Aushandlung der Maskenpflicht deVries

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© ProLitteris, Autorin: Raffaela Christina de Vries (Volltext)

Einleitung

Seit Donnerstag, dem 27. August 2020, gilt im Kanton Zürich aufgrund des SARS-CoV-2 (Severe acute respiratory coronavirus type 2) eine Maskentragpflicht in den Läden. Als Reaktion darauf konnte man in den Einkaufszentren der angrenzenden Kantone Schwyz oder Aargau eine deutliche Zunahme an zürcherischen Einkäufern feststellen1. Erklärt wurde dies mit dem Ausbleiben der Maskentragpflicht in den Läden in diesen Kantonen. Zwei Wochen später, am 10. September 2020, wurde die Maskentragpflicht im Kanton Zürich erweitert. Ab diesem Zeitpunkt sollten auch in allen anderen öffentlich zugänglichen Bereichen Masken getragen werden2. Am 29. Oktober 2020 wurde die Maskentragpflicht gesamtschweizerisch durch den Bund verordnet3.

Beginn September wurden in diversen Medien die Schlagzeilen prominent, dass beispielsweise Ikea in Dietlikon Zürich die Maskentragdispens aufgrund eines Arztzeugnisses nicht akzeptiert und somit der Zutritt verweigert wird4. Bei der Konsultation der Website von Ikea, insbesondere der Hausordnung, liess sich vor der Einführung der nationalen Maskenpflicht folgende Aussage finden:

«Wir richten uns nach den kantonalen Bestimmungen zur Bekämpfung der Pandemie. In einigen unserer IKEA Einrichtungshäusern gilt zudem eine ausnahmslose Maskenpflicht […]. Kundinnen und Kunden, die keine Maske tragen möchten – ob mit oder ohne Attest – wird der Besuch eines Einrichtungshauses, in dem die Maskenpflicht gilt, nicht gestattet. Wir handhaben es ‘für die Vielen’ gleich und sehen in uns nicht die nötige Fachkompetenz, zwischen einem ärztlich verschriebenem und einem im Internet gekauften Attest zu unterscheiden.»5

Der Verweis auf die kantonalen Bestimmungen zeigt lediglich, dass die Maskenpflicht «in allen Innenräumen von Einkaufsläden, Einkaufszentren und Märkten»6 gilt. Doch der Verzicht auf eine Akzeptanz von Arztzeugnissen lässt sich auf keine mit dem im Virus in Verbindung stehende Rechtsgrundlage zurückführen. Daraus lässt sich schliessen, dass Ikea hier eine subjektive Entscheidung gefällt hat, welche auch anders hätte getroffen werden können.

Aus diesem Grund ergibt sich die Forschungsfrage für diese im Seminar „Empirische Ansätze der Rechtssoziologie“ an der Universität Zürich entstandene Arbeit: Inwiefern wird die Maskentragpflicht in öffentlichen Räumen wahrgenommen und persönlich umgesetzt?

Theoretische Rahmung

Mit der soeben hergeleiteten Forschungsfrage lassen sich zwei Hypothesen aufstellen, welche in dieser Arbeit überprüft werden sollen. Einerseits kann man sagen, dass die Maskentragpflicht entweder positiv oder negativ wahrgenommen wird. Eine neutrale Haltung zu diesen Regeln im Kanton Zürich ist nicht möglich, dies aufgrund der vielen unterschiedlichen Handhabungen der Kantone in Bezug auf den Umgang mit dem Virus SARS-CoV-2. So könnte man fast daraus schliessen, dass das Virus je nach Kanton ein Anderes sein müsse. Aufgrund dieses Föderalismus und der Suche nach dem richtigen Weg, kann die Frage aufkommen, inwiefern eine Maske nützen kann, wenn sie in diversen Kantonen nicht getragen werden muss. Andererseits könnte man argumentieren, dass die Maskentragpflicht im Kanton Zürich ein Schritt in die richtige Richtung ist/war, damit immer mehr Kantone diese einführen konnten.

Als zweite Hypothese lässt sich überprüfen, worauf sich die Umsetzung der Maskentragpflicht zurückführen lässt. Wie am Beispiel der Ikea dargelegt, wird eigentlich auf eine Rechtsgrundlage, hier auf die kantonalen Verordnungen, verwiesen, wobei die konsequente Umsetzung mit der Verweigerung eines Arztzeugnisses nichts mit einer Rechtsgrundlage zu tun hat, sondern mit der persönlichen Kompetenzzumutung oder eher persönlichen Werten.

Somit lässt sich der theoretische Zugang mit Parsons Strukturfunktionalismus herstellen. Mit dem Strukturfunktionalismus wird die Gesellschaft als geschlossenes Handlungssystem betrachtet. Dabei geht es um «eine Theorie, die unabhängig von jeglicher Gesellschaft theoretisch begründet, warum und wie eine bestimmte Handlung zur Entfaltung des jeweiligen gesellschaftlichen Systems beitragen kann, in dem diese Handlung stattfindet»7. Das bedeutet, die Handlung kann einen Beitrag für die Erhaltung des Systems leisten.

Bei Parsons8 zeigen sich hierbei folgende Möglichkeiten einer Orientierung individuellen Handelns («Pattern Variables») auf: Affektivität oder Neutralität, Orientierung am Kollektiv oder an sich selbst, Partikularismus oder Universalismus, Orientierung an den Vorgaben oder an der Leistung und zuletzt diffuses oder spezifisches Verhalten9. An diesen Orientierungspunkten wird sich auch diese Arbeit speziell im Kapitel der deskriptiven Analyse festmachen. Dabei ist es aber wichtig, dass die Punkte nicht als einander gegenübergestellt und somit gegenteilig, sondern als Kontinuum gesehen werden sollen.

«Jede Handlung kann nach Parsons durch drei Eckwerte beschrieben werden: 1. Durch die Beschaffenheit der Situation, 2. durch die Bedürfnisse des Handelnden und 3. durch die Bewertung der Situation durch den Handelnden, der stets versuchen muss, einen Ausgleich zwischen seinen individuellen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Anforderungen zu finden. […] Indem die Notwendigkeit des Ausgleichs zwischen den persönlichen Bedürfnissen und den sozialen Interessen in die Natur des Menschen verlegt wird, begründet Parsons die für ihn notwendige These, dass soziales Handeln vornehmlich aussen geleitetes Handeln ist.»10

Methode

In dieser Arbeit wird die Grounded Theory Methodology als leitende Methode betrachtet, da sie den Forschungsprozess aus subjektiver Sicht am umfassendsten reflektiert. Zudem scheint sie gut handhabbar zu sein. Das Konzept, die Überprüfung der Hypothesen aufgrund der Daten zu ermöglichen, scheint für dieses Vorhaben am sinnvollsten.

Leitfadeninterview

Das Leitfadeninterview11 wurde hierfür ausgesucht, da es im Einzelsetting stattfindet, welches mögliche Hemmschwellen mindert und somit eine detailliertere Erzählung ermöglicht12. Die daraus entstandenen Transkripte werden einander gegenübergestellt. Dabei werden gemäss der Grounded Theory Methodology Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Bezug auf die Hypothesen herausgearbeitet. Ausgehend von dem zu Beginn vorhandenen Vorwissen, aber auch von den Erfahrungen oder Vorannahmen, wurden bereits am Anfang Hypothesen entwickelt und darauf basierend Material erhoben, um die oben dargestellten Hypothesen zu überprüfen. Es handelt sich somit um einen Prozess des ständigen Vergleichens, des Verifizierens und des Falsifizierens13.

Probleme mit der Grounded Theory Methodology können sich ergeben, wenn die theoretische Sättigung bei einem extrem kleinen Sampling nicht oder zu früh erreicht wird. Bei einem Nicht-Erreichen kann es sein, dass die Validität der Forschung nicht (vollständig) vorhanden ist. Bei einem zu frühen Erreichen der theoretischen Sättigung kann das Gütekriterium der Reliabilität in Frage gestellt werden. Da in dieser Forschung lediglich zwei Interviews geführt wurden, lässt sich hier keinen Anspruch auf Validität erheben. Dazu müsste man in weiterführenden Forschungen mehr Interviews führen. Jedoch ist hier zusätzlich zu betrachten, dass sich die aktuelle Situation sehr schnell ändert, was auch in diesem Beispiel zur Folge hat, dass die untersuchte Situation nicht mehr aktuell ist.

Die digitale Aufzeichnung des Interviews dient der Transkription und wurde im Anschluss nach den Regeln von Dresing und Pehl14 transkribiert und danach vernichtet. Das Transkript wurde vollständig anonymisiert, d. h. alle Personen, Orte oder Institutionen, mit welchen auf die interviewte Person geschlossen werden könnte, wurden weggelassen oder für das Verständnis durch die Funktion der Person oder der Institution ersetzt. Dies wurde von Beginn an mit den Freiwilligen besprochen. Diese haben jeweils eine Einverständniserklärung unterschrieben.

Der Leitfaden für das Interview und die beiden Transkripte sind im Anhang beigefügt. Zudem ist eine leere Einverständniserklärung dem Leitfaden angehängt.

Teilnehmende Beobachtung

«Unter einer wissenschaftlichen Beobachtung (‘scientific observation’) versteht man die zielgerichtete, systematische und regelgeleitete Erfassung, Dokumentation und Interpretation von Merkmalen, Ereignissen oder Verfahrensweisen mithilfe menschlicher Sinnesorgane und/oder technischer Sensoren zum Zeitpunkt ihres Auftretens.» 15

Im Rahmen des Forschungsinteresses und speziell im Prozess deren Herleitung wird eine teilnehmende Beobachtung als sinnvoll und gewinnbringend erachtet. Es soll hier jedoch berücksichtigt werden, dass die Beobachtung stets in einem subjektiven Wahrnehmungsprozess stattfindet16. Diese ethnographischen Daten werden durch ein Spannungsfeld beobachtet, wobei die Aufmerksamkeit von induktiv und deduktiv erstellten Annahmen geprägt wird. Dies wird hier als Vorteil betrachtet17. Das Interesse der Beobachtung bezieht sich auf die Umsetzung der Maskentragpflicht, also welche Massnahmen Ikea trifft und ob die Besucher die Maske tatsächlich auch (richtig) tragen.

Wegen der SARS-CoV-2-Pandemie wurde in der Ikea auf Gespräche verzichtet, welche die Beobachtung sicherlich erkenntnisreicher gemacht hätten, jedoch auch zusätzliche Begegnungen und somit Risiken evoziert hätten.

Folgend möchte ich die Eindrücke meiner Beobachtung vom 20.10.2020 von ca. 18.00-19.30 Uhr darstellen:

Bereits beim Einparken in der Tiefgarage in der Ikea fällt mir auf, dass es erstaunlich wenig Menschen hat (dafür, dass es Wochentags und Feierabend ist). Ich bin in der Ikea in Dietlikon, da ich auch von da die Schlagzeilen (s. Einleitung) hatte und darum davon ausgehe, dass dieses Einrichtungshaus eher strikt bezüglich der Maskentragpflicht ist. Schon auf dem Parkplatz haben Alle, die ich draussen sehe, eine Maske an. Beim Eingang hat es eine Mitarbeiterin, deren Funktion ich nicht ganz klar deuten kann. Voreingenommen würde ich sagen, dass sie kontrolliert, ob alle eine Maske anhaben. Auch nach dem Eingang wird die Maske von den Besuchern nicht abgenommen. Ich warte kurz einige Minuten am Eingang um zu schauen, ob jemand ohne Maske angesprochen wird. Doch es kam niemand ohne Maske rein. Beim Einkaufen vergesse ich das Virus fast, denn es hat sehr wenig Möglichkeiten zur Händedesinfektion und auch sehr wenig Schilder, die auf das Virus aufmerksam machen. Sichtbar wird es nur durch die Masken und die Plexiglasscheiben bei Beratungsstellen von Mitarbeitenden. Trotzdem muss man bemängeln, dass der Abstand von Niemandem eingehalten wurde, auch nicht von den Mitarbeitenden. Zudem sehe ich zwei Personen (sie gehörten offensichtlich sogar zusammen), welche die Maske nicht richtig getragen haben. So war es für sie kein Mund-Nasen-Schutz, sondern lediglich einen Mund-Schutz.

Zum Schluss nimmt es mich noch wunder, wie die Hygiene auf den Toiletten ist. Denn genau da würde ich viele Desinfektionsmöglichkeiten erwarten und vielleicht sogar, dass jeweils eine Kabine geschlossen ist, um einen grösseren Abstand zu gewähren (wie es mit Umkleidekabinen in Kleiderläden ist). Doch ich wurde enttäuscht. In den Toiletten gab es überhaupt keine Hygienemassnahmen, die sich von denjenigen in Zeiten ohne Virus unterscheiden würden.

Modell

Abbildung 1: Ablaufschema einer qualitativen Inhaltsanalyse. Quelle: Kuckartz, 2016.

Die Auswertung erfolgt mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring18. Es werden deduktive Kategorien gebildet durch vorangehend erwähnte Theorie nach Parsons19 und über Vorannahmen20. Die Kategorien dienen am Ende für eine vereinfachte deskriptive Analyse. Das regelgeleitete Analyseverfahren hat zum Vorteil, dass die Ergebnisse klar strukturiert werden können und mit verschiedenen Materialdurchgängen die Textstellen immer wieder neu geordnet werden können21. Das bedeutet, dass das Kategoriensystem immer überarbeitet wird und somit bis zum Ende der Analyse vorläufig ist. Auch hier wird kein Anspruch auf Objektivierbarkeit erhoben, denn die qualitative Inhaltsanalyse beinhaltet unbewusste subjektive Sinnzuschreibungen, welche nicht direkt beschrieben werden können22.

Deskriptive Analyse

In diesem Abschnitt wird die qualitative Inhaltsanalyse anhand der im Kapitel zur theoretischen Verortung dargestellten Theorie von Parsons behandelt. Die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten sind die deduktiv erstellten Kategorien anhand welcher die beiden Transkripte analysiert werden. Das Zitat von Korte23 jeweils zu Beginn des Abschnittes dient zur Definition und genauen Abgrenzung der Kategorien voneinander.

Affektivität oder Neutralität

«[…] dass Affektivität, wenn sie als Handlungsorientierung in einer Gesellschaft vorgesehen ist, emotionales Handeln erlaubt und die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung vorsieht. Die Kommunikation zwischen Ego und Alter wird eher auf gefühlsmässiger Basis geführt. Im Gegensatz dazu steht die Affektneutralität, und hier können wir uns z.B. eine Handlung zwischen einem Verkäufer und einem Kunden vorstellen, wobei diese Handlung und die Situation, in der sie stattfindet, nicht so sehr von emotionaler Unmittelbarkeit, sondern von bewertender Überlegung gelenkt werden.»24

In Bezug auf die Affektivität oder Neutralität lässt sich aus Sicht des Forschenden kein Urteil bilden. Da das Thema sehr aktuell ist und es keine ideale oder richtige Lösung im Umgang mit dem Virus gibt, sind die Interviews in keinem Fall neutral. So zeigt auch Interview 1, dass es immer «Studien geben [wird], welche das eine sagen und es wird immer Studien geben, welche das Andere sagen»25.

Selbstorientierung oder Kollektivorientierung

«Die Kollektivorientierung z.B. verlangt die Unterordnung privater Interessen, wogegen die Selbstorientierung die Durchsetzung individueller Bedürfnisse ohne Rücksicht auf die Interessen der Gesamtheit möglich macht.»26

In den Interviews scheint die Selbstorientierung im Vordergrund zu stehen, denn beide gehen auf das Homeoffice als erste Veränderung ein. Das Interview 1 behandelt zuerst die Selbstorientierung im Sinne von Beruflichem oder Privatem. Erst danach scheint auch die Kollektivorientierung, mit dem «Verständnis von Kunden, welche auf die Bank kommen»27, eine kleine Rolle zu spielen. Aber das wird nur kurz angesprochen, denn danach geht es um die Art, wie man eine Sitzung hat28. Zudem sind die eigenen Ferien auch sehr früh erwähnt29. Im Interview 2 wird ein Misstrauen genannt, welches eher der Kollektivorientierung zuzuordnen ist30. Zudem wird eine Empathie gegenüber Eltern, die Kinder im Homeschooling haben, ausgedrückt31. Doch gleich darauf wird vom eigenen Sozialleben und dem Verzicht auf bestimmte Dinge gesprochen32, was wieder auf die Selbstorientierung schliessen lässt. Im gesamten Interview 2 wurde der Eindruck stark, dass sich die Gesellschaft von der Kollektivorientierung hin zur Selbstorientierung entwickelte. So wird gesagt33:

«Das Schlimme ist, dass man einander die Mimik nicht mehr sieht, das Lächeln nicht mehr sieht, die Herzlichkeit nicht mehr sieht, und dass jeder wird je länger es geht irgendwie ein Egoist. Nicht nur die Staaten untereinander, wer hat zuerst den Impfstoff und so weiter, sie schauen für sich selbst, auch die- also nicht nur die (unverst.) auf der Staatenebene, sondern auch auf der KMU-Ebene, wo grosse tragische Schicksale sind wegen dem. Welche wir gar nicht richtig erfassen, weil jetzt /eben/ wir jetzt nicht so betroffen sind. Wir haben einen sicheren Arbeitsplatz, aber Andere, eben, welche ein Hotel führen oder ein Restaurant haben, ein Coiffeur-Laden, ja, vor allem Künstler, welche nichts anderes machen können, keine Aufträge haben, aber sie müssen ihre- ja die sind am verzweifeln. Das Kulturelle- die sind am verzweifeln.»34

Universalismus oder Partikularismus

«Universalismus verlangt eine Orientierung der Handlung an allgemeinen Standards, während Partikularismus als gegensätzlicher Begriff spezielle Orientierungen zulässt, die aus besonderen Beziehungen zu anderen Handelnden resultierten.»35

Im Interview 1 scheint ein gewisser Partikularismus zum Vorschein zu kommen, wenn man eine Regelung der Maskentragpflicht in den Läden hat und man dementsprechend das Einkaufen einfach meidet36. Der Universalismus zeigt sich in der positiven Auffassung der Digitalisierung für das Geschäftsleben:

«Dann eben der andere positive Aspekt ist eben, ich glaube der ganze Homeoffice-Teil, Digitalisierungsteil jetzt auf das Geschäftsleben bezogen. Das ist sicher als positiver Aspekt anzuschauen.»37

Im Interview 2 wird als Partikularismus die verbesserte Beziehung zur Familie erwähnt. «Man ist bewusster mit der Familie»38 und hat dabei mehr Kontakt. Das bedeutet, die Situation wird in diesem Sinne anders beurteilt, wenn die Personen zur Verwandtschaft gehören oder nicht. Doch auch hier wird die Digitalisierung als «Vorwärtskatapult»39 beschrieben, genauso wie in Interview 1.

Orientierung an Vorgaben (Zuweisung) oder an der Leistung

«Und Zuweisung bedeutet z.B. ein Handeln auf Befehl und eine strikte Orientierung an vorgeschriebenen Lösungen, während die Leistungsorientierung z.B. beim Handeln des Unternehmers es möglich macht, dass der Handelnde die Situation differenziert betrachtet und spezifische Lösungen plant, bewertet und auswählt.»40

In Interview 2 wird die Orientierung am Befehl als grundlegend wichtig gesehen. Der Vergleich mit der Gurttragepflicht oder dem Anhalten beim Rotlicht als Autofahrer verdeutlicht dies. Diese «Benimmregeln»41, wie sie auch im Umgang mit dem Virus verlangt werden, seien sehr wichtig für den Fortbestand der Gesellschaft. Aber die Disziplin, die es für die Einhaltung dieser Regeln braucht, wird gemäss Interview 2 nur erhalten, wenn die Wahrheit gesagt wird42. Als Vorschlag oder Utopie im Umgang mit dem Virus wird die chinesische Vorgehensweise gesehen43. Dort wurden gemäss Interview 2 alle in ihre Wohnungen für sechs oder acht Wochen gesperrt und man durfte nicht raus. Dadurch konnte man das Virus eindämmen «und sie sind jetzt eigentlich wieder frei»44. Im Gegensatz dazu steht die Demokratie in der Schweiz, welche aus der Sicht von Interview 1 erhalten werden soll:

«Weil es wird dann natürlich sehr auf eine feige Art und Weise gemacht, von Seiten von Bund, vom Kanton. Mit dem dass dann nachher einfach die Verantwortung an den Ladenbesitzer abgegeben wird. Und das finde ich persönlich überhaupt nicht richtig. Sondern wenn ich eine Busse bekomme, dann ist das okay, dann kann ich rechnen, kann das budgetieren. Aber nicht dass dann nachher der Laden 10 Tausend Franken Busse muss bezahlen weil ich mich nicht daran halte.»45

In diesem Zitat wird deutlich, dass im Interview 1 die Orientierung an vorgeschriebenen Lösungen nicht erwünscht ist. Die Tendenz zur Freiheit und gegen das strikte Eingreifen des Staates zeigen die politische Gesinnung der interviewten Person. Aus diesem Grund scheint es auch nachvollziehbar, dass die eher rechte politische Orientierung dazu führt, dass Zuweisungen noch abgewogen werden müssten. Der Sinn der Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr wird in diesem Beispiel nicht eingesehen, da der Abstand meistens eingehalten werden könne.

Diffuses oder spezifisches Verhalten

«Spezifisches Verhalten zeichnet z.B. die Handlung zwischen Arzt und Patient aus. Hier werden nur spezielle Eigenschaften einer Rolle, nämlich die des Arztes und die des Patienten beschrieben, während diffuses Verhalten sich eher in Nachbarschaften, Freundschaften usw. findet, wo weniger eindeutige Rollenerwartungen dem Handelnden einen Spielraum lassen.»46

Im Interview 1 scheint es, als ob es ein grosser Wandel im Bewusstsein stattfand. Die Auffassung der Gesundheit und das Bewusstsein von Hygiene und Krankheitssymptomen haben sich verändert.

«[…] ich bin einer gewesen, der eigentlich immer ist arbeiten gegangen, wenn ich jetzt nicht gerade völlig zusammengeklappt und an das Bett gefesselt worden bin, würde ich behaupten, das würde ich in der heutigen Zeit sicher nicht mehr machen.»47

Aus diesem Grund lässt sich hier der Wandel vom spezifischen zum diffusen Verhalten feststellen, denn im spezifischen Verhalten wurde die Eigenschaft von Interview 1 in der Rolle des Arbeitenden betrachtet, und nicht als Mensch, der eine weniger starke Erwartung bezüglich der Arbeit auch bei Krankheit mit sich bringt.

In Interview 2 wird das spezifische Verhalten thematisiert. So wird die Handlung speziell auf die Funktion von Politikern und Wissenschaftlern bezogen und dementsprechend verurteilt:

«Ich finde einfach nur (lacht), ich weiss natürlich, was in der Politik abgeht, was die Wissenschaft weiss, weiss ich meistens vor dem, dass es überhaupt publiziert wird, in der Tagesschau. Und es nervt mich einfach, wie spät die Informationen von oben runter gehen an die Öffentlichkeit und man weiss es schon drei Monate vorher. Und es wird nirgends erzählt. Und das nervt mich enorm. Also dass auch verschiedene Versteckensspielchen gespielt wurden mit der Anzahl Masken, wo ich doch genau den Pandemieplan kenne und an den Kopf fasse, was wird da erzählt.»48

Diskussion

Das Unterkapitel der «Affektivität oder Neutralität» zeigt, dass die Neutralität in Bezug auf SARS-CoV-2 nicht vorhanden sein kann. Die „ausserordentliche Lage“ und die Mobilisierung der Armee scheinen kriegsähnliche Zustände zu bestätigen; auch zum Krieg kann man sich nicht neutral verhalten. Jedes Geschehen in der speziellen Situation provoziert eine Reaktion: Zustimmung oder Ablehnung. So wird gesagt:

«Bis jetzt kennen wir das aus der Politik, wir kennen es aus amerikanischen Wahlkämpfen, aber ich glaube es gibt- aktuell ist es schwierig, Raum zu haben, für eine neutrale faktenbasierte Diskussion. Sondern ich stelle negative Aspekte fest, im Sinne dessen, entweder bist du ein wahnsinniger Befürworter, und man kann sagen ‘Okay, du sorgst dich um alle’. Oder ‘du bist wahnsinnig verblendet und hörig’. Oder du- auf der anderen Seite interessiert es dich nicht und du fällst in den- ich sage jetzt mal ‘Corona-Skeptiker bis Verschwörungstheorien-Ecken’. Und das glaube ich, ist schon nicht ganz so optimal.»49

Auch die «Selbstorientierung oder Kollektivorientierung» zeigt in beiden Interviews eine ähnliche Tendenz: der Schwerpunkt wird eher bei der Selbstorientierung gesehen. Die erste Veränderung, die genannt wird, ist in beiden Interviews die Verlagerung vom Büro ins Homeoffice. Ab und zu schimmert die Kollektivorientierung durch, speziell im zweiten Interview. Es wird eine überaus hohe Empathie gegenüber den «Opfern» der Krise konstatiert, so sehen Kinder keine Herzlichkeit oder kein Lächeln, Künstler und Erwerbstätige im Kulturbereich verzweifeln und alle Staaten schauen egoistisch nur für sich selbst.

Völlig anders sind die Antworten auf die Frage nach der Ideallösung im Unterkapitel der «Orientierung an Vorgaben (Zuweisung) oder an der Leistung». Die Frage zielte darauf ab, wie man persönlich in der Position der entscheidenden Personen handeln würde. Da kamen beide Interviewpartner ins Stocken.

Im ersten Interview wird die Demokratie in den Vordergrund gesetzt. Es sollte also die Entscheidungskompetenz nicht nur national gehalten werden, sondern ganz föderalistisch den Kantonen oder gar den Individuen übergeben werden. Im Gegensatz dazu steht Interview 2. Idealerweise sollte die Schweiz die Notsituation nutzen, um wie China kurzfristig eine kommunistische Diktatur durchzusetzen. Denn dadurch sind die Menschen in China wieder «frei»50, wohingegen sich in der Schweiz die Situation aus der Perspektive des zweiten Interview nicht bessern wird. Worin sich beide Interviewpersonen einig sind, ist, dass der Bund, welcher momentan über die Entscheidungskompetenzen verfügt, sich stärker positionieren soll. Dies wird auch im Unterkapitel «Diffuses oder spezifisches Verhalten» mit Interview 2 und damit dem spezifischen Verhalten gezeigt. Interview 1 tendiert eher zum diffusen Verhalten. In beiden Interviews wird mehr Transparenz gefordert51. Interviewperson 1 hofft zudem auf mehr Empfehlungen und weniger Anordnungen.

Nebst der inhaltlichen Zusammenfassung soll an dieser Stelle die Theorie kurz kritisch betrachtet werden: Denn eine Kategorisierung bedeutet auch eine Reduktion an Informationen und dementsprechend lässt sich menschliches Verhalten oder die Aussagen im Interview nicht vollständig erfassen. Zudem war es in dieser Arbeit teilweise schwierig, das Verhalten klar einem Pol zuzuordnen, obwohl es als Kontinuum gesehen werden sollte. Und letztendlich, wenn die Zuordnung funktionierte, gibt es so viele Kombinationsmöglichkeiten, dass ein Vergleich von verschiedenen Arbeiten oder von mehreren interviewten Personen sehr schwierig wird. Um diese Positionen grafisch darstellen zu können, bräuchte man ein mehrdimensionales System, welches auf umfangreichen statistischen Analysen beruhen müsste.

Fazit

Im Abschnitt der deskriptiven Analyse konnte aufgezeigt werden, dass sich die Motivation der Umsetzung, warum man also eine Maske trägt oder nicht, nicht auf eine Rechtsgrundlage, wie die nationalen oder kantonalen Verordnungen, zurückführen lässt. Die zweite Hypothese konnte dementsprechend in diesem Sinne bestätigt werden. Es stehen persönliche Werte dahinter, welche vorwiegend auf sich selbst bezogen werden (vgl. Kapitel «Selbstorientierung oder Kollektivorientierung»). Das Zitat im Abschnitt «Diskussion» bestätigt auch die erste Hypothese: Die Maskenpflicht wird positiv oder negativ wahrgenommen, eine neutrale Haltung dazu ist nicht möglich. Im Unterkapitel «Affektivität und Neutralität» konnte dies ausgeführt werden, denn dadurch, dass das Thema so neu und auch so präsent ist, muss man eine eigene Haltung dazu beziehen und dementsprechend kann man nicht neutral oder gleichgültig sein. Jedoch konnte in der Beobachtung aufgezeigt werden, dass die Maske ohne Widerspruch in der Öffentlichkeit getragen wird. Die Frage nach der sozialen Kontrolle oder der (unbewussten) Überwachung durch die Frau am Eingang wird hier nicht beantwortet.

Wie Parsons zeigt, sind Handlungsmuster tief im Mensch verankert. Um diese zu ändern, braucht es Zeit:

«Es muss durch Lernprozesse die adäquate Motivation entwickelt und während des ganzen Lebens erhalten werden, an sozial positiv bewerteten und gesellschaftlich kontrollierten Interaktionszusammenhängen teilzunehmen. Andererseits müssen die Handlungszusammenhänge einer Gesellschaft ihren Mitgliedern hinreichende Befriedigung und Belohnung bieten, so dass die Gesellschaft für ihre Systemfunktionen kontinuierlich auf die Leistungen ihrer Mitglieder zurückgreifen kann.»52

Handlungszusammenhänge können sich also in der Gesellschaft ändern. Doch dafür braucht es eine Motivation und auch Bestätigung (positive Verstärkungen) seitens der Gesellschaft. Es könnte sein, dass die Personen zu einem anderen Zeitpunkt eine andere Einstellung haben und andere Antworten auf die selben Fragen geben würden. Dies aufgrund der sich während des ganzen Lebens entwickelnden Lernprozessen und Veränderungen der Kontexte53.

Die in dieser Arbeit aufgezeigten Ergebnisse beziehen sich auf lediglich zwei Interviews. Um eine repräsentative Arbeit zu erstellen, müssten viel mehr Interviews bis hin zu einer theoretischen Sättigung geführt werden. Das heisst, wenn diese Arbeit wiederholt werden würde, käme man unter Umständen wegen der kleinen Fallzahl wahrscheinlich nicht auf das selbe Ergebnis.

Eine weiterführende Forschungsarbeit wäre sehr spannend, jedoch müsste aufgrund der veränderten Situation der Leitfaden im Interview angepasst werden und eine grössere Samplingstrategie verfolgt werden. Die Hypothesen sowie die Handlungstheorie von Parsons scheinen in diesem Zusammenhang für die Arbeit geeignet, auch hier wäre eine Überprüfung nötig, um diese Annahme zu bestätigen.

Literaturverzeichnis

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Anhang

Leitfadeninterview

Einstieg:

Inwiefern hat Corona dein Leben / deinen Alltag beeinflusst? Wie geht es dir dabei?

Wenn du 3 positive und 3 negative Aspekte der Auswirkungen vom Virus nennen müsstest, welche wären das? Und warum?

Wie findest du die Maskentragpflicht im öffentlichen Raum? Wie gehst du damit um?

Warum wird die Maske (nicht) getragen?

Wie wird die subjektive Position gegenüber der Maskentragpflicht legitimiert/argumentiert?

Zusatzfragen:

Mit einer kantonal Lösung, tritt der Bund Kompetenzen zu einer nationalen Regelung ab. Inwiefern findest du das sinnvoll?

Was wäre die utopische/ideale Lösung, die du dir im Umgang mit dem Coronavirus vorstellen könntest?

Ende:

Gibt es noch Anmerkungen / etwas, das du sagen möchtest, ich aber nicht gefragt habe?

Fragen, ob eine Kopie der Arbeit erwünscht ist? Vor Abgabe durchlesen?

Einverständniserklärung zur Interviewführung

Ich bin über Ziele, Ablauf und Auswertung dieses Interviews informiert worden (u.a.: die Abschrift gelangt nicht an die Öffentlichkeit, die Daten werden vertraulich behandelt und bei der Abschrift anonymisiert, die Tonaufnahme nach der Abschrift gelöscht).54

Ich bin damit einverstanden, dass einzelne Sätze aus dem Interview, die aus dem Zusammenhang genommen werden und damit nicht mit meiner Person in Verbindung gebracht werden können, im Rahmen des Seminars «Empirische Ansätze der Rechtssoziologie» (Universität Zürich) genutzt werden können.

Unter diesen Bedingungen erkläre ich mich bereit, das Interview zu geben und bin damit einverstanden, dass es aufgenommen, abgetippt, anonymisiert und ausgewertet wird.

Ort, Datum ……………………………………………………………….

Unterschrift ……………………………………………………………….

Transkriptionsregeln

Transkription gemäss einfachem Transkriptionssystem mit geglätteter Sprache sowie Interpunktion (bspw. Wiederholungen ausgelassen) und vom Mundart in Schriftsprache übersetzt. Jeder Sprecher hat einen eigenen Absatz, auch bei kurzen Einwürfen.

I = Interviewer/in

B = Befragte/r

/Wort/ = unübersetzbare schweizerische Äusserung

WORT = Betontes Wort

Wor- = abgebrochenes Wort oder abgebrochener Satz

(…) = Pause

(unv.) = unverständliches Wort / Passage

Zudem55:

  • Lautäusserungen, welche die Aussage unterstützen oder verdeutlichen, werden in Klammern notiert.
  • Jeder Sprecher hat eigene Absätze, auch bei kurzen Einwürfen.
  • Mündliche Übernahmen werden in Anführungs- und Schlusszeichen notiert.

Transkript 1

20.10.2020, 11.00-11.30, Online

  1. ###comment_start###Beginn des Telefonats wurde ausgelassen, da die Infos zur Aufnahme noch nicht gegeben wurden. ###comment_end###
  2. I: Ja, du hast mein Mail erhalten? #00:03:41-9#
  3. B: Yes #00:03:43-0#
  4. I: Okay, perfekt. Ja also eben, es ist eigentlich (…) Eine Arbeit, wo ich schauen will, inwiefern dass diese Regelungen – also wirklich Gesetze umgesetzt werden und aus welchem Grund werden sie umgesetzt oder halt eben nicht. #00:03:58-5#
  5. B: Ja. #00:03:58-7#
  6. I: Das ist so ein bisschen das grosse Thema. Du bist jetzt mein erster Interviewpartner #00:04:06-2#
  7. B: Ja #00:04:06-2#
  8. I: Dann habe ich noch jemand anderes, (lacht) und sie ist so völlig Pro Maskenpflicht und was weiss ich plus bin ich dann noch am überlegen um nochmals jemand, welche wirklich so auf dieser Rechtsschiene ist, also eine Anwaltsassistentin, um so noch jemand zu fragen. #00:04:26-7#
  9. B: Okay, wo vor Allem noch der rechtliche Aspekt rein bringt. #00:04:30-9#
  10. I: Genau ja. #00:04:30-9#
  11. B: Okay. Spannend. #00:04:34-9#
  12. I: Mit dem Interview – also das Interview von dir wird eben anonymisiert #00:04:40-2#
  13. B: Genau. #00:04:41-3#
  14. I: Ist es okay, wenn ich es aufnehme? #00:04:42-6#
  15. B: Ja ja klar! #00:04:43-1#
  16. I: Okay danke. Und ja eben, ich lösche es nachher wieder und das Ganze, die ganze Arbeit wird nicht veröffentlicht, also es ist auf jeden Fall nicht geplant. #00:04:55-7#
  17. B: Okay #00:04:56-5#
  18. I: Einfach, dass du das auch weisst, du kannst sagen was du willst, und es wird nicht (…) in der Zeitung kommen, oder was weiss ich.
  19. Okay, passt
  20. Ausser du willst es (lacht)
  21. Nein das ist gut. Die Einverständniserklärung, das habe ich noch gesehen, die ist ja da dabei. Muss ich die noch unterzeichnen? Brauchst du diese noch oder (ähm)
  22. (Ähm) wenn es dir nicht ein zu grosser Aufwand ist, dann sehr gerne
  23. Okay, nein ist Easy, ich leite es mir gerade ins Geschäft, dann kann ich das nachher nämlich ausdrucken und unterschreiben, einscannen, und dann kann ich dir das zurückschicken.
  24. Perfekt.
  25. Ja, das ist supi. Weil das habe ich jetzt nämlich gerade, ja das ist so dabei – ich habe mich eigentlich auf morgen eingestellt, darum wäre dann irgendwann mal heute noch die Vorbereitung für morgen gekommen. Aber (ähm) nein das ist gut, du hast sie noch vor oder nach dem Mittag – zeitnah
  26. Ah also es pressiert nicht, gell.
  27. Ja. Nein alles gut, alles gut.
  28. I: Dezember würde auch reichen.
  29. B: Dann kannst auch du weiterarbeiten.
  30. I: Okay, danke.
  31. Ja sehr gerne, gut.
  32. Ja. Die erste Frage, einfach so allgemein, inwiefern Corona dein Leben oder dein Alltag beeinflusst hat. Und wie es dir damit geht.
  33. Ja. Ja also eben, inwiefern hat es das Leben beeinflusst, ich glaube so in ziemlich jeder Lebenslage hat es beeinflusst, aber Mitte, ich sage jetzt mal, Mitte bis Ende Februar bis und mit jetzt wohlverstanden (…) Ich fange jetzt mal an mit dem beruflichen. Beruflich natürlich die ganze Art und Weise, wo Homeoffice gekommen ist. Sehr eine neue Erfahrung, welche bei uns noch nicht so weit fortgeschritten gewesen ist, dass eigentlich in, ich sage jetzt mal in regelmässigem Ablauf rein gehört hat. Das heisst, von dem her eine (…) positive Erfahrung, das geht dann auch noch ein bisschen in die nächste Frage rein. Aber sicherlich etwas Neues, etwas Spannendes, wo hier ein sehr grosser Teil vom Alltag beeinflusst hat. Auf die andere Art und Weise aber auch (…) eben, dass es darum geht das Verständnis von Kunden, welche auf die Bank kommen oder um vorbei zu kommen an und für sich für einen Termin. Dort vor Allem auch eben auch der Alltag, dass man früher sagen konnte «Komm, wir trinken einen Kaffee zusammen» oder wir gehen irgendwie in ein Kaffee nebenan oder «Ich komme zu dir nach Hause». Und da muss man jetzt immer wieder, vor Allem wenn man mit potenziellen Gruppierungen von Risikopatienten zu tun hat, muss man da sehr viel und sehr aktiv darüber nachdenken, wann macht es Sinn, um nicht MICH, aber MEINE KUNDEN diesem Risiko aussetzen, dass ich potenziell eventuell könnte Träger von diesem Virus sein und das verändert natürlich den Alltag schon relativ stark. Plus natürlich auch dass wir zum Beispiel bei den Sitzungszimmer haben wir Plexiglas dazwischen, das heisst, der ganze Ablauf, wo man zusammen eine Präsentation durch geht, oder ich zeige etwas oder zeichne etwas ein auf einem Blatt Papier (ähm) in der Mitte auf dem grossen Tisch. DAS hat sich natürlich EXTREM verändert. Das heisst zusammenfassend kann man sagen, das hat eigentlich dort relativ viel vor Allem eben im persönlichen Austausch über den Haufen geschmissen.
  34. I: hm (bejahend)
  35. B: Auf der Privaten Art und Weise, ja dort natürlich vor Allem der ganze Aspekt Ferien, Reisetätigkeiten, von Plänen welche gemacht gewesen sind, hat das natürlich dann ja das Leben – ich sage jetzt mal, hat es relativ STARK eingeschränkt, verändert, ein erhöhtes Mass an Flexibilität und Ungewissheit, welche hier rein gekommen sind.
  36. I: hm (bejahend)
  37. B: Ansonsten da, der Alltag selbst, ja der Alltag im Privaten würde ich jetzt behaupten, der ist Stand heute nicht mehr gross eingeschränkt. (Ähm) Ich sage jetzt mal, eben, das ganze Einkaufen, Posten, mit Maske, ja, das meide ich einfach. #00:09:00#
  38. I: (lacht)
  39. B: Ja, das mache ich einfach nicht mehr. Bedeutet (ähm) zum ersten Mal in meinem Leben Zalando Shopping gemacht, WEGEN der Maske wohlverstanden.
  40. I: hm (bejahend)
  41. B: Weil ich gefunden habe, ich gehe nicht in den Kleiderladen, sondern ich lasse mir das Zeug nach Hause liefern. Das gleiche ist, dass wenn ich posten gehe, dass ich eher ein bisschen mehr poste oder ein bisschen weiter Vorausschaue, dass ich nicht /Allpot/ muss in den Laden rein stehen. Obwohl das sonst eigentlich in den Alltag dazu gehört hätte, dass ich einfach noch schnell auf dem Nachhauseweg noch schnell bin posten gegangen. Mehr oder weniger für den Tag. Also auch dort hat es doch gewisse Einschränkungen oder gewisse Beeinflussung gegeben aber ich bin der Meinung, prinzipiell Stand heute, jetzt bezogen, im Beruflichen mehr als im Privaten.
  42. I: hm (bejahend). (…) Ja spannend. (Ähm) (…) Negative Aspekte habe ich jetzt eigentlich ziemlich raus gehört, (…) wenn du jetzt könntest noch zwei positive #00:10:00# Aspekte des Virus sagen. Kannst du das? Und welche wären das?
  43. B: Sehr subjektiv und egoistisch betrachtet, glaube ich, kann man das durchaus. Das eine ist zum Beispiel Essen in Restaurants. Finde ich viel angenehmer auf Grund vom Abstand, welcher drin ist.
  44. I: hm (bejahend).
  45. B: Das heisst, es ist alles ein bisschen luftiger. Weil du wirst nicht irgendwo zusammengepfercht – sehr rasch nachdem wir die Öffnung gehabt haben nach dem Shutdown habe ich das als sehr positiv wahrgenommen.
  46. I: hm (bejahend).
  47. B: Dann eben der andere positive Aspekt ist eben, ich glaube der ganze Homeoffice-Teil, Digitalisierungsteil jetzt auf das Geschäftsleben bezogen. Das ist sicher als positiver Aspekt anzuschauen. Und der dritte positive Aspekt, dort muss ich /halt/ schon sagen, kritisch wie ich bin, aber unabhängig davon, ich glaube, das BEWUSSTSEIN für Hygiene und Krankheitssymptom das würde ich nichtsdestotrotz als positiv anschauen.
  48. I: hm (bejahend)
  49. B: Einfach dass wenn man erkältet ist, wenn man krank ist, und ich bin einer gewesen, der eigentlich IMMER ist arbeiten gegangen, wenn ich jetzt nicht gerade völlig zusammengeklappt und an das Bett gefesselt worden bin, würde ich behaupten, das würde ich in der HEUTIGEN Zeit sicher nicht mehr machen. Ich gehe aber auch davon aus, dass sich das in der Gesellschaft mittelfristig verändert hat. Und das schaue ich aber durchaus als positiv an.
  50. I: hm (bejahend) (…) Und würdest du jetzt noch negative Auswirkungen oder negative Aspekte HINZUfügen, zusätzlich zum persönlichen Austausch oder deinen Ferien oder Planung / Shopping?
  51. B: Ja, also ich glaube ein negativer Aspekt dahingehend ist einfach die ganze Planungsunsicherheit, das ist so ein bisschen auf der Metaebene. Aber ich glaube DAS ist etwas, was mir /gruusig uf de Zeiger/ geht, dass einfach Null Planungssicherheit hast, null Sicherheiten hast, um irgendwo können irgendetwas anfangen niederzuschlagen, sondern du lebst eigentlich von Tag zu Tag und jeder Tag kann aus irgendeinem Busch irgendeiner /gumpen/ und sagen «das ist ab morgen verboten». Ja, das ist sicher etwas bei dem ich muss sagen, das ist negativ aus meiner Sicht (…) und – ja das andere ist natürlich schon auch eben ein bisschen mehr auf der Metaebene aber unabhängig davon, würde ich behaupten dass sicherlich negativ ist, dass einfach der Ganze – ich stelle einfach so ein bisschen Populismus fest. Bis jetzt kennen wir das aus der Politik, wir kennen es aus amerikanischen Wahlkämpfen, aber ich glaube es gibt – AKTUELL ist es schwierig, Raum zu haben, für eine neutrale faktenbasierte (ähm) Diskussion. Sondern ich stelle negative Aspekte fest, im Sinne dessen, entweder bist du ein wahnsinniger Befürworter, und man kann sagen «Okay, du sorgst dich um alle». Oder du bist wahnsinnig verblendet und hörig. Oder du – auf der anderen Seite interessiert es dich nicht und du fällst in den – ich sage jetzt mal «Corona-Skeptiker bis -Verschwörungstheorien-Ecken». Und DAS glaube ich, ist schon nicht (ähm) ganz so optimal.
  52. I: hm (bejahend). Sehr schön. (lacht) Wo würdest du dich jetzt dort positionieren? Wenn du jetzt WIRKLICH sagen müsstest entweder bist du /mega/ Befürworter oder eher Coronaskeptiker.
  53. B: Also wenn du jetzt – also es kommt darauf an, wenn das Maximum der CoronaSKEPTIKER ist, dann müssten wir uns über die Definition unterhalten, was ist ein Skeptiker? (Ähm) wenn der Skeptiker derjenige ist, der das alles konstruktiv-kritisch hinterfragt, prinzipiell eine abwartende Haltung hat und der Fokus von der Eigenverantwortung in den Vordergrund stellt, #00:14:00# dass doch jeder soll die Möglichkeit haben, um sich zu schützen, das heisst, wenn es mir nicht gut geht dabei, wenn ich mich selber schützen will oder wenn ich in einem Haushalt wohne mit meiner 98jährigen Grossmutter, dass ich das KANN und dass das mir ermöglicht wird, ja, dann würde ich mich sehr nahe zum Skeptiker (ähm) ich sage jetzt mal – einteilen. Wenn aber der Skeptiker derjenige ist, der jetzt davon ausgeht, dass es eine Verschwörung gibt von unbekannter Stelle mit unbekanntem Ziel, und Bill Gates an einem Impfstoff dran ist, der uns Neuroplastische Weiss ich was will injizieren, und wir nachher alle ferngesteuert sind, DAS ist- von dem bin ich weit weg.
  54. I: hm (bejahend)
  55. B: Also eben, darum, es ist /mega/ schwierig, um eine solche Einordnung zu machen, weil wir zuerst darüber sprechen müssen über die beiden Extreme.
  56. I: hm (bejahend) Ja.
  57. B: Aber ich würde mich persönlich sicher in skeptischen – näher am Skeptischen als am Befürwortenden Ecken tun. #00:15:05#
  58. I: hm (bejahend) Wie gehst du mit der Maskentragpflicht um? Weil ich glaube, man hört ja /mega/ viel dass zum Beispiel genau so im Kanton Schwyz – SVP-Hochburg, dass ja genau DIE Leute gegen Masken sind und gegen Corona im Allgemeinen.
  59. B: Das glaube ich kann man schon (…) – Ja ich glaube das kann man schon irgendwo auch in eine politische Färbung rein nehmen. Ich glaube ein Grosser Teil von der Maskentragpflicht ist – es sind zwei Aspekte. Das Eine ist, es wird dir befohlen. Und wenn du als liberaler freiheitsliebender Mensch von Oben her ein Befehl bekommst, tust du dich immer schwer.
  60. I: hm (bejahend)
  61. B: Das ist einfach grundsätzlich mal aufgrund von der Haltung. #00:16:00# Und darum glaube ich, kann man schon ein bisschen – ich sag jetzt mal schon ein bisschen in eine politische Färbung rein tun. Und der zweite Punkt ist /halt/ einfach dass die Maskentragpflicht zum Einen ist es die Zeit in dem ganzen Virus, ist viel zu kurz um irgendwo statistisch und wissenschaftlich basierte Erkenntnisse daraus zu schliessen. Man kann sagen: «Gut, die Maske nützt. Unter der Voraussetzung dass sie richtig angelegt wird, richtig getragen wird, richtig abgezogen und richtig entsorgt wird. Unter dem Aspekt nützt die. Dann muss man noch unterscheiden, nützt sie für dich selbst oder nützt sie für die andern.
  62. I: hm (bejahend)
  63. B: Und das ist jetzt mal nur meine Möglichst neutrale Auslegeordnung von dieser Maskentragpflicht. (ähm) ja. Und diese beiden Aspekte, also zum Einen mal die FAKTENBASIERTE Ausrichtung dahingehend, welche noch nicht erwiesen ist, aber das ist kein Vorwurf, weil das kann einfach auch noch nicht erwiesen sein. Und auf der anderen Seite der Befehl von Oben, wo es einfach geheissen wird, dass du mit einem Kamm durchkämmst und überall immer musst eine Maske haben. Ja das ist natürlich schon etwas, wo ich sehr grosse Sympathien habe, manchmal – eben auch wiederum konstruktiv kritisch dagegen zu stellen.
  64. I: hm (bejahend). Wie sieht dein «konstruktiv-kritisches Dagegenstellen» aus?
  65. B: Das sieht dahingehend aus, dass dann- ich nehme das Beispiel Zugfahren oder, das ist einfach das, wo wir jetzt schon am längsten haben.
  66. I: hm (bejahend)
  67. B: Beim Zugfahren habe ich eine Maske, sagen wir ein Mund-Nasen-Schutz, weil Maske (ähm) ja – da kann man sich jetzt auch wieder mal darüber unterhalten – aber ein Mund-Nasen-Schutz im Weiteren Sinne habe ich an beim Einsteigen und beim Aussteigen. Weil, es hat sehr viele Leute auf sehr kurzem – oder auf sehr wenig Platz. Dort mache ich es nicht wegen mir, mir selbst ist es /scheiss/ egal, sondern ich mache das wegen den Andern.
  68. I: hm (bejahend)
  69. B: Anschliessend wenn ich die S-Bahn nehme um halb 11 am Abend – jetzt hat es sechs Leute im ganzen Wagenabteil, und ich stehe bei der Türe vorne, wo niemand – wo ich schätzungsweise vier bis fünf Quadratmeter für mich alleine habe, (ähm) ja, dort nehme ich die Maske ab oder tue sie runter. Anschliessend zum Aussteigen tue ich diese wieder anziehen. Einfach auch wiederum dann wenn es mal eine Gruppenbildung gibt.
  70. I: Ja.
  71. B: Plus, der zweite Teil – vielleicht zum noch ein zweites Beispiel zu nennen, (ähm) wenn ich darauf Aufmerksam gemacht werde, dann komme ich dem nach. Weil, auch wiederum als freiheitsliebender Mensch sind mir die Eigentumsrechte sehr wichtig, das heisst, wenn ich in einen Laden rein gehe und ich wird darauf aufmerksam gemacht, ich soll doch bitte eine Maske anziehen, dann mache ich das. Oder ich verlasse den Laden. Je nach dem. Was ich NICHT WILL, und das ist ja so wie das System ausgerichtet ist, ist, dass dann nachher der Ladenbesitzer eine Busse erhält wegen mir.
  72. I: hm (bejahend)
  73. B: Weil es wird dann natürlich sehr auf eine feige Art und Weise gemacht, von Seiten von Bund, vom Kanton. Mit dem dass dann nachher einfach die Verantwortung an den Ladenbesitzer abgegeben wird. Und das finde ICH persönlich überhaupt nicht richtig. Sondern wenn ich eine Busse bekomme, dann ist das okay, dann kann ich rechnen, kann das budgetieren. Aber nicht dass dann nachher der Laden 10 Tausend Franken Busse muss bezahlen weil ICH MICH nicht daran halte. Darum – Ja. Das ist noch ein bisschen ein Abwägen.
  74. I: hm (bejahend) Kannst du genau dieses Abwägen noch ein bisschen erklären. Also ich stelle mir persönlich das /mega/ mühsam vor, um die Maske anzuziehen, wenn du in den Zug hinein läufst, dann wieder ausziehen, dann je nach dem wenn jemand mit dir spricht sie wieder anziehen. Wiso machst du es genau so, und nicht einfach entweder – also quasi der einfach Weg, also entweder ganz an oder ganz ab? #00:20:11#
  75. B: Ich fange mit dem einfacheren Teil an: ganz ab mache ich nicht wegen den Andern. Für mich wäre es egal, ich habe das Gefühl, eben, dann wenn du in den unsozialen Teil rein kommst, nämlich eben dann, wenn ICH das Virus tatsächlich könnte haben und alle anderen Leute tatsächlich anstecken würde, das ist nicht mein Ziel, das zu machen. Ergo, dort mache ich es wegen den Andern, oder. In dem- eben, ich sage jetzt mal, wenn du das Beispiel Zug wieder nimmst, mit dem An oder Abziehen, beziehungsweise dem Ein oder Aussteigen. Auf der anderen Seite, warum nicht ganz anziehen, weil ich einfach den SINN dahinter nicht sehe.
  76. I: hm (bejahend) #00:21:00
  77. B: Es gibt für mich keinen Grund, warum ich am Abend um halb 11 auf fünf Quadratmeter soll eine Maske anhaben.
  78. I: hm (bejahend)
  79. B: dieser Grund kann man mir nicht sagen, insbesondere dann nicht, wenn das Leute sagen, oder Leute (ähm) ja, fordern, welche die Maske unter der Nase tragen, oder welche vier Tage mit der gleichen Maske rum laufen oder ich innerhalb von zwei Minuten sehe wie sie sieben Mal vorne an die Maske fassen und sich dann in die Augen und unter der Maske irgendwie noch das Rindsfilet aus den Zähnen raus kratzen. Dort muss ich sagen, (ähm) ja, wenn DAS der 0815 Anwender einer Maske ist, bin ich der Meinung, kannst du es sein lassen. Weil dann bringt das überhaupt nichts.
  80. I: hm (bejahend) Ja. (…) Was wäre dann so die Ideallösung aus deiner Sicht, wie man mit dem ganzen Virus sollte oder könnte umgehen?
  81. B: Das ist eine unglaublich schwierige Frage. (unv.) auf mich vereinen, dass ich die Eierlegende Wollmilchsau Lösung habe. Das heisst einfach die Lösung, welche für Alles gilt und von welcher ich glaube, das ist DIE wahre – einzig wahre Lösung. Oder.
  82. I: hm (bejahend)
  83. B: Aber – und man muss da ein bisschen entscheiden. Beziehungsweise unterscheiden. Am Anfang von dem ganzen Theater März April, DORT bin ich weniger kritisch gewesen als jetzt. Weil wir haben doch jetzt 6 Monate mehr Erfahrung gehabt, also wir sehen jetzt ein bisschen, wie man damit kann umgehen. Darum ist eben diese Frage noch schwierig generell zu beantworten. Ich sage jetzt mal, wenn ich eine Antwort müsste geben, und diese basieren auf der Erkenntnis und auf die Situation Stand heute, dann glaube ich, (…) dann gibt es für mich zwei, drei Aspekte: Ich glaube, man muss sehr viel Aufklärungsarbeit machen. Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil: Transparenz. Nämlich eben, Transparenz an Zahlen, ich habe schon IMMER gefordert, dass man die Positivitätsrate raus nimmt, das ist erst seit etwa drei Wochen, dass die Medien die Positivitätsrate bekannt geben. Vorher hat es Anzahl Fälle geheissen, und Anzahl Fälle sind einfach nichtssagend.
  84. I: Ja.
  85. B: Das heisst, ich will viel mehr Fakten und Transparenz drin. Plus Empfehlungen. Empfehlungen im Sinne dessen, wenn du keine Lust hast, dich damit auseinanderzusetzen, oder du persönlich – ich sage jetzt mal, risikoavers bist, ängstlich bist, oder dich selbst schützen willst, dass du weisst, dass du die richtigen Informationen hast, von offizieller Stelle. Das ist für mich ganz klar eine Bundesaufgabe, oder eine Kantonsaufgabe, um dann zu sagen: «schau, dann empfehlen wir dir Homeoffice, wir empfehlen dir Menschenansammlungen zu vermeiden und eine Maske zu tragen.» Punkt.
  86. I: hm (bejahend)
  87. B: Auf der anderen Seite bin ich aber auch der Meinung, in die Wirtschaftsfreiheit rein zu reden, wann muss jemand ein Laden schliessen, wie muss er in seinem Laden drin die Anzahl Leute quantifizieren, dass er MUSS eine Maskenpflicht haben, in irgendeinem /Lädeli/ wo irgend ein Mensch auf 100 Quadratmeter drin steht am Morgen am halb 11 an einem Montag Morgen, das macht doch einfach überhaupt keinen Sinn.
  88. I: hm (bejahend)
  89. B: Und das glaube ich, DAS ist eben NICHT sinnvoll um das zu machen. Weil mit dem machst du viel mehr Leute /verrückt/ als etwas anderes. Ich glaube wenn du aufklärst und die Möglichkeit gibst, ich meine das ist bei HIV nicht anders, es heisst nicht «es ist verboten, Sex ohne Kondom zu haben». Es heisst nur: «Hey, take care» oder?
  90. I: hm (bejahend)
  91. B: «schau, dass A: du weisst, wie dich schützen»- es gibt Aufklärungskampagnen, man weiss wie sich das verhaltet, dass du tendenziell nicht 90 wirst wenn du positiv bist, also von dem her, DAS ist eine Art und Weise, wie mit etwas umzugehen ist. Oder.
  92. I: hm (bejahend)
  93. B: und aus diesen beiden Aspekten glaube ich, mit Transparenz, mit Faktenbasiert plus eben diesen Möglichkeiten dich zu schützen – von mir aus kannst du im ÖV auch Wägen mit Maske und Wägen ohne Masken machen. Du kannst Schlangen mit und Schlangen ohne machen. (…) Du kannst keine Ahnung was machen. Das ist für mich völlig okay. Ich will jedem ermöglichen, sich selbst zu schützen, darum sage ich auch nie etwas gegen jemand anderes der eine Maske an hat.
  94. I: hm (bejahend)
  95. B: ob das neben mir ist, ob das 7 Kilometer entfernt ist, das ist für mich völlig okay. Ich glaube einfach nicht, dass es sinnvoll ist, von oben herunter auf jede Person, jede Situation, auf jedes Alter oder an jedem Ort so zu machen.
  96. I: hm (bejahend) Ja. (…) Ja spannend. Wir wären /imfall/ schon am Ende (lacht). Hast du noch Anmerkungen oder würdest du gerne noch etwas sagen, was ich jetzt nicht gefragt habe, fehlt noch irgend etwas?
  97. B: Schwierig zu sagen. (ähm) also ich glaube zu dem was du GEFRAGT hast, gibt es keine Ergänzungen von meiner Seite.
  98. I: hm (bejahend)
  99. B: Ja weitere Themen, eben ich glaube wirklich etwas vom Wichtigsten in dieser Frage, gerade im aktuellen Stadium von dem Ganzen ist aus meiner Sicht /halt/ wirklich dass man das Zielgruppengerecht oben runter bricht. (…) Das heisst, du wirst immer – Studien geben, welche das eine sagen und es wird immer Studien geben, welche das Andere sagen. Du wirst Bücher finden, welche das Eine sagen, du wirst Bücher finden, welche das Andere unterstützen. Ich glaube, was da (unv.) wirklich wichtig ist, dass man es wirklich zielgruppengerecht macht. Dass man bei etwas, was Stand heute statistisch erwiesen ist, dass eine Altersgruppe über 70 anfälliger ist, oder Mortalitätsrate, dass man dann in Altersheimen andere Vorkehrungen trifft als in einer KV Business School mit 18 bis 20 jährigen. Ich glaube DAS ist wichtig an dem Ganzen.
  100. I: hm (bejahend)
  101. B: Dass man das wirklich unterscheidet und das von oben runter gibt, und JA dass man das probiert so nahe wie möglich zu machen, die Dichte in der Stadt Zürich ist eine Andere als im Dritten Alptal hinten wenn du richtig Rothenturm fährst. Also das sind ganz andere Ausgangslagen dort und ich glaube auch das soll eben Rechnung getragen werden. Es macht es nicht einfacher, dass die Kantone (ähm) einfach /huere/ feige sind und wieder nach dem Bund schreien, aber (ähm) das ist wiederum eine andere (ähm) (…) Situation. Das ist ja da die eine Zusatzfrage, die du drin hast.
  102. I: Ja genau.
  103. B: Oder, also, JA, definitiv, das ist eine /verdammte huere/ Aufgabe von den Kantonen für ihren Kanton das zu machen, der Bund soll wenn dann koordinierende Funktionen haben und that’s it. Weil in Zürich und in Genf hast du eine andere Ausgangslage als im Appenzell Ausserrhoden.
  104. I: hm (bejahend) (…)
  105. B: Aber ja, (ähm) mit dem ist mein philosophischer Teil geschlossen.
  106. I: (lacht) Ja danke viel mal. Hättest du gerne, wenn die Arbeit fertig ist, eine Kopie davon?
  107. B: Ja unbedingt! Das würde mich Wunder nehmen.
  108. I: Okay. Gut. Soll ich sie dir schicken, bevor ich sie abgegeben habe oder nach dem?
  109. B: Nein nein, das kann nach dem- also was für dich einfacher ist. Aber das kann nach dem sein. Nicht dass ich noch irgendwelche Inputs oder weiss ich was habe. Das ist wirklich einfach rein Interessenhalber.
  110. I: Okay. Gut. Dann stoppe ich gerade schnell die Aufnahme.

Transkript 2

12.11.2020, 18.30-19.05, Bäch

  1. I: Also. Inwiefern hat Corona dein Leben oder deinen Alltag beeinflusst? #00:00:12#
  2. B: Also. Der Arbeitsalltag, dass ich von einem Tag auf den anderen eigentlich habe müssen ins HOMEoffice. (…) DASS ich Zuhause plötzlich die Infrastruktur haben musste und ich mich lange geweigert habe diese zu haben. Weil ich die Arbeit nicht WOLLTE nach Hause nehmen. Und (ehm) und dass ich dann schlussendlich das DOCH habe müssen machen, weil ich gewusst habe, das geht länger. Das heisst selbst die Infrastruktur aufbauen, mir einen Arbeitsplatz aufbauen zuhause, dafür aufstehen und gerade an die Arbeit können und abschalten und schon Zuhause sein können, und der Arbeitsweg weg, theoretisch mehr Freizeit. (…) Aber doch müssen Acht geben, dass die Arbeit nicht im Grunde genommen rum liegt, dass wenn man ein Wochenende hat, dass man das trennen kann, was man sonst räumlich getrennt hat. Und zeitlich auch durch einen Arbeitsweg von einer Stunde. Und (…) Das Andere, man hat eine andere ART zu arbeiten, indem dass man nicht mehr Kollegen sieht, man ist ein Einzelkämpfer, man fühlt sich auch als Einzelkämpfer, wenn man eine Frage hat zu andern Themen oder zu andern Kollegen MUSS man einen Termin abmachen, es geht nicht mehr spontan. Man kann NICHT MEHR sozial so zusammen ein Kaffee nehmen, was auch noch (ehm) wichtig ist, sondern man geht wirklich nur auf beruflicher, sachlicher Sicht – trifft man sich oder hat ganz viele Termine, #00:02:00# für was man ansonsten zwischen Tür und Angel hatte können locker besprechen so «ferner liefen» und «ich habe noch nicht», dann muss man einen Termin abmachen. Dann verkompliziert es sich. (Ehm) Ja. Das wäre es eigentlich, VON der Arbeit her. Und vom (…) Privaten, ist es so, dass man IMMER im Kopf hat, wegen Corona nonstop, jeden Tag, nicht nur jeden Tag, sondern öfters. Wenn man jemanden trifft, hat man automatisch ein gewisses MISSTRAUEN im Hinterkopf, so «ist der andere /echt/ sauber, wo könnte er gewesen sein? Ist es /echt/ gut, dass ich mich mit demjenigen oder derjenigen treffe?». Man achtet sich auf den Abstand, man ist nicht mehr spontan. Und /halt/ eben mit Maske ist es auch nicht schön. #00:02:58#
  3. I: hm (bejahend) #00:03:00#
  4. B: Man kann nicht mehr spontan irgendwie irgendwo ein Sozialleben pflegen, indem dass man zusammen geht etwas Essen, das ist alles reglementiert und das ist einfach (ehm) das ist bedrückend so etwas. Da überlegt man sich wirklich, will man das machen oder verzichtet man gleich von Anfang an darauf? #00:03:17# (…)
  5. I: hm (bejahend) (…) ehm (…) Wenn du jetzt einfach nur drei positive und drei negative Aspekte von dieser ganzen- von diesen ganzen Auswirkungen von dem Virus nennen müsstest, ich habe jetzt so ein bisschen die Spontanität heraus gehört und das Soziale (ehm) aber jetzt zum Beispiel drei weitere, welche wären das und warum wären es genau diese? #00:03:50#
  6. B: Positiv, man ist bewusster mit der Familie, bei uns, und zwar dass man WEIL man gerade vielleicht weniger Kontakt hat, gegen ausserhalb von der Familie mehr Kontakt hat mit der Familie und das eigentlich auch zelebriert und schaut dass man sich SIEHT, und dass alle sich sehen. Wir sehen uns öfters als vor Corona. #00:04:15#
  7. I: hm (bejahend) #00:04:16#
  8. B: Wir haben besser Kontakt alle zueinander als VOR Corona. Das ist wirklich GANZ ein grosser Pluspunkt. Und dadurch, dass man das- ich habe das Gefühl, das schätzen alle, ist jeder auch vorsichtig, dass man das auch weiter kann machen. Keiner will die Familie anstecken. #00:04:36#
  9. I: hm (bejahend) #00:04:38#
  10. B: Das heisst, jeder ist vorsichtig. Ich weiss dass NAME DER TOCHTER auch vorsichtig ist in Bern. Weil sie wieder den SCHATZ hat, in der Familie, dass man untereinander uns haben, und das ist ein grosses Geschenk, mit DREI Haushalten mit drei Orten um mal da Essen können, mal da, mal dort Essen zu können, müssen wir eigentlich nicht ins Restaurant, weil wir hätten die Abwechslung auch irgendwo anders, man kann irgendwo anders hinsitzen, kann sich verwöhnen lassen irgendwo anders, wie in einem Restaurant, als uns fehlt eigentlich- in DIESER Hinsicht fehlt uns eigentlich Nichts #00:05:10#
  11. I: hm (bejahend) #00:05:11#
  12. B: Effektiv, Also- Oder es geht uns viel besser als Anderen, die das nicht haben. (…) Das ist schon so. #00:05:16#
  13. I: hm (bejahend) #00:05:18#
  14. B: und (ehm) weiter Positiv natürlich /eben/ wie ich es gesagt habe, das ganze Technische, ist natürlich ein Vorwärtskatapult, oder? Von der ganzen Gesellschaft, wenn ich schon nur schon an die Schüler denke, jeder hat Homeoffice- Homeschooling. #00:05:35#
  15. I: hm (bejahend) #00:05:35#
  16. B: Also ich hätte nicht gewusst, wie ich das gemacht hätte, wenn meine Kinder noch klein gewesen wären. Man hätte auch nicht das ganze Material gehabt, man hätte nicht VIER Laptops Zuhause gehabt, weil ich hätte ja auch noch irgendwie müssen arbeiten. Und (…) das ist- habe ich das grosse Glück, sind meine Kinder gross, und nicht klein. Ich bewundere meine Kolleginnen, welche drei kleine Kinder haben, vom Kindergarten bis Ende Primarschule und das ist HORROR. #00:05:58#
  17. I: hm (bejahend) #00:05:59#
  18. B: Und (ehm) ich muss sagen, da habe ich natürlich (ehm) das goldene Los gezogen, was das betrifft. Oder? Ich habe alles, habe meine Ruhe, also eigentlich bin ich zufrieden mit dem und wenn mich jemand fragt, «willst du wieder zurück ins Geschäft?» NEIN, eigentlich nicht, es gefällt mir besser so von Zuhause aus zu arbeiten. ABER wie schon gesagt: das Soziale fehlt. (…) #00:06:33#
  19. I: hm (bejahend) #00:06:34# (…) Und vielleicht noch drei negative Aspekte? Oder was sind so die drei (…) grössten negativen Aspekte? Weil ich würde behaupten, diese Liste ist relativ lange. #00:06:51#
  20. B: Die grössten Negativen, das ist überhaupt dass man (…) die Kontakte in der Gesellschaft so hat müssen reduzieren, dass es eine grosse Vereinsamung gibt, (…) es gibt ein Misstrauen, in der Gesellschaft gegenüber andern. Das Schlimme ist, dass man einander die Mimik nicht mehr sieht, das LÄCHELN nicht mehr sieht, die Herzlichkeit nicht mehr sieht, und dass (ehm) jeder wird je länger es geht irgendwie ein Egoist. Nicht nur die Staaten untereinander, wer hat zuerst den Impfstoff und so weiter, sie schauen für sich selbst, (ehm) auch (…) auch die – also nicht nur die (unverst.) auf der Staatenebene, sondern auch auf der KMU-Ebene, wo grosse tragische Schicksale sind wegen dem. Welche wir gar nicht richtig erfassen, weil jetzt /eben/ wir jetzt nicht so betroffen sind. Wir haben einen sicheren Arbeitsplatz, aber Andere, eben, welche ein Hotel führen oder ein Restaurant haben, ein Coiffeur-Laden, ja, vor Allem KÜNSTLER, welche nichts anderes machen können, keine Aufträge haben, aber sie müssen ihre- ja die sind am verzweifeln. Das Kulturelle- die sind am verzweifeln. #00:08:12#
  21. I: hm (bejahend) #00:08:14#
  22. B: ABER, Die Kultur hat keine grosse Lobby, Fussball zum Beispiel schon. Fussball wird erlaubt, (…) Kultur, die (unverst.) wir nicht. Und sie sagen ja schon, (…) sie sagen schon «Ja, das ist Sport, das ist gut für die Gesundheit, und man muss schauen, nicht nur der Körper sondern auch die Seelische Gesundheit.» Oder dann zum Beispiel, so wie Seelsorger-Angebot, wird vernachlässigt, weil es ist ja echt nur Kirche (sarkastisch). Und dass viele viele Leute das jetzt SO nötig haben, das sehe ich auch beim Arbeiten, die Psychiatrien werden langsam voll, Ambulante Behandlungen haben 70% zugenommen, SIEBZIG- #00:09:03#
  23. I: /Jösses/ #00:09:04#
  24. B: Kinder werden depressiv, welche auch extrem zugenommen haben. Insgesamt (ehm) seit dem Frühling haben alle Behandlungen (…) also ambulant sind mehr, stationär sind 10% mehr, trotz Lockdown, trotz dem dass sie nicht aufnehmen konnten oder nicht haben dürfen aufnehmen, und es werden viel viel mehr kommen. Es gibt ganz viel psychische Folgen von diesem Corona-Lockdown, und überhaupt diesen ganzen Massnahmen, in welchen wir jetzt drin sind. Das sind nicht nur die ALTEN, welche depressiv werden, weil sie ja eingeschlossen waren, das ist jeder, jeder, der das betrifft. #00:09:40#
  25. I: hm (bejahend) (…) vielleicht genau anschliessend an dem, dass es jeden betrifft: Jetzt gibt es, nicht neu, aber doch NEUER eine schweizweite Maskentragpflicht im öffentlichen Raum #00:10:00# Wie findest du das, und wie gehst du damit um? #00:10:03#
  26. B: (…) Also ich habe natürlich die wissenschaftlichen Berichte gesehen, und auch die Videos und weiss auch, wie die Aerosole sich verhalten. Und ich finde das sinnvoll. Maskenpflicht. Man muss aber nicht meinen, dass die Viren nicht durch die Maske gehen, natürlich gehen die durch die Maske, sie sind viel zu klein, von dem her hilft eine Maske NICHT für die Ansteckung zu verhindern, aber sie verhindern, dass die Aerosole eine gewisse Distanz überbrücken können. Anstatt zwei Meter weg (…) ohne Maske beim lauten Sprechen, bleiben die bei 20 Centimeter bei einem von der Distanz. Das ist sehr sehr relevant, besonders wenn man irgendwie mal an einem Tisch sitzt und miteinander soll sprechen. (…) das ist schonmal etwas, dass sie HEMMT, aber sie schützt nicht. Ich finde es aber gut, dass man sie anhaben muss, und es gibt solche, die das NICHT wollen, und ich finde das einfach egoistisch, weil man hat nicht nur die Verantwortung für sich selber, wenn du sagst- es gibt viele Leute, die ich kenne, die sagen «Ich werde nicht krank, ich bin gesund.» Für mich ist das Nichts. Aber die denken nicht weiter, dass SIE ja die Verantwortung auch für Andere haben. Und wenn man es schon selbst nicht will verstehen, finde ich, man soll sie trotzdem anziehen, nur schon um die Anderen zu schützen. Und man muss auch, auf eine gewisse Seite, muss man solidarisch sein, Wenn wir als Gemeinschaft oder als Gesellschaft etwas wollen erreichen, und wir wollen das ZUSAMMEN erreichen, wir MÜSSEN auch! Es funktioniert NUR, wenn die Schwächsten auch mitmachen. Ansonsten funktioniert es nicht. Und darum müssen die alle mitmachen. #00:12:00#
  27. I: hm (bejahend). Trägst du eine Maske? #00:12:05#
  28. B: Ja. (…) Ohne Frage. #00:12:08#
  29. I: hm (bejahend) #00:12:10#
  30. B: Und ohne Probleme. Es ist eine Gewohnheitssache, tatsächlich. Man arrangiert sich damit. Und unterdessen habe ich das Gefühl, haben sich ganz viele auch daran gewöhnt. Im Gegenteil, wenn du keine Maske hast, dann fällt es auf. Wie zum Beispiel beim Einkaufen: Es fällt auf, wenn jemand keine Maske hat, im Laden drin. #00:12:28#
  31. I: hm (bejahend) Ja. (…) Vielleicht noch so ein bisschen weiter auf die Maskentragepflicht eingehend: Weil das Eine ist jetzt, das hast du /mega/ schön erklärt, mit der «Warum sollte man eine Maske anziehen?» Aber das Andere ist ja, dass man sagt: «Du MUSST eine Maske anziehen.» Wie findest du das? Dass man das einfach wirklich sagt «Wenn du in einen Laden rein willst, brauchst du eine Maske»? #00:13:00#
  32. B: Die Maske ist ja nicht irgendwie ein Schönheitsid- (ehm) Accessoire, sondern es IST so, dass es einen Anderen schützt. #00:13:08#
  33. I: hm (bejahend) #00:13:10#
  34. B: Und (…) das ist ja sehr wichtig gegenüber einem Anderen. Und ich finde, das muss man auch in einer Gesellschaft, der Mensch, um zusammenleben zu können, dass es Benehmensregeln gibt, das ist genauso dass es Benehmensregeln gibt, wie zum Beispiel die Verkehrsregeln auf der Strasse, Anstandsregeln und so. Dass- das ist einfach für ein besseres Zusammenleben und um den Anderen zu schützen, und ich finde eine Maskentragpflicht ist genauso wie eine Gurtentragpflicht oder dass man muss anhalten beim Rotlicht, um den Anderen auch zu schützen. #00:13:42#
  35. I: hm (bejahend) Ja. (…) (ehm) Vielleicht noch so: wärst du jetzt Bundesrat: Was würdest du für Lösungen wollen oder machen? Also was wäre so die utopische Lösung, wie man mit diesem ganzen Virus umgehen sollte? #00:14:05#
  36. B: (…) Also negativ oder positiv gemeint? #00:14:16#
  37. I: Wie du willst. (…) Weil es gibt ja- sagen wir es anders: Trump sagt, «Maske bringt gar nichts, ihr müsst keine Maske anziehen, ich will auch nicht, dass ihr drin bleibt» Was weiss ich. Gleichzeitig hat jetzt Österreich, überall- oder Spanien, sobald du aus dem Haus gehst, MUSST du eine Maske anziehen. (ehm) Andere sind wieder ganz im Lockdown drin, Also es haben alle eigentlich das Selbe Problem, und jeder geht anders damit um. Wie würdest du den idealen Weg sehen, wie man mit dem Ganzen umgeht? #00:14:55#
  38. B: Nur für die Masken gedacht? #00:14:57#
  39. I: Allgemein. #00:14:58#
  40. B: Ja. #00:14:59#
  41. I: Mit dem ganzen Umgang, du kannst auch sagen (unverst.) zum Beispiel wieder ein Lockdown, oder wir machen gar nichts. #00:15:03#
  42. B: (ehm) Ich bin überzeugt, dass man den Virus nicht weg bringt, so schnell. Für das ist der schon zu fest (…) da. Der ist nicht mehr eine Pandemie, sondern es ist eine Endemie geworden. Eine Endemie ist dann, wenn- also eine Pandemie kann man immer noch irgendwie beeinflussen, sei es zurückbinden oder sogar eliminieren, und eine Endemie ist, wenn es sich einfach schon so etabliert hat in der Menschheit, dann bringst du den nicht mehr weg. Und das ist (…) wenn du eine Positivitätsrate von über 5% hast. Dann ist es- wird- ist die Gefahr da, dass es eine Endemie wird, weil du es nicht mehr in den Griff bekommst. Wir haben schon LANGE über 5%, wir haben 27%- zwischen 24 und 27% aktuell. Das heisst, darum wollen sie es runter bringen. Sie wissen aber genau, dass sie den Virus nicht wegbringen können. Und jetzt geht es eigentlich nicht mehr um den Virus WEGbringen, sondern es geht darum «bitte nicht alle gleichzeitig krank werden». «Bitte nicht alle gleichzeitig auf die IPS müssen». Weil sie es nicht mehr schaffen. Und das ist ihnen ganz bewusst und sie sagen das der Bevölkerung aber eigentlich NICHT. Die Bevölkerung hofft immer noch dass sie den Virus können (…) beherrschen. Dass es irgendwann einmal wieder normal wird. Auch die Politiker sagen «wenn dann der Virus einmal vorbei ist.» Der wird nie vorbei gehen, gar nicht. Und wenn wir den können zurückbinden, kommt die nächste Mutation und die nächste Welle und es wird jetzt so weiter gehen. Das haben sie schon länger vorausgesagt, dass es so kommen wird. (ehm) Ich finde es schlecht, dass unsere Regierung nicht darauf vorbereitet gewesen ist, und dass sie den ganzen Sommer /Verlauert/ haben, das haben sie. Also der Kanton Schwyz hat es auf jeden Fall /verlauert/. Und dass jetzt die Leute büssen müssen. Und ich finde es ganz schlecht, dass sie den Leuten nicht die Wahrheit sagen, wenn sie würden die Wahrheit sagen, dann würden sie viel mehr diszipliniert sein, um ZUSAMMEN aus dieser Sache raus zu kommen. Solange es natürlich noch solche Covidioten gibt, welche das nicht kapieren, dann ist das eine Gefahr für alle andern. #00:17:21#
  43. I: (grinst) Cooles Wort! (lacht). Das finde ich /hammer/! (lacht) #00:17:28#
  44. B: Es ist ein Covidiot (grinsend). #00:17:29#
  45. I: hm (bejahend) #00:17:30#
  46. B: Ganz einfach, wir sagen dem «das ist ein Covidiot» #00:17:32#
  47. I: Das heisst, wenn ich dich jetzt richtig verstehe, du würdest eigentlich sagen, damit wir nicht so viele Tote haben, muss man eigentlich die Gesellschaft wahrheitsgetreu aufklären (…) und nachher der Rest machen sie selbst? #00:17:55#
  48. B: Nein. Es ist so: wir sind in einer Gesellschaft, in welcher alle die Freiheit haben wollen. Und wir haben eine Demokratie. Das ist der Ursprung, dass wir nicht mehr machen können gegen den Virus. Wenn du siehst, was ist in China abgelaufen? Die haben den Virus gehabt, ganz heftig, ganz schlimm. Was haben sie gemacht? Alle Leute sitzen in ihrer Wohnung, sie DÜRFEN NICHT RAUS. Es sind Leute die gestorben sind in der Wohnung, welche krank gewesen sind, die- andere Leute sind raus gegangen, welche verhaftet worden sind, die konnten schon sagen «Ja aber Zuhause ist meine alte Grossmutter, ich habe jetzt müssen etwas holen gehen.» Diese Grossmutter ist Zuhause verhungert. Es hat /jenste/ Schicksale, welche aus China raus gekommen sind an die Öffentlichkeit wie das gegangen ist. Die sind ganz knallhart und ganz rigoros gekommen, dann haben sie aber nicht gefragt «passt das euch oder passt das euch nicht?» Oder von Demokratie oder Mitspracherecht. Überhaupt nicht. Und dadurch, dass sie die Leute sechs oder acht Wochen in ihren Wohnungen rein verbannt haben. Wenn wir schon daran denken, das könnten sie bei uns NIEMALS machen, wir würden da alle protestieren, weil wir gewöhnt sind mitzusprechen und zu protestieren wenn uns etwas nicht passt. Weil wir das dürfen, wir sind so aufgewachsen. In China nicht. So ist das die einzige Möglichkeit gewesen, den Virus so zurück zu binden (…) und heftig kurz und heftig mehr oder weniger für die und sie sind jetzt eigentlich wieder FREI. Europa schaut jetzt fast neidisch auf China wo jetzt die Konjunktur einen Wachstum hat von fast 7%, davon kann Europa nur träumen, auch in guten Zeiten. Wo eigentlich alles aufholt, was mit Corona gehabt hat. Und wir bringen das nicht fertig, weil wir die Demokratie achten von den Leuten wir denken nicht daran, es käme gar nicht durch, wir hätten einen riesigen Aufstand, es würde gar nicht gehen. Das heisst, dadurch dass wir dies achten, geht unsere Wirtschaft kaputt. Und immer mehr. Wir haben Schulden und so weiter. Und wir werden das auch nicht- wir brauchen jetzt schon 15 Jahre um diesen Berg von Schulden abzubezahlen. Mit allen Folgen, bis zur AHV-Reform, welche sie angreifen müssen. Weil die Geburtenstarken Jahrgängen in den nächsten 15 Jahren sind die alle pensioniert. Was passiert dann? Und in China haben sie das Problem NICHT, sage ich jetzt mal. Weil sie sind- haben rigoros durchgegriffen, sie haben nicht gefragt «können wir?» sondern sie haben einfach gemacht und gezwungen- unter Zwang. China wird auch so weit sein, dass sie sagen, «wir machen jetzt eine Zwangsimpfung». Sie sind schon am impfen. #00:20:40#
  49. I: hm (bejahend) #00:20:42#
  50. B: Aber der Impfstoff, da wird nicht hinterfragt, ist das ein guter Impfstoff, hat er eine DNA-technische Veränderung, nein oder ja? Verändert er die eigenen Gene? Was passiert? Es gibt keine Studie, nichts, aber sie müssen einfach hinhalten, weil sie müssen. Keine Frage. Bei uns wird das nicht kommen, aus dem Grund dass obwohl sie es wünschen, dass es eine Impfung gibt, dass es so eine Durchseuchung gibt, aber das wäre ja ein- also das ginge gar nicht. Das ginge gegen die Menschenrechte, gegen alles. Und das ist natürlich ein grosser Widerspruch! Was passiert aber, wenn jemand sich da nicht will impfen lassen? Da ist natürlich die Gefahr, dass die Leute, die im Gesundheitswesen dagegen sind, und das sind 30%, die jetzt schon sagen «Impfung kommt gar nicht in Frage, weil das ist eine gentechnische Veränderung an sich selbst. Das machen sie nicht.». Und das sind Ärzte, die nein sagen, wirklich, das sind diejenigen, die in Medizin /draus/ kommen, welche nicht wie Schafe sagen «Okay, wir machen es, weil sie es sagen, die wissen schon besser». Nein sie wissen es selbst besser. Was passiert dann, wenn diejenigen sich nicht impfen, und wollen aber weiterhin als Beruf mit andern Menschen arbeiten? Es sind schon Stimmen laut, auch der Bundesrat, der das gesagt hat vor ein paar Wochen: Wenn sie sich nicht impfen, dann nachher dürfen sie nicht mehr mit Menschen arbeiten. So. Und wenn sie das JETZT SCHON sagen, und so mal den Gedanken streuen, dann kann das schon sein, dass das mal so kommt, dass es eine zwei-Klassen-Gesellschaft gibt im Grunde genommen. Und zwar die Klassen «Die Geimpften» und «Die nicht Geimpften». Und je nach dem darfst du etwas machen, darfst vielleicht reisen gehen mit einem Impfpass, du bist geimpft, so wie ein Hund, der einen Impfpass hat, wenn er ins Ausland geht. Der gegen Tollwut geimpfte, dann darf er gehen, und wenn nicht, dann darf er nicht gehen. Und das ist die Gefahr hier. Und das wäre die Schlimme Utopie, oder? A la Orwell, oder? #00:22:42#
  51. I: hm (bejahend) #00:22:43#
  52. B: Es ist gut möglich, dass es so kommt. Ich selbst bin überzeugt, dass der Virus, der hat unterdessen 14 Mutationen, und dann ist der von Dänemark noch nicht dabei gerechnet,- 14 Mutationen jetzt da in Europa und die Impfung ist wie eine Grippeimpfung. Das heisst du kannst die gar nicht beherrschen, weil sie sich laufend mutiert, das heisst wenn es- wenn du jetzt eine Impfung hast, welche auf den- und das ist- also die Impfung ist dann entwickelt worden irgendwie im Frühling, weil sonst hättest du jetzt nicht eine Impfung, dann ist die Erkenntnis vom Frühling auf einen Virus ausgerichtet, den es jetzt schon nicht mehr gibt, weil er sich weitermutiert hat. Das heisst in einem halben Jahr oder in ein paar Monaten wirkt die Impfung gar nicht. Und (ehm) ja, das ist natürlich schon schwierig so etwas zu machen. Also das heisst, wir werden den nicht in den Griff bekommen. Und was noch ganz die neuesten News sind, (lacht) das weisst jetzt DU, (ehm) die Impfung, die alle erwarten, und alle darauf hoffen, ist nicht die gleiche Wirkung bei jedem. Und zwar (…) bei den Alten wirkt es fast nicht. Und bei den Jungen mehr. #00:24:11#
  53. I: Okay. #00:24:12#
  54. B: Aus dem Grund, die Impfung wirkt NUR, wenn du ein gutes Immunsystem hast. Und je älter du wirst, desto schwächer ist das Immunsystem. (…) und je mehr Vorerkrankungen du hast, desto weniger wirkt die Impfung. #00:24:31#
  55. I: hm (bejahend) #00:24:32#
  56. B: Das wissen die Leute nicht. Die denken sie können hin halten und impfen lassen. Das stimmt nicht. Also es gibt einen Umbruch in der Menschheit, in der ganzen Menschheit. (…) Und wenn man weiss, JETZT ist man hier drin, das ist schrecklich eigentlich. Man wünscht sich, das nicht zu erleben, das ist ein schlechter Film. (…) #00:24:58#
  57. I: hm (bejahend) #00:25:00#
  58. B: Mir tun alle Kinder leid, (…) die bereits teilweise im Kindergarten mit Masken herum laufen, wie Milena, am NAME EINES FREUNDES seine Tochter. #00:25:09#
  59. I: Ja. #00:25:11#
  60. B: Die müssen auch eine Maske anziehen. Obwohl sie klein sind. Und ich finde (…) die Mimik vom Gegenüber extrem wichtig und wenn sie so aufwachsen, sie werden ja auch emotional verarmen. Sie können den Anderen nicht mehr interpretieren. Das LÄCHELN ist nichts mehr wert, denn es gibt es nicht mehr. Und was ist dann mit denjenigen, die nicht richtig hören, die Lippenlesen müssen? (…) Was passiert mit denen? #00:25:40#
  61. I: hm (bejahend) #00:25:41#
  62. B: Also es ist schon etwas- und auch die Kinder: Umarmungen: und wenn es nur mit den Grosseltern ist, die sagen «Nein, du darfst die Grossmutter nicht umarmen, es ist zu gefährlich.» (…) Ich finde das schwierig. Ein Kindergeburtstag, den sie nicht mehr haben können, Weihnachten, welche nicht mehr statt findet. Kein /Samichlaus/ der noch kommt. Einfach die ganzen Traditionen und das, was uns lieb ist, ist nicht mehr da. Und wenn das die Erwachsenen auch sehen, dann kann man wirklich depressiv werden. Und das ist das, was jetzt passiert, mit ganz ganz vielen Leuten. Die mögen nicht mehr und sie haben genug! Und sie wollen nicht, sie wollen eigentlich aufwachen aus diesem Alptraum und wünschen sich, dass es wieder normal ist. (…) Die Leute sind auch verschieden, wie sie reagieren. Die im Tessin- alle wissen jemanden, welcher- oder haben in der Familie oder Bekannte, wo jemand gestorben ist. Die verhalten sich wieder ganz anders als wir, in der Deutschschweiz, welche keinen haben. Und es sind viele die sagen «Ja, ich kenne ja niemanden, es ist ja gar nicht so schlimm.» Aber was jetzt im Wallis abgeht, das ist grauenhaft. JETZT. Und (ehm) ja, es ist nicht lustig. Also wenn ich dann ins Wallis gehe, bleibe ich auf der Bettmeralp. Ich gehe dann nicht wegen dem, dann- Ja. #00:27:03#
  63. I: Aber es ist natürlich auch schön, wenn man die Möglichkeit hat von einer Isolation oder einem Abschotten mit einer schönen Aussicht. #00:27:17#
  64. B: Ja ich meine, ich bin ja nicht im Nebel unten. Auch in WOHNORT DER BEFRAGTEN PERSON nicht. Ich habe ja alles, es hat Terrassen, ich kann raus, andere haben das nicht mal, sitzen zu fünft in einer Wohnung und nerven sich, oder? Ich denke vielleicht noch der Lärm vom oberen Nachbar und die Musik vom unteren Nachbarn. Eben, in dieser ganzen Situation geht es uns allen SUPER gut. Wir haben einen festen Job, wir haben ein schönes Zuhause und wir können untereinander hin und her pendeln. Und haben doch wieder unsere Ruhe, wenn wir Ruhe haben möchten. Also das ist schon, schon so. Da haben wir LUXUS, in dieser Situation drin. Andere haben das nicht. #00:27:53#
  65. I: Ja. #00:27:54#
  66. B: Das ist so. (…) #00:28:02#
  67. I: (ehm) Vielleicht nochmals ein wenig zurück zur Maske. In meinem ersten Interview wurde gesagt, dass man die Maske anzieht, aber nicht gerne, und aus diesem Grund eigentlich nicht mehr Einkaufen geht. Ausser es ist /mega/ nötig und – ja. Ausser man hat keine Konserven mehr. Aber zum Beispiel Kleider und so werden nach Hause bestellt. (…) Wie gehst du damit um? Siehst du eine Veränderung in deinem, sagen wir mal «Konsumverhalten»? Oder im Shoppingverhalten? Aufgrund von der Maske? #00:28:47#
  68. B: Aufgrund von der Maske gar nicht, also es ist nicht so dass ich sage, ich gehe keine Kleider anprobieren, was ich eben auch schon gehört habe, dass Leute das sagen, ich gehe nicht Kleider anprobieren mit Maske weil es mich stört, dann gehe ich lieber eben, in den Kanton Schwyz wo es noch lange keine Maskenpflicht gegeben hat, weil dort kann ich Kleider anprobieren OHNE Maske. Das ist vieles, was wir gehört haben im Kanton Schwyz. Das würde mich jetzt GAR nicht stören. Und ich muss ehrlich sagen, wenn ich eine Maske an habe, in WOHNORT DER BEFRAGTEN PERSON ist es gefroren am Morgen, dann muss ich sagen, es ist schön warm im Gesicht. (I: Lacht) Sonst hätte man einen Schal vor dem Gesicht. Also das ist dann etwas, wo ich sage «Oh, das ist dann eigentlich schon»- es ist auch nicht schlecht. Also es ist nicht alles schlecht an der Maske. Das ist schon so. Aber wenn ich natürlich fest den (…) Berg nach oben laufen muss irgendwo, und dann ist das schon unangenehm, weil dann hat man – dann muss man eine zweite Maske dann haben, weil die erste dann feucht wird. Also das finde ich dann wieder /grusig/. Also es ist schon nicht alles toll, klar. Aber ich finde es gut, wenn andere Leute natürlich auch eine Maske an haben, dann fühle ich mich auch eher geschützt. #00:29:50#
  69. I: Ja. #00:29:51#
  70. B: Oder, wenn sie irgendwie dann noch so rum husten und ich meine das ist natürlich so, sobald dass jemand hustet, dann ist er im Generalverdacht drin, oder? Er wird böse angeschaut. Und auch in der ÖV wenn jemand hustet, so praktisch «was machst du noch da? Du solltest Zuhause sein, du hustest ja.» Egal ob es jetzt irgendwie ein Allergisches Husten ist oder ein Raucherhusten, egal. Man wird einfach böse angeschaut und diese Blicke kassiert man. #00:30:13#
  71. I: Ja, definitiv. #00:30:15#
  72. B: Ja. (…) Genau. #00:30:18#
  73. I: Ja, gut. Ich habe meine Fragen durch. #00:30:23#
  74. B: Schon, gut. #00:30:24#
  75. I: Hast du noch irgendetwas, wo du findest, DAS würde ich gerne noch sagen, was ich jetzt aber nicht gefragt habe, oder Anmerkungen oder noch etwas, was dir in den Sinn gekommen ist? #00:30:36#
  76. B: Ich finde einfach nur (lacht), ich weiss natürlich, was in der Politik abgeht, was die Wissenschaft weiss, weiss ich meistens vor dem, dass es überhaupt publiziert wird, in der Tagesschau. Und es nervt mich einfach, wie spät die Informationen von oben runter gehen an die Öffentlichkeit und man weiss es schon drei Monate vorher. Und es wird nirgends erzählt. Und das nervt mich enorm. Also dass auch verschiedene Versteckensspielchen gespielt wurden mit der Anzahl Masken, wo ich doch genau den Pandemieplan kenne und an den Kopf fasse, was wird da erzählt. Und dann auch mit den Kindern und den Grosseltern. Und dann nachher wo sind die Hotspots, sind es die Bars? Nein, sie sind doch Zuhause bei Privatfeiern. Und es sind so viele Gaps, wo das Bundesamt sich erlaubt hat, wo du dir an den Kopf fasst, weil es einfach nicht wissenschaftlich bewiesen gewesen ist. Oder sie haben einfach einen /Scheiss/ erzählt, um von den eigenen Fehlern abzulenken, Und gerade so ein Dani Koch ist hoch gelobt worden, dabei hat er SO VIEL /Scheiss/ erzählt. Und das nervt mich dermassen. (…) Und ich denke immer, ja, in vielen Situationen, sind sie für dumm verkauft worden, die Leute. Jetzt auch mit der Maske. Jetzt ist die Begründung gewesen, letztens, wieso dass man keine Masken hat und wieso sie gesagt haben beim Lockdown «Du musst keine Maske anziehen», es hat ja immer geheissen «Ja, es nützt nichts, es nützt nichts.» Oder? Jetzt haben sie gesagt, ja sie haben das nur gesagt gehabt, weil wir ja doch während dem Lockdown Zuhause gewesen ist. Dann haben wir ja keine Maske gebraucht. Und jetzt wo es kein Lockdown ist, ist man ja unterwegs, und wegen dem sollte man jetzt eine Maske anziehen. Ja aber auch im Lockdown mussten wir Einkaufen gehen und Tanken und unterwegs sein, oder? Genau das Gleiche- und das sind so fadenscheinige (ehm) Bemerkungen oder Ausreden, ich sage wirklich Ausreden, dass sie das so sagen. Und was mir RIESIG Sorgen macht, das ist wirklcih die ganzen Schicksale mit Kurzarbeit, die finanziellen Schicksale, 1/3 der Betriebe überlebt das nicht, wenn nicht noch mehr. Und was passiert mit den Jungen, die keine Stelle haben oder eine noch nicht so sichere Stelle haben wie wir? Was passiert mit diesen vielen vielen Schulden, die wir haben? Staatsschulden? Ich meine, irgendjemand muss diese Kassen wieder füllen. Wir sind ansonsten Leer und eine dritte Welle, weiss ich nicht, ob wir das noch schaffen. #00:33:08#
  77. I: Hm (Bejahend) #00:33:10#
  78. B: jetzt reden wir aber von diesen eigenen Finanzen. Wir sind ein reiches Land. Wir haben jetzt können für 400 Millionen Impfstoff bestellen. Wo wir ja nicht wissen «Funktioniert er überhaupt?» Das heisst, unser Staat konnte Impfstoff sichern. Was ist mit Staaten, die gar kein Geld haben? Die können keinen Impfstoff sichern. Die können ihre Leute nicht impfen. Das heisst die werden weiterhin Corona bekommen. Oder die Mutation, oder wie auch immer. Das heisst, es wird NICHT aus der Welt geschafft, weil wir nicht alle zusammen das Gleiche machen können. (…) Schlimm, oder? #00:33:56#
  79. I: Ja (bedrückt) #00:33:57#
  80. B: Wenn du an diejenigen denkst- die ganze finanzielle Situation, was der Maurer immer sagt? Und wir sind ein reicher Staat und andere können gar nicht so Geld ausgeben. Was ist mit Italien? (…) Kann nur hoffen, weil sie in der EU sind, dass die EU schaut für Italien, selbst würden sie es nicht schaffen. Aber was ist mit Afrika? #00:34:23#
  81. I: Ja. #00:34:24#
  82. B: Und das sind Sachen, wir schauen nur für uns. Und der Egoismus von den Staaten ist riesig. Und dann wird nicht mehr geschaut auf die anderen Staaten. Und das stört mich dermassen. (…) Ja, das ist es eigentlich. #00:34:47#
  83. I: Okay. Dann stoppe ich die Aufnahme. #00:34:53#

1o.A. (2020). Wegen Maskenpflicht: Zürcher kommen zum Einkaufen in den Kanton Schwyz. Bericht vom 09.09.2020. Verfügbar unter: https://marchanzeiger.ch/2020/09/09/wegen-maskenpflicht-zuercher-kommen-zum-einkaufen-in-den-kanton-schwyz/ [zuletzt abgerufen am: 06.01.2021]

2Kanton Zürich (2020). Stadt Zürich führt Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Bereichen ein. Medienmitteilung vom 7. September 2020. Verfügbar unter: https://www.stadt-zuerich.ch/gud/de/index/departement/medien/medienmitteilungen/2020/september/200907a.html [zuletzt abgerufen am: 05.01.2021]

3Bundesamt für Gesundheit (2020). Coronavirus: Massnahmen und Verordnungen. Verfügbar unter: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/massnahmen-des-bundes.html#1570431754 [zuletzt abgerufen am: 05.01.2021]

4Wozny, N. (2020). Ikea verweigert Kundin ohne Maske trotz Arztzeugnis Zutritt. Bericht vom 28.09.2020. Verfügbar unter: https://www.20min.ch/story/ikea-verweigert-kundin-ohne-maske-trotz-arztzeugnis-zutritt-811133397909 [zuletzt abgerufen am: 06.01.2021]

5Website Ikea: https://www.ikea.com/ch/de/stores/willkommen-zurueck-pub7a0a96c0 [zuletzt abgerufen am: 07.10.2020]. Hervorhebung im Original.

6Website Kanton Zürich: https://www.zh.ch/de/gesundheit/coronavirus.html [zuletzt abgerufen am: 07.10.2020]

7Korte, H. (2017). Eine Theorie für alle Fälle. Talcott Parsons, Robert K. Merton und der Strukturfunktionalismus. In: Einführung in die Geschichte der Soziologie. Einführungskurs Soziologie. Springer VS, Wiesbaden. Verfügbar unter: https://link-springer-com.ezproxy.uzh.ch/chapter/10.1007%2F978-3-658-16422-5_10 [zuletzt abgerufen am: 05.01.2021]. S. 196.

8Parsons, T. (1958). Struktur und Funktion der modernen Medizin. Eine soziologische Analyse. In: René König/Margret Tönnesmann (Hg.), Probleme der Medizinsoziologie, Sonderheft 3 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 10–57. Verfügbar unter: https://www-degruyter-com.ezproxy.uzh.ch/transcript/view/title/517695?tab_body=toc [zuletzt abgerufen am: 05.01.2021]

9Korte, H. (2017).
Dimbath, M. (2020). Handlungstheorie: Eine Einführung. In Handlungstheorie (2. aktual. Aufl.).

10Korte, H. (2017). S. 197.

11Flick, U. (2007). Qualitative Sozialforschung: eine Einführung. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag.

12Przyborski, A. & Wohlrab-Sahr, M. (2014). Beobachtungsprotokolle (Kapitel 3.2); Allgemeine Prinzipien und forschungspraktische Schritte bei der Erhebung sprachlichen Datenmaterials (Kapitel 3.3). In A. Przyborski & M. Wohlab-Sahr, Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch, (S. 49-78). München: Oldenburg.

13Ebd.

14Dresing, T. & Pehl, T. (2013). Praxisbuch Transkription. Regelsysteme, Software und praktische Anleitungen für qualitative ForscherInnen. Marburg: Eigenverlag.

15Döring, N. & Bortz, J. (2016). Beobachtung (Kapitel 10.1). In N. Döring & J. Bortz, Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften, 5. Auflage (S. 323-355) Berlin: Springer. S. 324.

16Hirschauer, S. & Amman K. (1997). Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

17Bogdan, B. C. & Biklen, S. K. (1982). Qualitative research for education: An introduction to theory and methods. Boston/London/Sydney/Toronto: Sage.

18Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz

19Parsons, T. (1958).

20Mayring, P. (2015).

21Lamnek, S. (2010). Qualitative Sozialforschung: Lehrbuch. Belz Verlagsgruppe.

22Flick, U., von Kardoff, E. & Steinke, I. (2010). Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Rowohlt.

23Korte, H. (2017).

24Ebd., S. 198f.

25Interview 1, 20.10.2020, Z. 99.

26Korte, H. (2017). S. 199.

27Interview 1, 20.10.2020, Z. 33.

28Ebd.

29Interview 1, 20.10.2020, Z. 35.

30Interview 2, 12.11.2020, Z. 2.

31Ebd., Z. 16.

32Ebd., Z. 3.

33Anmerkung zu wörtlichen Zitaten aus den Interviews: Die Zitation ist hier aufgrund der Lesbarkeit geglätteter als in der Transkription. Das bedeutet, Betonungen, Wiederholungen oder Zögerungen wurden weggelassen. Der originale Wortlaut lässt sich aber trotzdem in den Transkripten im Anhang nachlesen.

34Ebd., Z. 20.

35Korte, H. (2017). S. 199.

36Interview 1, 20.10.2020, Z. 39.

37Ebd., Z. 47.

38Interview 2, 12.11.2020, Z. 6.

39Interview 2, Z. 14.

40Korte, H. (2017). S. 199.

41Interview 2, 12.11.2020, Z. 34.

42Ebd., Z. 42.

43Ebd., Z. 48.

44Ebd., Z. 48.

45Interview 1, 20.10.2020, Z. 73.

46Korte, H. (2017). S. 199.

47Interview 1, 20.10.2020, Z. 49.

48Interview 2, 12.11.2020, Z. 76.

49Interview 1, 20.10.2020, Z. 51.

50Interview 2, 12.11.2020, Z. 48.

51Interview 1, 20.10.2020, Z. 85 & Interview 2, 12.11.2020, Z. 42.

52Parsons, T. (1976). Zur Theorie sozialer Systeme. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Verfügbar unter: https://link-springer-com.ezproxy.uzh.ch/book/10.1007%2F978-3-322-83798-1 [zuletzt abgerufen am: 08.01.2021]. S. 131.

53Parsons, T. (1958).

54Dies wurde nach der Abgabe der Arbeit nochmals mit den Interviewpartner besprochen: Beide stimmen einer Publikation zu.

55Ab Minute 5 fehlen im ersten Interview die genauen Zeitangaben. Jedoch werden die Wechsel der Minuten angezeigt. Im zweiten Interview wurden die Zeitangaben von Hand eingetragen. Aus diesem Grund kann es sein, dass die Zeitangaben auf einzelne Sekunden ungenau ist. Die Transkription erfolgte mit Hilfe des Programms f4.

Christina de Vries