{"id":3720,"date":"2025-12-08T20:55:26","date_gmt":"2025-12-08T18:55:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3720"},"modified":"2026-01-01T17:26:00","modified_gmt":"2026-01-01T15:26:00","slug":"texte-von-jana-avanzini-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3720","title":{"rendered":"Texte von Jana Avanzini 4"},"content":{"rendered":"\n<p>4 &#8211; Influencer<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=32\"><strong>Weiterlesen <\/strong><\/a>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.71dd3160-0f0f-43ae-8656-980e2ef48650\">is, Jana Avanzini<\/p>\n\n\n<script src=\"https:\/\/ptag.prolitteris.ch\/ptag\/ptag.min.js\" onload=\"ptag('https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch','na','plzm.71dd3160-0f0f-43ae-8656-980e2ef48650');\"><\/script><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hilfe, Influencer!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Man macht sich \u00f6ffentlich gerne \u00fcber sie lustig. Influencer sind f\u00fcr viele ein unverst\u00e4ndliches, gar l\u00e4cherliches Ph\u00e4nomen. F\u00fcr andere hingegen sind sie Helden, Idole, ihre Beraterinnen und Unterhalter. Ein Blick hinter die g\u00e4ngigen Klischees.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Texte erschienen 2019 im Elternmagazin Fritz&amp;Fr\u00e4nzi und im Pr\u00e4ventionsmagazin laut&amp;leise.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Influencerinnen und Influencer sind die Idole der Jugend von heute \u2013 und einmal mehr in der Geschichte der Menschheit steht die \u00e4ltere Generation mit verst\u00e4ndnislosem Kopfsch\u00fctteln am Rande und bel\u00e4chelt im Kollektiv, wie die Jugend ihre digitalen Herzchen verteilt und in \u00ablebenden Werbeplakaten\u00bb ihr Vorbilder sucht. Klischees \u00fcber und Kritik an Influencern gibt es zuhauf. Befeuert durch die mediale Pr\u00e4senz von oberfl\u00e4chlichen Beauty-Sternchen und dem Fingerzeig auf die absurden Ausw\u00fcchse der Influencerei. Mit dem neuen B\u00fcgelbrett sexy am Strand posieren, mit der Lichterkette in der Badewanne abtauchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine einflussreiche Person<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition eines Influencers lautet: Eine einflussreiche Person im Netz. Es sind Menschen, die in sozialen Netzwerken wie Instagram viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sich damit ein soziales Kapital aufgebaut haben. Sie pr\u00e4sentieren und inszenieren ihr Leben in Bildern und Videos, und machen dabei immer \u00f6fters auch Werbung. F\u00fcr Mode, f\u00fcr Reisen, Kosmetik, Autos oder technische Gadgets. Man k\u00f6nnte Influencer vereinfacht auch als Kr\u00f6nung des Testimonial-Marketings beschreiben. Doch der Unterschied zum Arzt, der die neuste Tube Elmex pr\u00e4sentiert, und zu einer Miss Schweiz, die f\u00fcr Wasserklosetts und Kreditfirmen Werbung macht, steht die Beziehung zu den Followern. Influencer tauchen nicht irgendwo in Werbungen auf. Die Werbung taucht irgendwo im Fluss \u00abprivater\u00bb Neuigkeiten der Influencer auf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abInfluencer sind Opinion-Leader, die in einem spezifischen Themengebiet \u00fcber ihre eigenen Kan\u00e4le Inhalte posten\u00bb, definiert Fabian Pl\u00fcss, Mitgr\u00fcnder der Agentur Kingfluencer die Szene. Die Agentur verkuppelt Influencer und Firmen. Die Agentur bewegt sich in einer Branche, die in der Schweiz bis 40 Millionen Franken j\u00e4hrlich umsetzt, mit der Tendenz, diese Zahlen j\u00e4hrlich zu verdoppeln. \u00abUnd dabei sprechen wir noch immer von einer Nische des Marketing, einem Anfangsstadium dieser Werbeform\u00bb, gibt Pl\u00fcss zu denken. Die digitale Welt, in welcher sich die Menschen immer st\u00e4rker bewegen, wird werbetechnisch noch viel wichtiger werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Falsches Bild in den Medien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein stark wachsender Marketingzweig in der digitalen Welt, doch die \u00e4ltere Generation steht dem mehr als kritisch gegen\u00fcber. Ein Ph\u00e4nomen, das nicht \u00fcberrascht und sich durch alle Medienentwicklungen zieht. Doch bei vielen Menschen besteht eine v\u00f6llig falsche Vorstellung der Qualifikation von Influencern. Sie gehen davon aus, dass diese lediglich Schnappsch\u00fcsse ins Netz stellen und beobachten, was passiert. Meist jedoch geh\u00f6rt zur Arbeit von Influencern Recherche und Strategien, das Entwickeln einer eigenen Bildsprache, Medienrecht, Marketing oder Grafik-Design. Doch die vielf\u00e4ltigen Themenbereiche von Influencern und das Professionelle am Beruf, das wird oft geflissentlich ignoriert. Fabian Pl\u00fcss sieht ein Problem auch in den Fehlinformationen, die weit verbreitet sind \u2013 und im Verhalten der Presse. Denn die Realit\u00e4t der Influencer stehe im krassen Gegensatz dazu, wo medial der Fokus gelegt wird. \u00abIn der Schweiz sind wohl lediglich 10 oder 20 Personen Vollzeit-Influencer. Die meisten der 1500 Menschen, die wir in unserer Kartei haben, sind Sportlerinnen, Komiker, Musikerinnen, Moderatoren, Models. Leute, die ihren Hauptberuf haben, ihre Themen, in welchen sie top sind\u00bb, so Pl\u00fcss. \u00abKeine Firma will sich mit einer Eintagsfliege schm\u00fccken, die f\u00fcr Trash-TV steht. Sie will sich an ein positives und glaubw\u00fcrdiges Image koppeln.\u00bb Um als Influencer zu funktionieren, braucht es Kredibilit\u00e4t. \u00dcber Werte, Wissen oder Talent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sex sells<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Netz fischen sie alle nach Followern. Und dabei ist bekannt, dass jugendliche Influencer immer mehr Likes bekommen, desto lasziver und freiz\u00fcgiger die Bilder sind. Eine Gefahr, glaubt die \u00e4ltere Generation. \u00abM\u00fcssen wir denn in sozialen Netzwerken heiliger tun, als die Welt ist?\u00bb, fragt Fabian Pl\u00fcss dazu provokativ aber durchaus berechtigt. Und auch Ulla Autenrieth gibt zu bedenken: \u00abEs geht in der Jugend viel um das Ausbilden der Geschlechts-Identit\u00e4t und um das Austesten und Kennenlernen der eigenen sexuellen Wirkung auf andere Menschen. Das haben Jugendliche schon immer gemacht \u2013 nur ist es heute \u00f6ffentlich, langfristig sichtbar und bewertbar.\u00bb Sie weigere sich jedoch, so stark auf die M\u00e4dchen zu fokussieren, wie es gemeinhin getan wird. Das sei doch eine paternalisierende Haltung, dass wir entscheiden, welche Art der Selbstdarstellung in Ordnung sei. Wichtig sei jedoch, mit jungen Menschen dar\u00fcber zu sprechen, weshalb sie sich in einer bestimmten Art darstellen und weshalb sie bestimmt Bilder mit H\u00e4me oder Herzchen \u00fcbersch\u00fctten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mehr Schein als Sein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur Sex-sells ist ein Thema. Wer durch Instagram scrollt, fliegt durch eine Scheinwelt von Makellosigkeit, Attraktivit\u00e4t und Luxus. Kritisch betrachtet, und immer wieder thematisiert wird auch der Druck in den sozialen Netzwerken, stets perfekt sein zu m\u00fcssen. So hiess es in den Anf\u00e4ngen von Social Media stets: \u00abHilfe, die Jugendlichen stellen nur peinliche Fotos von sich online. Halbnackt, betrunken, die bekommen deshalb keinen Job mehr.\u00bb Heute hingegen ist das Gegenteil der Fall. Jugendliche pr\u00e4sentieren sich perfekt, \u00abhaben es \u201aendlich kapiert\u2018. Doch jetzt kommen die Erwachsenen und sagen: \u201cDas ist ja alles nur Fassade. Die stellen sich alle viel zu positiv dar.\u201c Dabei k\u00f6nnte man genauso sagen: diese Entwicklung hin zur positiven Selbstdarstellung zeigt die Lernerfahrungen und Professionalisierung der jungen Menschen auf den sozialen Medien.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Werbung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Stichwort in der \u00f6ffentlichen Kritik an Influencern ist der Konsumismus. \u00abAvatare des Kapitalismus\u00bb, so hat die ZEIT sie genannt. Sie seien die Ausw\u00fcchse einer Gesellschaft, die Konsum \u00fcber alles stellt \u2013 ohne Inhalte. \u00abWer das meint, kennt Influencer nur aus der Berichterstattung in Boulevard-Medien\u00bb, sagt Fabian Pl\u00fcss. Nat\u00fcrlich gehe es im Influencer-Marketing um Werbung. Doch die Vorstellung sei komplett falsch, dass Influencer pausenlos Werbung absetzten. \u00abDas hat nichts mir der Realit\u00e4t zu tun. Die meisten lassen ihre Follower regelm\u00e4ssig an ihrem Leben teilhaben, informieren \u00fcber ihre spezifischen Themen in Sport, Wissenschaft oder teilen ihre Reisen. Und dazwischen, manchmal nach Tagen, vielleicht Wochen landet Werbung darin.\u00bb Oft passiere dies jedoch so subtil, dass es kaum wahrgenommen werde. Follower empf\u00e4nden das zu gr\u00f6ssten Teilen nicht als st\u00f6rend, sondern nehmen die Werbung ihrer Idole gerne als Empfehlungen an. \u00abWer will schon selbst herausfinden, welcher von 300 Mascaras der Beste ist? Lieber verl\u00e4sst man sich auf seine Lieblings-Beauty-Influencerin, der man vertraut und die, vielleicht als Model oder Kosmetikerin, viel Erfahrung damit hat.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nano oder Mega?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ab wie vielen Followern man in den sozialen Netzwerken Relevanz hat, ist extrem zielgruppenabh\u00e4ngig. Bloggt man zum Thema Astro-Physik, sind 5000 Follower beispielsweise enorm. Bei Travel-Blogs hingegen ist das nicht viel. Am erfolgreichsten sind Influencer in den Themenfeldern Reisen, Gaming, Lifestyle und Beauty. Kingfluencer unterscheidet dabei zwischen Nano, Mikro, Marko und Mega-Influencern. Zu den Nanos geh\u00f6rt man bereits mit rund 1000 Followern. Fast jede Person mit etwas Reichweite in einem sozialen Netzwerk ist also theoretisch ein Influencer. Und praktisch jede Person, die online einen eigenen Kanal unterh\u00e4lt \u2013 einen Blog, Vlog, ein Social-media-Profil \u2013 und in ihrem Bereich erfolgreich ist, influenct. Mehr oder weniger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interview<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer Influencer ganz genau unter die Lupe nimmt, ist Ulla Autenrieht. Die Medienwisschenschaftlerin und Mutter zweier Kinder forscht an der Universit\u00e4t Basel zum Thema Mediennutzung und -kompetenz von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ulla Autenrieth, was tun, wenn die Tochter mit 13 Jahren entscheidet, dass sie sich nun als Influencerin einen Namen machen will?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erstmal ist es toll, wenn sie damit zu den Eltern kommt und \u00fcber ihre W\u00fcnsche und Ziele spricht und diese nicht mit einem Account mit bereits 60&#8217;000 FollowerInnen \u00fcberrascht. Ich w\u00fcrde diesen Wunsch auf jeden Fall annehmen und herausfinden, welchen Aspekt sie daran reizt und wie viel Ernsthaftigkeit dahintersteckt. Model, Rockstar, Profi-Fussballer \u2013 die glamour\u00f6sen Berufsw\u00fcnsche hatte fast jeder als Jugendliche mal und die Eltern verdrehten die Augen. Heute kommen die Influencer dazu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch was, wenn der Wunsch wirklich ernst ist. Wie gehe ich damit um? Soll ich Sie dabei unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Absolut. Ich w\u00fcrde dabei empfehlen, inhaltlich zu arbeiten, weg von den Klischees. Die Frage ist, welche Dinge interessieren das Kind? Wor\u00fcber will es sich definieren und vielleicht auch eine gr\u00f6ssere Community finden? Tanzen, N\u00e4hen, Lego? Wir reden meist \u00fcber die popul\u00e4rsten Influencer in Lifestyle oder Beauty und tragen damit selbst dazu bei, Klischees zu verfestigen. Aber es gibt so viele unterschiedliche Felder mit teilweise sehr grosser Expertise und Kreativit\u00e4t. MaiLab beispielsweise ist eine junge Chemikerin, die Experimente und ihr Leben als Wissenschaftlerin zeigt, mittlerweile mit eigenem Fernseh-Programm. Ein anderes Beispiel ist Coldmirror, die eher k\u00fcnstlerische und gesellschaftskritische Inhalte produziert. Diese jungen Frauen h\u00e4tten auch Werbung f\u00fcr Lippenstift machen k\u00f6nnen, haben sich aber f\u00fcr das entschieden, was wirklich ihr Ding ist. Und das ist der Punkt: Mit was man sich positionieren will.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viele Likes gibt es bekannterweise f\u00fcr sexy Fotos und nicht f\u00fcr Legot\u00fcrme. Lolita-Posen, Schmollmund und freiz\u00fcgige Bilder. Wie gehe ich damit um, wenn sich meine Tochter mit solchen Posen pr\u00e4sentiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man muss hierbei bedenken: Es geht in der Jugend viel um das Ausbilden der Geschlechts-Identit\u00e4t und um das Austesten und Kennenlernen der eigenen sexuellen Wirkung auf andere Menschen. Das haben Jugendliche schon immer gemacht \u2013 nur ist es heute \u00f6ffentlich, langfristig sichtbar und bewertbar. Ich weigere mich, dass wir uns wieder so stark auf die M\u00e4dchen fokussieren. Sie werden damit in eine sexualisierte Opferrolle gedr\u00e4ngt. \u00abDu stellst dich so dar, dann muss du auch mit einem Shitstorm umgehen k\u00f6nnen.\u00bb Das ist doch eine paternalisierende Haltung, dass wir entscheiden, welche Art der Selbstdarstellung okay ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dann sind Bikini-Bilder okay?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Aussage ist mir zu pauschal. Die Haltungen sind je nach Familie und Kultur extrem unterschiedlich. Wichtig ist eine offene Diskussion dar\u00fcber, weshalb sich Kinder oder Jugendliche in einer bestimmten Art darstellen m\u00f6chten. Dar\u00fcber, was sie zeigen wollen, aus welchen Gr\u00fcnden und wie. Wenn ich sage: \u00abDas sieht billig aus, das darfst du nicht!\u00bb hat das keinen Entwicklungswert. Lass uns doch mit den M\u00e4dchen und Jungen dar\u00fcber reden, weshalb sie bestimmte Bilder mit Beleidigungen oder Komplimenten kommentieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ab wann z\u00e4hlt man als Influencerin eigentlich dazu?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sehr zielgruppenabh\u00e4ngig. Blogge ich zum Thema Astro-Physik, sind 5000 Follower enorm. Bei einem Travel-Blog hingegen w\u00e4re das nicht viel. Am erfolgreichsten sind Influencer in den Themenfeldern Reisen, Gaming, Lifestyle und Beauty.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seit Herbst 2018 gibt es auch in der Schweiz einen Lehrgang f\u00fcr Influencer. Was beinhaltet eine solche Ausbildung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt mittlerweile einige Lehrg\u00e4nge. Was man dort vermittelt bekommt, ist beispielsweise Medienrecht, Marketing oder Grafik-Design \u2013 die handwerklichen Dinge. Bei vielen Menschen besteht eine falsche Vorstellung der Qualifikation von Influencern. Sie stellen nicht Schnappsch\u00fcsse ins Netz und beobachten, was passiert. Dahinter stecken Recherche und Strategien zu Zeitpunkt, Bildsprache \u2013 oft haben sie eine eigene \u00c4sthetik, ein Corporate Design. Dazu kommen sehr umfangreichen Arbeitszeiten. Doch alle Ausbildung, Recherche und der beste Filter machen noch keine erfolgreiche Influencerin. Das gewisse Etwas geh\u00f6rt ebenfalls dazu. Wie als Model, als S\u00e4nger oder Moderatorin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb sind trotzdem viele Menschen diesem Berufsfeld gegen\u00fcber kritisch eingestellt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt an einem Ph\u00e4nomen, das sich durch alle Medienentwicklungen zieht: Was junge Leute machen, besonders was junge Frauen machen, wird von den \u00e4lteren Generationen maximal kritisch betrachtet. \u00abDas kann ja nichts Rechtes sein.\u00bb Es hat sich nicht \u00fcber Jahre etabliert und es gibt keine offizielle Ausbildung nach formalen Kriterien daf\u00fcr. Es wird als laienhaft und klischeehaft kategorial abgestempelt. Das Professionelle daran und das weite Feld an Themenbereichen werden oft gar nicht wahrgenommen. F\u00fcr viele sind es lediglich \u00abein paar M\u00e4dchen, die zuhause rumsitzen und einen Lippenstift in die Kamera halten.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird dieses \u00abLippenstift in die Kamera halten\u00bb zu Unrecht kritisiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich \u00fcberlegt, mit welchem Erfolg das einige machen, dann definitiv. Das muss man erstmal so hinbekommen, dass Millionen es toll finden und Firmen einen daf\u00fcr bezahlen. Man kann Influencer in diesem Aspekt auch mit K\u00fcnstlern vergleichen, die f\u00fcr ihre Bilder unglaubliche Summen erhalten: Jeder kann einen einzelnen Strich auf eine Leinwand malen und bekommt trotzdem keine Millionen daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weshalb geht mir der Vergleich mit K\u00fcnstlern gegen den Strich? <\/strong><strong>Sind Influencer nicht einfach bloss lebende Werbetafeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re die extrem entgegengesetzte Haltung. Wenn wir Influencer mit klassischen Werbedarstellern vergleichen, wird das deutlich. Durch Influencer haben wir so kompetente und authentische Werbung wie noch nie. Denn sie \u00abh\u00e4ngen und sterben\u00bb mit ihrem Namen und ihrer Person daf\u00fcr, wof\u00fcr sie werben. Influencer m\u00fcssen stark auf Branding und Glaubw\u00fcrdigkeit achten. Der Shitstorm kommt schnell, wenn sie ein Shirt bewerben, dass unter miesen Bedingungen hergestellt wurde. Im Gegensatz zu einem Model in einem Katalog, das kaum als Person mit den Produkten in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind die Follower so kritisch? Recherchieren gerade die J\u00fcngeren Produktionsbedingungen von Marken-Shirts?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist das unterschiedlich. Aber beobachtet man die aktuellen Jugendbewegungen, sieht man, wie viele Jugendliche in vielem durchaus kritisch sind, wo wir gar nicht hingesehen haben. Jungen wird grunds\u00e4tzlich gerne vorgeworfen, sie seien naiv und konsumorientiert. Und im Alter f\u00fchlt man sich den J\u00fcngeren meist \u00fcberlegen. Diese \u00abAltersdiskriminierung\u00bb w\u00fcrde ich stark hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen wir zur\u00fcck zur 13-j\u00e4hrigen Tochter. Sie hat sich das \u00fcberlegt und m\u00f6chte nun zum Thema Lego influencen. Wie unterst\u00fctze ich sie dabei?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes sollte man sich vergleichbare Accounts anschauen. Da gibt es grossartige Sachen. Dann kann man sich \u00fcberlegen, was kann sie oder was k\u00f6nnen wir anders, \u00e4hnlich, neu machen? Stellt sie sich in den Fokus oder bleibt sie im Hintergrund? Macht sie aufw\u00e4ndige Filme oder arbeitet sie vor allem mit Bildern? Gibt sie Tipps oder stellt sie Aufgaben? Dann geht es ums vernetzen mit Menschen, die dasselbe interessiert, produzieren, online stellen. In all dem kann man sie konstruktiv begleiten. Und auch darin, aufzuzeigen, wo sie aufpassen muss \u2013 wenn jemand zum Beispiel Fotos von ihr will, oder die Adresse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das h\u00f6rt sich nach ziemlich Aufwand an!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz bestimmt. Es ist nicht nur Licht, Kameraf\u00fchrung und Schnitt. Auch Inhalt und Hintergrund. Und es ist auch gut, dass die Kinder und Jugendlichen das sehen. Es kann aber auch viel Spass machen und je nach dem zu einem gemeinsamen Hobby in der Familie werden. Wichtig finde ich grunds\u00e4tzlich, dass man einen konstruktiven Umgang mit diesen neuen Medien pflegt. Es reicht halt eben nicht mehr, einfach dazusitzen und zu sagen: \u00abGef\u00e4hrliche Medien, b\u00f6se Menschen und sowieso sind die P\u00e4dophilen \u00fcberall!\u00bb Wir m\u00fcssen aktiv werden. Und klar ist das viel Arbeit. Das sag ich aus professioneller Perspektive und als Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es Influencer, die mir dabei helfen? Damit ich nicht gleich einen Lehrgang besuchen muss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Personen, die dazu interessante und hilfreiche Infos bieten sind zum Beispiel Heiko Bielinski oder <em>\u00ab<\/em><em>dasnuf\u00bb Patricia Cammarata. Die haben sich intensiv mit diesen Themen, den M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen besch\u00e4ftigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Apropos Gefahren. Immer wieder ist Thema, dass auf den sozialen Medien alle perfekt zu sein scheinen. Wie bewerten sie den Druck, der dadurch auf die Jugendlichen wirkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich seit \u00fcber zehn Jahren mit dem Thema und m\u00f6chte deshalb etwas vorwegnehmen. Erinnern wir uns an die Anf\u00e4nge von Social Media, als es hiess: \u00abHilfe, die Jugendlichen stellen nur peinliche Fotos von sich online. Halbnackt, betrunken, die bekommen deshalb keinen Job mehr.\u00bb Heute ist das kein Thema mehr. Heute zeigen sie nur ihre guten Seiten, sie haben es sozusagen \u201aendlich kapiert\u2018. Doch jetzt kommen die Erwachsenen und sagen: \u00abDas ist ja alles nur Fassade. Die stellen sich alle viel zu positiv dar. Ihr bringt uns alle um!\u00bb Dabei k\u00f6nnte man ebenso sagen: diese Entwicklung hin zur positiven Selbstdarstellung zeigt die Lernerfahrungen und Professionalisierung der Jugendlichen auf den sozialen Medien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trotzdem ist das Thema Druck sehr pr\u00e4sent: Weiss man, wie sich diese Welle von Makellosigkeit, Attraktivit\u00e4t, Luxus sich auswirkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man traut den Jugendlichen auch hier zu wenig zu. Der Einfluss wird \u00fcbersch\u00e4tzt und die Lernerfahrung untersch\u00e4tzt. Wenn man Jugendliche befragt wird klar, ihnen ist definitiv bewusst, dass viel inszeniert ist, und dass im Freundeskreis andere Probleme den Alltag beeinflussen. Es gab neulich auch eine Studie, die den Einfluss von Social Media auf unser Wohlbefinden untersucht hat. Die Auswirkungen sind laut dieser Untersuchung offenbar marginal. Der Konsum von Kartoffeln wirkt sich gleich stark aus, wie der Konsum von Social Media. (Gel\u00e4chter.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><br>Experten empfehlen, dass man Kinder ab Kindergartenalter an die sozialen Medien heranf\u00fchrt. Wie soll das gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist: Die Eltern sind oft mit dem Smartphone besch\u00e4ftigt und die Kinder deshalb neugierig. Man sollte sie deshalb altersgem\u00e4ss einbeziehen. Wichtig ist zu besprechen, was ich mir anschaue, wie lange, weshalb? Wem schicke ich welche Bilder und wann lege ich das Smartphone auch mal ganz weg?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>An Sie als Mutter und Medienwissenschaftlerin: Wie kann ich das Kind konkret damit vertraut machen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon Kleinkinder verstehen, dass man mit den Grosseltern skypen oder ihnen Fotos schicken kann. Man kann das gemeinsam tun und zum Beispiel auch Emojis anschauen und diskutieren, was sie bedeuten. Es gibt auch tolle Bilderbuch-Apps f\u00fcr Kleinkinder oder solche, mit welchen man Buchstaben lernen kann. Eine solche hat mein Sohn geliebt. Damit hat er auch mal zwei Stunden gespielt. Da stellt sich die Frage der Perspektive. Nerve ich mich, dass mein Sohn seit zwei Stunden vor dem Handy hockt, oder freue ich mich dar\u00fcber, dass er schon so lange eigenmotiviert und begeistert lesen und schreiben lernt? Mediennutzung ist nicht gleich Mediennutzung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir sprechen nun von Lern-Apps und Kommunikation und von j\u00fcngeren Kindern. Was, wenn aber der Jugendliche einfach stundenlang durch Instagram scrollt. Wie gehe ich damit um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er das tut, aber daneben auch noch vieles anderes \u2013 wenn er aktiv am Leben teilnimmt und dieses \u00abScrollen\u00bb zwischendurch als Entspannung nutzt, so wie wir auch, sehe ich kein Problem. Wenn er jedoch kaum noch rausgeht und an anderem keine Freude zeigt, dann sollte man es sicher ansprechen und kl\u00e4ren, was zu kurz kommt. Wichtig ist auch, Alternativen anzubieten. Gemeinsames Wandern, Ausfl\u00fcge ins Museum oder in den Tierpark, ein Kurs oder ein Hobby. Was nicht hilft, ist, wenn man sich bloss hinstellt und sagt: \u00abLass das!\u00bb Auch da sollte man bei sich als Vorbild ansetzen. Man merkt dann schnell wie schwer es ist, und wie oft man die eigenen Regeln \u00fcbertritt. Was soll man da sagen: Kinder haben ist ein Minenfeld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><br>Wie kritisch sehen Sie Influencer, die auf dem Profil ihre Kinder zeigen und vermarkten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hier geht es um die grunds\u00e4tzliche Frage, ob man Kinderfotos online stellen darf oder nicht. Oft sind Kinder f\u00fcr ihre Eltern ein grosser Teil ihres Lebens. Und zeigen sie ihre Leben, geh\u00f6rt da auch das Kind dazu. Wichtig finde ich dabei: \u00abKinder zeigen\u00bb ist nicht gleich \u00abKinder zeigen\u00bb. Man kann beispielsweise auch nur die Hand, den Hinterkopf oder das Kind von weitem zeigen. Grunds\u00e4tzlich finde ich es eine krasse Haltung, wenn man Kinderfotos online verteufelt. Und muss ich dann nicht auch fragen: Warum sollte es in anderen kommerziellen Kontexten wie Werbung, Unterhaltung, Journalismus etc. akzeptable sein? Was w\u00fcrde es bedeuten, wenn Kinderfotos nicht mehr gezeigt werden d\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie argumentieren Sie gegen diese Haltung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Social Media spiegeln unsere Gesellschaft, und Kinder sind ein Teil davon. Wollen wir eine Welt, in der Kinder und Familien nicht sichtbar sind? Man muss auch bedenken, dass Sichtbarkeit ein politisches Instrument ist. Zudem haben Nachfragen bei Kindern selbst gezeigt, dass sie auch sichtbar sein m\u00f6chten und teilweise entt\u00e4uscht sind, wenn sie nicht auftauchen. Sie fragen sich: \u00abWar ich nicht dabei? Haben wir nichts Tolles unternommen? Bist du nicht stolz auf mich, oder war ich dir gar peinlich?\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peinlich ist ein gutes Stichwort. Oft wird kritisiert, Eltern w\u00fcrden peinliche Fotos ihrer Kinder online stellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird hier immer sehr in Extremen argumentiert. Die zur \u201aVeranschaulichung\u2018 gezeigten Beispiele entstammen dabei h\u00e4ufig Stockbildagenturen, also den bereits erw\u00e4hnten \u201aprofessionellen\u2018 Kontexten. Eltern wollen ihr Kind grunds\u00e4tzlich ja nicht unvorteilhaft zeigen oder blossstellen. Nat\u00fcrlich ist die Darstellung teilweise eine Geschmacks- und Einstellungsfrage. Wie so vieles bei der Verantwortung f\u00fcr Kinder: Stoffwindeln oder nicht, vegan oder nicht, impfen oder nicht? Es ist ein Minenfeld. (Sie lacht.)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4 &#8211; Influencer Weiterlesen \u00a9 ProLitteris, Jana Avanzini Hilfe, Influencer! Man macht sich \u00f6ffentlich gerne \u00fcber sie lustig. Influencer sind f\u00fcr viele ein unverst\u00e4ndliches, gar l\u00e4cherliches Ph\u00e4nomen. F\u00fcr andere hingegen sind sie Helden, Idole, ihre Beraterinnen und Unterhalter. Ein Blick hinter die g\u00e4ngigen Klischees. Die Texte erschienen 2019 im Elternmagazin Fritz&amp;Fr\u00e4nzi und im Pr\u00e4ventionsmagazin laut&amp;leise. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3720\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Texte von Jana Avanzini 4<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3720","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3720"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3781,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3720\/revisions\/3781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}