{"id":4159,"date":"2026-10-11T15:09:03","date_gmt":"2026-10-11T13:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=4159"},"modified":"2026-10-11T15:58:05","modified_gmt":"2026-10-11T13:58:05","slug":"mehr-repression-gleich-viel-konsumenten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=4159","title":{"rendered":"Mehr Repression &#8211; gleich viel Konsumenten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=3842\"><strong>Weiterlesen <\/strong><\/a>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.424998c4-b10e-46f4-b39f-eb36d63b7f46\">is,  Josef Estermann\n<script src=\"https:\/\/ptag.prolitteris.ch\/ptag\/ptag.min.js\" onload=\"ptag('https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch','na','plzm.0d86ec09-e43b-4028-aa41-ea7593714ffa');\"><\/script><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Sozialepidemiologie des Drogenkonsums. Von Josef Estermann, Soziologe, Bern<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund der aktuellen Crack-Krise in Schweizer St\u00e4dten m\u00f6chte ich auf unsere Erfahrungen mit der Heroinkrise der neunziger Jahre Bezug nehmen. Die mit Drogenkonsum in Zusammenhang stehende Verelendung einer nicht kleinen Zahl von Menschen, welche in den Innenst\u00e4dten offensichtlich wird, bedarf der sozialpolitischen Intervention. Erfolgreich waren immer nur Strategien, die in den Bereichen Medizin und Sozialer Arbeit entwickelt wurden, w\u00e4hrend allein polizeilich bestimmte Strategien regelm\u00e4ssig nicht zun einer Verbesserung der Situation f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Artikel erschien erstmals in der NZZ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Zahl der polizeilichen Verzeigungen hat sich von 1990 bis 1993 mehr als verdoppelt, die Zahl der Drogentoten wuchs von 1990 auf 1991 um 30%. In den letzten vier Jahren ver\u00e4nderte sich jedoch die Zahl der regelm\u00e4ssigen Benutzer von Heroin oder Kokain nicht messbar. Ge\u00e4ndert haben sich seil 1991 die Rahmenbedingungen des Drogenkonsums: Die Repression hat gegen\u00fcber der medizinischen Versorgung und der Betreuung durch die Sozialarbeit an Gewicht gewonnen. Und sie scheint sich einem Grenznutzen zu n\u00e4hern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pr\u00e4valenz des Drogenkonsums &#8211; die Anzahl der Konsumenten von Heroin und Kokain oder der Anteil der Konsumenten an der gesamten Bev\u00f6lkerung der Schweiz &#8211; ist schwer zu\u00b7 sch\u00e4tzen. Die Spannweite zwischen Gelegenheitskonsumenten und Schwerstabh\u00e4ngigen ist gross. Dazu kommt, dass Heroin oder Kokain konsumierende Personen um die Illegalit\u00e4t des eigenen Tuns wissen und sich verst\u00e4ndlicherweise der simplen Z\u00e4hlung entziehen. Dennoch verf\u00fcgen die Institutionen der Drogenrepression, also Polizei, Justiz und Gef\u00e4ngnisse, \u00fcber die besten Datenbest\u00e4nde. Deren Vollst\u00e4ndigkeit und Umfang h\u00e4ngt im wesentlichen von zwei Faktoren ab: erstens von den Lebensumst\u00e4nden und der Geschicklichkeit oder Ungeschicklichkeit der einzelnen Konsumentinnen und Konsumenten, sich erwischen oder nicht erwischen zu lassen, und zweitens von den Ressourcen. Eine halbe Milliarde Franken gaben Gemeinden, Kantone und Bund im Jahre 1991 zur Bek\u00e4mpfung des Drogenhandels und -konsums in den Bereichen Polizei, Justiz und Strafvollzug aus. Es ist dies ein Zehntel s\u00e4mtlicher Ausgaben von Polizei, Justiz und Strafvollzug und etwa ein Sechstel der Gesamtausgaben s\u00e4mtlicher Schweizer Hochschulen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Polizeibeamte und auch breite Teile der Bev\u00f6lkerung glauben, dass ein vermehrter Einsatz von Personal und eine Erh\u00f6hung der Zahl der Gef\u00e4ngnispl\u00e4tze eine schlagkr\u00e4ftige Antwort auf eine sich vermehrende Zahl von Konsumentinnen und Konsumenten sei und dass sich dann auch gen\u00fcgend Abschreckung und Abstinenz einstelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche in Eltern- und Angeh\u00f6rigenvereinen organisierte Menschen nehmen dagegen an, dass ein vermehrter Einsatz repressiver Art die Konsumentinnen und Konsumenten tiefer in ihr Elend treibe und so kriminelle Verhaltensweisen und das Verbreiten der inkriminierten Suchtmittel in die bisher unbelastete Bev\u00f6lkerung f\u00f6rdere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mehr Verzeigungen &#8211; mehr Konsumenten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl der pro Jahr durch die Polizei identifizierten Personen hat sich zwischen 1990 und 1994 fast verdoppelt. Auf den ersten Blick zeichnet sich eine dramatische Epidemie des Missbrauchs von Heroin und Kokain ab. Der j\u00e4hrliche relative Zuwachs von Verzeigungen sinkt hingegen tendenziell. Da die Anzahl der Konsumenten nicht unendlich gross ist, muss sich bei einer hohen positiven Wachstumsrate die Zahl der identifizierten jener der \u00fcberhaupt identifizierbaren Konsumenten und Konsumentinnen n\u00e4hern. Jede zus\u00e4tzliche, schwerer erreichbare Person muss mit einem immer gr\u00f6sseren Aufwand erfasst werden. Die maximale Wachstumsrate wurde 1991 erreicht, seither n\u00e4hert sie sich der S\u00e4ttigungsgrenze. Damit steigen die relativen Kosten einer weiteren Steigerung der repressiven Aussch\u00f6pfung \u00fcberproportional.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die absolute Zahl der von der Polizei identifizierten Personen sagt als solche also nichts \u00fcber die Anzahl der Konsumenten und Konsumentinnen aus. Polizeidaten geben Auskunft \u00fcber Personen, die von der Polizei erwischt wurden. Jede daraus abgeleitete Aussage \u00fcber die Konsumenten kann also nur Personen betreffen, die einen Lebensstil pflegen, bei dem die Chance, den Repressionsinstanzen aufzufallen, nicht Null Ist. Nicht anf\u00e4llige, represslonsimmune Personen haben ein reiferes Alter, einen h\u00f6heren Sozialstatus und eine h\u00f6here Bildung. Zudem sind Frauen immuner als M\u00e4nner. Diese Merkmale kennzeichnen \u00fcbrigens das gesamte Repressionswesen. Es lassen sich aber auch Personen identifizieren, die \u00fcber alle Merkmale der Immunit\u00e4t verf\u00fcgen, die aber nach mehreren Jahren des Konsums durch einen sozusagen dummen Zufall aufgefallen sind. Ein Teil taucht im Gesundheitssystem auf, und sei es auch nur beim Hausarzt, der seine Patienten nirgendwo meldet. Das Repressionssystem erreicht einen wesentlichen Teil der Patienten, welche medizinische Betreuung finden, nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anzahl aller regelm\u00e4ssig Heroin oder Kokain konsumierenden Menschen, die gegen-\u00fcber den Repressionsorganen nicht weitgehend immun sind, betr\u00e4gt zur Zeit ungef\u00e4hr 30 000, etwa 24 000 bis 28 000 M\u00e4nner und 5000 bis 7000 Frauen. Nur allzu bereitwillig halten viele die Verdopplung der Zahl der polizeilichen Verzeigungen, die Verdreifachung der Zahl der Methadonverschreibungen in den letzten vier Jahren sowie den 30prozentigen Zuwachs an Drogentoten im Jahre 1991 f\u00fcr g\u00fcltige Hinweise auf eine explosionsartig sich ausweitende Drogenepidemie. Die Bedeutung der Messung oder Erfassung selber wird oft erst in zweiter Linie reflektiert: Wer sucht, der findet; wer gut hinschaut, der sieht mehr; wer kauft, dem wird angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcbersch\u00e4tzte Zahl der Neueinsteiger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indikatoren wie etwa die unterschiedliche Verzeigungsdichte von neu aufgetauchten und bereits bekannten Konsumenten geben g\u00fcltige Hinweise auf die Verbreitung des Drogenkonsums. Bei einer Intensivierung der Beobachtungst\u00e4tigkeit m\u00fcssen selbstverst\u00e4ndlich mehr bisher unbekannte Personen auftauchen. Gleichzeitig erscheinen aber auch bereits beobachtete Personen immer \u00f6fter. Die Beobachtungsdichte ist direkt proportional zur Erfassungsdichte beziehungsweise zur durchschnittlichen Erfassungsh\u00e4ufigkeit pro Person und Zeiteinheit. Dieser Indikator w\u00e4chst seit 1990 konstant und betr\u00e4chtlich. Inwiefern nun ein Wachstum der Zahl der erfassten Personen tats\u00e4chlich einem Wachstum der Grundgesamtheit entspricht oder vielmehr die blosse Intensivierung der Beobachtung und Behandlung wichtig ist, l\u00e4sst sich nur sch\u00e4tzen. Beobachtung und Behandlung dienen n\u00e4mlich erkl\u00e4rtermassen nicht der Statistik, sondern der Intervention.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl der erstmals polizeilich wegen Heroin- oder Kokainkonsums aufgefallenen Personen bleibt seit 1991 konstant, diejenige der bereits bekannten, wiederholt verzeigten Personen steigt hingegen stark an. Die Zahl der zwar polizeilich bekannten, aber in diesem Jahr gerade nicht erfassten Personen ist abh\u00e4ngig von der Definition des Ausstiegs aus der Karriere. Taucht eine Person etwa ein Jahr lang nicht auf, wird sie nicht als Teil der Konsumentengruppe gez\u00e4hlt. Taucht sie aber irgendwann sp\u00e4ter wieder auf, kann sie als &#8211; unechter &#8211; neuer Fall, als Wiederholungsfall (Rezidiv) oder aber retrospektiv als Dauermitglied der Konsumentengruppe angesehen werden. Zwischen den Jahren 1990 und 1993 wurden kumuliert mehr als 15 000 Personen mindestens einmal als Konsumenten von Heroin oder Kokain polizeilich registriert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es stellt sich die Frage, wie Rezidive (R\u00fcckf\u00e4lle) von echten Inzidenzen (Neueinsteigern) zu unterscheiden sind. Dies ist nur im Nachhinein m\u00f6glich, und die Anzahl der erkannten Rezidive h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von der L\u00e4nge des Beobachtungszeitraumes ab. Frauen beispielsweise \u00e4ndern zudem \u00f6fter durch Heirat ihren Namen und sind dadurch schwerer identifizierbar und die wahren Inzidenzen werden \u00fcbersch\u00e4tzt. Solche und andere systemische Sch\u00e4tzfehler sind ein Element der \u00dcberdimensionierung des nationalen Drogenproblems. Aus der Relation zwischen erstmaligen und wiederholten Verzeigungen derselben Person kann dennoch ein Indikator f\u00fcr die Inzidenz abgeleitet werden. Die Ergebnisse weisen auf j\u00e4hrlich 5000 bis 7000 Neueinsteiger in den vergangenen vier Jahren hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie lange dauert eine Drogenkarriere?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Sch\u00e4tzung der Inzidenz, der Zahl der j\u00e4hrllch dazustossenden Konsumentinnen und Konsumenten, treten schon auf der Definitionsebene betr\u00e4chtliche Schwierigkeiten auf. Die wichtigste ist der tempor\u00e4re Ausstieg. H\u00e4ufig folgen auf Jahre des kontrollierten Gebrauchs Phasen des exzessiven, unkontrollierten Konsums und wieder Jahre der Abstinenz. Prognosen f\u00fcr den weiteren Verlauf der Konsummuster nach einer Konsumpause von einem Jahr oder auch mehr sind \u00e4usserst unsicher. Weder das Alter zur Zeit des Einstiegs noch die Geschwindigkeit der Abh\u00e4ngigkeits- und Toleranzentwicklung scheinen die Dauer und die Intensit\u00e4t der Drogenkarriere zu determinieren. Unter Umst\u00e4nden sind der intermittierende Gebrauch und die Dauer der Abstinenz wichtige Indikatoren\u201e Retrospektiv betrachtet haben integrierte Konsumentinnen und Konsumenten k\u00fcrzere Episoden und sind deshalb weniger anf\u00e4llig gegen repressive Massnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob jemand nun endg\u00fcltig aus der Drogenkarriere ausgestiegen ist, kann nur schwer festgestellt werden. Vor allem \u00e4ltere Konsumenten durchlebten oft Jahre dauernde Phasen der Freiheit von Opiaten und Kokain. Die Prognose \u00ababgeschlossene Karriere\u00bb ist selbst nach zwei oder drei Jahren noch unsicher. Konsumierte jemand \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume Opiate ohne medizinische Indikation, ist auch nach langj\u00e4hriger Abstinenz die Wahrscheinlichkeit eines Wiedereinstiegs gr\u00f6sser als die Wahrscheinlichkeit des Einstiegs einer bisher unbelasteten Person.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Opiat- und Kokainkonsumenten gibt es heute mehr Eltern als unm\u00fcndige Jugendliche. Das Alter der verzeigten Personen verschiebt sich in den letzten vier Jahren stetig von den Minderj\u00e4hrigen zu den \u00e4lteren Konsumenten. Von s\u00e4mtlichen im Jahr 1993 wegen Konsums irgendeiner Droge (auch Haschisch) verzeigten Personen sind 1600 unter 19 Jahre alt, 2400 sind 19 oder 20 Jahre alt, und mehr als 20 000 sind \u00e4lter als 20 Jahre. Dabei richten sich Verzeigungen wegen Haschischkonsums \u00fcberproportional h\u00e4ufig gegen Jugendliche. Die Kurve der Altersverteilung gleicht sich zunehmend der Altersverteilung der Berufst\u00e4tigen mit Untergewichtung der \u00e4lteren Personen an. Zwischen 1990 und 1993 hat sich die Verzeigungsh\u00e4ufigkeit in den Altersklassen \u00fcber 22 Jahre und besonders in denjenigen zwischen 27 und 37 verst\u00e4rkt. Bei den \u00fcber Dreissigj\u00e4hrigen hat sich die Zahl verdoppelt. Dies scheint die Folge einer intensivierten Beobachtung einer Gruppe von Konsumenten zu sein, die bisher in geringerem Masse fokussiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kein Einfluss auf den Drogenmarkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Chance derjenigen konsumierenden Personen, die nicht \u00fcber eine.gen\u00fcgende lmmunit\u00e4t verf\u00fcgen, polizeilich erfasst zu werden, liegt zurzeit bei etwa 40% pro Jahr. Dies bedeutet,\u00b7dass Personen in der offenen Szene auch nach drei oder vier Jahren intensiven Konsums mit einer Wahrscheinlichkeit von um die 20% nicht vorbestraft abstinent werden k\u00f6nnen oder aber einem eingeschr\u00e4nkten, kontrollierten und repressionsimmunen Konsum fr\u00f6nen: Eine Verdopplung der Repressionsintensit\u00e4t und damit eine Erh\u00f6hung der Chance der polizeilichen Erfassung auf etwa 60% j\u00e4hrlich senkt diesen Anteil auf 5%. Die Gesamtkosten der Drogenrepression betragen dann etwa eine Milliarde Franken, was der H\u00e4lfte des Defizits s\u00e4mtlicher Gemeinden in der Schweiz im Jahre 1991 entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Umsatz des Heroinmarktes in der Schweiz kann heute mit etwa einer Milliarde Franken und einer Menge von elf Tonnen Gassenheroin von 50% Reinheit beziffert werden. Polizeilich konfisziert werden seit 1992 j\u00e4hrlich etwa 200 kg Heroin, also nicht mehr als 5% der umgesetzten Menge. In den achtziger Jahren konfiszierte die Polizei j\u00e4hrlich kaum mehr als 50 kg. F\u00fcr eine wirksame Reduktion des Angebotes w\u00e4ren jedoch Anteile von mindestens 30% des Marktvolumens zu erreichen, Dies liegt offenbar fern jeder m\u00f6glichen materiellen Steigerung der Drogenrepression. Dass der Einfluss der Drogenrepression auf das Marktgeschehen minimal ist, zeigt sich auch in dem Preiszerfall f\u00fcr Heroin bei gleichzeitiger Verst\u00e4rkung der Repression in den letzten vier Jahren. Hier zeigt sich kein Unterschied zu der Geschichte der Alkoholprohibition in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr viele Leute in der Schweiz und im Ausland ist der repressive Aufwand noch viel zu gering. Das U. S. Department of Justice f\u00f6rdert das Maricopa County Demand Reduction Program, das unter dem Slogan steht \u00abDo drugs. Do time\u00bb: Nimm Drogen und wandere in den Knast. Jeder Gelegenheitskonsument soll wissen; dass er, wird er erwischt, zwangsl\u00e4ufig seine Zeit: abzusitzen hat. Wohlweislich wurde das Programm In Arizona durchgef\u00fchrt und nicht in New York.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Zukunft der Drogenrepression<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gelegenheitskonsumenten werden hierzulande nicht unbedingt sofort ins Gef\u00e4ngnis gesteckt. Dazu br\u00e4uchten wir zus\u00e4tzliche Gef\u00e4ngnisse in der Gr\u00f6sse von Schweizer Kleinst\u00e4dten sowie betr\u00e4chtliche Steuererh\u00f6hungen. Konzeptionell haben die Protagonisten der Drogenpolitik aus der gescheiterten Platzspitzaktion im:Jahre 1991 gelernt, dass eine fr\u00fchzeitige deutliche Ank\u00fcndigung das Selbstorganisationstalent der Konsumenten und H\u00e4ndler aufbl\u00fchen l\u00e4sst. Sie k\u00f6nnen sich dann als private, dezentralisierte und weniger \u00f6ffentliches \u00c4rgernis erregende Gruppen installieren. Gegenstand dieses p\u00e4dagogisch-repressiven Interesses ist eine Gruppe von Menschen, die mit hoher Inzidenz und ziemlich konstanter Pr\u00e4valenz sich nun seit \u00fcber einem Dutzend Jahren mehr oder weniger offen mit Opiaten und Kokain auf dem Schwarzmarkt versorgt. Nach eventueller sozialer oder psychischer Dekompensation bed\u00fcrfen diese Leute medizinischer und sozialarbeiterischer Hilfe, nicht zuletzt wegen der mit hohen Gewinnmargen belasteten Preise. Der Preiszerfall im Drogenmarkt der vergangenen Jahre hat sich g\u00fcnstig auf die Lebenshaltung der Konsumierenden und die Beschaffungskriminalit\u00e4t ausgewirkt. Die unterschiedlichen Politiken der vergangenen Jahre, n\u00e4mlich das gesundheitspolitische (HIV-\/ Aids-)Primat in der zweiten H\u00e4lfte der achtziger Jahre und das Repressionsprimat seit 1991, haben &#8211; soweit erkennbar &#8211; auf Inzidenz und Pr\u00e4valenz des Drogenkonsums keinen nachhaltigen Einfluss ausge\u00fcbt. <em>Bei jedem sp<\/em><em>run<\/em><em>ghaften Wechsel der Politik jedoch steigt tendenziell das Elend der Betroffenen<\/em>, die zunehmend orientierungslos werden. Auf der gesundheitspolitischen Ebene sollte die f\u00fcr die \u00dcberlebenshilfe ohne Zweifel positive M\u00f6glichkeit der wissenschaftlich betreuten \u00e4rztlichen Abgabe von Opiaten nicht auch wieder einem politischen Kurswechsel zum Opfer fallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autor leitet ein Forschungsprojekt \u00fcber die Sozialepidemiologie des Drogenkonsums am Institut f\u00fcr Soziologie der Universit\u00e4t Bern. Die Studie wird gef\u00f6rdert durch das Bundesamt f\u00fcr Gesundheitswesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen \u00a9 ProLitteris, Josef Estermann Zur Sozialepidemiologie des Drogenkonsums. Von Josef Estermann, Soziologe, Bern Aufgrund der aktuellen Crack-Krise in Schweizer St\u00e4dten m\u00f6chte ich auf unsere Erfahrungen mit der Heroinkrise der neunziger Jahre Bezug nehmen. 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