{"id":2828,"date":"2024-01-16T23:54:02","date_gmt":"2024-01-16T21:54:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2828"},"modified":"2025-03-19T22:55:58","modified_gmt":"2025-03-19T20:55:58","slug":"frauenhandel-kap-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2828","title":{"rendered":"Frauenhandel 4.1 Der Prostitutionsmarkt"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2861\"><strong>Weiterlesen: Frauenhandel<\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.797e0078-7e4d-45a4-bfef-40c470576605\">is, Rahel Zschokke<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/9783907230138-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"69\" height=\"94\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/9783907230138-6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3516\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>4 Die Prostitutionsmigration in der Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1 Der Prostitutionsmarkt in der Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.1 Das Marktvolumen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Roland Barthes hegte bereits Mitte der 50er Jahre den Verdacht, dass eine gewisse sexuelle Liberalisierung der Ent-Erotisierung der Massenkultur diene (als solche qualifizierte er die Pariser Striptease-Shows und die Rotlichtaktivit\u00e4ten). Er s\u00e4he sich vom boomenden Sexmarkt hierzulande und heute wohl kaum \u00fcberrascht. (305)<\/p>\n\n\n\n<p>Gesamtzahlen betreffend einschl\u00e4gige Lokale, Prostituierte, Kunden von Prostituierten oder Entwicklungen beruhen auf Sch\u00e4tzungen und Hochrechnungen. Verf\u00fcgbare Daten \u00fcber registrierte Lokalit\u00e4ten, Prostituierte, T\u00e4nzerinnen und Umfragen bei Kunden dienen als Sch\u00e4tzungsgrundlage. Kenner und Beobachter des Prostitutionsmarktes, allen voran st\u00e4dtische und kantonale Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und im Milieu t\u00e4tige NRO, stimmen \u00fcberein, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil der Akteure au\u00dferhalb der gesetzlichen Verbindlichkeiten am Markt teilhat, dass dies aber insbesondere auf diejenigen Segmente zutrifft, die die Grundlage zur Entwicklung bilden und zum ansteigenden Wachstum des Prostitutionsmarktes f\u00fchren. Im Folgenden soll daher weniger auf Sch\u00e4tzungen und Zahlen abgestellt, sondern versucht werden, die aktuellen Marktmechanismen zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00d6konom und Schwarzmarktspezialist Friedrich Schneider sch\u00e4tzt das Volumen des Sexmarktes in der Schweiz auf ca. 4 Milliarden Franken, also gleichviel, wie die Schweiz im Jahre 1995 f\u00fcr R\u00fcstung ausgegeben hat. (306) Den Beitrag der Segmente Homo-Szene, Nachtklubs, Presse und andere Medien sowie Diverses beziffert er auf je zwischen 7 und 10% des Gesamtumsatzes. Das gro\u00dfe Geld liege aber in der Prostitution. Der Autor geht von ca. 4000 legalen Prostituierten in der Schweiz aus, die einen Umsatz von etwa 600 Millionen Franken erwirtschaften. Dazu rechnet er einen zus\u00e4tzlichen, etwa dreimal so hohen Umsatz, der von illegalen Prostituierten, also Prostitutionsmigrantinnen, erwirtschaftet wird. Die vorliegende Untersuchung best\u00e4tigt diese Proportionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Polizei sch\u00e4tzt eine Gesamtzahl in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 14&#8217;000 weiblichen Prostituierten in der Schweiz und z\u00e4hlt konservative 50% des rund 2000 Frauen umfassenden T\u00e4nzerinnenkontingents dazu. (307) Einzelne Polizeistellen und NRO sch\u00e4tzen die Gesamtzahl auf bis zu 20&#8217;000 Prostituierte. Mit einbezogen ist bei der letztgenannten Zahl die Sch\u00e4tzung von Grenzg\u00e4ngerinnen im Raum des Dreil\u00e4nderecks Basel und im Grenzkanton Tessin. Die kantonalen und st\u00e4dtischen Polizeikorps gehen davon aus, dass in St\u00e4dten Z\u00fcrich, Bern, Basel und Genf zusammen \u00fcber 700 Sex-Salons betrieben werden. (308)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.2 Der Tessiner Prostitutionsmarkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Tessin hat die Prostitution in Hotelbars in den 90er Jahren den gr\u00f6\u00dften Zuwachs zu verzeichnen, wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht. (309) Ausgehend von der Grenzstadt und dem Finanzplatz Lugano und Umgebung hat sich Ende der 80er Jahre die Prostitution in Hotelbars in kurzer Zeit \u00fcber das ganze Kantonsgebiet ausgebreitet. Durch die wirtschaftliche Krise, die den Kanton Tessin und im Speziellen den Hotelsektor stark getroffen hat, regte der Erfolg der ersten Hotelbars in Lugano weitere Hotelbetreiber an, ihre Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten anzupassen und zu diversifizieren. W\u00e4hrend \u201enormale\u201c Hotels eine durchschnittliche Auslastung von 46% erreichen (Ticino Turismo, 1998), k\u00f6nnen \u201eumgewandelte\u201c Hotels mit einer Zimmerauslastung von bis zu 100% rechnen. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die Liegenschaften, die in Hotels mit dazugeh\u00f6riger Bar umgewandelt worden sind. Die Zimmerpreise sind zudem h\u00f6her als in \u201enormalen\u201c Hotels und reichen von 80 Franken f\u00fcr Zimmer mit bescheidener Ausstattung bis zu 150 Franken pro Zimmer und Nacht. Lokale wie das \u201eTortuga\u201c oder das \u201eGabbiano\u201c in Lugano-Loreto, wo bis zu 30 Frauen \u00fcbernachten, bringen monatlich hohe Eink\u00fcnfte (gesch\u00e4tzte 135\u2019000 Franken). Der Zustrom von Freiern aus Norditalien, die die Mehrheit der Klientel ausmachen, gilt als weiterer Entwicklungsfaktor. W\u00e4hrend die Prostitution in Italien weitgehend von der Stra\u00dfe ausgeht, scheinen die Tessiner Hotelbars mehr auf die Bed\u00fcrfnisse der Klientel nach Unterhaltung, Komfort, hygienischer Sicherheit und Anonymit\u00e4t einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Auftragsstudie des Staatsrates des Kantons Tessin gibt eine \u00dcbersicht \u00fcber den geographisch begrenzten und deshalb \u00fcbersichtlichen Kanton Tessin. (310) Von den insgesamt 954 eruierten Prostituierten sind 230 in Nachtclubs, 504 in Hotelbars und 220 in Privatwohnungen, Massagesalons und Saunas t\u00e4tig. Die meisten ausl\u00e4ndischen Prostituierten kommen aus Osteuropa (427), 211 aus Lateinamerika, 58 aus europ\u00e4ischen Staaten, 7 aus Afrika und 2 aus S\u00fcdostasien. Die meisten Prostituierten sind um die 20 Jahre alt, einige soeben erst vollj\u00e4hrig geworden, keine ist \u00fcber 30. Es sind 37 Nachtclubs, 44 Hotelbars und 220 Wohnungen sowie 5 Massagesalons und Saunas registriert. 51% der Rotlichtaktivit\u00e4ten konzentrieren sich im Gebiet von Lugano und Umgebung, gefolgt von Bellinzona. (311) Fachleute sch\u00e4tzen den Jahresumsatz allein f\u00fcr den Kanton Tessin auf 1,7 Milliarden Franken. (312) Der Bau der \u201eAlptransit\u201c in der Leventina und der Riviera und die Sexpendler aus der Lombardei brachten Freierverkehr ins Tessin und trug dem Kanton in wenigen Jahren den Ruf eines gro\u00dfen Rotlicht-Vergn\u00fcgungsparks ein. (313)<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Muster einer Infrastruktur des Prostitutionsmarktes findet sich vor allem im Tessin, aber auch in weiteren kleineren und mittelgro\u00dfen St\u00e4dten der Deutsch- und Westschweiz sowie in Randzonen von traditionellen Tourismusgebieten wie dem Wallis und Graub\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.3 Entwicklung und Ausbreitung des Prostitutionsmarktes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir befragten unsere InterviewpartnerInnen zu ihrer Einsch\u00e4tzung der Entwicklung des Sexmarktes \u00fcber die letzten zehn Jahre in ihrem Kanton oder in ihrer Region. Alle konstatieren eine Zunahme mit regionalen Unterschieden und eine Diversifizierung der Angebotsstrukturen. Der Stra\u00dfenstrich gehe eher zur\u00fcck, die Anzahl Massagesalons, Wellness-, Fitness-, Sauna- und Privatclubs sowie das Angebot in umfunktionierten Hotel- und Kontaktbars habe zugenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beobachten ein abgeschw\u00e4chtes Wachstum im Bereich, wo Prostitution legal ausge\u00fcbt wird, und stellen andererseits fest, dass der Bereich der verdeckten oder illegalen Prostitution sich st\u00e4ndig vergr\u00f6\u00dfere. Konkurrenz- und Verdr\u00e4ngungsk\u00e4mpfe zwischen den Clubbetreibern und unter den Prostituierten haben zugenommen. Etablierte Prostituierte in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten geben der Polizei Hinweise auf au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tige Frauen, was dann Anlass zu Razzien, Festnahmen und Ausweisung der Ausl\u00e4nderinnen oder zur Aufdeckung von \u201eH\u00e4ndlerringen\u201c und weiteren Ermittlungen bis zu Gerichtsprozessen f\u00fchren kann. In Genf hat sich dank des Prostituiertenregisters eine Art \u201ealte Garde\u201c von Prostituierten halten k\u00f6nnen (die \u00e4lteste im Dienst hat Jahrgang 1930), die die Konkurrenz von Sextouristinnen abwehren, indem sie der Polizei Hinweise geben. Viele von ihnen spezialisieren sich auf besondere Praktiken und Marktnischen, wo sie h\u00f6here Preise mit Stammkunden realisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Polizei stellt auch einen Anstieg der Verzeigungen wegen unzul\u00e4ssiger Aus\u00fcbung der Prostitution fest. (314) In den wichtigen Prostitutionsszenen der St\u00e4dte Bern und Z\u00fcrich stiegen die entsprechenden Verzeigungen im Jahr 1999 um 38% auf rund 600 F\u00e4lle. Die Beh\u00f6rden werten dies als Zeichen f\u00fcr den Verdr\u00e4ngungskampf von etablierten Prostituierten gegen ihre nicht registrierten Konkurrentinnen innerhalb der Rotlichtzone. (315)<\/p>\n\n\n\n<p>Dezentralisierung ist ebenfalls ein Thema auf dem Prostitutionsmarkt. In l\u00e4ndlichen Kantonen \u00f6ffnen gro\u00dfe Eros- und Wellness-Zentren ihre Tore, speziell entlang der Autobahn Al, w\u00e4hrend sich die st\u00e4dtischen Rotlichtmilieus kaum vergr\u00f6\u00dfern (Kantonspolizei Solothurn und Stadtpolizei Z\u00fcrich). In l\u00e4ndlichen Regionen scheint es eine Art \u201eEnttabuisierung\u201c des Sexmarktes gegeben zu haben, so dass auch in relativ kleinen Ortschaften Etablissements entstehen konnten. Die Entwicklung verlief in den 90er Jahren in gewissen Regionen geradezu sprunghaft, etwa im Tessin, aber auch in den Kantonen Bern und Solothurn, wo der Sexmarkt auf das Zehnfache des urspr\u00fcnglichen Angebots wuchs. In anderen Kantonen geht man ebenfalls von einer Zunahme des Angebots aus, schreibt dies aber eher einer Verlagerung zum grauen oder illegalen Markt zu. Denn gerade Schweizer Prostituierte beklagen sich \u00fcber schlechter gehende Gesch\u00e4fte (Kantonspolizei Lausanne).<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur stieg der Anteil Ausl\u00e4nderinnen auf dem Prostitutionsmarkt, es hat sich auch die Palette der Herkunftsl\u00e4nder erweitert. Insbesondere sind Frauen aus Osteuropa neu hinzugekommen, teilweise auf Kosten der Schweizerinnen und Thail\u00e4nderinnen. \u201eDie Thai-Salons, von denen es fr\u00fcher ganz viele gab, die sind jetzt am Verschwinden, die wenigen, die es noch gibt, laufen auf dem Zahnfleisch. Das ist dahin\u201c (Polizeikommandant Kanton St. Gallen).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Rum\u00e4ninnen aus sprachlichen Gr\u00fcnden vor allem in der Westschweiz t\u00e4tig sind, machen hier Osteurop\u00e4erinnen lediglich bei den T\u00e4nzerinnen einen gro\u00dfen Anteil aus. In den Salons und auf dem Stra\u00dfenstrich sind viele Schwarzafrikanerinnen anzutreffen, welche in der Deutschschweiz schw\u00e4cher vertreten sind (franz\u00f6sischsprachige Frauen aus ehemaligen franz\u00f6sischen und belgischen Kolonien). Aber auch in der Deutschschweiz gibt es keine gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung von Osteurop\u00e4erinnen, vermutlich eine Folge von unterschiedlichen Vermittlungskan\u00e4len. \u201eKomischerweise werden die Oststaatenfrauen in andere Kantone eingeteilt, die Innerschweiz ist da so ein Abnehmer, aber auch Bern, Richtung Basel und Solothurn hinunter\u201c (Polizeibeamter Kanton Z\u00fcrich).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwierig, Genaueres \u00fcber die Prostitutionsmigrantinnen aus den ehemaligen Ostblockl\u00e4ndern zu erfahren, denn auch die NRO-Vertreterinnen und Mediatorinnen haben M\u00fche, Kontakt mit den Frauen aufzunehmen, da sie eher verschlossen seien und wom\u00f6glich unter Druck st\u00fcnden: \u201eEnde 96 hat das angefangen zu boomen, da sind massenweise Frauen aus dem Osten, Russland, der Ukraine und auch Tschechien hierher gekommen. Wir haben herausgefunden, dass es sehr schwer ist, diese Frauen anzusprechen und sie \u00fcberhaupt zu kontaktieren. Erstens war es sehr versteckt, und wenn man sie angesprochen hat, waren sie sehr unverf\u00e4nglich. Dann hatten wir eine Zeit lang keine Mediatorin mehr, und nachher vor einem Jahr hatte ich f\u00fcr ein Jahr eine Ukrainerin als Mediatorin, und sie hat auch gro\u00dfe Schwierigkeiten gehabt, an die Frauen heranzukommen. Es war schwierig, die Frauen \u00fcberhaupt zu finden. \u00dcber einen speziellen Laden haben wir versucht, Informationen \u00fcber die Frauen zu erhalten. Der Ladenbesitzer meinte auch, dass sie schwierig zu finden seien und dass sie oftmals \u201eEdelnutten\u201c seien. Die suchten ihre Kunden in Hotelbars oder so. Bei den T\u00e4nzerinnen in den Cabarets hatten wir schon Zugang gehabt, aber auch dort war es schwierig. Deshalb haben wir nach einem Jahr wieder aufgeh\u00f6rt. Wir haben auch gemerkt, dass viele dieser Frauen wieder abgewandert waren, es war ihnen zu teuer hier, glaube ich, und sind in den s\u00fcddeutschen Raum arbeiten gegangen\u201c (Leiterin Aids-Hilfe Schweiz Chur, Barf\u00fcsser-Projekt).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Besonderheit weist der Platz Z\u00fcrich auf, wo auch die m\u00e4nnliche Prostitutionsmigration aus Osteuropa floriert. Die Stadtpolizei Z\u00fcrich geht von der st\u00e4ndigen Anwesenheit von etwa 200 osteurop\u00e4ischen Strichjungen aus, die jeweils einige Monate in der Schweiz Geld verdienen, bevor andere junge M\u00e4nner sie ersetzen. Mit der Liberalisierung des Schweizer Wirtschaftsgesetzes ist es in den letzten zehn Jahren einfacher geworden, einen Restaurationsbetrieb, eine Bar oder ein Tanzlokal zu er\u00f6ffnen. Auch die \u00d6ffnungszeiten werden liberal gehandhabt. So gibt es zum Beispiel in Z\u00fcrich zahlreiche Lokalit\u00e4ten, in denen nicht nur getrunken, gegessen oder getanzt wird, sondern \u201eDurchreisende\u201c, sei es zu speziellen Gelegenheiten, an Wochenenden oder auch allt\u00e4glich, ihre Dienste anbieten. Dies gilt besonders f\u00fcr \u201eSzenebars\u201c der m\u00e4nnlichen Prostitution oder Diskotheken, in denen ein internationales Publikum verkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel zum Aufkommen von Discos und Szenebars ist auch der Trend zu Swinger-, Sauna-, Fitness-, Wellness-Zentren und Privatclubs mit entsprechendem Kontaktangebot zu verzeichnen. Diese Einrichtungen sprechen grunds\u00e4tzlich ein gemischtes Publikum an; die Clubmitglieder sollen sich frei f\u00fchlen, von den diversen Spezialangeboten Gebrauch zu machen. Dass Prostitution zum festen Hauptbestandteil der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit der H\u00e4user geh\u00f6rt, tritt neben den anderen Angeboten zur Steigerung des k\u00f6rperlichen Wohlbefindens in den Hintergrund. Die Grenzen zwischen Wellness und Prostitution verschwimmen \u2014 Prostitution ist \u201enaturalisiert\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klassische Form der Prostitution findet in den Nachtclubs statt, wo die Frauen gr\u00f6\u00dftenteils im Besitz einer Arbeitsbewilligung (L-Bewilligung) sind. Jedes Lokal verf\u00fcgt \u00fcber ein Kontingent, das nicht \u00fcberschritten werden darf. 1995 sind die Kontingente drastisch gesenkt worden. Heute sind im Kanton Tessin 37 Nachtclubs mit 150 T\u00e4nzerinnen registriert, vor der \u00c4nderung gab es dort 400 Bewilligungen pro Monat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Cabarets und Nachtclubs in der Deutschschweiz und im Tessin haben die Konkurrenz der Hotel- und Kontaktbars mit bescheideneren Getr\u00e4nkepreisen zu sp\u00fcren bekommen. In der Westschweiz ist diese Entwicklung weniger festzustellen, was auf die unterschiedliche Preispolitik der Westschweizer Cabarets mit ihren deutlich tieferen Preisen f\u00fcr Alkoholika und auf das strikte Vorgehen der Beh\u00f6rden gegen Sextouristinnen in den Kantonen Genf, Fribourg und Wallis zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnte. (316) Die kantonalen Beh\u00f6rden und im Prostitutionsbereich aktive NRO berichten \u00fcber ein abnehmendes bis stagnierendes Wachstum im traditionellen und legalen Bereich bei einem insgesamt steigenden Prostitutionsmarkt. So ging die Anzahl der Neuregistrierungen der legal in der Prostitution t\u00e4tigen Frauen per Ende 1998 in Z\u00fcrich von 494 auf 376 und in der Stadt Bern von 107 auf 53 zur\u00fcck, wobei der Anteil drogens\u00fcchtiger Frauen, die ihr Einkommen auf dem Stra\u00dfenstrich erwerben, knapp die H\u00e4lfte der legal arbeitenden Prostituierten ausmachen d\u00fcrfte. (317) Dass die Tendenz im Prostitutionsgesch\u00e4ft steigt, vor allem wegen Touristinnen und T\u00e4nzerinnen, die der Prostitution au\u00dferhalb des rechtlich gesch\u00fctzten Rahmens nachgehen, entzieht sich zwar einer verl\u00e4sslichen Quantifizierung, liegt aber bei Betrachtung der aktuellen Angebotsstrukturen nahe. Einzig der Kanton Tessin liefert Zahlen und stellte von 1999 bis 2000 einen Zuwachs der au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostituierten von 50% fest. (318)<\/p>\n\n\n\n<p>Neu ins Gewicht fallen die Begleit-Agenturen, die sich durch gro\u00dfe Mobilit\u00e4t und Anonymit\u00e4t auszeichnen und Frauen \u00fcber Mobiltelefon und per Chauffeur in der ganzen Schweiz vermitteln. Sie operieren oft von l\u00e4ndlichen Standorten aus, wo die Betreiber g\u00fcnstigen Wohnraum, zum Beispiel in Einfamilienh\u00e4usern, anmieten oder kaufen. Dort wohnen die Zuh\u00e4lter meist zusammen mit den Frauen, die sie an Kunden vermitteln, manchmal auch zusammen mit Chauffeuren. Diese Angebotsstruktur bietet viele Vorteile. Sie ist nicht auf ein vorhandenes Rotlichtmilieu angewiesen und entgeht somit Polizeikontrollen, die dort regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt werden. Auch entf\u00e4llt der Freierverkehr und damit die soziale Kontrolle, die nachbarliche Anzeigen wegen Ruhest\u00f6rung nach sich ziehen k\u00f6nnten. Gesch\u00fctzt durch die Atmosph\u00e4re eines Privathauses oder einer Privatwohnung ist es eher m\u00f6glich, unbehelligt auch au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens Prostituierte zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Besonderheit weisen der Kanton Aargau und teilweise auch der Kanton Bern auf, wo private Clubs in villen\u00e4hnlichen, eher abgelegenen Liegenschaften Tradition haben und mit ihrem Angebot das gehobene Niveau mit der notwendigen Diskretion und Exklusivit\u00e4t abdecken (Polizeisprecher, Kanton Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Ver\u00e4nderung der Angebotsstruktur zeigt sich in den Standorten von neu entstandenen, zum Teil gr\u00f6\u00dferen Etablissements. W\u00e4hrend in Randgebieten oder in Au\u00dfengemeinden der Stadt Z\u00fcrich wie auch in Flughafenn\u00e4he Privatwohnungen in Bordelle umgewandelt, Saunaclubs oder Bars mit entsprechendem Angebot er\u00f6ffnet oder Bordelle als solche deklariert werden, (319) gewinnen Ausfallstrassen von gro\u00dfen St\u00e4dten und vielbefahrene Autobahnen an Attraktivit\u00e4t. (32w0) Entlang diesen von Pendlern benutzten Verkehrswegen konnten sich in der Anonymit\u00e4t von Industriezonen entlang der Autobahnen oder entlang von gro\u00dfen Ausfallstrassen, die wegen Verkehrsemissionen zum Wohnen unattraktiv sind, Wellness- oder Barbetriebe mit einschl\u00e4gigem Angebot etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Anpassungen der Angebotsstrukturen auf dem Prostitutionsmarkt weisen auf Verschiebungen im personellen Bereich hin. Die Figur der selbst\u00e4ndigen Prostituierten, die in der Kleinstadt oder im Dorf, tags\u00fcber gemieden und stigmatisiert, sich des Nachts mit der lokalen m\u00e4nnlichen Klientel schadlos h\u00e4lt, ist in westlichen Konsum- und Freizeitgesellschaften wohl definitiv \u00fcberholt. In Einzelf\u00e4llen kann sie sich innerhalb von speziellen Angebotsvarianten oder Nischen auf dem Markt vielleicht behaupten, falls es ihr gelingt, sich mithilfe moderner Kommunikationstechnologie und Arbeitsplatzdesign an die neuen Marktstrukturen anzupassen. Das Angebot pr\u00e4sentiert sich heute vielmehr als Klein-, Mittel- oder Gro\u00dfbetrieb, der, einem Einkaufszentrum oder Freizeitpark vergleichbar, die unterschiedlichen Segmente und Spezialw\u00fcnsche der Nachfrage nach zeitgem\u00e4\u00dfen Managementregeln organisiert und mit neuster Kommunikationstechnologie bewirbt. Im Normalfall darauf bedacht, den Rahmen des Gesetzes nicht zu \u00fcberschreiten, sind Prostituierte als \u201eSelbst\u00e4ndige\u201c auf Auftragsbasis t\u00e4tig, wobei Abgaben in Form von Eintrittsgeldern, Auftragstantiemen, Zimmermiete sowie Vorschriften \u00fcber Pr\u00e4senzzeiten, Kleiderwahl, Sexpraktiken oder zu verlangende Preise zur \u00fcblichen Gesch\u00e4ftspraxis geh\u00f6ren. Diese Angebotsstruktur favorisiert zum einen die Teilzeit- oder tempor\u00e4re Prostitution von Einheimischen, denen es die Anonymit\u00e4t des Nebenerwerbs erlaubt, am Fiskus und der sozialen Kontrolle vorbeizuwirtschaften, und andererseits bietet sie den Netzwerken um die internationale Prostitution M\u00f6glichkeiten, Prostitutionsmigrantinnen unauff\u00e4llig zu platzieren bzw. das Segment mit einem eigenen Gesch\u00e4ft um eine multi-kulturelle Variante zu erweitern. Diese Umstrukturierung des Angebots, nicht zuletzt eine Folge des in der Revision des Sexualstrafrechts 1992 ersatzlos gestrichenen Zuh\u00e4lterartikels, erm\u00f6glichte die lukrative Integration von au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostitutionsmigrantinnen. Informierte Clubinhaber und Bordellbetreiber k\u00f6nnen die T\u00e4tigkeit der Prostituierten als ihre Privatsache und Eigenverantwortung auslegen und m\u00fcssen lediglich eine m\u00f6gliche Bu\u00dfe wegen Versto\u00dfes gegen das Aufenthaltsgesetz f\u00fcr Ausl\u00e4nder einkalkulieren. Die Option, mit Teilzeit- und tempor\u00e4ren Prostituierten sowie mit Migrantinnen auf dem Prostitutionsmarkt Geld zu verdienen, beschleunigte die Umstrukturierung des Angebots, w\u00e4hrend gleichzeitig eine Anpassung an die aktuellen Anspr\u00fcche der potentiellen Klientel erprobt werden konnte. Diese Neustrukturierung stie\u00df als attraktive Investitionsm\u00f6glichkeit f\u00fcr die international florierende Prostitutionsmigration und den Frauenhandel das Wachstum des Marktes an.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesetzesliberalisierungen in verwandten Wirtschaftsbranchen beg\u00fcnstigten zudem die Entstehung neuer Sexgewerbezweige. \u201eSicher profitieren die Barbesitzer. Mit der Liberalisierung des Wirtschaftsgesetzes kann ja jeder eine Bar aufmachen, dann hat der oben noch Wohnungen und vermietet diese dann kurzfristig an die Frauen. Das ist einfach ein Ph\u00e4nomen, das wir neu haben. Das ist sprunghaft angestiegen\u201c (Polizeibeamter, Stadt Z\u00fcrich).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Z\u00fcrcher Bezirksanwalt vermutet einen gesellschaftlichen Wertezerfall als Ursache f\u00fcr das boomende Sexgewerbe. Als Hauptgrund f\u00fcr die rasante Entwicklung nennen die Interviewpartner aber die vielen Migranten und Migrantinnen auf Arbeitssuche in der Schweiz und die Attraktivit\u00e4t des Schweizer Prostitutionsmarkts, attraktiv f\u00fcr die Frauen (und M\u00e4nner) selber, aber auch f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische \u201eGesch\u00e4ftsleute\u201c, die den Markt aus Profitinteresse kr\u00e4ftig anheizen. Anreize, um im Sexgewerbe zu investieren, seien gen\u00fcgend vorhanden, unter anderem auch deshalb, weil ein Gro\u00dfteil der Gewinne nicht versteuert wird und die M\u00f6glichkeiten der Ordnungsh\u00fcter, bei Missbr\u00e4uchen durchzugreifen, beschr\u00e4nkt sind. Au\u00dferdem sei die Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t auf dem Sexmarkt gro\u00df, weshalb der Kontrollaufwand enorm gestiegen sei. Auch spielten die Preise, die im h\u00e4rteren Konkurrenzkampf gefallen sind und die Diversifizierung des Angebots eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.4 Die Gesch\u00e4ftsleute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Gesch\u00e4ft mit der Prostitution sind neben den Prostituierten und den Kunden verschiedene weitere Akteure beteiligt: Wohnungsvermieter und Hotelinhaber, Betreiber von Bars, Salons, Bordelle, Wellness-Zentren, die Agenturen, Anbieter von \u201eBerufskleidung\u201c und Accessoires, Zeitschriften und Zeitungen bis zu den Mobiltelefonanbietern. Am Gesch\u00e4ft mit der Prostitutionsmigration haben au\u00dferdem Anwerber, Netzwerke f\u00fcr den Transfer und Vermittler gro\u00dfen Anteil. Die Akteure, die im Bereich der Prostitutionsmigration t\u00e4tig sind, riskieren grunds\u00e4tzlich wenig und setzen vor allem auf Ausl\u00e4nderinnen, weil diese sich wegen ihrer gr\u00f6\u00dferen Abh\u00e4ngigkeit von vermittelnden Netzwerken und wegen fehlenden Kenntnissen der lokalen Sprache und Marktmechanismen mit einem kleineren Verdienst zufrieden geben m\u00fcssen als einheimische und etablierte Prostituierte. Dazu ein Beispiel: \u201eIn den Salons bezahlt man offiziell 150 Franken pro Tag f\u00fcr die Ben\u00fctzung der Infrastruktur, die die Selbst\u00e4ndigerwerbenden abliefern. Auslagen f\u00fcr Inserate und alles ist da drin. Aber inoffiziell ist das Problem so, dass die Schweizerinnen zwischen 40% und 60% ihrer Einnahmen abliefern und die Ausl\u00e4nderinnen zwischen 70% und 80%, das vernehmen wir. Das ist das Problem. Sonst bei den \u201aSchweizerinnen, die selbst\u00e4ndig arbeiten, die sind recht resolut\u201c (Polizeisprecher, Kanton Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu beobachten, dass M\u00e4nner eher Clubs betreiben, w\u00e4hrend das Massagesalongewerbe mehrheitlich in Frauenhand ist. Die Betreiber sind meistens Schweizer, die sich auf diesen rentablen Markt einlassen. Bez\u00fcglich der Gewinnmargen erw\u00e4hnt die Kantonspolizei Solothurn eine Liegenschaft, welche f\u00fcr urspr\u00fcnglich 600 Franken pro Monat gemietet und \u00fcber zwei weitere Beteiligte untervermietet wurde. Resultat war, dass die Endmieterin f\u00fcr ihren Salon 6&#8217;000 Franken Miete bezahlte, das Zehnfache des urspr\u00fcnglichen Mietzinses (Sprecher der Kantonspolizei Solothurn).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interviewpartner beklagen vor allem, dass diese Gewinne auf dem R\u00fccken der Frauen gemacht w\u00fcrden. Auch gebe es zu wenige juristische M\u00f6glichkeiten, gegen solche Art von Wucher vorzugehen. Die Polizei k\u00f6nne erst t\u00e4tig werden, wenn eine Anzeige vorliege und sich die Migrantinnen wehren. Das geschehe aber in den meisten F\u00e4llen nicht. Meistens w\u00fcrden sich Betreiber und Vermieter gegenseitig decken, so dass es schwierig sei, Angaben zu erhalten. \u201eBei den Prostituierten zocken alle ab, der Vermieter, die Vermittler, die Betreiber, und am Schluss kommt noch die Polizei und dann wird sie ausgeschafft, sie sind das erste und letzte, einfach das schw\u00e4chste Glied\u201c (Polizeisprecher, Kanton Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine verdeckte Umfrage bei 33 Tessiner Lokalbetreibern, ob man bei ihnen illegale Prostituierte platzieren k\u00f6nne, best\u00e4tigt die Bereitschaft dieser Gesch\u00e4ftsleute, mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die Frauen aus dem Ausland vermitteln. (321) Ein Journalist gab sich in den Telefongespr\u00e4chen mit verschiedenen Tessiner Etablissementbetreibern als Z\u00fcrcher Frauenh\u00e4ndler aus. Die Antworten waren verbl\u00fcffend unverbl\u00fcmt und zeigen die Routine, mit der solche Gesch\u00e4fte durchgef\u00fchrt werden, sowie die Indolenz gegen\u00fcber Polizeikontrollen und m\u00f6glichen Sanktionen. Zumindest Respekt vor polizeilichen Kontrollen scheint jedoch manchen Betreibern nicht fremd, ausl\u00e4ndische Prostituierte ohne entsprechende Arbeitsgenehmigung bezeugen \u00fcbereinstimmend, Anweisungen vom \u201eChef\u201c oder der \u201eChefin\u201c im Falle einer Polizeikontrolle erhalten zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den Immobilienbesitzern und Vermietern sind es auch die Agenturen und Cabaret-Betreiber, die ganz legal vom Sexgewerbe profitieren und auch Steuern bezahlen: \u201eDie Agenturen kassieren 8% ein, berechtigt gem\u00e4\u00df Geb\u00fchrenverordnung, das sind 280 bis 350 Franken pro Frau und Monat. Wenn einer 200 Frauen hat, dann hat er ausgesorgt\u201c (Polizeikommandant, Kanton Luzern).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sie eher am Rand partizipieren, gibt es auch Gesch\u00e4ftsleute, deren Gewinne erheblich sind. Dazu geh\u00f6ren etwa Pr\u00e4servativh\u00e4ndler, die Exklusivrechte auf gewisse Etablissements beanspruchen und 50 Rappen pro St\u00fcck verdienen. Auch Reizw\u00e4scheh\u00e4ndler machen gute Gesch\u00e4fte, wenn sie Prostitutionsmigrantinnen beliefern, die sich in der Schweiz nicht gut auskennen. W\u00e4hrend die einen Gesch\u00e4ftsinhaber gut wirtschaften, klagen andere \u00fcber Gesch\u00e4ftseinbu\u00dfen. Der Innovationsdruck scheint auch UnternehmerInnen der Prostitutionsbranche zu belasten. Zwei Kontakt-Bar-Betreiber in Lugano und Z\u00fcrich dr\u00fccken sich dazu so aus: \u201e08.15 Sex, das geht schon lange nicht mehr. Da muss man sich schon etwas anderes einfallen lassen.\u201c \u2014 \u201eFr\u00fcher gab es viele Thai-Salons. Die laufen heute nicht mehr gut. Die Kunden wollen heute mehr, sie wollen sich am\u00fcsieren, nicht einfach eine Massage.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.5 Die Logistik des Prostitutionsmarktes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, Frauen aus Osteuropa anzuwerben, besteht darin, sich von der Schweiz aus direkt an Vermittler vor Ort zu wenden, die die Frauen anwerben und sie gegen Bank\u00fcberweisung in die betreffende Lokalit\u00e4t in der Schweiz schicken. Unter den Betreibern zirkulieren Telefonnummern, \u00fcber die es m\u00f6glich ist, direkt und anonym ins Gesch\u00e4ft zu kommen. (322)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie fragen die Clubbesitzer und Nachtclubbetreiber an, ob sie noch Frauen brauchen und bieten ihre Frauen an. Die kann innerhalb desselben Tages in der Schweiz ankommen. Dann wird der Preis vereinbart, das k\u00f6nnen 1000 Dollar sein; w\u00e4hrend sie abfliegt, muss der Betreiber unter Umst\u00e4nden zur Western Union gehen, den Betrag \u00fcberweisen, nachher telefonieren, um die \u00dcberweisung anzuk\u00fcndigen, unter einer Kennnummer, und am Abend kann der Empf\u00e4nger das Geld an seinem Schalter schon in Empfang nehmen. Also es l\u00e4uft sehr viel \u00fcber diese Western Union. Man muss schon sehen, das ist an und f\u00fcr sich eine seri\u00f6se Organisation, die macht sich nicht strafbar deswegen\u201c (Sprecher der Kantonspolizei Graub\u00fcnden, Chur).<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen m\u00fcssen oft gleich zweimal Vermittlungsbetr\u00e4ge begleichen. Einmal den Vermittlern und Agenturen in ihren Herkunftsl\u00e4ndern und dann den Etablissementbetreiber in der Schweiz: \u201eWir hatten F\u00e4lle, da mussten die Frauen den Vermittlern in Osteuropa 70 Franken pro Tag bezahlen und 150 Franken den Betreibern in der Schweiz abliefern. Das funktioniert so. Und wenn sie nicht genug Freier hat, muss sie trotzdem bezahlen, auch wenn sie krank ist oder so, das war sogar explizit formuliert. Sie hat mir die Anzeige aus der Zeitung geschickt, weil wir mehr dar\u00fcber wissen wollten. Ihr wurde 500 bis 600 Franken pro Freier versprochen. Und pro Monat wurde ein Lohn zwischen 20&#8217;000 und 25\u2018000 Franken versprochen. Auch wenn sie dann 7000 Franken pro Monat abgeben m\u00fcsste, w\u00fcrden ihr ja immer noch 13\u2018000 Franken oder mehr bleiben. Sie rief uns an, um genauere Informationen zu erhalten. Sie war misstrauisch, aber viele Frauen sind das nicht, und so scheinen sie regen Zulauf auf solche Anzeigen zu erhalten. Das sind betr\u00fcgerische Versprechungen, denn nur wenn eine Frau jung, sehr attraktiv und zu allem bereit ist, nie krank wird und unentdeckt von der Polizei bleibt, kann sie viel Geld verdienen. Das ist aber bei den wenigsten Frauen, die hierher kommen, der Fall, und so m\u00fcssen sie sich dann abm\u00fchen, das Geld f\u00fcr die Vermittler zusammen zu bekommen. Und sie sind allen Risiken ausgesetzt\u201c (Leiterin AHS, Barf\u00fcsser-Projekt, St. Gallen).<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen direkten Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Vermittlern sind es oft die Betreiber und Betreiberinnen selber, die Frauen aus ihrem eigenen Herkunftsland anwerben oder den Auftrag \u00fcber Verwandte und Bekannte abwickeln. Ebenso h\u00e4ufig \u00fcbernehmen in der Schweiz ans\u00e4ssige Personen ausl\u00e4ndischer Herkunft die Anwerbung und manchmal den Transport von Frauen aus ihrem Herkunftsland im Auftrag. \u201eWir haben das Kommen der Ungarinnen gesehen und wissen, dass heute zwei Drittel der Prostituierten Lettinnen, Brasilianerinnen und Ungarinnen sind. Wir wissen auch, dass es ein Netz in Brasilien mit Verbindungsleuten im Tessin und in Italien gibt, die die Reise f\u00fcr die M\u00e4dchen organisieren. Bei den Lettinnen und Ungarinnen kann man hingegen nicht von einer eigentlichen verbrecherischen Organisation sprechen, weil der Zuh\u00e4lter meist aus dem famili\u00e4ren Umfeld der Prostituierten stammt.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Illustration der Logistik einer Begleitagentur, bei welcher die Polizei die ganze Buchhaltung requirierte, sei hier folgendes Beispiel aufgef\u00fchrt: \u201eDen monatlichen Umsatz, den wir errechnet haben, betr\u00e4gt 96\u2018000 Franken. Die machen nat\u00fcrlich auch viel Werbung, er war im Internet drin, im Blick und in der BZ hat er inseriert und in verschiedenen Lokalzeitungen. Er hat uns diese Kosten vorgelegt, er hat Inseratekosten von 15&#8217;000 Franken im Monat belegen k\u00f6nnen, aber ich m\u00f6chte mich hier nicht auf absolute Zahlen festlegen. Und dann hat er Chauffeure besch\u00e4ftigt, die die Frauen, vorwiegend Ungarinnen, in der ganzen Schweiz herum chauffierten, zum Teil waren das Handwerker oder Informatiker, die tags\u00fcber ihrem Job nachgingen und am Abend die Frauen in der Gegend herumf\u00fchrten. Er pries verschiedene Angebote an, zum Beispiel wenn er eine Frau f\u00fcr eine Stunde zu einem Kunden brachte, dann verlangte er 550 Franken. Er hatte auch eine Telefonistin, die f\u00fcr jeden Termin 50 Franken bekam, der Fahrer hat 25% bekommen und f\u00fcr den Chef sind 35% geblieben, mindestens, aber der hat manchmal auch die Telefonate gemacht und den Chauffeur gerade auch noch gespielt, und dann waren 70% f\u00fcr ihn. In 22 Monaten hat der 1,2 Mio. Franken Umsatz erzielt\u201c (Polizeikommandant des Kantons Basel-Stadt).<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dieser Fall illustriert, werden Begleitagenturen meist von einem einzelnen \u201eDrahtzieher\u201c organisiert, der verschiedene Mitarbeiter f\u00fcr Transport und Vermittlung einstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen werden je nach Nachfrage unter den Lokalbetreibern in der ganzen Schweiz ausgetauscht. Wenn beispielsweise ein Etablissement einen gr\u00f6\u00dferen Anlass hat, werden Frauen aus anderen Lokalen angefordert. Schnelle Zirkulation von Frauen liegt offenbar im Gesch\u00e4ftsinteresse der Lokalbetreiber. Den Kunden kann immer \u201eetwas Neues\u201c angeboten werden, um den Konsumanreiz zu steigern und man vermeidet man ein zu gro\u00dfes Insiderwissen der Prostituierten \u00fcber ein bestimmtes Lokal, seine Gepflogenheiten und seine Kunden, das ihre Abh\u00e4ngigkeit reduzieren k\u00f6nnte. Durch diesen Austausch kennt man sich in der Branche, die Kan\u00e4le laufen nach Einsch\u00e4tzung der befragten Kontrollorgane \u00fcber pers\u00f6nliche Beziehungen und weniger \u00fcber organisierte Strukturen. \u201eUnd die beschr\u00e4nken sich dann nicht auf ein Bordell, die vergr\u00f6\u00dfern sich dann sofort, wie eine Firma auch versucht, weiter zu expandieren. Sie haben dann Unterh\u00e4ndler angestellt, in Dependancen. Und dort haben wir festgestellt, dass es einfach sehr verlockend ist, in so kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Zum Teil gehen die sehr brutal um mit den Frauen, um die Angst noch etwas zu sch\u00fcren, die Ostfrauen haben nicht nur Angst vor den Vermittlern, sondern auch vor denen, die sie betreuen, das sind oft einfach Charakterlumpen\u201c (Sprecher der Stadtpolizei Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Brasilianerinnen und S\u00fcdamerikanerinnen kommen vor allem \u00fcber Verwandte und Bekannte, die schon in der Schweiz t\u00e4tig sind, aber auch teilweise durch international aktive Netzwerke, welche die Frauen in ihren Heimatl\u00e4ndern anwerben und \u00fcber ein Netz von \u00f6rtlichen Verbindungen in der Schweiz platzieren. Den Frauen wird die Reise in die Schweiz bezahlt, wof\u00fcr die Organisatoren eine Entsch\u00e4digung zwischen 10&#8217;000 und 15&#8217;000 Dollar verlangen. Diese Summe m\u00fcssen die Frauen aus dem Prostitutionserl\u00f6s zur\u00fcckzahlen. Wenn die Schulden beglichen sind, k\u00f6nnen sich die Frauen in der Regel \u201efrei\u201c f\u00fchlen und von diesem Zeitpunkt an auf eigene Rechnung verdienen. Um die Grenzkontrollen an den Schweizer Flugh\u00e4fen zu umgehen, werden bestimmte routings, etwa \u00fcber Spanien, Italien, Deutschland gew\u00e4hlt. Fehlen g\u00fcltige Einreisedokumente, bekommen die Migrantinnen g\u00fcltige P\u00e4sse von Ecuador und Venezuela oder gestohlene P\u00e4sse aus Spanien. Ziel ist, den Visumzwang zu umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungarische Frauen stellen eine Ausnahme dar, da sie meist direkt angeworben oder von hier anwesenden Zuh\u00e4ltern und Zuh\u00e4lterinnen kontrolliert werden. Da es sich bei diesen oft um Verwandte und Bekannte handelt (Tante, Bruder, Verlobter, Ehemann, Bekannter der Freundin etc.), die t\u00e4glich die Eink\u00fcnfte der Frauen einkassieren, trifft hier die Bezeichnung \u201efamili\u00e4re Netzwerke\u201c am ehesten zu. Lettinnen machen einen ansehnlichen Teil der Prostitutionsmigrantinnen aus. Sie werden oft direkt von der Schweiz aus mit Zeitungsinseraten angeworben und kontaktiert. Auch in diesem Falle m\u00fcssen die Frauen eine feste Summe \u00fcberweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Prostitutionsmigrantinnen, welche sich in der Schweiz durch Heirat etablieren k\u00f6nnen, werden zum Teil selbst wieder in Zusammenarbeit mit ihren Schweizer Ehem\u00e4nnern zu Vermittlern und perpetuieren den Handel mit Frauen. Ein gr\u00f6\u00dferer Fall mit Kamerunerinnen ist in diesem Zusammenhang in der Westschweiz aufgeflogen, wo die eingeheirateten Frauen ihre P\u00e4sse an Landsfrauen vermieteten: \u201eIn der Schweiz wurden die Frauen zu anderen Kamerunerinnen mit Schweizer Pass gebracht, und bei Kontrollen zeigten sie dann ihre Papiere. Und da es einem (weissen) Polizisten schwer f\u00e4llt, afrikanische Frauen mit ihren Frisuren, Z\u00f6pfchen und Per\u00fccken zu unterscheiden, ist das nicht aufgefallen. Diese Dokumente wurden zu Preisen zwischen 600 und 1000 Franken pro Monat vermietet\u201c (Sprecher der Stadtpolizei Neuenburg).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.6 Das Klima im Sexmilieu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Zunahme von physischer Gewalt ist nach den Aussagen der Befragten nicht feststellbar. Meistens wird die Polizei von der Nachbarschaft wegen Auseinandersetzungen unter Prostituierten oder wegen Streits mit ihren Zuh\u00e4ltern vor allem aufgrund von L\u00e4rmemissionen gerufen. Vermutet wird aber zum Teil gerade bei den Frauen aus Osteuropa, dass diese Repressionen von Mittelsm\u00e4nnern aus ihren Herkunftsl\u00e4ndern zu bef\u00fcrchten haben, von denen sie aber nichts erz\u00e4hlen. \u201eMan kann hier weniger von physischer Gewalt als von psychischem Druck sprechen. Es ist ja schon ein Druck, wenn man einer Afrikanerin z.B. sagt, dass sie in ihr Heimatland zur\u00fcckgeschickt werde. Da braucht es gar keine k\u00f6rperliche Gewalt. In Bern hatten sie einen Fall mit einer Tschechin, die von einem Jugoslawen mit Gewalt in die Schweiz gebracht worden war, hier von vier M\u00e4nnern vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen wurde. Jedes Mal, wenn sie einen Klienten hatte, wurde ihr sofort das Geld abgenommen\u201c (Sprecher der Stadtpolizei Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch andere Interviewpartner berichten von Strafaktionen. Es gibt sicher eine bedeutende Dunkelziffer, aber solche scheinen eher Ausnahmef\u00e4lle zu sein. Hinweise zur Gewaltentwicklung im Prostitutionsgesch\u00e4ft aus Zeitungsmeldungen und Interviews lassen keine eindeutigen Schlussfolgerungen \u00fcber deren Ausma\u00df zu. Dies bedarf einer systematischen \u00dcberpr\u00fcfung einschlie\u00dflich der Gewaltakte, die zwar vermutet, der Polizei aber nicht gemeldet werden, wie etwa Anschl\u00e4ge auf Autos von Lokal-BetreiberInnen, Brandstiftungen, ein Sprengstoffanschlag im Untergescho\u00df eines Tessiner Lokals und Anschl\u00e4ge auf Leib und Leben von Prostituierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt im Milieu hat sich trotz des boomenden Gesch\u00e4fts aber nicht st\u00e4rker ausgebreitet, wie Polizeistellen und NRO \u00fcbereinstimmend best\u00e4tigen. Dies habe vor allem damit zu tun, dass die Schweizer Szene \u00fcbersichtlich sei und die Kontrolle durch Polizeiorgane und NRO Wirkung zeige: \u201eIn diesem Bereich haben wir keine \u00fcbertriebenen Feststellungen gemacht, das ist eher selten, zum Gl\u00fcck. Es ist immer noch \u00fcbersichtlich. Es braucht doch eine verdeckte Szene, dass sich Gewalt ausbreiten kann, das ist hier nicht gegeben. Physische Gewalt, da haben wir praktisch keine Anhaltspunkte. Man muss auch sagen, dass wir keine gr\u00f6\u00dfere Organisation gefunden h\u00e4tten, die im Luzerner Rotlichtmilieu Fu\u00df gefasst h\u00e4tte\u201c (Polizeikommandant, Kanton Luzern).<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem gibt es Formen schwerer Gewalt, wie die Ermordung von zwei lateinamerikanischen Prostituierten im Sommer 2002 im Kanton Aargau belegt. Damals hatte sich eine Welle der Solidarit\u00e4t ausgebreitet, die in einem Trauerumzug in Z\u00fcrich mit gegen 3000 LateinamerikanerInnen aus der ganzen Schweiz ihren H\u00f6hepunkt fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber meist handelt es sich um leichtere physische Gewalt, die aber den Polizeistellen kaum gemeldet werden, so dass nur Sfreetworkerinnen und Mediatorinnen davon erfahren. So \u00fcben Cabaret-Betreiber Druck auf T\u00e4nzerinnen aus, wenn sie nicht genug Champagnerumsatz erwirtschaften oder wenn sie gegen\u00fcber unlauteren Klienten misstrauisch sind, aber es gibt auch Zwang zur Prostitution bei Unp\u00e4sslichkeit oder Ersch\u00f6pfung, Gewaltdrohungen, kr\u00e4nkende Zurechtweisungen und grobe Umgangsmanieren: \u201eEs gibt psychologische Gewalt, aber auch k\u00f6rperliche Gewalt, etwa indem sie gesto\u00dfen werden oder auch durch Gesten. Ich habe auch geh\u00f6rt, dass sie an den Haaren gerissen werden sehr stark, indem man ihnen mit der anderen Hand auf die Schulter dr\u00fcckt. Und dann habe ich auch von Patrons geh\u00f6rt, die kommen und dann ganz stark auf die Hand der Frau dr\u00fccken gegen den Tisch, was sehr schmerzhaft ist. Ich habe auch andere Beschreibungen von Frauen, die sehr starke Drohungen erlebt haben. Doch, man kann sagen, es gibt Gewalt im Milieu. Vielleicht kann man auch sagen, dass das mehr in den Cabarets auf dem Land passiert als in der Stadt, weil auf dem Land alle M\u00e4nner Copains sind, auch mit der Polizei. Viele Frauen berichten, dass sie in solchen Lokalen auf dem Land \u00fcberhaupt nicht respektiert worden seien\u201c (Leiterin AHS, Barf\u00fcsser-Projekt, Chur).<\/p>\n\n\n\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten Cabaret-Betreiber haben, auf nicht prostitutionswillige T\u00e4nzerinnen Druck auszu\u00fcben, zeigt die folgende Aussage einer NRO-Mitarbeiterin und ehemaligen Prostitutionsmigrantin: \u201eZum Beispiel, wenn sie einen Service nicht machen wollten, dann sind sie zeitweise entlassen worden, wenn sie sich dann weiterhin verweigerten, dann kamen h\u00e4rtere Drohungen, dass sie keine Arbeit mehr bek\u00e4men. Dann kommen auch Drohungen, dass die Familie unterrichtet werde, was sie hier in der Schweiz machen. Es gibt viele Arten von Drohungen. Psychischer Druck, konstante Drohungen, etwa auch, sie bei der Polizei zu verzeigen. Dies ergibt einen harten Konkurrenzdruck unter den Frauen, so dass es wenig Unterst\u00fctzung und Zusammenhalt auf ihrer Seite gibt. So werden die Frauen stark verunsichert. Die Arbeitgeber k\u00f6nnen auch mit ganz einfachen Drohungen arbeiten, zum Beispiel: \u2018Ich entziehe dir die L-Bewilligung, du wirst nie mehr in der Schweiz arbeiten k\u00f6nnen, ich habe Verbindungen\u2019, etc.\u201c (ehem. Prostituierte, Mediatorin, AHS, Barf\u00fcsser-Projekt, Chur).<\/p>\n\n\n\n<p>Was ebenfalls vorkommt, sind starke Drohungen von Zuh\u00e4ltern und Betreibern, wie sie in verschiedenen Gerichtsf\u00e4llen aktenkundig sind, welche von \u201eIch schlage Dir alle Z\u00e4hne aus, wenn Du nicht mehr Geld ablieferst\u201c bis zu Todesdrohungen reichen. Zudem kennen die Vermittler und Zuh\u00e4lter oft die Adressen von Eltern und Angeh\u00f6rigen im Herkunftsland, so dass auch Gewaltandrohungen gegen Verwandte und Kinder der Frauen ihre Wirkung meist nicht verfehlen. Massive Gewaltanwendungen, wie etwa die Vergewaltigung und Misshandlung einer russischen T\u00e4nzerin durch zwei Landsm\u00e4nner in Genf (Avakiants, 2000), dienen in erster Linie zur Abschreckung und Einsch\u00fcchterung anderer Sexmigrantinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem kann im Allgemeinen nicht von einem brutalen Sexmilieu in der Schweiz gesprochen werden. Die guten Verdienstm\u00f6glichkeiten in der Schweiz bieten den meisten Migrantinnen trotz Ausbeutung genug Anreiz, der Prostitution \u201efreien Willens\u201c nachzugehen, ohne dass die Zuh\u00e4lter und LokalinhaberInnen sie deswegen \u2014 \u00fcberspitzt gesagt \u2014 in Ketten legen m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p>Medien thematisieren das aggressive Klima und die Gewalt im Milieu, was aber die Resultate dieser Arbeit nicht best\u00e4tigen. Im Rahmen dieser Studie kann h\u00f6chstens gesagt werden, dass Angst ein Thema ist, das von Prostitutionsmigrantinnen angesprochen und teilweise betont wird. Ob sich die Angst auf die Arbeitsbedingungen und die Akteure in der Schweiz bezieht, ob die R\u00fcckkehr ins Heimatland oder in ein geregeltes Leben von Angst besetzt ist, oder ob die Angst von der eigenen Grenz\u00fcberschreitung herr\u00fchrt, die den individuellen Lebenslauf belastet, muss hier offen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.7 Freiwilligkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage nach der Freiwilligkeit von Migrantinnen, die sich au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens prostituieren, ist zentral. Kommen sie nun aus freien St\u00fccken in die Schweiz, um das gro\u00dfe Geld zu verdienen, oder geraten sie ahnungslos in die F\u00e4nge krimineller Organisationen, die sie versklaven und ausbeuten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie NRO-Expertinnen und Mediatorinnen berichten, identifizieren sich Migrantinnen meist nicht mit der Prostitution, im Gegensatz zu den Schweizerinnen, die sich f\u00fcr diesen \u201eBeruf\u201c entschieden haben. Die Migrantinnen hingegen seien meist durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde dazu gezwungen gewesen oder angeworben worden (Leiterin Barf\u00fcsser-Projekt, AHS, Basel).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite ist es ein offenes Geheimnis, dass Frauen aus Osteuropa, Lateinamerika, Asien oder Afrika von sich aus die Initiative ergreifen. So konnten im Rahmen von Ermittlungen bei einer Begleitagentur Telefongespr\u00e4che des Betreibers mit einem Vermittler abgeh\u00f6rt werden, die diskutieren, ob sie die Nummer des Mobiltelefons wechseln sollten, da sie mit Anfragen von Frauen aus Polen richtiggehend \u00fcberschwemmt w\u00fcrden (Polizeistelle Basel-Stadt).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den interviewten Polizeibeamten besteht Konsens, dass die Freiwilligkeit differenziert betrachtet werden muss: \u201eViele der Frauen, die sich in der Schweiz prostituieren kommen, haben sich noch nie vorher prostituiert. Vielleicht wurden sie von einer Freundin gedr\u00e4ngt, die sagte, komm mit, dort kannst Du viel Geld verdienen. Meist wird es dann sch\u00f6ner dargestellt, als es in der Realit\u00e4t ist. Manchmal werden sie auch unter falschen Bedingungen hierher gelockt. Aber dass sie dann in die Prostitution gezwungen w\u00fcrden, habe ich nie erlebt, meistens machen sie das freiwillig, die meisten sind sich dessen bewusst, ich gehe dorthin, mache das, nehme das Geld und gehe zur\u00fcck. Das ist die Armut, die sie dazu bringt, oftmals haben sie auch Kinder in ihrem Heimatland. Es ist eine Wahl\u201c (Polizeikommandant, Kanton St. Gallen).<\/p>\n\n\n\n<p>Einig ist man sich auch in Polizeistellen und NRO, dass Lokal-BetreiberInnen hier in der Schweiz Druck auf die Frauen aus\u00fcben. In den h\u00e4rteren F\u00e4llen nehmen sie den Frauen ihre Reisedokumente ab, drohen mit Nachteilen f\u00fcr die Familie im Herkunftsland oder mit dem Informieren der Angeh\u00f6rigen \u00fcber ihre T\u00e4tigkeit als Prostituierte, zwingen sie zur Einhaltung von Pr\u00e4senzzeiten und zur Annahme von unerw\u00fcnschten Auftr\u00e4gen oder schlagen sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Frauen kommen auch aufgrund falscher Versprechungen und Erwartungen in die Schweiz und erkennen die Realit\u00e4t zu sp\u00e4t. Unter diese Kategorie fallen Arbeitsangebote als Kellnerin oder Babysitterin. Sind die Frauen erst einmal in der Schweiz und haben Kredite f\u00fcr ihre Anreise und Vermittlung aufgenommen, ist es f\u00fcr Vermittler einfach, sie zur Prostitution zu dr\u00e4ngen oder zu zwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSicher, die Ausbeutung ist bei den Ostfrauen viel raffinierter. Sie haben zum Beispiel erz\u00e4hlt, dass ihnen der Pass bei ihrer Ausreise aus Russland abgenommen wurde und sie einen zweiten, der sie nur zur Ausreise legitimiert, erhalten haben. Aber sie k\u00f6nnen nicht mehr einreisen, ihr anderer Pass ist dort bei der Agentur blockiert. Das ist nat\u00fcrlich sehr perfid, denn sie m\u00f6chten ja wieder zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Aber es ist nicht einfach, Informationen zu bekommen, auch f\u00fcr die Polizei\u201c (Leiterin AHS, Barf\u00fcsser-Projekt, Chur).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausbeutungsansatz entlastet die Prostituierten von eigener Schuld an den Umst\u00e4nden der Prostitution, \u00fcber die sie sich beklagen: \u201eDie Sauerei schnell vergessen\u201c, \u201esich ausgen\u00fctzt vorkommen\u201c, \u201cMan musste alles machen, was der Chef sagte, sonst gab es Strafen. Ich habe gesehen, wie eine geschlagen wurde\u201c. Die Freiwilligkeitsdeutung spiegelt den Prostituierten zwar eine Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber Lebensentscheide wider, behaftet sie aber unerbittlich auf der Eigenverantwortung f\u00fcr ihre individuellen Lebensumst\u00e4nde. Ein Dilemma, das auf die Pr\u00e4missen der freien Marktwirtschaft zur\u00fcckgef\u00fchrt, aber kaum individuell gel\u00f6st werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint, dass die \u201eSchuld\u201c der in widrige Umst\u00e4nde geratenen, au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostituierten darin besteht, dass sie den Versprechungen des Marktes und ihren F\u00e4higkeiten, darin erfolgreich zu agieren, vertraut haben, ohne dessen Mechanismen, das Umfeld und ihre eigenen beschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten zu ber\u00fccksichtigen. Denn die \u00dcbersch\u00e4tzung der eigenen M\u00f6glichkeiten kann fatale Folgen haben. Nicht nur f\u00fcr das Individuum, sondern f\u00fcr die Gesellschaft. Sind auf der individuellen Ebene kurz-, mittel- und langfristige Problembereiche angesprochen wie physische und psychische Versehrtheit, Suchtverhalten, Bew\u00e4ltigung von biographischen Br\u00fcchen oder Traumas, (324) so stellen sich auf gesellschaftlicher Ebene Fragen der sozialen und \u00f6konomischen (Re-)Integration sowie Fragen \u00fcber Anspr\u00fcche auf Solidarleistungen von Familie und staatlichen Einrichtungen. Die Vorstellung von einem internationalen Prostitutionsmarkt, der soziale, \u00f6konomische und politische Probleme von osteurop\u00e4ischen und Dritt-Welt-Frauen l\u00f6st, beruht wohl eher auf einem kurzfristigen, die individuellen Ressourcen \u00fcbersch\u00e4tzenden Wunschkalk\u00fcl.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Fokussierung auf die Strategie der individuellen Initiative geraten zudem das Umfeld des Marktes wie gesetzliche Bestimmungen der Prostitution, Kontrollt\u00e4tigkeit von Polizeibeh\u00f6rden und NRO sowie ein gesellschaftlich-politisches Umfeld, das auf Rechtssicherheit, demokratischen Strukturen und Solidareinrichtungen beruht, aus dem Gesichtsfeld \u2014 aus dem Gesichtsfeld von Gesch\u00e4ftsleuten und Prostituierten, die den Erfolg auf dem Markt zwar als eigenes Verdienst verbuchen, ansonsten aber auf die Einrichtungen des Umfeldes (wie Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, Rechtssprechung, Sozialversicherungen, NRO etc.) zum Schutze des Marktes angewiesen sind. Denn der Erfolg des Marktes, auch des internationalen Prostitutionsmarktes, ist wesentlich von diesem Umfeld abh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.8 Organisierte Kriminalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn unter organisierter Kriminalit\u00e4t international t\u00e4tige, hierarchisch strukturierte Organisationen einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe verstanden werden, verneinen die Interviewpartner \u00fcbereinstimmend ihre Existenz im Schweizer Markt der Prostitutionsmigration. Wenn auch vereinzelte F\u00e4lle auf dem Niveau der Ermittlungen vorliegen, konnten diesbez\u00fcgliche Vermutungen weder mit einer qualifizierten Anklage noch mit einem Gerichtsurteil belegt werden. Obwohl von Seiten der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden Vermutungen \u00fcber gr\u00f6\u00dfere kriminelle Organisationen ge\u00e4u\u00dfert werden, die vor allem in Herkunftsl\u00e4ndern Osteuropas bei der Anwerbung und Vermittlung von Prostituierten, aber auch bei der Dokumentenbeschaffung und bei der Kontrolle des Personen- und Geldtransfers eine dominierende Rolle spielen, k\u00f6nnen aufgrund unserer Datenlage keine Aussagen dar\u00fcber gemacht werden. Hier l\u00e4sst sich lediglich feststellen, dass keine best\u00e4tigten Hinweise auf Verbindungen von Akteuren auf dem Schweizer Markt der Prostitutionsmigration und organisierter Kriminalit\u00e4t im engeren Sinne vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit der OK hat man eigentlich gar keine Chance weiterzukommen, weil die Frauen Ja viel zu schnell wieder drau\u00dfen sind (\u2026). Wir haben ja auch Daten zur OK gesammelt und dort sieht man, dass Frauenhandel auch mit weiteren Deliktgruppen, wie etwa Bet\u00e4ubungsmittel zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnten\u201c (Sprecher Kantonspolizei Z\u00fcrich). \u201e[\u2026] wobei man sehen muss, dass unser Markt auch nicht so gro\u00df ist und weitgehend ges\u00e4ttigt ist. Organisationen wie die Russenmafia, die interessieren sich schon immer wieder, es sind immer wieder Anzeichen vorhanden, dass sie Leute aus der Szene bewegt haben, aber effektiv chancenlos, es ist schon \u00fcbersichtlich, sie k\u00f6nnen sich nicht hineinfiltern, die Nachtclubbesitzer kennen sich alle untereinander und tauschen Informationen aus, das ist quasi der Vorteil davon\u201c (Kommandant Kantonspolizei Luzern).<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten interviewten Polizeibeamten sind sich einig, dass nicht die Bek\u00e4mpfung, sondern die Pr\u00e4vention organisierter Kriminalit\u00e4t im Vordergrund steht, sodass sich diese gef\u00fcrchteten Strukturen gar nicht erst etablieren k\u00f6nnen. Neben der \u201eRussenmafia\u201c, welche aufgrund ihrer aggressiven Praktiken gef\u00fcrchtet wird, hat man auch Angst vor albanischen Organisationen, die sich via Italien auf dem Schweizer Markt etablieren k\u00f6nnten. Doch bisher liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, sodass die \u00c4u\u00dferungen als Vermutungen qualifiziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerben und Meershoek haben empirisches Material aus Polizeiquellen untersucht und machen sich ein Bild \u00fcber den Teil der Prostitution, der f\u00fcr den Frauenhandel attraktiv ist. (325) Sie unterscheiden drei Bereiche, wo kriminelle Organisationen t\u00e4tig sind: die Anwerbung, der \u201eHandel\u201c selbst (trafficking-process) und die Art von \u201eArbeit\u201c im Prostitutionssektor. Sie machen zwei Arten von Organisationen aus, die sich im Menschenhandelsgesch\u00e4ft bet\u00e4tigen: lose organisierte Cliquen von professionellen H\u00e4ndlern und gr\u00f6\u00dfere organisierte kriminelle Gruppen von durchschnittlich etwa 11 Personen mit einer klaren Arbeitsteilung unter den Mitgliedern. Diese Gruppe ist ebenfalls aktiv im Verschieben und Schmuggeln von Drogen, Waffen und gestohlenen Autos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von Gerben und Meershoek beschriebene Gruppe lose organisierter Cliquen von professionellen H\u00e4ndlern entspricht eher den Resultaten vorliegender Untersuchung. Dabei geht sowohl aus den Interviews wie auch aus Gerichts- und Polizeiakten hervor, dass der Markt auf dem Platz Z\u00fcrich sowie in weiteren urbanen Regionen der Deutschschweiz durch seine Offenheit und seine gro\u00dfe Diversifizierung gepr\u00e4gt ist. Lose personell vernetzt ist der Austausch von Frauen in verschiedenen Lokalen nach Bedarf m\u00f6glich und das Wissen \u00fcber verschiedene Praktiken der Prostitutionsmigration verbreitet. Es konnten sich aber keine marktbeherrschenden Strategien und Akteure durchsetzen. Vielmehr bearbeiten kleingewerblich strukturierte Marktteilnehmer die Bereiche unterschiedlich, die von Gerben und Meershoek als T\u00e4tigkeitsfelder organisierter Kriminalit\u00e4t identifiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Westschweiz, wo die einheimischen Prostituiertenorganisationen stark auf dem Markt auftreten, der Markt aber relativ offen ist, sind Verzeigungen von au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostituierten gerade aus Ost- und Mitteleuropa relativ h\u00e4ufig (Polizeisprecher Genf). Der Markt in kleineren Tourismusregionen, auf dem Land und in kleineren St\u00e4dten wird von ans\u00e4ssigen Betreibern beherrscht. Es ist denkbar, dass professionelle, osteurop\u00e4ische Organisationen versucht haben, sich in der urbanen Zone Genf-Lausanne auf dem Markt der Prostitutionsmigration zu etablieren. Wenn es denn diese Versuche gegeben hat, so sind diese offensichtlich nicht gelungen, wie NRO und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcbereinstimmend feststellen. Gerichtsurteile in diesem Bereich sind keine bekannt. (326)<\/p>\n\n\n\n<p>In der Region Tessin, wo das Marktvolumen durch die N\u00e4he zu Italien relativ gro\u00df ist, sind es ausgepr\u00e4gt kleingewerbliche, eng miteinander verflochtene und sich teilweise konkurrenzierende Strukturen, die den Markt kontrollieren. Dass Verbindungen zu osteurop\u00e4ischen Vermittlern bestehen, wird durch verschiedene Aussagen und Gerichtsf\u00e4lle belegt. Inwieweit diese als Mittelspersonen von hierarchischen, in Osteuropa ans\u00e4ssigen und international auch in anderen Bereichen operierenden Organisationen t\u00e4tig sind, entzieht sich unseren Kenntnissen. Es fehlen die Voraussetzungen, um sich als \u201eNeuling\u201c im \u00fcberschaubaren Netzwerk des Tessiner Prostitutionsmarktes, das au\u00dferdem einer zunehmenden sozialen Kontrolle unterliegt, eine marktbeherrschende Stellung erobern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.9 Soziale Kontrolle des Marktes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen Beitrag zur sozialen Kontrolle des internationalen Prostituiertenmarktes in der Schweiz leisten hier allen voran die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und die \u00fcber die ganze Schweiz verteilten NRO, vor allem die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) mit dem Barf\u00fcsserprojekt oder das FIZ in Z\u00fcrich (Fraueninformationszentrum) oder Prostituiertenselbsthilfe-Organisationen wie Aspasie (Genf) und weitere Frauen unterst\u00fctzende Vereinigungen wie Xenia (Bern). Obwohl viel Datenmaterial aus Interviews und Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen vorliegt, sprengt es den Rahmen dieser Arbeit, eine Evaluation der T\u00e4tigkeit und Wirkung von Beh\u00f6rden und NRO in diesem Zusammenhang zu pr\u00e4sentieren. Soweit Stellungnahmen und Informationen dieser Institutionen nicht bereits im Text eingeflossen sind oder in anderem Zusammenhang zitiert wurden, beschr\u00e4nkt sich dieses Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Interviews.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst ist festzuhalten, dass lokale Strafverfolgungsbeh\u00f6rden mit NRO grunds\u00e4tzlich zusammenarbeiten. Trotz unterschiedlicher Aufgabendisposition beruht dies auf der gegenseitigen Einsicht in die Notwendigkeit der Arbeit aus verschiedenen Perspektiven und auf der Anerkennung der Beitr\u00e4ge als Erg\u00e4nzung zum eigenen Aufgabenbereich. W\u00e4hrend Polizeibeh\u00f6rden prim\u00e4r dazu verpflichtet sind, den geltenden Gesetzen Achtung zu verschaffen, beruht die Arbeit der Frauenorganisationen auf dem Vertrauen der Klientel gegen\u00fcber ihren Mitarbeiterinnen. Diese Disposition kann gelegentlich zu Interessenkonflikten f\u00fchren, die die Beteiligten jeweils kommunikativ l\u00f6sen. (327) So ist denn der Informationsaustausch nebst Ans\u00e4tzen zur gemeinsamen Entwicklung von Strategien zur Bek\u00e4mpfung von Frauenhandel \u2014 in Z\u00fcrich wurde beispielsweise ein \u201eRunder Tisch\u201c ins Leben gerufen, an dem sich Polizei, Opferhilfe und NRO beteiligen \u2014 grundlegend f\u00fcr die Kooperation von NRO und Polizeibeh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch muss das Instrumentarium zur Kontrolle des Marktes der neuen Gesetzeslage bzw. die Hilfeleistungen von NRO der neuen Klientel aus Osteuropa angepasst werden. Dazu die Leiterin der Aids-Hilfe Tessin:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie erz\u00e4hlen nicht sehr viel. Man muss auch sagen, dass die Frauen, mit denen wir sprechen k\u00f6nnen, uns dies erlauben, und dann gibt es ganz viele Frauen, mit denen wir nicht in Kontakt treten k\u00f6nnen. Und gerade jene werden viel mehr unter Druck von Zuh\u00e4ltern stehen. Die, mit denen wir sprechen k\u00f6nnen, haben ihre \u201aSchulden\u2018 wahrscheinlich schon abbezahlt und sind jetzt freier. Die fragen einem zum Beispiel auch, wo es gut sei sich zu prostituieren, wo sie hingehen sollen, was zeigt, dass sie die M\u00f6glichkeit haben, sich frei zu bewegen. Aber in gewisse Etablissements kommen wir kaum rein, darum kann ich nicht f\u00fcr alle sprechen, z.B. im Tortuga kommen wir nicht rein. Wenn eine Frau ruhig ist, wird sie Dir auch mehr erz\u00e4hlen, als wenn sie unter Druck steht. Wir m\u00f6chten ein Vertrauensverh\u00e4ltnis aufbauen, darum stellen wir wenig Fragen, wenn schon muss es von ihnen aus kommen, dass sie erz\u00e4hlen. Und da gibt es einen Unterschied zwischen den Ostfrauen und den S\u00fcdamerikanerinnen, letztere erz\u00e4hlen viel h\u00e4ufiger und spontaner. Dies kann kulturell bedingt sein, aber auch von ihren Bedingungen her. (\u2026) Aber es ist nicht einfach, Informationen zu bekommen, auch f\u00fcr die Polizei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da NRO in diesem Bereich oft mit der Aids-Hilfe Schweiz zusammenarbeiten, hat sich ihre T\u00e4tigkeit um die aufsuchende Aids-Pr\u00e4vention direkt in den Lokalen, wo Prostituierte t\u00e4tig sind, erweitert. Dort werden Informationsbl\u00e4tter und Kondome verteilt und nach M\u00f6glichkeit Kontakt mit den Prostitutionsmigrantinnen aufgenommen. Ansonsten verstehen sich NRO in diesem Bereich als niederschwellige Anlaufstelle f\u00fcr Migrantinnen im Sexgewerbe, denen Beratung, Vermittlung von Rechts- und medizinischer Hilfe sowie Strategie-Entwicklung aus Notsituationen angeboten wird. Es versteht sich von selbst, dass die einzelnen NRO unterschiedliche Priorit\u00e4ten-Agendas entwickelten, um der lokalen Situation und den unterschiedlichen Vereinsstatuten gerecht zu werden. So legt zum Beispiel das FIZ Z\u00fcrich gro\u00dfen Wert auf \u00d6ffentlichkeitsarbeit und die Arbeit mit Migrantinnen auch au\u00dferhalb des Sexgewerbes, w\u00e4hrend sich andere Organisationen vor allem auf die Aids-Pr\u00e4vention bei Prostituierten konzentrieren (Aids-Hilfe Schweiz). Als Subventionsempf\u00e4ngerinnen sind die NRO nebst ihrer Klientel und den Tr\u00e4gervereinen auch der \u00d6ffentlichkeit und ihren Organen verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Polizeistellen verf\u00fcgen aufgrund von kantonaler Gesetzgebung und Kompetenzabgrenzungen etwa von Stadt- und Kantonspolizei \u00fcber unterschiedliche Voraussetzungen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich gilt es die schlimmeren Vergehen in erster Linie zu bek\u00e4mpfen, wobei es ehr schwierig ist, solche Organisationen zu treffen. Wenn wir z.B. Zeugenaussagen von Frauen haben, und dann kann man ein Verfahren er\u00f6ffnen. Das kann auch Monate dauern, und mit der Prostituierten, was machen wir dann? Geben wir ihr eine spezielle Aufenthaltsbewilligung, geben wir ihr Schutz und machen eine Gegen\u00fcberstellung, verstecken wir sie? Es ist eben nicht so einfach. Auf der anderen Seite verlangt die Verteidigung bei Prozessf\u00fchrung meist Zeugenaussage vor dem Gericht, ein Zeugenprotokoll gen\u00fcgt da meistens nicht. Das sind die Schwierigkeiten. Dazu kommen Gesetzesl\u00fccken im Tessiner Kantonalrecht, z.B. der Art. 199 des StGB, der besagt, dass jeder, der gegen Kantonalrecht verst\u00f6\u00dft, belangt werden kann, nur haben wir im Tessin keine kantonalen Gesetze in diesem Bereich, also k\u00f6nnen wir ihn nicht anwenden. Jetzt gibt es eine Kommission, die abkl\u00e4rt, hier eine legale Basis zu schaffen, wo ein Dekret verabschiedet worden ist, das vielmehr die Prostitution diszipliniert, bez\u00fcglich Zeit und Ort. Aber es br\u00e4uchte mehr Kontrollen und wir k\u00f6nnen nicht, da uns die kantonalen Gesetze fehlen\u201c (Polizeichef Lugano).<\/p>\n\n\n\n<p>Sind es auf der einen Seite fehlende Gesetze, so bereitet auf der anderen Seite die Durchsetzung des neuen Sexualstrafrechts Schwierigkeiten. Die ma\u00dfgebende Rechtsprechung, allen voran Bundesgerichtsentscheide, wirkt sich direkt auf das Instrumentarium der Polizeibeh\u00f6rden aus, da die Spruchpraxis letztlich festlegt, was als kriminelles Verhalten zu gelten hat und von der Polizei geahndet werden muss. Die zeitliche Verz\u00f6gerung dieses Top-Down Diffusionsprozesses f\u00fchrt besonders in \u00dcbergangszeiten von altem zu neuem Recht zu Unsicherheiten der Fahndungsbeh\u00f6rden, die beispielsweise aufwendige Ermittlungen wegen Menschenhandel f\u00fchren, um sp\u00e4ter vom Bezirksanwalt zu erfahren, dass sich die Beweislage nicht f\u00fcr diesen Straftatbestand eignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem verfolgte die Polizei regional teilweise eine h\u00e4rtere Gangart. So schloss die Tessiner Polizei ab Ende 1999 verschiedene Hotelbars und Lokale. Einzelne Etablissementbetreiber kamen in Untersuchungshaft, und alle Rechtsmittel wurden ausgesch\u00f6pft, um die Lokale an einer Wiederer\u00f6ffnung zu hindern, wie es in der Vergangenheit wiederholt vorgekommen war. Dieser Schlag gegen das Tessiner Sexbusiness f\u00fchrte zu gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen, zumal die Hauptanziehungspunkte mit einem Mal verschwunden waren. Auch wenn anzunehmen ist, dass nur ein Teil der Prostitutionsmigrantinnen den Kanton verlie\u00dfen (Sch\u00e4tzungen gehen von 200 bis 300 Sextouristinnen aus) und sich das Angebot auf kleinere Etablissements und Appartements verlagerte, so verunsicherte die neue Situation zum Teil doch auch die Nachfrageseite, im speziellen die italienischen Freier, welche \u00fcber diese Umw\u00e4lzungen weniger informiert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in anderen Kantonen ist der Einsatz der polizeilichen Instrumente weder unbestritten noch immer koordiniert. So findet die Barf\u00fcsser-Projekt-Leiterin im Kanton Basel-Stadt die polizeilichen Razzien zum Teil kontraproduktiv, da sie die schw\u00e4chsten Glieder in der Kette tr\u00e4fen und die Abh\u00e4ngigkeit zu den LokalbetreiberInnen verst\u00e4rkten. Zur Kontrolle des Sexmilieus sind polizeitaktische Differenzen zwischen der Kantonspolizei und der Stadtpolizei Z\u00fcrich Ursache f\u00fcr mangelnde Koordination.<br>W\u00e4hrend die Kantonspolizei mit Razzien im Sexmilieu in Erscheinung tritt, setzt die Stadtpolizei mehr auf regelm\u00e4\u00dfige Einzelkontrollen und auf den Einsatz verdeckter Fahnder. (328)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reaktionen der Bev\u00f6lkerung auf das sich ausbreitende Sexgewerbe beschr\u00e4nken sich auf einzelne Anzeigen aus besonders betroffenen Bezirken, Quartierinitiativen (zum Beispiel im Z\u00fcrcher Langstrassen-Viertel) und Leserbriefe. Im Kanton Tessin hingegen beginnt sich politischer Widerstand von B\u00fcrgerinitiativen gegen Hotel- bzw. Bordellbesitzer zu formieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist wirklich ein Problem, vor allem deshalb, weil es der Mehrheit der B\u00fcrger bis jetzt nicht auffiel. Da wird banalisiert nach dem Motto: \u201aDas gibt es doch seit ewig\u2019 auch wenn man sie darauf hinweist, was das alles mit sich bringt\u201c (Polizeichef, Lugano). (329)<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem gibt es Hinweise aus der Bev\u00f6lkerung zu illegalen Aktivit\u00e4ten, vor allem von Anwohnern, die das Treiben beobachten k\u00f6nnen und sich davon gest\u00f6rt f\u00fchlen. Doch nur selten reichen diese Hinweise als handfeste Beweise, welche der Polizei ein Eingreifen erm\u00f6glichen. Solange das jeweilige Sexgewerbe keine zu auff\u00e4lligen St\u00f6rungen verursacht, wird es ignoriert. Erst wenn L\u00e4rm oder zu starker Freierverkehr aufkommt, wenn Kinder Zeugen werden oder Anwohnerinnen von Freiern angesprochen werden, kommt es zu Anzeigen oder Hinweisen an die Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir hatten in Rottenschwil einen Fall, der bereits acht Jahre zur\u00fcck liegt. Das ist sehr lange gut gegangen, bis eines Tages die Kinder auf dem Nachhauseweg \u201aPornoheftli\u2019 und Pr\u00e4servative gefunden haben. Dann hat sich Widerstand geregt bei der Bev\u00f6lkerung, man musste einschreiten und das Etablissement r\u00e4umen. Aber sonst kann das sehr lange gehen, vor allem, wenn etwas sehr abseits gelegen ist, wo keine Kinder vorbei m\u00fcssen, wo weder L\u00e4rm noch Zufahrten ein Problem sind, dann wird das toleriert. Wir von der Polizei wissen, dass es das gibt, wir wissen auch, dass sie frequentiert sind, aber wir k\u00f6nnen nur in begr\u00fcndeten Verdachtsmomenten eingreifen\u201c (Polizeikommandant, Kanton Luzern).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anonymit\u00e4t in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten erschwert zudem die soziale Kontrolle. Anwohner werden Zeugen vom fruchtlos erscheinenden Eingreifen der Polizei, die bei Razzien wohl einzelne Prostituierte festnimmt und in ihr Herkunftsland abschiebt, was aber das internationale Prostitutionsgesch\u00e4ft nicht hindert, ohne Unterbrechung auf Hochtouren weiterzulaufen \u2014 mit neuen Frauen. Auch spielt wom\u00f6glich die Unsicherheit der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Grenzen der Legalit\u00e4t eine Rolle. Mit der Abschaffung des Zuh\u00e4lterei-Artikels im Strafgesetzbuch scheint f\u00fcr unbeteiligte Beobachter oder Anwohner die Unterscheidung zwischen Illegalit\u00e4t und Legalit\u00e4t in diesem Bereich nicht mehr klar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Faktor, der das Fehlen von breiterem Widerstand aus der Bev\u00f6lkerung erkl\u00e4ren mag, zeigt sich im gesellschaftlich aktuellen Gebot der political correctness: Weder Land- noch Stadtbev\u00f6lkerung, weder Politiker noch Strafverfolgungsbeh\u00f6rden oder Gerichte wollen heute mit dem Etikett \u201emoralisch\u201c, \u201eintolerant\u201c oder \u201ealtmodisch\u201c versehen werden oder entsprechende Werthaltungen \u00f6ffentlich verteidigen m\u00fcssen.\u201d So br\u00e4uchte Widerstand gute, konkrete Gr\u00fcnde, wie zum Beispiel die genaue Kenntnis und Ersichtlichkeit von legaler und illegaler Prostitution, Informationen \u00fcber Mietzinswucher, Bel\u00e4stigung von Kindern, M\u00e4nnern und Frauen im Quartier etc. um sich mit Aussicht auf Erfolg formieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem beklagen Polizeistellen und NRO-Vertreterinnen, dass sich kaum Politiker f\u00fcr diese Problematik engagieren, weil Prostitution tabuisiert ist.\u201d\u201d! Sie w\u00fcnschen sich mehr politischen Druck, um den jeweiligen Sexmarkt und st\u00f6rende Begleitumst\u00e4nde effektiver kontrollieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZudem ist das Thema Prostitution mit Scham behaftet, und es gibt viele Politiker, die sich nicht mit diesem Thema in Verruf bringen m\u00f6chten, oder selber Klienten sind. Zudem st\u00f6ren ja die M\u00e4dchen nicht gro\u00df. Darum interessiert es die \u00d6ffentlichkeit nicht. Wir erhalten deshalb auch selten Anzeigen im Sittenbereich\u201c (Sprecher der Stadtpolizei Bern).<\/p>\n\n\n\n<p>Wie verschiedene Beispiele zeigen, ist die Schweizer Bev\u00f6lkerung durchaus aufmerksam, informiert und besorgt \u00fcber Geschehnisse auf dem Markt der Prostitutionsmigration. Allein die Komplexit\u00e4t der Sachlage, das Fehlen einer Definition von Frauenhandel, die \u00fcber den juristischen Einzelfall hinausgeht, und das Fehlen einer kontinuierlichen, kooperierenden Praxis von Politik, NRO und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden m\u00f6gen ein \u00f6ffentliches Engagement erschweren. Die zunehmend aufdringlichere Sichtbarkeit der Prostitutionst\u00e4tigkeit in Wohn- oder durchmischten Quartieren sowie die Entwertung von Liegenschaften und Quartieren durch das Milieu, aber auch konkrete Vorf\u00e4lle wie etwa L\u00e4rmbel\u00e4stigung durch Freierverkehr oder die sexuelle Bel\u00e4stigung durch aufdringliche Angebote, veranlassen die betroffene Bev\u00f6lkerung zu lokalpolitischem Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1.10 Zusammenfassung: Der Prostitutionsmarkt in der Schweiz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1 Entwicklung und Ausbreitung<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prostitutionsmarkt hat sich neu strukturiert, diversifiziert und sch\u00e4tzungsweise vergr\u00f6\u00dfert. Dabei kommen Methoden des professionellen Managements sowie neuesteKommunikationstechnologie zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diversifizierung verl\u00e4uft zugunsten der neuen Angebotsstrukturen auf Kosten der traditionellen, lebenszeitlich und vollzeitt\u00e4tigen, unabh\u00e4ngigen Prostituierten. Die typische Prostituierte ist heute tempor\u00e4r oder teilzeitlich aktiv und ist auf Auftragsbasis als Selbst\u00e4ndige mit einem kleinen, mittleren oder gro\u00dfen Unternehmen der Sexindustrie verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Marktstrukturen bieten Raum zur Vermarktung von au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostituierten. Das betrifft vor allem Prostitutionsmigrantinnen, aber auch einheimische, teilzeitlich oder tempor\u00e4r aktive Prostituierte, die auf eine Registrierung und damit auf Steuer- und Sozialversicherungsabgaben verzichten. Die neuen Marktstrukturen erlauben es den Unternehmen, sowohl Verantwortung f\u00fcr die T\u00e4tigkeit ihrer \u201eAngestellten\u201c diesen selbst zu \u00fcberlassen als auch wesentliche Betr\u00e4ge aus dem Prostitutionsgesch\u00e4ft am Fiskus vorbei zu erwirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Es herrscht ein Konkurrenz- und Verdr\u00e4ngungskampf sowohl zwischen alteingesessenem Sexgewerbe und neuen Angebotsformen als auch zwischen etablierten Prostituierten, neuen, tempor\u00e4r oder teilzeitlich t\u00e4tigen, nicht registrierten Prostituierten und Ausl\u00e4nderinnen, die sich au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens als Prostituierte bet\u00e4tigen. Auch unter den Prostitutionsmigrantinnen selbst haben sich Hierarchien herausgebildet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bed\u00fcrfnisse und Selbstverst\u00e4ndnis der Prostituiertenkunden finden in den neuen Angebotsstrukturen Ausdruck. Trotz ungesicherter Zahlen \u00fcber das Volumen des Schweizer Prostitutionsmarktes ist zu vermuten, dass der gr\u00f6\u00dfere Teil der Gesch\u00e4fte au\u00dferhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens get\u00e4tigt werden. Dadurch wird die Kontrolle des Marktes und der Arbeitsbedingungen der Prostituierten erschwert. Bei den Frauen, die unter diesen Umst\u00e4nden der Prostitution nachgehen, handelt es sich vor allem um Migrantinnen aus Lateinamerika, Asien, Afrika, Ost- und Mitteleuropa, aber auch um teilzeitlich und tempor\u00e4r aktive Einheimische. Es \u00f6ffnen sich R\u00e4ume f\u00fcr illegal operierende Netzwerke, die gesetzliche Bestimmungen und die Forderungen des Fiskus umgehen. Die Legitimit\u00e4t des Prostitutionsmarktes ist auch aus diesen Gr\u00fcnden in Frage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Gesch\u00e4ftsleute<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Eine ganze Reihe von Akteuren ist am Gesch\u00e4ft mit der Prostitutionsmigration beteiligt. Sie operieren teilweise im Graubereich der Legalit\u00e4t, indem sie durch Arbeitsteilung Aufgaben an ausl\u00e4ndische Akteure delegieren oder Leistungen von ihnen einkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontakte zwischen Akteuren finden sowohl im gesetzlich geregelten Bereich wie auch im Graubereich der Legalit\u00e4t zwischen Agenturen, Vermittlern, Betreibern und Inhabern von Clubs und Begleit-Agenturen statt. Es gibt Absprachen, und es gelten allgemein beachtete Regeln. Als \u201eunfaire Konkurrenz\u201c gilt, wer diese Regeln nicht beachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem im Tessin, wo der Markt \u00fcberschaubar ist, aber auch in der deutschen Schweiz, wo es einen offeneren Markt gibt, wird unfaire Konkurrenz von den Akteuren wahrgenommen. Es herrscht aber auch ein Verdr\u00e4ngungskampf unter den Akteuren, in den teilweise die Strafverfolgungsbeh\u00f6rde \u00fcber Anzeigen eingeschaltet wird. Dieses Verhalten deutet auf ein teilweise angespanntes Verh\u00e4ltnis zwischen den einzelnen Branchen und den einzelnen Akteuren hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Prostituierten und Vermittlern, Lokalbetreibern, Immobilienbesitzern<br>etc. ist das eines Verh\u00e4ltnisses zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dies steht im Widerspruch zu der in der Schweiz erlaubten Prostitution, die auf dem Status von selbst\u00e4ndiger Erwerbst\u00e4tigkeit gr\u00fcndet. W\u00e4hrend auf der einen Seite Vermittler, Lokalbetreiber, Immobilienbesitzer und Anwerber je nach Region lose oder enger vernetzt sind, treffen auf der anderen Seite ausl\u00e4ndische Frauen, die in diesem Bereich t\u00e4tig werden wollen, einzeln auf diese vorgefundenen Strukturen. Die Marktmacht dieser Netzwerke bestimmt weitgehend die Umst\u00e4nde, in denen Prostitution au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens ausge\u00fcbt wird. Die Voraussetzungen, Prostitution als selbst\u00e4ndig Erwerbende auszu\u00fcben, wie es der Gesetzgeber vorsieht, sind f\u00fcr diese Gruppe von Prostituierten nicht gegeben. Damit wird grunds\u00e4tzlich ihre Selbstbestimmung verletzt.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Logistik<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die angeworbenen Frauen sind meist mittellos und arbeiten das ihnen vorgeschossene Geld zur Finanzierung der Reise und der Vermittlung des ersten Arbeitsplatzes durch Prostitution ab. Damit geraten sie in Abh\u00e4ngigkeit einer Reihe von Marktteilnehmern, was zumindest die Mitbestimmung und Mitverantwortung der Umst\u00e4nde der Prostitution wesentlich einschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p>T\u00e4nzerinnen wechseln den Club in der Regel auf Empfehlung des vormaligen Chefs. Stellt er ein schlechtes Zeugnis aus, finden die Frauen in diesem Segment keine Anstellung. Oft kennen sich die Cabaret-Betreiber \u00fcber informelle Kontakte. Salon- und BordellbetreiberInnen leihen sich gegenseitig \u201eihre\u201c Frauen aus, zum Beispiel wenn wegen eines gr\u00f6\u00dferen Anlasses Mehrbedarf vorauszusehen ist (z.B. WEF in Davos, Tourismus-Saison, Parlamentssession in Bern etc.) oder wenn eine angeforderte Person an der Landesgrenze abgewiesen wurde. Au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tige ausl\u00e4ndische Prostituierte wechseln den Ort ihrer T\u00e4tigkeit in der Regel nur mit Zustimmung ihrer eigenen VermittlerInnen und \u201eChefInnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Frauen oft nicht zufrieden sind mit den vorgefundenen Arbeitsbedingungen, muss in den uns bekannten F\u00e4llen davon ausgegangen werden, dass die Frauen ohne Gewalt oder Drohungen in die Schweiz eingereist sind, in den meisten F\u00e4llen waren sie grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Art der T\u00e4tigkeit in der Schweiz informiert.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Klima im Sexmilieu<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Erh\u00f6hte Gewaltanwendung im illegalen Bereich der Prostitution im Vergleich mit anderen Bereichen der Gesellschaft kann nicht belegt werden und ist auch nicht zu vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dilemma der illegal t\u00e4tigen Prostituierten, sich als Freiwillige selbst f\u00fcr die Umst\u00e4nde der Prostitution verantworten zu m\u00fcssen oder sich als willenloses Opfer von Zwangssituationen zu begreifen, dr\u00fcckt sich oft als Angst vor den Vermittlern und Chefs aus.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Freiwilligkeit<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Der internationale Prostitutionsmarkt wirft Profit ab, an dem sich vor allem die verschiedenen Akteure und am wenigsten die Prostituierten selbst bereichern. Ihre Marktmacht wird durch eine Reihe von Faktoren auf ein Minimum reduziert. W\u00e4hrend sich auf der einen Seite Gesch\u00e4ftsleute l\u00e4ngerfristig auf dem Markt etablieren und so ihre Marktmacht ausbauen k\u00f6nnen, verhindert die schnelle Fluktuation der au\u00dferhalb des gesetzlichen Rahmens t\u00e4tigen Prostituierten, ihre Unkenntnis in Sprache und Kultur, hierarchische Strukturen unter den Prostituierten sowie Konkurrenzdruck der zur Nachfolge bereiten Landsfrauen die Gleichstellung mit anderen Akteuren auf dem Markt. Sie sehen sich als Einzelne einem tendenziell professionell organisierten Markt gegen\u00fcber, der grunds\u00e4tzlich den Rahmen der Selbstbestimmung absteckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die unmittelbaren Bedingungen und Umst\u00e4nde des internationalen Prostitutionsmarktes in der Schweiz eine Selbstbestimmung der Prostituierten weitgehend ausschlie\u00dfen, bietet der Markt dank der Einbettung in die gesellschaftlich, \u00f6konomisch und rechtlich-demokratisch privilegierte Position eines westlichen Landes immer noch gen\u00fcgend Anreiz, um freiwillig, ohne Gewalt oder Zwang, und im Wissen um die zuk\u00fcnftige T\u00e4tigkeit, daran teilhaben zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"6\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Organisierte Kriminalit\u00e4t<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Versuche von hierarchisch strukturierten Organisationen, die in verschiedenen Bereichen der Kriminalit\u00e4t international agieren, sich am Markt der Prostitutionsmigration in der Schweiz zu beteiligen, k\u00f6nnen nicht ausgeschlossen werden. Verschiedene, regional differenzierte Faktoren wirken dem Erfolg allf\u00e4lliger diesbez\u00fcgliche Projekte jedoch entgegen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"7\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Soziale Kontrolle des Marktes<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer in besonders betroffenen Gebieten, wo sich lokal-politischer Widerstand formiert und \u00f6ffentlichen Druck auf Polizei und Politik (Tessin, Stadt Z\u00fcrich) geltend macht, scheint sich das \u00f6ffentliche Interesse auf Berichterstattung in den Medien unter dem Thema \u201eSex and Crime\u201c zu ersch\u00f6pfen, wobei einzelne Gewalttaten Wellen der Emp\u00f6rung oder breite Solidarit\u00e4t mit den Opfern ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Das Thema eignet sich offenbar wenig, eine breite \u00d6ffentlichkeit zu mobilisieren und in einen konstruktiven Diskurs einzubinden. Es bleibt vielmehr einzelnen Politikerinnen, aktiven Frauenorganisationen, Berichten von Menschenrechtsorganisationen, Journalisten, wissenschaftlichen Forschern, den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und der Rechtsprechung \u00fcberlassen, den Gegenstand weg vom Voyeurismus ins \u00f6ffentliche Bewusstsein zu r\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>305 Barthes, Roland (1980) (franz. 1957): \u201eStrip-tease\u201c, in: Mythen des Alltags.<br>306 Schneider, Friedrich (1995) Der Sexmarkt, in: Cash, Sonderausgabe, Oktober 1995.<br>307 Der Lagebericht 1999 des Bundesamtes f\u00fcr Polizei (BAP) geht von gesch\u00e4tzten 7\u2019000 Prostituierten in den Kantonen Z\u00fcrich, Basel, Genf, Bern, Luzern und Tessin aus, wobei registrierte ebenso wie eine gesch\u00e4tzte Zahl illegaler Prostituierter ber\u00fccksichtigt sind. Nach Hochrechnung auf die Gesamtzahl der Bev\u00f6lkerung kommt das BAP auf die Gesamtzahl von 14&#8217;000 Prostituierten in der Schweiz.<br>308 Sch\u00e4tzungen vom Bundesamt f\u00fcr Polizei, Lagebericht 1999. Szene Schweiz.<br>309 Dazu etwa F\u00f6llmi, Franzi (1997): Files in the Spider\u2019s Web or Spiderwomen? Mail-order brides and migrant sex workers in Switzerland.<br>310 Bianchi, R. (2000): Abbild der Prostitution im Kanton Tessin, im Auftrag des Staatsrats des Kantons Tessin.<br>311 Die letzte Angabe ist der Zeitschrift Area vom 14.4.2000 entnommen.<br>312 Giornale vom 17.1.2000.<br>313 Weitere Informationen liefert die Studie der Aidshilfe Tessin, die 1992 80 ausl\u00e4ndische Prostituierte und Nachtelubt\u00e4nzerinnen befragte. Aiuto Aids Ticino (1993): Prostituzione e prevenzione dell\u2019Aids in Ticino. Aids-Hilfe Schweiz und Aiuto Aids Ticino, Lugano.<br>314 Art. 199 StGB, so genannte \u201eStrichpl\u00e4ne\u201c.<br>315 Bundesamt f\u00fcr Polizei, Szene Schweiz, Lagebericht 1999.<br>316 Dabei ist zu vermuten, dass etablierte Prostituiertenorganisationen in Genf besonders stark sind und die Praxis von Anzeigen gegen Prostitutionsmigrantinnen von Seiten legal arbeitender Frauen Schule macht.<br>317 Sch\u00e4tzung Stadtpolizei Z\u00fcrich, Stand 2000; Bundesamt f\u00fcr Polizei, Lagebericht 1999.<br>318 Flavio Farini, Polizeikommandant des Kantons Tessins, in: Il Caffe vom 2.4.2000.<br>319 En Zum Beispiel das Bordell \u201ePetit Fleur\u201c im Z\u00fcrcher Au\u00dfenquartier Wollishofen.<br>320 Zum Beispiel der Wellness-Betrieb \u201eZeus\u201c in der N\u00e4he des Autobahnkreuzes Basel-Luzern und Z\u00fcrich-Bern. Die Kantonspolizei Solothurn hat eigens eine Karte erstellt, die die Clubs und Erotik-Zentren verzeichnet.<br>321 Es handelt sich um die Tessiner Zeitschrift Inchieste. Die Resultate sind in der Ausgabe vom 1.3.2000 publiziert.<br>322 Der Fernsehjournalist Michel Venturelli hat sich als Bordellbetreiber ausgegeben und konnte ohne weiteres sechs Frauen aus Ungarn f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag ins Tessin bestellen, die bereit gewesen w\u00e4ren, f\u00fcr ihn als Prostituierte zu arbeiten. Dem ungarischen Vermittler, der angab, den Bezirk Oberitalien, das Tessin, Spanien und Portugal abzudecken, h\u00e4tte er im Gegenzug gleichentags 1500 Franken pro Frau mittels Bankcheck \u00fcberweisen m\u00fcssen. Das Telefongespr\u00e4ch wurde vom Fernsehen TSI aufgezeichnet und in der Sendung FAX vom 22.10.1999 ausgestrahlt.<br>323 Flavio Farini, Polizeikommandant des Kantons Tessins, in: Il Caffe vom 2.4.2000.<br>324 Dazu die ethnopsychoanalytische Literatur wie etwa: Sch\u00e4r-Sall, Heidi (1999): \u00dcberlebenskunst in \u00dcbergangswelten, S. 77-106; Moser, Catherine; Nyfeler, Doris und Verwey, Martine (Hg.) (2001): Traumatisierung von Fl\u00fcchtlingen und Asylsuchenden.<br>325 Gerben I.N., Meershoek, Guus and Bruinsma (1997): Organized Crime and Trafficking in \u2018Women from Eastern Europe in the Netherlands.<br>326 Vgl. dazu: Estermann, Josef (2002): Organisierte Kriminalit\u00e4t in der Schweiz.<br>327 Gespr\u00e4ch mit Xenia-Vertreterinnen, Bern, und Kantonspolizeistelle Bern; Gespr\u00e4ch mit Aids-Hilfe Schweiz-Vertreterin, Luzern, und Kantonspolizei Luzern; Gespr\u00e4ch mit FIZ-Leiterin Z\u00fcrich und Sittenpolizeistelle der Stadt Z\u00fcrich; Gespr\u00e4ch mit Barf\u00fcsser-Projekt-Leiterin St. Gallen und Chef der kantonalen Polizei, St. Gallen; Gespr\u00e4ch mit Aids-Hilfe-Vertreterin Basel und Stadtpolizeistelle Basel u.a.<br>328 TagesAnzeiger Z\u00fcrich vom 10.7.2004.<br>329 Zum Zeitpunkt der Interviews (2000) regte sich noch wenig Emp\u00f6rung, was sich wenig sp\u00e4ter \u00e4nderte und im Tessin zur Bildung von eigentlichen B\u00fcrgerbewegungen f\u00fchrte und den Politiker und Bordellbesitzer B. zu Fall brachte.<br>330 Allerdings gelten Verbindungen von \u00f6ffentlichen Personen zum Milieu ebenso wenig als politisch korrekt. So wurde beispielsweise die Wahl einer aussichtsreichen Kandidatin f\u00fcr das Friedensrichteramt im Kanton Z\u00fcrich indiskutabel, als sich durch Recherchen von Journalisten herausstellte, dass die gut situierte Kandidatin, die in einer l\u00e4ndlichen Gegend residiert, im Besitz von Immobilien in der Stadt ist, die sie zimmerweise zu hohen Preisen an Prostitutionsmigrantinnen vermietet (Tages Anzeiger Z\u00fcrich vom 18. Oktober 2003).<br>331 Es sind vornehmlich Politikerinnen, die sich im Bereich Frauenhandel und Prostitutionsmigration engagieren, so z.B. die Nationalr\u00e4tin C\u00e9cile B\u00fchlmann, Luzern (Motion B\u00fchlmann zum Zeuginnenschutzprogramm), und weitere Mitglieder der Frauenkommission des Nationalrats. Verschiedene Quellen best\u00e4tigen zudem einen erheblichen Umsatzzuwachs von milieunahen Lokalen rund ums Bundeshaus w\u00e4hrend den parlamentarischen Sessionen in Bern.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"block-2439e0b8-1cbb-4e31-bddb-f86b6c29e3e3\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen: Frauenhandel\u00a9 ProLitteris, Rahel Zschokke 4 Die Prostitutionsmigration in der Schweiz 4.1 Der Prostitutionsmarkt in der Schweiz 4.1.1 Das Marktvolumen Roland Barthes hegte bereits Mitte der 50er Jahre den Verdacht, dass eine gewisse sexuelle Liberalisierung der Ent-Erotisierung der Massenkultur diene (als solche qualifizierte er die Pariser Striptease-Shows und die Rotlichtaktivit\u00e4ten). 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