \u201eLangstrasse&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>274 Lombroso, C. (1896): La femme criminelle et Ja prostituee.<\/p>\n\n\n\n<p>275 Tacussel, F. (1877): La traite des blanches: Paris, zit. nach Dos Santos Silva (1988).<\/p>\n\n\n\n<p>276 Mittels moderner Genanalyse-Technik konnte k\u00fcrzlich nachgewiesen werden, dass der 3. Pr\u00e4sident der USA, Thomas Jefferson, neben seinen Kindern mit seiner Ehefrau auch mehrere Kinder mit einer schwarzen Haush\u00e4lterin hatte, eine Praxis, die wohl nicht nur dem Pr\u00e4siden\u00ad ten der USA als selbstverst\u00e4ndlich erschien.<\/p>\n\n\n\n<p>277 Durkheim, Emile: Les regles de Ja methode sociologique, und Le suicide, zit. nach Lamnek, Siegfried (1997): Neue Theorien abweichenden Verhaltens.<\/p>\n\n\n\n<p>278 Merton, Robert K. (1945): Social Theory and Social Structure, New York, zit. nach Lamnek, Siegfried (1997): Neue Theorien abweichenden Verhaltens.<\/p>\n\n\n\n<p>279 Ein kurzer \u00dcberblick findet sich bei Estermann, Josef (1984): Strafgefangene und (! 986): Kriminelle Karrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>280 Lautmann, R\u00fcdiger (2001): Sexuelle Abenteuer &#8211; eine Beziehungsform? in: Criminologische Vereinigung (Hg.): Retro-Perspektiven der Kriminologie. Freundschaftsausgabe zum 70. Geburtstag von Fritz Sack.<\/p>\n\n\n\n<p>281 Simmel, Georg (1992): Das Abenteuer, in: Philosophische Kultur. Gesammelte Essays. Gesamtausgabe Bd. 14.<\/p>\n\n\n\n<p>282 Dottridge, Mike (2004): Kids as Commodities? Terre des Hommes. Nach Sch\u00e4tzungen der ILO werden weltweit 1,2 Millionen Kinder Opfer von Kinderhandel. Der neuste Unicef-Bericht (2003): ,,Trafficking in Human Beings in South Eastem Europe&#8220; kommt zum Schluss, dass 90% der Frauen im Sexgewerbe auf dem Balkan als Opfer des Menschenhandels im Sinne der \u201eStability-Pact&#8220;-Erkl\u00e4rung von Palermo (2000) gelten. 10-15% der Gehandelten sind minderj\u00e4hrig.<\/p>\n\n\n\n<p>283 Mclntosh, Mary (1978): Who needs Prostitutes. The Ideology ofmale sexual needs.<\/p>\n\n\n\n<p>284 Tages-Anzeiger Z\u00fcrich vom 9. Oktober 2003.<\/p>\n\n\n\n<p>285 Dr. med. Theres Bl\u00f6chlinger, Z\u00fcrich: ,,Frauen sind sexuell potenter als M\u00e4nner. Aber die befriedigende weibliche Sexualit\u00e4t bezieht sich auf den ganzen K\u00f6rper, so dass klassische Sexangebote, die auf genitaler Penetration basieren, f\u00fcr Frauen nicht so interessant sind&#8220; Tages-Anzeiger Z\u00fcrich vom 9. Oktober 2003.<\/p>\n\n\n\n<p>286 Tschopp, Edith, Soziologin, Tages-Anzeiger Z\u00fcrich vom 9. Oktober 2003.<\/p>\n\n\n\n<p>287 Diese Resolution definiert Diskriminierung von Frauen als \u201eany distinction, exclusion or restriction made on the basis of sex which has the effect or purpose of impairing or nullifying the recognition, enjoyment or exercise by women &#8230; of human rights and fundamental free\u00ad dom in the political, economic, social, cultural, civil, or any other field&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>288 Mad\u00f6rin, Mascha (1997): Auswirkungen von Deregulierungsma\u00dfnahmen auf Frauen, eine Bibliographie mit Kommentaren und Zusammenfassungen.<\/p>\n\n\n\n<p>289 von Werlhof, Claudia (1999): Frauen und Globalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>290 Sassen, Saskia (1996): Metropolen des Weltmarkts. Die neue Rolle der Global Cities. Sie beschreibt, wie der Bedarf an informellen Dienstleistungen in den Weltfinanzzentren steigt, wobei eine neue Geographie der Zentralit\u00e4t und Marginalit\u00e4t entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>291 Jegher, Stella (2003): Gender Mainstreaming. Ein umstrittenes Konzept aus feministischer Perspektive; Mad\u00f6rin, Mascha (2003): Gender Budget. Erfahrungen mit einer Methode des Gender Mainstreaming; Imboden, Natalie (2003): Mit Gender Mainstreaming gegen Malestream? Alle in: Feminismus, Gender, Geschlecht. Widerspruch 44, Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p>292 Equal Opportunities Unit, DGV, of the European Commission: Women and the European Employment Rate. V\/995\/96-EN, Bruxelles, 1996, Jill Rubery, <em>European Work and <\/em><em>Employ\u00ad <\/em><em>ment R<\/em><em>e<\/em><em>s<\/em><em>e<\/em><em>arch Centre, <\/em>Manchester School of Economics.<\/p>\n\n\n\n<p>293 Rubery, Jill (ed.) (1988): Women and Recession.<\/p>\n\n\n\n<p>294 Zu dieser Herangehensweise geh\u00f6ren in der Literatur beispielsweise die Berichte der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development): Les femmes <strong>et <\/strong>le changement structurel, Nouvelles Perspectives, Cedex, Paris, 1994.<\/p>\n\n\n\n<p>295 Schunter-Kleemann, Susanne (Hg.) (1992): Herrenhaus Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>296 Vgl. auch Publikationen der ILO (International Labour Organisation) in Genf: Warnen Workers. An annotated bibliography, 1983-1994, No. 14, Genf 1995.<\/p>\n\n\n\n<p>297 Dazu etwa Brodie, Janine (2004): Die Re-Formulierung des Geschlechterverh\u00e4ltnisses. Neoliberalismus und die Regulierung des Sozialen, S. 19-33.<\/p>\n\n\n\n<p>298 Ostner, Ilona (1995): Arm ohne Ehemann? Sozialpolitische Regulierung von Lebenschancen f\u00fcr Frauen im internationalen Vergleich.<\/p>\n\n\n\n<p>299 Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur. GW XIV, S. 482-493.<\/p>\n\n\n\n<p>300 Benjamin, Jessica (1999): Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht, Frankfurt\/M: Fischer. 5. Auflage.<\/p>\n\n\n\n<p>301 Foucault, Michel (dt. 1976): Sexualit\u00e4t und Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>302 Th\u00fcrmer-Rohr, Christina (1987): Vagabundinnen. Feministische Essays.<\/p>\n\n\n\n<p>303 Zu diesem Schluss kommt auch J\u00fcrg Sambeth, der damalige Direktor der Schweizerischen Chemie-Fabrik im italienischen Seveso, in seinem Buch, in dem er die Katastrophe des hoch\u00ad gef\u00e4hrlichen Gasaustritts nachzeichnet, die nachhaltige Gesundheitssch\u00e4digungen in der Bev\u00f6lkerung ausgel\u00f6st hat. Er sucht nach Verantwortlichkeiten bei sich selbst und der Kon\u00ad zernleitung in Basel (Ciba-Geigy, heute Novartis), die \u00fcber die juristisch festgelegten kleineren und gr\u00f6\u00dferen Geldbetr\u00e4ge zur Abfindung hinausgehen. Sambeth, J\u00fcrg (2004): Zwischenfall in Seveso.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls die Suche nach einem ruhigen Gewissen bzw. unternehmerische Weitsicht hat wohl den Schweizer Gro\u00dfindustriellen Stephan Schmidheiny veranlasst, nachdem er die Asbest verarbeitende Produktion von Baumaterialien rasch nach Antritt des v\u00e4terlichen Erbes umgestellt hatte, sein Milliardenverm\u00f6gen in Lateinamerika zu \u201everschenken&#8220; &#8211; oder, wie es J\u00f6rg Becher (Bilanz) in seiner Serie \u00fcber die Familie Schmidheiny formuliert hat, ,,den unternehmerischen Megatrend vorzuzeichnen: die Hinwendung der Konzerne zum Thema ,corporate social responsibility&#8220;&#8218; Tages Anzeiger Magazin, Z\u00fcrich vom 17. Juli 2004.<\/p>\n\n\n\n<p>304 Barbara Ehrenreich beschreibt den rasanten Aufstieg der amerikanischen Mittelklasse unter Partizipation der Frauen und ihre reaktiven Machterhaltungstendenzen in Zeiten der Krise in ihrem Buch: Angst vor dem Absturz. Das Dilemma der Mittelklasse (dt. 1992).<\/p>\n\n\n\n<p>Mario Erdheim legt den irrationalen und selbstzerst\u00f6rerischen Kern absoluter Herrschaft blo\u00df und entwickelt eine Psychologie der Herrschenden, deren Realit\u00e4tsverlust eine Hauptursache destruktiver und selbstdestruktiver Tendenzen in der Geschichte ist. Erdheim, Mario (1992): Die gesellschaftliche Produktion von Unbewusstheit. Eine Einf\u00fchrung in den ethnopsychoanalytischen Prozess; (1994): Psychoanalyse und Unbewusstheit in der Kultur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen: Frauenhandel\u00a9 ProLitteris, Rahel Zschokke 3.6 Einsch\u00e4tzung von Prostitution und Frauenhandel heute \u201eSie sagte sich: Mit ihm schlafen, ja &#8211; aber nur keine Intimit\u00e4t.&#8220; Karl Kraus 3.6.1 Selbstbewusste \u201eSex-Arbeiterinnen\u201c Im Zuge der neuen Frauenbefreiungsbewegungen ab Anfang 70er Jahre begannen sich auch die Prostituierten zu emanzipieren; sie forderten zivile Rechte und Aufnahme ins Arbeitsrecht und verschafften &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2816\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Frauenhandel 3.6 &#8211; 3.7 Zeitgeist &#8211; Prostitution<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":197,"menu_order":6,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2816","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2816"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3515,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2816\/revisions\/3515"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}