{"id":3717,"date":"2025-12-08T20:41:25","date_gmt":"2025-12-08T18:41:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3717"},"modified":"2025-12-29T23:02:46","modified_gmt":"2025-12-29T21:02:46","slug":"texte-von-jana-avanzini-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3717","title":{"rendered":"Texte von Jana Avanzini 3"},"content":{"rendered":"\n<p>3 &#8211; Kunst im Quadrat<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3720\"><strong>Weiterlesen <\/strong><\/a>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.99b40528-6a15-4124-a5c5-a5cd0ede6a08\">is, Jana Avanzini<\/p>\n<script src=\"https:\/\/ptag.prolitteris.ch\/ptag\/ptag.min.js\" onLoad=\"ptag('https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch','na','plzm.a1146b28-66ae-42e5-93e7-0d6f285d6338');\"><\/script>\n\n\n\n<p><strong>Kunst im Quadrat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Atelierbesuche bei vier Zuger K\u00fcnstlerinnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Texte erschienen zwischen Februar 2023 und Mai 2025 im Zug Kultur Magazin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1<br>Engagiert in der Kunst und drumherum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Zuger K\u00fcnstlerin Esther L\u00f6ffel ist bekannt f\u00fcr ihre grossformatigen Bilder. Im M\u00e4rz jedoch wird sie mit ihrer Skulptur <\/em>Free yourself \u2013 be yourself\u00bb <em>Teil einer feministischen Ausstellung im Z\u00fcrcher Hauptbahnhof. Wir haben sie in ihrem Atelier besucht und versucht, mehr \u00fcber sie zu erfahren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne scheint, \u00fcber dem See h\u00e4ngen noch ein paar Nebelschwaden. Wir steigen die paar Stufen runter ins Souterrain zu Esther L\u00f6ffels Atelier am Zuger Stadtrand. Seit 1985 arbeitet sie hier.<\/p>\n\n\n\n<p>An den W\u00e4nden h\u00e4ngen grossformatige Bilder mit der f\u00fcr die K\u00fcnstlerin typischen Pinselhandschrift, diese serviert uns Kafi und Basler L\u00e4ckerli.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten im Raum steht Esther L\u00f6ffels aktuelle Arbeit. Eine \u00abAdvancine\u00bb. Eine goldene Figur, die sie f\u00fcr eine Kunstausstellung im Z\u00fcrcher Hauptbahnhof, mit Vernissage am internationalen Frauentag, dem 8. M\u00e4rz, bearbeitet hat. Organisiert wird die Ausstellung vom Unternehmensverband Advance, der sich f\u00fcr die Gleichstellung und die Erh\u00f6hung des Anteils von Frauen im Management einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unter einem Netz voller Erwartungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem \u00abOpen Call\u00bb wurden Kunstschaffende eingeladen, sich mit dem Thema Gleichstellung auseinanderzusetzen. Ihre Botschaften sollen mittels einer zwei Meter grossen Skulptur, in einer vorgegebenen Form, transportiert werden. Eine unabh\u00e4ngige Jury entschied sich schliesslich f\u00fcr 30 der rund 100 eingegangenen Ideen. Die der Zuger K\u00fcnstlerin Esther L\u00f6ffel ist eine von ihnen.<br>Und ihre Arbeit ist bereits getan. Ganz in Gold steht die Figur da. Ein schwarzes Volierenetz liegt \u00fcber ihr, scheint sie am Hinaufsteigen hindern zu wollen. Es ist hinter ihr zusammengezogen, \u00fcber Kopf und Hand aber scheint es zu reissen. Die Hand der Figur ist erhoben, als w\u00fcrde sie sich aktiv aus dem Netz befreien. \u00abFree yourself \u2013 be yourself\u00bb hat Esther L\u00f6ffel sie genannt. An diesem sind 26 schwarze Pl\u00e4ttchen befestigt. Eingraviert darauf Begriffe wie \u00abalways there\u00bb, \u00abperfect mother\u00bb, \u00absexy\u00bb, \u00abflexible\u00bb. Patriarchale Erwartungen \u2013 Forderungen und Vorstellungen, die von den Eltern, vom Partner, von den Kindern, von den Familien, von der Unternehmung, vom Team, von den Vorgesetzten, von der ganzen Gesellschaft an Frauen gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschlechterdiskriminierung in Wirtschaft und Kunst<br><\/strong>\u00abEs gibt immer wieder Momente im Leben, in welchen einem die diskriminierenden Strukturen und die Ungleichheit der Geschlechter st\u00e4rker ins Bewusstsein gerufen werden. Wenn man Kinder bekommt, zum Beispiel\u00bb, sagt Esther L\u00f6ffel, selbst Mutter zweier, mittlerweile erwachsener Kinder. Ein anderes Mal sei es eine engagierte Person, deren Aktivismus den eigenen Kampfgeist wieder aktiviere, oder Studienergebnisse und Zahlen, die einem die Ausmasse der noch immer anhaltenden Diskriminierung der Geschlechter vor Augen f\u00fchren. Esther L\u00f6ffel z\u00fcckt die Dokumentation der Ausstellung: 77 Prozent der gesamten unbezahlten Haus- und Familienarbeit wird von Frauen gestemmt. \u00abNoch sehr viel Raum f\u00fcr Verbesserung!\u00bb So wie die 15 Prozent K\u00fcnstlerinnen-Anteil in Schweizer Museen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDie Business-Welt und die Kunstwelt unterscheiden sich sehr, und doch wird im Austausch schnell klar: Wir Frauen fechten darin die oft gleichen K\u00e4mpfe aus.\u00bb Man sollte sich deshalb viel mehr verbinden. Mittel und M\u00f6glichkeiten seien in der Wirtschaft oft sehr viel st\u00e4rker. Die Kunst hingegen finde andere Wege als der Kampf mit Statistiken, um Inhalte zu vermitteln, die Menschen zu ber\u00fchren und zum Nachdenken anzuregen. Genau das sei das Ziel in der Zusammenarbeit von Advance und 30 K\u00fcnstlerinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die K\u00fcnstlerin im Fokus<br><\/strong>Esther L\u00f6ffel ist bildende Zuger K\u00fcnstlerin, die im Raum Zentralschweiz und dar\u00fcber hinaus \u2013 auch in Berlin und Venedig \u2013 diverse Ausstellungen hatte und auch im Bereich Kunst am Bau t\u00e4tig ist. Im Jahr 2000 erhielt sie das Atelierstipendium des Kantons Zug in Berlin und im Jahr 1996 einen Werkbeitrag der H\u00fcrlimann-Wyss-Stiftung. Ihre Arbeiten sind jedoch in Zug auch im \u00f6ffentlichen Raum zu sehen \u2013 als Deckenmalerei in der Musikschule Baar beispielsweise.<br>Doch Esther L\u00f6ffel spricht lieber \u00fcber Inhalte als \u00fcber sich selbst. Stellt man ihr eine Frage zu ihrer Person, landet sie mit ihrer Antwort innert k\u00fcrzester Zeit wieder bei der Gesellschaft, bei Hintergr\u00fcnden und Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr unsichtbare Pionierinnen<br><\/strong>Esther L\u00f6ffel ist engagiert. 2021 erschuf sie eine goldene Frauenfigur f\u00fcr eine Ausstellung im Bundeshaus zur Gleichstellungsthematik. Sie spricht \u00fcber Sichtbarkeit von K\u00fcnstlerinnen, es geht um die Natur, um Gleichstellung in Wirtschaft und um Bildung. So setzt sie sich in den letzten Jahren gegen das F\u00e4llen alter B\u00e4ume ein, oder entwickelte als Zeichenlehrerin gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Lehrmittel \u00fcber wichtige aber wenig beachtete K\u00fcnstlerinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Recherche dazu habe sie unglaubliche K\u00fcnstlerinnen entdeckt. Broncia Koller-Pinell beispielsweise. \u00abIch will nicht bloss meine eigene Kunst machen. Ich m\u00f6chte auch Kunst entdecken, diesen Frauen eine Plattform bieten\u00bb, sagt L\u00f6ffel. Das tat sie beispielsweise oft auch in ihrer Kolumne in der Neuen Zuger Zeitung von 1992 bis 2002.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs ist \u00e4ussert wichtig, dass junge Frauen Vorbilder in allen Bereichen haben. Solange jedoch in Schulmaterialien nur m\u00e4nnliche K\u00fcnstler, Autoren, Wissenschaftler Thema sind, \u00e4ndert sich das nicht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit kleinsten Strichen in die Tiefe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bekannt ist Esther L\u00f6ffel f\u00fcr ihre grossformatigen, aber kleinteiligen Bilder, die durch unz\u00e4hlige kleine Linien in unterschiedlichen Farben immer dichter und dichter werden. So entstehen gewebeartige oder pflanzliche, dynamische Strukturen, die durch ihre unz\u00e4hligen \u00dcberlagerungen von Schichten neue Farbnuancen erzeugen und in undurchdringbare Tiefen zu f\u00fchren scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie sie gerade skulptural gerne mit Gold arbeitet, war und ist es in ihren Bildern oft Rot, das dominiert. \u00abIch liebe starke Farben, die man nicht \u00fcbersehen kann.\u00bb Deshalb auch reise sie gerne nach \u00c4gypten. \u00abDort leuchten die Farben nochmals anders.\u00bb Aufgewachsen ist Esther L\u00f6ffel in Bern, in einem Haus mit grossem, wildem Garten. In einem Geflecht, wie ihre Bilder es oft zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immer in Bewegung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Esther L\u00f6ffel ist ein Mensch in Bewegung. Sie scheint selten still zu sitzen, steht auch jetzt im Atelier immer mal wieder auf, um etwas von Nahem zu betrachten, etwas zu zeigen, zu bringen. Sie ist Winterschwimmerin, Mitglied im Kanuclub, bis vor kurzem ritt sie regelm\u00e4ssig. Und auch bei ihrer Arbeit ist sie immer in Bewegung, braucht eine Lockerheit in den Bewegungen, eine gute Haltung, einen Rhythmus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2000 im Atelier in Berlin habe sie mit der Linienmalerei begonnen, arbeitete mit immer differenzierteren Pinselstrichen. Immer vielf\u00e4ltiger wurde sie in dieser Technik, die in ihren Anf\u00e4ngen ganz spartanisch eingesetzt war. Esther L\u00f6ffel selbst sagt: \u00abIch schreibe meine Bilder.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Bestimmt drei Monate arbeite sie an einem einzigen Bild. Jeweils eine paar Stunden hochkonzentrierte Arbeit, dann braucht sie eine Pause \u2013 einen Spaziergang am See zum Beispiel. Den wird sie sich auch heute noch g\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nat\u00fcrlicherweise anecken!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Claude Seeberger verarbeitet in ihrer Kunst nicht nur ihr eigenes Leid. Nun wird sie eine vergangene, intensive Schaffensphase in Belgrad nochmals neu angehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIch wollte nie sch\u00f6ne Bilder malen.\u00bb Wenn Claude Seeberger \u00fcber ihre Kunst spricht, wird diese Haltung immer wieder deutlich. In ihrem Atelier h\u00e4ngt gerade eine Serie, die sie \u00abLa Grande Baignoire\u00bb nennt. Und obwohl die auf wenige Striche reduzierten Figuren auf Gelb und Rosa eine melancholische Ruhe ausstrahlen, sagt sie: \u00abMeine Bilder h\u00e4ngen selten \u00fcber dem Kamin.\u00bb Der Grund: Oft sei es das Kaputte und Aufw\u00fchlende, das in ihren Bildern dominiere.&nbsp;<br><br><strong>Schrecken am Esstisch&nbsp;<\/strong><br>Hinter einer schweren blauen T\u00fcre im beschaulichen Unter\u00e4geri hat Claude Seeberger ihr Atelier eingerichtet. Die 1953 in Zug geborene und aufgewachsene K\u00fcnstlerin serviert den Kaffee schwarz, ein Walzer klingt durch die W\u00e4nde \u2013 in der Ballettschule nebenan wird geprobt. Seit zwei Jahren malt sie hier, doch schon am 1. August dieses Jahres wird sie nach Belgrad reisen und bis Ende November im Atelier der St\u00e4dtekonferenz Kultur arbeiten. Die Zeit in Belgrad will sie dazu nutzen, eine ganze Reihe ihrer eigenen Werke, die in den 1990er-Jahren entstandenen \u00abNachtbuchbl\u00e4tter\u00bb, neu zu verstehen und weiterzuf\u00fchren. Benannt hat sie die \u00abNachtbuchbl\u00e4tter\u00bb angelehnt an \u00abTageb\u00fccher\u00bb. Mit \u00d6lstift, Bleistift und Ocker arbeitete sie \u00fcber Jahre praktisch t\u00e4glich daran. Bestimmt um die 200 kleinformatige Bilder sind entstanden, alle abends am Esstisch, wenn die drei Kinder schliefen.&nbsp;<br>Sie sind d\u00fcster, aggressiv, verzweifelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Verarbeitet hat sie in diesen abendlichen Arbeiten das, was damals an schrecklichen Informationen und Bildern aus den Jugoslawienkriegen bis in die Schweiz vordrang. \u00abIn meinen Arbeiten geht es oft um Verarbeitung von Gef\u00fchlen, um Krieg und Elend, von dem man im Westen lieber nicht zu viel wissen will\u00bb, sagt Seeberger. Figuren stehen dabei im Fokus, darunter und dar\u00fcber schichten sich Emotionen in Szenen, allt\u00e4gliche Objekte auch. \u00abIch denke in Bildern\u00bb, so die K\u00fcnstlerin. Und diese Bilder pr\u00e4gen bei Claude Seeberger neben eigenen Schicksalsschl\u00e4gen, Krankheit und Trauma auch oft die Tagespresse und die \u00abTagesschau\u00bb. So wie das ber\u00fchmte Foto des nackten schreienden M\u00e4dchens, das 1972 vor der Napalm-Wolke fl\u00fcchtet, brennen sich diese Bilder in ihr Ged\u00e4chtnis und wollen wieder heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Balkankriege in Seebergers Arbeiten so pr\u00e4sent waren, erkl\u00e4rt sie sich r\u00fcckblickend so: \u00abIch glaube, mich besch\u00e4ftigte damals vor allem, in meiner kleinen Familienidylle zu leben, w\u00e4hrend anderen Menschen solch unfassbare Brutalit\u00e4t und Gewalt angetan wird.\u00bb In ihrem Schaffen in Belgrad will sie nun den Fokus darauf legen, was von dem Schrecken von damals noch pr\u00e4sent ist \u2013 auch als Leerstelle m\u00f6glicherweise. Nach Belgrad wird sie nichts weiter mitnehmen als eine grosse Menge roter Farbstifte. Abgesehen davon will sie sich vor Ort und vom Ort inspirieren lassen.<br><br><strong>Low Budget<\/strong><br>Eine Weile arbeitete sie auf MDF-Platten, haupts\u00e4chlich jedoch bringt Seeberger ihre expressive Malerei roh und direkt auf Papier und auf Leinwand. Aufgezogen auf einen Rahmen wird ihre Kunst nicht. Selten malt sie auf sauberen Rechtecken, oft ist bereits die Leinwand schr\u00e4g geschnitten. Mit orangem Klebeband und mit Reissn\u00e4geln werden die Bilder an der Wand befestigt. Angefangen als freischaffende K\u00fcnstlerin im Jahr 1980 hat sie gar auf Packpapier. \u00abLow Budget\u00bb, sagt sie. \u00abIch gew\u00f6hne mich jeweils schnell an ein Material und an ein Format. Davon weg bekommt mich oft nur eine Ver\u00e4nderung der Umst\u00e4nde, wo ich male.\u00bb Auch die \u00fcblichen Stapel an Skizzenheften fehlen bei Claude Seeberger im Atelier. Stattdessen dokumentiert sie den Arbeitsprozess, die verschiedenen Stadien und Schichten ihrer Bilder mit dem Handy.<br><br><strong>Der eigene Weg<\/strong><br>Als Seeberger ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Luzern machte, nach der Lehrerinnenausbildung, war relativ klar: Wer von der Kunst leben will, muss sie verkaufen k\u00f6nnen. Und wer Kunst verkaufen will, sollte vielleicht besser Sonnenblumen statt Kriege als Sujet w\u00e4hlen. \u00abAber ich wollte keine Landschaften und kein Stillleben malen\u00bb, sagt Claude Seeberger.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nie habe sie an einem Stil, einem Material oder einer Handschrift bewusst festhalten wollen. \u00abVon mir aus muss man nicht erkennen: Ah, das ist ein Seeberger\u00bb, sagt sie. Wenn sie in ihrem Schaffen n\u00e4chstes Jahr oder mit 90 nochmals einen ganz neuen Weg einschlage, freue sie sich dar\u00fcber. Trotzdem gibt es einige Aspekte in ihren Arbeiten, die sich durchziehen und die viele ihrer Werke verbinden: Die reduzierte Figur ist omnipr\u00e4sent, das Weltgeschehen dahinter, und die Farbe Gr\u00fcn sucht man bei ihr bisher vergebens.<br>Dass Rosa und Gelbt\u00f6ne derzeit dominieren, liege wahrscheinlich an ihrer pers\u00f6nlichen Befindlichkeit. Im Moment brauche sie das Weiche, aber das werde sich auch wieder \u00e4ndern. \u00abEs ist nicht so, dass ich bewusst anecken will\u00bb, sagt Seeberger. Sie wolle einfach nur ihren eigenen Weg gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus dem K\u00f6rper heraus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sara Mas\u00fcger hat sich als Installations- und Skulpturenk\u00fcnstlerin international einen Namen gemacht. Nun steht eine Ausstellung im Zuger Kunsthaus an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schon als Kind faszinierten Sara Mas\u00fcger die Sterne. Welche Geschichten es dazu zu erz\u00e4hlen gibt und wie man sich an ihnen orientieren kann. Im Hundertseelendorf Finstersee, wo sie aufwuchs, suchte sie das Siebengestirn der Plejaden im dunklen Himmel.&nbsp;<br>Heute, an einem kalten Mittwochnachmittag im Z\u00fcrcher Letzigraben, scheinen ein paar verirrte Sonnenstrahlen durch die grossen Fenster in ihrem Atelier. Sie beleuchten die sieben Skulpturen, an welchen die K\u00fcnstlerin f\u00fcr die kommende Ausstellung im Zuger Kunsthaus arbeitet \u2013 inspiriert vom Sternenbild der Plejaden. Von Sternen, die \u00fcber Jahrtausende einer Vielzahl von Kulturen zur zeitlichen und \u00f6rtlichen Orientierung dienten, etwa bei Ackerbau oder Seefahrt, und \u00fcber die zahlreiche Geschichten und Mythen existieren: Menschen, die zu Sternen werden, Felsen, die zu Himmelsleitern wachsen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Raum und K\u00f6rper&nbsp;<\/strong><br>Ab Ende Oktober 2024 wird Sara Mas\u00fcger ihre neuste Werkgruppe gemeinsam neben Claudia K\u00fcbler und Jonas Burkhalter im Rahmen von \u00abTurning Tide\u00bb im Zuger Kunsthaus ausstellen. Mit zwei K\u00fcnstler*innen, die sie vor der anstehenden gemeinsamen Ausstellung nur fl\u00fcchtig kannte. Durch die Kuratorin Jana Bruggmann verbunden, trafen sie sich erstmals f\u00fcr die Planung und es passte sofort, sagt Sara Mas\u00fcger.&nbsp;<br>Die K\u00fcnstlerin wuchs in Finstersee auf und sp\u00e4ter in Baar, in einem kreativen Elternhaus \u2013 was ganz offensichtlich seine Spuren hinterlassen hat. Der Vater Weinh\u00e4ndler, die Mutter Bibliothekarin, wurde aus den drei Mas\u00fcger-Schwestern eine Musikerin, eine Schauspielerin und aktuelle Co-Leiterin des Zuger Burgbachkellers sowie eine bildende K\u00fcnstlerin.&nbsp;<br>Sara Mas\u00fcger gilt heute als eine der vielversprechendsten Schweizer Bildhauerinnen der j\u00fcngeren Generation. Mehrfach wurde sie f\u00fcr ihre Arbeiten ausgezeichnet, so zum Beispiel 2004 und 2006 mit dem F\u00f6rderbeitrag des Kantons Zug oder 2015 mit einem Cahier d\u2019artistes der Kulturstiftung Pro Helvetia. Nun steht die Gruppenausstellung im Zuger Kunsthaus an und n\u00e4chstes Jahr eine grosse Solo-Ausstellung in der Lokremise St. Gallen.&nbsp;<br>Ihre Ausbildung begann die heute 45-J\u00e4hrige im Jahr 1997 an der Schule f\u00fcr Gestaltung in Bern, wo sie bis 2000 Freie Kunst studierte. Im Jahr darauf war sie eine von 30 ausgew\u00e4hlten jungen K\u00fcnstler*innen, die von \u00fcber 1000 Bewerbungen an der Rijksakademie f\u00fcr bildende Kunst in Amsterdam aufgenommen wurden. Eine Ausbildung, die mit finanzieller Unterst\u00fctzung und einem eigenen Atelier mehr mit einer Residency als mit einem Studium gemein hat. Zusammen mit einem K\u00fcnstler aus Indien und einer K\u00fcnstlerin aus Argentinien studierte und lebte sie zwei Jahre in Holland \u2013 eine pr\u00e4gende Zeit f\u00fcr Mas\u00fcger als K\u00fcnstlerin.&nbsp;<br>Ein grosser Schritt in ihrer Karriere sei jedoch das Zuger Werkjahr 2014 gewesen. Mit 50 000 Franken dotiert war es der Preis, der ihr durch den Betrag ganz neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete. \u00abIch konnte damit gr\u00f6sser denken, ich konnte mehr Material kaufen, konnte einen Assistenten bezahlen \u2013 damit wurde viel mehr machbar.\u00bb Sara Mas\u00fcger kaufte sich 2,5 Tonnen Gips und schuf ihre erste raumnehmende Tunnel-Installation. Es folgten weitere Tunnel- und Grotten-Konstruktionen \u2013 weiss und ausgekleidet wie Tropfsteinh\u00f6hlen oder spiegelschwarz gl\u00e4nzend. Im Kunstmuseum Solothurn, im Kunstmuseum Chur. \u00abDas Werkjahr war dementsprechend pr\u00e4gend f\u00fcr mich. Die M\u00f6glichkeit, in gr\u00f6sseren Dimensionen zu denken und zu arbeiten, f\u00fchrte dazu, dass ich von gr\u00f6sseren Institutionen und auch international wahrgenommen wurde\u00bb, erz\u00e4hlt Mas\u00fcger. Es entstanden neue Kontakte und es folgten Ausstellungen unter anderem in Helsinki und Stockholm. \u00abDer Preis war ein riesiger Vertrauensvorschuss. Ich bin sehr dankbar, dass meine Arbeit so grossz\u00fcgig unterst\u00fctzt wurde.\u00bb&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Formen und Giessen&nbsp;<\/strong><br>Sich eine Assistenz leisten zu k\u00f6nnen, mache als Skulpturenk\u00fcnstlerin einen sehr grossen Unterschied, so Mas\u00fcger: \u00abEs ist eine extrem physische, schwere Arbeit. Wenn ich installiere, bin ich manchmal zehn Stunden auf einer Leiter, halte, bohre, streiche. Da ist man irgendwann am Limit.\u00bb Normalerweise mache sie Yoga und R\u00fcckentraining, um sich f\u00fcr die Arbeit fitzuhalten. \u00abAber wenn ich \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum an einer grossen Installation arbeite, lasse ich das Training jeweils wochenlang schleifen\u00bb, sagt sie und lacht.&nbsp;<br>Ihre neuen Figuren formt Sara Mas\u00fcger aus Tonerde. \u00abEs ist eine sehr physischer Prozess, es entwickelt sich ein Austausch beinahe wie mit einem Gegen\u00fcber.\u00bb Anschliessend baut sie eine Gussform und giesst darin ein Wachspositiv, mit dem anschliessend in der Kunstgiesserei St. Gallen mit Tombak \u2013 einer bronze\u00e4hnlichen Kupferlegierung \u2013 und einer Schamottform die Skulptur gegossen wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Umziehen und Transformieren&nbsp;<\/strong><br>Bei Sara Mas\u00fcger sind Leben und Arbeit eng verbunden. Besonders nachdem sie vor 19 Jahren Mutter geworden ist. Auch heute wohnt sie noch direkt \u00fcber ihrem Atelier. \u00abFr\u00fcher habe ich meist nachts gearbeitet, damit ich Ruhe hatte und wirklich eintauchen konnte in die Arbeit, was tags\u00fcber mit einem Kind oft schwierig war.\u00bb Dass sie mit ihrem Atelier in fr\u00fcheren Jahren oft umzog, habe sich auch auf ihre Kunst ausgewirkt. \u00abDer Atelierraum beeinflusst die entstehenden Skulpturen stark. Die r\u00e4umlichen Wechsel brachten mich jedoch dazu, die Skulpturen autonomer vom Raum zu denken und zu entwickeln. Die Skulpturen wurden kleiner, der Fokus vom Raum ging mehr zum K\u00f6rper hin, dem einzigen Raum eigentlich, den man immer mitnimmt, in dem man sich immer befindet\u00bb, sagt sie. Seit 2010 finden so zunehmend Fragmente von K\u00f6rperteilen Einzug in ihre Objekte. Und immer st\u00e4rker beginnt Sara Mas\u00fcger, ihren eigenen K\u00f6rper als Ausgangspunkt zu nutzen. Vor allem H\u00e4nde oder Teile des Kopfes verbinden sich in ihrer Arbeit zu abstrakten, teils apokalyptisch und unheimlich anmutenden Objekten und Landschaften. Schafft Sinnbilder f\u00fcr k\u00f6rperliche Erinnerung, Transformation und Verg\u00e4nglichkeit. Und doch sind ihre Arbeit und besonders die Pr\u00e4sentation stark vom Raum abh\u00e4ngig geblieben. \u00abIch beende meine Arbeiten immer im Raum. F\u00fcr die finalen Entscheidungen ist er sehr wichtig\u00bb, sagt Mas\u00fcger.&nbsp;<br>So auch in ihren neusten Skulpturen, die im Kunsthaus wie das Sternenbild angeordnet werden. Neben diesen wird sie bei der Ausstellung auch zwei bestehende Werkgruppen zeigen. Zum einen \u00abKinetic replacement\u00bb, bei der sie Bewegung in Skulpturen \u00fcbersetzte, und eine, die sich \u00abHalbsatz zur Schwerkraft\u00bb nennt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Felsen und Grotten&nbsp;<\/strong><br>\u00abBei den Plejaden interessiert mich besonders, die ungew\u00f6hnlichen matriarchalen Erz\u00e4hlungen aus den unterschiedlichsten Kulturen skulptural neu zu denken\u00bb, erkl\u00e4rt Mas\u00fcger. Besonders spannend sei f\u00fcr sie dabei die Geschichte des indigenen nordamerikanischen Volksstamms der Kiowa, die zum einen von den Plejaden handelt, zum andern von der Entstehung des ber\u00fchmten Felsens Tree Rock. Die Geschichte erz\u00e4hlt von sieben M\u00e4dchen, die ausserhalb des Dorfes spielten, von B\u00e4ren angefallen wurden, auf einen Felsen kletterten und diesen darum baten, zu wachsen, um sie vor den B\u00e4ren zu retten.&nbsp;<br>Der Felsen wuchs in die H\u00f6he, immer weiter und h\u00f6her, und schliesslich sprangen die sieben M\u00e4dchen in den Himmel hinauf, um zu Sternen und gemeinsam zu den Plejaden zu werden. Eine Geschichte, die nicht nur mit Felsen, Grotten und Steinen spielt, die ganz zentral f\u00fcr Sara Mas\u00fcgers skulpturales Schaffen sind, sondern auch eine Verwandlung, eine Transformation beschreibt, die bei ihr immer wieder eine wichtige Rolle spielt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wasser, Sterne und Gr\u00fcn dazwischen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abEintauchen!\u00bb nennt sich die Ausstellung, die im Kunsthaus Zug ansteht. Mit Yvonne Christen V\u00e1gner stellt dabei eine K\u00fcnstlerin aus, die sich einem ungew\u00f6hnlichen Material verschrieben hat. Einem lebendigen.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist hell, riecht nach Moos und Erde, im Hintergrund ein leises Pl\u00e4tschern. Das ist der erste Eindruck von Yvonne Christen V\u00e1gners Atelier im Z\u00fcrcher Kreis 4. Hier, im ersten Stock des grauen Industriegeb\u00e4udes, w\u00e4chst so einiges. Das Pl\u00e4tschern kommt aus flachen, mit Wasser gef\u00fcllten Kristallsch\u00fcsseln \u2013 in diesen wird mit Ultraschall ein Bodennebel erzeugt. Mystisch sieht es aus, aber der Grund f\u00fcr die technische Spielerei ist vor allem das Befeuchten der lebendigen Kunstwerke im Atelier.&nbsp;<br>Seit 15 Jahren arbeitet die geb\u00fcrtige Zugerin in diesem Haus an ihrer Kunst, direkt neben dem Atelier ihres Mannes, dem K\u00fcnstler und Theaterplastiker Jan V\u00e1gner.&nbsp;<br>Spanisches Moos h\u00e4ngt von der Decke, an den W\u00e4nden zu Blumen und Algen gewalztes Silberbesteck und auf Kristallglasplatten gedruckte Supernovas; unterschiedlichste farbige Abbildungen von explodierten Sternen.&nbsp;<br>Mehrere Quadratmeter des Bodens hat Yvonne Christen mit alten Dachziegeln ausgelegt, auf welchen die K\u00fcnstlerin das scheinbar tote Moos wieder zum Leben erweckt. Auch in Cocktailgl\u00e4sern und grossen Kristallsch\u00fcsseln gr\u00fcnt es.&nbsp;<br>Die hohen Fenster im Atelier hat Yvonne Christen fast durchgehend mit hellen Vorh\u00e4ngen verh\u00e4ngt, die den Blick ins Gr\u00fcne verbergen. Dort befindet sich am Waldrand ein wilder Garten und in grossen Plastikk\u00fcbeln sammelt sie Regenwasser, um ihre Kunst am Leben zu erhalten. T\u00e4glich besucht Yvonne Christen ihr Atelier. Und wenn es nur kurz ist, um das Moos zu giessen. Besser: zu bespr\u00fchen. Denn Moos hat keine Wurzeln, es braucht Wasser von oben. Und Moos ist eines der Materialien, mit welchen die 66-j\u00e4hrige K\u00fcnstlerin regelm\u00e4ssig und intensiv arbeitet. In der anstehenden Gruppenausstellung \u00abEintauchen!\u00bb im Kunsthaus Zug wird Yvonne Christen eines ihrer grossen Moos-Kunstwerke pr\u00e4sentieren. Und ihre ersten Gedanken gelten dem Kunsthaus-Personal. Das f\u00fcr ganze sechs Monate f\u00fcr das \u00dcberleben des Objekts zu sorgen hat. Und vielleicht gelegentlich ein ausgeb\u00fcxtes Tierchen, das darin lebt, im Museum einfangen muss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberall Parallelen&nbsp;<\/strong><br>Wir setzen uns in die Sofaecke des Ateliers \u2013 mit bunt gemusterten, gebl\u00fcmten Kissen und Decken \u2013 und trinken einen Kaffee. Der Raum l\u00e4sst erahnen, dass Yvonne Christen parallel an ganz unterschiedlichen Projekten und Werkgruppen arbeitet. Unterschiedliche Arbeitspl\u00e4tze sind in Betrieb, selbst das Fensterbrett neben den Vorh\u00e4ngen ist belegt.&nbsp;<br>Seit Beginn ihrer k\u00fcnstlerischen Karriere sei es der Fall, dass sie gleichzeitig an mehreren Projekten arbeite, erz\u00e4hlt Yvonne Christen. \u00abMir wurde auch irgendwann bewusst, dass sich einige Themen immer wieder wiederholen, manch- mal nach Jahren oder noch l\u00e4ngerer Zeit tauchen bestimmte Motive oder Materialien wieder auf und es finden sich Parallelen.\u00bb Gerade liegen auf dem Tisch getrocknete Moosst\u00fccke neben kleinen Mustern aus gegossenem Silber \u2013 auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten.&nbsp;<br>Sie sei fasziniert von der Kombination von K\u00fcnstlichkeit und Nat\u00fcrlichkeit, sagt Yvonne Christen. Und ein Gef\u00fchl f\u00fcr das Spiel menschlicher Interventionen in der Natur und organischen Materialien in k\u00fcnstlichen R\u00e4umen hat sie durch ihre Installationen in der Landart immer wieder bewiesen. Irritierend sind sie, aber auch poetisch und etwas melancholisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ohne Schnickschnack&nbsp;<\/strong><br>Yvonne Christen stammt bereits aus einer kreativen Familie. Die Eltern waren Coiffeure, der Bruder arbeitet heute als Grafiker, die Schwester als Maskenbildnerin am Theater. Ihr Ehemann ist ebenfalls K\u00fcnstler, eines ihrer beiden Kinder hat Animation studiert.&nbsp;<br>Die K\u00fcnstlerin selbst machte ihre Erstausbildung als Goldschmiedin. \u00abDoch das war mir alles zu eng, zu goldig und glitzerig, zu rich\u00bb, sagt sie heute \u00fcber diese Arbeit. Die grosse dunkle Brille, der locker gebundene Zopf, kein Schmuck, kein Schnickschnack \u2013 Christens Erscheinung passt zu dieser Aussage. Und zu ihren Arbeiten. Eine Klarheit in den nat\u00fcrlichen Materialien, im unverstellten Ausdruck.&nbsp;<br>Ihre Ausbildungen als Bildhauerin und Skulpturenk\u00fcnstlerin absolvierte sie an den Kunsthochschulen in Luzern und London und arbeitete bald haupts\u00e4chlich mit Installationen. Es entstanden grosse Sandskulpturen, Landart und hallenf\u00fcllende Arbeiten aus Kleister, Stoffen, Silber und Glas. Ihre Arbeiten waren in Estland zu sehen, in England, Argentinien Mexiko, oft in Tschechien und nat\u00fcrlich in der Heimat. Sie bespielt mit ihrer Kunst Bergsee-Ufer (Greina) und alte Ruinen (Moosmatte), Industriehallen (Emauzy), verwunschene W\u00e4lder (Root talk) genauso wie st\u00e4dtische Unorte (Little House).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00fcnstliche Nat\u00fcrlichkeit&nbsp;<\/strong><br>Das Moos entdeckte Yvonne Christen erst im Jahr 2016 f\u00fcr sich. Alleine reiste sie im Winter nach Island. Eigentlich um die Nordlichter aufzunehmen. \u00abDoch dann war es pl\u00f6tzlich der Boden, der mich besonders faszinierte. Das Moos beziehungsweise die Flechten\u00bb, sagt Christen. \u00abAlles so gr\u00fcn und weich und lebendig.\u00bb Sie hatte f\u00fcr ihre k\u00fcnstlerische Arbeit, die sich schon seit Anfang an in den Welten zwischen dem Wasser und den Sternen bewegt, ein neues Material entdeckt. Das Moos passt sich ein in diese Welten. In die Themen Zeitlichkeit und Endlichkeit, mit welchen sie sich besch\u00e4ftigt. Diese Themen werden f\u00fchlbar, wenn man durch die Dokumentation ihrer Arbeiten bl\u00e4ttert oder diese gleich live und in Farbe erlebt. Sie transportieren Ruhe und gleichzeitig schwingt eine Verunsicherung mit. Man f\u00fchlt sich geborgen und doch verloren im selben Moment.&nbsp;<br>Und wenn Yvonne Christen heute von Moos spricht, springt die Faszination schnell \u00fcber. Davon, wie viele verschiedenen Arten es gibt, und davon, dass das Urgew\u00e4chs \u00fcber 400 Millionen Jahre alt ist. Die erste Pflanze, die aus dem Wasser kam. Diese zieht sie nun im Garten hinter dem Atelier, sammelt es auch im Wald ein. Aber nur von Totholz, das ist ihr wichtig. Und um die verschiedenen Arten zu bestimmen, bringt sie die Moose in den Botanischen Garten in Z\u00fcrich. Hier wird unter dem Mikroskop gepr\u00fcft, ob es sich um eine gesch\u00fctzte Art handelt. \u00abIch bin keine Biologin\u00bb, sagt sie. Sehr klar bewegt sie sich jedoch im Bereich der Umweltthemen und geht mit viel Respekt und grosser Vorsicht mit dem lebendigen Material um. Nicht nur in ihrer Kunst. Dass sie seit kurzem bei den Klima-Seniorinnen Mitglied ist, verwundert daher kaum. Der nachhaltige Umgang mit Materialien ist bezeichnend f\u00fcr Yvonne Christen V\u00e1gners gesamte Arbeit.&nbsp;<br>Auch neben dem lebenden Material arbeitet Yvonne Christen mit Objekten, die eine Geschichte haben und in einen Kreislauf eingebunden sind. Dem Kreislauf n\u00e4mlich von Brockis, von tutti und von Ricardo. Kristallsch\u00fcsseln, Silberbestecke und deren edel gepolsterten Kisten, die Glaskugeln alter Fischernetze. Diese entdeckte sie in Portugal auf einem Flohmarkt und bald fanden sie sich durch Yvonne Christens Hand auf gr\u00fcn bewachsenen Felsen wieder. Die Wirkung wird selbst auf dem Foto transportiert, das an der Wand im Atelier h\u00e4ngt: eine nat\u00fcrliche K\u00fcnstlichkeit oder vielleicht auch umgekehrt.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3 &#8211; Kunst im Quadrat Weiterlesen \u00a9 ProLitteris, Jana Avanzini Kunst im Quadrat Atelierbesuche bei vier Zuger K\u00fcnstlerinnen. 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