{"id":2885,"date":"2024-02-07T04:01:17","date_gmt":"2024-02-07T02:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?p=2885"},"modified":"2024-02-07T04:01:19","modified_gmt":"2024-02-07T02:01:19","slug":"frauenhandel-4-5_4-6-freierbefragung-prostitutionsgeschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?p=2885","title":{"rendered":"Frauenhandel 4.5_4.6 Freierbefragung Prostitutionsgesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?page_id=2830\"><strong>Weiterlesen: Frauenhandel<\/strong><\/a><br>\u00a9 ProLitter<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" src=\"https:\/\/pl01.owen.prolitteris.ch\/na\/plzm.33ec7c4e-eb49-4152-9c22-d7a126185766\">is, Rahel Zschokke<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5 Die Freierbefragung<\/strong><strong><br>4.5.1 Konzeption<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des NFP40, des Forschungsprogramms des Schweizerischen Nationalfonds, welcher diese Studie finanzierte, regte die Expertenkommission an, die Freier Red und Antwort stehen zu lassen, um etwas \u00fcber die Nachfrageseite des Sex-Marktes in Erfahrung zu bringen. Bei der Konzeption einer Freierbefragung zeigte sich, dass die meisten neueren empirischen Studien in der Schweiz und in Deutschland bei der Aids-Pr\u00e4vention ansetzen. Das zentrale Anliegen ist die Beeinflussung des konkreten Verhaltens in gesundheitlich riskanten Situationen. (442) Empirische Studien \u00fcber soziale und psychische Charakteristika von Freiern sowie deren Motivationsstruktur und Sexualverhalten fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit davon entfernt, diese L\u00fccke f\u00fcllen zu k\u00f6nnen, will diese Befragung einen Aspekt des Prostitutionsmarkts n\u00e4her beleuchten. Die Studie hat explorativen Charakter und ist in erster Linie qualitativ angelegt. Demographische Daten entsprechen allerdings denen anderer bzw. gr\u00f6\u00dferer Studien (Farago, 2000), sodass trotz der kleinen Anzahl Befragter (N=39) ein Querschnitt der \u201enormalen\u201c Freierpopulation angesprochen werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Forschungsleitend war die Annahme, dass M\u00e4nner, die die Dienste weiblicher Prostituierter in Anspruch nehmen, grunds\u00e4tzlich das Bed\u00fcrfnis haben k\u00f6nnten, mit einer nicht nahestehenden Person \u00fcber Prostituiertenkontakte zu sprechen; sei es, um sich in gesch\u00fctzter, anonymer Umgebung als Freier zu outen und zu testen, wie ihr Verhalten als Freier beurteilt wird, sei es, um sich von psychischen Belastungen, Schuldgef\u00fchlen, Gef\u00fchlen der Ausgegrenzung etc. zu entlasten, oder sei es, um einen Beitrag an die Wissenschaft zu einem Thema zu leisten, das als gesellschaftliches Tabu sonst nicht angesprochen wird. Das Konzept der Studie favorisiert ein niederschwelliges Angebot, das den Freiern einen leichten Zugang zu den Interviewpartnern sichert, und setzt auf ein kongruentes, empathisches Gespr\u00e4ch zwischen Befragtem und Befragern.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Umsetzung der Forschungsziele war ein methodischer Ansatz gefragt, der ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis von \u201eInteresse und Intimit\u00e4tsschutz\u201c garantiert. (443) Ein Ansatz also, der Anreiz zur Teilnahme bietet, ohne dass die Teilnehmer eine Intimit\u00e4tsverletzung bzw. einen Anonymit\u00e4tsverlust bef\u00fcrchten m\u00fcssen. Das Angebot sollte verschiedene Freier ansprechen, Barrieren vermeiden, Anreize bieten (Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit, wissenschaftliches Interesse, in Abgrenzung zu beratendem oder journalistischem Interesse) und nicht wertende Offenheit signalisieren. Eine Befragung per Telefon kommt dieser Konzeption entgegen, ist doch eine Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeit durch die Stimme und Nachfragen gegeben, ohne dass der Gespr\u00e4chspartner gezwungen ist, die Kontrolle \u00fcber seine Intimsph\u00e4re aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Inserat sollte die akzeptierende, offene Haltung der Befrager gegen\u00fcber Prostitutionsbesuchern zeigen, was Kleiber und Velten als notwendige Voraussetzung zur Vertrauensbildung f\u00fcr die Befragung von Betroffenen eines sozial sensiblen Bereiches erachten (Kleiber, Velten: 40). Zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten, Vertrauen aufzubauen, bietet das gew\u00e4hlte Konzept insofern, als dass die Gespr\u00e4chsbereitschaft des Prostitutionskunden auf Eigeninitiative beruht, da sich der Informant selbst melden kann und die M\u00f6glichkeit hat, Ort, Zeit und die Zeitdauer des Gespr\u00e4chs zu kontrollieren. Einzig der Anspruch einiger Anrufer, ihr Verhalten zu bewerten bzw. Als \u201enormales\u201c, m\u00e4nnliches Verhalten best\u00e4tigen zu lassen, war ausgeschlossen, da wir auf jegliche Bewertung verzichteten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.2 Durchf\u00fchrung der Befragung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Folgendes Inserat erschien an drei bzw. zwei Tagen im Erotikteil zweier Deutschschweizer Tageszeitungen: (444)<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftliche Umfrage<br>Schweiz. Nationalfonds Bern<br>Wir wollen wissen, was Freier wollen<br>Rufen Sie uns an! Gratis!<br>0800 300 369<br>Do Fr Sa: 10-22 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Im Free Call System, das hei\u00dft ohne Kostenfolge, konnten Prostitutionskunden an drei aufeinander folgenden Tagen w\u00e4hrend zw\u00f6lf Stunden von einem beliebigen Ort aus, via Mobiltelefon oder von einem Festanschluss aus, anrufen und sich zu einem Gespr\u00e4ch mit drei Interviewerinnen und einem Interviewer bereit erkl\u00e4ren. Der rege R\u00fccklauf aufgrund des Inserats best\u00e4tigte das Konzeptdesign.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ergebnisse der Kontaktphase der Freierbefragung, August 2000<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kontaktversuche 106<br>Verbindung hergestellt 48<br>Abgebrochene Interviews aus technischen Gr\u00fcnden 6<br>Abgebrochene Interviews aus anderen Gr\u00fcnden (Kinder am Apparat, Personen ohne Deutschkenntnisse, falsche Erwartungen) 3<\/p>\n\n\n\n<p>Total vollst\u00e4ndige Interviews (N) 39<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Linien, ein Festanschluss und zwei Mobiltelefone, erm\u00f6glichten eine gewisse Bewegungsfreiheit w\u00e4hrend des zw\u00f6lfst\u00fcndigen Dienstes, f\u00fcr den drei Frauen und ein Mann als Interviewpartner bereit standen. Ein Anrufer, der mit dem m\u00e4nnlichen Gespr\u00e4chspartner verbunden wurde, fragte nach, ob denn nicht Frauen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. Die Frauen wurden nicht mit vergleichbaren W\u00fcnschen konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zahlreichen Anrufe best\u00e4tigen, dass sich diese Form der Telefonbefragung gut eignet, Freier zu erreichen. Auf diese Weise ist eine kosteng\u00fcnstige, effiziente und ergiebige Befragung m\u00f6glich. Obwohl ein Fragebogen vorlag, der auf standardisierten und offenen Fragen aufbaute, variierte die Gespr\u00e4chsdauer von 20 Minuten bis zu einer Stunde. Die Absicht war, Raum zu lassen f\u00fcr Vertiefung der offenen Fragen, gleichzeitig das Interview aber auf die vorgegebenen Themen einzuschr\u00e4nken. Beratungen und Eingehen auf angrenzende Themen waren ausgeschlossen. Die Befragerinnen vermittelten M\u00e4nnern, die Beratung w\u00fcnschten, Adressen von \u00f6ffentlichen Fachstellen, die wir vorg\u00e4ngig kontaktierten. (446)<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Selektion aufgrund dieser Konzeption nicht zu kontrollieren war, ist anzunehmen, dass eher M\u00e4nner anriefen, die die Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit suchten und folglich ein gewisses Mitteilungsbed\u00fcrfnis hatten. Auf die entsprechende Frage nach der Motivation des Anrufs meinten viele, dass sie sonst mit niemandem dar\u00fcber sprechen k\u00f6nnten. Andere sagten, dass sie einen Beitrag zu einer wissenschaftlichen Studie leisten oder ihre Position als Freier vertreten wollten. Wirksam war f\u00fcr einige auch die unausgesprochene Motivation, mit einer Frau \u00fcber ein tabuisiertes Sex-Thema sprechen zu k\u00f6nnen, um damit indirekt ihre \u201enormale m\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t\u201c unter Beweis zu stellen. (447)<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Validit\u00e4t der erinnerten sexuellen Ereignisse betrifft, stellen sich methodische Probleme, welche bei der Wahl und Konstruktion des Erhebungsinstruments sowie bei der Datenauswertung und -interpretation mit zu bedenken sind (Kleiber, Velten: 41). Wir versuchten den Schwierigkeiten der Erfassung retrospektiver Selbstbeschreibungsdaten dadurch zu begegnen, dass wir die Probanden konkret und detailliert zu ihrem letzten Prostituiertenkontakt befragten, ein Ereignis, das bei den meisten Anrufern zeitlich nicht lange zur\u00fccklag. Im Anschluss daran wurde die Frage nach der \u00c4hnlichkeit bzw. den Unterschieden dieses Kontakts zu den \u00fcbrigen gestellt. Dadurch konnten subjektive und willk\u00fcrliche Verallgemeinerungstendenzen umgangen werden. Weitere Fehlerquellen sind in Betracht zu ziehen, die speziell bei der Erinnerung zur\u00fcckliegender sexueller Begegnungen auftreten k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren das Vergessen respektive das Verdr\u00e4ngen konflikthafter oder aversiver sexueller Erlebnisse sowie die Diskrepanz zwischen sexuellem Selbstbild bzw. Sozialer Erw\u00fcnschtheit und sexualisiertem Selbstideal (Clement: 291). Diese Fehlerquellverminderten wir dadurch, dass wir weniger Fragen zu Sexualpraktiken und Sexualerf\u00fcllung stellten. Vielmehr legten wir den Schwerpunkt auf das \u201eKonsumverhalten\u201c wie bei einer Marktuntersuchung, was die Selbstdarstellung des Freiers als Mann weniger zu evozieren verspricht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3 Resultate<br><\/strong><br>Im Folgenden sind die Stellungnahmen numerisch zusammengefasst, um Hauptsto\u00dfrichtungen der Antworten ablesen zu k\u00f6nnen. Individuelle Aspekte sind in Form illustrativer Beispiele dargestellt. (448)<\/p>\n\n\n\n<p>Aufbau und Themenschwerpunkte der einzelnen Fragenkomplexe:<\/p>\n\n\n\n<p>Demographische Angaben: Alter, Beruf, Bildung, Nationalit\u00e4t, Wohnsituation, Wohnort, Einkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4ferenzen des Freiers: Einsch\u00e4tzung der Entwicklung des Angebots, Prostituierte, Lokalit\u00e4ten, Tageszeit der Kontakte, H\u00e4ufigkeit der Kontakte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ablauf des Kontakts: Kontaktaufnahme, Auswahl, Preis-Leistung-Verhandlungen, Zahlungsmodus, Zeitrahmen, Praktiken, Bewertung des Kontakts.<\/p>\n\n\n\n<p>Motive des Freiers: Unterschiede zu fester und zu nicht prostitutiver Beziehung, Freiertypen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.1 Demographische Angaben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die 39 Interviews wurden ausschlie\u00dflich mit Deutsch sprechenden M\u00e4nnern aus der Schweiz und mit einem Mann aus dem F\u00fcrstentum Liechtenstein gef\u00fchrt. Ein fremdsprachiger Mann hatte zwar ebenfalls angerufen, unterbrach das Interview aber nach kurzer Zeit, da er das Inserat falsch verstanden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Selektion kann auf zwei Faktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt werden:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die Form des Aufrufs als Inserat in einer Tageszeitung erreichte vor allem diejenigen M\u00e4nner, die sich \u00fcber Printmedien informieren und sich dort auch f\u00fcr Sexangebote interessieren. Dieser Zugang schlie\u00dft Freier aus, die Kontaktm\u00f6glichkeiten nicht den Tageszeitungen entnehmen, sondern von anderen Varianten des Sexangebots Gebrauch machen, also etwa den Stra\u00dfenstrich, Kontaktbars oder Bordelle bevorzugen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Interviews und die Erw\u00e4hnung des Nationalfonds setzen ein gewisses Verst\u00e4ndnis von wissenschaftlicher Vorgehensweise sowie ein Mitteilungsbed\u00fcrfnis voraus, welches in engem Zusammenhang mit der Beherrschung der Landessprache steht. Dies schlie\u00dft Freier aus, die mit der einheimischen Kultur und Sprache wenig vertraut sind; also etwa der Landessprache unkundige Touristen, Gesch\u00e4ftsleute auf der Durchreise, ausl\u00e4ndische Einwohner, die keine deutschsprachige Zeitung lesen etc. (449) Es haben sich zwar ausschlie\u00dflich Deutsch sprechende M\u00e4nner gemeldet, die jedoch aus einem breiten Einzugsgebiet stammen; von Lausanne \u00fcber Lugano bis aus dem F\u00fcrstentum Liechtenstein sind Anrufe eingetroffen. Innerhalb der Deutschschweiz sind beinahe alle Kantone vertreten. Der Kanton Z\u00fcrich weist, wahrscheinlich aufgrund des Inserates in einer Z\u00fcrcher Regionalzeitung, einen leichten \u00dcberhang von Anrufern aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen des kleinen Samples wurden keine Korrelationen berechnet. Zu den demographischen Angaben werden dort, wo die Datenlage kompatibel ist, Vergleichsdaten pr\u00e4sentiert. Generell weicht das Freiersample nicht von der Grundgesamtheit ab. Im Vergleich zu den Schweizer M\u00e4nnern zeigt das Sample bei Freiern h\u00f6here Bildung und gr\u00f6\u00dferes Einkommen. Diese Abweichung kann teilweise mit der Untersuchungsanlage erkl\u00e4rt werden. (450)<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Befragten gaben 15 an, auf dem Land zu wohnen, ebenso viele (14) kommen aus einer Stadt. Eine Kleinstadt nennen 6 der Befragten als Wohnort und 4 die Agglomeration der St\u00e4dte Z\u00fcrich und Bern. Die Mehrheit der Befragten lebt mit der Partnerin (Ehefrau, Freundin) zusammen (23), 12 leben allein und 4 mit \u201eanderen\u201c zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die befragten M\u00e4nner sind zwischen 25 und 67 Jahre alt. Die Alterssegmente der 31- bis 40-J\u00e4hrigen (13) und der 51- bis 60-J\u00e4hrigen (11) sind st\u00e4rker vertreten als die Jungen (zwei 25- bis 30-J\u00e4hrige) und die \u00c4lteren (sechs 61- bis 67-J\u00e4hrige). Die Mittleren (sieben 41- bis 50-J\u00e4hrige) sind untervertreten. Das Durchschnittsalter liegt bei 46 Jahren. Zum Vergleich dient die Altersverteilung (ab 20 Jahren) der m\u00e4nnlichen Gesamtbev\u00f6lkerung der Schweiz. Die Altersverteilung der Freier entspricht etwa der Normalverteilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bildungsniveau ist mit 9 Akademikern, zwei HTL-Absolventen und 24 Berufsschulabg\u00e4ngern (mit und teilweise sp\u00e4terer Weiterbildung) leicht \u00fcberdurchschnittlich. Ein Anteil von einem Drittel Akademiker trat auch in anderen Freierbefragungen auf (Kleiber und Velten: 55). Die Besonderheit dieser Freierpopulation f\u00fchren Kleiber und Velten auf die Stichprobenselektion zur\u00fcck, da \u201elesende Freier\u201c angesprochen werden. Die Berufe und die T\u00e4tigkeiten der befragten Freier decken ebenfalls ein breites Spektrum ab: So sind vom G\u00e4rtner bis zum Manager und vom kaufm\u00e4nnischen Angestellten bis zum Musiker die verschiedensten Berufe zu finden. Dementsprechend fallen auch die Einkommensklassen aus, wobei die h\u00f6heren Kategorien (\u00fcber 60&#8217;000 Franken Jahreseinkommen) eindeutig \u00fcberwiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle: Einkommen der Freier pro Jahr (N= 37)<\/p>\n\n\n\n<p>In 1000 Franken; Freier (Anzahl); Freier (%); Vergleichsgruppe (451)<br>0-30 2 6% 7%<br>31-60 9 25% 43%<br>61-100 16 43% 37%<br>\u00dcber 100 10 26% 13 %<br>Insgesamt 37 100% 100%<\/p>\n\n\n\n<p>Befragt zur Partnersituation, gibt bei N=37 die Mehrheit der Freier an, verheiratet zu sein (21) oder mit der Freundin zusammen zu leben (6). Nur 10 Freier sind Single. Die Dauer der Partnerschaft liegt im Durchschnitt um 15 Jahre und reicht bis zu einem Maximum von 42 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angaben zur Partnersituation k\u00f6nnen dahingehend interpretiert werden, dass den befragten M\u00e4nnern die Kontakte mit Prostituierten haupts\u00e4chlich als Zusatz oder Erg\u00e4nzung zu ihrer regul\u00e4ren Beziehung dienen, also mehrheitlich nicht einem Beziehungsmangel entspringen. Dieser Befund entspricht wiederum den schon erw\u00e4hnten anderen Studien (Kleiber und Velten, Farago et al., Ahlemeyer).<\/p>\n\n\n\n<p>Da die publizierten Volksz\u00e4hlungsdaten weder den Zivilstand nach Alter noch den Zivilstand zusammenlebender Paare ausweisen, kann das Sample nicht direkt mit der Grundgesamtheit verglichen werden. Zieht man die unter 20-J\u00e4hrigen und die \u00fcber 79-J\u00e4hrigen vom Total der m\u00e4nnlichen Wohnbev\u00f6lkerung ab, so ergibt sich ein etwa entsprechender Anteil verheirateter M\u00e4nner wie bei den befragten M\u00e4nnern. Daraus kann abgeleitet werden, dass unser Freiersample in Bezug auf den Zivilstand in etwa der m\u00e4nnlichen Wohnbev\u00f6lkerung der Schweiz entspricht. Der durchschnittliche Deutschschweizer Freier dieser Befragung ist also um die 47 Jahre alt, wohnt auf dem Land oder in einer gr\u00f6\u00dferen Stadt, geh\u00f6rt der oberen Mittelschicht an, verdient 90&#8217;000 Franken im Jahr und lebt in einer auf Dauer angelegten Paarbeziehung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.2 Pr\u00e4ferenzen der Freier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausgangspunkt zum Thema Pr\u00e4ferenzen ist die These, dass die Nachfrage nach Prostitution eine Folge der Vermarktung der Sexualit\u00e4t ist und dadurch stimuliert wird. Die Stimulation der Nachfrage bedient sich des g\u00e4ngigen \u00f6konomischen Know-Hows wie Expansion, Diversifizierung, Innovation und Kundenfreundlichkeit des Angebots. Es fehlt allerdings eine unterst\u00fctzende popul\u00e4re Marktstrategie, die potenzielle K\u00e4ufer von der Legitimit\u00e4t, \u201eNormalit\u00e4t\u201c und Unbedenklichkeit des Produkts \u00fcberzeugt und Prostitutionskunden von ihren Skrupeln und moralischen Bedenken entlastet. Denn wenn auch Rechtsprechung und Gesetz nichts gegen \u201erechtm\u00e4\u00dfige\u201c Formen der Prostitution einzuwenden wissen, zeigt sich in den Aussagen der Prostitutionskunden (wie auch bei den Prostituierten selbst, wie ihre Aussagen in Kap. 4.4 deutlich machen) eine Hemmung, Prostitution als Dienstleistung oder \u201eArbeit wie jede andere auch\u201c aufzufassen. Vielmehr h\u00e4ngt man nicht \u201ean die gro\u00dfe Glocke\u201c, \u201ewas nicht alle wissen sollen\u201c, am wenigsten weiht man \u201edie eigene Frau\u201c (und im Fall der Prostituierten die eigene Familie) in die Geheimnisse ein. Die markt- und kundenfreundliche Struktur des Angebots erleichtert aber den Zugang zu Prostitution und verdeckt die Beklemmung durch die suggerierte \u201eNormalit\u00e4t\u201c einer n\u00fcchternen Tauschbeziehung \u201eWare\u201c gegen Geld. Denn die Preisstruktur, segmentiert durch die Vielf\u00e4ltigkeit des Angebots, simuliert eine \u201eWarenpalette\u201c, aus der der Kunde je nach Budget \u201eausw\u00e4hlen\u201c kann, was er begehrt. Ein differenziertes Preisdispositiv wirkt also nicht nur einem generellen Preissturz entgegen, sondern hat vor allem die Funktion, Prostitution als Marktakt zu etablieren und damit sexuelles Begehren an den Markt zu binden. Denn Fokus und Motivation der Prostitution ist nicht etwa Sexualit\u00e4t \u2014 wie wir im Kapitel 1.4 gesehen haben \u2014 sondern der Versuch und Erfolg ihrer Vermarktung.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Befragungssituation machen sich die meisten M\u00e4nner allerdings nichts vor und bezeichnen die Frauen mehrheitlich n\u00fcchtern als Prostituierte (20 Nennungen), Sexworkerin (2), Salonfrauen (2), Liebesdienerin (1), Freudenfrauen (1) oder benutzen landes\u00fcbliche Ausdr\u00fccke wie Hure, Nutte, Schlampe, Dirne, was in diesem Kontext nicht abwertend, sondern eher als eindeutige \u201eBerufsbezeichnung\u201c zu verstehen ist. Sieben befragten M\u00e4nnern ist offenbar nicht ganz wohl bei der Sache; sie m\u00f6chten die Prostituierten kurzerhand als \u201eFrauen wie andere auch\u201c sehen, und andere geben Fantasienamen wie \u201eK\u00f6nigin\u201c oder \u201eLady\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ansicht der befragten Prostitutionskonsumenten hat sich der Sexmarkt in den letzten zehn Jahren nicht nur rasant entwickelt, wobei sowohl das Angebot wie auch die Nachfrage stark zugenommen haben, sondern er hat sich auch bemerkenswert diversifiziert, ist offener und zug\u00e4nglicher geworden. Es g\u00e4be viele neue Angebote und Orte, wo man Prostituierte kennen lernen k\u00f6nne, wie zum Beispiel Swinger-Clubs und Wellness-Clubs. Dabei sind viele Tabus wie K\u00fcssen oder weitergehender K\u00f6rperkontakt gefallen. \u00dcberdies sind die Preise gleich geblieben oder sogar gesunken. Einige Freier meinen, dass die Konkurrenz unter den Prostituierten gestiegen sei, da es vor allem viel mehr Ausl\u00e4nderinnen habe und deshalb die Preise gedr\u00fcckt w\u00fcrden. Andere vermuten, das gr\u00f6\u00dfere Angebot an sauberen Etablissements, von denen es fr\u00fcher weniger gegeben habe, sei geeignet, die Preise zu regeln und zu vereinheitlichen. Einige Freier beobachten, dass der Stra\u00dfenstrich zur\u00fcckgehe. Auch wird die Ansicht vertreten, dass es viel mehr Prostitution auf dem Land g\u00e4be als fr\u00fcher, als diese vor allem in den St\u00e4dten angeboten wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Angebot hat zugenommen. Die Vielfalt wird gr\u00f6\u00dfer. St\u00e4ndig. Es ist einfacher geworden. Saubere Etablissements unterscheiden sich klar von billigen, es gibt keine Mittelklasse\u201c (seit 10 Jahren Freier). \u201eDie Nachfrage ist gestiegen, wenn ich schon nur im eigenen Freundeskreis schaue, jeder geht einmal. Meine Freunde sind wie ich beruflich engagiert, da braucht es zuviel Zeit, eine Partnerin f\u00fcr Sex zu suchen. Es ist viel normaler geworden. Man spricht auch mit Kollegen dar\u00fcber, die auch gehen\u201c (seit 6 Jahren Freier). \u201eDas Angebot ist sehr gro\u00df. Die Damen sind bereitwilliger geworden, auch Schweizerinnen, wegen der Konkurrenz\u201c (Freier seit 15 Jahren). \u201eDie Preise sind noch gleich wie vor 30 Jahren, finde ich verr\u00fcckt. Es gibt eine massive Zunahme von Ausl\u00e4nderinnen, zum Teil sind sie unter Druck. Auch im Sexanzeiger sieht man es, es gibt immer mehr Sado-Maso-Angebote. Nach dem ersten Mal war es wie eine Sucht\u201c (seit 5 Jahren Freier). \u201eEin gr\u00f6\u00dferes Angebot fand man fr\u00fcher nur in St\u00e4dten, heute auch auf dem Land. Auch von den Frauen her. Nachteil: Es gibt viele osteurop\u00e4ische Frauen, die keine Deutschkenntnisse haben. Da gibt es Kommunikationsprobleme. Fr\u00fcher hatte es mehr Schweizerinnen. Ostblock, Thais und Brasilianerinnen gab es nicht. Heute ist alles m\u00f6glich. Fr\u00fcher war es beschr\u00e4nkt\u201c (Freier seit 14 Jahren).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Angebot hat bez\u00fcglich Vielfalt und Quantit\u00e4t deutlich zugenommen, bei gleich bleibenden oder sogar sinkenden Preisen. Die Konkurrenzsituation unter den Anbietern wird von den Kunden als Anreiz zur Nachfrage und als Etablierung eines Status der Normalit\u00e4t von Prostitution verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir befragten die M\u00e4nner nach dem Ort ihrer zwei letzten Prostituiertenkontakte. Ihre Nennungen ergaben folgende Rangliste (N=39, Mehrfachnennungen): An erster Stelle steht der \u201eMassagesalon\u201c mit 26 Nennungen, gefolgt von \u201ePrivatwohnung\u201c (19 Nennungen) und das \u201eBordell\u201c mit 15 Nennungen. \u201eSauna\/Wellness\u201c erreicht 10 Nennungen und der Rest verteilt sich auf \u201eHotel\u201c, \u201eCabaret\/Nightclub\u201c, \u201eEscort\u201c und \u201eStra\u00dfenstrich\u201c. Die wichtigste Eigenschaft eines Ortes f\u00fcr den Prostituiertenkontakt ist die Sauberkeit (32 Nennungen), gefolgt von der guten Atmosph\u00e4re (29 Nennungen), der Anonymit\u00e4t (25 Nennungen) sowie dem speziellen Angebot, das von 23 Freiern gesucht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer Liste von zehn Eigenschaften sollten die Befragten diejenigen nennen, die eine Prostituierte vorzugsweise aufzuweisen hat (Mehrfachnennungen, N= 39). Oben auf schwingt mit 29 Nennungen die Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit, die bei einer Frau, mit der man sexuelle Kontakte sucht, gegeben sein muss. Dies erkl\u00e4rt, warum deutschsprachige Freier Schweizerinnen, \u00d6sterreicherinnen und Deutsche bevorzugen, fragt man sie nach der Nationalit\u00e4tenpr\u00e4ferenz (19). Dicht darauf folgt die Sauberkeit (28) und die mit der Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit verbundenen Deutschkenntnisse (27). Das Aussehen einer Prostituierten ist f\u00fcr 23 Freier wichtig, wobei die Ausstrahlung (17) vor speziellen K\u00f6rpereigenschaften (14) wie \u201eschlank\u201c, \u201egute Figur\u201c, \u201egro\u00dfer Busen\u201c, \u201emollig\u2018\u201c rangiert. Die Hautfarbe spielt eine bedeutende Rolle (18), wobei eine kleine Gruppe von Freiern speziell die \u201efarbige Frau\u201c sucht. Ziemlich wichtig (24) ist den M\u00e4nnern auch das Alter (meiste Nennungen zwischen 18 und 30 Jahren). Gerade \u00e4ltere Freier m\u00f6chten nicht eine zu gro\u00dfe Altersdifferenz, da es ihnen unangenehm ist, mit Frauen zusammen zu sein, die das Alter ihrer T\u00f6chter haben. Diese Freier bevorzugen dann \u00e4ltere Frauen, Altersgrenze gegen oben offen. An letzter Stelle steht die Bildung, auf die aber immerhin 9 Freier Wert legen, dies vor allem des Gespr\u00e4chsniveaus wegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Kontakt mit Prostituierten ist die Sauberkeit des Ortes, die gute Atmosph\u00e4re und die Anonymit\u00e4t ausschlaggebend, sie rangiert vor dem Aussehen der Prostituierten. Die \u201egute Atmosph\u00e4re\u201c bezieht sich f\u00fcr die befragten M\u00e4nner nicht nur auf die Ambiance der Lokalit\u00e4t, wo gute Stimmung, aber keine \u201eAbzockermentalit\u00e4t\u201c herrschen sollte, sondern vor allem auf das Verhalten der Prostituierten selbst. Diese sollten zeigen, dass \u201esie Freude am sexuellen Kontakt haben\u201c und den Mann nicht \u201ekaltschn\u00e4uzig abfertigen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ideale Prostituiertenkontakt spielt sich f\u00fcr unseren Durchschnittsfreier an einem sauberen, anonymen Ort bei guter Atmosph\u00e4re mit einer etwa 30-j\u00e4hrigen Frau ab, die kommunikativ und eine gute Gespr\u00e4chspartnerin ist. Die Prostituierte ist zudem sauber und gepflegt, geht auf die W\u00fcnsche des Mannes ein und hat Freude am sexuellen Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Kontakt mit Prostituierten relevante Pr\u00e4ferenzen (N= 35)<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4ferenz sehr wichtig; weniger wichtig; unwichtig; wei\u00df nicht<br>Sauberkeit des Ortes 32 2 1 &#8211;<br>Gute Atmosph\u00e4re 29 3 3 &#8211;<br>Anonymit\u00e4t 25 10 &#8211; &#8211;<br>Aussehen der Frau 24 11 &#8211; &#8211;<br>Spezielles Angebot 23 5 7 &#8211;<br>Abwechslung 20 12 3 &#8211;<br>Bestimmter Frauentyp 17 5 10 3<br>Bestimmter Ort 10 9 15 1<br>Bildung 6 11 12 6<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an das quantitative Sammeln von Eigenschaften, die den Freiern bei Prostituierten wichtig sind, wurde die gleiche Frage offen gestellt. Die folgenden Aussagen geben ein Bild von der Vielf\u00e4ltigkeit der Vorstellungen und veranschaulichen die Breite der Sex-Konsum-Palette, die den Markt \u2014 mit andern Konsumg\u00fcterm\u00e4rkten vergleichbar \u2014 am Laufen h\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<p>Sie muss mich ansprechen und sich verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Sie muss mir gefallen, attraktiv und sympathisch sein, sollte eine gute Figur haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir gefallen muskul\u00f6se und sehnige Frauen, wo man die Arterien sieht. So gro\u00df und schlank. Der Dominatyp. Sie muss dominieren und schlagen. Sie muss nicht unbedingt sch\u00f6n und jung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nur 1,63m gro\u00df, habe aber gerne gro\u00dfe, schlanke Frauen \u00fcber 1,70 m. Sie sollte eine Superfigur haben und einen gro\u00dfen Busen. Ich will mich unterhalten k\u00f6nnen, schmusen und k\u00fcssen und ein gutes Gespr\u00e4ch f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie muss naturgeil sein. Zwischendurch bringt es auch einmal schwarz.<\/p>\n\n\n\n<p>Attraktivit\u00e4t ist mir wichtig, das Gesamtpaket. Sie darf nicht zu jung sein. Will mich mit ihr unterhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind eh alle jung. Ostblock-Frauen sind o.k. wenn sie Deutsch sprechen. Ich achte auch auf die Figur. Aber das ist abh\u00e4ngig von meiner Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie muss zeigen, dass sie Freude daran hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will keine Routine, darf nicht abgel\u00f6scht sein. Sie muss Liebe zum Beruf haben. Ich will einen speziellen Service.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll ganz normal sein, wie wenn man sich irgendwo kennen lernen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche Schweizerinnen, speziell mit St. Galler oder Walliser-Dialekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche Russinnen, ich interessiere mich f\u00fcr die russische Sprache und Kultur. Aussagen befragten M\u00e4nner, die Kontakt mit Frauen aus Osteuropa hatten (N=28):<\/p>\n\n\n\n<p>Im Club. Die Abrechnung lief \u00fcber den Clubbesitzer, es waren Russinnen, Tschechinnen, Polinnen da. Sie hatten schlechte Deutschkenntnisse, schienen teilweise unter Druck zu sein (Kaufm. Angestellter, 37 Jahre alt, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Waren aus Lettland, konnten deutsch, arbeiteten in Salons, aber nicht selbst\u00e4ndig. Alles Geld ging an den Puffbesitzer. In billigeren Salons hat es mehr Ausl\u00e4nderinnen (Finanzchef, 37 Jahre alt, Freundin).<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich hatte mit einer Ungarin und mehreren Russinnen Kontakt. Mit der Ungarin war es ganz sch\u00f6n. Mit den anderen war es schwierig. Nicht wegen den Deutschkenntnissen, sondern die Art war schwierig. Habe den Osttyp nicht so gerne. Sind abgel\u00f6scht, k\u00fchl. Der Verdacht ist gro\u00df, dass sie gen\u00f6tigt werden, machen es einzig wegen des Geldes (Sozialmanager, 53 Jahre alt, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine Russin. Sie konnte Deutsch und Englisch. Ihr Mann hatte zwei Etablissements und war ihr Zuh\u00e4lter (Textilkaufmann, 67 Jahre alt, verh.).<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ehemalige Kommunisten sind die radikalsten Kapitalisten geworden: gro\u00dfe Risikobereitschaft. Machen auch Sex ohne Pr\u00e4servative. Sie tr\u00e4umen vom gro\u00dfen Geld. Leute im Elend werden durch Agenturen vermittelt, aber die Frauen wissen schon, um was es geht (Mechaniker, 31 Jahre alt, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt halt sprachliche Barrieren. Aber das sind sch\u00f6ne M\u00e4dchen aus Ungarn, die sind alle geil. Habe gute Erfahrungen gemacht. Alle sind sauber (Maschinentechniker, 66 Jahre alt, verh.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Meinungen \u00fcber die osteurop\u00e4ischen Prostituierten sind unterschiedlich. Sieben M\u00e4nnern ist aufgefallen, dass die Frauen unter Druck stehen, f\u00fcnf \u00e4rgern sich \u00fcber die schlechten Arbeitsverh\u00e4ltnisse und ebenso viele sprechen von \u201earmen Frauen\u201c. Dass es diesen Frauen nur ums Geld gehe, meinen vier, und weitere vier berichten von Schnellabfertigung, mechanischer und k\u00fchler Behandlung oder dass sie \u201eabgel\u00f6scht\u201c gewirkt h\u00e4tten. Sieben Freier schw\u00e4rmen von jungen, h\u00fcbschen und sauberen \u201eOstm\u00e4dchen\u201c, die nicht so verw\u00f6hnt seien wie die Schweizerinnen, gut arbeiteten, sich M\u00fche g\u00e4ben und auch phantasievolle W\u00fcnsche befriedigten. Einer bemerkt, dass sie ein h\u00f6heres Risiko als Einheimische einzugehen bereit seien (Kondomgebrauch). Das Bild, das sich Freier von Osteurop\u00e4erinnen auf dem Prostitutionsmarkt machen, zeigt, dass die befragten M\u00e4nner es nicht sch\u00e4tzen, wenn Frauen den sexuellen Kontakt unter Druck anbieten. Schlechte Arbeitsbedingungen der Prostituierten und die \u201efreiwillige Unfreiwilligkeit\u201c wirken sich negativ auf das Gesch\u00e4ft aus, da die Freier Zwangssituationen durchaus wahrnehmen und offenbar nicht bereit sind, mit \u201eunwilligen\u201c Frauen vorlieb zu nehmen und daf\u00fcr auch noch zu bezahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.3 Ablauf des Kontakts: H\u00e4ufigkeit des Kontakts, Sch\u00e4tzung der Anzahl der Freier<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die H\u00e4ufigkeit des Prostituiertenkontakts angesprochen, gehen von den 39 Befragten drei M\u00e4nner zwei bis viermal pro Woche zu einer Prostituierten und acht suchen einmal pro Woche den Kontakt. Die meisten M\u00e4nner, n\u00e4mlich 21, wollen einbis zweimal pro Monat k\u00e4uflichen Sex und f\u00fcnf begn\u00fcgen sich mit drei- bis sechsmal pro Jahr. Zwei M\u00e4nner packt die Lust auf Prostituiertenkontakt blo\u00df ein- bis zweimal pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Anzahl Prostituierte sich in einem bestimmten Rahmen bewegen (13\u00b0000 bis 17\u2019000 in der Schweiz) klaffen die Sch\u00e4tzungen \u00fcber Freier betr\u00e4chtlich auseinander (von 10% bis 60% der erwachsenen m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung), je nach Grundlagen, von denen Sch\u00e4tzer und Sch\u00e4tzerinnen ausgehen. Diese Frage ist eine eigene Studie wert, und es w\u00fcrde hier zu weit f\u00fchren, einzelne Methoden n\u00e4her zu erl\u00e4utern oder einzelne Sch\u00e4tzungen wiederzugeben. Trotzdem soll hier ein Versuch gewagt werden, aufgrund der erhobenen Daten die Anzahl zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserem Sample von rund 40 Freiern generieren diese rund 1000 Kontakte pro Jahr. Das hei\u00dft, ein Freier generiert nach diesem Muster durchschnittlich 25 Kontakte pro Jahr. Geht man von einer gesch\u00e4tzten Anzahl registrierter, legaler und illegaler Prostituierter von 15&#8217;000 in der Schweiz aus, die pro Tag in einer 5 Tage-Woche 2 Freier bedienen, so kommt man im Jahr auf 7&#8217;500&#8217;000 Kontakte generiert von 300&#8217;000 Freiern, was verteilt auf 2,5 Mio. M\u00e4nner zwischen 20 und 79 Jahren einem Anteil von 12% der m\u00e4nnlichen, vollj\u00e4hrigen Schweizer Bev\u00f6lkerung entspricht. Diese Sch\u00e4tzung f\u00e4llt insofern konservativ aus, als dass das Kontaktgenerierungsmuster auf dem \u201eAlltagskonsum\u201c von Deutschschweizer Freiern in der Schweiz beruht und Abweichungen vom Muster wie Messen, Ferien im Ausland, Parlamentssessionen etc. nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Freierauslagen beim letzten Prostituiertenkontakt (N=39)<\/p>\n\n\n\n<p>in Franken pro Kontakt; Anzahl Freier; Anteil<br>50-100 4 10%<br>100-150 10 25%<br>150-200 7 19%<br>200-300 12 30%<br>300-500 3 8%<br>\u00fcber 500 3 8%<br>Insgesamt 39 100 %<\/p>\n\n\n\n<p>Dauer des letzten Kontakts (N = 39)<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitdauer; Anzahl Freier; Anteil<br>6-8 Stunden 2 5%<br>2-3 Stunden 6 15%<br>1% Stunden 3) 13,5 %<br>1 Stunde 8 20%<br>45 Minuten 4 10%<br>30 Minuten 9 23%<br>15 Minuten 5 13,5 %<br>Insgesamt 39 100%<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Viertel der Freier gaben beim letzten Kontakt mit einer Prostituierten zwischen hundert und dreihundert Franken aus. Vier M\u00e4nner bezahlten etwa hundert Franken und sechs M\u00e4nnern war der \u201eSpa\u00df\u201c \u00fcber 300 Franken wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend den Preisen variiert auch die Dauer des Kontaktes, wobei meist ein linearer Zusammenhang zwischen diesen beiden Dimensionen besteht, also je l\u00e4nger ein Kontakt dauert, desto teurer ist er. So finden sich die h\u00f6chsten Auslagen bei denjenigen Freiern, die mehr als drei Stunden bis zu einer ganzen Nacht mit einer Prostituierten verbrachten. Auf der anderen Seite stehen die \u201eSchnellverbraucher\u201c, welche in f\u00fcnf F\u00e4llen lediglich 15 Minuten und in neun F\u00e4llen nur 30 Minuten mit der Prostituierten zusammen waren. Die meisten Freier bleiben zwischen einer halben und einer ganzen Stunde bei einer Prostituierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Preisverhandlungen und -abmachungen betrifft, so berichten 12 von 27 Freier von einer m\u00fcndlichen oder schriftlichen Men\u00fckarte, die im betreffenden Etablissement existiert, von der die fixe Leistung abgelesen und der fixe Preis an der Kasse beglichen wird. Das funktioniert zum Beispiel mit einem Bon-System. Nur wenige M\u00e4nner verhandeln den Preis und die Leistung. W\u00e4hrend einzelne Kunden finden, dass bei ihnen die Diskussion um den Preis mit den Prostituierten ein Teil des Spieles sei, meinen andere, dass die Stimmung durch das \u201eM\u00e4rten\u201c kaputt gehe.<br>Verbale Men\u00fckarte. Ich habe den Preis mit dem Besitzer verhandelt (kaufm\u00e4nnischer Angestellter, 37).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich \u00e4u\u00dfere klar meinen Wunsch und w\u00e4hle zum Beispiel auf der Men\u00fckarte im Bordell (Mechaniker, 31).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Eintritt zahle ich inklusive Getr\u00e4nke 50 bis 100 Franken, mit Frau 250 bis 300 Franken. Sie haben eine Men\u00fckarte, manchmal bezahle ich an der Theke direkt der Besitzerin. Dann gehe ich an den Pool und frage eine Frau, ob wir etwas machen. Dann geht man aufs Zimmer. Fr\u00fcher waren es 500 Franken pro Stunde. Jetzt sind es 350 bis 400 Franken. Wenn ich es der Rezeption melde, kann ich manchmal auch zwei Stunden bleiben, mit Gespr\u00e4ch, dann ist es keine Schnellabfertigung. Die Frauen verdienen ja auch nicht so viel. Sie m\u00fcssen mehr Zeit einsetzen und zahlen auch Eintritt. Heute herrscht ein anderer Geist als fr\u00fcher. F\u00fcr den Kunden ist das ein Vorteil (Gesch\u00e4ftsinhaber, 34 Jahre alt, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache das im Gespr\u00e4ch ab. Ganzk\u00f6rpermassage mit erotischem Abschluss. Ich sagte den Preis, sie war einverstanden. So ist es bei mir \u00fcblich. Entweder der Preis stimmt oder nicht. Die Zitrone zu spielen, die man pressen kann, passt mir nicht. Ich \u201am\u00e4rte\u2019 den Preis nicht. Die Stimmung geht dann kaputt (Personalchef, 52, geschieden).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich zahle nur 50 Franken und nie mehr. Den Preis zu dr\u00fccken geh\u00f6rt bei mir zum Spiel dazu. Das erh\u00f6ht die Spannung. Manchmal ist die Suche erfolglos, vielleicht klappt es neun Mal nicht und erst beim zehnten Mal. Ich bin Stammgast und gehe oft zur gleichen Frau (K\u00fcchenchef, 48, verh.).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gelegenheitsstruktur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der Gelegenheitsstruktur ergab sich bei 38 Antworten folgendes Bild: Die meisten Freier (20 Antwortende) suchen Prostituierte werktags auf und nur zw\u00f6lf am Wochenende, wobei in dieser Gruppe vermehrt Singles zu finden sind. Die andern erinnerten sich nicht mehr an den Wochentag. Was die Tageszeit betrifft, so macht sich die Mehrheit nachmittags frei (22). Entweder gehen sie w\u00e4hrend der Arbeit weg, sofern die T\u00e4tigkeit dies zul\u00e4sst, oder sie verlassen den Arbeitsplatz fr\u00fcher. Gewisse Freier n\u00fctzen die Mittagszeit aus (5 Nennungen), sechs M\u00e4nner gehen am Abend und f\u00fcnf in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es zeigt sich hier die Tendenz, Prostituiertenkontakte dem vom privaten Bereich getrennten beruflichen Bereich zuzuordnen und dort auch inhaltlich zu verkn\u00fcpfen. Sex mit Prostituierten auf Gesch\u00e4ftsreisen oder Gastfreundschaft gegen\u00fcber Gesch\u00e4ftspartnern aus einer anderen Stadt bzw. aus dem Ausland, zu der der gemeinsame Besuch eines Bordells auf Gesch\u00e4ftsrechnung geh\u00f6rt, ist offenbar unter Gesch\u00e4ftsfreunden im h\u00f6heren Kader gang und g\u00e4be. (452)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zufriedenheit mit dem Prostituiertenkontakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kontakt mit einer Prostituierten wird allgemein positiv bewertet (27), und zwar, weil die Erwartungen erf\u00fcllt wurden und die Frau \u201egut \u00fcberspielt hat, dass sie es nur f\u00fcr Geld tut\u201c, weil sie den W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen des Kunden nachgekommen ist und weil das Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis stimmte. F\u00fcnf Freier waren nur einigermassen zufrieden, weil sie entweder gerne mehr Zeit mit der Frau verbracht h\u00e4tten, ihnen das Gespr\u00e4ch gefehlt hat oder der Frauentyp nicht stimmte, \u201esodass sie zwar befriedigt waren, aber nicht wirklich zufrieden\u201c, wie es einer der befragten M\u00e4nner ausdr\u00fcckte. Einzelne gehen schon l\u00e4ngere Zeit zur gleichen Frau und wissen, dass sie ihren W\u00fcnschen mit einem Spezialservice nachkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine sympathische junge Dame. Sie hat gut \u00fcberspielt, dass sie es nur f\u00fcr Geld tut. Aber manchmal ist es mir egal, dass sie es nicht gerne macht. Ich habe auch einen Hang zu leichterem SM (kaufm\u00e4nnischer Angestellter, 37, lebt mit Freundin).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ambiente entsprach mir. Entsprach auch dem Betrag. Ich habe Erwartungen und bezahle auch daf\u00fcr. Es hat gestimmt. Ich bekam das, was ich erwartet habe (Personalchef, 52, geschieden).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand das, was ich suchte. Kontakt ist sehr sch\u00f6n gewesen und hat meinen Vorstellungen entsprochen (Angestellter in h\u00f6herer Position, 32, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Es war recht. W\u00fcrde aber nicht gerade wieder gehen. Frauentyp passte mir nicht (Elektroinstallateur, 55, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde der Freier, die mit dem Kontakt nicht zufrieden waren (7), sind vielf\u00e4ltig und reichen von der Feststellung, dass sie zuviel Geld ausgegeben haben, \u00fcber das Unbehagen, nicht der einzige Liebhaber der Frau zu sein, bis hin zu der Beobachtung, dass die Frau keine Lust gehabt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass nachher gerade wieder der n\u00e4chste kommt, passt mir nicht (Ingenieur, 63, verh.).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nicht immer zufrieden. Es st\u00f6rt mich, dass es nicht immer die gleiche Frau ist. Sonst war es, wie es abgemacht war, mit Gef\u00fchl. Es war eine Ausl\u00e4nderin. Holl\u00e4nderin. Sie sprach Deutsch (kaufm\u00e4nnischer Angestellter, 37).<\/p>\n\n\n\n<p>Unsauberkeit empfinden zw\u00f6lf der antwortenden 39 M\u00e4nner als sehr st\u00f6rend, acht nennen Perversit\u00e4ten oder \u201eordin\u00e4res, gek\u00fcnsteltes Getue\u201c als st\u00f6rend, Teilnahmslosigkeit \u00e4rgert sechs M\u00e4nner, Zeitdruck und Abriss erw\u00e4hnen f\u00fcnf Befragte. Drei M\u00e4nner sind unzufrieden, wenn der Service nicht, wie abgemacht, ausgef\u00fchrt wird, weitere drei sind nicht zufrieden, wenn die Partnerin unattraktiv ist und zwei st\u00f6ren sich an Frauen, die drogenabh\u00e4ngig oder alkoholisiert sind, zwei zus\u00e4tzliche Nennungen erw\u00e4hnen Konflikte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn etwas versprochen und es dann nicht eingehalten wird, f\u00fchle ich mich \u00fcbers Ohr gehauen (Graphiker, 35, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Ungepflegt, gesch\u00e4ftlich tun, hischhisch. Dann enttarnt sie sich selber (Prokurist, 36, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Frau nicht die Richtige ist, sich primitiv benimmt, Drogen nimmt oder Alkohol, dann l\u00f6scht es mir ab (Schlosser, 49, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hasse gek\u00fcnsteltes St\u00f6hnen, arrogant mir den Willen aufzwingen wollen, wie eine Domina. Oder wenn sie absch\u00e4tzig wird (Personalchef, 52, geschieden).<\/p>\n\n\n\n<p>Mir l\u00f6scht es bei 08.15-Sex ab. Wenn sie daliegt wie ein Brett (Landwirt, 64, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.4 Motive f\u00fcr den Prostituiertenkontakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was treibt denn \u00fcberhaupt Freier zu Prostituierten? Als Motiv, Kontakt mit einer Prostituierten anzukn\u00fcpfen, werden folgende Gr\u00fcnde genannt: \u00dcber ein Drittel der 39 Befragten gaben an, \u201epl\u00f6tzliche Lust\u201c und ein Bed\u00fcrfnis, das gestillt werden musste, habe sie das letzte Mal zu einem Prostituiertenkontakt bewogen. Einen \u201eSpezialservice\u201c suchten neun M\u00e4nner. \u201eErsatz\u201c f\u00fcr fehlende Liebesbeziehung oder fehlende sexuelle Befriedigung zuhause nannten sechs der Befragten und \u201eAbwechslung\u201c suchten vier M\u00e4nner. Andere Gr\u00fcnde wie \u201eBest\u00e4tigung als Mann\u201c oder die \u201eTraumfrau\u201c, die total attraktiv war, nannten vier Befragte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass mehrheitlich \u201epl\u00f6tzliche Lust\u201c zu einem Sexualkontakt mit einer Prostituierten f\u00fchrt, kann sicher teilweise auf das gro\u00dfe und vielf\u00e4ltige Angebot und den leichten Zugang zu Prostituierten zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Dass sich in der \u201epl\u00f6tzlichen Lust\u201c ein Suchtpotenzial manifestiert, ist ebenfalls denkbar (vgl. auch Spielsucht). Eine wesentliche Rolle d\u00fcrfte auch die Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber Geld spielen, denn 200 bis 300 Franken ausgeben zu k\u00f6nnen, ohne zuhause dar\u00fcber Rechenschaft ablegen zu m\u00fcssen, ist zumindest bei den verheirateten Freiern eine Voraussetzung zum Prostituiertenkontakt, denn die befragten Freier h\u00fcten sich mit einer Ausnahme davor, ihren Frauen etwas von den kostspieligen Vorlieben zu erz\u00e4hlen. Die Nennung \u201eSpezialservice\u201c und \u201eAbwechslung\u201c weist in die Richtung einer Trennung von sozialen, emotionalen, langfristigen Beziehungsgef\u00fcgen und sexuellen Kontakten. Dieser Befund l\u00e4sst auf ein inneres Konfliktpotenzial schlie\u00dfen, das sich durch das Arrangement mit Prostituierten im Moment unter Kontrolle halten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch gehe zu einer Prostituierten, wenn die Lust und die Kasse stimmen\u201c (Maler, arbeitslos, 27, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Prickeln, sie kennen zu lernen, ihren sch\u00f6nen weiblichen K\u00f6rper sehen\u201c (Ingenieur, 63, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann dort Sachen machen, die man zuhause nicht kann\u201c (Musiker, 45, mit Freundin).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Kontakt zu einer Frau ist so schwierig, da zahlt man ein Nachtessen und alles, und dann gibt es vielleicht nur ein K\u00fcsschen\u201c (Textilkaufmann, 67, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist wie eine Sucht. Wenn man einmal gegangen ist, muss man immer wieder gehen. Das erst Mal war aus Neugierde\u201c (kaufm\u00e4nnischer Angestellter, 37, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, was sie unabh\u00e4ngig von einem Prostituiertenkontakt zum Sex reizt, nennen die meisten befragten M\u00e4nner Erotik, den Frauenk\u00f6rper allgemein oder spezielle Merkmale eines Frauenk\u00f6rpers als ausl\u00f6sende Momente f\u00fcr sexuelle Regungen. Drei M\u00e4nner nennen Fetische oder Spezialservice.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eErotik, romantische Atmosph\u00e4re, bestimmte Kleidungsst\u00fccke reizen mich\u201c (Lehrer, 57, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFrauenk\u00f6rper mit allem Drum und Dran. M\u00f6chte sie auf ihre Rechnung bringen. Oft passiert das\u201c (Maschinentechniker, 66, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBiorhythmus, Lust, Anblick von sch\u00f6nen Frauen, wenn sie meinem Bild entsprechen. Das hei\u00dft, wenn sie ihre Reize zur Schau stellt und modisch ist\u201c (Angestellter in h\u00f6herer Position, 32, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer ganze K\u00f6rper, alles, die Haut der Frau, weich und geschmeidig, der Herzschlag. K\u00fcssen ist das Erotischste. N\u00e4he, Geborgenheit\u201c (Mechaniker, 31, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Macht es f\u00fcr die befragten M\u00e4nner einen Unterschied, ob sie sexuelle Reize bei ihrer Frau und Freundin oder bei einer Prostituierten wahrnehmen? Sieben M\u00e4nner lassen sich eher von Prostituierten sexuell erregen, w\u00e4hrend acht eher von ihren Partnerinnen angeregt sind. Neun antworteten mit sowohl als auch. Der Rest hat keine feste Partnerin oder l\u00e4sst es auf die Situation ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die befragten M\u00e4nner ist die Kontrolle \u00fcber den sexuellen Kontakt eine wichtige Voraussetzung, ohne die sie sich ihren sexuellen Regungen nicht hingeben k\u00f6nnen. Das Bed\u00fcrfnis nach der Kontrollierbarkeit einer sexuellen Paarsituation dr\u00fcckt sich im Wunsch nach Ungest\u00f6rtheit und Regelung des sexuellen Kontaktes aus. In einer nicht prostitutiven Beziehung werden sexuelle Kontakte von den Befragten oft als Bedrohung erlebt, weil sie sich der Kontrolle entziehen. Deshalb zeigt sich der Prostituiertenkontakt bei der Mehrzahl der befragten Freier als eine Tendenz zur Trennung von fester Beziehung und Sexualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der Beziehung kann ich Sex nicht genie\u00dfen. Mit Prostituierten schon\u201c (Textilkaufmann, 67, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Club ist man an gewisse Regeln gebunden: Man ist an die Zeit gebunden und auch der Service ist vorher abgemacht worden. Da m\u00fcssen sich beide daran halten\u201c (Gesch\u00e4ftsinhaber, 34, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Partnerin habe ich f\u00fcr eine gute Beziehung und die Prostituierte f\u00fcr spezielle Dienstleistungen\u201c (K\u00fcchenchef, 48, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe spezielle W\u00fcnsche. Ich m\u00f6chte diese sexuellen Praktiken nicht mit meiner Partnerin machen. Ja, es w\u00fcrde die Beziehung gef\u00e4hrden. Ich muss die Beziehung sch\u00fctzen. Ich liebe meine Frau. Dann gehe ich halt zu einer Prostituierten, die macht, was ich will, ich bezahle und fertig\u201c (Angestellter in h\u00f6herer Position, 32, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Befragter erw\u00e4hnt diesen Konflikt direkt und ein anderer spricht seine Angst vor Frauen an: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, meine Frau zu hintergehen. Ich f\u00fchle mich immer so schlecht hinterher\u201c (Schreiner, 34, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAm Anfang musste ich mich \u00fcberwinden. Ich hatte Angst. In der Zwischenzeit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, erlebe auch Momente der Liebe und sp\u00fcre, dass etwas zur\u00fcckkommt. Es st\u00f6rt mich, wenn die Frau ungeduldig wird, arrogant oder schnippisch. Oder wenn sie mir etwas vormacht\u201c (Personalchef, 52, geschieden). Diese Aussagen lassen die Tragweite der Not erahnen, die im Konsum von schnellen, marktschreierischen Sex-is-fun-Angeboten Ausdruck sucht. Denn mit dem Versprechen, Prostitution garantiere einen unproblematischen Zugang zu Frauen, l\u00e4sst sich zwar gute Gesch\u00e4fte machen, aber die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit und die Beklemmung oder Angst vor dem anderen Geschlecht lassen sich durch Prostitution und deren Konsum wohl kaum nachhaltig stillen bzw. vermindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die aktuelle, naturalisierte \u201eNormalit\u00e4t\u201c prostitutiver Beziehungen wissen sich aber sowohl Prostituierte als auch Freier als Teilhaber der freien Marktwirtschaft, die kulturell und institutionell abgest\u00fctzt proklamiert, Probleme \u00fcber den Markt zu l\u00f6sen. Damit besteht wenig Anlass, nach alternativen Ans\u00e4tzen zu suchen, sodass es nahe liegt, aufkommendes Unbehagen auf Mechanismen von Angebot und Nachfrage zu reduzieren. Ob damit die urspr\u00fcngliche Unruhe und Angst tragf\u00e4hig zur Ruhe kommt, ist allerdings fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Motive zu \u201ekein Prostituiertenkontakt\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, aus welchen Gr\u00fcnden sie den Wunsch nach einem Prostituiertenkontakt das letzte Mal nicht in die Tat umsetzten, nannten die M\u00e4nner finanzielle Gr\u00fcnde an erster Stelle, gefolgt von Bedenken wegen der eigenen Partnerbeziehung. Als dritter Grund wurden \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde geltend gemacht, wie zum Beispiel fehlende Atmosph\u00e4re, Zeitfaktor und Ungepflegtheit der Frau. Eine Handvoll M\u00e4nner erw\u00e4hnten innere Impulse, wie etwa moralische Gr\u00fcnde oder kritische \u00dcberlegungen, und zwei bef\u00fcrchteten eine Verletzung ihrer Anonymit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist dann eine Zeitfrage. Ich bin gesch\u00e4ftlich sehr engagiert\u201c (Finanzchef, 37, Freundin).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Geld. Aus diesem Grund habe ich keine Kreditkarte\u201c (Landwirt, 48, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeld. Es ist unvern\u00fcnftig, wenn man nicht bei Kasse ist. Ende Monat kommt man dann auf die Welt\u201c (er meint, den Freierlohn mit der Kreditkarte zahlen) (Maschinentechniker, 49, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hatte grausam Angst, dass mich jemand sieht. Es war eine bl\u00f6de Situation\u201c (\u00d6konom, 49, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>Es erstaunt wenig, dass die befragten Freier mehrheitlich angeben, sich durch das Budget in ihrer Nachfrage nach Prostituiertenkontakten limitiert zu f\u00fchlen. Wird allerdings im Konjunktiv nachgehakt, ob sie denn ihren Konsum bei unbeschr\u00e4nktem Budget entsprechend erh\u00f6hen w\u00fcrden, fallen die Antworten nicht mehr so klar aus. Eher nicht, und das aus den verschiedensten Gr\u00fcnden, lautet der Tenor der Antworten. Das hei\u00dft, dass die beschr\u00e4nkten Finanzen zumindest bei einigen der Befragten als willkommene Entlastung bei der Entscheidfindung f\u00fcr oder wider einen Prostituiertenkontakt fungieren. Andere hingegen handeln sich Probleme ein, wenn sie das Kreditkartenlimit \u00fcberschreiten oder die Ehefrau wissen will, wo das f\u00fcr andere Zwecke ben\u00f6tigte Geld geblieben ist. Das schlechte Gewissen gegen\u00fcber der (nicht informierten) Partnerin belastet denn auch viele der befragten Freier. Und wenn mehrere M\u00e4nner angeben, mit Freunden oder Kollegen \u00fcber Prostituiertenkontakte zu sprechen, so ist es gerade ein Befragter, der seine Partnerin dar\u00fcber informiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Schlimmste, was mir passieren k\u00f6nnte, ist, wenn meine Frau davon erf\u00e4hrt\u201c (Maler, 27, verheiratet).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch spreche mit niemandem dar\u00fcber, zuletzt w\u00fcrde ich meine Freundin informieren. Das w\u00e4re mir irgendwie peinlich\u201c (Landwirt, 64).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas m\u00fcssen ja nicht alle wissen\u201c (Musiker, 45, Freundin).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas geht niemanden etwas an\u201c (Ingenieur, 37, Single).<\/p>\n\n\n\n<p>Viele der befragten Freier leben in einem Unrechtgef\u00fchl hinsichtlich ihrer Prostituiertenkontakte, sei es, weil sie ihr Budget strapazieren oder ihre Frau \u201ehintergehen\u201c, oder sei es die Unzufriedenheit mit sich selbst, weil sie sich wieder haben \u201ehinrei\u00dfen\u201c lassen, wie sich einer der Freier ausdr\u00fcckte. Was in Bezug auf den letzten Kontakt als sch\u00f6n und befriedigend geschildert wurde, bekommt im gesellschaftlichen Kontext einen unbehaglichen Nachgeschmack. In zwei F\u00e4llen wollten die Befragten von den Interviewerinnen ausdr\u00fccklich wissen, ob sie dieses Verhalten noch \u201enormal\u201c f\u00e4nden. Vier der Befragten gaben an, \u00fcberhaupt keine Probleme mit Prostituiertenkontakten zu haben und verstanden diese als Bereicherung. Drei davon legten allerdings Wert auf eine strikte Informationssperre gegen\u00fcber Dritten, da sie ihre sexuellen Pr\u00e4ferenzen als Privatangelegenheit betrachten. Auf die Anonymit\u00e4t des Prostituiertenkontakts legen denn auch die meisten der befragten Freier gro\u00dfen Wert und sind bereit, auf einen Kontakt zu verzichten, wenn diese nicht gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.5 Skizze einer Freier-Typologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Befragung geht hervor, dass sich die M\u00e4nner mit Prostituiertenkontakt, die sich f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung gestellt haben, von der \u00fcbrigen m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung demographisch nicht unterscheidet, abgesehen von den oben erw\u00e4hnten Einschr\u00e4nkungen. \u00dcber die Unterschiede zu M\u00e4nnern, die keine Prostituiertenkontakte pflegen, wird hier bez\u00fcglich sexuellen Pr\u00e4ferenzen, Einstellung zu Prostituierten, Motivation zu einem Nicht-Kontakt etc. nichts ausgesagt, da die Befragung einer entsprechenden Kontrollgruppe den Rahmen dieser Arbeit gesprengt h\u00e4tte. Vorliegende Studie hat explorativen Charakter und dient der Beleuchtung des Prostitutionsmarktes aus der Nachfrageperspektive.<\/p>\n\n\n\n<p>Grob zeichnen sich drei Freier-Figuren ab, wobei diese Figuren nicht als Individualisierung zu verstehen sind. Ein Freier kann Elemente aus allen drei Varianten haben. Der selbstbewusste Konsument<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist marktfroh, m\u00f6chte gern alles ausprobieren, was es auf dem Markt gibt und kalkuliert Prostituiertenbesuche wie andere Konsumg\u00fcter in sein Budget ein. Er ist modern, urban und konform, hat aber Angst, etwas zu verpassen. Er akzeptiert Prostituierte als Frauen wie andere auch und hat keine moralischen Bedenken, die Dienstleistung Prostitution f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse zu nutzen. Er trennt seine sexuellen Bed\u00fcrfnisse tendenziell von der Beziehung mit seiner Partnerin, weil diese die Beziehung gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Auch wenn er sich sexuelle Spezialw\u00fcnsche erf\u00fcllen m\u00f6chte, geht er zu Prostituierten, die anbieten, was er seiner Partnerin nicht zumuten will. Trotz selbstbewusstem Auftreten h\u00fctet er sich davor, seine Pr\u00e4ferenzen an die gro\u00dfe Glocke zu h\u00e4ngen. Vor allem will er nicht mit der Partnerin \u00fcber seine Abstecher ins Milieu sprechen. Die Befriedigung seiner sexuellen Bed\u00fcrfnisse betrachtet er als Privatsache. Er ist ein typischer Vertreter des Ph\u00e4nomens Sexualit\u00e4t als Konsumgut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Leidende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Typus ist sensibel, f\u00fchlt sich zu kurz gekommen und unverstanden. Vor allem hat er Probleme mit Frauen, die sich ihm verweigern oder nicht (mehr) auf ihn ansprechen. Die Frauen machen ihm Angst, und er findet keinen Zugang zu ihnen. Er leidet unter der Situation und findet Verst\u00e4ndnis bei Prostituierten, die nicht so kompliziert sind wie andere Frauen. Bei Prostituierten kann er die Situation kontrollieren, und die Frau macht, was er will. Er muss keine R\u00fccksicht nehmen und nicht mit \u00dcberraschungen rechnen. Allerdings f\u00fchlt er sich durch den Gesch\u00e4ftscharakter des sexuellen Kontaktes mit Prostituierten gest\u00f6rt und zuweilen betrogen, wenn ihm klar wird, dass sie es nur f\u00fcr Geld machen. Er hat ein schlechtes Gewissen und sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit, die er manchmal bei Prostituierten findet. Diese Freierfigur vertritt die Variante von Sexkonsum als Ersatz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der standesbewusste Konservative<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er orientiert sich an einem Bild der M\u00e4chtigen und Reichen in grauer Vorzeit, wo \u201esch\u00f6ne Frauen, Musik und \u00fcppige Tafel\u201c zum Inbegriff eines guten Lebens eines Mannes geh\u00f6rte. Er sch\u00e4tzt die Frauen vor allem in ihrer Funktion als sexuelle Gl\u00fccksverheisserinnen, wobei sie selbstverst\u00e4ndlich freiwillig und ganz nat\u00fcrlich den W\u00fcnschen des Mannes zu entsprechen suchen. Er wertet seine sexuelle Potenz hoch, weil sie Frauen gl\u00fccklich macht, unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um die Ehefrau oder um eine Prostituierte handelt. \u201eFrauen\u201c geh\u00f6ren einfach zu seinem Leben. Allerdings ist er standesbewusst, was ihn im Normalfall hindert, seine Kontakte zu Prostituierten \u00f6ffentlich zu machen. Findet er allerdings Prostituierte, die seinen Vorstellungen von Sch\u00f6nheit, Stand und Bildung entsprechen, kann er Frauen durchaus als Trophy-girl pr\u00e4sentieren und die prostitutive Beziehung verdecken, unter der Voraussetzung, dass er \u00fcber das n\u00f6tige Geld zur Inszenierung von \u201enat\u00fcrlichen\u201c Situationen verf\u00fcgt und Frauen ganze N\u00e4chte, Tage oder Wochen bezahlen kann. Ist das Budget limitiert, sucht er trotzdem eine \u201enat\u00fcrliche\u201c Art von Kontakt, wobei er auf ihm entsprechende, individuelle Eigenschaften der Prostituierten achtet. Dieser Freiertyp sucht im Prostituiertenkontakt die Best\u00e4tigung seiner M\u00e4nnlichkeit und steht f\u00fcr Sex als Ausdruck des m\u00e4nnlich dominierten, \u201enat\u00fcrlichen\u201c Geschlechterverh\u00e4ltnisses.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.5.3.6 Zusammenfassung der Freier-Studie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn nicht von einer repr\u00e4sentativen Untersuchung gesprochen werden kann, sind die Resultate mit 39 interviewten Freiern im Rahmen unserer quantitativen und qualitativen Evaluation aussagekr\u00e4ftig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kann man den durchschnittlichen Freier dieser Befragung als verheiratet, im mittleren Alter und \u00fcber ein h\u00f6heres Einkommen verf\u00fcgend charakterisieren. Mehrheitlich gehen die Freier seit \u00fcber 10 Jahren zu Prostituierten, die sie ein bis zweimal pro Monat, vorzugsweise werktags am Nachmittag w\u00e4hrend oder nach der Arbeit aufsuchen, und geben jeweils zwischen 100 und 300 Franken aus. Sie bevorzugen Salons und Privatwohnungen, wo sie vor allem Wert auf Sauberkeit, gute Atmosph\u00e4re und Anonymit\u00e4t legen. Es ist ihnen wichtig, dass man mit der Prostituierten ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren kann, dass sie sauber ist und eine angenehme Ausstrahlung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung des Schweizer Sexmarktes f\u00fchrte nach Einsch\u00e4tzung unserer Interviewpartner zu einem gestiegenen Angebot, welches dazu f\u00fchrt, dass der Zugang zum Sexmilieu einfacher ist, dass es sauberer ist und mehr Spezialservice anbietet. Die Preise sind gleich geblieben oder gesunken, was die Attraktivit\u00e4t des Angebots erh\u00f6ht, vor allem aber das Freiertum als Massenph\u00e4nomen erst m\u00f6glich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Motiv, den Kontakt mit einer Prostituierten anzukn\u00fcpfen, wird pl\u00f6tzliche Lust sowie das Bed\u00fcrfnis nach Abwechslung genannt. Oft dient der Kontakt als Ersatz f\u00fcr eine fehlende oder schwierige Beziehung. Etliche Freier nehmen spezielle Dienstleistungen in Anspruch, um W\u00fcnsche zu befriedigen, die sie in ihrer eigenen Beziehung nicht leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Kontakt mit Prostituierten gef\u00e4llt allen Freiern der ultimative Kick, das ungehemmte Anbringen von W\u00fcnschen, der Reiz der \u00c4sthetik und die Unverbindlichkeit. St\u00f6rend dabei wirkt neben dem Zeitdruck und den Kosten vor allem das schlechte Gewissen gegen\u00fcber der Partnerin zuhause. Oft bleibt nach dem Kontakt ein Unbehagen \u00fcber das eigene Tun. Limitiert werden die Prostituiertenkontakte vor allem durch diese Faktoren, allen voran das Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich des Unterschiedes zwischen sexuellen Kontakten in einer festen Beziehung und dem Kontakt mit einer Prostituierten sprechen sich etwa die H\u00e4lfte der befragten Freier f\u00fcr die Vorteile des Prostituiertenkontakts aus, da dieser unkomplizierter, unverbindlicher und kontrollierbarer erlebt wird als eine unter Umst\u00e4nden fordernde Beziehung. Die andere H\u00e4lfte der Freier gewichtet den sexuellen Kontakt in einer festen Beziehung h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<p>Zufrieden sind die befragten M\u00e4nner, wenn ihre Erwartungen von der Prostituierten erf\u00fcllt werden, und diese dabei gut \u00fcberspielen k\u00f6nnen, dass sie blo\u00df ihren Job machen. Auch sollen sie den W\u00fcnschen und Bed\u00fcrfnissen des Kunden nachkommen, und das Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis muss stimmen. Der Preis wird oft nicht mit der Prostituierten direkt verhandelt, da fixe Leistungen und Preise anhand einer m\u00fcndlichen oder schriftlichen Men\u00fckarte im betreffenden Etablissement festgelegt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Erfahrungen mit Prostituierten aus Osteuropa betrifft, \u00e4u\u00dfern sich 21 der befragten Freier zu deren Sprachkenntnissen, welche sehr unterschiedlich wahrgenommen wurden. Oft wird dies als Sprachbarriere beschrieben. Einige Freier geben Hinweise auf das Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis der Frauen. Sie beobachten, dass das Geld direkt an die InhaberInnen der Etablissements geht. Einige Freier nehmen wahr, dass die Frauen unter Druck stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Motivation der Frauen zur Prostitution betrifft, so sch\u00e4tzen die befragten M\u00e4nner die \u201eZwangslage\u201c der Ostfrauen aufgrund finanzieller Notlagen etc. als st\u00e4rker ein als bei Schweizerinnen. Diese Sensibilit\u00e4t scheint den Freier jedoch nur dann zur Intervention zu veranlassen, wenn der Kontakt f\u00fcr ihn unbefriedigend verlaufen ist, das hei\u00dft, wenn aufgrund der \u201eabgel\u00f6schten\u201c oder teilnahmslosen Haltung der Prostituierten oder wegen des Zeitdrucks die gew\u00fcnschte Atmosph\u00e4re nicht aufkommen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte vorsichtig daraus schlie\u00dfen, dass der durchschnittliche Freier die prostitutive Beziehung ganz aus seiner Egozentrik heraus wahrnimmt und deutet, wodurch kritisches Bewusstsein in den Hintergrund tritt. Mit Rechtfertigungen, \u201eProstitution ist eine Arbeit wie jede andere auch\u201c oder, dass die Frauen f\u00fcr ihre Leistungen recht bezahlt w\u00fcrden, entzieht sich der Freier einer weitergehenden Verantwortung. Lediglich einer der interviewten M\u00e4nner gab an, dass er den Sexkontakt nur genie\u00dfen k\u00f6nne, wenn es auch die Prostituierte genie\u00dfe, was bei Prostitutionsmigrantinnen oft nicht der Fall sei: Diese widmeten sich der Prostitution aus einer Notlage heraus und nicht aus \u201eBerufung\u201c und Freude am Beruf.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Resultate ergeben ein Bild aus der Sicht der interviewten M\u00e4nner, ein Bild des reibungslosen Funktionierens des Sexbusiness, wo alle zufrieden sind, wenn das Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis stimmt, die Etablissements sauber sind und eine breite Angebotspalette bereitsteht, die den Bed\u00fcrfnissen der potenziellen Freier mit ihren unterschiedlichen finanziellen M\u00f6glichkeiten entgegenkommt. F\u00fcr die meisten der befragten Freier stellt der Prostituiertenkontakt eine sexuelle Variante zu ihrer sozial deklarierten Paarbeziehung dar \u2014 ein Ersatz oder Zusatz, um die bestehende Beziehung nicht durch unkontrollierbare sexuelle Begehren zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine an das moderne Leben (Mobilit\u00e4t, Freizeitgestaltung, Wellness, hohe Kaufkraft der Berufst\u00e4tigen) angepasste Angebotsstruktur, die bez\u00fcglich Anonymit\u00e4t und zeitlicher Flexibilit\u00e4t das Risiko entdeckt zu werden minimiert, erleichtert die Zug\u00e4nglichkeit und ist in hohem Ma\u00dfe gesch\u00e4ftsf\u00f6rdernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verh\u00e4ltnis zur festen Beziehung wird f\u00fcr sexuelle Kontakte mehrheitlich der Prostituierten vor der Partnerin der Vorzug gegeben. Diese ist eben f\u00fcr \u201edie Beziehung\u201c zust\u00e4ndig, welche aus der Sicht der Freier gerade durch out sourcing der sexuellen W\u00fcnsche gesch\u00fctzt und erhalten werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bleibt als wichtigste w\u00fcnschenswerte Eigenschaft an Prostituierten deren Gespr\u00e4chspotential, wie die Pr\u00e4ferenzanalyse ergeben hat, was bei Prostitutionsmigrantinnen Fremdsprachenkenntnisse voraussetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ergebnisse m\u00fcssen selbstverst\u00e4ndlich immer im Verh\u00e4ltnis zum befragten Freiersegment gesehen werden, bei welchem die Inanspruchnahme des oberen Preissegments des Angebots \u00fcberwiegt. So wurden beispielsweise keine ausl\u00e4ndischen Freier befragt, die eventuell Hinweise auf untere Segmente des Preisniveaus von Prostitutionsangeboten h\u00e4tten geben k\u00f6nnen, wie etwa der Stra\u00dfenstrich, wo vermutlich Kommunikationspotentiale eine untergeordnete Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Freier Anspr\u00fcche an fremde Personen formulieren, setzt beim Freier einerseits die Gewissheit voraus, das Gew\u00fcnschte gegen entsprechendes Entgelt jederzeit bekommen zu k\u00f6nnen, andererseits verlangt das Gesch\u00e4ft der Prostitution von den Frauen das unbedingte Akzeptieren dieser Selbstverst\u00e4ndlichkeit, wenn sie Kasse machen wollen. Es ist die Aufforderung an M\u00e4nner, ihre Anspr\u00fcche an Frauen grunds\u00e4tzlich in sexueller Form zu stellen, was die Frau zur Prostituierten macht. Denn dieses Setting kann sie zu ihren Gunsten bearbeiten, indem sie signalisiert, dass sie auf Verlangen die Anspr\u00fcche von M\u00e4nnern vor eigene Anspr\u00fcche an M\u00e4nner zu stellen bereit ist, sich allerdings daf\u00fcr abfinden l\u00e4sst. Die sexuelle Konnotation dieses Verh\u00e4ltnisses der Subjektbest\u00e4tigung durch Subjektnegierung zwischen Freier und Prostituierter ist eine Funktion der Praktikabilit\u00e4t dieses Geschlechterverh\u00e4ltnisses. Es ist n\u00e4mlich die Deklaration der m\u00e4nnlichen Anspr\u00fcche an Frauen als \u201esexuelle\u201c, die die M\u00e4nner deshalb zu Freiern macht, weil sie sich die Durchsetzung ihrer Anspr\u00fcche nur in dieser \u201esexualisierten\u201c Form zutrauen, denn ihre W\u00fcnsche nach \u201eGespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit\u201c und \u201eguter Atmosph\u00e4re\u201c sprechen eine andere Sprache. Damit unterwerfen sich M\u00e4nner in ihrem Verh\u00e4ltnis zu Frauen dem Deklarationszwang \u201eSex\u201c, der ihre Sehnsucht nach Anerkennung auf sexuelle Leistung reduziert, f\u00fcr die sie auch noch zur Kasse gebeten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Befragung gibt Auskunft \u00fcber Motivation und Gelegenheitsstruktur von Schweizer Freiern und erhellt Aspekte bez\u00fcglich prostitutiver Relationen, die in bisherigen Studien aufgrund ihrer Ausrichtung auf die Aids-Pr\u00e4vention au\u00dfer Acht gelassen wurden. Deshalb ist es hier m\u00f6glich, weitere und andere Erkenntnisse \u00fcber den Prostitutionsmarkt zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6 Gesch\u00e4fte mit der Prostitutionsmigration: Fallbeschreibungen<\/strong><br>Die folgenden acht F\u00e4lle repr\u00e4sentieren verschiedene Muster von Gesch\u00e4ftspraktiken mit Prostitutionsmigration. Gerichtsurteile dienen als Informationsquelle. (453)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.1 Der Klassiker: Champagneranimation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 1949 geborene Alfons wuchs in geordneten Verh\u00e4ltnissen auf einem Bauernhof in der Schweiz auf und schloss eine kaufm\u00e4nnische Ausbildung ab. Er arbeitete in verschiedenen Banken und Versicherungen als Kaufmann bevor er das Wirtepatent erwarb und 1989 das Gasthaus seiner Mutter als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u00fcbernahm. Seine Freundin Mathilda aus der Dominikanischen Republik hatte fr\u00fcher in der Schweiz als T\u00e4nzerin gearbeitet und war von einem Schweizer geschieden. Zusammen mit ihr funktionierte er das Gasthaus mit dazugeh\u00f6rendem Personalhaus zu einem Nachtclub mit Striptease-Show um. Dabei handelte es sich um einen bordellartigen Betrieb mit Animation, wo sich sowohl im Personalhaus als auch in den Separees Prostituierte anboten. Eine beauftragte Agentur w\u00e4hlte T\u00e4nzerinnen aus verschiedenen L\u00e4ndern, vor allem aber aus der Dominikanischen Republik, Brasilien und sp\u00e4ter aus Osteuropa aus. Die Frauen waren im Besitze einer L-Bewilligung und Arbeitsvertr\u00e4gen, die sie zu Tanzdarbietungen in Cabarets berechtigte. (454)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen hatten von 17 Uhr bis 2 Uhr morgens in der Bar verf\u00fcgbar zu sein. F\u00fcr ihren Auftritt als T\u00e4nzerin waren 30 Minuten vorgesehen. Sie mussten Kunden an der Bar um ein Glas Champagner bitten und danach die M\u00e4nner intim ber\u00fchren. Lie\u00dfen sich die Kunden anregen, mussten sie eine 3,5 dl-Flasche Champagner zu 140 Franken bestellen, um mit der Dame die Aktion im Separee fortzuf\u00fchren. Die Freier hatten auch die M\u00f6glichkeit, in ein Zimmer des Personalhauses mitzugehen, wo die Frauen allein oder zu zweit logierten. Auch diese Variante war mit dem Kauf von mindestens einer Flasche Champagner verbunden, auf den sich die Frauen eine Provision gutschreiben lassen durften. Was der Freier f\u00fcr seinen Besuch bezahlte, konnte die Prostituierte behalten. Nach getaner Arbeit erwartete sie der Chef wieder an der Bar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten drei Tage galten als Probezeit. Hielten sich die Frauen nicht an die Instruktionen von Mathilda, mussten sie mit der Entlassung rechnen. Die Einhaltung der Regeln kontrollierte der abends immer anwesende Alfons streng. Auch mussten ihm die Frauen ihre P\u00e4sse abgeben. Am Ende des Monats rechnete Alfons vorzugsweise in den fr\u00fchen Morgenstunden nach dem letzten Gesch\u00e4ft mit den Frauen ab. Er verlangte nicht nur horrende Preise f\u00fcr die kleinen Zimmer, sp\u00e4rlichen Dienstleistungen und das Essen, er betrog die Frauen auch, indem er Provisionen nicht auswies oder sonstige Abz\u00fcge machte. Zum Beispiel setzte er zu hohe Betr\u00e4ge f\u00fcr die Abgaben an die Fremdenpolizei ein. Dabei ging er so vor, dass er die Betr\u00e4ge mit Bleistift eintrug und sie nach erhaltener Unterschrift der alkoholisierten und schl\u00e4frigen Frauen mit Kugelschreiber zu seinen Gunsten ab\u00e4nderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesch\u00e4ft bl\u00fchte \u00fcber f\u00fcnf Jahre und Alfons konnte auf diese Weise ein ansehnliches Verm\u00f6gen erwirtschaften, bevor die Strafverfolgungsbeh\u00f6rde eingriff und die Gerichte ihn in die Schranken wiesen. Laut Gerichtsakten soll er durch die Ausbeutung von 927 T\u00e4nzerinnen einen Champagnerumsatz von 7,4 Mio. Franken erwirtschaftet haben. Die Bezirksanwaltschaft legte ihm zur Last, die Frauen der Prostitution zugef\u00fchrt, die genauen Modalit\u00e4ten ihrer T\u00e4tigkeit festgelegt und sie gewerbsm\u00e4\u00dfig betrogen zu haben. Alfons sah seine Schuld nicht ein, transferierte sein Verm\u00f6gen ins Ausland und k\u00e4mpfte bis vor Bundesgericht, das aber die Verurteilung der Vorinstanz im Wesentlichen best\u00e4tigte. #5 Yor Gericht konnten nur einzelne Frauen als Zeuginnen geh\u00f6rt werden, die meisten waren bereits abgereist und standen den Gerichten nicht mehr zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Fall zeigt nicht nur, dass Prostitution in der Schweiz ein lukratives Gesch\u00e4ft ist, sondern auch, dass viel Geld mit Frauen aus dem Ausland verdienen kann, wer deren \u00f6konomische Bed\u00fcrftigkeit und kulturell-sprachliche Unterlegenheit ausn\u00fctzt. Da die Frauen in den meisten F\u00e4llen vollj\u00e4hrig waren und sich freiwillig f\u00fcr den legalen Job als Striptease-T\u00e4nzerin beworben hatten, waren der Anwendung des neuen Strafgesetzes enge Grenzen gesetzt. Die Nachfrage auf dem internationalen Sexmarkt weckt bei vielen jungen Frauen die Hoffnung auf ein besseres Leben und n\u00e4hrt die Hoffnung, durch Prostitutionsmigration der wirtschaftlichen Not oder Perspektivlosigkeit im eigenen Land zu entrinnen. Deshalb begeben sie sich meist freiwillig und oft gut informiert auf die Reise ins Milieu oder kehren immer wieder an ihren alten Arbeitsplatz zur\u00fcck. Sie passen sich den vorgefundenen Bedingungen in ihrem Interesse an, weil sie m\u00f6glichst viel Geld verdienen wollen. In diesem Fall waren sie leichte Beute f\u00fcr Alfons, dessen Gesch\u00e4ftst\u00fcchtigkeit allerdings die Grenzen der Toleranz gesprengt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gerichte befassten sich sechs Jahre lang bis ins Jahr 2001 mit dem Fall, doch es zeichnete sich ab, dass es sich bei diesen \u201eklassischen\u201c Gesch\u00e4ftsmethoden um ein Auslaufmodell handelt und sich neue M\u00f6glichkeiten ergaben, Prostitutionsmigration als lukratives Gesch\u00e4ft zu organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.2 Auf die harte Tour: Das schnelle Geld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mitte der 90er Jahre f\u00fchrte Tibor, ein im Tessin vorbestrafter 35-j\u00e4hriger geb\u00fcrtiger Jugoslawe und Staatsb\u00fcrger \u00d6sterreichs, zusammen mit Edgar, einem in Deutschland mehrfach vorbestraften um f\u00fcnf Jahre \u00e4lteren \u00f6sterreichischen Hilfsarbeiter den arbeitsteilig organisierten Begleitservice \u201eEscort\u201c. Zu diesem Zweck mieteten die beiden mehrere Wohnungen in Z\u00fcrich und der weiteren Umgebung, die den Prostituierten und anderen am Begleitservice beteiligten Personen wie zum Beispiel Chauffeuren und \u00dcberwachern als Unterk\u00fcnfte dienten. Sie warben junge Frauen aus wirtschaftlich \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen vor allem aus L\u00e4ndern des ehemals kommunistischen Osteuropa und aus Brasilien an und brachten sie mit einem Touristenvisum in die Schweiz. In verschiedenen renommierten deutschschweizerischen Tageszeitungen und in einschl\u00e4gigen Anzeigern schalteten sie laufend Inserate. Edgar nahm die zahlreichen Anrufe in einer Telefonzentrale entgegen und vermittelte die Auftr\u00e4ge an die Chauffeure weiter, die f\u00fcr den Betrieb t\u00e4tig waren. Er bestimmte, wer, wann, wo zum Einsatz kam. Die Chauffeure machten sich dann mit den Frauen auf den Weg zu den Kunden, und leiteten Tibors Instruktionen betreffend Art der Bestellung, Zeitdauer und Preis an die Frauen weiter. \u00dcber die Telefonzentrale standen die Chauffeure via Mobiltelefon in Kontakt mit den Freiern, die Sonderw\u00fcnsche oder Unzufriedenheit mit dem Service sofort \u00e4u\u00dfern konnten. Nach Erledigung des Gesch\u00e4fts mussten die Frauen den wartenden Chauffeuren den Freierlohn aush\u00e4ndigen und zum n\u00e4chsten Kunden fahren. Edgar bekam von den Chauffeuren die Tageseinnahmen und rechnete mit ihnen ab und leitete das Geld an Tibor weiter. 10 bis 15% der Einnahmen waren f\u00fcr die Chauffeure bestimmt, die Frauen erhielten 40 bis 50%. Tibor behielt ihren Anteil ein und zahlte sie erst Ende Monat aus, nachdem er die Kosten f\u00fcr Kost und Logis sowie weiteren Auslagen abgezogen hatte. Der Rest floss den Chefs zu.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Zeitraum von zwei Jahren besch\u00e4ftigte Tibor mindestens 26 Prostituierte in diesem Begleitservice. Laut Gerichtsprotokoll erzielte er innerhalb eines Jahres allein im St\u00fctzpunkt Aarau einen Umsatz von 1,3 Mio. Franken.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Frauen konnten sich vor der Abschiebung ins Herkunftsland \u00e4u\u00dfern. Sie stammten aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen in Lateinamerika oder Osteuropa, insbesondere aus Polen und der Ukraine, wo sie teilweise bereits in der einschl\u00e4gigen Branche, sei es als Striptease-T\u00e4nzerinnen oder in einem Bordell t\u00e4tig waren. (456) Die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden wiesen Edgar die Anwerbung mehrerer polnischer Frauen zwecks illegaler Prostitution in der Schweiz nach. Edgar kn\u00fcpfte selber Kontakt in Polen und besch\u00e4ftigte weitere Anwerber, besonders in l\u00e4ndlichen Gebieten. Mit Z\u00fcrcher Kontrollschildern f\u00fchrte er die Frauen zum Teil selbst \u00fcber die Schweizergrenze, teils reisten sie auch selbst\u00e4ndig mit dem Car oder sie fuhren in Begleitung von weiteren Mitarbeitern in die Schweiz. Um die Grenze unbehelligt passieren zu k\u00f6nnen, hatten sie teilweise gef\u00e4lschte Ausweise. Tibor und Edgar gaben den Frauen genaue Anweisungen f\u00fcr ihre k\u00fcnftige T\u00e4tigkeit im Rahmen des Begleitservices. Da sich die Frauen ohne die erforderlichen Bewilligungen prostituierten, instruierten sie die beiden Herren bez\u00fcglich ihres Verhaltens der Polizei gegen\u00fcber. Sie drohten ihnen mit der R\u00fcckf\u00fchrung und Abschiebung ins Heimatland, falls sie ihren Anweisungen nicht nachk\u00e4men, namentlich, wenn sie den gew\u00fcnschten Service verweigerten und damit einen ungen\u00fcgenden Umsatz erbringen w\u00fcrden. So verlangten Tibor und Edgar von den Frauen auch dann einen vollen Einsatz, wenn sie krank oder unp\u00e4sslich waren, oder wenn sie sich aus Furcht oder Ekel weigerten, einen bestimmten Freier zu bedienen. Zwar bem\u00fchte sich Edgar in solchen F\u00e4llen andere Frauen zu schicken. Wenn sich jedoch keine andere M\u00f6glichkeit bot, den Kunden zufrieden zu stellen, wies er die Frauen an, ihre Leistungen trotzdem zu erbringen. So erreichte Edgar, dass sie sexuelle Praktiken gegen ihren ausdr\u00fccklichen Willen vornahmen, wenn der Kunde dies w\u00fcnschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Frauen stets die M\u00f6glichkeit hatten, aus der Schweiz auszureisen, da sie immer ihren Pass auf sich trugen, um sich bei allf\u00e4lligen Personenkontrollen durch die Polizei als Touristinnen ausweisen zu k\u00f6nnen, waren sie faktisch in ihrer Handlungsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt. Abgesehen von den finanziellen Verpflichtungen ihren Zuh\u00e4ltern gegen\u00fcber waren sie st\u00e4ndig unter Kontrolle der Chauffeure, die bei ihnen wohnten, sie zu den Freiern fuhren, den Lohn abkassierten und sie auch in der Freizeit begleiteten. Die Frauen durften die Wohnung nicht ohne Einwilligung der Chauffeure verlassen und mussten der Zentrale alle 30 Minuten ihren Aufenthaltsort mitteilen, wenn sie zum Beispiel zum Einkaufen oder zum Coiffeur gingen. Sie mussten jederzeit und sofort f\u00fcr einen neuen Einsatz bereit sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen des Begleit-Services standen w\u00e4hrend sieben Tagen pro Woche praktisch rund um die Uhr zur Verf\u00fcgung. In den ersten drei Monaten war ein Monatsfixum von 2000 Franken zuz\u00fcglich Kost und Logis vereinbart. Nach einer von den Zuh\u00e4ltern unterschiedlich gesetzten Frist konnten die Frauen f\u00fcr eine Umsatzbeteiligung von 20% arbeiten, durften ihren Anteil direkt von den erzielten Einnahmen abziehen und mussten den Chauffeuren nur noch den Rest abgeben. Wer mit einer Umsatzbeteiligung arbeitete, bekam in der Regel weniger Kunden zugeteilt und war somit eher bereit, unangenehme Auftr\u00e4ge anzunehmen. Die Kunden bezahlten f\u00fcr einen eineinhalbst\u00fcndigen Service 500 Franken, l\u00e4ngere Eins\u00e4tze kosteten bis zu 1000 Franken und eine ganze Nacht das Doppelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesch\u00e4ft flog auf, als ein Verkehrspolizist einen Chauffeur anhielt und eine Personenkontrolle der Insassen vornahm. Die Stadtpolizei Z\u00fcrich leitete dann die Ermittlungen mit Verdacht auf Menschenhandel ein. (457)<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Fall war aufs schnelle Geld angelegt. Es ist die althergebrachte Methode des Zuh\u00e4lters, der seinen \u201eM\u00e4dchen\u201c einerseits \u201eSchutz\u201c (vor Armut und der Fremdenpolizei) gew\u00e4hrt, indem er ihnen Unterkunft, Essen und eine Arbeitsm\u00f6glichkeit bietet, sie aber andererseits stark kontrolliert und keine Abweichungen von seinen Regeln duldet. Typisch f\u00fcr diese Form sind auch die intimen Beziehungen, die der Zuh\u00e4lter zu einer oder mehreren \u201eseiner\u201c Frauen unterh\u00e4lt. Da diese Form des Gesch\u00e4fts in der Schweiz wohl nur noch aus Filmen bekannt sein d\u00fcrfte, wurde die ersatzlose Streichung des entsprechenden Strafartikels betreffend Zuh\u00e4lterei von niemandem beklagt. Dies wussten allerdings Zuh\u00e4lter mit einschl\u00e4gigen Erfahrungen im Ausland und Beziehungen zur Schweiz bald zu ihrem Vorteil auszunutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine der betroffenen Frauen war vor Gericht anwesend. Sie waren wegen der ANAG-Vergehen schon l\u00e4ngst ausgewiesen. Das Gericht nahm nur am Rand \u00fcber polizeiliche Verh\u00f6rprotokolle Kenntnis von ihrer Existenz. Menschliche Trag\u00f6dien im Zusammenhang mit Prostitutionsmigration wie Alkoholsucht, gesundheitliche Sch\u00e4den aufgrund von Geschlechtskrankheiten, psychische und soziale Sch\u00e4den wie Verlust von Selbstachtung und erschwerte Integration der R\u00fcckkehrerinnen, spielen sich in den allermeisten F\u00e4llen au\u00dferhalb der Landesgrenzen und au\u00dferhalb der Reichweite von Schweizer Gesetzen ab. (458)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.3 Das m\u00e4nnliche Pendant: Der Call-Boy-Ring<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vincent, der 21-j\u00e4hrige Student aus der Slowakei reist 1996 in die Schweiz ein, um hier zu studieren. Die n\u00f6tigen Bewilligungen hat er eingeholt. Die Mittel f\u00fcr sein Studium beschafft er sich durch Prostitution. Dabei lernt er den Deutschen Werner kennen, der in seiner Wohnung in Z\u00fcrich einen Call-Boy-Ring betreibt. Als dieser auszieht \u00fcbernimmt Vincent das Gesch\u00e4ft und bricht sein Studium ab. Die n\u00e4chsten zwei Jahre f\u00fchrt er zusammen mit seinem Landsmann Tomasz und seinem Freund Lew, der ebenfalls aus der Slowakei stammt, den Betrieb erfolgreich weiter. Durch Kollegen l\u00e4sst er sich junge M\u00e4nner aus der Slowakei sowie aus Prag und Umgebung vermitteln, streckt ihnen Geld f\u00fcr die Reise und Kleidung vor und beherbergt sie in seiner Wohnung, die auch als Bordell genutzt wird. Nebst einem Beitrag f\u00fcr Kost und Logis liefern die jungen M\u00e4nner 40 bis 50% ihrer Einnahmen an Vincent ab. Vincent finanziert damit nicht nur seinen aufwendigen Lebensstil, sondern kommt auch f\u00fcr die Stoffbeschaffung seines drogenabh\u00e4ngigen Freundes auf. Oft werden die \u201eBoys\u201c ausw\u00e4rts zu einem Freier geschickt, w\u00e4hrend Vincent Ort, Zeit, Preis und Leistung direkt mit den Kunden aushandelt. Tomasz wird als Bodyguard und \u201eAufpasser\u201c angestellt. Er kontrolliert, ob die Kunden zu ihrer Zufriedenheit bedient werden und hilft Vincent, seine Vorstellungen von einem guten Gesch\u00e4ft durchzusetzen. Wollte ein Stricher einen bestimmten Kunden nicht bedienen oder weigerte er sich, bestimmte Praktiken auszuf\u00fchren, \u201ef\u00fchrte\u201c ihn Tomasz zum Kunden, wo er das Gesch\u00e4ft mittels Mobiltelefon \u00fcberwachte. In anderen F\u00e4llen verweigerte der Bodyguard den jungen M\u00e4nnern den Zutritt zur Wohnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der junge Zevo den geforderten Anteil nicht abliefern und sich mit seinem Verdienst in die Slowakei absetzen wollte, organisierte Tomasz Freunde in der Slowakei, die Zevo bei Ankunft am Busbahnhof abpassten und ihm das Geld abnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer von Vincent gefertigten Liste zufolge arbeiteten 22 junge M\u00e4nner in einem Zeitraum von 18 Monaten f\u00fcr ihn. Die Preise f\u00fcr die erbrachten Leistungen variierten zwischen 100 Franken f\u00fcr eine halbe Stunde zuhause mit einem Stammkunden und bis zu 600 Franken f\u00fcr eine Nacht ausw\u00e4rts mit einem Neukunden. Nebst den monatlichen Aufwendungen, die Vincent f\u00fcr Kost und Logis seiner \u201eBoys\u201c auslegte (11-14&#8217;000 Franken), konnte er aus den abgelieferten Anteilen eine betr\u00e4chtliche Summe zur\u00fccklegen. Das Gesch\u00e4ft florierte, bis die Z\u00fcrcher Polizei aufgrund von Ermittlungen des deutschen Kriminalamtes betreffend Werner die Wohnung \u00fcberwachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach l\u00e4ngeren Ermittlungen wegen Menschenhandels sprach das Bezirksgericht Z\u00fcrich Vincent im Mai 1998 u.a. wegen F\u00f6rderung der Prostitution schuldig und bestrafte ihn mit 18 Monaten Gef\u00e4ngnis auf Bew\u00e4hrung sowie mit einer Bu\u00dfe von 30&#8217;000 Franken. Er wurde f\u00fcr die Dauer von sieben Jahren des Landes verwiesen und musste 20&#8217;000 Franken vom unrechtm\u00e4\u00dfig erlangten Verm\u00f6gen an die Staatskasse abliefern. Vom Vorwurf des Menschenhandels wurde er freigesprochen. In einem separaten Verfahren wurde sein gleichaltriger Helfer Tomasz des Menschenhandels und der F\u00f6rderung der Prostitution angeklagt. Das Z\u00fcrcher Bezirksgericht sprach ihn von diesen Vorw\u00fcrfen frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber darf bei einer Darstellung der typischen F\u00e4lle von Prostitutionsmigration die m\u00e4nnliche Prostitution nicht fehlen. Obwohl in einschl\u00e4gigen Kreisen bekannt, spielt sie sich in verdeckten Strukturen ab und wird von der \u00d6ffentlichkeit meist erst wahrgenommen, wenn Gewalt eskaliert. Laut Sittenpolizei Z\u00fcrich boomt die m\u00e4nnliche Prostitutionsmigration aus dem ehemaligen Ostblock, entzieht sich aber noch erfolgreicher der Kontrolle als das Gesch\u00e4ft mit ausl\u00e4ndischen Frauen. Die einzigen uns zug\u00e4nglichen Gerichtsurteile m\u00e4nnlicher illegaler Prostitution betreffen den oben dargestellten Call-Boy-Ring, der in den sp\u00e4ten 90er Jahren in Z\u00fcrich w\u00e4hrend zweier Jahre florierte. Dieser Fall zeigt nicht nur die \u00c4hnlichkeit der Gesch\u00e4ftspraktiken zu weiblicher Prostitutionsmigration, er \u00f6ffnet auch die Sicht auf die rigiden Gesch\u00e4ftsmethoden, die im Milieu unter M\u00e4nnern vorherrschen. Nach Auskunft des \u201eManneb\u00fcros Z\u00fcrich\u201c setzt sich der Trend nach immer j\u00fcngeren m\u00e4nnlichen Prostituierten fort, sodass angenommen werden muss, dass ein ansehnlicher Teil von Vincents \u201eBoys\u201c minderj\u00e4hrig waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es verwundert deshalb nicht, dass die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in diesem Fall besonders sorgf\u00e4ltig ermittelt haben. Anf\u00e4nglich mit Verdacht auf Menschenhandel wurden aufwendige Telefonkontrollen sowie Ma\u00dfnahmen zur Kontrolle der Gesch\u00e4fte von Vincent angeordnet. Die Urteilsfindung des Gerichts, das Vincent dann relativ hart bestrafte, beruhte vor allem auf dessen Schuldeinsicht, Kooperation und Gest\u00e4ndnis, ein eher ungewohntes Verhalten eines Beschuldigten im Vergleich zu den Nutznie\u00dfern weiblicher Prostitutionsmigration.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.4 Der soziale Aufstieg: Das eigene Gesch\u00e4ft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Polin Zusanna, ohne Beruf, kam im Jahre 1979 als 26-j\u00e4hrige Frau \u00fcber Bruxelles in die Schweiz, wo sie w\u00e4hrend l\u00e4ngerer Zeit als T\u00e4nzerin in einem Cabaret in Lausanne arbeitete. Sie bet\u00e4tigte sich auch als Prostituierte und lernte bei dieser Gelegenheit ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann kennen. Durch die Heirat mit dem Schweizer erlangte sie das Schweizer B\u00fcrgerrecht. Nach einer l\u00e4ngeren Trennungsphase lie\u00df sich das Paar scheiden, worauf die Frau alleine nach Z\u00fcrich zog. Sie hatte w\u00e4hrend der Ehe weitere Erfahrungen als Prostituierte gesammelt und war bereit, diese jetzt nutzbringend anzuwenden. Sie begleitete Gesch\u00e4ftsleute aus dem In- und Ausland in Z\u00fcrich und anderen St\u00e4dten der Schweiz, pries per Inserat vor allem in ausl\u00e4ndischen, englisch- und franz\u00f6sischsprachigen Zeitungen ihre Dienste an und empfing ihre \u201eFreunde\u201c auch bei sich zuhause. Als Kunden nach j\u00fcngeren Frauen fragten, lud sie ihre \u201eKolleginnen\u201c und \u201eBekannten\u201c aus Polen ein. Ein paar Jahre nach der politischen Wende begann das Gesch\u00e4ft mit Prostitutionsmigrantinnen aus dem ehemaligen Ostblock zu boomen, wovon die bisher nicht sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Zusanna profitierte. Schon bald konnte sie ein Haus in einer renommierten Wohngegend Z\u00fcrichs beziehen, wo sie immer zwischen zwei und f\u00fcnf junge \u201eKolleginnen\u201c und \u201eBekannte\u201c beherbergte. Nach eigenen Aussagen lud sie Mitte der 90er Jahre 200 junge Frauen ein, die ihre \u201eFreunde\u201c dort empfingen oder sie in Hotels aufsuchten. Sie holte auch einen Polen nach Z\u00fcrich, der f\u00fcr sie als Chauffeur arbeitete und \u201edie Bekannten als Freund ein bisschen in der Stadt herumf\u00fchrte\u201c, bzw. die Prostituierten zu den Kunden fuhr und sie wieder abholte. Manchmal bot sie auch selbst ihre Dienste an. Oft ben\u00fctzte sie aber Taxidienste, um die Prostituierten zu einem Kunden und wieder zur\u00fcck fahren zu lassen. Sie besch\u00e4ftigte weitere Chauffeure, die auch Kontrollfunktionen aus\u00fcbten. Die Frauen mussten nebst einer Beteiligung an den Haushaltskosten auch 50% ihres Verdienstes abliefern. So lebte Zusanna einige Jahre gut, bis ein Taxichauffeur \u00fcber das rege Kommen und Gehen an ihrer Adresse stutzig geworden, bei der Z\u00fcrcher Stadtpolizei Anzeige erstattete. Diese leitete eine Untersuchung wegen Menschenhandels ein, \u00fcberwachte Zusanna und f\u00fchrte Telefonkontrollen durch. Sie kam in Untersuchungshaft. Nach ihrer Entlassung konnte sie das Gesch\u00e4ft nicht mehr weiterf\u00fchren, musste die Wohnung aufgeben, war bei Prozessbeginn mittellos und lebte von der F\u00fcrsorge. Die Frauen waren verschwunden, da sie sich wohl \u00fcber die Grenze abgesetzt hatten oder Schweizer M\u00e4nner heirateten um ihren Aufenthaltsstatus zu legalisieren. \u00dcber Provisionszahlungen ist dem Gericht nichts bekannt, Zeuginnen konnten keine gefunden werden. Das Bezirksgericht Z\u00fcrich sprach Zusanna Ende 1997 mangels Beweisen, mangels Zeuginnen und mangels Gest\u00e4ndnis vom Vorwurf der F\u00f6rderung der Prostitution und Widerhandlung gegen das Aufenthaltsrecht von Ausl\u00e4ndern frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusanna legte kein Gest\u00e4ndnis ab. Sie f\u00fchlte sich v\u00f6llig unschuldig und war sich keines Unrechts bewusst. Zu den vom Bezirksanwalt erhobenen Vorw\u00fcrfen sagte sie \u201eDie Schweiz ist so sch\u00f6n! Ich wollte meinen Bekannten helfen, dass sie auch hier leben k\u00f6nnen, wo es sch\u00f6n ist.\u201c Oder: \u201eWenn sich meine Kolleginnen mit Freunden trafen und diese ihnen Geschenke machen wollten, ja auch Geldgeschenke, war das reine Privatsache. Das war nie professionell.\u201c Und: \u201eMeine Bekannten haben mir manchmal etwas gegeben. Ich musste ja all diese vielen Rechnungen bezahlen.\u201c Dass die Frau nicht sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtig war, zeigte sich nach Meinung des Gerichts darin, dass Zusanna zum Zeitpunkt des Gerichtsverfahrens mittellos war und von der F\u00fcrsorge lebte. Dass und wie viel Geld sie laut eigenen Aussagen an befreundete Landsm\u00e4nner verloren hatte, konnte mangels Zeugen ebenso wenig schl\u00fcssig nachgewiesen werden wie F\u00f6rderung der Prostitution oder gar Menschenhandel. Mangels Zeuginnen konnten ihr nicht einmal Vergehen gegen das ANAG angelastet werden, obwohl mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden muss, dass es sich bei den \u201eBekannten\u201c und \u201eKolleginnen\u201c um Frauen handelte, die ohne die erforderlichen fremdenpolizeilichen Bewilligungen in Z\u00fcrich der Prostitution nachgingen, und dass Zusanna von diesen illegalen T\u00e4tigkeiten massiv profitierte. Die Stadtpolizei Z\u00fcrich begann die Ermittlungen urspr\u00fcnglich wegen Verdachts auf Menschenhandel. Zu diesem Zeitpunkt (erste H\u00e4lfte der 90er Jahre) war das revidierte Sexualgesetz in der Praxis noch nicht erprobt, sodass sich der gro\u00dfe Ermittlungsaufwand mittels Telefonkontrollen und \u00dcberwachung rechtfertigen lie\u00df. Der Vorwurf des Menschenhandels gelangte aber nicht zur Anklage. Das Gericht sprach Zusanna von der F\u00f6rderung der Prostitution und Widerhandlungen gegen das ANAG aufgrund Verj\u00e4hrung und mangels Beweisen frei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.5 Die Umnutzungsvariante: Tourismusattraktion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An einem gr\u00f6\u00dferen Ort im franz\u00f6sischsprachigen Teil des Wallis betrieb Jean ein Hotel. Als das Gesch\u00e4ft mit dem Tourismus in der ersten H\u00e4lfte der 90er Jahre zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df, kam er, frisch verheiratet mit der Brasilianerin Angela auf die Idee, das Hotel umzufunktionieren, um eine Steigerung der Bettenbelegung zu erreichen und die Einnahmen an der Hotelbar zu erh\u00f6hen. Angela hatte selbst w\u00e4hrend vier Jahren in der Schweiz als T\u00e4nzerin in Cabarets gearbeitet und kannte sich im Milieu gut aus. Durch \u201eMund-zu-Mund -Propaganda traf dann eine Reihe von \u201eentraineuses\u201c vor allem aus Brasilien ein. Die Frauen waren gr\u00f6\u00dftenteils als Touristinnen ohne Arbeitserlaubnis in die Schweiz eingereist. Jean verlangte, dass sie jeden Abend von 17 Uhr bis Mitternacht in der Bar waren. Bevor die Frauen mit einem Freier auf das Zimmer gehen konnten, mussten sie die Konsumation von teuren Getr\u00e4nken wie Champagner, Whisky etc. vorweisen und selber einen Tagespreis f\u00fcr Zimmermiete und Mahlzeiten bezahlen. Ihr Umsatzanteil allein reichte nicht zur Deckung ihrer Auslagen aus, sodass sie faktisch gezwungen waren, der Prostitution nachzugehen. Weder Jean noch seine Frau k\u00fcmmerten sich um die erforderlichen Bewilligungen der Beh\u00f6rden. Angela war f\u00fcr die Instruktion der Frauen und die Einhaltung der von Jean erlassenen Richtlinien zust\u00e4ndig. Sie war es auch, die den Frauen erlaubte, in der Bar zu \u201earbeiten\u201c und Hotelzimmer zu beziehen. Der Untersuchungsrichter stellte fest, dass die Hotelbesitzer durch diese \u201eInnovationen\u201c ihr Ziel von 50% mehr Umsatz im Barbetrieb und eine bessere Auslastung der Hotelbetten problemlos erreichten. Das Gesch\u00e4ft lief gut und man h\u00e4tte gern in der Art weiterwirtschaften m\u00f6gen. Aber die Beh\u00f6rden wurden auf das Hotel und den Barbetrieb aufmerksam und fanden bei Kontrollen Frauen vor, die sich ohne erforderliche Bewilligung prostituierten. Die Frauen wurden vernommen und diejenigen ohne g\u00fcltige Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckgeschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einzelrichter des Distrikts Sion sprach Angela der F\u00f6rderung der Prostitution nach Art. 195 StGB schuldig. Auch handelte sie wider den Art. 23 al. 2 LSEE (ANAG), indem sie den Aufenthalt von Ausl\u00e4nderinnen ohne Bewilligung erleichterte. Sie wurde zu einer bedingten Gef\u00e4ngnisstrafe von 30 Tagen und zu einer Bu\u00dfe von 1000 Franken verurteilt, zog aber das Urteil weiter an das Tribunal du Iieme arrondissement pour le district de Sion, das nach Anh\u00f6rung einer Zeugin, die in der Bar gearbeitet hatte, die Bu\u00dfe angesichts Angelas prek\u00e4rer finanziellen Lage auf 500 Franken senkte, ansonsten aber die Schuld und das Urteil best\u00e4tigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mittlerweile geschiedene Angela bestritt ihre Schuld und machte vor Gericht geltend, dass sie auf Anweisung von Jean gehandelt habe. Das Bundesgericht wies ihre Beschwerde mit der Begr\u00fcndung ab, dass die Provisionen f\u00fcr die Getr\u00e4nke nicht gen\u00fcgt h\u00e4tten, um die Zimmermiete und die Mahlzeiten zu bezahlen. Die Frauen seien deshalb zur Prostitution gezwungen gewesen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es best\u00e4tigte im Entscheid vom November 1997 das Urteil der Vorinstanz und verpflichtete die Rekurrentin zus\u00e4tzlich zur \u00dcbernahme der Gerichtskosten. (459)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall zeigt, dass auch au\u00dferhalb der Ballungszentren gute Gesch\u00e4fte mit der illegalen Prostitutionsmigration gemacht werden. Das Beispiel des Ehepaares im Wallis ist kein Einzelfall. In Regionen, wo \u201eman sich kennt\u201c, funktioniert die soziale Kontrolle gut. Die Toleranz f\u00fcr Gesch\u00e4fte, die Bekannte oder Nachbarn als illegitim empfinden, ist klein. Personen aus dem Umfeld erstatten Anzeige, sodass eine nicht akzeptierte Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit meist von kurzer Dauer ist. In bekannten Tourismusorten wie Zermatt, St. Moritz oder Davos florieren nach Aussagen der Interviewpartner die Gesch\u00e4fte mit der Prostitution vor allem saisonal in Bars und Hotels. (460) \u00dcbereinstimmend \u201ageben die Auskunftspersonen an, dass nicht alle in diesem Bereich t\u00e4tigen Frauen im Besitz der erforderlichen Bewilligungen seien. Wenn periodisch die Anzahl Touristen die einheimische Bev\u00f6lkerung um ein Mehrfaches \u00fcbersteigt und die Einheimischen fast ausschlie\u00dflich von der kurzen aber intensiven Tourismus-Saison leben, mag die Toleranz f\u00fcr Gesch\u00e4fte mit Fremden gr\u00f6\u00dfer sein und die beh\u00f6rdlichen Kontrollen durchl\u00e4ssiger.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Gerichtsakten von Jean und Angela ist weder von Gewalt und Zwang noch von physischer oder psychischer Bedrohung die Rede. Ausschlag gebend war einzig die finanzielle Zwangslage der Prostituierten und die daraus folgende Abh\u00e4ngigkeit der Frauen von einem \u201eArbeitsplatz\u201c und der in Kauf zu nehmenden \u201eArbeitsbedingungen\u201c, den Richtlinien und der damit verbundenen Kontrolle. Vergleicht man dieses Urteil mit dem folgenden Fall, stellt sich die Frage, worin die markanten Unterschiede im Verhalten der Betreiber liegen, die in einem Fall zu einer Verurteilung wegen F\u00f6rderung der Prostitution und im andern zum Freispruch gef\u00fchrt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.6 Der Trendsetter: Erotische Wellness<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 1999 standen die drei Aktion\u00e4re der Firma La Luna und die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Erna vor dem Kantonsgericht Graub\u00fcnden, angeklagt der mehrfachen F\u00f6rderung der Prostitution. Seit Mai 1998 betrieben sie einen Sauna-Club mit dazugeh\u00f6rigen Zimmern, der bereits bei seiner Projektierung als Bordell konzipiert war. Die unternehmerische F\u00fchrung erfolgte gemeinsam durch die Aktion\u00e4re. Anton, einem 55-j\u00e4hrigen als Gesch\u00e4ftsmann wiederholt gescheiterten Hochbauzeichner unterstand als spiritus rector prim\u00e4r Verwaltung und Buchhaltung. Der 40-j\u00e4hrige bereits wegen Urkundenf\u00e4lschung und Betrugversuchs verurteilte selbst\u00e4ndige Elektriker Walter regelte die Personalfragen. Verwaltungsratspr\u00e4sident war Christoph, ein erfolgreicher Gesch\u00e4ftsinhaber, der drei Jahre mit der Tochter des mitangeklagten Anton verheiratet war. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsentscheidungen trafen die drei gemeinsam und teilten sie Erna mit, die bereits Erfahrungen als Kassiererin in einem Z\u00fcrcher Bordell gesammelt hatte und die Betriebsordnung durchsetzte. Die damals 25-j\u00e4hrige Mutter dreier Kinder war bereits zweimal geschieden und lebte von ihrem dritten Ehemann getrennt. Eigenen Angaben zufolge war sie mittellos und mit 30&#8217;000 Franken verschuldet. Sie verdiente w\u00e4hrend der Anstellung beim Sauna-Club (Mai 1998 bis Februar 1999) 6500 Franken netto monatlich.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Sauna-Club waren die Leistungen streng nach Tarif geregelt, die Preise bewegten sich je nach Inanspruchnahme des Whirlpools oder Konsumation zwischen 100 und 500 Franken Nach erbrachter Dienstleistung hatten die Prostituierten ihren gesamten Lohn der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung auszuh\u00e4ndigen, die 40% einbehielt und nach t\u00e4glicher Abrechnung 60% den Prostituierten \u00fcberlie\u00df. Nebst der Miete der hauseigenen Zimmer zahlten diese die \u00fcblichen 60 Franken Eintritt in den Club. In einem Zeitraum von drei Monaten verbuchte der Betrieb auf diese Weise einen Umsatz von rund 150&#8217;000 Franken, wovon die Prostituierten \u00fcber Saunaeintritte, Zimmermieten und die 40% Beteiligung 90&#8217;000 Franken beitrugen, der Getr\u00e4nkeumsatz lag bei rund 40&#8217;000 Franken T\u00e4glich waren zwei bis f\u00fcnf Frauen im Club anwesend, in den drei Monaten insgesamt mindestens 30 verschiedene Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es lag im Gesch\u00e4ftsinteresse, permanent eine Mindestanzahl Frauen verf\u00fcgbar zu halten, welche periodisch ausgewechselt werden konnten. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, wurden Vermittlungsdienste von drei verschiedenen Personen in Anspruch genommen. Man einigte sich darauf, gegen Bezahlung von 12&#8217;000 Franken pro Monat t\u00e4glich f\u00fcnf bis sechs Frauen zur Verf\u00fcgung zu haben. Seither wurden die Prostituierten mehrheitlich von Lili und Hilde (separate Strafverfahren) zugef\u00fchrt. Die Mehrheit der Frauen war aus dem Ausland eingereist und bet\u00e4tigten sich ohne verwaltungspolizeiliche Bewilligungen, obwohl bei Betriebsaufnahme auf diese Erfordernis seitens der Polizei hingewiesen worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Anton reiste zusammen mit Erna und Attila nach Ungarn, wo sie unter Vermittlung von Attila vier aus schwachen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen stammende Frauen f\u00fcr 2000 Franken, freie Kost, Logis und Reise anwarben. Von zwei Frauen, darunter Ilona, wurde dort auch eine Fotodokumentation erstellt. Einen Monat sp\u00e4ter brachte Attila die junge Ilona in den Sauna-Club, wo sie sich an drei Abenden illegaler weise prostituierte und 1500 Franken erwirtschaftete. Bei ihrer Festnahme am 16. September, am vierten Tag nach ihrer Ankunft, verf\u00fcgte sie weder \u00fcber einen Pass noch \u00fcber ein Flugticket. Lohn hatte sie nach eigenen Angaben bisher keinen erhalten. Sie gab zu Protokoll vorher als Verk\u00e4uferin gearbeitet und sich noch nie prostituiert zu haben. Nach der Vernehmung durch die Polizei wurde die Frau in ihr Heimatland zur\u00fcckgeschickt und stand dem Gericht w\u00e4hrend des Prozesses nicht zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Staatsanwaltschaft die Verurteilung aller Angeklagten wegen F\u00f6rderung der Prostitution verlangte, sprach das Gericht die Angeklagten von diesem Vorwurf frei. Hingegen sprach es alle Angeklagten der mehrfachen Widerhandlung gegen Art., 23 ANAG, schuldig. Gegen dieses Urteil gelangte die Staatsanwaltschaft des Kantons Graub\u00fcnden mit einer Nichtigkeitsbeschwerde ans Bundesgericht, welches die Beschwerde abwies. (461)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Churer Staatsanwaltschaft und das Gericht interpretierten das Geschehen unterschiedlich. Die Staatsanwaltschaft sah in den Anordnungen und Vorschriften die Handlungsfreiheit der Frauen tangiert und ermittelte gegen Erna wegen Menschenhandels, brachte diesen Punkt aber nicht zur Anklage. Die Richter folgten der Auffassung der Angeklagten, die nach ihrer Meinung blo\u00df den selbst\u00e4ndigen Frauen das Infrastrukturangebot des Clubs zur Verf\u00fcgung stellten. Betriebswirtschaftliche Kontrollen wie Anwesenheit w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten, Preislisten zur Verhinderung von Dumpingangeboten etc. seien \u00fcberdies frei vereinbart worden. Dass die dort t\u00e4tigen Prostituierten diese Leistungen des Betriebs in Form einer 40% Beteiligung bezahlen mussten, entspreche einem normalen Gesch\u00e4ftsgebaren und verletze die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen nicht. Au\u00dferdem seien die Prostituierten jederzeit frei gewesen, das Etablissement zu wechseln oder aus der Prostitution auszusteigen, da ihre Bewegungsfreiheit weder kontrolliert noch eingeschr\u00e4nkt gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Staatsanwaltschaft griff die Problematik der unterschiedlichen Sichtweisen auf und wies auf M\u00e4ngel im Verfahren selbst hin. Sie kritisierte die ungriffige Formulierung des Art. 195 Abs. 2 und 3 StGB und bedauerte das weitgehende Fehlen von kl\u00e4renden Bundesgerichtsurteilen zu diesen \u201enoch jungen Bestimmungen\u201c. Sie verwies in ihrer Begr\u00fcndung auf Z\u00fcrcher Urteile (Kap. 4.8.5.1, 2 und 3). Immerhin waren sieben Jahre seit Inkrafttreten der neuen Gesetze vergangen und das Gesch\u00e4ft mit Frauen aus dem Ausland, die sich ohne Bewilligung prostituierten, boomte seit der politischen Wende in Osteuropa und den neuen europ\u00e4ischen Einreisebestimmungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ungarin Ilona beteuerte bei der polizeilichen Einvernahme, dass sie fr\u00fcher nicht im Erotik-Bereich gearbeitet h\u00e4tte und dies hier in der Schweiz zum ersten Mal mache. Aufgrund widerspr\u00fcchlicher Aussagen in den beiden polizeilichen Einvernahmen und infolge Fehlens einer Konfrontation mit der Angeklagten, wertete das Gericht die Glaubw\u00fcrdigkeit der Angeklagten h\u00f6her nach dem Grundsatz, dass nicht sie ihre Unschuld sondern die Beh\u00f6rden ihr Verschulden zeigen m\u00fcssten. Da Ilona freiwillig eingereist und \u00fcber ihre zuk\u00fcnftige T\u00e4tigkeit informiert gewesen sei, wobei ihr die Anwerberin Erna eine Bedenkfrist von zwei Tagen einger\u00e4umt hat, w\u00e4re die M\u00f6glichkeit des Gerichts, anders zu entscheiden, auch unter Einbezug von Ilona als Zeugin eingeschr\u00e4nkt gewesen. Das Bundesgericht best\u00e4tigte die Sichtweise der Vorinstanz. (462)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall La Luna zeigt die Diffusion des Know-How der lukrativen Vermarktung illegaler Prostitution ohne gravierende Straffolge. Erna arbeitete bereits in Z\u00fcrich in einem Bordellbetrieb und inspirierte die Gr\u00fcndung weiterer Betriebe. Auf Gewalt und Drohungen konnten die Gesch\u00e4ftsleute verzichten, f\u00fcr alle Beteiligten angenehmer und effizienter. Bedrohliche Chauffeure und Bodyguards lie\u00dfen sich ersatzlos von der Lohnliste streichen. Ein Gesch\u00e4ft wie jedes andere auch, von dem beide Teile ihren Gewinn haben, solange die Warteschlange von geeigneten Frauen aus Armutsl\u00e4ndern, wo 2000 Franken einem Jahresverdienst entspricht, nicht abbricht? (463)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.7 Die private Variante: Das Dienstm\u00e4dchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kosovare Mehmet lernte in einem Restaurant im Jura im September 1997 die Slovakin Jelena kennen und erz\u00e4hlte ihr, dass er ein Au-Pair-M\u00e4dchen f\u00fcr seine Kinder suche. Sie bot sich daraufhin an, ihm ein solches M\u00e4dchen zu vermitteln, unter der Bedingung, dass er sie nach Bratislava begleite und die Reisekosten \u00fcbernehme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort angekommen, vermittelte sie ihm die junge Dora, die einwilligte, f\u00fcr 300 Franken Monatslohn zuz\u00fcglich Kost und Logis in der Schweiz als Babysitterin zu arbeiten. Daraufhin beauftragte er Jelena, eine weitere junge Frau f\u00fcr einen seiner Freunde in der Schweiz zu suchen, worauf sie mit Zeljana und Mara in die Schweiz zur\u00fcckreiste.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehmets Freund erhielt Zeljana, \u00fcber die er sich aber schon bald beklagte, worauf Eva aus der Slowakei geholt und an ihn vermittelt wurde. Ein weiterer kosovarischer Freund und Nachbar, meldetet ebenfalls seinen Wunsch nach einer slowakischen Babysitterin an, worauf Mehmet am Telefon antwortete, es sei eine Frau verf\u00fcgbar (er meinte Zeljana), er k\u00f6nne das M\u00e4dchen aber nur zum K\u00fcssen verwenden. Auch dieser beklagte sich in der Folge \u00fcber die mangelnde \u201eArbeitsbereitschaft\u201c Zeljanas und stellte in Aussicht, dass er sie nur solange behalten w\u00fcrde, bis er eine Neue bek\u00e4me. Worauf Mehmet erwiderte: \u201eAber du kannst mit ihr alles machen, was du willst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus weiteren abgeh\u00f6rten Telefongespr\u00e4chen geht hervor, dass sich Zeljana geweigert hatte, mit ihrem Arbeitgeber zu schlafen. Dieser versuchte in der Folge zu verhindern, dass sich Zeljana und die neue Frau begegneten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Kosovaren unterhielten sich daraufhin miteinander und diskutierten dar\u00fcber, dass man die Frauen vorher besser informieren m\u00fcsse, dass sie nicht selbst die M\u00e4nner aussuchen d\u00fcrften, sondern dass Mehmet und sein Freund sie ihnen vermittelten. Mehmet versuchte auch, seinen Freund zu beruhigen, der keine Probleme mit den Frauen haben wollte und meinte, dass er sich M\u00e4dchen wie Dora w\u00fcnschte, weil diese sofort Bekanntschaften zu Freiern gemacht habe. Er riet ihm: \u201eEcoute, des qu\u2019elle arrive, tu dois baiser avec la nouvelle fille, car moi, la mienne, je l\u2019ai baisee des son arrivee et je suis satisfait. De plus, elle travaille et fait tout la maison.\u201c Sein Freund meinte darauf: \u201eTu dis a la nouvelle fille, qu\u2019elle doit premierement vendre son trou. C\u2019est promis? Avant qu\u2019elle vienne.\u201c Und f\u00fcgte hinzu: \u201eII faut lui expliquer qu\u2019elle doit d\u2019abord baiser avec moi, sinon elle reste ou elle est.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem Telefongespr\u00e4ch des Au-pair-M\u00e4dchens Dora mit ihrem Bruder geht hervor, dass sie nach 20 Uhr mit Mehmet \u201earbeiten\u201c gehe, der ihr jeweils zwischen 50 und 100 Franken daf\u00fcr gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ausnahme von Zeljana, die offen \u00fcber die peinlichen Momente, die sie in der Familie des Kosovaren erlebt hatte, berichtete, gaben die anderen Frauen zur\u00fcckhaltende Erkl\u00e4rungen ab, machten aber nicht den Eindruck, dass sie sich in ihren Aussagen frei f\u00fchlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erstinstanzliche Gericht kam zum Schluss, dass eine Organisation existiert habe, die junge Frauen unter dem Vorwand einer Au-pair-Stelle zur Prostitution in die Schweiz brachte. Es bezeichnete Mehmet als Kopf dieser Organisation und verurteilte ihn wegen Menschenhandels, Verst\u00f6\u00dfen gegen das Aufenthaltsrecht von Ausl\u00e4ndern, Vermittlung von Scheinheiraten und verschiedener kleinerer Delikte. In einem Appellationsverfahren im Oktober 1999 sprach das Berner Obergericht Mehmet hingegen vom Menschenhandel frei mit dem Hinweis auf ein Bundesgerichtsurteil, wonach der Tatbestand Menschenhandel nicht erf\u00fcllt sei, wenn es sich nur um die Vermittlung einer Person handelt. In den beiden anderen F\u00e4llen sei Menschenhandel nicht erwiesen, da Mehmet aus der Vermittlung von Zeljana und Mara keinen finanziellen Gewinn erzielte. (464)<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich bei diesem Fall um krasse Ausbeutung junger Frauen. Die M\u00e4nner haben nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre sexuelle Verf\u00fcgbarkeit schamlos ausgen\u00fctzt. Die Situation erinnert stark an Zust\u00e4nde in der ersten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts, wo Hausangestellte, die mit der Herrschaft unter einem Dach lebten, oft auch zu sexuellen Dienstleistungen f\u00fcr die Herren des Hauses herangezogen wurden. (465) Die Vermutung, dass diese Praxis bis heute weitergef\u00fchrt wird, wo sich Gelegenheit dazu bietet, ist nicht von der Hand zu weisen. Das Strafrecht st\u00f6\u00dft hier aber an seine Grenzen, denn es ist in solchen F\u00e4llen auf die Anklage des Opfers angewiesen, das sexuelle Bel\u00e4stigung und N\u00f6tigung am Arbeitsplatz einzuklagen bereit w\u00e4re, was von jungen Frauen ohne Sprachkenntnisse, ohne n\u00f6tige Informationen, wie sie sich zur Wehr setzen k\u00f6nnen, ohne Arbeitsbewilligung und ohne Hilfe von betreuenden Organisationen schwerlich zu erwarten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl aufgrund des hohen Personalbedarfs und der hohen Kosten im Pflege-, Betreuungs- und Hausarbeitsbereich eine gro\u00dfe Nachfrage besteht und kleinere Gesch\u00e4fte, private Alters- und Pflegeheime, Privathaushalte oder Landwirtschaftsbetriebe der Verlockung der Kosten senkenden \u201eSchwarzarbeit\u201c nicht immer widerstehen, hat \u201adieses Thema seinen Weg ins \u00f6ffentliche Bewusstsein noch nicht gefunden. (466)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.8 Der Familienclan: Patriarchale Gesch\u00e4ftsmethoden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ende der 90er Jahre sorgte im Kanton Bern ein gr\u00f6\u00dferer Fall f\u00fcr Aufsehen. Der in den 50er Jahren in Bangkok geborene Thail\u00e4nder Sam hatte zusammen mit seinem j\u00fcngeren Bruder, der verschw\u00e4gerten, von einem Schweizer geschiedenen Cima und der verwandten Landsfrau Vilma einen Salonbetrieb mit mehreren Gesch\u00e4ftsstellen in Bern und weiteren Orten im Kanton aufgebaut und betrieben. Sam, von allen Beteiligten als Kopf der Organisation respektiert, wurde in seiner F\u00fchrungsfunktion von seinem Bruder und Vilma, die selbst auch einen Salon betrieb, unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Cima besa\u00df in Bern einen Salon und lie\u00df sich von Sam und seinen Helfern Frauen aus Thailand vermitteln, die sie dann als Prostituierte selber besch\u00e4ftigte oder an andere Salons weitervermittelte. Sie bezahlte pro Frau an Sam direkt, via seinen Bruder oder an Vilma. Sie kassierte als Salonbesitzerin bei den Prostituierten die Freierl\u00f6hne ein, behielt 50% selbst und leitete 50% weiter. Die jungen Thail\u00e4nderinnen wohnten im Salon, wo sie auch zu essen und die n\u00f6tige Berufskleidung bekamen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Beziehungen in Bangkok wurden junge Frauen aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen angeworben und zum Teil von Sam selbst oder von seinem Bruder und Vilma in die Schweiz gebracht. Sam bezahlte f\u00fcr die Frauen, die mit einem Besuchervisum in die Schweiz kamen, das ihnen keinerlei Arbeitst\u00e4tigkeit gestattete, jeweils 16&#8217;000 Franken Um die Einreise in die Schweiz zu erleichtern, f\u00e4lschte Sam mit seinem Bruder mehrere Ausweispapiere und P\u00e4sse.<\/p>\n\n\n\n<p>Sam, sein Bruder oder Vilma brachten die Frauen vom Flughafen direkt in die Salons, wo sie sich nach den Instruktionen ihrer Landsleute prostituieren mussten. Manchmal nahmen sie ihnen auch die P\u00e4sse ab. Ansonsten konnten sie sich frei bewegen. Die Frauen, direkt aus thail\u00e4ndischen D\u00f6rfern oder aus Bangkok kommend, sprachen nur Thai, eventuell etwas Englisch. Sie waren mit Sitte und Kultur in der Schweiz nicht vertraut. Angesichts der hohen Schulden bei Sam blieb als einzige M\u00f6glichkeit, als Prostituierte Geld zu verdienen. Sie hofften nach Abzahlung der Schulden in die eigene Tasche wirtschaften zu k\u00f6nnen. Aber soweit kam es nicht, denn die Frauen verlie\u00dfen die Schweiz jeweils nach wenigen Monaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussagen der vor Gericht zitierten Thail\u00e4nderin, wonach sie in der Schweiz habe Ferien verbringen wollen, scheinen dem Gericht widerspr\u00fcchlich und unglaubw\u00fcrdig. Sie bezeichnete Sam zwar als ihren Freund, brachte aber noch in der Einvernahme durch den Untersuchungsrichter zum Ausdruck, dass sie gro\u00dfe Angst vor ihm hatte. Ihr war klar, dass sie f\u00fcr die Reisevorbereitungen, das Ticket und die Aufnahme in der Wohnung von Sam 16&#8217;000 Franken bezahlen musste. Dieses Geld hatte sie aber nicht, ihr war bewusst, dass sie nicht einfach zu einem Touristenaufenthalt in die Schweiz eingeladen worden war, sondern dass Sam eine Gegenleistung von ihr erwartete. Dieser Fall unterscheidet sich nicht von den \u00fcbrigen F\u00e4llen, wo sich Frauen ebenfalls in einer wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeit von Sam befanden, was ihnen kaum erlaubte, sich seinen Ansinnen zu widersetzen. Da die Thail\u00e4nderinnen zum Teil weder Papiere noch Geld besa\u00dfen, kam f\u00fcr sie ein Abbruch der T\u00e4tigkeit oder Flucht nicht in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise wurden w\u00e4hrend eines Jahres mindestens 20 Frauen aus Thailand in die Schweiz gebracht, wo sie sich ohne die erforderliche Bewilligung prostituierten. Davon hat der Familienverband von Sam jedenfalls so gut gelebt, dass keiner von ihnen eine andere Arbeit suchen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufmerksam auf das Treiben wurde die Polizei, als eine der Frauen sich abzusetzen versuchte. Sam, sein Bruder, Cima und Vilma wurden in Untersuchungshaft genommen, wo sich Sam, der Hauptangeklagte, das Leben nahm. In erster Instanz wurden die andern drei Beschuldigten durch das Kreisgericht Aarwangen-Wangen des mehrfachen Menschenhandels bzw. der Gehilfenschaft, der Widerhandlungen gegen das ANAG, der Bruder von Sam der F\u00e4lschung von Ausweisen und Vilma der Geldw\u00e4sche und des Wuchers f\u00fcr schuldig befunden und zu Gef\u00e4ngnis, Bu\u00dfen und Landesverweisung verurteilt. Vilma akzeptierte ihr Urteil, der Bruder von Sam und Cima appellierten ans Obergericht des Kantons Bern. Dieses best\u00e4tigte die Urteile weitgehend. Am 19. November 1999 verurteilte die 4. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern Sams Bruder wegen Menschenhandels, Widerhandlungen gegen das ANAG und F\u00e4lschung von Ausweisen zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe von zweieinhalb Jahren, zu 2000 Franken Bu\u00dfe, zu sechs Jahren Landesverweisung und zur teilweisen \u00dcbernahme der Verfahrenskosten. Cima erhielt wegen Gehilfenschaft zu Menschenhandel und Widerhandlungen gegen das ANAG eine Gef\u00e4ngnisstrafe von drei Monaten, eine Bu\u00dfe von 3000 Franken und musste die Verfahrenskosten teilweise \u00fcbernehmen. (467)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Muster des Familienclans zur Organisierung von Prostitutionsmigration ist als typische Variante der ethnisch verbundenen Formen von \u201eFrauenhandel\u201c charakteristisch f\u00fcr die Schweiz. Die Beziehungen zum eigenen Herkunftsland im Land selber (bei der Anwerbung der Ausreisewilligen, bei der Beschaffung von Ausweispapieren und beim Transport) und in der Schweiz (Aufnahme, Instruktion und Weitervermittlung) spielen eine gro\u00dfe Rolle. Der Vorteil dieses Systems liegt auf der Hand: Das Verh\u00e4ltnis zwischen den herbeigeschafften Frauen und den \u201eArbeitgebern\u201c baut auf den kulturellen Mustern des Herkunftslandes auf und muss weder erkl\u00e4rt noch kann es hinterfragt werden. Der Konsens ist vorausgesetzt und beide Seiten verstehen, was gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eArbeitgeber\u201c, von denen mindestens einer im Besitz eines Schweizer Passes oder einer Arbeitsbewilligung ist, kennen sich im Gesch\u00e4ft aus und ergreifen die Gelegenheit, unter bestm\u00f6glicher Einhaltung der Schweizer Regeln, ihre Landsfrauen auszubeuten und damit ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Wie das Beispiel zeigt, gehen sie dabei so weit, dass die Beh\u00f6rden ihnen Gesetzesbr\u00fcche nachweisen und sie daf\u00fcr verurteilen k\u00f6nnen. Die Vorsicht, sich nicht gegen das Strafgesetz zu vergehen nimmt zu und es bleiben die Widerhandlungen gegen das Aufenthaltsgesetz f\u00fcr Ausl\u00e4nder als wichtigste Klippe, die es zu umschiffen gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prostituierten sind von Landsleuten umgeben und sehen oft keine Veranlassung oder M\u00f6glichkeit, die Sichtweisen und Gepflogenheiten des fremden Landes wahrzunehmen. Das hei\u00dft, sie sind sich ihrer Rechte oder ihres Unrechts meist wenig bewusst und neigen dazu, die Verantwortung z.B. f\u00fcr ihre illegale T\u00e4tigkeit oder ihren illegalen Aufenthalt den Personen abzutreten, die sie hergeholt haben und arbeiten lassen. Dabei gehen sie von der Annahme aus, dass ihre Landsleute, bei denen sie besch\u00e4ftigt sind und die sich schon l\u00e4nger in der Schweiz aufhalten, sich mit den Gesetzen, Sitten und Gebr\u00e4uchen besser auskennen als sie selbst. Die Abh\u00e4ngigkeit ist also eine doppelte: Die sprachliche und kulturelle Abh\u00e4ngigkeit von den Landsleuten in einem fernen und fremden Land und ihre gro\u00dfe finanzielle Verschuldung gegen\u00fcber den \u201eArbeitgebern\u201c vor dem Hintergrund ihrer eigenen schwachen \u00f6konomischen Stellung im Herkunftsland.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.6.9 Zusammenfassung: Gesch\u00e4fte mit der Prostitutionsmigration<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Marktentwicklung und Strukturen der Organisation von Prostitutionsmigration<\/strong><br>Im Vordergrund stehen Marktentwicklung und Strukturen der Organisation von Prostitutionsmigration, Akteure, M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Strafverfolgung sowie die Entwicklung und Intentionen der Rechtsprechung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Revision des Sexualstrafrechts bestimmten weitgehend Strukturen den Sexmarkt, wo Sextouristen in lateinamerikanischen und sp\u00e4ter in asiatischen L\u00e4ndern (vor allem Brasilien und Thailand) die Verbindung zur Schweiz herstellten. Typische F\u00e4lle daf\u00fcr sind Sams Salons in Bern und das Hotel-Bordell von Urs und Angela. Mit der \u00d6ffnung Osteuropas und der Abschaffung der Zuh\u00e4lterei als Straftatbestand \u00e4nderte sich der Markt und die Organisationsformen von Prostitutionsmigration. Typisch hierf\u00fcr sind die Begleit-Agenturen mit Chauffeuren und Telefonzentrale. Auf dem Hintergrund eines wachsenden Marktes treten, nebst den traditionellen Formen von Nachtclubs, Cabarets und Barbetrieben mit Separ&amp;es und Zimmern, neue Angebotsvarianten in Erscheinung. Im Escort-Gesch\u00e4ft organisieren sich die Zuh\u00e4lter arbeitsteilig, funktionieren als Chauffeure, Kontrolleure, Telefonisten oder Einkassierer und gruppieren sich lose um einen \u201eChef\u201c. Diese haben meistens das Schweizer B\u00fcrgerrecht und durch Herkunft oder Heirat Beziehungen in die L\u00e4nder Osteuropas, S\u00fcdamerikas, Afrikas oder Asiens. Dort organisieren sie einen Gro\u00dfteil des Nachschubs.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese neuen Gesch\u00e4ftsmethoden zeichnen sich ganz im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Rotlichtmilieu durch Unauff\u00e4lligkeit, Mobilit\u00e4t und moderne Hilfsmittel aus, wie etwa die g\u00e4ngige \u00dcberwachung von Prostituierten mithilfe von Mobiltelefonen zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesen beiden Auspr\u00e4gungen von Gesch\u00e4ften mit Prostitutionsmigration setzt sich allm\u00e4hlich ein neuer Trend durch. Wie der Fall des Sauna-Clubs zeigt, bl\u00fchen neuerdings Einrichtungen, die Prostitution zusammen mit Fitness und K\u00f6rperkultur an den Mann bringen. Dabei kann weitgehend auf Drohungen und rigide Kontrollen verzichtet werden. Stattdessen reicht die sozio-kulturelle Vermittlung von Prostitution als \u201enat\u00fcrlich\u201c und \u201eArbeit, wie jede andere auch\u201c, um die Frauen entsprechend unter Druck zu setzen und zum \u201eArbeiten\u201c zu veranlassen. Die Gesch\u00e4ftsmethoden sind denen anderer Gesch\u00e4ftszweige angeglichen, modern und transparent. Oft als Aktiengesellschaft organisiert, entheben sich Zuh\u00e4lter, Vermittler, Anwerber und Bordellinhaber beiderlei Geschlechts durch arbeitsteilige Zust\u00e4ndigkeiten der direkten Verantwortlichkeit. Dass dahinter akribisches Kalk\u00fcl steht und mehrheitlich mit kosteng\u00fcnstigen Prostituierten aus Armutsverh\u00e4ltnissen gerechnet wird, kratzt allerdings bedenklich am hochgehaltenen Image des \u201esauberen\u201c Gesch\u00e4fts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auferstehung einer weiteren Variante, die sexuelle und materielle Ausbeutung von Dienstpersonal im privaten Betrieb oder Haushalt, die hierzulande weitgehend als abgeschafft galt, gibt zu Besorgnis Anlass. Wie aus dem beschriebenen Fall des Kosovaren Mehmet hervorgeht, sind Ermittlungen und Kontrollen durch Strafverfolgungsbeh\u00f6rden im privaten Bereich von Haushalt oder Kleinbetrieb mit gro\u00dfem Aufwand verbunden und, wo sich keine Kl\u00e4ger melden, schwierig. Einige aufgedeckte F\u00e4lle im Bereich Hausangestellte\/Schwarzarbeit lassen jedoch den Schluss zu, dass es sich hier um ein gro\u00dfes, bislang weitgehend unbeachtetes Feld handelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Die Akteure<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An der Ausbeutung der sozialen und \u00f6konomischen Notlage von Frauen beteiligen sich nicht nur M\u00e4nner, auch Frauen (oft Landsfrauen der Prostitutionsmigrantinnen) \u00fcbernehmen Funktionen im arbeitsteiligen Gesch\u00e4ft oder treten selber als \u201eChefin\u201c auf, wie der Fall von Zusanna zeigt. Je nach Gesch\u00e4ftstyp treten eher Schweizer oder eher Ausl\u00e4nder, Frauen oder M\u00e4nner auf. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie kurzoder l\u00e4ngerfristig am Sexgesch\u00e4ft mit ausl\u00e4ndischen Personen ohne entsprechende Bewilligungen profitieren wollen und dabei in Kauf nehmen, gegen Schweizer Gesetze und Verordnungen zu versto\u00dfen. Die meisten zeigen sich keiner Schuld bewusst und rechnen nicht mit einschneidenden Sanktionen. Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit der wahrgenommenen Liberalisierung und Toleranz des Schweizer Umfelds, wonach Prostitution generell der sozialen Kontrolle unzug\u00e4nglich ist und auch die gesetzlichen Hindernisse weitgehend entfallen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus den beschriebenen F\u00e4llen geht hervor, dass die Prostitutionsmigrantinnen h\u00f6chstens 40% des Freierlohns bekommen, viele von ihnen mussten am Schluss auch mit leeren H\u00e4nden zur\u00fcckkehren, da ihnen der Lohn vorenthalten wurde. Ihr illegaler Aufenthaltsstatus in der Schweiz und ihre Unkenntnis machen sie zu manipulierbaren Opfern der Betreiber und Organisatoren, welche kaum rohe Gewalt anwenden m\u00fcssen, um die Frauen \u201ebei der Stange\u201c zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffenen Frauen und M\u00e4nner geraten in der Regel aus dem Fokus der Beh\u00f6rden, werden in ihr Heimatland geschickt und ihrem Schicksal \u00fcberlassen, sobald feststeht, dass sie nicht Opfer von massivem Druck und Gewalt sind. In diesem Fall h\u00e4tten sie \u00fcber das Opferhilfegesetz Anspruch auf Unterst\u00fctzung. (468)<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von wenigen F\u00e4llen, in denen Schweizerinnen als Opfer von Vergehen gegen Art. 195 StGB (F\u00f6rderung der Prostitution) gerichtlich in Erscheinung treten, (469) handelt es sich bei den Betroffenen fast durchwegs um Personen aus dem Ausland, die ohne die erforderlichen Bewilligungen in der Schweiz der Prostitution nachgingen. Damit handelten sie wider geltendes Recht (ANAG), sodass fremdenpolizeiliche Ma\u00dfnahmen ergriffen werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Prostitution und deren Konsum in der Schweiz nicht strafbar ist, liefern Gerichtsentscheide keine Informationen \u00fcber die Freier. Einzig die zum Teil betr\u00e4chtlichen Geldbetr\u00e4ge, die \u00fcber den Konsum von Prostitution umgesetzt werden, sind aktenkundig und geben Anlass zu Fragen nach diesen Akteuren. Da sie es sind, die das ganze Gesch\u00e4ft bezahlen und so am Laufen halten, kommt ihnen eine Schl\u00fcsselposition zu (vgl. Kap. 4.5, Freierbefragung).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Strafverfolgung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die dargestellten F\u00e4lle wurden aufgrund ihrer typischen Organisationsstrukturen von Prostitutionsmigration ausgew\u00e4hlt. Au\u00dfer bei Alfons und Mathilda wurden die Ermittlungen bei allen F\u00e4llen zuerst aufgrund des Verdachts auf Menschenhandel aufgenommen, was mit gro\u00dfem Aufwand verbunden war. Davon wurde aber nur in drei F\u00e4llen Menschenhandel angeklagt (Call-Boy-Ring, Mehmet und Sam, wobei nur der letztere wegen Menschenhandels verurteilt wurde und sich der Hauptt\u00e4ter der irdischen Gerichtsbarkeit durch Suizid entzog. Unter diesen Umst\u00e4nden zeigt sich das Instrumentarium der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zur Verfolgung von Menschenhandel einmal durch die Erfahrung mit den Strafverfahren und aufgrund sp\u00e4rlicher h\u00f6chstrichterlicher Jurisdiktion als beschr\u00e4nkt und gibt zu Verunsicherungen und zur Reorganisation der polizeilichen Agenda Anlass. Die lange Zeitdauer vom Anfang der Ermittlungen (wegen Menschenhandels) bis zum Abschluss der Verfahren l\u00e4uft au\u00dferdem der Ahndung der Widerhandlung gegen das ANAG entgegen, da dieses eine viel k\u00fcrzere Verj\u00e4hrungsdauer kennt und so, wie im Fall Zusanna, gegen die mit gro\u00dfem Aufwand wegen Menschenhandels ermittelt wurde, am Ende in einen Freispruch m\u00fcnden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht man davon aus, dass neue Gesetze immer eine gewisse \u201eAnlaufzeit\u2018\u201c brauchen, um deren Praktikabilit\u00e4t auszutarieren und die Intention des Gesetzgebers in ihrer praktischen Konsequenz zu etablieren, scheinen auf unser Thema bezogen gleich drei Faktoren auf, die diesen Prozess zus\u00e4tzlich beeinflussen:<\/p>\n\n\n\n<p>a) Das zeitliche Zusammenfallen der Abschaffung des Zuh\u00e4ltereiartikels mit der \u00d6ffnung Osteuropas und der damit verbundenen neuen Welle der organisierten Prostitutionsmigration,<\/p>\n\n\n\n<p>b) die vor allem durch Diskussionen um sexuelle Gewalt in der Ehe inspirierte Fokussierung des Gesetzgebers auf das Rechtsgut \u201esexuelle Selbstbestimmung\u201c, die spezifische richterliche Interpretation des Begriffs und seine Anwendung auf Prostitutionsmigration,<\/p>\n\n\n\n<p>c) die veraltete und ungriffig belassene Formulierung des Menschenhandelsartikels aufgrund der fehlenden politischen Antizipation von organisierter Prostitutionsmigration bzw. die kontroverse Auslegung dieses Artikels in der Lehre.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall des Sauna-Clubs beispielsweise zeigt, dass sich die Rechtsauffassung verschiedener Instanzen bei gleicher Beweislage diametral entgegenstehen k\u00f6nnen. Das Rechtsempfinden einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zu einem brisanten Thema ist unbefriedet, wenn eine Legitimierung ausbleibt und das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren geht. Andere Wirtschaftsbranchen, die mit g\u00fcnstigen, saisonalen Arbeitskr\u00e4ften aus dem Ausland rechnen, wie Landwirtschaft, Gastgewerbe, Bauindustrie k\u00f6nnten sich durch die liberale, sexgesch\u00e4ftfreundliche Rechtspraxis ungleich behandelt vorkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verpflichtung gegen\u00fcber den internationalen Abkommen zur Bek\u00e4mpfung von Menschenhandel und die Auflagen zur Intoleranz gegen\u00fcber jeglicher Art von Frauen verachtender und Frauen Diskriminierung fordert Politik und Rechtspraxis auf, Akzente zu setzen und dem Gesch\u00e4ft mit ausl\u00e4ndischen Frauen, die sich aus materieller Not oder Perspektivlosigkeit im eigenen Land veranlasst sehen, sich als Prostituierte anwerben zu lassen, Grenzen zu setzen. Von \u201esexueller Selbstbestimmung\u201c, die gesch\u00fctzt werden m\u00fcsste, oder von Prostitution als \u201eArbeit, wie jede andere auch\u201c kann bei solchen Gesch\u00e4ften nicht die Rede sein. Das Bundesgericht nimmt R\u00fccksicht auf diese Realit\u00e4ten, wenn es in einem k\u00fcrzlich gef\u00e4llten Leitentscheid (470) den Begriff \u201eder wirksamen Einwilligung\u201c (effettivamente libero da costrizioni) (471) einf\u00fchrt und internationalen Vereinbarungen \u00fcber Menschenrechte den Vorzug vor nationalen Regelungen einr\u00e4umt. Ein ungel\u00f6stes Problem besteht allerdings in den F\u00e4llen, wo ein Verhalten nach internationalem Recht zwar strafbar ist, die entsprechende Norm in der nationalen Gesetzgebung aber fehlt (nullum crimen sine lege). (472) <strong>Anmerkungen<\/strong><br>442 Kleiber, D. und Velten, D. (1994): Prostitutionskunden. Eine Untersuchung \u00fcber soziale und psychologische Charakteristika von Besuchern weiblicher Prostituierter in Zeiten von Aids; Ahlemeyer, H.W., (1996): Prostitutive Intimkommunikation. Zur Mikrosoziologie heterosexueller Prostitution; Landert, Farago, Davatz &amp; Partner (2000): Kondomverweigernde Freier, im Auftrag der Aids-Hilfe Schweiz. Z\u00fcrich; (2002): Prostitution und ungesch\u00fctzter Verkehr in der Schweiz. Institut f\u00fcr Konsumenten und Sozialanalysen, im Auftrag von Aids-Hilfe Schweiz. Z\u00fcrich. 443 Clement, Ulrich (1987): Sexualit\u00e4t im sozialen Wandel. S. 296.<br>444 Im Tages Anzeiger f\u00fcr die Region Z\u00fcrich am Donnerstag, Freitag und Samstag; im Blick f\u00fcr die ganze Deutschschweiz am Mittwoch und am Samstag. 445 Die meisten Interviews wurden von Frauen (einer Sozialwissenschafterin, einer erfahrenen hot-line Telefonistin und der Autorin) durchgef\u00fchrt, nur 5% von einem Soziologie-Studenten. Abgesehen von der Entlastung der Hauptinterviewerinnen entspricht es dem Konzept der Untersuchung, sowohl M\u00e4nner als auch nicht vorbelastete, neutrale Interviewerinnen einzubeziehen. Nach sorgf\u00e4ltiger Einf\u00fchrung waren die zugezogenen Personen an einem bis drei Tagen w\u00e4hrend vier bis zw\u00f6lf Stunden am Telefon bereit.<br>446 Z.B. das \u201eManneb\u00fcro\u201c in Z\u00fcrich, u.a.<br>447 Vgl. den ausgesprochenen Wunsch nach weiblicher Gespr\u00e4chspartnerin, oder die oft an die Interviewerinnen gestellte R\u00fcckversicherungsfrage: \u201eFinden Sie das jetzt pervers?\u201c oder \u201eFinden Sie das normal?\u201c<br>448 Die ausf\u00fchrlichen Interviewprotokolle und Fragebogen werden aus Umfanggr\u00fcnden dem Bericht nicht beigelegt, k\u00f6nnen aber bei der Autorin nachgefragt werden.<br>449 Kleiber und Velten beziehen in ihrer Freierstudie auch t\u00fcrkische Freier mit ein, indem sie spezielle Aufrufe lancierten und t\u00fcrkisch sprechende Interviewer zur Verf\u00fcgung stellten.<br>450 Kleiber und Velten best\u00e4tigen in ihrer Studie einen leichten \u00dcberhang der Faktoren Bildung und Einkommen bei deutschsprachigen Freiern, die Printmedien benutzen, im Vergleich zu anderen Freiern.<br>451 Quelle: Bundesamt f\u00fcr Statistik: Volksz\u00e4hlung. Wohnbev\u00f6lkerung Schweiz 2000.<br>452 Pers\u00f6nliche Mitteilung eines au\u00dferhalb der Studie befragten Freiers. Er ist Informatiker in einer leitenden Position, 51 Jahre alt und lebt mit seiner Freundin.<br>453 Die F\u00e4lle beruhen auf Schweizer Gerichtsurteilen. In der Schweiz gibt es kein Zentralarchiv f\u00fcr Gerichtsurteile. Jeder Gerichtshof hat sein eigenes System der Archivierung. Die Beschaffung der Gerichtsurteile mit Pr\u00e4ferenz Frauenhandel und Osteuropa erwies sich als \u00e4usserst schwierig und zeitraubend, obwohl Damen und Herren Gerichtspr\u00e4sidenten, Archivare und Sachbearbeiter hilfsbereit und entgegenkommend waren, was an dieser Stelle nochmals herzlich verdankt sei. Da oft nur nach Datum abgelegt wird, Archivare unterdessen gewechselt hatten oder F\u00e4lle an h\u00f6here Instanzen weitergezogen und im Berichtszeitraum nicht abgeschlossen waren, kann hier keine Vollst\u00e4ndigkeit erwartet werden. Die gesammelten F\u00e4lle erf\u00fcllen aber Kriterien wie \u00dcberblick, Chronologie von Gerichtsurteilen, Vertretung verschiedener gerichtlicher Instanzen und der Landessprachregionen, \u201eStadt und Land\u201c sowie \u201eWichtige F\u00e4lle\u201c. Die Leitentscheide des Bundesgerichts liegen vollz\u00e4hlig vor. Der Informationsgewinn bei Vorliegen weiterer Urteile d\u00fcrfte gering sein.<br>454 Es handelt sich hier um Standardvertr\u00e4ge, wie sie der Bund f\u00fcr die Kontingentzuteilung fordert. Darin werden Lohn, Sozialabgaben, Steuern und Versicherungen geregelt. Die acht Monate g\u00fcltige L-Bewilligung erlaubt weder Animation zu Alkoholkonsum noch Prostitution.<br>455 Bundesgerichtsentscheid 68.446\/2000\/hev.<br>456 Wegen ihres illegalen Status bekamen die wenigsten Frauen vor ihrer Abschiebung ins Heimatland die Gelegenheit zu einer Stellungnahme vor Gericht. Die Feststellungen beruhen hier auf den Aussagen der vor Gericht angeklagten Tibor und Edgar.<br>457 F\u00fcr die ausf\u00fchrliche rechtliche W\u00fcrdigung des Falles vgl. Kapitel 5.5.2 und 5.5.3.<br>458 Aufsteigende Geschlechtskrankheiten mit m\u00f6glichen Langzeitfolgen nehmen laut pers\u00f6nlicher Mitteilung von Frau Dr. med. Zemp, Basel zu. Abtreibungen sind bei Sexmigrantinnen keine Seltenheit. Die Kantonsr\u00e4tin Noi-Togni berichtet von F\u00e4llen schwerer Alkoholsucht im Zusammenhang mit Prostitutionsmigration.<br>459 Bundesgerichtsentscheid 68.570\/1997\/flo.<br>460 Kantonspolizei Chur, Aids-Hilfe Schweiz in Chur, Polizeistelle Sion, Wallis.<br>461 BGE 126 IV 76. Die juristische Fortsetzung ist hier im Kap. 4.8.5.4 beschrieben.<br>462 Rechtliche W\u00fcrdigung des Falles vgl. Kapitel Rechtsprechung, 4.8.5.4, BGE 126 IV 76.<br>463 Juchler, Jakob (2001): Zum Kontext der postsozialistischen L\u00e4nder.<br>464 F\u00fcr die ausf\u00fchrliche rechtliche W\u00fcrdigung des Falles vgl. Kapitel 5.4.5.<br>465 Bochsler, Regula und Gisiger, Sabine (1998): Dienen in der Fremde. Dienstm\u00e4dchen und ihre Herrschaften in der Schweiz des 20. Jahrhunderts.<br>466 Garbade, Jean-Pierre (2000): Les droits des employes de maison.<br>467 F\u00fcr die ausf\u00fchrliche rechtliche W\u00fcrdigung des Falles vgl. Kapitel 5.4.6.<br>468 Nach Anfrage bei der Opferhilfestelle Z\u00fcrich ist kein Fall bekannt, wo sich ausl\u00e4ndische Prostituierte mit Opferhilfe-Anspruch bei der Stelle gemeldet h\u00e4tten.<br>469 Ein Fall betrifft zwei Minderj\u00e4hrige aus l\u00e4ndlicher Umgebung, die sich von einem Salonbesitzer als Prostituierte anstellen lie\u00dfen, ein anderer Fall betrifft eine schwer alkoholabh\u00e4ngige Frau, die sich von ihrem arbeitslosen ausl\u00e4ndischen Ehemann zwecks Finanzierung der Existenz in der Prostitution festhalten lie\u00df (beide F\u00e4lle aus Basel).<br>470 BGE 128 IV 117.<br>471 vgl. BGE 126 IV 225.<br>472 Einigten sich in unserem Fall Rechtslehre und Rechtsprechung auf eine Interpretation des Menschenhandelsartikels laut Botschaft des Bundesrats, w\u00e4re dies kompatibel mit einer Norm gegen Zuh\u00e4lterei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiterlesen: Frauenhandel\u00a9 ProLitteris, Rahel Zschokke 4.5 Die Freierbefragung4.5.1 Konzeption Im Rahmen des NFP40, des Forschungsprogramms des Schweizerischen Nationalfonds, welcher diese Studie finanzierte, regte die Expertenkommission an, die Freier Red und Antwort stehen zu lassen, um etwas \u00fcber die Nachfrageseite des Sex-Marktes in Erfahrung zu bringen. Bei der Konzeption einer Freierbefragung zeigte sich, dass die meisten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/?p=2885\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Frauenhandel 4.5_4.6 Freierbefragung Prostitutionsgesch\u00e4ft<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2885","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2885"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2885\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2887,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2885\/revisions\/2887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.orlux-ag.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}