{"id":3451,"date":"2025-02-26T03:02:18","date_gmt":"2025-02-26T01:02:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3451"},"modified":"2025-04-25T21:21:03","modified_gmt":"2025-04-25T19:21:03","slug":"rezeption-von-umweltbedingungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3451","title":{"rendered":"Rezeption von Umweltbedingungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Josef Estermann, Berlin<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3335\"><strong>Weiterlesen   Belastung durch milit\u00e4rische Tieffl\u00fcge <\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" height=\"1\" width=\"1\" border=\"0\" src=\"http:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.ce53ce0f-ba39-480b-a0b6-cfcbbca8b3a5\">is, Josef Estermann<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3632\" srcset=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.orlux-ag.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2018_Kornschuette_7.jpg 1079w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Konzepte der Umweltsoziologie sind wie wohl keine andere \u00abBindestrichsoziologie\u00bb auf unterschiedliche Bereiche der Vergesellschaftung und der conditio humana ausgerichtet.<br><br>Die Umweltsoziologie kommt nicht aus ohne eine exakte naturwissenschaftliche Analyse ihres Gegenstandes Umwelt oder dem gerade im Forschungsprozess interessierenden Segment davon. Weiterhin bedarf es einer makrostrukturellen Betrachtung des Verh\u00e4ltnisses Gesellschaft &#8211; Forschungsgegenstand, was den genuinen Beitrag der Soziologie ausmacht, allerdings auch Recht und \u00d6konomie einschliessen muss sowie der Analyse der intraindividuellen Auseinandersetzung mit dem Umweltzustand, sei es bez\u00fcglich der Rezeption oder handlungstheoretisch, was durch Psychologie und Soziologie gemeinsam zu bew\u00e4ltigen ist. Nicht vergessen werden darf die Wirkung von Umwelt auf die Physiologie, ein genuiner Gegenstand der Medizin. Soziologie der Umwelt kann nur interdisziplin\u00e4r betrieben werden.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Bei umweltsoziologischen Forschungsvorhaben m\u00fcssen also folgende Punkte in Betracht gezogen werden:<\/p>\n\n\n\n<p>1 Naturwissenschaftliche Beschreibung des fraglichen Umweltzustandes<\/p>\n\n\n\n<p>2 Wirkungszusammenhang Gesellschaft-Individuum-Umweltzustand<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 2a Determinanten gesellschaftlichen und individuellen Handelns, die den Umweltzustand beeinflussen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 2b Wirkungsweisen des Umweltzustandes auf Gesellschaft und Individuum<\/p>\n\n\n\n<p>3 Umweltbewusstsein und Handlungsperspektiven (-intentionen) des Einzelnen<br><br>Umweltbewusstsein und Handlungsintentionen lassen sich am besten mittels eines Konzeptes von Schranken der Wahrnehmung und Schranken im Hinblick auf umweltbezogenes Handeln beschreiben.<br><br>Schranken der Wahrnehmung (Indikator: Bestreiten des Zustandes bei gleichzeitiger naturwissenschaftlicher Best\u00e4tigung desselben oder gleichzeitigem Nachweis der physiologischen Wirksamkeit) unterteilen sich in physiologisch-sensitive (nicht sehen, nicht h\u00f6ren, nicht f\u00fchlen) und kognitive (nicht wissen, nicht wissen wollen). Kognitive Schranken k\u00f6nnen auf Verdr\u00e4ngungsmechanismen oder auf politischen und kulturellen Einstellungen beruhen. Aktivit\u00e4tsschranken im Hinblick auf umweltbezogenes Handeln sind entweder gesellschaftlich-\u00f6konomische (es l\u00e4sst sich nichts machen), individuell-materielle (ich kann nichts tun) oder aber individuell-kognitive (f\u00fcr mich ist es sinnlos, etwas zu tun, vgl. Mertons Retreatism).<br><br>Das Modell m\u00f6chte ich verdeutlichen anhand der L\u00e4rmwirkungsforschung und den Daten eines empirischen Projekts \u00fcber den milit\u00e4rischen Tiefflug, welches wir an der Freien Universit\u00e4t in den Jahren 1987 und 1988 durchf\u00fchrten. Die Ergebnisse der Untersuchungen in dem Tieffluggebiet in Rheinland-Pfalz finden Sie hier (page id=) und diejenigen im Tieffluggebiet Norddeutschland finden Sie hier (page id=). Analysen zu physiologischen und psychologischen Auswirkungen hier (page id=).<br><br>Die naturwissenschaftliche Analyse bestand aus Messungen von Menge und Qualit\u00e4t der Ereignisse. Zentraler Gegenstand war die maximale Schallemission, die Spitzenwerte \u00fcber 120 dB(A) und Pegelanstiegsgeschwindigkeiten von bis zu 100 dB\/s erreichte, Schallereignisse, deren Qualit\u00e4t mit Explosionen oder Gewehrsch\u00fcssen vergleichbar sind. An Tagen mit gutem Flugwetter konnten wir deutlich \u00fcber 50 Ereignisse mit Spitzenpegeln \u00fcber 80 dB(A) feststellen.<br>Physiologische Auswirkungen wurden in erster Linie sekund\u00e4ranalytisch erfasst. Es ergaben sich Hinweise auf Geh\u00f6rsch\u00e4digungen und negative Auswirkungen auf Blutdruck, endokrines System und Peristaltik. Unsere Daten zeigten Schlafst\u00f6rungen, Schreckreaktionen, St\u00f6rungen von Kommunikation und Konzentration, verst\u00e4rkte Stressmomente, Real\u00e4ngste und Angstdispositionen sowie eine Beeintr\u00e4chtigung der gesundheitlichen Befindlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wirkungszusammenhang Gesellschaft &#8211; Individuum &#8211; Umwelt ist unter anderem dadurch gepr\u00e4gt, dass das Thema Tiefflug in der Bundesrepublik aktuell zu politischen Auseinandersetzungen Anlass gibt, wobei sich die Interessen des Bundesverteidigungsministeriums und der Hersteller von Milit\u00e4rflugzeugen denen der betroffenen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcberstehen. Der untersuchte Umweltzustand unterliegt prinzipiell politischen Entscheidungen und hat nicht den Grad der Notwendigkeit f\u00fcr das menschliche \u00dcberleben wie beispielsweise Wohnungsbau oder Energieproduktion, ist aber Teil des machtpolitisch bedeutsamen und emotionsgeladenen Komplexes \u00abVerteidigungsbereitschaft\u00bb und \u00abAufr\u00fcstung\u00bb versus \u00abAntimilitarismus\u00bb und \u00abZumutbarkeit der Belastung\u00bb. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis ist im Bewusstsein der Beteiligten pr\u00e4sent, was f\u00fcr viele relevante Umweltzust\u00e4nde nicht gilt.<br><br>In Bezug auf den kognitiven Bereich zeigte das Schrankenkonzept seine Leistungsf\u00e4higkeit. Es konnte dargestellt werden, dass physiologisch-sensitive Filter beim milit\u00e4rischen Tiefflug nicht wirksam sind, da die Ereignisse gleichzeitig optisch und akustisch und auch in einem Frequenzbereich wahrgenommen werden, der nicht nur \u00abgeh\u00f6rt\u00bb, sondern auch \u00abgef\u00fchlt\u00bb wird. Kognitive Schranken der Wahrnehmung hingegen lassen sich nachweisen. Gerade in Tiefstfluggebieten gab es einige Befragte, die die Ereignisse bestritten oder als nicht auff\u00e4llig bezeichneten. Wir fanden sowohl Verdr\u00e4ngungen als auch R\u00fcckwirkungen politischer Einstellungen als kognitive Schranken des Umweltbewusstseins. Handlungsschranken zeigten sich auf allen Ebenen. Das Hauptproblem besteht in den fehlenden oder mangelhaften Einflussm\u00f6glichkeiten (vgl. Parsons) der \u00abB\u00fcrger\u00bb auf die Entscheidungen der \u00abMilit\u00e4rs\u00bb, was in der aktuellen Diskussion zur Forderung nach der \u00abWiederherstellung des politischen Primats \u00fcber das Milit\u00e4rische\u00bb f\u00fchrt. Die angesprochene gesellschaftliche Schranke scheint wesentliches Bestimmungsmoment auch der individuell-materiellen und individuell-kognitiven Handlungseinschr\u00e4nkungen zu sein, deren St\u00e4rke mit dem Aufbau von Organisationsstrukturen und der Aufnahme des Themas durch Parteien, Wissenschaft und Presse abnimmt, in der Konsequenz zu Mertons \u00abRebellion\u00bb f\u00fchren kann.<br><br>Literaturverzeichnis<\/p>\n\n\n\n<p>Merton, R. K., Social Structure and Anomie. American Sociological Review, Vol. 3, No. 5 (Oct., 1938), S. 672-682.<\/p>\n\n\n\n<p>Parsons, Talcott, The Social System. New York: The Free Press, 1951.<\/p>\n\n\n\n<p>Estermann J.: Belastung der Bev\u00f6lkerung durch milit\u00e4rische Tieffl\u00fcge. Mitteilungen aus dem Schwerpunktbereich Methodenlehre, Heft 12, Institut f\u00fcr Soziologie der Freien Universit\u00e4t Berlin 1986, 2.A. 1987, pp 70, ISSN 0931-0886 \/ 12.<\/p>\n\n\n\n<p>Projektgruppe FLUG: FLUG &#8211; Tieffluguntersuchung Norddeutschland. Erhebung 1987. Mitteilungen aus dem Schwerpunktbereich Methodenlehre, Heft 16, Institut f\u00fcr Soziologie der Freien Universit\u00e4t Berlin 1988, pp 63, ISSN 0931-0886 \/ 16.<\/p>\n\n\n\n<p>Oremus D., Estermann J.: Wirkung von Tiefflug\u00fcbungen in Norddeutschland &#8211; Angst, Einstellungen und Handlungsmuster verschiedener Strata, in: Poustka F (Hg.): Die physiologischen und psychischen Auswirkungen des milit\u00e4rischen Tiefflugbetriebs, Bern, Stuttgart, Toronto, 1991, S. 183-201.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Josef Estermann, Berlin Weiterlesen Belastung durch milit\u00e4rische Tieffl\u00fcge \u00a9 ProLitteris, Josef Estermann Die Konzepte der Umweltsoziologie sind wie wohl keine andere \u00abBindestrichsoziologie\u00bb auf unterschiedliche Bereiche der Vergesellschaftung und der conditio humana ausgerichtet. 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